7. Lerne deine Hände brauchen.

Wer den Zucker in der Kaffeeschale mit dem Löffelchen herumrührt,

gebraucht seine Hände zwar auch; aber daß man einen solchen Gebrauch nicht

verstehe, wenn man den andern ermuntert, seine Hände brauchen zu lernen,

ergiebt sich von selbst.

Seine Hände brauchen lernen heißt vielmehr, durch mancherlei Übungen alle

Muskeln derselben in seine Gewalt zu bekommen suchen, um damit mancherlei

verrichten und verfertigen zu können.

Und da hier von der Bildung zum Erzieher die Rede ist, so mußt du

vorzüglich solche Geschäfte verrichten und solche Sachen verfertigen

lernen, die dir bei der Erziehung nützlich sein können.

Personen, von denen du in dieser Hinsicht etwas lernen kannst, findest

du allenthalben, und sie werden meistenteils geneigt sein, dir die

Handgriffe, die sie bei ihren Arbeiten anwenden, bekannt zu machen.

Triffst du z. E. eine Person an, die die Geschicklichkeit besitzt, durch

Biegung des Papiers mancherlei Figuren zu verfertigen, so halte dies

nicht für zu gering, suche es zu erlernen. Es wird dir in der Folge

bei den Kindern, die dir anvertraut werden, vorzüglich bei solchen,

deren Hände noch zu schwach sind, um Werkzeuge gebrauchen zu können,

mannigfaltige Vorteile gewähren.

So nimm auch Unterricht im Netzstricken, wenn du hierzu Gelegenheit

findest, weil du auch hiermit deine Kleinen auf eine angenehme und

nützliche Art wirst beschäftigen können.

Suche auch einen Gärtner auf, bei dem du bisweilen in die Lehre gehen

kannst. Lerne den Spaten und Rechen gebrauchen, ein Gartenbeet anlegen und

mache dir die Vorteile bekannt, die bei Aussäung, Pflanzung und Abwartung

der gewöhnlichen Gartengewächse zu beobachten sind. Wenn dann bei deinen

Pflegebefohlenen die Neigung zum Gartenbau erwacht, so wirst du derselben

nicht entgegenarbeiten, du wirst sie zu nähren und zu befriedigen suchen,

der Gehilfe und Ratgeber der kleinen Gärtner und so für sie eine sehr

wichtige Person sein.

Vorzüglich suche Gelegenheit, wo du lernen kannst, Holz und Pappe zu

bearbeiten. Diese Arbeiten empfehle ich dir vorzüglich, weil sie so

reinlich sind und nicht so, wie viele andere, Veranlassung geben, die

Hände, Kleidung und das Zimmer zu beschmutzen, und -- weil du dabei

mancherlei Werkzeuge, das Schnitzmesser, den Hobel, den Meißel, den

Bohrer, den Hammer, den Schraubstock u. s. w. brauchen lernst.

Weißt du mit solchen Werkzeugen umzugehen, dann ist deine Kraft und

Wirksamkeit um ein merkliches vergrößert, und du bist in den Stand

gesetzt, sie auf deine Kleinen überzutragen, und sie zu der so wichtigen,

nützlichen und angenehmen ~Selbstverfertigung~ anzuführen.

Woher will ich, fragst du, die Zeit hernehmen, um dies alles erlernen zu

können?

Dadurch veranlassest du mich, dir den achten Wink zu gehen.

Ameisenbüchlein; oder, Anweisung zu einer vernünftigen Erziehung der Erzieher · 第 46 / 48 题