des Wassers erkennen werden, daß wir an der Arbeit sind. Verstecken
Sie sich in den Busch an jener Pappel, von dort können Sie das Wasser
übersehen. Wenn ein Biber sich auf der Oberfläche zeigt, so müssen Sie
ihn auf den Kopf schießen und schnell zu ihm ins Wasser springen und ihn
ergreifen, ehe ihn der Strom mit sich fortnimmt. Treffen Sie ihn nicht in
den Kopf, so entgeht er Ihnen. Das Wasser hier ist nicht tief. Seien Sie
sehr vorsichtig und bewegen Sie sich nicht; denn der Biber ist eins der
schlausten Thiere; und verlieren Sie die Geduld nicht, wir müssen darauf
rechnen, vielleicht bis zu einbrechender Nacht zu sitzen. Wenn es so lange
dauern sollte, und Sie können nicht mehr zum Schießen sehen, so gehen Sie
am Ufer hinauf bis zu mir, dann gehen wir bis an das Ende des Wassers,
welches in der Prairie zurückgeblieben ist, und nehmen unsern Heimweg im
trocknen Grase.«
Indem Daniel seinem Gefährten noch guten Erfolg wünschte, eilte er auf
dem Ufer hin, und fand in nicht großer Entfernung von Carl eine Menge
Biberhäuser aus dem Bache hervorsehen, so wie auch mehrere, die
seitwärts in dem Walde in Vertiefungen standen und nur noch von wenig
zurückgebliebenem Wasser umgeben waren. Er wußte aber, daß diese bereits
von ihren Bewohnern verlassen seien, und nahm sich darum nicht die Zeit,
sie zu durchsuchen. Er wollte aber nicht in der Nähe Carls bleiben, um
demselben nicht durch einen Schuß die Jagd zu verderben, deshalb schritt er
weiter am Bache hinauf, und gelangte dahin, wo das Wasser nicht aus seinem
Ufer ausgetreten gewesen war, und der Wald zu beiden Seiten mehr aus hohen
Bäumen und nur einzelnen Büschen bestand. Es war dieselbe Gegend, wo Carl
an jenem Abend den Bären erlegt hatte. Hier fand Daniel noch ein Biberhaus
in dem Bache, dessen Ufer sich auf dieser Stelle weit von einander
entfernten und eine Art von kleinem See bildeten. Der Neger wählte einen
hochgelegenen Platz am Ufer, von wo aus er den ganzen Wasserspiegel
übersehen und mit Genauigkeit bis an das Biberhaus schießen konnte.
Es stand dort ein alter Ahorn, an dessen Stamm er sich niedersetzte,
nachdem er einige Büsche vor sich in die Erde gesteckt hatte, um sich dem
Blick der Biber zu entziehen. Es war Nachmittag geworden und die Sonne
begann ihre Strahlen schräg durch den Wald zu werfen.
Alles war still und lautlos, weder in dem Laube der hohen Baumkronen,
noch auf dem glatten Wasserspiegel war eine Bewegung zu erkennen, und der
goldene Streif, den das Sonnenlicht über den Teich warf, wurde nur zuweilen
durch einen aufspringenden Fisch gekräuselt. Stunden eilten dahin, ohne daß
ein Biber seine Gegenwart verrathen hätte, obgleich der sprühende scharfe
Blick des Negers fortwährend das Wasser überwachte. Die Schatten der Bäume
dehnten sich länger und dunkeler über die Erde aus, und hier und dort
wurden zwischen den Stämmen Hirsche und Antilopen sichtbar, die vertraut
und sorglos dem Bache zuschritten, um ihren Durst in dessen kühlen Fluthen
zu stillen. Daniel sah ihnen zu, wie sie mit einander scherzten, ihre
Gehörne an einzelnen Stämmchen rieben, oder die zartesten Kräuter in dem
Grase suchten; da plötzlich fuhren mehrere derselben, wie durch irgend
etwas erschreckt, zusammen und hielten lauschend die Köpfe in die Höhe.
