Dann geht es stracks zum Weißen Hirsch; rotgrün ist unser Weg markiert.

Am Wegrand da ein winzig Kerlchen. Auf grauem Stiel ein schwärzlicher,

geriefter Glockenhut; Lamellen grau. Aus dem geknickten Stiel fließt

weiße Milch. Aha, der weißmilchende Helmling (~Mycena galopus~). –

Hier neben grauen Becherflechten noch ein kleiner, der aussieht wie

ein Schirm: der gefaltete Nabeling (~Omphalia umbellifera~). Der

braungraue, gerippte Hut ist ein Zentimeter breit; Lamellen weißlich,

breit, entfernt; Stiel grau, dünn, bereift. – Sodann auf faulenden

Pilzen der stäubende Zwitterling (~Nyctalis asterophora~) in großer

Zahl: auf weißlichem, verbogenem Stielchen ein weißes, flockiges,

halbkugeliges Hütchen, das höchstens zwei Zentimeter breit ist; die

weißlichen, dicken Lamellen stehen entfernt; er riecht und schmeckt

nach Mehl. – Im Dickicht Hartpilze (~Tricholoma robustum~). Am

roströtlichen Stiele bemerken wir oben eine weißliche, ringartige

Wulst, über welcher der Stiel weißlich aussieht und blaßschuppig ist.

Der kastanienbraune, randwärts mehr ins Rote gehende Hut ist etwa zehn

Zentimeter breit. Seine gelblichen, breiten, gedrängten Lamellen sind

tief ausgebuchtet. – Seltener als dieser ist in der Heide der fast

beringte Ritterling (~Tricholoma albobrunneum~), der wie der vorige

oben am braunroten Stiele eine scharf abgegrenzte, weiße, mehlige Zone

hat, so daß er beringt erscheinen kann. Der rotbraune, schleimige Hut

hat eine warzige Scheibe und rötliche, breite, gedrängte Lamellen. Das

weiße, nach Mehl riechende Fleisch hat bitteren Nachgeschmack, wird

aber von manchen gegessen. – Und was leuchtet dort vom dicken Stumpf?

Feuergelbe Schüpplinge (~Pholiota flammans~). Der beringte Stiel und

der mittelgroße Hut sind feuergelb und ruppigschuppig. Die goldgelben,

gedrängten, sehr schmalen Lamellen sind ausgerandet = angeheftet und

werden im Alter roströtlich. Sein zitronengelbes Fleisch riecht nach

Rettich und ist ungenießbar. Aber der hier auch vorkommende sparrige

Schüppling (~Pholiota squarrosa~) kann gegessen werden. Er riecht wie

der vorige, ist aber rötlichocker gefärbt und etwas größer.

[Illustration: Abb. 16~b~. =Lila-Dickfuß=]

Die nächste Pilzfahrt unternehmen wir Anfang Oktober, nachdem wir

beim Wilden Mann die Linie 6 verlassen haben. Im Walde angelangt,

suchen wir rechts und links der Großenhainer Straße und finden

zunächst die Herbstlorchel (~Helvella crispa~). Der Hut ist ein

hellgelbes, vielfach gelapptes Gebilde, dessen Ränder etwas am Stiele

herabhängen. Der gleichfarbige, dicke, nach oben verjüngte Stiel

hat ungleiche Gruben. Obschon bei Lorcheln Vorsicht geboten ist,

sammeln wir ihn und die übrigen zum Verspeisen. – Indem wir rechts

abbiegend der Schänke »Zum letzten Heller« zustreben, gewahren wir

den Birken-Porling (~Placodes betulinus~). Der rotbraune, ungezonte,

kahle, dicke Hut sitzt konsolig am Birkenstamm. Seine weißen Röhren

sind kurz und eng. Sein reinweißes Fleisch ist korkig. – Sodann

bemerken wir nierenförmige Wärzlinge (~Thelephora terrestris~). Wie

braune, weißrandige Filzlappen überkriechen sie den mageren Sandboden.

