4. Cabral und João da Nova.

Aus den Berichten Gama’s über seine Begegnisse in Indien war es

ersichtlich geworden, daß man, falls man den indischen Handelsbetrieb

fortsetzen wollte, sich auf ernste Kämpfe mit den Mauren gefaßt machen

müsse, welche das Gewürzmonopol seit langer Zeit in Händen gehabt

hatten, und daß die Glaubensfeindschaft den Streit um so erbitterter

machen werde. Eine friedliche Lösung schien ausgeschlossen; man mußte

einen bewaffneten und auch für Kriegsfälle gerüsteten Handel in

Aussicht nehmen. Dazu bedurfte es vor allem einer imponirenden Flotte.

Zum Befehlshaber wurde +Pedralvarez Cabral+, ein intimer Freund Gama’s,

ausersehen. Während man in Spanien das Monopol des westindischen

Verkehrs nebst einer lästigen Reihe der höchsten Auszeichnungen und

Privilegien einem Einzigen, dem Columbus, übertragen hatte, behielten

sich die portugiesischen Fürsten, da sie von Anfang an die Initiative

dazu ergriffen hatten, alle Rechte freier Wahl vor, belohnten die

Erfolge nach Gebühr, aber wechselten in der Wahl der Oberleitung der

Expeditionen nach reiflichem Ermessen. Gama wurde nicht ganz bei Seite

geschoben, aber er wurde nur als Rathgeber herangezogen. Er entwarf die

Verhaltungsmaßregeln für den zweiten Zug nach Indien. Er überwachte die

Ausrüstung und schrieb den einzuschlagenden Schiffscours vor. Er gab

an, wie man sich in Kalikut gegenüber dem Samudrin zu verhalten habe

und empfahl, um den von den Mauren ausgestreuten Verdacht, als ob die

Portugiesen lediglich Seeräuber wären, zu beseitigen, man solle die

Beamten des Samudrin einladen, an Bord zu kommen, um die mitgebrachten

Tauschwaaren zu besichtigen. Vor allem wurde aber Cabral eindringlich

gewarnt, nicht ohne Geißel sich an Land zu begeben. Als beste Zeit für

die Abfahrt wurde der März bestimmt, weil man dann zu günstiger Zeit

die Region der Monsune im indischen Meere erreiche. Die Flotte bestand

aus zehn großen und drei kleinen Schiffen und hatte 1200 Mann an

Bord. Unter den Schiffscapitänen befanden sich +Bartolomeu Dias+, der

Entdecker des Sturmcaps und Nicolao Coelho, der Begleiter Gama’s. Auch

Franziskanermönche und Weltpriester gingen mit, um den christlichen

Glauben zu verbreiten. An der Ausrüstung der Flotte betheiligten sich

auch reiche Florentiner Kaufleute. Es war die Absicht, in Malabar

festen Fuß zu fassen.

