sah den Knaben fragend an.
»Ja, recht erfreulich, Onkel: Daniel will bei uns leben und mit uns
arbeiten. Ich habe ihm gesagt, in welcher Lage wir uns befinden, und weil
wir ihn freundlich behandelt haben, hat er sich entschlossen, uns zu helfen
und beizustehen. Er ist doch recht gut.«
»Ist es möglich, Carl? Das wäre für uns ja mehr werth, als das ganze Geld,
welches wir verloren haben. Und das hätten wir Dir wieder zu verdanken, Du
braver, treuer Junge; wir sind so schon so tief in Deiner Schuld!« sagte
Turner überrascht und bewegt und heftete seinen freudigen Blick auf den
Knaben, indem er ihm beide Hände auf die Schultern legte.
»Du bist unser guter Engel, Carl, bist das Werkzeug Gottes, durch welches
er uns in der Noth seine Barmherzigkeit, seine Hülfe zukommen läßt,« fiel
Madame Turner ein, die bei der unerwarteten frohen Botschaft aufgesprungen
und herangetreten war. In ihrer Freude ergriff sie den Kopf des Knaben mit
beiden Händen, zog ihn an sich und küßte ihn auf die Stirn.
»Nein, Daniel müssen wir ja dafür danken, er thut es ja, um uns zu
helfen,« sagte Carl verschämt und drückte seinen Mund auf die Hand seiner
Pflegemutter.
»Und ohne Dich würde er nie darauf gekommen sein, mein Carl,« versetzte
Turner, ihm liebevoll die Wange streichelnd. »Hast Du denn wohl daran
gedacht, daß der Kapitain, der uns so viel Freundschaft erzeigt hat, ihn
nicht gern entbehren wird; wir sind Bosse zu Dank verpflichtet, und würden
Unrecht gegen ihn handeln, wenn wir ihm den Neger abtrünnig machten.
Empfangenes Gutes soll man nie vergessen, Dankbarkeit ist eins der edelsten
Gefühle des menschlichen Herzens.«
»Doch, Onkel, ich habe Daniel darauf aufmerksam gemacht; er erwiederte
mir aber, daß er dem Kapitain schon seit längerer Zeit seinen Wunsch
mitgetheilt habe, das Seeleben aufzugeben, sobald er auf dem Lande einen
guten Herrn finden würde. Der Kapitain will ihm auch dabei nicht hinderlich
sein.«
»Nun, dann in Gottes Namen, uns ist die Hülfe Daniels eine Lebensfrage,«
sagte Turner wie neu belebt, und setzte sich, nachdem er noch einige Male
in der Stube mit raschen Schritten auf und abgegangen war, zu seiner Gattin
in das Sopha. Das kleine matte Licht der Lampe, welches bisher mit der
trüben, niedergeschlagenen Stimmung der Familie in Einklang
gestanden hatte, wurde vergrößert, und mit neuem Muthe und frischem
Unternehmungsgeist ward wieder die Zukunft beredet.
Am folgenden Morgen, gleich nach dem Frühstück, traf Turner den Kapitain
Bosse in der Gaststube und säumte nicht, ihm sofort den Entschluß Daniels
mitzutheilen und ihm zugleich zu versichern, daß er das Anerbieten
des Negers ablehnen werde, wenn es mit dem Wunsche des Kapitains nicht
übereinkomme. Dieser aber erklärte sich vollkommen damit einverstanden
und wünschte Turner von ganzem Herzen Glück, sich einen so braven, treuen
Diener erworben zu haben. Als er sich entfernte, versprach er, Daniel
Abends nach beendigter Arbeit zu Turner zu schicken, damit er selbst
sich weiter mit dem Neger bereden könne. Carl stattete diesem aber noch
Vormittags einen Besuch ab, und bei einbrechender Dämmerung ging er
abermals nach dem Goliath, um Daniel von dort abzuholen. Als er mit
demselben bei Turners im Zimmer erschien und diese dem Neger einen Stuhl
reichten, wollte derselbe sich nicht darauf niederlassen, weil es, wie er
sagte, gegen den Gebrauch des Landes sei, daß ein farbiger Mensch sich in
Gesellschaft von Weißen setze; Turners aber erklärten ihm, daß sie keinen
Unterschied zwischen schwarzen und weißen Menschen kennten, und nöthigten
ihn, den Stuhl anzunehmen.