Auch der trichterförmige Wärzling (~Thelephora caryophyllea~) ist in

der Dresdner Heide zu finden. – An einem Baumstumpfe rauchblättrige

Schwefelköpfe (~Hypholoma capnoides~), so genannt, weil die Unterseite

seines zitronengelben Hutes bläulichgraue Lamellen zeigt. Sein

Stiel sieht fuchsrot aus. Da er zu den fünf genießbaren Saumpilzen

gehört, pflücken wir einige Büschel für die Küche. Aber den ganz

ähnlichen daneben mit grünlichen Lamellen empfehlen wir nur unseren

ärgsten Feinden, es ist der büschelige Schwefelkopf. Weniger häufig

als dieser ist in der Heide der ziegelrote Schwefelkopf (~Hypholoma

sublateritium~), den wir an seiner fuchsroten Farbe erkennen, noch

seltener der an Laubholzstümpfen wachsende zartbehangene Saumpilz

(~Hypholoma hydrophilum~). Sein kastanienbrauner Hut hat einen

durchscheinend gerieften Rand, der meist mit kurzen Hüllresten behangen

ist. Die bräunlichen, dünnen Lamellen stehen gedrängt und haben meist

eine weiße Schneide. Der bräunliche, hohle Stiel ist wellig-uneben.

Die letzten beiden sind genießbar. – Nun besuchen wir den Olterstein,

einen mächtigen erratischen Block, welcher der Frühlingsgöttin Oldera

geweiht war. Dann ersteigen wir die Hellerhöhe, von der aus früher

manch eine Rauchsäule aufgestiegen sein mag, entweder zur Versöhnung

der Götter oder zur Warnung vor nahenden Feinden. Hier lagern wir und

überblicken den unten liegenden Exerzierplatz. Er erinnert uns an die

Sandwehen, die früher in der Heide eine Plage waren, erinnert auch an

die später hier vollzogenen militärischen Übungen. Vorbei, vorbei!

»Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus

den Ruinen.« – Nordöstlich nach Hellerau zu streichend, kommen wir

in einen Birkenhain. Da sichten wir den gelbblättrigen Ritterling

(~Tricholoma flavobrunneum~): Auf einem rotbraunen, faserigen, nach

unten verjüngten Stiele ein gleichfarbiger, gebuckelter, faseriger Hut

mit blaßgelben, rotschneidigen, ausgebuchteten Lamellen. Eßbar. Aber

nicht der daneben, der striegelige Schichtpilz (~Stereum hirsutum~).

An diesem gelblichen, stiellos aufsitzenden Hautgebilde fällt uns

besonders die orangegelbe, glatte Unterseite auf. – Das Laub der Birken

wird schon fahl. »Hier muß man im Frühling sein, wenn der Mai das

sehnende Lichtgrün des zierlichen Birkenwaldes hervorgezaubert hat.

