Weil die Pilzgeographie noch in den Anfängen steckt, ist es Pflicht

eines jeden Pilzkenners, mindestens ein Gebiet seines Wohnbezirkes

gründlich zu erforschen und das Ergebnis zu veröffentlichen. Als

Freunde der Tat wollen wir zu diesem Zwecke die Dresdner Heide

durchwandern. Sie ist ein 6237 Hektar großer, gut gepflegter Forst, der

die wellige Hochfläche nördlich von Dresden bedeckt. Ihr diluvialer

Dünensand nimmt von West nach Ost an Fruchtbarkeit zu, weshalb im Osten

Fichten und Buchen vorherrschen, im Westen dagegen Kiefern und Birken.

Außer diesen Bäumen kommen vor: Tanne, Lärche, Eiche, Erle, Weißbuche,

Ahorn, Esche und sogar einzelne Robinien. Aus der Fauna seien genannt:

Hirsch, Reh, Wildschwein, Fuchs und Dachs. Reich an Quellen und Bächen,

Hügeln und Tälern, reich auch an gut markierten Wegen, lockt sie zum

Wandern. Der Dresdner kennt und liebt seine Heide. Fern vom Trubel der

Großstadt kann er hier Ruhe und Erholung finden, Blumen pflücken und –

Pilze suchen. Und diesen Pilzen wollen wir jetzt unsere Aufmerksamkeit

widmen.

[Illustration: Abb. 1. =Dickfuß-Röhrling=]

Unsere Wanderungen beginnen wir Anfang Juli, weil vorher außer der im

Erdreich verborgenen Heidetrüffel (~Hydnangium carneum~) nicht viel

zu finden ist. Wir besuchen zunächst den buchenreichen Stechgrund

unweit des Weißen Hirsches. Hier finden wir den Dickfußröhrling

(~Tubiporus pachypus~, Abb. 1), der von Unkundigen für den Satanspilz

gehalten wird. Er trägt unter seinem hellgrauen, dicken Hute eine

gelbliche Röhrenschicht, die nach Druck bläulich anläuft. Sein

nach unten stark verdickter Stiel ist oben gelb, unten blutrot und

allenthalben netziert. Sein weißliches Fleisch wird nach Anschnitt

blau und schmeckt bitter. Auch der punktierte Hexenpilz (~Tubip.

erythropus~) kommt hier vor. Auf seinem rotpunktierten, keuligen, oben

gelben, unten roten Stiele trägt er einen derben, kastanienbraunen

Hut, dessen Röhrenschicht rot ist. Sein gelbliches Fleisch wird nach

Anschnitt sofort blaugrün, kann aber gegessen werden. – Am steilen

Hange dort winkt uns ein weißer. Er wird rötender Faserkopf (~Inocybe

Trinii~) genannt, weil seine weiße Färbung später rötet und sein

mittelgroßer Hut gefasert ist. Sein Fleisch riecht wie das der meisten

Faserköpfe widerlich und wird nicht gegessen, zumal eine Verwechselung

mit dem giftigen ziegelroten Rißpilz (~Inocybe lateraria~) möglich

ist. Letzterer ist für Sachsen nur im Scharfenberger Schloßpark

nachgewiesen. – Wenn wir Glück haben, finden wir hier auch die eßbare

Grubenlorchel (~Helvella lacunosa~), die im ganzen blauschwärzlich

aussieht. Ihr gekröseartig gewundener Kopf ist zwei bis fünf Zentimeter

hoch und breit; ihr gerippter Stiel zeigt grubige Vertiefungen.

