1. Diogo Cão und seine Vorläufer.

Nach dem Hinscheiden des großen Prinzen, seines Oheims, nahm König

Affonso V. in den ersten Jahren noch ein lebhaftes Interesse an den

weitern Fahrten. Pedro de Cintra befuhr von Rio Grande aus die Küste im

Jahre 1461 oder 1462, erreichte zuerst das Cap Verga (10° 12′ n. Br.)

und benannte weiterhin ein kühn vorspringendes Vorgebirge, wie man es

von solcher Höhe an der Küste bisher noch nicht angetroffen hatte, zu

Ehren des Infanten und der Stätte seines Wirkens das Cap Sagres. Die

schwarzen Strandbewohner zeigten in ihrem Ohren- und Nasenschmuck einen

Reichthum an Goldringen, schienen aber kein Eisen zu besitzen.

Die Küste wurde felsig, hoch, bot aber geeignete Ankerplätze. Hier

erhob sich ein Berg, in dessen Wolkengipfel beständige Gewitter zu

zürnen schienen. Nach dem grollenden Donner erhielt derselbe den Namen

Sierra Leona. Dahinter öffnete sich ein von Sandbänken erfüllter Golf,

in welchem das Meer gewaltig brandete. Den jenseitigen Abschluß der

Bucht bildete das Vorgebirge der heiligen Anna (Cabo de Sa. Anna),

(7° 34′ n. Br.), am 26. Juli, als am Tage der Heiligen benannt. Dann

folgte das Cap Mesurado[78] (6° 19′ n. Br.), wo die Bewohner das

Nahen des Schiffes durch eine große Anzahl Feuer signalisirten, in

ähnlicher Weise, wie es in dieser Gegend fast 2000 Jahre früher der

carthaginiensische Admiral Hanno mochte gesehen haben.

Wenige Meilen jenseit dieses Küstenvorsprungs, in der Nähe des

heutigen Monrovia endigte die Fahrt. In der Folgezeit wurde der

König von den Seeunternehmungen abgezogen durch die politischen

Angelegenheiten des Heimatlandes und dadurch, daß er sich in den

castilischen Erbschaftsstreit mischte. Indessen wurde, um den immer

schwunghafter betriebenen Handel mit Sklaven und Gold zu decken, in

Arguim ein Castell gebaut und das Handelsmonopol einem Portugiesen für

den jährlichen Preis von 250 Ducaten (100,000 Realen) verliehen. Im

Jahre 1469 wurde auch das Monopol des Handels an der Guineaküste für

die doppelte Summe jährlich an +Fernão Gomez+ vergeben, und zwar auf

fünf Jahre; doch mußte derselbe sich auch noch verpflichten, auf seine

Kosten die Fahrten fortzusetzen zu weiteren Entdeckungen, und von der

Sierra Leona an gerechnet, jährlich 100 Leguas weiter vordringen, sowie

dem Könige alles Elfenbein für eine festgesetzte Summe, 1500 Realen für

den Centner, überlassen.

So konnte das Jahr 1471 einen bedeutenden Fortschritt verzeichnen,

indem +João de Santarem+ und +Pedro de Escovar+ unter Beihilfe des

damals ausgezeichnetsten aller portugiesischen Piloten +Alvaro Esteves+

nicht nur die Goldküste entdeckten, an welcher später zur Ausbeutung

des Edelmetalls König Johann im Jahre 1482 bei dem Dorfe Aldea das duas

Partes eine Festung unter dem Namen S. Jorge da Mina anlegen ließ,

sondern sie drangen über die Nigermündungen und den Aequator hinaus

nach Süden bis zum Cap Sa. Catarina (1° 51′ s. Br.) vor.

In dem nämlichen oder dem folgenden Jahre entdeckt Fernão do Po die

Insel, welche jetzt seinen Namen trägt, von ihm aber Formosa getauft

war. Auch die südlichen Guinea-Inseln wurden bald darauf gefunden.

Martin Behaim verlegt dies Ereigniß ins Jahr 1484 und bemerkt auf

seinem Globus, daß „eitel wildnus und keine Menschen“ dort gefunden

seien und daß der König von Portugal jährlich Volk dahin sende, das

sonst den Tod verschuldet habe, Männer und Frauen, und daß er ihnen

gebe, damit sie das Feld bauen und sich nähren und damit dies Land von

den Portugalesern bewohnt werde.

