verzehren und dem Rauschen der heute besonders stark bewegten Wipfel
zu lauschen. Diese eigenartige Musik erinnert uns an das Meer, dem der
Wald in manchem ähnelt. Machen doch beide den Eindruck geheimnisvoller
Unendlichkeit. – Nun weiter bis zur Kreuzung des Blaurot-Weges, der
uns nach Klotzsche führen soll. An einem Buchenstumpf der angebrannte
Porling (~Polyporus adustus~) in mehreren Exemplaren. Dieser olivgraue,
runzlige, undeutlich gezonte Pilz sitzt wie eine halbkreisförmige
Muschel am Stamm. Die jungen sind weiß berandet. Die weißen Röhren
werden nach Berührung schwarz, daher der Name. – Auf weichem Tangel
weiterschreitend, kommen wir zu einem rötenden Porling (~Polyporus
leucomelas~): auf grauem Stiel ein schwärzlicher, schuppiger,
unregelmäßiger Hut, dessen Unterseite hellgraue, ziemlich weite Röhren
zeigt. Nach Anbruch rötet das weiße Fleisch des Hutes, während das des
Stieles schwärzt. – Dort braunrote Milchlinge in Menge (~Lactarius
rufus~): Hut und Stiel braunrot und rauh; Lamellen rötlichgelb. Obwohl
die bleibendweiße Milch und das gelbrötliche Fleisch roh sehr beißend
schmecken, kann dieser Pilz nach zweistündiger Wässerung gegessen
werden, besonders als Salat zubereitet. – In der Nähe der schönen
Quelle können wir das grüngelbe Gallertköpfchen (~Leotia gelatinosa~)
sammeln. Das darmartig gewundene, grüngelbe Hütchen sitzt auf einem
gelben, schuppigpunktierten, oft breitgedrückten Stiele, der fünf bis
sechs Zentimeter hoch und zuletzt hohl ist. Im Juni hätten wir hier
auch den Sumpfhaubenpilz (~Mitrula phalloides~) finden können. Auf
weißlichem Stiel ein orangegelbes Köpfchen. – Oh, da auch eine krause
Glucke (~Sparassis crispa~): ein badeschwammähnliches, weißes Gewirr
von Zweigen, deren Enden umgeschlagen und gesägt sind, etwa zwanzig
Zentimeter breit im Durchmesser. – Häufig tritt der ockerblättrige
Täubling auf (~Russ. alutacea~), ein milder, stattlicher Gelbsporer,
dessen Lamellen sehr früh ockergelb werden. Sein weißer, zylindrischer
Stiel kann auch rosa angelaufen sein. Der trübpurpurne, klebrige Hut
hat eine gelbliche Scheibe und gefurchten Rand. – Noch häufiger ist
der Speiteufel (~Russ. emetica~). Auf einem weißen, nach unten meist
verdickten Stiele sitzt ein blutroter, mittelgroßer Hut mit gerieftem
Rande und weißen, entfernten Lamellen. Er schmeckt zwar sehr scharf,
aber seine Giftigkeit wird in Zweifel gezogen. Da es zwischen ihm
und dem ähnlichen, aber kleineren gebrechlichen Täubling (~Russ.
fragilis~) eine Menge Zwischenstufen gibt, verursacht dieser Pilz den
Forschern noch viele Streitigkeiten, in die wir uns heute nicht mengen
wollen. – Nach Überschreitung der Radeberger Straße nähern wir uns
dem Vogelherde, der aber links liegen bleibt. Weiterhin beobachten
wir Bauern, die (nach Einholung eines bezahlten Erlaubnisscheines)
dem Waldboden Spreu entnehmen, und zwar nicht bloß Gras. Der
Pilzfreund bedauert das. – Weitergehend gewahren wir den Dauerporling
(~Polystictus perennis~), der von Ricken gebänderter Schillerporling
genannt wird. Ein zimtbrauner, buntgebänderter, lederiger Trichterhut
sitzt auf einem rostbraunen, samtigen, dünnen Stiele, der abwärts
verdickt ist. Die anfangs gelblichen, später rostbraunen, kurzen Röhren
haben enge, eckige Poren. Ungenießbar wie der, den wir unweit davon
finden: der Eichen-Knäuling (~Panus stipticus~.) Zimtgelbe, kleine
Fächer mit aufwärts verdickten, kurzen Stielen an einem Eichenstumpfe
sitzend. Eigenartig an den gleichfarbigen, gedrängten Lamellen sind die
verbindenden Querwände. – Sehr häufig ist der blutblättrige Hautkopf
(~Dermocybe anthracina~). Der zimtbraune, vier bis sechs Zentimeter
breite Glockenhut hat dunkelkarmin gefärbte Lamellen, einen gelblichen
Stiel, der blutrot gefasert ist und oben ockerrote Schleierreste trägt.