[Illustration: Abb. 2~a~. =Stockschwämmchen=]

Wir gehen nun in Richtung der Acht nordwärts bis zur Prießnitz, vom

Wege bald rechts bald links abschweifend. Da sehen wir Täublinge. Ich

will sie alle aus Liebe zur Einheitlichkeit nach Rickens Vademecum

benennen, wohl wissend, daß da noch mancherlei zu bessern ist. In

Birkennähe gewahren wir den violettgrünen (~Russ. cyanoxantha~), der

auch Frauen-Täubling genannt wird. Meist hat er einen trübvioletten

Hut mit grünlicher Scheibe, kann aber auch violettrötlich, braungrün

oder schwarzviolett aussehen und die Scheibe ockergelblich. Stiel und

Lamellen weiß, Fleisch mild und eßbar. Nicht weit davon steht der

grünschuppige Täubling (~Russ. virescens~), der an dem spangrünen,

gefelderten Hute leicht zu erkennen ist. Lamellen, Stiel und Fleisch

sind weiß. Im Fichtendickicht finden wir ferner den grasgrünen

Täubling (~Russ. graminicolor~), den wir an der dunkelgrünen Hutmitte

erkennen. – Nachdem wir östlich über eine Fichtenschonung schauend,

den lieblichen Ausblick nach dem Hutberg bei Weißig genossen haben,

schlendern wir in nördlicher Richtung weiter. Da drüben ist ein alter

Stumpf gänzlich mit Stockschwämmchen bedeckt (~Pholiota mutabilis~,

Abb. 2~a~). Die zimtbräunlichen, mittelgroßen Hüte könnten den

bekannten büscheligen Schwefelkopf vortäuschen, aber der Ring am

rostbräunlichen, schuppigen Stiele belehrt uns eines besseren. Da

er genießbar ist, wandern die schönsten in unsere Sammelschachtel.

– Versteck dich nur nicht so, du rehbrauner Dachpilz dort (~Pluteus

cervinus~)! Du entgehst unserem Pilzerauge doch nicht! Er trägt

auf grauem, gefasertem Stiele einen dunkelbraunen, flachglockigen,

faserschuppigen Hut, der etwa sieben Zentimeter breit ist. Da er zu

den Rotsporern gehört, spielt das Weiß seiner schwarzschneidigen

Lamellen etwas ins Rötliche. Auch er wird gegessen. – Ein weißer

dort? Aha, ein Schaf-Egerling (~Champignon~), noch zwei, noch drei!

Sein weißer, matt gilbender Hut könnte ja den später wachsenden

Knollenblätterschwamm vermuten lassen, aber die Lamellen unseres

Pilzes (~Psalliota arvensis~) sind nicht weiß (höchstens im Anfang),

sondern rötlich, zuletzt dunkelbraun. Unser Pilz riecht nicht nach

rohen Kartoffeln, sondern nach Anis. Weniger angenehm ist unserer Nase

die unter Birken stehende Stinkmorchel (~Phallus impudicus~). Ihr

grubiger, olivbrauner Kegelhut ist mit einem dicken, stinkenden Schleim

überzogen, angeblich, um aasliebende Insekten anzulocken, die dann

durch Mitnahme der Sporen zur Verbreitung beitragen sollen. Aber dieser

Pilz ist so wenig begehrt und so häufig, daß er um seine Vermehrung

nicht besorgt zu sein braucht – naiv gedacht. Diese Zweck-Philosophen

haben oft eine starke Phantasie. Wären ihre Theorien alle richtig, dann

könnte man nicht begreifen, warum z. B. der seltene, vielbegehrte

Königsröhrling sich durch das Rot seines Hutes verrät, während von

weniger seltenen behauptet wird, daß sie sich durch Anpassung schützen.

Doch zurück zur Praxis! Da drüben ein echter Nadelwäldler: der gelbe

Wulstling (~Amanita junquillea~). Der mattzitronengelbe Hut ist

reichlich mit weißlichen Hüllresten besetzt und hat weißliche, dicht

stehende Lamellen mit flockiger Schneide. Sein weißer, schlanker

Stiel hat einen gleichfarbigen, dünnen Ring und eine birnförmige

Fußscheide, deren scharfer Rand anliegt. Er ist zwar genießbar, aber

dem grüngelben Knollenblätterschwamm so ähnlich, daß bei Unkundigen

eine Verwechselung vorkommen kann. – Nicht weit davon ein Perlschwamm

(~Amanita rubescens~), der selbst mit Oberhaut gegessen werden kann

und neuerdings sehr begehrt ist. Man erkennt ihn immer am rötlichen

Fleisch. Hut rotbräunlich mit helleren Hüllresten, Lamellen weißlich

und dicht stehend, Stiel rötlichgrau mit gerieftem Ring, unten verdickt

und mit nackter Knolle. – Auf einem Straßenhaufen kleine Kerle mit

braunem Glockenhute, rotbraunem, schlankem Stiel und schwärzlichen

Lamellen: der Glocken-Düngerling (~Panaeolus campanulatus~). Und

gleich daneben der gefaltete Gold-Mistpilz (~Bolbitius titubans~):