Daniel blickte schnell um sich durch den Wald, so weit sein Auge aber
reichte, konnte er Nichts erkennen, was die Veranlassung zu der plötzlichen
Aufmerksamkeit der Thiere hätte geben können. »Vielleicht war es ein großer
Raubvogel, der sie erschreckt hat,« dachte Daniel und blickte wieder nach
dem Biberhause; da sah er unweit desselben eine Bewegung im Wasser, es
erschien ein dunkeler Punkt auf der Oberfläche und derselbe bewegte sich
jetzt schnell dem Ufer zu. Es war ein Biber, der schwimmend mit der Nase
das Wasser theilte, und von derselben aus zwei lange Streifen in einem
spitzen Winkel hinter sich auf dem glatten Spiegel zurückließ.
Daniel hatte behutsam die Büchse an den Backen gehoben, und zielte dem
nahenden Thiere auf den Kopf, bis dasselbe nur noch wenige Schritte vom
Lande entfernt war, dann gab er Feuer. Der Biber überschlug sich im Wasser
und warf dasselbe hoch um sich auf, da hatte der Neger aber schon seine
Büchse an den Baum gestellt und war in _einem_ Satze bis zu der sterbenden
Beute ins Wasser gesprungen. Er ergriff das Thier beim Schwanze und schwamm
in wenigen Augenblicken mit ihm an das Land zurück.
Hier schüttelte er das Wasser von sich, hing seine Kugeltasche um
und ladete den abgeschossenen Lauf seiner Büchse. Kaum hatte er dies
vollbracht, und bückte sich, um sich wieder an dem Baume niederzusetzen
und Carl zu erwarten, da fiel ein Schuß, und die Kugel schlug neben Daniels
Kopf in den Baumstamm.
In weiten Sätzen sprang der Neger von der Anhöhe herab nach einer
umgefallenen kolossalen Cypresse, die nur einige zwanzig Schritte von
ihm entfernt lag, und warf sich hinter dem Stamme in das Gras nieder. Das
scharfe, geübte Auge Daniels hatte aber beim ersten Umblicken den Schützen
erkannt, einen Indianer, der hinter einer Eiche hervorsah und nach dem
Schusse sich wieder hinter derselben verbarg. Diese Eiche stand weiter am
Bache hinunter, etwa hundert Schritte von dessen Ufer entfernt, und der
erste Gedanke des Negers war Carl zugewandt, der nun bald von dort her
kommen mußte. Er schob die Holzaxt durch den Gürtel, den er um den Leib
trug, und war im Begriff, den Indianer sofort anzugreifen, ehe derselbe
seine Büchse wieder laden konnte, denn er wußte, daß die Wilden keine
Doppelgewehre führten; doch hob er zuerst nur seinen Hut über dem Baumstamm
hervor. In demselben Augenblick fielen von anderen Bäumen her wieder zwei
Schüsse, und eine Kugel flog durch den Filz. Der Neger hatte gleichfalls
die beiden Indianer gesehen, welche jetzt geschossen hatten.
Er war unschlüssig, ob er hervorspringen und den Kampf offen beginnen, so
wie versuchen solle, den Weg zu Carl zu gewinnen; da kam ihm der Gedanke,
daß möglicherweise eine noch viel größere Zahl von Wilden in der Nähe
verborgen sein könnte und er dieselben bei einer Flucht seinem Gefährten
gerade entgegenführen würde. Der Baum, hinter welchem er lag, war durch
einen Sturm umgeweht und mit den Wurzeln aus dem Grunde gerissen, so
daß diese mannshoch über dem Boden emporragten und tief in das Loch
hinabhingen, welches sie in der Erde zurückgelassen hatten. In diese
Vertiefung sprang Daniel jetzt hinein, weil er durch das Wurzelwerk des
Baumes den Blicken der Feinde entzogen wurde und selbst doch zwischen
demselben hindurch nach ihnen hinsehen konnte. Nur mit dem Kopfe ragte
er über dem Erdboden empor, und vermochte die ganze Waldfläche nach den
Indianern hin zu übersehen; so sehr sein Auge sich aber auch anstrengte,
so konnte er doch Nichts von denselben gewahren. Er spähete unverwandt nach
den drei Bäumen hin, von wo die Schüsse gekommen waren, und hielt selbst
die sichere Doppelbüchse zum augenblicklichen Gebrauch fertig.
Die letzten Sonnenblicke waren verschwunden und der Abend breitete sein
Düster durch den Wald aus, während die Besorgniß des Negers um seinen
Gefährten von Minute zu Minute zunahm, und sich bis zu einer entsetzlichen
Angst steigerte.
