Lisidor. Theophan. Adrast.
Lisidor. Ihr seid mir feine Leute! Soll ich denn beständig mit dem
fremden Vetter allein sein?
Theophan. Wir waren gleich im Begriff zu Ihnen zu kommen.
Lisidor. Was habt ihr nun wieder zusammen gemacht? gestritten?
Glaubt mir doch nur, aus dem Streiten kömmt nichts heraus. Ihr habt
alle beide, alle beide habt ihr recht.--Zum Exempel: (zum Theophan)
Der spricht, die Vernunft ist schwach; und der (zum Adrast) spricht,
die Vernunft ist stark. Jener beweiset mit starken Gründen, daß die
Vernunft schwach ist; und dieser mit schwachen Gründen, daß sie stark
ist. Kömmt das nun nicht auf eins heraus? schwach und stark, oder,
stark und schwach: was ist denn da für ein Unterscheid?
Theophan. Erlauben Sie, wir haben jetzt weder von der Stärke, noch
von der Schwäche der Vernunft gesprochen--
Lisidor. Nun! so war es von etwas anderm, das ebensowenig zu
bedeuten hat.--Von der Freiheit etwa: Ob ein hungriger Esel, der
zwischen zwei Bündeln Heu steht, die einander vollkommen gleich sind,
das Vermögen hat, von dem ersten von dem besten zu fressen, oder, ob
der Esel so ein Esel sein muß, daß er lieber verhungert?--
Adrast. Auch daran ist nicht gedacht worden. Wir beschäftigten uns
mit einer Sache, bei der das Vornehmste nunmehr auf Sie ankömmt.
Lisidor. Auf mich?
Theophan. Auf Sie, der Sie unser ganzes Glück in Händen haben.
Lisidor. Oh! ihr werdet mir einen Gefallen tun, wenn ihr es so
geschwind, als möglich, in eure eignen Hände nehmt.--Ihr meint doch
wohl das Glück in Fischbeinröcken? Schon lange habe ich es selber
nicht mehr gern behalten wollen. Denn der Mensch ist ein Mensch, und
eine Jungfer eine Jungfer; und Glück und Glas wie bald bricht das!
Theophan. Wir werden zeitlebens nicht dankbar genug sein können, daß
Sie uns einer so nahen Verbindung gewürdiget haben. Allein es stößt
sich noch an eine sehr große Schwierigkeit.
Lisidor. Was?
Adrast. An eine Schwierigkeit, die unmöglich vorauszusehen war.
Lisidor. Nu?