Aus den Berichten Gama’s über seine Begegnisse in Indien war es
ersichtlich geworden, daß man, falls man den indischen Handelsbetrieb
fortsetzen wollte, sich auf ernste Kämpfe mit den Mauren gefaßt machen
müsse, welche das Gewürzmonopol seit langer Zeit in Händen gehabt
hatten, und daß die Glaubensfeindschaft den Streit um so erbitterter
machen werde. Eine friedliche Lösung schien ausgeschlossen; man mußte
einen bewaffneten und auch für Kriegsfälle gerüsteten Handel in
Aussicht nehmen. Dazu bedurfte es vor allem einer imponirenden Flotte.
Zum Befehlshaber wurde +Pedralvarez Cabral+, ein intimer Freund Gama’s,
ausersehen. Während man in Spanien das Monopol des westindischen
Verkehrs nebst einer lästigen Reihe der höchsten Auszeichnungen und
Privilegien einem Einzigen, dem Columbus, übertragen hatte, behielten
sich die portugiesischen Fürsten, da sie von Anfang an die Initiative
dazu ergriffen hatten, alle Rechte freier Wahl vor, belohnten die
Erfolge nach Gebühr, aber wechselten in der Wahl der Oberleitung der
Expeditionen nach reiflichem Ermessen. Gama wurde nicht ganz bei Seite
geschoben, aber er wurde nur als Rathgeber herangezogen. Er entwarf die
Verhaltungsmaßregeln für den zweiten Zug nach Indien. Er überwachte die
Ausrüstung und schrieb den einzuschlagenden Schiffscours vor. Er gab
an, wie man sich in Kalikut gegenüber dem Samudrin zu verhalten habe
und empfahl, um den von den Mauren ausgestreuten Verdacht, als ob die
Portugiesen lediglich Seeräuber wären, zu beseitigen, man solle die
Beamten des Samudrin einladen, an Bord zu kommen, um die mitgebrachten
Tauschwaaren zu besichtigen. Vor allem wurde aber Cabral eindringlich
gewarnt, nicht ohne Geißel sich an Land zu begeben. Als beste Zeit für
die Abfahrt wurde der März bestimmt, weil man dann zu günstiger Zeit
die Region der Monsune im indischen Meere erreiche. Die Flotte bestand
aus zehn großen und drei kleinen Schiffen und hatte 1200 Mann an
Bord. Unter den Schiffscapitänen befanden sich +Bartolomeu Dias+, der
Entdecker des Sturmcaps und Nicolao Coelho, der Begleiter Gama’s. Auch
Franziskanermönche und Weltpriester gingen mit, um den christlichen
Glauben zu verbreiten. An der Ausrüstung der Flotte betheiligten sich
auch reiche Florentiner Kaufleute. Es war die Absicht, in Malabar
festen Fuß zu fassen.
Am 9. März 1500 ging das Geschwader von Lissabon aus unter Segel. In
der Nähe der Capverden wurde Luis Varez durch Sturm von den übrigen
getrennt und kehrte nach Portugal zurück. Von der Guineaküste ab wurde
gegen S.-W. gesteuert, um den Windstillen und widrigen Meeresströmungen
auszuweichen. Vasco da Gama’s Segelvorschrift lautete, man solle in
grade südlichem Cours bis zur Höhe des Caplandes segeln und dann mit
günstigen Westwinden das gefürchtete Südende Afrikas zu umschiffen
suchen. So kam es, daß die Schiffe durch den Aequatorialstrom weiter
als beabsichtigt war, gegen Südwesten geführt wurden, wo sie am
21. oder 24. April etwa unter dem 18° s. Br. unvermuthet auf eine
gebirgige Küste stießen, welche nach der Schätzung der Steuerleute
etwa 450 Leguas von der afrikanischen Küste entfernt lag. Es war das
Gestade Brasiliens, wohin eine günstige Meeresströmung sie durch
Zufall getragen hatte. Daß bereits drei Monate früher Vicente Yañez
Pinzon, einer der Begleiter des Columbus auf seiner ersten Fahrt, etwa
10 Grad weiter nördlich dieselbe Küste berührt hatte, war auf der
portugiesischen Flotte noch nicht bekannt. Es wird aber aus den durch
die Meeresverhältnisse geleiteten Fahrlinien der Portugiesen klar,
daß die neue Welt von ihrem südlichen Halbcontinente aus über kurz
oder lang von den Indienfahrern gefunden werden mußte, auch wenn der
kühne Plan eines Columbus keine Unterstützung gefunden hätte und nicht
zur Ausführung gelangt wäre. Der Gang der Ereignisse brachte diese
Entdeckung von selbst mit sich.
