Da kam eine Stimme, wie ein Jubelruf: „Lars!“

Lars mußte sich besinnen. Ach richtig, Trina Lassen mußte das sein. Da

stand sie im Dunkeln und hielt seine Hand, und er sprach ihr freundlich

von Peter und von den Eltern und Geschwistern. Sie aber schwieg ganz

still und hielt nur immer die große harte Hand.

Da trat Miete mit der Lampe aus der Laube. Es war nur einen Augenblick,

daß das Lampenlicht über Trina hinglitt.

Aber auf dem Heimwege grübelte Lars nicht mehr über das drängende

Sehnen nach. Es war ein anderes Fühlen in ihm, das füllte sein ganzes

Wesen wie eine heiße Freude. Manchmal sah er zornig vor sich hin. Was

wollte das kleine, blonde Mädchen von ihm? Er wollte frei sein von ihr

und ihrer Art, und er richtete sich grade auf.

Dann aber zog er wieder die Stirne kraus und sann: „Warum hat mich

Trina Lassen so angesehn wie in bittrer Not?“ --

* *

*

Herr Asmussen war wieder in der Fischerhütte gewesen. Mutter Stina

hatte ihm den besten Stuhl angeboten, und Großvater hatte sich

feierlich an die andere Seite vom Tisch gesetzt und hatte ihm

unverwandt ins Gesicht gesehn. Und beide schwiegen sie, Großvater und

Mutter Stina. Aber Herrn Asmussens Stimme füllte den kleinen Raum mit

tieftöniger Freundlichkeit.

Dann bückte sich Peter Lassens lange Gestalt zur Haustür herein. Es

war nichts von Staunen in seinen Mienen über den Gast. Er stand da in

seiner ganzen Länge, ein wenig lässig, mit der einen Hand am niedern

Deckenbalken angestemmt, und wippte gemächlich beim Sprechen hin und

her.

Und Herr Asmussen saß gut zurückgelehnt und holte die Stimme tief aus

seinem Fett herauf und sprach herablassend und mit Wohlgefälligkeit.

Und er wog die dicke Uhrkette vor der runden Weste mit der hohlen Hand

und lächelte gütig zu Peter Lassen hinauf. Und wenn er Andeutungen

machte auf eine Einladung zu Frau Henriette, dann war es, wie wenn

einer mit Geld in der Tasche klimpert. Peter aber sah aus klugen,

wachen Augen und nickte freundlich und wie in Freude.

Und Herr Asmussen erzählte wohlgefällig seiner Frau von den braven

Fischerleuten. Und von dem frischen, aufgeweckten, jungen Menschen, den

er mit seiner Freundlichkeit gewonnen hatte. Und dann breitete er mit

Behagen seinen neuen Plan vor ihr aus. Nun würde er Lars ganz gewiß für

die gute Sache zurückgewinnen, denn mit seiner Freundlichkeit wollte er

auch Lars’ Freunde zugleich einfangen.

Aber Frau Henriette warf einen raschen Blick über die Schulter nach

ihm, der sah aus wie Mitleid und Spott. Und in der Küche sagte sie zu

Miete: „Laß ihm man sein Spielzeug, diesmal ist es ein ungefährliches.“

Aber Miete ging mit aufgehobenem Kleide am rußigen Herde vorbei. Und

wie sie ins Feuer sah, war ein eigentümliches Blitzen in ihren Augen.

Und danach war Lars öfter bei Onkel Gust und Tante Jette. Wenn Mutter

Stina sah, daß er sich auf den Weg machte, dann wandte sie rasch den

Kopf nach ihm hin, aber sie sagte kein Wort. Und Großvater sagte auch

nichts, er sah sich nicht einmal um. Und doch legte es sich über Lars

wie ein Unbehagen, als hätten sie ihm einen Vorwurf gemacht. Und er war

mürrisch mit ihnen.

Es war zuerst fast wie eine Neugier gewesen. Mietes freundliches

Wesen mit der ganzen schelmischen Fremdartigkeit hatte sie in ihm

geweckt. Darum hatte er Onkel Gusts erstem drängenden Einladen nicht

widerstanden bei all seinem widerspenstigen Trotz. Als aber ihre Nähe

erst ein paarmal auf ihn gewirkt hatte, da war das heiße Blut, das bei

dem langsamen Volke doch so wild aufsieden kann, zum erstenmal erwacht.

Und Lars wollte kein Hindernis mehr sehen auf seinem Wege.

Aber wenn er allein war, konnte er nicht recht zur Ruhe kommen. Es

stimmte nicht an irgend einer Ecke. Es war etwas, das nicht recht

klingen wollte mit seinem Ton. Aber er mochte nicht darüber nachdenken,

woher es kam. Das durfte es nicht sein, daß das blonde Mädchen über ihn

herrschte gegen seinen Willen und ihn dort hinzog, wo er nicht sein

wollte. Er hatte auch immer noch die fast großartige Herrscherart mit

ihr. Aber gerade diese ungelenke Männlichkeit reizte sie, daß sie ihre

Kraft darein setzte, ihn zu beugen. Und ihre feine, geheimnisvolle

Art, die so anders war wie alles, was ihn sonst umgab mit kantiger

Schlichtheit, nahm ihn immer mehr gefangen, daß er bei ihr das zu

finden wähnte, was er von immerher suchte.

Und es kam dazu, daß Onkel Gust nun vorsichtig nach seinem neuen Plan

zuwege ging und auch den andern, die zu Lars gehörten, mit gleicher

Freundlichkeit begegnete.

Er hatte auch Peter Lassen in sein Haus eingeladen. Einmal hatte Peter

sein gutes blaues Zeug angezogen mit dem kleinen steifen Vorhemd und

war mit Lars hinaufgegangen.

Lars sah ihn manchmal von der Seite an. Laut und lustig pfiff er vor

sich hin. -- Peter pfiff immer falsch, aber laut. -- Und die ganze Zeit

saß etwas in seinen Augen, wie ein verschmitztes Lachen. Aber er sagte

weiter nichts.

Peter Lassen war ein schöner Mensch, und die Mädchen sprachen viel

mit ihm. Und er hatte eine Gelassenheit, und das Reden ging ihm viel

leichter als Lars, daß er nichts Unbeholfenes hatte.

Aber wenn sie dort bei Onkel auch viel mit ihm sprachen, es war dabei

etwas Wohlwollendes, als schenkten sie ihm etwas mit jedem Wort.

Und Tante Jette sah ihn überhaupt nicht an.

Lars meinte, Peter Lassen merke es gar nicht, weil er so freundlich

blieb, aber wenn er ihn wieder mitnehmen wollte zu Onkel Gust, so hatte

Peter immer zu tun.

Durch den Nebel: Roman · 第 66 / 90 题