Am 9. März 1500 ging das Geschwader von Lissabon aus unter Segel. In

der Nähe der Capverden wurde Luis Varez durch Sturm von den übrigen

getrennt und kehrte nach Portugal zurück. Von der Guineaküste ab wurde

gegen S.-W. gesteuert, um den Windstillen und widrigen Meeresströmungen

auszuweichen. Vasco da Gama’s Segelvorschrift lautete, man solle in

grade südlichem Cours bis zur Höhe des Caplandes segeln und dann mit

günstigen Westwinden das gefürchtete Südende Afrikas zu umschiffen

suchen. So kam es, daß die Schiffe durch den Aequatorialstrom weiter

als beabsichtigt war, gegen Südwesten geführt wurden, wo sie am

21. oder 24. April etwa unter dem 18° s. Br. unvermuthet auf eine

gebirgige Küste stießen, welche nach der Schätzung der Steuerleute

etwa 450 Leguas von der afrikanischen Küste entfernt lag. Es war das

Gestade Brasiliens, wohin eine günstige Meeresströmung sie durch

Zufall getragen hatte. Daß bereits drei Monate früher Vicente Yañez

Pinzon, einer der Begleiter des Columbus auf seiner ersten Fahrt, etwa

10 Grad weiter nördlich dieselbe Küste berührt hatte, war auf der

portugiesischen Flotte noch nicht bekannt. Es wird aber aus den durch

die Meeresverhältnisse geleiteten Fahrlinien der Portugiesen klar,

daß die neue Welt von ihrem südlichen Halbcontinente aus über kurz

oder lang von den Indienfahrern gefunden werden mußte, auch wenn der

kühne Plan eines Columbus keine Unterstützung gefunden hätte und nicht

zur Ausführung gelangt wäre. Der Gang der Ereignisse brachte diese

Entdeckung von selbst mit sich.

Cabral segelte mehrere Tage an dem Ufer des waldigen Landes hin,

besuchte die Bucht des Porto-Seguro und verkehrte wiederholt mit den

braunen Eingebornen, die fast unbekleidet, ohne Metallwaffen, unter

leichten Strohdächern in Netzen aus Baumwollschnüren schliefen. Am 3.

Mai, dem Tage der Kreuzes-Erfindung nahm Cabral von dem Lande Abschied,

dem er den Namen Terra de Sa. Cruz beilegte, eine Benennung, die sich

aber bald änderte, nachdem man den Reichthum an Farbeholz (Rothholz)

entdeckt hatte. Dieses Holz nannten die Portugiesen Brazil (nach der

Farbe glühender Kohlen) und daher bekam jene Küste bald den Namen

Terra de Brazil, Brasilland, +Brasilien+.[94] Der Capitän Gaspar de

Lemos erhielt den Auftrag, mit der Meldung der neuen Entdeckung nach

Portugal zurückzukehren und unterwegs so viel als möglich von der

weiter nördlich verlaufenden Küste aufzunehmen.[95] Cabral segelte quer

über den südatlantischen Ocean nach dem Caplande zu. In einem schweren

Unwetter, welches zwanzig Tage dauerte, wurden am 23. Mai in der Nähe

des Cap der guten Hoffnung vier Schiffe gekentert und gingen zu Grunde,

darunter auch das Schiff des Bartolomeu Dias. Als ein eigenthümliches

Verhängniß, daß der Entdecker des Cap hier sein Grab in den stürmischen

Wogen finden sollte, sieht es auch Camoēns an, der den Genius des

Sturmcaps also reden läßt:

Vernimm, daß so viel Schiff’ auf dieser Reise

Dir kühnlich folgen hin zu deinem Ziel, --

Die soll als Feinde hier in meinem Kreise

Bedrohen jeder Sturm, der sie befiel;

Die Flotte, welche unerlaubter Weise

Zuerst hieher zu lenken wagt den Kiel,

Die will ich gleich mit solcher Straf beladen,

Daß größer als die Fährniß sei der Schaden.

Hier will ich nehmen (wird kein Wahn mich trügen)

Die schwerste Rach’ an dem, der mich entdeckt.

(Lusiaden V. 43. 44, übersetzt von Wollheim.)

Außerdem wurde auch das Schiff des Diogo Dias vollständig von den

übrigen verschlagen und gelangte auf die Ostseite von Madagascar.

Erst am Nordende bemerkte Dias, daß er eine Insel entdeckt habe. Von

der stattlichen Flotte Cabrals waren somit nur noch sechs Fahrzeuge

vorhanden, die sich auf der Rhede von Sofala am 16. Juli wieder

zusammenfanden.

Die Schiffe hatten furchtbar gelitten, mußten aber doch noch den

Weg bis Mosambik zurücklegen, ehe man Gelegenheit fand, sie für

die Fortsetzung der Reise wieder seetüchtig zu machen. Der ganze

Küstenstrich von Sofala bis Sansibar stand unter der Botmäßigkeit

des Scheich von Kiloa. Nach diesem Mittelpunkte der arabischen

Niederlassungen gelangte Cabral von Mosambik mittelst einheimischer

Lotsen, hatte aber dort wenig Erfolg, als er Handelsbeziehungen

anknüpfen wollte; denn der Scheich erklärte ihm ziemlich unumwunden,

er könne die ihm vorgelegten portugiesischen Waaren nicht gebrauchen.