Derselbe mußte nun bald an dem Ufer heraufkommen, die Wilden mußten ihn
in seinem sorglosen Schritt schon von Weitem kommen sehen, und dann war er
sicher verloren! Es trieb den Neger jetzt mit tödtlicher Angst heraus aus
seinem Versteck, damit Carl durch das viele Schießen vor der Gefahr, die
seiner harrte, gewarnt wurde, da sah er, wie der Wilde, der zuerst nach ihm
gefeuert hatte, mit Blitzesschnelle hinter der Eiche hervor und nach einer
andern, dem Ufer näher stehenden, hinrannte. Er führte es so schnell aus,
daß Daniel zwischen den Wurzeln, durch welche er blickte, ihm in seinem
Lauf nicht mit der Büchse folgen konnte, und dann wurde in demselben Moment
sein Blick auf noch zwei andere Indianer gezogen, die gleichfalls hinter
Bäumen standen, und die er früher nicht gesehen hatte.
Es waren deren also fünf und sie beabsichtigten, ihn bis an das Ufer des
Baches zu umzingeln; denn zwei derselben sprangen jetzt auf der andern
Seite näher nach dem Wasser hin. Der Wilde, der zuerst seinen Stand
gewechselt hatte, befand sich nun gerade in der Richtung, von wo Carl
herkommen mußte, und Daniel spähete an ihm vorüber nach der kleinen Anhöhe,
die sich in kurzer Entfernung hinter ihm erhob. In diesem Augenblick
erschien der Hut seines Gefährten über dem Hügel, und gleich darauf seine
Gestalt bis an die Brust.
»Indianer -- zurück, fliehen Sie!« schrie der Neger jetzt mit aller Gewalt
seiner Stimme seinem jungen Freunde zu, und winkte, indem er aus der
Vertiefung neben dem Stamm sprang, ihm mit seinem Hute entgegen. In
derselben Sekunde feuerten seitwärts von ihm zwei Indianer, doch ohne
Daniel zu treffen, der sich zugleich über dem Stamme aufrichtete und einen
dieser Wilden durch den Kopf schoß, noch ehe derselbe sich hinter den Baum
zurückziehen konnte. Mit einem furchtbaren Kriegsgeschrei stürzte der Neger
nun hinter dem Stamm hervor und auf den Indianer zu, der zwischen ihm
und Carl hinter der Eiche stand, der Wilde aber richtete seine Büchse ihm
entgegen und würde dem Leben Daniels wahrscheinlich ein Ende gemacht haben;
es blitzte aber in diesem Augenblicke von Carl her, und mit einem gellenden
Todesschrei brach der Indianer zusammen.
»Hurrah!« schrie Carl, daß es weit durch den Wald schallte, und sprang
seinem Freunde entgegen, und »Hurrah!« schrie Daniel und wandte sich den
drei anderen Indianern zu, die jetzt die Flucht ergriffen und wie Hirsche
zwischen den Bäumen davon sausten.
»Halt -- Du mußt zurückbleiben!« rief der Neger jetzt dem Letzten der
fliehenden Wilden zu und hob stillstehend sein Gewehr an die Schulter. »Du
bist ein Waco -- eine Schlange, und hast wohl einmal vom schwarzen Panther
gehört!«
Das Feuer fuhr aus der Büchse Daniels, und so blitzschnell auch der
Indianer in seinem Lauf hin und hergesprungen war, so hatte ihn doch die
Kugel des Negers erreicht, und er überschlug sich im Todessturze zwei --
drei -- viermal.
