Hat man es ~dahin~ gebracht, so will es das Gute und bedarf nur einer
kleinen Erinnerung von Zeit zu Zeit, um es von seinen Verirrungen, die
freilich nicht fehlen werden, zurückzubringen.
Man sei also stets wahr in seinen Ermahnungen! Die Kinder haben für die
Wahrheit einen ungemein feinen Sinn, der ihnen aber auch jede Unwahrheit
bemerkbar macht. Wer also durch Unwahrheit seine Zöglinge zum Guten zu
lenken sucht, wird sein Ziel gewiß verfehlen.
Schreie nicht, mein Kind! sagte einst eine Mutter, als sie ihr weinendes
Kind durch das Feld führte, es sind Mäuse hier im Acker, die kommen
hervor, wenn sie dich schreien hören, und beißen dich.
Wer sieht nicht das Unvernünftige und Unwahre dieser Vorstellung? Das Kind
schwieg ein paar Augenblicke. Da ihm aber dann wieder ein paar Schreie
entfuhren, und keine Maus sich zeigte, so schrie es weit stärker als zuvor.
Handeln denn die Erzieher aber vernünftiger, die ihren Zöglingen von der
Erfüllung der Pflichten Folgen versprechen, die höchst zufällig sind,
und wegen Verletzung derselben ihnen Strafen drohen, die so selten sich
einfinden, als ein weinendes Kind von einer Maus gebissen wird?
Fallen nicht ferner diejenigen Erzieher in eben diesen Fehler, die ihren
Zöglingen manches zur Pflicht machen, wozu sie doch nicht verbunden sind?
Müssen sie denn nicht lauter falsche Gründe anführen, um ihre Forderungen
zu beschönigen?
Willst du z. E. deinen lügenhaften Zögling dahin bringen, daß er die
Wahrheit rede, so kannst du sagen, auf eine Lüge gehört eine Maulschelle,
und es ihm auch sogleich fühlbar machen. Was wirst du damit ausrichten?
Er wird gegen dich erbittert werden, aber die Neigung zur Unwahrheit wird
bleiben.
Oder du kannst sagen, wer lügt, der stiehlt, und wenn du so zu lügen
fortfährst, so wirst du ein Dieb und kommst an den Galgen. Ist denn dies
wahr?
Oder du kannst etwas nachdrücklich sagen: »Kind! Wenn du lügst, so glaubt
man dir nicht mehr. Dies wäre für dich ein großes Unglück.«