Dieser Pilz bekommt uns so schlecht, daß man ihn zu den Giftpilzen
rechnen kann. Von oben gesehen, ähnelt ihm der zimtbraune Hautkopf
(~Dermocybe cinnamomea~). Aber sein Fleisch ist gelb, nicht rötlich
wie bei jenem. Stiel zitronengelb; Lamellen zimtgelb. Seine große
Veränderlichkeit narrt sogar den Pilzkenner. – Birken zieren den
Weg und darunter das Violettrosa des Heidekrautes, von dem wir uns
einen Strauß mitnehmen dürfen, weil es massenhaft vorkommt. – Sehr
häufig begegnen wir dem Heideschleimfuß (~Myxacium mucosum~), von
Ricken kompakter Schleimfuß genannt. Er fällt schon von weitem durch
den zimtgelben Hut auf. Seine zimtbraunen, fast gedrängten Lamellen
sind meist ausgebuchtet angewachsen. Obwohl sein blaßvioletter Stiel
und sein Hut mit Schleim überzogen sind, wird er oft gegessen. –
Von ferne ähnelt ihm der hier auch wachsende, aber viel seltenere
goldgelbe Gürtelfuß (~Telamonia gentilis~). Er hat einen goldgelben,
zwei bis vier Zentimeter breiten Hut, der meist spitz gebuckelt ist.
Sein innen und außen goldgelber Stiel ist schwefelgelb gegürtelt.
Lamellen zimtgelb, breit und sehr entfernt. – Etwas häufiger als
dieser ist der rotgebänderte Gürtelfuß (~Telamonia armillata~). Ihn
erkennt man sofort an den zinnoberroten Ringen, die den bräunlichen
Stiel schmücken. Sein feinschuppiger Hut sieht rotbräunlich aus. –
Hurra, auch den Blut-Egerling (~Psalliota silvatica~), den viele noch
Wald-Champignon nennen, finden wir in größerer Anzahl. Sein Name weist
auf das Rotanlaufen seines wohlschmeckenden Fleisches hin. Auf einem
bräunlichen, feinbeschuppten, braunberingten Stiele ein gelbbrauner,
fünf bis acht Zentimeter breiter Hut mit umbrabraunen Schuppen. Das
Rotgrau der Lamellen geht über rotbraun zu sepia über. – Der viel
größere hohlstielige Riesen-Egerling (~Psalliota perrara~), der am
braungelben, flockigen Hute und am gelbberingten, blassen, hohlen
Stiele erkenntlich ist, kommt in der Dresdner Heide selten vor.
Dasselbe gilt von einem anderen großen Pilze, dem Riesen-Ritterling
(~Trichol. colossus~). Zinnoberbräunlich sind bei ihm Hut, Stiel und
Lamellen. Das Fleisch nimmt nach Anschnitt langsam eine ziegelrote
Färbung an. Den obersten Teil des sehr dicken und kurzen Stieles bildet
eine weißliche, kleiige Zone. Dieser Riese, dessen Hut bis zwanzig
Zentimeter breit wird und der selten ganz aus der Erde hervorkriecht,
kann gegessen werden. Daß er und viele andere Pilze in der Dresdner
Heide immer seltener werden, liegt nicht bloß an dem rücksichtslosen
Ausbeuten, sondern auch an der Unart mancher Menschen, alle Pilze
umzustoßen. Sie denken nicht daran, daß damit die Vermehrungsfähigkeit
der Pilze gemindert wird. Sie wissen vermutlich auch nicht, daß die
Pilze durch die Tätigkeit ihres Mycels den Boden erschließen helfen.