Diese Begünstigung that Daniel wohl, denn es war das erste Mal in seinem
Leben, daß sie ihm zu Theil ward. Er erklärte sich nun bereit, in Turners
Dienste zu treten und treulich bei ihnen in guten und in bösen Zeiten
auszuhalten, so lange sie mit ihm zufrieden sein würden. Turners dagegen
sprachen sich offen über den großen Nutzen aus, den Daniels Hülfe ihnen
gewähren würde, und versicherten ihm, mit ewigem Dank diesen seinen
Beistand zu lohnen. Nach gegenseitiger Uebereinkunft begann Turner nun mit
dem Neger die zunächst zu thuenden Schritte zur Niederlassung zu bereden.
Die Vortheile und Nachtheile der verschiedenen, Daniel bekannten Länder
wurden reiflich gegen einander erwogen, so wie auch die Mittel und Kräfte
Turners dabei in Anschlag gebracht, und nach stundenlangem Ueberlegen
stellte es sich heraus, daß doch die südwestlichen Landstriche Amerika's
die überwiegendsten Vorzüge vor allen andern besäßen. Daniel rieth
unbedingt dazu, dorthin zu wandern, um sich anzusiedeln, wenn auch Turner
sich im Augenblick noch nicht dazu entschließen konnte, die Seinigen den
Gefahren auszusetzen, die ihrer dort harren würden. Daniel brachte von
nun an einige Stunden an jedem Abend bei Turners zu, und blieb während
der Berathung, die dort über die Zukunft gepflogen wurde, immer bei seiner
zuerst ausgesprochenen Ansicht, daß der Südwesten Amerika's sich für
die Verhältnisse Turners zum Ansiedeln am Besten eigne. Seine genaue
Bekanntschaft mit jenen Ländern und seine anschaulichen, überzeugenden
Schilderungen von deren Fruchtbarkeit und Weidereichthum trugen endlich den
Sieg davon, und Turner entschloß sich, dort seine neue Heimath zu gründen.
Mittlerweile hatte der Goliath seine Ladung vollständig erhalten und wurde
zum Absegeln bereit gemacht. Turners begaben sich eines Morgens an Bord, um
dem Kapitain, mit nochmaligem Dank für seine viele Freundschaft, Lebewohl
zu sagen und ihm zugleich Briefe an Freunde in dem lieben Deutschland zur
Beförderung zu übergeben. Es war ein herzlicher, aber trauriger Abschied;
ein Gefühl bemeisterte sich Turners, als ob mit dem Scheiden des Kapitains
und des Schiffes die letzte Beziehung zwischen ihnen und Europa gelöst
werde, und mit thränenschweren Blicken sahen sie die Segel über dem Goliath
sich füllen und ihn hinaus in die Bay treiben. Lange noch standen sie am
Strande und blickten ihm nach, bis er in der blauen Ferne verschwand; es
war, als wollten sie dem Kapitain noch einen Dank nachwinken dafür, daß er
in Daniel ihnen einen Trost, eine Stütze zurückgelassen habe.
Der Neger trat nun in seine Stellung bei Turners ein, und zwar als Diener
und als hülfreicher Freund zugleich. Die Vorbereitungen zu der weiten
Reise nach dem Westen wurden jetzt mit allem Eifer begonnen. Ein großer
Frachtwagen wurde gekauft und dazu eingerichtet, um ihn sowohl mit Pferden
als auch mit Ochsen bespannen zu können, und noch ein zweites sehr leichtes
Fuhrwerk ward angeschafft, welches zur Bequemlichkeit der Madame Turner und
der Kinder dienen sollte. Werkzeuge und Ackergeräthschaften aller Art,
so wie diejenigen nöthigen Gegenstände für den Haushalt, welche nicht von
Deutschland mitgebracht waren, wurden erstanden, und Alles zur
Beförderung mit der Eisenbahn gut verpackt. Namentlich aber vergaß man die
erforderlichen Waffen nicht. Es wurden drei Paar Revolver gekauft, und noch
zwei Doppelbüchsen, welche genau dieselben kleinen Kugeln schossen, wie die
Revolver; denn Daniel nannte es einen wesentlichen Vortheil, kleine Kugeln
zu benutzen, weil man dadurch so viel weniger Gewicht an Blei und auch an
Pulver zu tragen habe.