ein gelblicher, gebrechlicher, zwei bis drei Zentimeter breiter Hut

mit deutlichen Radialfalten sitzt auf einem gelblichen, glänzenden,

schlanken Stiel. Die schmalen Lamellen sind blaßzimtgelb. Beide

Düngerfreunde sind zwar nicht giftig, aber geringwertig.

[Illustration: Abb. 2~b~. =Rötlicher Ritterling=]

Ein Sommertag von Gottes Gnaden! Der Himmel blaut, die Sonne brennt,

und unsre Beine werden müd’. Wie wärs, wenn wir uns setzten? Des

Mooses Polster ladet ein. Ha, wie schmeckt das Schinkenbrot! Dem

Autoprotz bei Sekt und Braten kanns besser niemals munden. Dazu

Konzert. Von allen Zweigen schmettert laut das Jauchzen muntrer Vögel.

Ein grüner Sandlaufkäfer glänzt im Sonnenschein und achtet nicht auf

uns – ein Philosoph nach eigner Art. Ein Hirsch lugt drüben aus dem

Dickicht. – Nun wieder auf! Was dort? Ein Kornblumenröhrling (~Boletus

cyanescens~). Im ganzen gelblichgrau, runzlig und filzig der Hut,

weiß die Röhren und das Fleisch, das nach Anschnitt kornblumenblau

anläuft. Ein seltener Speisepilz. Das gilt auch vom Hasenpilz (~Boletus

castaneus~), den wir nun aufstöbern. Ein mittelgroßer, zimtbrauner

Röhrling mit etwas hellerem, hohlem Stiele und weißen, engen Röhren.

– Ein Heer von Pfifferlingen dort (~Cantharellus cibarius~), von

aller Welt gekannt, was schon sein fürstlicher Reichtum an Volksnamen

verrät, es sind nicht weniger als einundzwanzig. In einem Dickicht

finden wir sogar den nicht minder bekannten Steinpilz, der leider

immer seltner wird. Viele suchen ihn, aber wenige nur denken daran,

Stücke von den Hüten der Alten so auf den Waldboden zu legen, daß

diese bequem aussporen können. Viel häufiger als er ist natürlich sein

bitterer Doppelgänger, der Gallenröhrling (~Boletus felleus~), den

man bekanntlich an den weißlichen, später mattrosa werdenden Röhren

und an dem auffälligen Gelb seines stark netzierten Stieles erkennt.

Im Zweifelsfalle muß die Kostprobe entscheiden. – Dort, wo der Hase

soeben aufsprang, ein Heer schwarzer Gnomentüten: Totentrompeten

(~Craterellus cornucopioides~), schwärzliche Füllhörner, deren

dunkelgraue Außenseite oben vielverzweigte Runzeln trägt. Zwar eßbar,

aber wenig verlockend. – Es geht bergab. Durchs Tal schlängelt sich

die Prießnitz, deren Wasserspiegel uns entgegenglänzt. Aber o weh,

die auf unserer Karte noch verzeichnete Brücke ist nicht mehr da! Was

tun? Wir ziehen blank und patschen durch. Die Sonne wird uns trocknen,

drum lagern wir an lichter Stelle. Der Wasseramsel drüben scheint das

Spaß zu geben. Nun gehts am rechten Prießnitzufer bis zur Heidemühle.