Cabral segelte mehrere Tage an dem Ufer des waldigen Landes hin,
besuchte die Bucht des Porto-Seguro und verkehrte wiederholt mit den
braunen Eingebornen, die fast unbekleidet, ohne Metallwaffen, unter
leichten Strohdächern in Netzen aus Baumwollschnüren schliefen. Am 3.
Mai, dem Tage der Kreuzes-Erfindung nahm Cabral von dem Lande Abschied,
dem er den Namen Terra de Sa. Cruz beilegte, eine Benennung, die sich
aber bald änderte, nachdem man den Reichthum an Farbeholz (Rothholz)
entdeckt hatte. Dieses Holz nannten die Portugiesen Brazil (nach der
Farbe glühender Kohlen) und daher bekam jene Küste bald den Namen
Terra de Brazil, Brasilland, +Brasilien+.[94] Der Capitän Gaspar de
Lemos erhielt den Auftrag, mit der Meldung der neuen Entdeckung nach
Portugal zurückzukehren und unterwegs so viel als möglich von der
weiter nördlich verlaufenden Küste aufzunehmen.[95] Cabral segelte quer
über den südatlantischen Ocean nach dem Caplande zu. In einem schweren
Unwetter, welches zwanzig Tage dauerte, wurden am 23. Mai in der Nähe
des Cap der guten Hoffnung vier Schiffe gekentert und gingen zu Grunde,
darunter auch das Schiff des Bartolomeu Dias. Als ein eigenthümliches
Verhängniß, daß der Entdecker des Cap hier sein Grab in den stürmischen
Wogen finden sollte, sieht es auch Camoēns an, der den Genius des
Sturmcaps also reden läßt:
Vernimm, daß so viel Schiff’ auf dieser Reise
Dir kühnlich folgen hin zu deinem Ziel, --
Die soll als Feinde hier in meinem Kreise
Bedrohen jeder Sturm, der sie befiel;
Die Flotte, welche unerlaubter Weise
Zuerst hieher zu lenken wagt den Kiel,
Die will ich gleich mit solcher Straf beladen,
Daß größer als die Fährniß sei der Schaden.
Hier will ich nehmen (wird kein Wahn mich trügen)
Die schwerste Rach’ an dem, der mich entdeckt.
(Lusiaden V. 43. 44, übersetzt von Wollheim.)
Außerdem wurde auch das Schiff des Diogo Dias vollständig von den
übrigen verschlagen und gelangte auf die Ostseite von Madagascar.
Erst am Nordende bemerkte Dias, daß er eine Insel entdeckt habe. Von
der stattlichen Flotte Cabrals waren somit nur noch sechs Fahrzeuge
vorhanden, die sich auf der Rhede von Sofala am 16. Juli wieder
zusammenfanden.
Die Schiffe hatten furchtbar gelitten, mußten aber doch noch den
Weg bis Mosambik zurücklegen, ehe man Gelegenheit fand, sie für
die Fortsetzung der Reise wieder seetüchtig zu machen. Der ganze
Küstenstrich von Sofala bis Sansibar stand unter der Botmäßigkeit
des Scheich von Kiloa. Nach diesem Mittelpunkte der arabischen
Niederlassungen gelangte Cabral von Mosambik mittelst einheimischer
Lotsen, hatte aber dort wenig Erfolg, als er Handelsbeziehungen
anknüpfen wollte; denn der Scheich erklärte ihm ziemlich unumwunden,
er könne die ihm vorgelegten portugiesischen Waaren nicht gebrauchen.