Auch die Bekehrungsversuche der Geistlichen an Bord trugen keine

Früchte. Am 2. August erschien die Flotte vor Melinde. Mit dem dortigen

Oberherrn wurden die Freundschaftsbezeugungen erneuert. Hier ließ man

auch zwei portugiesische Sträflinge zurück, João Machado und Luis

de Moira, mit dem Auftrage, bis ins Land des Priesterkönigs nach

Abessinien vorzudringen; ein Unternehmen, das damals ebenso fehl

schlug als im 17. Jahrhundert, wo mehremal portugiesische Missionare,

unter ihnen Lobo, um 1626, sich abmühten, das Gebiet der Galla zu

durchbrechen. Der Scheich von Melinde gab den Portugiesen wiederum zwei

Steuerleute mit, welche die Schiffe glücklich in sechzehn Tagen nach

Indien hinübergeleiteten. Schon am 23. August wurden die Andjediven

wieder erreicht. Dort gönnte man sich vierzehn Tage Rast, die Schiffe

wurden wieder kalfatert und mit Wasser versorgt, denn man mußte mit

einer wohl in Stand gesetzten Flotte vor Kalikut auftreten. Wenn auch

die Seemacht auf die Hälfte reducirt war, war sie immerhin doppelt so

stark an Zahl der Schiffe, als das kleine Geschwader Gama’s und mußte

wohl den Verdacht eines Korsarenwesens zurückdrängen. Der Samudrin

bekundete seine friedliche Gesinnung dadurch, daß er die Fremden sofort

nach ihrem Eintreffen durch zwei Nair und einen angesehenen Kaufmann

aus Gudjerat begrüßen ließ. Cabral schickte die vier Indier, welche

Gama mitgenommen, wieder ans Land und ließ den Fürsten ersuchen, ihm

Geißeln als Bürgen eines friedlichen Geschäftsverkehrs zu senden. Der

Brief des Königs Manuel enthielt denselben Wunsch, sprach aber daneben,

unüberlegter Weise, viel von Bekehrungsplänen, wodurch die religiösen

Gegensätze und Antipathien in Indien von neuem aufgeregt werden mußten.

Sechs Geißeln wurden zwar gestellt, allein portugiesischerseits

hatte man dabei nicht an die Schwierigkeiten gedacht, welche die

brahminischen Religionssatzungen einem längeren Aufenthalte auf

den Schiffen entgegenstellte, wo die Indier keine von fremder Hand

zubereiteten Speisen zu sich nehmen durften. Man mußte wenigstens

gestatten, daß sie von Zeit zu Zeit durch ein Sambuk nach der Stadt

geholt wurden, um dort zu essen. Cabral begab sich indessen, durch

die Bürgen gedeckt, in prächtigem Aufzug ans Ufer und hatte am

Strande mit dem Samudrin die erste Zusammenkunft. Noch war er aber

nicht zurückgekehrt, als ein Fahrzeug bei der portugiesischen Flotte

erschien, um die Geißeln abzuholen. Da man an Bord die Auslieferung

verweigerte, sprangen die Geißeln ins Meer und retteten sich zum

Theil auf das befreundete Boot. Geißeln aus vornehmer indischer Kaste

erwiesen sich danach als untauglich. Cabral begnügte sich darum

fernerhin mit der Stellung von angesehenen mohammedanischen Kaufherrn.