Der August war erschienen, als Turners ihre sämmtlichen Habseligkeiten auf
die Eisenbahn geschafft hatten, und selbst mit den Kindern und Daniel den
nach Cincinnati abgehenden Zug bestiegen. Mit beklommenem Herzen nahmen sie
von Baltimore Abschied; die Hoffnung, die sie hierher geleitet hatte, war
unter großen Opfern vereitelt worden, abermals waren sie auf langer Reise,
um sich eine Heimath zu suchen -- sollten sie diesmal glücklicher sein
-- sollte der heiße, sehnlichste Wunsch ihres Herzens, den Kindern eine
sichere, sorgenlose Zukunft zu gründen, diesmal in Erfüllung gehen? Fort
brauste der Eisenbahnzug, die Thürme und Monumente Baltimore's entschwanden
den Blicken der Reisenden, wildromantische Felsen, waldbedeckte Höhen
stiegen zu beiden Seiten der im Sturmlauf Vorübereilenden auf, aus reichen,
mit Wiesen und Feldern geschmückten weiten Thälern sahen liebliche einzelne
Farmen und kleine Städtchen hervor, und Turners richteten ihre Blicke mit
neuem zuversichtlichen Vertrauen auf den Beistand des Allmächtigen abermals
nach Westen. Cincinnati wurde glücklich erreicht, und hier begaben sich
Turners nach kurzer Rast mit ihren Effecten an Bord eines Dampfers, der sie
in wenigen Tagen auf den Fluthen des Ohioflusses und des Mississippi nach
Memphis führte. Von dieser großen bedeutenden Handelsstadt aus mußte nun
die Reise zu Lande fortgesetzt werden. Die Wagen wurden aufgestellt, für
den größeren wurden drei Paar mächtige Zugochsen, für den kleineren aber
zwei kräftige Rosse gekauft, und außer drei Reitpferden, welche für Turner,
Carl und Daniel bestimmt waren, noch ein Wagenpferd angeschafft, welches
für den Nothfall, daß Einem oder dem Andern Etwas zustoßen würde, dienen
sollte. Nach Verlauf von einigen Wochen war Alles zur Abreise bereit,
frühzeitig am Morgen wurde die Ueberfahrt über den Mississippi glücklich
ausgeführt, und Daniel, der vorzüglich mit Ochsen zu fahren verstand, trieb
von seinem Pferde herab mit der langen Peitsche die sechs mächtigen
Stiere vor dem schwer bepackten Wagen an. Ihm folgte das leichte, von zwei
stattlichen Schimmeln gezogene offene Fuhrwerk, in welchem Madame Turner
mit ihren Kindern saß und selbst die Pferde lenkte. Den Zug beschloß Herr
Turner zu Roß, während Carl Scharnhorst denselben anführte, indem er, von
Pluto gefolgt, auf einem edeln Falben in einiger Entfernung vor Daniel
auf der rohen Straße hinritt. Sein Pferd war ein vollkommen für die Jagd
abgerichtetes Thier, es stand unbeweglich beim Schießen, ließ Wild aller
Art auf seinen Rücken packen, und entlief niemals seinem Herrn, wenn er
es sich selbst überließ. Dabei war es ein schönes, kräftiges Thier von
gelblicher Farbe mit schwarzer Mähne und schwarzem Schweif, und besaß neben
einer außerordentlichen Schnelligkeit eine große Ausdauer. Mit Verlangen
hatte Carl während der Reise von Baltimore bis Memphis diesen Augenblick
herbeigewünscht, wo er, mit der Büchse bewaffnet, zu Roß die Urwälder des
Westens durchziehen würde, und freudig begrüßte er das heimliche Dunkel
unter dem schattigen Laubdach der Riesenbäume, die ihre ungeheuren
Aeste hoch über ihm zu einer Kuppel verschlangen. Wie ein hochgewölbter
Säulengang, von den Stämmen colossaler Eichen, Cypressen und Platanen
getragen, wand sich die Straße durch den undurchdringlich dichten Wald, und
Carl sandte in der Hoffnung, einem Stück Wild zu begegnen, seinen spähenden
Blick voraus durch die hohen Pflanzen, die von beiden Seiten in den wenig
befahrenen Weg hingen. In seinem Eifer trieb er sein Pferd zu raschen
Schritten an, so daß bald das Knarren und Aechzen des schwer beladenen
Wagens sein Ohr nicht mehr erreichte. Todtenstille herrschte rundum, kein
Luftzug bewegte das Laub oder die leichten, mit bunten Blüthen besetzten
Ranken der Schlingpflanzen, die von den höchsten Aesten bis über den
Weg herabhingen, und eine schwüle, drückend heiße Luft füllte den Wald.