– In der Nähe des Sandschluchtweges finden wir zwei sehr umstrittene
Täublinge, die wir aus dem bereits erwähnten Grunde bis auf weiteres
nach Ricken benennen. Der eine ist der glänzende (~R. nitida~), so
genannt, weil sein dunkelpurpurner, meist gebuckelter, riefrandiger
Hut glänzt. Die neapelgelben Lamellen stehen gedrängt und sind am
Grunde aderig verbunden. Der weißliche, glatte, zylindrische Stiel
ist gebrechlich. – Der andere heißt anlaufender (~R. Linnaei~), weil
sein weißes Fleisch an der Luft bräunlichgelb anläuft. Außerdem ist er
am Heringsgeruch und an dem stark gerunzelten, meist geröteten Stiel
erkenntlich. Sein blutroter Hut hat immer eine glanzlose, schwarze
Scheibe und einen kaum gerieften Rand. – Leichter zu bestimmen ist der
kohlige Täubling (~R. nigricans~). Ihn erkennt man an den gelblichen,
dicken, entfernten, ungleichen Lamellen, deren Schneide nach Berührung
erst rötlich und später schwarz wird. Der bis zu vierzehn Zentimeter
breit werdende Hut ist erst graubraun, wird aber bald schmutzigsepia.
Dasselbe gilt von seinem kurzen, harten Stiele. Das Fleisch rötet.
Aber der sonst ähnliche angeräucherte Täubling (~R. adusta~) hat
unveränderliches Fleisch und dünne, gedrängte Lamellen. Beide sind zwar
eßbar, stoßen aber durch die Härte ihres Fleisches ab. In der Nähe
des Prießnitzbades sichten wir noch den Feld-Trichterling (~Clitocybe
dealbata~). Das Weiß des vier Zentimeter breiten Hutes neigt in grau,
der Hutrand ist eingerollt. Die weißlichen Lamellen sind dünn, gedrängt
und kaum herablaufend. Der weiße, zylindrische, flockige Stiel ist vier
Zentimeter hoch. Das weiße, milde, eßbare Fleisch riecht und schmeckt
nach Mehl. Ricken schreibt zwar, daß er außerhalb des Waldes vorkomme,
aber ich habe ihn mit Herrmann hier am Wege gefunden. –
[Illustration: Abb. 13. =Hallimasch=]
Nun kehren wir im Klotzscher Bahnhof ein. Hernach durchstöbern
wir den zur Heide gehörigen Klotzscher Waldpark und das südlich
davon gelegene Waldgebiet. Da entnehmen wir einem prächtigen
Moospolster den keulenfüßigen Trichterling (~Clitocybe clavipes~):
auf einem braungrauen Stiele mit dickkeuliger Basis sitzt ein
ebenso gefärbter, tiefgetrichterter, schwachgebuckelter Hut, der
gelbweiße, schmale, herablaufende Lamellen hat. – Und dort vor
der stattlichen Buche eine Menge Flaschenstäublinge (~Lycoperdon
gemmatum~, Abb. 12), bovistähnliche, flaschenförmige, weißliche
Pilze, die mit zerbrechlichen Stacheln massig bedeckt sind. Jung
genießbar. Die älteren haben eine graubräunliche Färbung. – Von
feuchten Stellen leuchtet uns der orangerote Schüsselpilz entgegen
(~Aleuria aurantiaca~), zwei bis zehn Zentimeter große, orangerote
Näpfchen, deren Außenseite etwas blasser ist. In der Farbe ähnlich,
aber kleiner und flacher ist der spindelsporige Schüsselpilz
(~Humaria ollaris~), den wir in dieser Gegend auch finden können. –
Weiter nach Süden zu fallen uns noch einige Schnitzlinge auf, der
weißschneidige (~Naucoria tenax~): ein höchstens drei Zentimeter
breiter, ockerbräunlicher, durchscheinend geriefter Glockenhut mit
rostbraunen, weißschneidigen Lamellen sitzt auf einem rotbraunen,
gleichdünnen Stiele, der blasse Schüppchen trägt. Sodann der braungrüne
Schnitzling (~Naucoria myosotis~) auf Buchenlaub. Ihn erkennen wir
sofort an den blaugrünlichen Stellen des sonst bräunlichen, im Alter
gilbenden Glockenhütchens. Seine anfangs weißen, später rostbraunen
Lamellen haben eine weiße, gesägte Schneide. Sein blaßbräunlicher,
gefaserter, schlanker Stiel hat eine bereifte Spitze. – Nachher einer,
der uns durch seinen braunschwarzen Stiel und seinen gurkenähnlichen
Geruch sofort auffällt, es ist der Gurken-Schnitzling (~Naucoria
cucumis~). Der drei Zentimeter breite, kastanienbraune Kegelhut hat
einen gelblichen Rand, der im feuchten Zustande durchscheinend gerieft
ist. Seine rötlichgelben Lamellen sind breit und frei.