Dann werden die Reihen zu festlichen Aufzügen« (Bölsche). Nun wieder

in den Kiefernwald! Wir finden den massigen Schleimkopf (~Phlegmacium

saginum~). Auf einem blaßvioletten, ausgebauchten Stiele sitzt ein

löwengelber, schmieriger Hut, der acht bis zwölf Zentimeter breit ist

und blaßbräunliche Lamellen hat. Letztere sind aber bei den jungen

blaßlila. Diese Veränderlichkeit macht bekanntlich das Studium der

Schleierlinge schwer. Am tollsten treibt es der hier auch vorkommende

verfärbende Schleimkopf (~Phlegmacium largum~). Sein Hut, anfangs

lilablau, bräunt sich im Alter dermaßen, daß schließlich keine Spur von

lila mehr vorhanden ist. Die gedrängten, ausgebuchteten Lamellen gehen

von lila über braungelb zu zimtbraun über. Auch der kurze, knollige,

zartviolette Stiel blaßt später aus. – Dicht geschart steht hier der

Nadelschwindling (~Marasmius perforans~). Er trägt auf schwarzbraunem,

glanzlosem Stielchen einen blaßbräunlichen, runzeligen Hut, der

höchstens eineinhalb Zentimeter breit wird. Von seinen rötlichen,

ungleichen Lamellen gehen nur wenige bis an den Stiel heran. Weil sein

Fleisch – gerieben – nach Knoblauch riecht, wird er von manchen mit dem

geruchsgleichen Küchenschwindling (~Mousseron~) verwechselt, der aber

größer ist und einen fleischrötlichen Stiel hat. Verzeihlicher ist eine

Verwechselung mit dem hier massenhaft vorkommenden Roßhaarschwindling

(~Marasmius androsaceus~), dessen winziger, fahlbrauner Hut nicht

gerunzelt, sondern regelmäßig gerieft ist. – Nördlich vom Heller fällt

uns das häufige Vorkommen des rosaroten Gelbfußes auf (~Gomphidius

roseus~). Der kleine, schmierige, stumpfe Hut ist schmutzigrosa. Die

weißen, entfernten, herablaufenden Lamellen sind schwarz bestäubt. Der

rötliche, fast beringte Stiel ist unten gelb und zugespitzt. Auch der

kupferrote Gelbfuß kommt hier vor (~Gomphidius viscidus~). Größer als

der vorige, zeichnet er sich besonders durch die kupferrote Färbung

seines klebrigen Kegelhutes aus. Er hat gleichfarbigen Stiel und

graue Lamellen. Alle Gelbfüße sind eßbar. Aber der dort nicht. Ein

Schwefelkopf? Nein, der schwefelgelbe Flämmling (~Flammula flavida~).

Der schwefelgelbe, vier bis sieben Zentimeter breite Hut hat rotgelbe

Lamellen. Der faserige, ungleichdicke Stiel ist oben schwefelgelb,

unten rostbräunlich. Das zitronengelbe Fleisch ist fast geruchlos.