So kam denn auch eine zweite Audienz beim Samudrin zu Stande, in

welchem ein friedliches Abkommen getroffen und die Preise der Gewürze

festgestellt wurden. Dem Factor Aires Correa wurden mehrere Häuser

am Hafen für den Handel eingeräumt und diese Waarenlager mit sechzig

Mann Besatzung zur Deckung belegt. Auch die Geistlichen versuchten von

ihr aus ihr Bekehrungswerk zu beginnen, aber ohne Erfolg, da sie die

Sprache des Volks, das Malabarische, nicht verstanden. Cabral scheint

auch, klugerweise, diesem Zweige seiner Sendung wenig Aufmerksamkeit

geschenkt zu haben. Mit Betrübniß mußte er aber bemerken, daß auch

der Handel sich gar nicht beleben wollte. Die Verschleppungspolitik

der Mauren steckte offenbar dahinter. Im Laufe von drei Monaten

hatten erst zwei seiner Schiffe eine hinlängliche Fracht an Pfeffer

eingenommen. Aergerlich darüber ließ Cabral auf Antrieb des Factors

ein im Hafen liegendes Schiff, das einem mohammedanischen Händler

gehörte und angeblich mit Gewürzen beladen war, gewaltsam untersuchen,

fand aber nur Lebensmittel an Bord. Das Gerücht dieses Gewaltstreichs

brachte die Stadt in Aufregung. Von den Mauren aufgestachelt, rottete

sich das Hafenvolk zusammen und stürmte die fremden Magazine. Aires

Correa und ein Theil seiner Leute wurde erschlagen; doch wurde

der zwölfjährige Sohn des Factor, Antonio Correa, auf wunderbare

Weise gerettet und hat sich später im indischen Dienst besonders

hervorgethan. Cabral schritt sofort zu einer energischen Züchtigung:

er ließ fünfzehn im Hafen liegende Schiffe in Brand stecken und

beschoß einen Tag lang die Stadt. Damit war jeder weitere Verkehr

abgeschnitten, man befand sich dem Samudrin gegenüber auf feindlichem

Fuß. Cabral begab sich dann nach dem südlicher gelegenen Kotschin,

dessen Radscha ihm bereits aus Eifersucht gegen Kalikut eine

freundliche Einladung gesandt hatte. Binnen drei Wochen wurden hier

und in Kranganor (Cotunglur, Kadungulur nahe bei Kotschin) alle

Schiffe mit Gewürz befrachtet. Auch der Fürst von Kollam, südlich von

Kotschin, erbot sich, zu mäßigen Preisen die gewünschten Waaren zu

liefern. Endlich lief die Flotte noch in Kananor an, welches bereits

von Gama besucht war. Hier vervollständigten sie die Ladung noch

durch Ingwer und Zimmt; von diesen Artikeln wurden aber solche Mengen

angeboten, daß man nicht alles mitnehmen konnte. Der Radscha, im

Glauben, den Portugiesen seien die Mittel zum Einkauf ausgegangen, bot

ihnen daher an, sie möchten die Waaren nur nehmen und das nächste Mal

bezahlen. Ein solches Zutrauen bewies er den handelsbegierigen Fremden.

Nachdem er dann noch Gesandte mit nach Europa abgeordnet hatte, ging

die Flotte am 16. Januar 1501 wieder unter Segel, verlor aber kurz

vor Melinde im Sturm das Schiff des Sancho de Toar; doch wurde die

Mannschaft gerettet. Dann ging’s weiter nach Mosambik, wo die Schiffe

noch einmal wieder kalfatert wurden, ehe sie in die Sturmregion am

Caplande einträten. Toar bekam hier in Mosambik noch den Auftrag,

in einem kleinen Schiffe Sofala zu besuchen, eine Aufgabe, welche

eigentlich die Gebrüder Dias hatten lösen sollen. Toar ging mit dem

indischen Juden Gaspar da India oder da Gama als Dolmetsch und einem

Piloten von Melinde nach Sofala, fand dort eine günstige Aufnahme und

kehrte von allen Capitänen, die an dieser zweiten indischen Expedition

theilgenommen hatten, am spätesten zurück, denn er erreichte Lissabon

erst im September 1501. Toar berichtete später von dem Goldreichthum

Sofalas, und daß die Eingebornen, von denen die Araber das Gold

eintauschten, vier Augen hätten, zwei vorn und zwei hinten am Kopfe.

Jedenfalls ein arabisches Handelsmärchen, das der Portugiese ebenso

treuherzig glaubte, als Herodot in alter Zeit die phönizischen

Schifferlügen erzählte.