Auf Alfons V. folgte 1481 sein Sohn Johann II. Auf ihn schien der

Geist des Prinzen Heinrich übergegangen zu sein, er nahm regern

Antheil an der weiteren Ausdehnung der afrikanischen Fahrten; aber

er hatte auch ein unmittelbares Interesse daran. Denn seit 1473 war

ihm bereits als Einkommen ein Theil der Erträgnisse des Guineahandels

zugewiesen. Er wußte, welche Reichthümer Fernão Gomez sich durch das

fünfjährige Monopol erworben hatte. Dazu kam noch ein neuer Impuls,

als Pabst Sixtus IV. durch die Bulle vom 21. Juli 1481 Portugal den

Besitz aller afrikanischen Entdeckungen bestätigte. Nachdem er im

Mittelpunkte der Goldwäschereien von Mina seine Macht befestigt hatte,

nahm er den Titel +Herr von Guinea+ an und führte auch die Sitte ein,

statt der bis dahin üblichen vergänglichen Holzkreuze, welche die

Entdecker an den hervorragendsten Küstenpunkten errichteten, um ihr

Vorrecht zu dokumentiren, steinerne Wappenpfeiler, s. g. ~padrãos~,

mit lateinischer und portugiesischer Inschrift zu setzen. Der erste,

welcher solche Steinpfeiler mit an Bord nahm, war +Diogo Cão+ oder

Cam, welcher 1484 mit seinen zwei Schiffen auslief. An Bord befand

sich in der Function eines Kosmographen +Martin Behaim+, welcher um

1459 geboren war und sich rühmen durfte, in der Zeit zwischen 1471 und

1475, in welchen Jahren Regiomontan in Nürnberg weilte, dessen Schüler

gewesen zu sein. Bald darauf hatte er sich als Kaufmann zuerst nach den

Niederlanden und von da nach Portugal gewendet. Zwischen beiden Ländern

bestand ein lebhafter Verkehr. Flandrische Colonisten gingen nach den

Açoren. Unter ihnen hatte sich auch ein Edelmann aus Brügge, Jobst von

Hurter befunden, welcher durch seine Verbindung mit einer vornehmen

Portugiesin, einer Palastdame der Königin, als Statthalter in den

erblichen Besitz der Inseln Fayal und Pico gelangte, von denen die

erste vlaamische, die andere portugiesische Ansiedler erhalten hatte.

Mit der Tochter dieses Hurter verheiratete sich Behaim nach seiner

Heimkehr im Jahre 1486.

[Illustration: Martin Behaim.]

Die Expedition des Diogo Cão war für 3 Jahre verproviantirt, hatte

allerlei Handelswaaren mitgenommen und außerdem als Geschenke an die

Mohrenkönige 18 köstlich aufgezäumte Rosse an Bord. Südlich vom Cap

der heiligen Catharina begannen die neuen Entdeckungen. Zuerst wurde

der gewaltigste aller afrikanischen Ströme, der Congo, erreicht, an

dessen Mündung der erste Wappenpfeiler,[79] und zwar auf der Südküste

errichtet wurde. Danach hieß man anfänglich den Fluß Rio de padrão (bei

Behaim Rio de patron). Die Pfeilerspitze liegt unter 6° 8′ s. Br.,

auf dem Globus Behaims ward aber die Mündung des Flusses bereits vom

südlichen Wendekreise durchschnitten. Später nannte man den Strom nach

dem gleichnamigen Königreiche Congo, obwohl man von den Eingebornen den

Namen Zaire gehört hatte. Den Entdeckern fiel bereits die Mächtigkeit

des Stromes auf, der vor seiner Mündung meilenweit das Meer mit süßem

Wasser bedeckte. Diogo Cão fuhr eine Strecke in den Unterlauf hinein

und fand allenthalben viel schwarzes Volk. Von der ganzen Küste wurde

im Namen des Königs von Portugal Besitz ergriffen. Hie und da wurden

auch Eingeborene mitgenommen, um, nachdem sie etwas Portugiesisch

gelernt hätten, als Dolmetscher zu dienen. Der König von Congo, mit

dem Cão Verkehr anknüpfte, bat sogar um christliche Lehren, und sein

Abgesandter, Kassuta, ließ sich in Portugal taufen. Man war erfreut

über die Menge neuer Gewürze. Behaim wähnte sogar die echte Zimmtrinde

gefunden zu haben. Vom Congo drang Cão noch über 200 Leguas nach

Süden, errichtete den zweiten Wappenstein am Cap Agostinho nördlich

von Cap Negro unter 13° 27′ s. Br. und den dritten am Cap Negro selbst

unter 15° 40′ s. Br.[80] Dieser Berg ist auf Behaims Globus besonders

ausgezeichnet als ein eigenthümlich schroffer Fels, der in seiner Form

von der conventionellen Bergzeichnung abweicht und in rother Schrift

den Namen Monte nigro trägt. Daneben lesen wir die Inschrift: „Hie

wurden gesetzt die säulen des konigs von portugal anno domini 1485 d.

18. jan.“ Irrthümlich hielt Behaim diese Spitze aber später für das Cap

der guten Hoffnung, welches Dias im nächstfolgenden Jahre entdeckte.

Das Datum des 18. Januar scheint zu gleicher Zeit den Zeitpunkt

anzugeben, wo man auf dieser Reise den südlichsten Punkt erreichte. Die

Dauer der ganzen Fahrt betrug 19 Monate.

[Illustration: Astrolabium des Joh. Regiomontanus vom Jahre 1468.[81]]

Man muß die Verdienste Behaims bei dieser Entdeckungsfahrt sehr hoch

angerechnet haben, da er nach seiner Rückkehr vom Könige selbst

zum Ritter des Christusordens, welcher aus dem Tempelherrnorden

hervorgegangen war, geschlagen wurde, und zwar in Gegenwart des ganzen

Hofes.

Schon im nächsten Jahre ging ein neues Geschwader aus, aber nach den

Maximen der Regierung unter einem andern Commando: man wollte nicht

+einem+ Manne zu sehr verpflichtet sein. Es war ein staatskluger

Grundsatz, dessen Vortheile erst recht ins Licht traten, als die

spanische Regierung in Folge zu weitgehender Zugeständnisse gegen

Columbus in mancherlei Verlegenheiten gerieth.

Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen · 第 64 / 123 题