Bald finden wir an einem Fichtenstumpf ein paar schöne Exemplare vom

rötlichen Ritterling (~Tricholoma rutilans~, Abb. 2~b~). Hut und Stiel

auf gelblichem Grunde purpurfilzig, Fleisch und Lamellen gelb. – Unweit

des Ufers, wo noch Vergißmeinnicht in Mengen blüht, steht der filzige

Milchling (~Lactarius helvus~), der fälschlich Maggipilz genannt wird,

halbgiftig ist und höchstens als Gewürz genossen werden darf. Sein

ockerrötlicher Hut ist feinfilzig, sein etwas blasserer Stiel flaumig,

seine gelblichen Lamellen sind zuletzt bestäubt. Die wasserhelle,

spärlich fließende Milch schmeckt mild. Er macht also eine Ausnahme

von der Regel: Alle milden Milchlinge und Täublinge sind genießbar.

Wir finden sodann den vergilbenden Täubling (~Russ. puellaris~), einen

gebrechlichen, mittelgroßen Pilz mit einem trübviolettroten Hute, der

später gelblich ausblaßt, seine Mitte ist dunkler, sein Rand gerippt.

Die neapelgelben Lamellen stehen ziemlich gedrängt, der fast keulige,

schlanke Stiel ist erst weißlich, gilbt aber auch, ebenso das milde,

geruchlose Fleisch. Ähnlich der ekelige Täubling, dessen Hutmitte aber

olivfleckig ist, dessen Stiel im Alter nicht gelb, sondern schwach grau

wird. Auch der graubraune Täubling (~R. livescens~) ist hier heimisch,

sozusagen ein milder kammrandiger (~pectinata~). Er ist bis auf die

weißlichen, tränenden Lamellen im ganzen graubraun, mittelgroß, dünn,

schmierig, mild und eßbar. Ebenso kann man den gedrängtblätterigen hier

pflücken (~R. heterophylla~). Gelbgrün sein Hut mit scharfem, meist

violettlichem Rande, fünf bis sechs Zentimeter breit; Stiel weiß und

zart gerunzelt; erkennbar an den ungleichen, weißen, dünnen, schmalen

Lamellen. Mild und eßbar. – So kommen wir suchend der Heidemühle näher.

Rechts am Wege ein Steinbruch, in dessen Tümpel Wasserschlauch wächst.

(Auch seltene Moose birgt der Grund.) Sodann die schwarzen Teiche, die

Mühle und das Gasthaus.

[Illustration: Abb. 3. =Strubbelkopf=]

[Illustration: Abb. 4. =Birkenpilz=]

Wir stärken uns. Dann wandern wir im herrlichen Prießnitzgrunde mit

seinen malerischen Biegungen abwärts. Hier kann die Fichte ihre ganze

Schönheit entfalten. Am Wege bis unten begrünt, erhebt sie sich stolz

bis zu bedeutender Höhe. Und während wir im feierlichen Dunkel eines

Fichtendomes wandeln, erhebt sich lichtgebadet vor uns ein Hang voll

grünen Jungholzes. Darüber kreist im Himmelsblau ein Bussard, stolz

und sicher. Dazu des Wassers traulich Murmeln, als wollte es erzählen.