Nach erquickender Einkehr im Schänkhübel wandern wir auf einem südlich

ausbiegenden Umwege durch den Klotzscher Waldpark dem Prießnitzgrunde

zu. Hierbei sammeln wir in Buchennähe den plattfüßigen Klumpfuß

(~Phlegmacium pansa~). Der junge ist erkenntlich an den purpurblauen

Lamellen, die allerdings später zimtfarbig werden. Der fünf bis zehn

Zentimeter breite, orangefuchsige, meist gefleckte Hut hat einen

blassen, filzigen, eingeknickten Rand. Der knollenlose, gelbliche Stiel

sieht an der Spitze meist blaßviolett aus. – Der Elfenbein-Schneckling

(~Limacium eburneum~), ist nun auch heraus. Diesen eßbaren, weißen

Pilz erkennt man an seinen dicken, entfernten, herablaufenden

Lamellen. – Neben einer stattlichen Kiefer stehen mehrere Exemplare

vom lilafüßigen Schleimkopf (~Phlegmacium compar~): auf weißem, oben

bläulichem Stiel ein löwengelber, zwei bis fünf Zentimeter breiter,

schleimiger Hut, der bräunlich-gelbe Lamellen hat, die später

zimtfarbig werden. Genießbar. – Und da auf einem faulenden Täubling der

weiße Sklerotien-Rübling (~Collybia tuberosa~). Weißliche, kaum ein

Zentimeter breite, gebuckelte Hütchen mit weißen, gedrängten Lamellen

sitzen auf bräunlichen, dünnen Stielchen. – Nun lenken wir in den

Prießnitzgrund ein, der im Herbst seine volle Schönheit entfaltet,

so daß man von einer Waldsymphonie sprechen kann. Das Goldocker

besonnter Buchen und das Dunkelkarmin der Roteichen hebt sich vom

melancholischen Dunkelgrün der Nadelbäume reizvoll ab. Da gibt es

Kiefern, die der Forstmann gnädig über hundert Jahre alt werden ließ,

so daß sie nun erst ihre eigenartige Schönheit entwickeln können. Da

ragen Fichten und Tannen, die vielleicht doppelt so alt sind, so daß

wir an den Schwarzwald erinnert werden. Und zwischendurch schlängelt

murmelnd die Prießnitz, in deren hellem Wasser sich Forellen tummeln

und grüne Polster flutender Wasserpflanzen schaukeln. Ein Paradies

für Eisvogel und Wasseramsel und auch für uns. Der Mannigfaltigkeit

des Baumwuchses entspricht die der Pilzflora. Auf dem breiten

Stumpfe einer Erle wuchert der fleischrote Gallertbecher (~Coryne

sarcoides~): trübviolettrote, kelchförmige Fruchtscheiben, die etwa

ein Zentimeter breit sind und sich gallertartig anfühlen. Auch der

ihm verwandte Schmutzbecherling (~Bulgaria polymorpha~) ist hier an

Laubholzstämmen zu finden: schwarze, flache Näpfchen, die zwei bis vier

Zentimeter hoch und breit werden. – Und dort der glänzende Gürtelfuß

(~Telamonia rigida~). Er hat einen kastanienbraunen, glänzenden,

drei bis fünf Zentimeter breiten Kegelhut, der durch seinen weißen

Rand auffällt. Seine bräunlichen Lamellen stehen fast gedrängt. Der

ockerbräunliche Stiel ist meist undeutlich gegürtelt. – An einem

Stamme der abgeflachte Schichtporling (~Placodes applanatus~):

nierenförmige Konsole, die mit einer braungrauen, pergamentartigen

Schicht überzogen sind und unten weiße, enge Röhren zeigen. – Zwischen

grünem Moos der ockergelbe, schuppige Amiant-Schirmling (~Lepiota

amianthina~), ein kleiner, kegelhütiger Pilz mit gelben Lamellen.

Von seinen Verwandten gibt es hier außer den früher erwähnten den

rostroten Schirmling (~Lepiota granulosa~): Hut zimtrot, körnig, vier

bis fünf Zentimeter breit mit gelblichweißen, abgerundeten Lamellen;

Stiel wie Hut gefärbt aber blasser und nie knollig. Ferner den

starkriechenden (~Lepiota carcharias~). Ihn erkennen wir schon an dem

häßlichen, leuchtgasähnlichen Geruch, sowie an dem Rötlichgrau seines

körnigen, mittelgroßen Kegelhutes und seines ebenfalls körnigen,

aufsteigend-beringten Stieles.

Unser letzter Ausflug erfolgt Mitte Oktober. Wir schlagen zum

zweiten Male die Richtung des Kannhenkelweges ein. Nördlich vom

Militärlazarett stehen in großer Menge die eßbaren graublätterigen

Ritterlinge (~Tricholoma terreum~). Der mittelgroße, mäusegraue,

filzige Hut hat blaßgraue, gekerbte Lamellen. Der graue, faserige,

gleichdicke Stiel hat eine mehlige Spitze. Sein geruchloses, mildes

Fleisch schmeckt schwach nach Mehl. – Weiter nördlich erbeuten wir

einen seltenen, den rötenden Ritterling (~Tricholoma leucocephalum~),

so genannt, weil seine weiße Farbe später in gelbrötlich übergeht. Der

schwachgebuckelte, dünnfleischige Hut wird fünf bis sechs Zentimeter

breit. Die weißlichen, gedrängten, breiten Lamellen sind meist

ausgebuchtet. Der faserige (nicht geriefte) Stiel ist abwärts verjüngt.

Selbst das mehlartig schmeckende, weißliche, genießbare Fleisch

läuft rötlich an. Auch den rußiggestreiften Ritterling (~Tricholoma

portentosum~) treffen wir nun an. Hut grau, durch violettschwarze Fäden

gestreift; Lamellen gelblichweiß, ziemlich dick; Stiel grünlichweiß und

gefasert. Eßbar. Endlich auch einen Grünling (~Tricholoma equestre~),

der sich als Marktpilz und durch seine grüngelbe Färbung so eingeprägt

hat, daß eine Beschreibung überflüssig erscheint. – Am Wegrand da der

Winter-Fälbling (~Hebeloma hiemale~). Er verrät sich uns durch die

bräunliche Mitte seines graugelben Hutes und durch die kleiige Spitze

seines gleichfarbigen, hohlen Stieles. Die Lamellen sehen bräunlich

aus. Ungeachtet seines bitteren Geschmackes wird er von manchen

gegessen. – Sehr oft begegnen wir ferner dem gerieften Wasserkopfe

(~Hydrocybe acuta~), der truppweise den Waldboden bevölkert. Sein

ockerbrauner, geriefter, spitzgebuckelter Kegelhut mit ockergelben,

schmalen Lamellen sitzt auf einem blaßgelben, verbogenen Stiele. Die

Genießbarkeit dieses Pilzchens ist noch nicht festgestellt. Viel

schöner sieht der Aprikosen-Wasserkopf aus (~Hydrocybe armeniaca~), den

wir nun finden. Weithin leuchtet sein orangebräunlicher, mittelgroßer

Glockenhut, der zimtfuchsige, breite Lamellen hat. Vom eingeknickten

Wasserkopf unterscheidet er sich besonders durch einen weißen Stiel.