[Illustration: Abb. 14. =Großer Gelbfuß=]
September! Unser Pilzeifer wächst in demselben Maße, wie die
Tageshelle abnimmt. Wir verlassen die Linie 11 bei der Saloppe und
gehen nochmals durch den Schotengrund. Hier finden wir zunächst
den galligen Täubling (~Russ. fellea~), ockerblaß in allen Teilen
und scharf schmeckend, während der ähnliche Ocker-Täubling (~Russ.
ochracea~) mild ist. – Am Südende des Eisenborngrundes wächst der
graugrüne Milchling (~Lactarius blennius~), erkenntlich am graugrünen,
schmierigen Hute, der oft rötliche Flecke zeigt und weißliche, sehr
gedrängte, herablaufende Lamellen hat. Der etwas blassere Stiel ist
schmierig, gleichdick und fast grubig. Seine weiße, scharfe Milch sieht
eingetrocknet graugrün aus. – Weiter oben guckt aus dem Laube des
Buchenwaldes ein winziges, schwarzes Kerlchen: der bereifte Helmling
(~Mycena atroalba~). Hut schwarzbraun, ein bis zwei Zentimeter breit,
wie bereift, runzlig-gerieft, glanzlos, glockig; Lamellen grau, dick,
entfernt, angeheftet; Stiel unten schwarz, oben grau, oft verdreht,
knorpelig, hohl; Fleisch graubraun, mild, geruchlos, saftreich. – An
den Absperrungsstangen des ersten Teiches wächst die Fenchel-Tramete
(~Trametes odorata~). Sie sitzt am Stamm wie eine rotbraune, filzige,
konzentrisch gefurchte Konsole, deren schlitzlöcherige Unterseite
zimtfarbig aussieht. – Und gleich daneben der schmucke Zaunblättling
(~Lenzites saepiaria~). In Gestalt dem vorigen ähnlich, unterscheidet
er sich durch seinen kastanienbraunen, gezonten, filzigen Hut, der
einen orangerötlichen Rand hat. Seine rotgelben, dicken Lamellen sind
verzweigt. Sein zimtfarbiges, lederhartes Fleisch ist ungenießbar. –
An einem Stumpfe sitzen rillstielige Helmlinge (~Mycena polygramma~).
Ein drei bis vier Zentimeter breiter, hellgrauer, geriefter, nackter
Glockenhut sitzt auf einem bläulichgrauen, schlanken, glänzenden
Stiele, der regelmäßige Längsriefen zeigt. Seine weißlichen Lamellen
nehmen oft einen rötlichen Ton an. – Nach Überquerung der Radeberger
Straße streifen wir nördlich dem Forstehrenmale zu. In Mengen der
blaßgelbe Täubling (~Russ. ochroleuca~). Der blaßockergelbe, sechs
bis acht Zentimeter breite Hut mit schwach gerieftem Rand sitzt auf
einem weißlichen, gerunzelten Stiel. Lamellen weiß, Fleisch scharf. –
Ein anderer beißender Täubling steht nicht weit davon: der tränende
(~Russ. sardonia~), über den die Spezialforscher auch noch nicht
einig sind. Ihn erkennt man am sichersten an dem schwefelgelblichen
Tone der oft tränenden Lamellen, denn dieses Gelb haben andere
Täublingslamellen nicht. Kennzeichnend ist ferner das Rotviolett
des Stieles. Die Farbe des Hutes ist veränderlich, meist ist es ein
trübes Violettrot. Manche halten ihn für giftig, was noch zu beweisen
wäre. – Lieber als diesen finden wir den eßbaren bereiften Täubling
(~Russ. xerampelina~). Sein blaupurpurner Hut ist zart bereift; sein
weißer, oft rosa angelaufener Stiel hat weißes, nicht verfärbendes
Fleisch, das am Stielfuße nach Jodoform riecht (Schäffer). – Und dort
in Massen der Hallimasch (~Clitocybe mellea~, Abb. 13), von allen
Baumfreunden gehaßt, weil er als gieriger Holzzerstörer großen Schaden
anrichtet. Das Honiggelb seines beschuppten, fünf bis zehn Zentimeter
breiten Hutes spielt oft ins Grünliche; Lamellen rötlichgelb; Stiel
braungelb mit aufsteigendem Ring und schwärzender Basis. Seine als
~Rhizomorpha subcorticalis~ bekannten Mycelstränge dringen meist von
der Wurzel aus in den Stamm ein. Der Forstmann läßt die erkrankten
Bäume fällen oder durch Stichgräben von ihren gesunden Nachbarn
absondern. Der Hallimasch wird gern gegessen. – An einem alten Stumpf
der Gallert-Stacheling (~Tremellodon gelatinosus~), von Dr. E. Ulbrich