Und auch im Winter, wenn Rauhreif oder Schnee die dunkelgrünen Bäume

schmückt, ist dieser Grund nicht ohne Reiz. – Am Steinbruch angelangt,

gehen wir links über die Holzbrücke nach dem Hochmoor, das Wollgras

trägt und Moosbeeren. Hier entdecken wir den weißgesäumten Häubling

(~Galera paludosa~). Sein honiggelber Glockenhut ist ein Zentimeter

breit, durchscheinend gerieft und hat einen hellgelben Rand. Der

gelbliche Stiel (innen braun) trägt blasse Flocken und erreicht

zwischen diesen Torfmoosen eine Länge von zehn Zentimeter. Die

gelblichen Lamellen stehen gedrängt, sind hinten sehr breit und etwas

herablaufend. Unweit davon, aber auf trockenem Boden, können wir auch

seinen zierlichen Stiefbruder, den roststieligen Häubling (~Galera

tenera~) finden; Stiel und Hut ockerbräunlich, Lamellen zimtgelb,

Gestalt wie jener. – Vor Hitze matt, strecken wir uns zwischen hohen

Adlerfarnen am Rande des Moores lang und träumen von vergangenen

Zeiten. Nebelgeister und Irrlichter huschen übers Moor. Auerochsen und

Wildschweine waten im Schlamme. Wir hören von weitem Jagdhörner und

Hundekläffen. Vorüber rast der weiße Hirsch und hinterdrein der Reiter

schweißbedeckte Schar. Vorbei! Wir gehen in die Pilze und wandern

stadtwärts nun gen Süden. Im Heidelbeergestrüpp ein Strubbelkopf

(~Boletus strobilaceus~, Abb. 3). Schwärzlich und ruppig der ganze

Kerl. Nur seine Röhren schimmern grau, sind eckig und weit. Schöner ist

der hier neben der dicken Buche: der goldflüssige Milchling (~Lactarius

chrysorheus~). Goldorange sein mittelgroßer Hut und mit dunkleren

Zonen. Gleichfarbig aber blasser der kahle Stiel, gleichfarbig auch

die schmalen, gedrängten Lamellen. Wir stellen fest, daß die Milch

schwefelgelb wird und scharf schmeckt. – Nun kommen wir zum Saugarten,

wo unter uralten Eichen junge Fichten aufwachsen. Hier scheinen auch

Wildschweine gewühlt zu haben. Aber ihre Zahl nahm mit Eichen und

Buchen gleichermaßen ab. Wenn der Forstmann hier und da noch einzelne

oder ganze Gruppen dieser Baumarten stehen läßt, so geschieht das

nicht bloß aus Schönheitsgründen, sondern auch aus wirtschaftlichen:

durch Laubabwurf gewinnt der Boden. Das freut den Pilzmann auch,

sein Reich wird dadurch bunter. Auf Eichenwurzeln sitzend hier

ein Rübling, der spindelige (~Collybia fusipes~); Hut und Stiel

englischrot, der spindelige Stiel ist tief gefurcht; die rötlichen,

angehefteten Lamellen stehen sehr entfernt. Das geruchlose Fleisch

dieses glockenhütigen Pilzes ist genießbar. – Nun auf der alten Vier

weiter nach Süden! Im Sande hier eine Schar unscheinbarer Gesellen,

büschelige Rißpilze (~Inocybe umbrina~). Der drei Zentimeter breite,

glockige, gebuckelte Hut ist rehbraun und gefasert. Die bräunlichen

Lamellen haben eine blasse, flockige Schneide. Der gelbbräunliche

Stiel trägt ein scharf abbiegendes Knöllchen und eine weißkleiige

Spitze. Von seinen Gattungsbrüdern kommen außer den genannten noch

~lacera~, ~maritima~ und ~dulcamara~ vor. Im Moose hier am Wegrand

zwei winzige Arten mit glockigen Hütchen. 1. Der Sternmooshäubling

(~Galera mniophila~) mit einem braungelben, gerieften, glatten Hute

und olivgelbem, schlankem Stiele, 2. der Astmooshäubling (~Galera

hypnorum~), der ganz ähnlich aussieht. Aber seine bräunlichen Lamellen

sind am Stiele verschmälert angeheftet, die seines Doppelgängers

dagegen breit angewachsen. Nichts für den Kochtopf! Dasselbe gilt von

der kleinen Gesellschaft hier, von den gesäten Tintlingen (~Coprinus

disseminatus~). Dicht gedrängt stehen am Wege graue, winzige, gefaltete

Glöckchen, gestützt von weißlichen, dünnen Stielchen. Die Lamellen

der jungen sind blaßrötlich, die der alten braunschwarz. Klein ist

auch der folgende, der seidige Rübling (~Collybia cirrhata~), der gern

auf faulenden Pilzen wächst. Hut rötlichweiß, etwa ein Zentimeter

breit, konzentrisch-rinnig, Lamellen weiß, gedrängt, schmal, etwas

herablaufend; Stiel blaßrötlich, dünn, verbogen, flaumig. Wenn wir ihn

tief ausstechen, bemerken wir, daß unten am Stiel wurzelartige Fädchen

hängen, die aus gelblichen Klümpchen (~Sklerotien~) hervorwuchsen. –

Etwas größer ist der Rübling, den wir nun finden: der gemeine (~Coll.

