In dem Frühjahr kam die Wärme zeitig. Es war wie ein Atmen in den
schweren, feuchten Schollen und ein Drängen und Tasten in den feinen
Zweigen, und in der warmen Sonne flügelten gelbe und weiße Falter über
die ersten saftig grünen Halme.
Aber das alles sah Lars nicht. Er hatte eine tiefe Linie zwischen
seinen Augen und arbeitete hart. Und er wußte doch bei aller harten
Arbeit, daß er es nicht aufhalten werde. Die gärende Unzufriedenheit
von Kords und Trollsen hatte immer mehr andere angesteckt. Gerade weil
Kords sich vor Lars schämte, wuchs ein Haß in ihm gegen den andern
Mann, der so stark und ruhig arbeiten konnte. Und er und Trollsen
suchten, mit ihrem Schimpfen andere gegen ihn zu gewinnen.
Noch ehe der Aalfang anfing, waren der Unzufriedenen so viele, daß die
andern einsahen, der Dampfer war nicht mehr zu halten. Sie mußten ihn
gut zu verkaufen trachten und nach Möglichkeit die Anteile herauszahlen.
Was in Lars vorging, erfuhr keiner; er ging seiner Arbeit nach und
schwieg. Auch Trina wagte vor ihm kein Wort darüber. Aber sie ging
jetzt manchmal zu Peter und Dora hinüber.
Dora jagte die vielen hellhaarigen, blauäugigen Kinder heraus, und dann
setzten die drei sich an den Tisch, und es fielen zornig harte Worte
über Kords und die andern Undankbaren. Und Peter fuhr sich mit der Hand
durch die Haare und sann, wieviel wohl von ihrem Gelde zu retten und
wieviel durch den Dampfer verloren sei.
Und dann kam endlich eine Verkaufsgelegenheit für den Dampfer. Gerade
so, wie er sich für diese Bucht eignete, paßte er nicht anders wohin.
Darum war es ein jämmerlich geringes Geld, das der Verkauf einbrachte.
Und es ging ein Murren um zwischen den Fischern, das oft zu wildem
Fluchen wuchs. Die einen tobten und schimpften über Lars und seine
Pläne, die andern warfen es den unzufriedenen Hetzern vor, daß sie an
allem Unglück schuld seien.
Aber Peter und alle die, welche zu Lars gehörten, waren jetzt still
geworden; denn sie saßen in schweren Sorgen.
Es war nun nicht länger zu verbergen gewesen, daß Lars sein ganzes
Erspartes in den Dampfer hinein gesteckt hatte. Schlimmer aber war
noch, daß er sogar sein kleines Besitztum belastet hatte, um Geld für
den Ankauf zu erheben. Nun fehlte nicht nur der Notpfennig für die
schlechten Zeiten, sondern es galt noch Schulden abzuzahlen, denn die
kleine Summe, die er vom Dampferverkauf erhalten hatte, deckte die
Schuld nicht einmal ganz.
Da waren sie alle gedrückt und mutlos.
Nur Lars ging mit festen, schweren Tritten seiner Arbeit nach, und das
ruhig starke Licht war in seinen Augen. Aber er arbeitete wieder so
schwer, daß Trina ein paarmal weinend zu Mutter Stina kam in ihrer Not.
„Das kann ja gar kein Mensch aushalten, wie er das treibt. Wenn er nun
noch krank wird, Mutter?“
Aber Mutter Stina hatte kein Trostwort für Trina. Sie hatte nun schon
so viel erlebt. So viel auf und ab, so viel Sonne und schwarzen
Schatten. Und sie hatte immer still halten müssen. Nun lag es wie
herbe, schweigende Würde über dem runzeligen Gesicht. Und aus dem
Schweigen konnte sie nicht mehr heraus.