kurz und gut Zitterzahn genannt. Ein bräunlicher, gallertartiger,
stielloser Hut, der körnigrauh und halbkreisförmig ist, zeigt auf der
Unterseite bläulichgraue Stacheln. Eßbar. An einem anderen Stumpfe eine
weiße, breite Haut, die am Rande befranst ist, ein großer Rindenpilz
(~Corticium giganteum~). Nachher Kuhpilze (~Boletus bovinus~), die zwar
eßbar aber wenig begehrt sind. Ein mittelgroßer, rotgelbbräunlicher,
schmieriger Hut sitzt auf einem gleichfarbigen, kurzen, glatten
Stiele, der im Alter unten trübkarmin wird. Seine graugelben, kurzen,
weiten Röhren sind zusammengesetzt und fast herablaufend. – Auch den
infolge eifriger Nachstellung immer seltener werdenden Maronenpilz
(~Boletus badius~), können wir sammeln. Bekanntlich trägt er auf seinem
gelbbraunen, glatten, gleichdicken Stiele einen kastanienbraunen Hut
mit blaßgelben Röhren, die nach Druck blau anlaufen. Bläulich wird an
der Luft auch das weißliche Fleisch. Weitersuchend gelangen wir an
das neue Kriegerdenkmal, das in ergreifender Waldeinsamkeit zwischen
uralten Buchen errichtet ist. Ein verzierter Sandsteinblock, in weitem
Bogen von einfachen Steinbänken umgeben, zeigt auf der Vorderseite die
Inschrift: »In ihren geliebten Wald kehrten nicht zurück:« (folgen die
Namen der im Weltkrieg gefallenen Forstleute). Nachdem wir ihnen ein
ehrendes Gedenken gewidmet, setzen wir unsere Forschung fort – in der
Überzeugung, daß nur ernste Arbeit auf allen Gebieten die Schäden des
Krieges heilen kann. In nördlicher Richtung weitergehend, entdecken wir
den Erdfaserkopf (~Inocybe geophylla~), einen kleinen, blaßvioletten
Pilz mit faserigem Hut und schmutzigbraunen, gedrängten Lamellen. Er
kommt auch weiß vor. Sein widerlicher Geruch erstickt jede Lust zum
Genießen. Von allen Faserköpfen wird nicht ein einziger gegessen.
– Anders beim folgenden, dem Schmerling (~Boletus granulatus~).
Dieser schleimige Röhrling ist gekennzeichnet durch die purpurbraunen
Wärzchen, die seinen gelben Stiel oben bedecken. Sein bräunlichgelber,
fast geflammter Hut hat zitronengelbe Röhren, die später olivgelb
werden. Genießbar wie dieser ist der Butterpilz (~Boletus luteus~),
der sich durch seinen dunkelbraunen, geflammten Hut von dem schönen
Röhrling unterscheidet. Beide sind schleimig und haben gelbe, beringte
Stiele. Aber der Ring des Butterpilzes sieht fast heidelbeerfarbig
aus, während der seines orangegelben Doppelgängers blaßgelb ist. – Aus
dem Grün einer Fichtenschonung leuchtet das Rot einiger Fliegenpilze,
genau so eine Waldschönheit wie das herbstliche Ockergelb des massig
vorhandenen Waldgrases. Brr, Fäden im Gesicht! »Altweibersommer!«
Vielleicht blicken die winzigen Spinnen auf diesen fliegenden Fäden
mit Mandarinenstolz auf den hoch oben vorüberknatternden Postflieger,
weil ihre Flugfertigkeit die ältere ist. – Wir lagern uns auf blühender
Heide und frühstücken. Womit bezauberst du uns nur, o Wald? »Ist
es dein Grün, dein heimlich Dunkel, dein buntes Blühn, dein wirres
Sonngefunkel?« … Oder steckt in uns ein Erbteil aus den Zeiten unserer
Urväter, die hier ihre Götter suchten? – Nun auf und weiter! Wir finden
den großen Gelbfuß (~Gomphidius glutinosus~, Abb. 14), auch Schmierling
oder Kuhmaul genannt; er ist ein durchaus schleimiger, aber eßbarer
Pilz, der uns durch seine lilagrauen, sehr entfernten, dicken, weit
herablaufenden Lamellen auffällt. Gelbfüßler nennt Ricken die ganze
Gattung, weil bei allen der untere Teil des Stieles gelb ist. Der Hut
unseres Pilzes zeigt ein violettliches Schokoladenbraun. – Zwischen
Heidelbeersträuchern der grüngelbe Knollenblätterschwamm (~Amanita
mappa~, Abb. 15), dessen Hut mit weißen Hüllresten bedeckt ist.
