2. Bartolomeu Dias.

Im August 1486 segelte Bartolomeu Dias mit zwei kleinen Fahrzeugen von

50 Tons Gehalt, von denen das eine unter dem Befehl des João Infante

stand, und einem Proviantschiff unter dem Befehl seines Bruders Pero

Dias aus, um die Küstenforschung Diogo +Cão’s+ fortzusetzen. Die

Familie der Dias hatte sich seit dem Anfange der Unternehmungen des

Infanten Don Enrique im Seedienst ausgezeichnet. João Dias, der Ahne

des Geschlechts, war zuerst mit ums gefürchtete Cap Bojador gesegelt;

Diniz Dias erreichte zuerst das grüne Vorgebirge.

Bartolomeu sollte die rühmlichen Thaten der Vorfahren noch verdunkeln;

und seinen Namen volksthümlich machen.

An der Congoküste und bis über das südliche Cap der guten Hoffnung

hinaus wurden während der Fahrt Negerinnen mit Geschenken ans Land

gesetzt, um dasselbe zu erkunden und den Eingeborenen von der Macht und

Pracht der Portugiesen zu erzählen, welche gekommen seien, das Land

des Priesters Johannes aufzusuchen. Durch das sich weiter verbreitende

Gerücht sollte der Priesterkönig veranlaßt werden, seinerseits Boten

auszusenden, welche mit den Portugiesen eine Annäherung suchten.

Den ersten Wappenstein setzte Dias bei der Serra parda nördlich von

der Walfischbucht. Dann wurde er durch widrige Winde mehrere Tage

aufgehalten und mußte mühsam laviren. Er nannte diese Bucht Angra das

voltas. Der Name eines Cap Voltas haftet noch an der Küste, nahe der

Mündung des Oranjestroms. Vom St. Helenagolf mußte er 13 Tage lang mit

eingerafften Segeln sich von dem Sturm nach Südost treiben lassen.

Dabei gerieth er in kältere Meeresströmungen und war von der schnellen

Abnahme der Temperatur überrascht. Als der Sturm nachließ, steuerte

er wieder gegen Osten, um die Küste zu gewinnen, welche nach seiner

Vorstellung von Norden nach Süden vorlaufen mußte wie bisher. Als er

aber nach mehreren Tagen noch kein Land in Sicht bekam, richtete er

den Lauf der Schiffe nach Norden und erreichte so das Südende des

Continents an einer Bucht, wo Hottentotten mit ihren Herden weideten

und über den Anblick den Schiffe erschreckt ins Binnenland flohen. Die

Bai erhielt den Namen der Kuhhirtenbai (~Angra dos Vaqueiros~); jetzt

heißt sie Flesh-Bai.

Weiter gegen Osten in der San Bras-Bai (Mosselbai) nahm er Wasser ein,

wobei es zum Conflict mit den Eingeborenen kam; auf einer kleinen

Insel Santa Cruz in der Algoabucht wurde der äußerste Wappenpfeiler

gesetzt. Erschöpft durch die unerhörten Strapazen, welche sie erlitten,

forderten die Schiffsleute den Capitän auf, umzukehren. Man wies auch

darauf hin, daß der Proviant zu Ende gehe. Dias bedang sich noch eine

Fahrt von zwei bis drei Tagen aus; wenn sich dann nicht ein Erfolg

zeige (er erwartete wohl, daß die Küste wieder gegen Norden streiche)

wolle er umkehren. Daß das Südende Afrikas umsegelt sei, sah er gewiß;

daß das lang erstrebte Ziel sich nunmehr ohne große Schwierigkeiten

werde gewinnen lassen, war seine feste Ueberzeugung. Nach einer

Fahrt von zwei Tagen, in welchen die Schiffe noch 25 Meilen über den

Wappenpfeiler hinaus bis zum großen Fischfluß vordrangen, welcher

damals den Namen Rio do Infante erhielt, weil der zweite Capitän João

Infante das Land zuerst betrat, sah sich Dias genöthigt, schmerzerfüllt

den Heimweg anzutreten. Es wird uns erzählt, daß, als er zum zweiten

Male die Insel Sa Cruz betrat, er den Wappenstein umklammert und nur

mit schwerem Herzen Abschied von ihm genommen habe, wie wenn er einen

geliebten Sohn scheiden sehe.