Auch die Bekehrungsversuche der Geistlichen an Bord trugen keine
Früchte. Am 2. August erschien die Flotte vor Melinde. Mit dem dortigen
Oberherrn wurden die Freundschaftsbezeugungen erneuert. Hier ließ man
auch zwei portugiesische Sträflinge zurück, João Machado und Luis
de Moira, mit dem Auftrage, bis ins Land des Priesterkönigs nach
Abessinien vorzudringen; ein Unternehmen, das damals ebenso fehl
schlug als im 17. Jahrhundert, wo mehremal portugiesische Missionare,
unter ihnen Lobo, um 1626, sich abmühten, das Gebiet der Galla zu
durchbrechen. Der Scheich von Melinde gab den Portugiesen wiederum zwei
Steuerleute mit, welche die Schiffe glücklich in sechzehn Tagen nach
Indien hinübergeleiteten. Schon am 23. August wurden die Andjediven
wieder erreicht. Dort gönnte man sich vierzehn Tage Rast, die Schiffe
wurden wieder kalfatert und mit Wasser versorgt, denn man mußte mit
einer wohl in Stand gesetzten Flotte vor Kalikut auftreten. Wenn auch
die Seemacht auf die Hälfte reducirt war, war sie immerhin doppelt so
stark an Zahl der Schiffe, als das kleine Geschwader Gama’s und mußte
wohl den Verdacht eines Korsarenwesens zurückdrängen. Der Samudrin
bekundete seine friedliche Gesinnung dadurch, daß er die Fremden sofort
nach ihrem Eintreffen durch zwei Nair und einen angesehenen Kaufmann
aus Gudjerat begrüßen ließ. Cabral schickte die vier Indier, welche
Gama mitgenommen, wieder ans Land und ließ den Fürsten ersuchen, ihm
Geißeln als Bürgen eines friedlichen Geschäftsverkehrs zu senden. Der
Brief des Königs Manuel enthielt denselben Wunsch, sprach aber daneben,
unüberlegter Weise, viel von Bekehrungsplänen, wodurch die religiösen
Gegensätze und Antipathien in Indien von neuem aufgeregt werden mußten.
Sechs Geißeln wurden zwar gestellt, allein portugiesischerseits
hatte man dabei nicht an die Schwierigkeiten gedacht, welche die
brahminischen Religionssatzungen einem längeren Aufenthalte auf
den Schiffen entgegenstellte, wo die Indier keine von fremder Hand
zubereiteten Speisen zu sich nehmen durften. Man mußte wenigstens
gestatten, daß sie von Zeit zu Zeit durch ein Sambuk nach der Stadt
geholt wurden, um dort zu essen. Cabral begab sich indessen, durch
die Bürgen gedeckt, in prächtigem Aufzug ans Ufer und hatte am
Strande mit dem Samudrin die erste Zusammenkunft. Noch war er aber
nicht zurückgekehrt, als ein Fahrzeug bei der portugiesischen Flotte
erschien, um die Geißeln abzuholen. Da man an Bord die Auslieferung
verweigerte, sprangen die Geißeln ins Meer und retteten sich zum
Theil auf das befreundete Boot. Geißeln aus vornehmer indischer Kaste
erwiesen sich danach als untauglich. Cabral begnügte sich darum
fernerhin mit der Stellung von angesehenen mohammedanischen Kaufherrn.