Carl hatte den Augenblick benutzt, sein abgeschossenes Rohr wieder zu
laden, Daniel aber unterbrach ihn darin, indem er seine Hand hastig ergriff
und seine Lippen darauf pressend ausrief:
»Der gütige Gott hat uns gerettet, junger Herr, ihm sei Lob und Dank
dafür!«
Freudebebend drückte er abermals Carls Hand an seinen Mund und sagte dann:
»Ich habe Ihnen wieder mein Leben zu danken, die Rothhaut hatte ruhig und
gut gezielt, ich fühlte schon in Gedanken die Kugel, da machten Sie Funken
und, wahrhaftig sie hatten nicht schlechter gezielt.«
»Und auch Du hast mir das Leben gerettet, Daniel, denn wenn Du mir nicht
gewinkt hättest, wodurch Du Dein eignes Leben aufs Spiel setztest, so
würde ich nichts von den Indianern gewahr worden sein, bis ich ihre Kugeln
gefühlt hätte. Du hast eben so viel, und noch mehr für mich gethan, wie ich
für Dich; denn auf mich wurde keine Büchse gerichtet.«
»Wir haben aber gut gefochten, die Teufel scheinen alle drei todt zu sein;
es sind Waco's, die allerschlechtesten, allergefährlichsten Indianer von
allen. Wir wollen uns aber doch zum Andenken ihre Waffen und ihren Schmuck
zueignen, und dann eilen, daß wir nach Hause kommen, sie werden im Fort
besorgt um uns sein,« sagte Daniel, indem er die Kugeln in seine Büchse
trieb und dann Zündhütchen aufsetzte. Zuerst gingen die Kampfgenossen
nun zu dem zuletzt erlegten Indianer, und fanden ihn todt auf dem Gesicht
liegend. Die Kugel war ihm in den Hinterkopf eingedrungen.
»Es war weit, deswegen hielt ich etwas hoch, ich habe aber ziemlich gut die
gerade Linie gehalten; es war mein schlechtester Schuß nicht,« sagte der
Neger, indem er dem Erschossenen die Kugeltasche, den Tomahawk und den
Schmuck abnahm, der in metallenen Armringen, Ohrringen und einem Halsband
aus Muscheln bestand. Dann ergriff er dessen Büchse und sagte:
»Sieh, der Lump hat nicht einmal nach uns gefeuert, die Büchse ist noch
geladen.«
»Warum riefest Du ihm denn zu, ob er einmal von einem schwarzen Panther
gehört habe?« fragte Carl, auf den Todten blickend.
»Ja so -- o, das ist nur so eine Redensart unter den Indianern,« antwortete
Daniel sichtbarlich verlegen, und ging seinem Gefährten voran zu dem zuerst
Gefallenen, dem die Kugel durch die Stirn gedrungen war. Sie nahmen ihm
gleichfalls Waffen und Schmuck ab. Auch den durch Carl erlegten Wilden
fanden sie todt, er war durch den Rücken geschossen. Carl belud sich
mit dessen Waffen, während Daniel dessen Schmuck zu sich nahm, und beide
begaben sich dann zu dem Biber, welchem der Neger die Drüsen mit Bibergeil
ausschnitt. Darauf band er ihm einen Busch an den Schwanz und warf ihn in
das Wasser, so daß der Busch aus demselben hervorsah; denn es war zu spät,
um ihm die Haut abzunehmen, die Daniel jedoch am folgenden Tage holen
wollte. Die Dunkelheit war schon hereingebrochen, als die beiden Jäger die
Prairie erreichten, der neue Mond stand aber am Himmel, und sein mattes
Licht war hinreichend, den Heimkehrenden das Gehen zu erleichtern. Sehr
ermüdet langten sie beim Fort an und wurden durch das Bellen der Hunde
dessen Bewohnern schon von Weitem angemeldet.
Als sie das Thor erreichten, hatte Turner dasselbe bereits geöffnet und
trat ihnen mit einem »Gottlob« entgegen.
»Wo seid Ihr denn so lange geblieben? wir waren wirklich in Sorgen um
Euch,« sagte er, als sie durch das Thor einschritten, »das Wasser ist
aber aus dem Felde verschwunden; was war denn die Ursache von der
Ueberschwemmung?«.
»Eine Bibercolonie hatte in dem Pflaumenbach einen Damm gebaut, den wir
ihnen zum Aerger zerstört haben,« antwortete Daniel.
»Was habt Ihr denn da für Büchsen und sonst für Sachen?« fragte Turner
jetzt verwundert, da der Schein des Lichtes, womit Madame Turner in die
Hausthür trat, auf die beiden Jäger fiel.
»Wir haben sie von drei Waco-Indianern zum Geschenk erhalten, wenn auch
gegen ihren Willen,« entgegnete Daniel und setzte lachend hinzu, »nein, wir
haben sie von ihnen geerbt.«
»Mein Gott, Ihr habt doch wohl nicht mit Indianern gefochten?« sagte Madame
Turner erschrocken.
