Wer den Zucker in der Kaffeeschale mit dem Löffelchen herumrührt,
gebraucht seine Hände zwar auch; aber daß man einen solchen Gebrauch nicht
verstehe, wenn man den andern ermuntert, seine Hände brauchen zu lernen,
ergiebt sich von selbst.
Seine Hände brauchen lernen heißt vielmehr, durch mancherlei Übungen alle
Muskeln derselben in seine Gewalt zu bekommen suchen, um damit mancherlei
verrichten und verfertigen zu können.
Und da hier von der Bildung zum Erzieher die Rede ist, so mußt du
vorzüglich solche Geschäfte verrichten und solche Sachen verfertigen
lernen, die dir bei der Erziehung nützlich sein können.
Personen, von denen du in dieser Hinsicht etwas lernen kannst, findest
du allenthalben, und sie werden meistenteils geneigt sein, dir die
Handgriffe, die sie bei ihren Arbeiten anwenden, bekannt zu machen.
Triffst du z. E. eine Person an, die die Geschicklichkeit besitzt, durch
Biegung des Papiers mancherlei Figuren zu verfertigen, so halte dies
nicht für zu gering, suche es zu erlernen. Es wird dir in der Folge
bei den Kindern, die dir anvertraut werden, vorzüglich bei solchen,
deren Hände noch zu schwach sind, um Werkzeuge gebrauchen zu können,
mannigfaltige Vorteile gewähren.
So nimm auch Unterricht im Netzstricken, wenn du hierzu Gelegenheit
findest, weil du auch hiermit deine Kleinen auf eine angenehme und
nützliche Art wirst beschäftigen können.
Suche auch einen Gärtner auf, bei dem du bisweilen in die Lehre gehen
kannst. Lerne den Spaten und Rechen gebrauchen, ein Gartenbeet anlegen und
mache dir die Vorteile bekannt, die bei Aussäung, Pflanzung und Abwartung
der gewöhnlichen Gartengewächse zu beobachten sind. Wenn dann bei deinen
Pflegebefohlenen die Neigung zum Gartenbau erwacht, so wirst du derselben
nicht entgegenarbeiten, du wirst sie zu nähren und zu befriedigen suchen,
der Gehilfe und Ratgeber der kleinen Gärtner und so für sie eine sehr
wichtige Person sein.
Vorzüglich suche Gelegenheit, wo du lernen kannst, Holz und Pappe zu
bearbeiten. Diese Arbeiten empfehle ich dir vorzüglich, weil sie so
reinlich sind und nicht so, wie viele andere, Veranlassung geben, die
Hände, Kleidung und das Zimmer zu beschmutzen, und -- weil du dabei
mancherlei Werkzeuge, das Schnitzmesser, den Hobel, den Meißel, den
Bohrer, den Hammer, den Schraubstock u. s. w. brauchen lernst.
Weißt du mit solchen Werkzeugen umzugehen, dann ist deine Kraft und
Wirksamkeit um ein merkliches vergrößert, und du bist in den Stand
gesetzt, sie auf deine Kleinen überzutragen, und sie zu der so wichtigen,
nützlichen und angenehmen ~Selbstverfertigung~ anzuführen.
Woher will ich, fragst du, die Zeit hernehmen, um dies alles erlernen zu
können?
Dadurch veranlassest du mich, dir den achten Wink zu gehen.