Erkenntlich vor allem daran, daß sein Fleisch nach rohen Kartoffeln
riecht. Ob dieser gefährliche Giftpilz wirklich manchen Menschen
bekommt, ist noch zu beweisen. – Unter den Eichen des Saugartens,
den wir nun erreichen, finden wir auch den sehr giftigen olivgrünen
Knollenblätterschwamm (~Amanita phalloides~, Abb. 16~a~), der sich vom
grünen Täubling schon durch den Ring und die weitrandige Fußknolle am
grünlichen Stiel unterscheidet. – Nun schwenken wir halblinks nach
Hochmoor und Prießnitzgrund. Hier wächst der giftige Pantherpilz
(~Amanita pantherina~). Hut schwarzbraun mit vielen hellen Hüllresten
und gerieftem Rand; Lamellen weißlich, gedrängt, fast frei; Stiel
weiß, schlank, aufwärts verjüngt, mit weißem Ring und einer Fußknolle,
deren obere Ränder fast vom Stiele abstehen. – Ganz ähnlich sieht
der eßbare gedrungene oder graue Wulstling aus (~Amanita spissa~),
dessen braungraue Hutfarbe auch dunkel sein kann, der aber glatten
Hutrand und gerieften Oberstiel hat. Gewöhnlich ist er nicht so
schlank wie sein glattstieliger Doppelgänger. Da Verwechselungen nicht
ausgeschlossen sind, mag der Unkundige beide unverspeist lassen. –
Von ihren Verwandten kommt hier noch der porphyrbraune Wulstling vor
(~Amanita porphyrea~), der schon am Lilabraun des Hutes erkannt werden
kann. Lamellen weiß, fast gedrängt, angeheftet; Stiel violettgrau
mit feiner Zickzackschraffierung, schmalsaumiger Knolle und einem
weißlichen Ring, der auf der Unterseite violettgrau aussieht. – Indem
wir absteigend der Prießnitz zustreben, finden wir in großer Anzahl
Zigeuner, nicht solche die stehlen, sondern die gestohlen sein wollen.
Wir geben unserer Freude durch Jodeln Ausdruck, das unsere ebenfalls
suchenden Nebenbuhler dort ärgert, aber bei dem gleichgestimmten
Echo drüben im Steinbruch Mitfreude auszulösen scheint. Dieser Pilz
(~Pholiota caperata~), der von Ricken Runzel-Schüppling genannt
wird, weil sein braungelblicher, bereifter Hut gerunzelt ist, gehört
zu den wohlschmeckenden. Sein gelblicher, fast zylindrischer Stiel
trägt einen dauerhaften, hängenden Ring. Seine gelbrötlichen Lamellen
haben eine gekerbte Schneide. – Nun wandern wir im Prießnitzgrunde
ein Stück aufwärts. Da hat sich ein Knirps im Grase versteckt: der
ledergelbe Schwindling (~Marasmius lupuletorum~). Sein gelbliches,
kahles, gewölbtes Hütchen ist etwa drei Zentimeter breit und hat
einen ausgebogten Rand, so daß er an einen Regenschirm erinnert.
Der rotbraune, unten fast schwarze Stiel ist flockig und hat eine
weißkleiige Spitze. Die gelblichen, dicken, breiten Lamellen stehen
sehr entfernt und sind breit angeheftet. Das gelbliche Fleisch
schmeckt herb und ist nicht genießbar. – An feuchten Stellen wächst
der linsenförmige Rübling (~Collybia clusilis~): auf einem grauen,
knorpeligen Stiele ein braungrauer, genabelter, ausblassender Hut, der
etwa zwei Zentimeter breit ist und einen eingebogenen Rand hat; die
weißlichen, breiten Lamellen stehen gedrängt und laufen etwas am Stiel
herab. – Dort, wo die Bachstelze aufflog, scheint auch etwas zu stehen.
Ganz recht, der ungestielte Krempling (~Paxillus panuoides~): ein
ockerbräunliches, flaumiges, unregelmäßiges Hutgebilde mit olivgelben,
verästelten Lamellen, die in einem exzentrischen Punkte strahlig
zusammenlaufen. – Auf einer Brandstelle, wo vielleicht Wandervögel
freventlich abgekocht haben, der Kohlen-Nabeling (~Omphalia maura~):
auf schwarzem Stiel ein olivschwärzlicher, glänzender, faseriger Hut,
der vier Zentimeter breit ist; Lamellen weiß. Er riecht nach Mehl.
