Da diese einen sehr mannigfaltigen Stoff zur lehrreichen Unterhaltung
mit Kindern geben, wie ich vorhin zeigte, so ist die Kenntnis derselben
unentbehrlich. Bei der sonst gewöhnlichen Erziehung blieb uns dieselbe
fast ganz fremd; von den meisten Dingen, die uns umgeben, hatten wir keine
deutlichen Vorstellungen, und die Namen der verschiedenen Teile derselben
waren uns unbekannt. Suchen wir uns diese Kenntnis nicht zu verschaffen,
so können wir sie auch unsern Pflegesöhnen nicht mitteilen; sie werden
sich daher gewöhnen, ihre Umgebungen nur oberflächlich ansehen, und sich
mit einer dunkeln Erkenntnis derselben begnügen.
Also, Freund! der du dich der Erziehung widmest, bemühe dich, mit den
mancherlei Erzeugnissen des menschlichen Fleißes bekannt zu werden, und
lerne vorzüglich ihre Materie, ihre Teile, ihre Form, ihren Zweck kennen
und richtig benennen. Die Gelegenheit dazu wirst du finden, wenn du sie
suchest. Die Person, die die Sache verfertigt hat und die sie gebraucht,
wird dir über alles, was du zu wissen verlangst, Aufschluß geben können.
Triffst du z. E. einen Ackersmann an, der deinen Gruß freundlich
erwiedert, so laß dich mit ihm in ein Gespräch ein über sein Geschäft und
über das Werkzeug, dessen er sich bedient, um Furchen zu ziehen und den
Acker zur Hervorbringung des Getreides, das dich nährt, zuzubereiten.
Laß dir von ihm die verschiedenen Teile des Pflugs benennen und die
Absicht anzeigen, in welcher sie an demselben angebracht sind. Er wird
mit Vergnügen deine Fragen beantworten, und du wirst da mancherlei kennen
lernen, das dir zuvor unbekannt war, und dich freuen, es gelernt zu haben.
So besuche die Werkstatt des Schreiners, des Drechslers, des Schmieds
u. s. w., unterhalte dich mit ihnen über die Materien, die sie bearbeiten,
über die Form, die sie ihnen geben, die Werkzeuge, deren sie sich
bedienen, um zu ihren Zwecken zu kommen; besuche ferner die Plätze, wo
Maschinen aufgestellt sind, die durch den Druck einer mäßigen Kraft große
Wirkungen hervorbringen, z. E. ein Mühlwerk, und laß dir die verschiedenen
Teile, ihre Benennungen und Absichten, bekannt machen u. s. w.
Du wirst bei solchen Unterredungen mit der produzierenden Menschenklasse
oft mehr an nützlichen Kenntnissen und Fertigkeiten erwerben, als in
dem Hörsaale manches Philosophen. Du wirst mit dieser zahlreichen, so
wichtigen, der menschlichen Gesellschaft unentbehrlichen Menschenklasse
umgehen und sprechen lernen, eine Gabe, die nicht immer dem
Stubengelehrten eigen ist; du wirst einen Schatz von Kenntnissen dir
erwerben, die du in der Folge im Kreise deiner Pflegesöhne benutzen
kannst; die gewöhnlichsten Dinge werden dir Stoff zur Unterhaltung
mit ihnen darbieten; du wirst dich endlich gewöhnen, die Dinge nicht
oberflächlich, sondern genau anzusehen, und diese Gewohnheit deinen
Zöglingen mitteilen.