Die Rückfahrt Cabrals ging weiterhin ohne bedeutenden Unfall von

statten. Doch wurde noch das Schiff des Pero de Taide von den übrigen

getrennt, gelangte aber auch glücklich nach Portugal. Bei den Capverden

stellte sich auch Diogo Dias wieder ein, der auf seiner einsamen Fahrt

von Madagascar nach Magadoschu gerathen war und dort am afrikanischen

Strande in einem Ueberfall, wahrscheinlich bei Barawa, seine ganze

Mannschaft bis auf sieben Köpfe eingebüßt hatte und sich dadurch

genöthigt sah, den Heimweg anzutreten, ohne Indien gesehen zu haben.

Bei den Capverden fand noch eine zweite Begegnung statt, man fand

nämlich die drei Schiffe, welche am 13. Mai von Lissabon abgegangen

waren, um die Entdeckung Brasiliens weiter zu vervollständigen. An

diesem Unternehmen betheiligte sich auch Amerigo Vespucci, welcher

seine zweite Reise nach der neuen Welt antrat.

Cabral hatte zwar fünf Schiffe vollständig verloren, und eins von

Brasilien zurückgeschickt, während ein siebentes, dasjenige des Pero

de Taide, Indien gar nicht erreicht hatte, trotzdem wog die kostbare

Fracht an Gewürzen, Perlen und Edelsteinen die Verluste vollständig

auf. Darum entschloß man sich auch in Portugal, da die Handelsvortheile

bedeutend überwogen, die Indienfahrten fortzusetzen und mit verstärkter

Waffenmacht die mohammedanischen Händler aus den indischen Gewässern zu

vertreiben.

Ehe Cabral zurückkam, schickte der König bereits am 5. März 1501 wieder

ein kleines Geschwader von vier Schiffen unter Führung des Galiciers

+João da Nova+ ab. Eins dieser Fahrzeuge, unter Diogo Barbosa, hatten

portugiesische Kaufleute ausgerüstet, ein anderes hatte der Florentiner

Bartolomeo Marchioni unter die Leitung des Francesco Vinetti gestellt;

denn der portugiesische König gestattete den Kaufherren, welche auf

ihre Kosten Schiffe ausrüsteten, auch den Capitän zu ernennen. Das

vierte Schiff befehligte Francisco de Novaes.