»Und ganz gut gefochten,« antwortete der Neger, indem er im Zimmer die
Büchsen an die Wand stellte und die andere Beute dabei niederlegte. »Wir
hatten fünf gegen uns zwei und haben drei von ihnen erschossen; die beiden
anderen mögen es ihren Kameraden als Warnung erzählen.«
Nun wurden theils durch Daniel, theils durch Carl die Begebenheiten
mitgetheilt, wobei den Lippen der Madame Turner und Juliens manches »Ach
und Oh« entfuhr.
»Die Hand des Allmächtigen hat über Euch gewacht, er sei gepriesen und
gelobt,« sagte Turner, als die Erzählung zu Ende war, und Madame Turner
trocknete unbemerkt die Thränen des stillen innigsten Dankes, die ihr in
die Augen getreten waren.
»Wenn die Ueberschwemmung nur unserm Mais keinen Schaden gethan hat,« nahm
Turner wieder das Wort, nachdem die Angelegenheit mit den Indianern lange
Zeit besprochen war.
»Im Gegentheil, er wird um so kräftiger emporschießen, das Wasser hat ihn
nur erfrischt,« entgegnete der Neger. »Da fällt mir ein: ich will Abends,
wenn wir das Fort schließen, immer das Kanoe bis zu dem Felsstück hier
unter dem Abhange rudern und auf der Leiter heraufsteigen; es könnte das
Schiff uns leicht durch die Indianer gestohlen oder zerstört werden, und
außerdem hat man es auch zur Hand, wenn man, wovor uns der Himmel bewahren
mag, dasselbe einmal zur Flucht nöthig haben sollte.«
Am folgenden Morgen, als Madame Turner zum Frühstück rief, hatte der Neger
schon einen Ritt gemacht und den Biber geholt. Nachdem er ihm das prächtige
Fell abgenommen und ihn sauber ausgeweidet hatte, übergab er ihn der
Hausfrau als einen vortrefflichen Braten, und bezeichnete dessen Schwanz
als einen ganz besondern Leckerbissen. Madame Turner hatte ihr Bedenken
dabei, ihn zuzubereiten, und meinte, das Thier habe ganz das Aussehen einer
großen Ratte; auf Daniels Versicherung und Carls Zureden jedoch versprach
sie, dasselbe auf den Tisch zu bringen.
Das Bibergeil nahm der Neger aus den Drüsen, that es in eine kleine
Bouteille, goß nur sehr wenig Cognac hinzu und verstopfte das Glas fest.
Nach dem Frühstück bestieg er sein Pferd, um nach dem Choctawbache zu
reiten und von den dortigen Ansiedlern Biberfallen zu borgen. Carl hätte
ihn sehr gern dorthin begleitet, doch als Madame Turner ihn bittend fragte:
»Willst Du denn mit Daniel reiten?« verzichten er sofort darauf und
erwiederte:
»O nein, es wird nicht nöthig sein, Daniel wird wohl allein die Fallen
herüberschaffen können.«
Er benutzte den Tag, um für seine Tante in dem Garten einige Beete
mit Gemüsen zu bestellen und für Julien ein Gestell zu einer Laube
aufzuschlagen, um welche er dann prächtig blühende Schlinggewächse
pflanzte, die er zu diesem Zwecke gelegentlich aus dem Walde mitgebracht
hatte.
Abschnitt 6.
Biberfang. -- Die Bärin. -- Der graue Bär. -- Der Prairiebrand. -- Der
wilde Rappenhengst.
Noch vor Sonnenuntergang kehrte Daniel zurück und zwar mit acht eisernen
Fallen, sogenannten Tellereisen, die um seinen Sattel herumhingen. Mit
großer Bereitwilligkeit hatten die Ansiedler am Choctawbache ihm dieselben
zum Gebrauch überlassen, zumal da die Biber aus jener Gegend schon
verschwunden waren. Die Nachricht von dem Sieg Daniels und Carls über die
Waco-Indianer war in der Niederlassung mit Jubel aufgenommen worden, ganz
besonders aber hatten Warwicks sich darüber gefreut, weil, wie der alte
Herr sagte, die Rothhäute eine gute Lehre dadurch erhalten hätten und nun
sobald nicht wieder kommen würden. Die Fallen setzte der Neger sogleich
sämmtlich in guten Stand und ölte sie ein, um am folgenden Tage die Jagd
damit zu beginnen. Nachdem die Pferde getränkt und in ihr Nachtquartier
gebracht worden waren, ruderte Daniel das Kanoe bis an das Felsstück unter
dem Abhange, stieg von da auf der Leiter in das Fort und zog dieselbe dann
wieder zu sich herauf.