So kam denn auch eine zweite Audienz beim Samudrin zu Stande, in
welchem ein friedliches Abkommen getroffen und die Preise der Gewürze
festgestellt wurden. Dem Factor Aires Correa wurden mehrere Häuser
am Hafen für den Handel eingeräumt und diese Waarenlager mit sechzig
Mann Besatzung zur Deckung belegt. Auch die Geistlichen versuchten von
ihr aus ihr Bekehrungswerk zu beginnen, aber ohne Erfolg, da sie die
Sprache des Volks, das Malabarische, nicht verstanden. Cabral scheint
auch, klugerweise, diesem Zweige seiner Sendung wenig Aufmerksamkeit
geschenkt zu haben. Mit Betrübniß mußte er aber bemerken, daß auch
der Handel sich gar nicht beleben wollte. Die Verschleppungspolitik
der Mauren steckte offenbar dahinter. Im Laufe von drei Monaten
hatten erst zwei seiner Schiffe eine hinlängliche Fracht an Pfeffer
eingenommen. Aergerlich darüber ließ Cabral auf Antrieb des Factors
ein im Hafen liegendes Schiff, das einem mohammedanischen Händler
gehörte und angeblich mit Gewürzen beladen war, gewaltsam untersuchen,
fand aber nur Lebensmittel an Bord. Das Gerücht dieses Gewaltstreichs
brachte die Stadt in Aufregung. Von den Mauren aufgestachelt, rottete
sich das Hafenvolk zusammen und stürmte die fremden Magazine. Aires
Correa und ein Theil seiner Leute wurde erschlagen; doch wurde
der zwölfjährige Sohn des Factor, Antonio Correa, auf wunderbare
Weise gerettet und hat sich später im indischen Dienst besonders
hervorgethan. Cabral schritt sofort zu einer energischen Züchtigung:
er ließ fünfzehn im Hafen liegende Schiffe in Brand stecken und
beschoß einen Tag lang die Stadt. Damit war jeder weitere Verkehr
abgeschnitten, man befand sich dem Samudrin gegenüber auf feindlichem
Fuß. Cabral begab sich dann nach dem südlicher gelegenen Kotschin,
dessen Radscha ihm bereits aus Eifersucht gegen Kalikut eine
freundliche Einladung gesandt hatte. Binnen drei Wochen wurden hier
und in Kranganor (Cotunglur, Kadungulur nahe bei Kotschin) alle
Schiffe mit Gewürz befrachtet. Auch der Fürst von Kollam, südlich von
Kotschin, erbot sich, zu mäßigen Preisen die gewünschten Waaren zu
liefern. Endlich lief die Flotte noch in Kananor an, welches bereits
von Gama besucht war. Hier vervollständigten sie die Ladung noch
durch Ingwer und Zimmt; von diesen Artikeln wurden aber solche Mengen
angeboten, daß man nicht alles mitnehmen konnte. Der Radscha, im
Glauben, den Portugiesen seien die Mittel zum Einkauf ausgegangen, bot
ihnen daher an, sie möchten die Waaren nur nehmen und das nächste Mal
bezahlen. Ein solches Zutrauen bewies er den handelsbegierigen Fremden.
Nachdem er dann noch Gesandte mit nach Europa abgeordnet hatte, ging
die Flotte am 16. Januar 1501 wieder unter Segel, verlor aber kurz
vor Melinde im Sturm das Schiff des Sancho de Toar; doch wurde die
Mannschaft gerettet. Dann ging’s weiter nach Mosambik, wo die Schiffe
noch einmal wieder kalfatert wurden, ehe sie in die Sturmregion am
Caplande einträten. Toar bekam hier in Mosambik noch den Auftrag,
in einem kleinen Schiffe Sofala zu besuchen, eine Aufgabe, welche
eigentlich die Gebrüder Dias hatten lösen sollen. Toar ging mit dem
indischen Juden Gaspar da India oder da Gama als Dolmetsch und einem
Piloten von Melinde nach Sofala, fand dort eine günstige Aufnahme und
kehrte von allen Capitänen, die an dieser zweiten indischen Expedition
theilgenommen hatten, am spätesten zurück, denn er erreichte Lissabon
erst im September 1501. Toar berichtete später von dem Goldreichthum
Sofalas, und daß die Eingebornen, von denen die Araber das Gold
eintauschten, vier Augen hätten, zwei vorn und zwei hinten am Kopfe.