Seine Genießbarkeit ist noch nicht erprobt.

Nach Überschreitung der Prießnitz gehen wir ein Stück talab, um dann

rechts abbiegend auf dem gelbweiß markierten Wege die Hofewiese zu

erreichen. Da, wo das Wiesel aufsprang, Frost-Schnecklinge (~Limacium

hypothejum~). Ihre schleimigen, olivbraunen, faserig-gestreiften

Hüte haben orangegelbliche Lamellen und gelbliche, schleimige

Stiele, die oben wie beringt aussehen. (Schleierreste.) Weil sie

genießbar sind, nehmen wir eine Anzahl mit. Dann finden wir auch den

olivgestiefelten Schneckling (~Limacium olivaceoalbum~), der ebenfalls

eßbar ist. Er hat einen olivbraunen, schleimigen, gebuckelten Hut,

der nach dem Rande zu heller wird und vier bis sieben Zentimeter

breit ist. Weiß die herablaufenden Lamellen, weißlich der gestiefelt

erscheinende, schleimige Stiel, welcher oben eine trockene, flockige

Zone hat. An Frost gemahnt der Winter-Schnitzling (~Naucoria

pellucida~). Sein zimtgelber, drei Zentimeter breiter Glockenhut ist

durchscheinend gerieft und hat blaßzimtfarbige, gewimperte Lamellen.

Sein gleichfarbiger, aber blasserer, aufwärts verjüngter Stiel hat

eine bereifte Spitze. – Nun ist auch der Winter-Trichterling heraus

(~Clitocybe brumalis~), ein kleiner, weicher Pilz, dessen olivgraue

Farbe sich ebenso schwer beschreiben wie malen läßt. Am besten erkennt

man ihn an dem gallertigen, stark ausblassenden Fleische. – Am Raine

hier neben grüngrauen Becherflechten und leuchtenden Preißelbeeren die

gelbstielige Keule (~Clavaria argillacea~): ein blaßgelbes, drei bis

fünf Zentimeter hohes, keuliges Gebilde, das unten goldgelb aussieht.

– Am Rande einer Schonung der Kiefernzapfen-Rübling (~Collybia

esculenta~), so genannt, weil sein gelbfuchsiger, schlanker Stiel

immer einem Kiefernzapfen entspringt. Sein zimtbräunlicher Hut wird

ein bis zwei Zentimeter breit und hat gelbliche, gedrängte Lamellen.

Eßbar. Kurz vor der Hofewiese stoßen wir noch auf einen gesellig

wachsenden Rübling, den wir nach seinen weißlichen, sehr schmalen,

gedrängten, gekerbten Lamellen für den gekerbtblättrigen (~Collybia

prolixa~) halten müssen. Hut rotbräunlich, glatt, kahl, drei bis fünf

Zentimeter breit; Stiel gelblich, gerieft, gleichdick. Auf dem Weg

zum Gasthaus bemerken wir noch auf der Hofewiese den Schnee-Ellerling

(~Camarophyllus niveus~). Ein kleiner, durchaus weißer Pilz, dessen

Hutspitze nach Frost meist rötlich aussieht und dessen entfernte

Lamellen weit herablaufen. Eßbar.