Der folgende Tag wurde Carl sowohl, wie auch Arnold und Wilhelm unendlich
lang, denn erst gegen Abend wollte Daniel nach dem Pflaumenbache reiten, um
die Fallen zu legen, und den beiden jüngeren Knaben war es versprochen, mit
dabei zu sein. Endlich sattelte der Neger sein Pferd, Carl folgte seinem
Beispiel und für Arnold und Wilhelm wurden die beiden Schimmel aufgezäumt.
Die vier Reiter vertheilten die Fallen unter sich und hingen sie an
ihre Sättel und dann ritten sie vergnügt davon, während Turner das Thor
verschloß. Es war verabredet worden, daß einige Schüsse vom Fort her als
Aufforderung zur eiligen Rückkehr nach demselben gelten sollten, denn der
Wind stand nach dem Pflaumenbache hin, so daß man den Knall eines Gewehrs
sicher dort hören konnte.
Bald hatten die Reiter den Bach erreicht, da wo Daniel den Biber geschossen
hatte, die todten Indianer aber waren verschwunden. Die Pferde wurden
schnell an Bäume befestigt, worauf der Neger mit dem Legen der Fallen
begann. Er versenkte sie aufgestellt an dem Ufer in das Wasser und zwar an
solchen Stellen, wo dieses nicht mehr als einen halben Fuß tief war. Dann
nahm er ein dünnes Reis, tauchte dessen eines Ende in das Bibergeil und
steckte es mit dem andern Ende so in das Ufer, daß die angefeuchtete Spitze
gerade über der Falle auf den Wasserspiegel zeigte. An jede Falle hatte
Daniel einen Strick gebunden und an dessen Ende einen Busch, den er auf das
Ufer legte. Wenn nun in der Nacht ein Biber auf den Wasserspiegel kam und
das Bibergeil witterte, so lockte dies denselben zu sich heran, er kam
bis über die Falle geschwommen, trat auf dieselbe und mußte an dem Fuße
gefangen werden. Nach Verlauf von einer halben Stunde waren sämmtliche
Fallen in Entfernungen von etwa funfzig Schritt gelegt und die Jäger
begaben sich in gespannter Erwartung, wie viele Biber sich wohl fangen
würden, auf den Heimweg. Gleich nach Sonnenuntergang langten sie schon
wieder im Fort an, und Abends bei verschiedener Beschäftigung um den großen
Tisch wurde von Nichts als von den Bibern gesprochen, deren Felle so sehr
werthvoll waren.
Daniel sagte voraus, daß ganz gewiß in jeder Falle ein Biber sitzen würde
und daß er binnen einer Woche die ganze Colonie auszufangen gedenke.
Kaum graute der Tag, als die vier Reiter abermals zu Rosse waren und in
Galopp dem Pflaumenbache zujagten.
Die Knaben nahmen sich dort nicht einmal Zeit, die Pferde anzubinden,
sondern baten Daniel, dies für sie zu thun, während sie selbst zu der
ersten Falle liefen, und gleich den Busch auf dem Ufer vermißten. Er
schwamm unweit des Biberhauses auf dem Wasser, also mußte die Falle von
dem Gefangenen dorthin gezogen sein. Daniel kam nun mit einem sehr langen
Stock, an dessen Ende er einen hölzernen Haken befestigt hatte, und zog mit
demselben den schwimmenden Busch zu sich heran. Dieser wurde nun auf das
Ufer gezogen und als die Falle an dem Strick folgte, hing wirklich ein
todter Biber darin. Er hatte sich an einem Vorderfuß gefangen, war mit der
Falle in die Tiefe getaucht und hatte sich heftig gegen dieselbe gewehrt;
denn seine Bisse waren an dem Eisen zu sehen und die Schärfe seiner Zähne
war abgebrochen. Das schwere Eisen hatte ihn in der Tiefe gehalten und ihn
ertränkt; denn der Biber kann nur eine gewisse Zeit der Luft entbehren. Der
Jubel der Knaben war grenzenlos und mit größter Erwartung rannten sie zu
der zweiten Falle, die sie gleichfalls entführt fanden. Mit ihr aber kam
kein Biber, sondern eine Otter hervor, denn auch diese Thiere werden durch
Bibergeil herangelockt.