Plötzlich sah Carl an der entfernten Biegung der Straße einen goldrothen
Fleck aus dem frischen Grün hervorglänzen, jetzt bewegte sich derselbe, es
mußte ein Hirsch sein! Im Augenblick war Carl aus dem Sattel gesprungen,
ließ das Pferd zurück, und schlich schnell, aber vorsichtig von Busch zu
Busch, von Baum zu Baum, bis nur etwa hundert Schritt zwischen ihm und dem
Thiere lagen. Dasselbe stand aber, mit dem Kopf an der Erde, hinter hohen
Pflanzen, so daß Carl nur wenig von dessen Körper erkennen konnte. Näher
durfte er nicht gehen, wollte er nicht von ihm bemerkt werden; er stand
hinter dem letzten Busch, der in den Weg hineinhing, und in den Wald
hineinzuschreiten, war hier wegen des Rankengeflechts unmöglich. Carls Herz
schlug so laut, daß es ihm vorkam, als müsse das Thier es hören, es machte
ihm das Athmen schwer, er bebte vor Eifer am ganzen Körper; da hob der
Hirsch den Kopf empor und schlug, indem er hinter dem Busche heraustrat,
mit dem mächtigen Geweih nach den Fliegen. Im Augenblick riß Carl die
Büchse an die Schulter, der Schuß krachte und der Weg war in Pulverdampf
gehüllt. Carl sprang durch den Rauch vorwärts und spähte nach dem Platz,
wo der Hirsch gestanden hatte, doch konnte er Nichts mehr von diesem
erblicken, und als er selbst den Fleck erreichte, suchte er vergebens nach
einer Schweißspur. Es war der erste Hirsch, den er jemals im Freien gesehen
hatte, und untröstlich schaute er mit der Ueberzeugung um sich, daß er ihn
gefehlt habe. Während er nun seine Büchse wieder zu laden begann, war Pluto
in das Dickicht gelaufen und ließ plötzlich seine Stimme in flüchtiger Jagd
ertönen. Carl rannte in gleicher Richtung auf dem Wege hin, war aber nur
einige Augenblicke gelaufen, als der Hund verstummte, der Hirsch dagegen
gellende Klagetöne ausstieß. Carl stellte die Büchse an einen Baum, zog
das Jagdmesser und sprang dem Schreien nach in den Wald hinein. Wiederholt
mußte er sich mit dem Messer durch die Ranken den Weg bahnen, bis er
wirklich den Hirsch vor sich sah, den Pluto niedergerissen hatte. Die
Freude Carls überstieg alle Grenzen, er gab dem Thiere den Todesstich, zog
es dann mit großer Anstrengung und Mühe bis auf den Weg und eilte nun zu
seinem Pferde zurück, welches noch auf demselben Platze, wo er es verlassen
hatte, ruhig graste. Nachdem er die Ladung seiner Büchse wieder vollendet
hatte, führte er sein Roß zu dem Hirsche, und ergötzte sich an dem Anblick
des erlegten Wildes, bis er plötzlich das Knarren des Wagens hörte. Schnell
schwang er sich in den Sattel und eilte davon, damit die Seinigen durch
die Jagdbeute überrascht werden sollten. Bald darauf kamen die Ochsen im
langsamen Schritt heran und die Vordersten stutzten vor dem mitten im Wege
liegenden, todten Thiere, ehe Daniel dasselbe gewahrte. Der Neger jubelte
laut auf, sprang vom Pferde und zog den Hirsch bis hinter den Wagen, damit
Madame Turner und die Kinder ihn sehen sollten, und Turner war gleichfalls
abgestiegen, um ihn zu betrachten und Daniel behülflich zu sein, ihn auf
den Wagen zu heben.