Beim weiteren Verfolg erkannte er auch das imposante Felsencap am

südwestlichen Ende des Festlandes, um welches ihn bei der Hinfahrt

der Sturm herumgeführt. Er gab ihm den Namen des Sturmcaps (~Cabo

tormentoso~). Aber der König änderte diesen ominösen Namen in den Glück

verheißenden „Cap der guten Hoffnung“ (~Cabo da boa esperanza~), weil

er der festen Zuversicht war, die Pforte zum indischen Ocean stehe

offen und der Wasserweg zu den Gewürzländern werde endlich gefunden.

Das Transportschiff, welches auf der Westküste Afrikas zurückgeblieben,

zeigte sich in bedauerlichem Zustande, als die beiden Schiffe des

Dias auf ihrer Heimkehr dasselbe trafen. Sechs Mann an Bord waren

von den Negern erschlagen, drei nur noch am Leben, dazu das Schiff

selbst, in Folge von Wurmfraß, nicht mehr seetüchtig. Es mußte daher

in Brand gesteckt werden, ehe man sich zum letzten Theil der Rückreise

anschickte. Im December 1487 langte Dias, nach einer Fahrt von 16

Monaten und 17 Tagen, in Lissabon wieder an. Er hatte auf dieser Reise

weitere 350 Leguas Küstenlinie entdeckt.

Inzwischen hatte aber der König auch Leute ausgesendet, welche

das Reich Habesch und die Verkehrsverhältnisse am indischen Meere

ermitteln sollten. Der erste Versuch einer Sendung schlug allerdings

fehl, denn der Pater Antonio de Lisboa und Pedro de Montorryo,

welche nach Jerusalem geschickt wurden, um dort abessinische Mönche

auszuforschen, die damals häufig zu der heiligen Stadt walfahrteten,

kehrten unverrichteter Sache wieder zurück, weil sie ohne Kenntniß der

arabischen Sprache sich nicht getrauten, mit den Abessiniern ins Land

des Priesters Johannes zu reisen.

So wurden denn, noch ehe Dias heimgekehrt war, zwei andere, bewährte

Männer abgesandt. +Pero de Covilham+ und +Affonso de Paiva+[82] machten

sich am 7. Mai 1487 nach dem Orient auf, erreichten über Rhodos und

Alexandrien die Hauptstadt Aegyptens, Cairo, und fuhren auf dem rothen

Meere nach Aden. Hier trennten sie sich, nachdem als Ort späterer

Vereinigung Cairo bestimmt war. Covilham ging zu Schiff nach der

indischen Malabarküste, besuchte Kananor, Kalikut, Goa und kehrte von

da nach der Ostküste Afrikas zurück, besuchte die Häfen, erreichte als

südlichsten Punkt das durch seinen Goldreichthum berühmte Sofala und

zog über die Insel Madagascar Erkundigungen ein.

Als er auf der Rückreise Cairo wieder erreicht, erfuhr er, daß sein

Gefährte Paiva inzwischen gestorben sei. Doch traf er dort zwei andere

Sendlinge des Königs Johann von Portugal, den Rabbi +Abraham+ aus

+Beja+ und den Juden +Joseph+, einen Schuster aus Lamego. Der letztere

ging mit den wichtigen Nachrichten, welche Covilham eingezogen, sofort

nach Portugal zurück. Covilham schrieb in seinem Briefe, daß die

portugiesischen Schiffe an der Küste Guineas nach Süden zu steuern

hätten, bis sie das Ende Afrikas erreicht, und daß sie im indischen

Meere ihren Cours nach Sofala und der Mondinsel oder Madagascar

richten müßten. Covilham besuchte mit Rabbi Abraham sodann noch Ormuz

und sandte seinen Gefährten mit einer Karawane auf dem üblichen

Wege über Bagdad und Haleb nach Syrien und in die Heimat zurück,

während er selbst Habesch aufzusuchen beschloß. Der König nahm ihn in

seiner Hauptstadt Schoa sehr freundlich auf, wußte aber den ersten

europäischen Besucher an sich zu fesseln, so daß Covilham im Lande

blieb, sich dort verheiratete und noch ein Menschenalter später, als

ein portugiesischer Gesandter 1525 unter Rodriguez de Lima in Habesch

eintraf, lebte. Er wurde über den Besuch seiner Landsleute zu Thränen

gerührt, blieb aber in Habesch und starb dort.

Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen · 第 65 / 123 题