– Ah, bist du auch schon heraus, schwarzpunktierter Schneckling?
(~Limacium pustulatum~). Unter seinem grauen Hute mit braunem, warzigem
Scheitel gewahren wir blauweißliche, dicke, entfernte Lamellen,
die weit herablaufen. Der weiße Stiel dieses eßbaren Pilzes hat
oben schwarze Pustelchen. – Auf morschem Laub der grüne Träuschling
(~Stropharia aeruginosa~). Sein spangrüner, schmieriger, mittelgroßer
Hut ist meist mit weißen Schüppchen besetzt. Der gleichfarbige Stiel
ist unterhalb des bräunlichen Ringes schuppig. Die Lamellen sind erst
rötlichgrau, dann kaffeebraun. Dieser eßbare Pilz gilbt im Alter oft
so sehr, daß man ihn kaum wiedererkennt. – Der schuppige Träuschling
(~Stropharia squamosa~), den wir an seinem strohgelben, regelmäßig
beschuppten Hute erkennen, ist hier auch anzutreffen. – Dasselbe gilt
vom zimtfuchsigen Wasserkopf (~Hydrocybe jubarina~), den wir aber heute
nicht finden können. –
[Illustration: Abb. 15. =Grüngelber Knollenblätterschwamm=]
Auf weichem Moose ruhn wir aus. »Über allen Wipfeln ist Ruh …, die
Vögelein schweigen im Walde«. Doch da kommt Ersatz. Es ist eine
Mädchenschar, die da singend wandert. Alte Lieder aus jungem Munde,
sie preisen die Schönheit der Welt. – Auch wir setzen unsere Wanderung
fort, biegen kurz vor der Heidemühle links ab, um erst den rotgrün
markierten Hutungsweg und dann den Kuhschwanzweg bis zum Dachsenberg zu
verfolgen. Bald zeigt sich uns der Lila-Dickfuß (~Inoloma traganum~,
Abb. 16~b~), erkenntlich am safrangelben Fleische. Der derbe,
seidige, später gilbende Hut und der keulige Stiel sind blaßlila, die
gekerbten, breiten, entfernten Lamellen erst safrangelb und später
olivbraun. Er gilt als ungenießbar, aber ich aß ihn mit anderen
gemischt – ohne Schaden. – Am Stumpfe da der samtige Tannenflämmling
(~Flammula sapinea~). Der am Rande orangegelbe, nach der Mitte zu
orangebräunlich werdende Hut ist samtig und drei bis neun Zentimeter
breit. Die angewachsenen, breiten Lamellen sind erst gummiguttgelb,
später ockerrot und bräunen an Wundstellen. Der gefurchte Stiel ist
oben gelb und unten braun. Ungenießbar. – In dieser Gegend wächst auch
der Nadel-Flämmling (~spumosa~), sowie der derbfleischige (~fusa~).
– Dann bemerken wir den Runzelhut (~Myxacium elatius~), auch hoher
Schleimfuß genannt. Auf einem blaßvioletten, hohen, in der Mitte
ausgebauchten Stiele sitzt ein gelbbrauner, gerunzelter Kegelhut, der
rostbraune, quergerunzelte, breite Lamellen hat und wie der Stiel
schmierig ist. Eßbar. – Und was steht dort am Stumpf? Der blauende
Porling (~Polyporus caesius~): kleine, bläuliche, scharfrandige
Muscheln mit weißen, kurzen Röhren, die nach Berührung blaufleckig
werden. Selbst das Fleisch ist bläulich durchzogen. – Auch der
Lackporling (~Placodes lucidus~) kann in der Heide gefunden werden,
besonders am Grunde der Eichen. Hut und Stiel sind bei ihm mit einer
glänzenden, braunroten Schicht überzogen, als wäre er lackiert. – Ah,
dort lockt uns der orangerote Milchling (~Lactarius aurantiacus~).
Wir erkennen ihn an dem Orangerot seines ungezonten Hutes, der etwa
vier Zentimeter breit und fast gebuckelt ist. Sein gleichfarbiger
Stiel ist bereift und grubig, seine Lamellen sind etwas blasser und
weißstaubig. Die bleibendweiße Milch schmeckt mild, so daß wir ihn
genießen können. – Häufiger als dieser ist der ebenfalls orangegelb
gefärbte falsche Eierschwamm (~Cantharellus aurantiacus~), der nach
neuerer Forschung (Neuhoff) zu den Trichterlingen gehört. Von dem
bekannten echten Eierschwamm unterscheidet er sich besonders durch
die gelbrote Färbung seiner Lamellen. Er kann auch gegessen werden.
