Kapitel XXXI

In dem Frühjahr kam die Wärme zeitig. Es war wie ein Atmen in den

schweren, feuchten Schollen und ein Drängen und Tasten in den feinen

Zweigen, und in der warmen Sonne flügelten gelbe und weiße Falter über

die ersten saftig grünen Halme.

Aber das alles sah Lars nicht. Er hatte eine tiefe Linie zwischen

seinen Augen und arbeitete hart. Und er wußte doch bei aller harten

Arbeit, daß er es nicht aufhalten werde. Die gärende Unzufriedenheit

von Kords und Trollsen hatte immer mehr andere angesteckt. Gerade weil

Kords sich vor Lars schämte, wuchs ein Haß in ihm gegen den andern

Mann, der so stark und ruhig arbeiten konnte. Und er und Trollsen

suchten, mit ihrem Schimpfen andere gegen ihn zu gewinnen.

Noch ehe der Aalfang anfing, waren der Unzufriedenen so viele, daß die

andern einsahen, der Dampfer war nicht mehr zu halten. Sie mußten ihn

gut zu verkaufen trachten und nach Möglichkeit die Anteile herauszahlen.

Was in Lars vorging, erfuhr keiner; er ging seiner Arbeit nach und

schwieg. Auch Trina wagte vor ihm kein Wort darüber. Aber sie ging

jetzt manchmal zu Peter und Dora hinüber.

Dora jagte die vielen hellhaarigen, blauäugigen Kinder heraus, und dann

setzten die drei sich an den Tisch, und es fielen zornig harte Worte

über Kords und die andern Undankbaren. Und Peter fuhr sich mit der Hand

durch die Haare und sann, wieviel wohl von ihrem Gelde zu retten und

wieviel durch den Dampfer verloren sei.

Und dann kam endlich eine Verkaufsgelegenheit für den Dampfer. Gerade

so, wie er sich für diese Bucht eignete, paßte er nicht anders wohin.

Darum war es ein jämmerlich geringes Geld, das der Verkauf einbrachte.

Und es ging ein Murren um zwischen den Fischern, das oft zu wildem

Fluchen wuchs. Die einen tobten und schimpften über Lars und seine

Pläne, die andern warfen es den unzufriedenen Hetzern vor, daß sie an

allem Unglück schuld seien.

Aber Peter und alle die, welche zu Lars gehörten, waren jetzt still

geworden; denn sie saßen in schweren Sorgen.

Es war nun nicht länger zu verbergen gewesen, daß Lars sein ganzes

Erspartes in den Dampfer hinein gesteckt hatte. Schlimmer aber war

noch, daß er sogar sein kleines Besitztum belastet hatte, um Geld für

den Ankauf zu erheben. Nun fehlte nicht nur der Notpfennig für die

schlechten Zeiten, sondern es galt noch Schulden abzuzahlen, denn die

kleine Summe, die er vom Dampferverkauf erhalten hatte, deckte die

Schuld nicht einmal ganz.

Da waren sie alle gedrückt und mutlos.

Nur Lars ging mit festen, schweren Tritten seiner Arbeit nach, und das

ruhig starke Licht war in seinen Augen. Aber er arbeitete wieder so

schwer, daß Trina ein paarmal weinend zu Mutter Stina kam in ihrer Not.

„Das kann ja gar kein Mensch aushalten, wie er das treibt. Wenn er nun

noch krank wird, Mutter?“

Aber Mutter Stina hatte kein Trostwort für Trina. Sie hatte nun schon

so viel erlebt. So viel auf und ab, so viel Sonne und schwarzen

Schatten. Und sie hatte immer still halten müssen. Nun lag es wie

herbe, schweigende Würde über dem runzeligen Gesicht. Und aus dem

Schweigen konnte sie nicht mehr heraus.

Durch den Nebel: Roman · 第 89 / 90 题