»Carl fängt wahrhaftig an, uns im eigentlichen Sinne des Wortes zu
ernähren,« sagte Turner halb im Scherz, halb im Ernst, »welche Freude wird
es ihm aber gemacht haben, uns so überraschen zu können.«
»Ja, und wie gut hat er den Hirsch geschossen, die Kugel sitzt gerade auf
dem Blatt; er wird einmal ein tüchtiger Jäger werden,« fiel Daniel ein,
indem er das Thier mit abgebrochenen Büschen bedeckte, um es gegen die
Fliegen zu schützen.
Carl war während dieser Zeit wieder vorangeeilt, in der Hoffnung, noch
einen Schuß nach Wild anzubringen; zu seinem Leidwesen aber lichtete sich
bald der Wald, und der Weg führte nun durch offene Grasfluren und Felder
nach dem Städtchen Marion. Carl erwartete in dem Schatten der letzten Bäume
die Wagen, während er sein Pferd grasen ließ, und wurde von den Seinigen
mit Jubel begrüßt und belobt über den Meisterschuß, den er gethan hatte.
Die Sonnenstrahlen fielen jetzt drückend auf die Reisenden nieder, so daß
Madame Turner und die Kinder Regenschirme aufspannen mußten, und auch Herr
Turner bediente sich eines solchen, um sich gegen die Sonne zu schützen;
Carl aber ertrug sie ohne Beschwerde, und meinte, ein Jäger mit einem
Regenschirm müsse ausgelacht werden. Nach einigen Stunden erreichten
die Wanderer zu ihrer großen Erquickung wieder den Wald, der sie ohne
Unterbrechung überschattete, bis sie bei sinkender Sonne an einem kühlen
Wasser ihrer Tagereise ein Ziel setzten. Es war zum ersten Male, daß
Turners eine Nacht unter Gottes freiem Himmel zubringen sollten, und wenn
sie sich dies während ihres ruhigen wohlgeborgenen Lebens auf der Kluse
auch als etwas Schreckliches, kaum Mögliches gedacht haben würden, so hatte
es jetzt etwas Reizendes, Bezauberndes für sie. Zwischen den kolossalen
Stämmen der himmelhohen Bäume, auf welche die Sonne hier und dort ihre
letzten rothen Lichter durch die dunkelgrünen Laubmassen warf, wurde auf
dem üppigen hohen Grase hart an dem Ufer des rauschenden Wassers das Zelt
aufgeschlagen, und vor ihm das Lagerfeuer angefacht, dessen flackerndes
Licht die schnell einbrechende Dunkelheit auf weithin zurückdrängte, und
das hohe Laubdach mit seinem tausendfach verschlungenen Rankengeflecht und
seinem bunten Blumenflor glühend beleuchtete. Während Daniel seinem jungen
Freunde Anweisung gab, wie der Hirsch zerlegt werden müsse, war Madame
Turner mit Julie so recht innig vergnügt beschäftigt, das Abendbrod an dem
Feuer zu bereiten, den Kaffee zu kochen, aus Maismehl das Brod zu backen
und die Pfanne herzurichten, um die zarten feisten Stücke Wildpret, welche
Carl ihr jetzt reichte, zu braten. Turner hatte die Pferde in dem Bache
getränkt und gab ihnen Mais zum Abendfutter in den hölzernen Trog, welcher
zu diesem Behuf hinter dem Wagen befestigt war, nachdem er den Ochsen eben
solche Tröge vorgestellt, und ihnen darin den nöthigen Mais verabreicht
hatte. Der Hirsch war bald zerlegt, die einzelnen Theile in der Nähe des
Zeltes an Aeste aufgehangen und die Haut mit langen Stöcken ausgespannt,
welches Daniel dadurch bewerkstelligte, daß er dieselben an beiden Seiten
zuspitzte und übers Kreuz in den Hautrand einstach. Er hatte sie nahe vor
dem Feuer aufgestellt, damit sie durch dessen Hitze getrocknet und vor
Verderben geschützt werde.