Jedenfalls ein arabisches Handelsmärchen, das der Portugiese ebenso
treuherzig glaubte, als Herodot in alter Zeit die phönizischen
Schifferlügen erzählte.
Die Rückfahrt Cabrals ging weiterhin ohne bedeutenden Unfall von
statten. Doch wurde noch das Schiff des Pero de Taide von den übrigen
getrennt, gelangte aber auch glücklich nach Portugal. Bei den Capverden
stellte sich auch Diogo Dias wieder ein, der auf seiner einsamen Fahrt
von Madagascar nach Magadoschu gerathen war und dort am afrikanischen
Strande in einem Ueberfall, wahrscheinlich bei Barawa, seine ganze
Mannschaft bis auf sieben Köpfe eingebüßt hatte und sich dadurch
genöthigt sah, den Heimweg anzutreten, ohne Indien gesehen zu haben.
Bei den Capverden fand noch eine zweite Begegnung statt, man fand
nämlich die drei Schiffe, welche am 13. Mai von Lissabon abgegangen
waren, um die Entdeckung Brasiliens weiter zu vervollständigen. An
diesem Unternehmen betheiligte sich auch Amerigo Vespucci, welcher
seine zweite Reise nach der neuen Welt antrat.
Cabral hatte zwar fünf Schiffe vollständig verloren, und eins von
Brasilien zurückgeschickt, während ein siebentes, dasjenige des Pero
de Taide, Indien gar nicht erreicht hatte, trotzdem wog die kostbare
Fracht an Gewürzen, Perlen und Edelsteinen die Verluste vollständig
auf. Darum entschloß man sich auch in Portugal, da die Handelsvortheile
bedeutend überwogen, die Indienfahrten fortzusetzen und mit verstärkter
Waffenmacht die mohammedanischen Händler aus den indischen Gewässern zu
vertreiben.
Ehe Cabral zurückkam, schickte der König bereits am 5. März 1501 wieder
ein kleines Geschwader von vier Schiffen unter Führung des Galiciers
+João da Nova+ ab. Eins dieser Fahrzeuge, unter Diogo Barbosa, hatten
portugiesische Kaufleute ausgerüstet, ein anderes hatte der Florentiner
Bartolomeo Marchioni unter die Leitung des Francesco Vinetti gestellt;
denn der portugiesische König gestattete den Kaufherren, welche auf
ihre Kosten Schiffe ausrüsteten, auch den Capitän zu ernennen. Das
vierte Schiff befehligte Francisco de Novaes.
Auf der Fahrt durch den atlantischen Ocean entdeckte João da Nova,
unter 8° s. Br., eine Insel, der er den Namen Ilha da Conceizão
(Concepçao, Insel der Empfängniß) beilegte. Wir sehen daraus, welchen
Cours die Schiffe einschlugen. Albuquerque taufte zwei Jahre später,
wahrscheinlich weil ihm die frühere Entdeckung unbekannt geblieben
war, die Insel um und nannte sie Ilha da Ascensão (Himmelfahrtsinsel),
wie sie auch heute noch heißt. Am 7. Juli erreichte das Geschwader den
Wasserplatz von San Braz an der Mosselbai, östlich vom Vorgebirge der
guten Hoffnung. Hier fanden sie einen Brief, den Pero de Taide auf
seiner Heimfahrt zurückgelassen hatte; João da Nova ersah daraus, wie
die indischen Angelegenheiten standen und was unter Cabral vorgefallen
war. Im August erreichte man Mosambik und weiter Kiloa, wo sich ein
von der früheren Expedition zurückgelassener Verbrecher, Antonio
Fernandez, bei ihnen einfand und den Inhalt des in der Mosselbai
gefundenen Briefes bestätigte. Auf dem gewöhnlichen Wege über Melinde
gelangte da Nova ohne Fährlichkeit nach Kananor. Hier bot ihm der
Fürst die gewünschte Gewürzfracht an, aber da der Flottenführer die
Weisung erhalten hatte, sich zuerst in Kotschin mit Hilfe des dortigen
portugiesischen Factors zu versorgen, so lehnte er vorläufig das
freundliche Anerbieten ab und stach wieder in See, obwohl ihm bereits
Warnungen zugegangen waren, daß eine größere Flotte des feindlichen
Samudrin ihm den Weg verlegen sollte. João da Nova baute aber auf
die größere Gewandtheit seiner Schiffe und die Ueberlegenheit seiner
Waffen, und bahnte, während der Fahrt beständig wachsam, mit Gewalt
seinen Weg durch mehr als hundert feindliche Schiffe. Mit seinen
Geschützen bohrte er neun kleinere und fünf größere Schiffe seiner
Gegner in den Grund, wobei 417 Indier sollen ums Leben gekommen sein.