Auf der Fahrt durch den atlantischen Ocean entdeckte João da Nova,

unter 8° s. Br., eine Insel, der er den Namen Ilha da Conceizão

(Concepçao, Insel der Empfängniß) beilegte. Wir sehen daraus, welchen

Cours die Schiffe einschlugen. Albuquerque taufte zwei Jahre später,

wahrscheinlich weil ihm die frühere Entdeckung unbekannt geblieben

war, die Insel um und nannte sie Ilha da Ascensão (Himmelfahrtsinsel),

wie sie auch heute noch heißt. Am 7. Juli erreichte das Geschwader den

Wasserplatz von San Braz an der Mosselbai, östlich vom Vorgebirge der

guten Hoffnung. Hier fanden sie einen Brief, den Pero de Taide auf

seiner Heimfahrt zurückgelassen hatte; João da Nova ersah daraus, wie

die indischen Angelegenheiten standen und was unter Cabral vorgefallen

war. Im August erreichte man Mosambik und weiter Kiloa, wo sich ein

von der früheren Expedition zurückgelassener Verbrecher, Antonio

Fernandez, bei ihnen einfand und den Inhalt des in der Mosselbai

gefundenen Briefes bestätigte. Auf dem gewöhnlichen Wege über Melinde

gelangte da Nova ohne Fährlichkeit nach Kananor. Hier bot ihm der

Fürst die gewünschte Gewürzfracht an, aber da der Flottenführer die

Weisung erhalten hatte, sich zuerst in Kotschin mit Hilfe des dortigen

portugiesischen Factors zu versorgen, so lehnte er vorläufig das

freundliche Anerbieten ab und stach wieder in See, obwohl ihm bereits

Warnungen zugegangen waren, daß eine größere Flotte des feindlichen

Samudrin ihm den Weg verlegen sollte. João da Nova baute aber auf

die größere Gewandtheit seiner Schiffe und die Ueberlegenheit seiner

Waffen, und bahnte, während der Fahrt beständig wachsam, mit Gewalt

seinen Weg durch mehr als hundert feindliche Schiffe. Mit seinen

Geschützen bohrte er neun kleinere und fünf größere Schiffe seiner

Gegner in den Grund, wobei 417 Indier sollen ums Leben gekommen sein.

Nach dieser Niederlage bemühte sich zwar der Samudrin wiederum, die

Schuld auf die Hetzereien der Mauren zu schieben und die Portugiesen

mit Freundschaftsversprechen anzulocken; aber diese würdigten ihn

keiner Antwort.

In Kotschin sah sich da Nova insofern getäuscht, als in der Factorei

wenig Vorräthe hatten aufgespeichert werden können, da die Indier

die gewünschten Waaren nur gegen Metall hatten liefern wollen. Der

portugiesische Capitän hatte zwar unterwegs in Sofala Gold eintauschen

wollen, hatte aber nicht landen können, und befand sich, gleichfalls

ohne bedeutende Geldmittel, in einiger Verlegenheit. Indeß gelang es

doch, theils hier, theils noch in Kananor, wohin er zurückging, seine

Schiffsräume zu füllen. Auch wurden noch zwei maurische Gewürzschiffe

unterwegs mit Gewalt ihrer Fracht beraubt. So mit Erfolg und Sieg

gekrönt, sagt da Barros, hatte João da Nova auf der Heimfahrt noch das

Glück eine Insel zu entdecken, der er den Namen St. Helena gab. Diese

kleine Insel scheint Gott an dieser Stelle geschaffen zu haben, um

allen, die von Indien kommen, neues Leben zu geben, denn man findet

hier das vorzüglichste Trinkwasser und andere Erfrischungen in Fülle.

Darum bestreben sich alle dieses Eiland zu erreichen und halten sich,

hier angelangt, für gerettet und geborgen.

Am 11. November 1502 warf João da Nova in dem Hafen von Lissabon die

Anker aus und wurde vom König huldvoll empfangen, weil er durch sein

gewandtes und kühnes Benehmen, ohne Verlust an Schiffen, den ihm

gewordenen Auftrag glänzend durchgeführt hatte.

Indeß war doch der materielle Gewinn, gegenüber den großen Gefahren,

welchen die Indienfahrer unter einer feindlichen, zahlreichen

Bevölkerung beständig ausgesetzt waren, nicht erheblich genug, um ohne

sorgfältige Ueberlegung in gleicher Weise fortgeführt zu werden. Der

afrikanische Handel mit den Negerstämmen an der Küste erschien dagegen

weit bequemer, und wenn man auch sehnlichst wünschte, die bisherigen

Erfolge möglichst auszubeuten, so machten sich doch gerechte Bedenken

laut, woher die bedeutenden Mittel zu beschaffen sein würden. Denn ohne

das Aufgebot einer großen imponirenden Seemacht, welche den indischen

Handel erzwingen konnte, war an eine Fortführung der orientalischen

Unternehmungen nicht zu denken. Der König berief daher mehrmals seine

Räthe, um ihre Meinung zu hören. Trotz aller gegentheiligen Ansichten

drang aber doch die Ueberzeugung durch, daß man mit Hilfe der in

Indien schon gewonnenen Bundesgenossen und durch die überlegenen

europäischen Schiffe und Waffen die Mohammedaner bezwingen werde und

daß man im Gewürzlande festen Fuß fassen könne, um dann -- was als eine

nicht geringe Pflicht angesehen wurde -- den Heiden das Christenthum zu

bringen. So entschied sich der König zur Fortsetzung der Unternehmungen

unter dem Aufgebot aller verfügbaren Mittel.

Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen · 第 67 / 123 题