Ein kranker Mann ist ein armer Mann, alle Geschäfte werden ihm schwer,
aber keins schwerer, als die Erziehung. Im krankhaften Zustande ist man
sehr reizbar, jeder Mutwille, jede Unbesonnenheit der Jugend erregt
Unwillen. Man muß sich also in einer Gesellschaft, welcher Mutwillen
und Unbesonnenheit eigen sind, sehr übel befinden, weil man sich alle
Augenblicke von derselben für beleidigt hält. Und wie will man sie in
einem steten Zustande unangenehmer Empfindungen erziehen können? Alle
Ermahnungen werden von Galle triefen oder mit einem zitternden Tone
vorgebracht werden. Dieser wird nichts wirken, und jene wird schaden. Die
vielen Klagen, die man über die Unfolgsamkeit der Jugend hören muß, rühren
gewiß meistens von der Kränklichkeit der Erzieher her, und wie kann man
sich zutrauen, gesunde Kinder erziehen zu können, wenn man selbst ungesund
ist?
Dies ist ja aber, wird man sagen, eine sonderbare Forderung: ~Sei gesund~!
Gesund will freilich ein jeder sein; hängt denn die Gesundheit aber von
seinem Willen ab?
Allerdings. Vorausgesetzt, daß keins der Eingeweide verletzt ist und du
deinen Körper nicht durch Ausschweifungen sehr geschwächt hast, so kannst
du gesund sein, wenn du nur ernstlich willst. Der ernstliche Wille hat auf
den Körper einen mächtigen Einfluß. Härte ihn nur nach und nach ab, sei
mäßig und enthaltsam, widme den Tag der Arbeit und die Nacht der Ruhe,
und wenn du demungeachtet zu kränkeln anfängst, anstatt zur Apotheke
deine Zuflucht zu nehmen, suche lieber den Grund deines Übelbefindens
zu erfahren. Dies kannst du, wenn du über deine bisherige Lebensweise
nachdenkst. Hast du den Grund deines Übelbefindens erst entdeckt, so wird
es dir leicht sein, dir durch einfache Mittel zu helfen. Unpäßlichkeiten
z. E., die von Überladung des Magens herrühren, werden oft durch Versagung
einer Mahlzeit gehoben. Etwas Mehreres hierüber zu sagen, trage ich
deswegen Bedenken, weil es das Ansehen gewinnen würde, als wenn ich den
Arzt machen wollte, was mir aber noch nie in den Sinn gekommen ist. Es
mache sich ein jeder mit seiner Natur bekannt, erforsche, woher seine
Krankheit komme und lerne die einfachen Mittel kennen, dieselbe zu heben,
so wird er sich eine dauerhafte Gesundheit erwerben können.
Das geht bei mir nicht! höre ich viele sagen. Lieber Freund, versuche es,
ich hoffe, es wird gehen. Ich kenne mehrere Personen, die sonst viel mit
körperlichen Leiden kämpfen mußten, aber durch Befolgung dieser einfachen
Vorschriften zu einer festen Gesundheit gelangt sind. Geht es bei dir aber
wirklich nicht, entweder weil dir der Sinn für echte Gesundheitspflege
fehlt, oder weil dein Körper fehlerhaft gebaut ist, oder weil durch irgend
eine Ursache etwas darin zerstört worden, so befolge meinen Rat, entsage
der Erziehung und widme dich einem andern Geschäfte. Sie würde dir äußerst
lästig werden, und du würdest, auch bei dem besten Willen, mehr Schaden
als Nutzen stiften.