So ging es nun von einer Falle zur andern, und wie es der Neger vorher
gesagt hatte, so saß in jedem der Eisen ein Biber. Sieben dieser
werthvollen Thiere, deren Felle zu jeder Jahreszeit vollkommen gut im Haare
sind, und eine Otter waren die reiche Beute der verflossenen Nacht, und mit
neuen Hoffnungen wurden die Fallen wieder aufgestellt.
Die nächste Nacht lieferte nur vier Biber als Beute, und Daniel und Carl,
welche diesmal allein hinausgeritten waren, um die Fallen zu untersuchen,
wählten andere Plätze für dieselben, so daß die letzte Falle in der Nähe
des zerstörten Dammes zu stehen kam. Als sie am andern Morgen abermals
hinausritten, um nach dem Fang zu sehen, trennten sie sich, ehe sie den
Pflaumenbach erreichten; Carl nahm die gerade Richtung nach dem Damme hin,
und der Neger ritt nach dem kleinen See, den der Bach oberhalb bildete.
Carl drang auf einem alten, wenig benutzten Büffelpfad in den Wald ein,
der nach dem Biberdamme zu führen schien, aber sehr mit Ranken und Büschen
überwachsen war, so daß der junge Jäger viele Mühe hatte, sich den Weg
zu bahnen. Bald aber wurde dieser freier und der Falbe schritt rascher
vorwärts, als sein Reiter ihn anhielt, weil vor ihm ein alter umgefallener
Kiefernbaum den Pfad versperrte.
Die Entfernung bis zu demselben betrug nicht mehr als zwanzig Schritte,
und Carl schaute sich links und rechts um, auf welcher Seite er wohl am
leichtesten den Baum umreiten könne. In diesem Augenblicke erhob sich
an der andern Seite des Stammes eine große Masse von Kiefernbüschen und
trockenem Laube, es bewegte sich darin, rauschte und brach, und in der
Mitte der verworrenen dunkeln Masse kam plötzlich der Kopf eines riesigen
schwarzen Bären zum Vorschein. Carl hatte bei der Bewegung, die er hinter
dem Stamme bemerkte, die Büchse erhoben und darauf hingerichtet, und kaum
erschien der von ihm abgewandte Kopf des Ungeheuers, so gab er Feuer. Mit
dem Knall der Büchse versank die ganze erhobene Masse, und Carl warf sein
Pferd herum und jagte auf dem Pfade zurück, so schnell, als er sich in
dem Dickicht durchwinden konnte, nach der Prairie hinaus. Er lauschte und
lauschte, kein verdächtiger Ton aber drang zu seinem Ohr, dennoch wollte er
es nicht wagen, ohne Daniel in den Wald zurück zu reiten.
Nicht lange hatte er aber gewartet, als die laute Stimme des Negers aus
dem Holze her dringend seinen Namen rief, worauf er ihm mit allen Kräften
antwortete. Nach wenigen Minuten wand Daniel sich zu Fuß aus dem Dickicht
hervor und rief seinem jungen Freunde ganz außer Athem zu:
»Gottlob, daß meine Angst unbegründet war; als ich Ihren Schuß hörte,
fielen mir die verhaßten Waco's ein, und es ergriff mich die Furcht, sie
könnten nach Ihnen geschossen haben. Ich ließ mein Pferd zurück, weil ich
nicht damit durch die Dickung dringen konnte und bin wirklich schneller
hier angelangt, als ich glaubte, daß es möglich sei. Wonach haben Sie denn
geschossen?«
»Nach einem sehr großen Bären; er stand vor mir aus dem Laube unter einem
umgefallenen Baumstamme auf, und als ich seinen Kopf sah, gab ich Feuer.
Dann bin ich fortgejagt, und habe nichts weiter von dem Thiere gehört,«
entgegnete Carl.