– Aufgeschaut! Dort oben kreuzen Hirsche unsern Pfad! Sie ahnen
kaum, wie hold wir ihnen sind. – Nicht weit vom Weg der violette
Stacheling (~Hydnum violascens~). Der weißrandige Hut ist trübviolett
und samtig. Die spitzen, dünnen Stacheln sind und bleiben weiß.
Der ungleichdicke, kurze Stiel sieht wie der Hut aus. Seltener ist
hier der schwarze Stacheling (~Hydnum nigrum~), dessen Hut und
Fleisch fast schwarz aussehen. Mitten im Preißelbeergewimmel hocken
kastanienbraune Rüblinge (~Collybia butyracea~), auch Butterrüblinge
genannt. Wir erkennen diesen mittelgroßen Pilz an dem rotbraunen,
furchigen, keulig verdickten Stiele und den gekerbten, gelblichen,
breiten Lamellen. Er ist genau so gut eßbar wie sein Systemnachbar,
der horngraue Rübling (~Collybia asema~), der auf einem graubraunen,
gerillten, keuligen Stiele einen grauen, gerieftrandigen, gebuckelten
Hut trägt, welcher drei bis sechs Zentimeter breit wird. – Am
Ochsenkopfweg angelangt, schwenken wir westlich ab nach dem Lerchenweg
und der Hofewiese zu, weil der bewaldete Dachsenberg keine Aussicht
bietet. Dabei entdecken wir den dunkelgenabelten Anis-Trichterling
(~Clitocybe suaveolens~). Sein bräunlicher, kleiner Trichterhut hat
dunkelbraunen Nabel und durchscheinend gerieften Rand. Die gelblichen,
gedrängten Lamellen laufen herab. Der braunrötliche Stiel ist unten
verdickt. Dieser gesellig wachsende Trichterling duftet nach Anis
und verblaßt bei trockenem Wetter. – Vor dem Farnkraut, wo soeben
eine Ringelnatter verschwand, steht ein seltener Wasserkopf: der
gelbgeschmückte (~Hydrocybe saniosa~). Der ockerrötliche, vier bis
fünf Zentimeter breite Hut fällt durch seine hohe Spitze auf. Der
rötlichgelbe, schlanke, verbogene Stiel ist mit gelben Schuppen
geschmückt. Die zimtgelben, hellschneidigen Lamellen sind buchtig
angewachsen und stehen fast entfernt. – Von seinen Verwandten gibt es
hier noch den eingeknickten Wasserkopf (~Hydrocybe angulosa~): Stiel
und Hut orangerötlich, Rand eingeknickt, sowie den violettblättrigen
(~castanea~), den wir außer an seinen violetten Lamellen an dem
sepiabraunen Hute erkennen. Den samtigen Wasserkopf (~Hydrocybe
Junghuhnii~) habe ich nur einmal in der Dresdner Heide gefunden. Er
hat auf rostbraunem, schlankem Stiele einen etwa drei Zentimeter
breiten, zimtbraunen, samtigen, spitzgebuckelten Kegelhut, der trocken
gelblich aussieht und zimtgelbe Lamellen hat. Sein ungenießbares
Fleisch ist dunkelrostbraun. – Als große Grasinsel mitten im Wald
liegt vor uns die Hofewiese, die wir nun betreten. Hier finden wir den
schwärzenden Saftling (~Hygrocybe conica~), dessen spitzer, später
schwärzender Kegelhut wie eine orangerote Blume aus dem grünen Grase
hervorleuchtet. Sein Stiel ist goldgelb und oft verdreht. Seine dicken,
freien Lamellen sehen blaßgelb aus. Er ist eßbar. Dasselbe gilt von
dem daneben stehenden stumpfen Saftling (~Hygrocybe chlorophana~), der
einen zitronengelben, später verblassenden, schmierigen Glockenhut
hat, welcher auf einem grünlichgelben, glanzlosen Stiele sitzt. Die
blaßzitronengelben, dicken, entfernten Lamellen sind ausgerandet =
angeheftet. – Endlich Rast und Atzung. Der Rucksack liefert Wurst und
Brot, die Wirtin kocht den Kaffee.
[Illustration: Abb. 16~a~. =Olivgrüner Knollenblätterschwamm=]