dryophila~). Er foppt uns oft durch seine Veränderlichkeit. Gewöhnlich

sieht sein Hut rötlichgelb aus, der Stiel etwas dunkler. Die gelbweißen

Lamellen sind schmal und dicht stehend. – Schließlich finden wir noch

den grubigen Rübling (~Coll. radicata~). Auf seinem weißlichen, langen,

gerillten Stiele, der nach unten wurzelartig verlängert ist, sitzt ein

bräunlicher, stark gerunzelter Glockenhut, der etwa acht Zentimeter

breit ist und weiße, breite, entfernte Lamellen trägt. Sein Fleisch ist

weiß, mild und geruchlos. Zum Essen empfiehlt sich nur der Hut, nicht

der harte Stiel.

[Illustration: Abb. 5. =Ziegenlippe=]

[Illustration: Abb. 6. =Orangegelber Ziegenbart=]

Die zweite Pilzfahrt beginnen wir Mitte Juli nach Verlassen der

Straßenbahn 9 an der Marienallee. Lautes Knallen verrät die Nähe der

Militärschießstände, die wir rechts liegen lassen, um den Kannhenkelweg

nordöstlich bis zur Hofewiese zu verfolgen. Viel Kiefern. Da steht

der Sandröhrling (~Boletus variegatus~). Sein Hut ist ledergelb und

trägt winzige braune Schüppchen. Sein glatter, fester gleichdicker

Stiel hat dieselbe Farbe, oft mit einem Stich ins Rötliche. Seine

engen, am Stiel herablaufenden Röhren sind olivbraun. Das genießbare

Fleisch sieht blaßgelb aus und blaut etwas. Dann finden wir den

süßriechenden Milchling (~Lactarius glyciosmus~). Die Farbe seines

violettgraubraunen, undeutlich gezonten Hutes variiert sehr. Der etwas

blassere Stiel ist bereift und ausgebaucht. Aus seinen gelblichen,

dicht stehenden Lamellen fließt nach dem Anritzen eine weiße,

unveränderliche Milch, erst mild, dann scharf schmeckend. – Weiter

oben gibts auch Birken. Wie zierlich sie sich abheben vom ernsten

Dunkel des Nadelwaldes! Hier wird gesucht. Ein Birkenpilz mit braunem

Hut und schwarzweiß gesprenkeltem Stiel! (~Tubiporus scaber~, Abb.

4). Nicht weit davon leuchtet der ockerrötliche Hut des Rothäubchens

(~Tubiporus rufus~). Dort noch mehr! Unsere Freude steigert sich

zur Mykomanie. – Nun schweifen wir nach links zum Lärchenhain.

Richtig, da lacht er uns schon entgegen: der Lärchenröhrling (~Boletus

elegans~), der auch schöner Röhrling genannt wird. Sein goldgelber,

schmieriger Hut trägt schwefelgelbe, enge Röhren und sitzt auf

einem gleichfarbigen, faserigen Stiele, der einen weißlichen Ring

trägt. Eßbar. Wir spähen auch nach dem rötenden Gelbfuß (~Gomphidius

maculatus~), finden ihn heute aber nicht. Aber der Birkenreizker ist

schon heraus (~Lactarius torminosus~). Giftreizker nennen wir ihn

deshalb nicht mehr, weil Versuche ergaben, daß er nach Abgießen des

Kochwassers als Salat- oder Mischpilz verwendet werden kann. Der

gelbrötliche, vertiefte Hut hat zottigen Rand und eine braungezonte

Scheibe. Der gleichfarbige, hohle Stiel ist oft grubig; die etwas

helleren Lamellen sind schmal und gedrängt. Später können wir hier auch

den lebhaft gelben Lärchenschneckling finden (~Limacium lucorum~). –

Wir schwenken nun halbrechts und sammeln dabei mehrere Ziegenlippen

(~Boletus subtomentosus~, Abb. 5). Ihr dünner Stiel, unten rötlich und

oben gelb, trägt einen olivgrauen, samtigen, oft gefelderten Hut, der

goldgelbe, weite, eckige Röhren hat. Willkommene Beute! – Dort ist ein

Stumpf mit dottergelben, korallenartigen Gebilden geziert: wurzelnde

Händlinge (~Calocera viscosa~). Im Volksmunde heißen alle geweihartigen

Pilze Ziegenbart, obwohl die meisten einer anderen Gattung angehören,

nämlich den Korallenpilzen (~Ramaria~). Von letzterem birgt die

Heide den zitronengelben (~flava~), den orangegelben (~aurea~, Abb.