Nach dieser Niederlage bemühte sich zwar der Samudrin wiederum, die
Schuld auf die Hetzereien der Mauren zu schieben und die Portugiesen
mit Freundschaftsversprechen anzulocken; aber diese würdigten ihn
keiner Antwort.
In Kotschin sah sich da Nova insofern getäuscht, als in der Factorei
wenig Vorräthe hatten aufgespeichert werden können, da die Indier
die gewünschten Waaren nur gegen Metall hatten liefern wollen. Der
portugiesische Capitän hatte zwar unterwegs in Sofala Gold eintauschen
wollen, hatte aber nicht landen können, und befand sich, gleichfalls
ohne bedeutende Geldmittel, in einiger Verlegenheit. Indeß gelang es
doch, theils hier, theils noch in Kananor, wohin er zurückging, seine
Schiffsräume zu füllen. Auch wurden noch zwei maurische Gewürzschiffe
unterwegs mit Gewalt ihrer Fracht beraubt. So mit Erfolg und Sieg
gekrönt, sagt da Barros, hatte João da Nova auf der Heimfahrt noch das
Glück eine Insel zu entdecken, der er den Namen St. Helena gab. Diese
kleine Insel scheint Gott an dieser Stelle geschaffen zu haben, um
allen, die von Indien kommen, neues Leben zu geben, denn man findet
hier das vorzüglichste Trinkwasser und andere Erfrischungen in Fülle.
Darum bestreben sich alle dieses Eiland zu erreichen und halten sich,
hier angelangt, für gerettet und geborgen.
Am 11. November 1502 warf João da Nova in dem Hafen von Lissabon die
Anker aus und wurde vom König huldvoll empfangen, weil er durch sein
gewandtes und kühnes Benehmen, ohne Verlust an Schiffen, den ihm
gewordenen Auftrag glänzend durchgeführt hatte.
Indeß war doch der materielle Gewinn, gegenüber den großen Gefahren,
welchen die Indienfahrer unter einer feindlichen, zahlreichen
Bevölkerung beständig ausgesetzt waren, nicht erheblich genug, um ohne
sorgfältige Ueberlegung in gleicher Weise fortgeführt zu werden. Der
afrikanische Handel mit den Negerstämmen an der Küste erschien dagegen
weit bequemer, und wenn man auch sehnlichst wünschte, die bisherigen
Erfolge möglichst auszubeuten, so machten sich doch gerechte Bedenken
laut, woher die bedeutenden Mittel zu beschaffen sein würden. Denn ohne
das Aufgebot einer großen imponirenden Seemacht, welche den indischen
Handel erzwingen konnte, war an eine Fortführung der orientalischen
Unternehmungen nicht zu denken. Der König berief daher mehrmals seine
Räthe, um ihre Meinung zu hören. Trotz aller gegentheiligen Ansichten
drang aber doch die Ueberzeugung durch, daß man mit Hilfe der in
Indien schon gewonnenen Bundesgenossen und durch die überlegenen
europäischen Schiffe und Waffen die Mohammedaner bezwingen werde und
daß man im Gewürzlande festen Fuß fassen könne, um dann -- was als eine
nicht geringe Pflicht angesehen wurde -- den Heiden das Christenthum zu
bringen. So entschied sich der König zur Fortsetzung der Unternehmungen
unter dem Aufgebot aller verfügbaren Mittel.