Endlich Rast und Ruh und etwas zum Schlucken. – Hierauf wandern wir

in der Richtung des Gänsefuß-Weges nach der Heidemühle. Wir finden

den Wetterstern (~Astraeus hygrometricus~). Eine graubraune Kugel,

zwei bis drei Zentimeter breit, sitzt genau wie beim Erdstern auf

grauen, einwärts gebogenen, zugespitzten Lappen. Letztere biegen

sich bei sehr trockenem Wetter über die erwähnte Kugel. Dieser

hygrometrischen Einstellung verdankt er seinen Namen. In einem

Fichtengebüsch entdecken wir den bärtigen Ritterling (~Tricholoma

vaccinum~). Sein kupferroter Hut hat breite, sparrige Schuppen und

einen grobfransigen Rand, der lange eingerollt bleibt. Die rötlichen

Lamellen sind ziemlich breit. Der Stiel, in Farbe und Beschuppung

dem Hute gleich, ist stets hohl. Er schmeckt schlecht. Nicht viel

besser mundet der Seifen-Ritterling (~Tricholoma saponaceum~). Diesen

veränderlichen Kauz erkennt man am sichersten an dem seifenartigen

Geruch. Die grüngraue, nach dem Rande zu blassende Farbe seines

mittelgroßen Hutes nimmt oft rötliche Töne an. Die grüngelblichen

Lamellen sind ziemlich dick. Der hellgraue, meist ausgebauchte Stiel

wird im Alter oft rötlich und kann sowohl glatt wie beschuppt sein.

Ob der mit schuppigem Stiele eine Laubwaldform ist, konnte ich noch

nicht feststellen. – An einem Stumpf bunte Porlinge (~Polystictus

versicolor~), die von Ricken Schmetterling-Porlinge genannt werden.

Der halbkreisförmige, dünne, lederige Muschelhut ist samtig und zeigt

verschiedene Zonen: bräunliche, grünliche, violettgraue u. a. Durch

diese Buntheit unterscheidet er sich von dem ähnlichen Zonen-Porling

(~Polystictus zonatus~), der ebenfalls samtig und gezont ist, aber nur

fuchsige und ockerbräunliche Töne zeigt. Bei beiden sind Röhrenschicht

und Substanz weiß. – Ganz anders der hier auch vorkommende weißliche

Porling (~Polystictus albidus~), dessen Röhren und Substanz zwar auch

weiß sind, der aber einen ungezonten, weißlichen, runzligen Muschelhut

hat. An einem anderen Stumpfe fällt uns eine weiße, häutige Schicht

auf, deren feine Poren nach oben gerichtet sind, also ein aufliegender

Porling: ~Poria vulgaris~.

In der Heidemühle kehren wir ein. Hier, wo die Oktoberkühle alles

zusammengedrängt hat, herrscht heute eine eigenartige, fast poetische

Stimmung. Am Klavier sitzt ein alter Herr, vielleicht ein echter

Waldschulmeister und spielt so ausdrucksvoll, daß alles lauscht und

manchmal mitsummt, erst Klassisches, dann Volkslieder: »Ich kenn

einen hellen Edelstein«, »Jetzt gang ich ans Brünnerle«, »Muß i

denn zum Städtele hinaus«, »Wer hat dich, du schöner Wald« und wie

die Perlen alle heißen. Das Mitsummen wird immer andächtiger, immer

lauter und geht über in ein allgemeines Mitsingen. Endlich kommt auch

das ergreifende Lied: »Aus der Jugendzeit«. Nach dessen Vollendung

wischt sich der Alte verstohlen eine Träne aus dem Auge und setzt sich

still auf seinen Platz. Da nimmt ein junger Fant am Klavier Platz,

offenbar, um das schlichte Spiel des Alten zu übertrumpfen. Bald

schwirren Operettenmelodien durch das Zimmer. Das klingt nach Sekt und

Übermut, nach Modetanz und freier Liebe. Gewiß, das Spiel ist glatt und

raffiniert, doch eines fehlt: die deutsche Seele. Der andere ist mir

lieber. – Schirm dich Gott, mein deutsches Volk, vor solchem Geist. Mit

diesem Gedanken nehmen wir unsere Wanderung wieder auf. Wir gehen nun

östlich von der Radeberger Straße heimwärts. An einer Fichte gewahren

wir eine höckerige, braunschwarze Konsole mit zinnoberrötlichem Rande

und gelbbräunlicher Röhrenschicht. Aha, der rotrandige Schichtporling

(~Placodes ungulatus~). – Und dort? Totentrompeten? Nein, es ist in

Massen der durchbohrte Leistling (~Cantharellus infundibuliformis~).