6), den grauenden (~cinerea~), den rauchgrauen (~grisea~), den

kammförmigen (~cristata~), den grünspitzigen (~abietina~) und endlich

den Hahnenkamm (~botrytis~). – An einer grasbedeckten, lichten

Stelle am Wege steht herdig der eßbare gemeine Fälbling (~Hebeloma

crustuliniforme~), der früher tränender Hautkopf genannt wurde. Sein

Name deutet auf eine mattgelbbräunliche Färbung. Die gelbbraunen,

schmalen, dünnen, gedrängt stehenden Lamellen haben eine gekerbte

Schneide und tränen. Dieser Pilz riecht nach Rettich und ist am

sichersten an den weißen Pünktchen des Oberstieles zu erkennen. – Auf

Pferdedünger am Wege erfreut sich ein herdig auftretender Knirps seines

kurzen Daseins, der Eintags-Tintling (~Coprinus nycthemerus~). Der

zuletzt schirmartig ausgebreitete, graue, radialfaltige Hut mit gelbem

Scheitel wird nur einen Zentimeter breit. Die grauen, schmalen Lamellen

gehen bis an den weißen, dünnen, flockig-bereiften Stiel heran. –

Na, endlich auch einmal ein kahler Krempling (~Paxillus involutus~).

Der gelbbraune Geselle mit seinem filzigen, eingebogenen Hutrande

ist hinreichend bekannt. Von Ricken wird er empfindlicher Krempling

genannt, weil die gedrückten Stellen rasch rotbraun werden. Er schmeckt

etwas säuerlich und leimig, weshalb ihn nicht jeder mag. Links vor

der Prießnitzbrücke steht an einem alten Stumpf der vielumstrittene

Balken-Blättling (~Lenzites trabea Pers.~). Hut halbkreisförmig,

umbra, runzelig, flaumig, wellig gezont, dünn; Lamellen bräunlich,

ganzrandig; Substanz lederig. – Nun in nordöstlicher Richtung aufwärts

zur Hofewiese – aber schnell, weil ein Gewitter droht. Da ein mächtiger

Samtfuß-Krempling (~Paxillus atrotomentosus~, Abb. 7~a~), an faulendem

Stubben. Erkenntlich an dem dunkelbraunen Filze seines Unterstieles.

Die gelben Lamellen seines rostbraunen Hutes gehen weit am Stiel

herunter. Roh schmeckt er bitter, gebraten scheint er manchen zu

munden. – Dort winken weiße Pilze! Pfeffermilchlinge (~Lactarius

piperatus~, Abb. 7~b~). Dieser stattliche, getrichterte, weiße Pilz

mit beißender, weißer Milch unterscheidet sich von dem kurzstieligen

Wollschwamm (~Lactarius vellereus~) besonders durch seine sehr dicht

stehenden Lamellen. – Lassen wir die bissige Gesellschaft, denn der

Himmel verdunkelt sich mehr und mehr. Kurz vor dem Zaune, der die

Hofewiese und ihre Wirtschaftsgebäude umschließt, erhebt sich ein

Sturm, der brausend durch die Wipfel rast, als ob die wilde Jagd

der Sage auferstanden wäre. Spornstreichs eilen wir zur niedrigen

Wirtsstube und nehmen keuchend am grünen Kachelofen Platz. Nun, mein

Donar, tob dich aus! Er tuts mit Blitz und Donner, indes wir gemütlich

Kaffee trinken und das mitgebrachte Butterbrot verzehren.

[Illustration: Abb. 7~a~. =Samtfuß-Krempling=]

[Illustration: Abb. 7~b~. =Pfeffer-Milchling=]

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XV, Heft 5-6 · 第 3 / 8 段