Ein etwa vier Zentimeter breiter, umbrabrauner Trichterhut sitzt auf

einem trübgelben, unebenen, oft breitgedrückten Stiele, dessen Höhlung

erst am oberen Hutrande endet. Die breiten, mehrfach verzweigten

Lamellen laufen am Stiele herab und zeigen ein eigentümliches Gelbgrau.

Wir sammeln für die Küche. Dann finden wir den gefleckten Rübling

(~Collybia maculata~), der nun in Scharen auftritt. Durchaus weiß;

der fünf bis zehn Zentimeter breite Hut hat kupferrote Flecke; die

schmalen, gezähnelten Lamellen stehen sehr gedrängt; der rostfleckige,

geriefte Stiel ist oft verdreht und hat einen rostbräunlichen Fuß. – In

Birkennähe steht herdig ein weißlicher Trichterling, der ausblassende

(~Clitocybe expallens~, Abb. 17): weißlich mit graubrauner, vertiefter

Hutmitte; der weißseidige Stiel gleichdünn; die herablaufenden

Lamellen fast entfernt. Bei feuchtem Wetter würde der ganze Pilz uns

grau erscheinen. Und dort ein noch kleinerer, weißer Trichterling,

dessen drei Zentimeter breiter Hut ausnahmsweise nicht getrichtert

ist: der wachsstielige (~Clitocybe candicans~). Sein glänzendes,

weißes Stielchen ist gekniet und steht auf welkenden Blättern. –

Nicht getrichtert ist auch der nebelgraue Trichterling (~Clitocybe

nebularis~), den Gramberg treffend Graukopf nennt. Ihn finden wir unter

Buchen. Auf einem grauen, faserigen, aufwärts verjüngten Stiele sitzt

ein derber, grauer, stumpfer Hut, der acht bis zwölf Zentimeter breit

wird und in der Jugend wie bereift aussieht. Seine gelblichen Lamellen

stehen gedrängt und laufen kaum herab. Dieser ritterlingähnliche,

kräftige Pilz ist eßbar. Gleiches gilt nicht von dem anderen

Buchenfreunde dort, vom fuchsigen Klumpfuß (~Phlegmacium fulmineum~),

so genannt, weil sein fuchsrötlicher, kurzer Stiel unten eine deutlich

berandete Knolle trägt. Der derbe, etwa acht Zentimeter breite Hut ist

ebenfalls fuchsig und zeigt oft braune Flecke. Die Lamellen sind erst

goldgelb, werden aber später auch fuchsig.

[Illustration: Abb. 17. =Ausblassender Trichterling (Hexenring)=]

Mit diesem letzten Funde stellen wir fest, daß die Dresdner Heide rund

250 Arten Pilze aufweist. Aber zu den pilzreichen Wäldern zählt sie

trotzdem nicht, weil sie in der Nähe einer Großstadt liegt und darum

übermäßig abgesucht wird. Möge jeder Heidebesucher durch Befolgung

der gelegentlich gegebenen Winke den Pilzbestand der Heide schonen

helfen. Nun geht es heimwärts. Ein düsig Wetter heut’, voll Wasserdampf

die Luft. In Nebelgrau steht dort der Hochwald, und rechts am Himmel

schimmerts gelb: die Sonne geht zur Ruh. Das Gelb wird heller, breiter.

Die Wölkchen werden langsam violett – ein wundervolles Farbenspiel.

Orange wird das Gelb und schließlich rot. In stiller Andacht schaun wir

auf und wollen nicht gestört sein. Jetzt brennt ein leuchtend Rot durch

schwarze Kiefernwipfel. Der ganze Himmel scheint zu glühn. Kein Maler

kann es malen, kein Dichter je beschreiben. Die Abendglocken klingen

drein und steigern so die Stimmung. Dann feierliches Dämmern. – »Der

Wald steht schwarz und schweiget, und aus den Wiesen steiget der weiße

Nebel – wunderbar!«

Zum Schlusse sei Herrn Georg Marschner für die überaus wertvollen und

seltenen Naturaufnahmen herzlicher Dank gesagt.

Alphabetische Übersicht

Nummern von Rickens Vademecum nachgestellt

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XV, Heft 5-6 · 第 6 / 8 段