Dritter Auftritt

Theophan. Adrast.

Theophan. In welcher heftigen Bewegung treffe ich Sie abermals Adrast?

Adrast. Sie ist Ihr Werk.

Theophan. So muß sie eines von denen Werken sein, die wir alsdann

wider unsern Willen hervorbringen, wann wir uns am meisten nach ihrem

Gegenteile bestreben. Ich wünsche nichts, als Sie ruhig zu sehen,

damit Sie mit kaltem Blute von einer Sache mit mir reden könnten, die

uns beide nicht näher angehen kann.

Adrast. Nicht wahr, Theophan? es ist der höchste Grad der List, wenn

man alle seine Streiche so zu spielen weiß, daß die, denen man sie

spielt, selbst nicht wissen, ob und was für Vorwürfe sie uns machen

sollen?

Theophan. Ohne Zweifel.

Adrast. Wünschen Sie sich Glück: Sie haben diesen Grad erreicht.

Theophan. Was soll das wieder?

Adrast. Ich versprach Ihnen vorhin, die bewußten Wechsel zu bezahlen--

(spöttisch) Sie werden es nicht übelnehmen, es kann nunmehr nicht sein.

Ich will Ihnen, anstatt der zerrissenen, andere Wechsel schreiben.

Theophan (in eben dem Tone). Es ist wahr, ich habe sie in keiner

andern Absicht zerrissen, als neue von Ihnen zu bekommen.--

Adrast. Es mag Ihre Absicht gewesen sein, oder nicht: Sie sollen sie

haben.--Wollten Sie aber nicht etwa gern erfahren, warum ich sie

nunmehr nicht bezahlen kann?

Theophan. Nun?

Adrast. Weil ich die Bürgschaften nicht liebe.

Theophan. Die Bürgschaften?

Adrast. Ja; und weil ich Ihrer Rechten nichts geben mag, was ich aus

Ihrer Linken nehmen müßte.

Theophan (beiseite). Der Wechsler hat mir nicht reinen Mund gehalten!

Adrast. Sie verstehen mich doch?

Theophan. Ich kann es nicht mit Gewißheit sagen.

Adrast. Ich gebe mir alle Mühe, Ihnen auf keine Weise verbunden zu

sein: muß es mich also nicht verdrießen, daß Sie mich in den Verdacht

bringen, als ob ich es gleichwohl zu sein Ursache hätte?

Theophan. Ich erstaune über Ihre Geschicklichkeit, alles auf der

schlimmsten Seite zu betrachten.

Adrast. Und wie Sie gehört haben, so bin ich über die Ihrige erstaunt,

diese schlimme Seite so vortrefflich zu verbergen. Noch weiß ich

selbst nicht eigentlich, was ich davon denken soll.

Theophan. Weil Sie das Natürlichste davon nicht denken wollen.

Adrast. Dieses Natürlichste, meinen Sie vielleicht, wäre das, wenn

ich dächte, daß Sie diesen Schritt aus Großmut, aus Vorsorge für

meinen guten Namen getan hätten? Allein, mit Erlaubnis, hier wäre es

gleich das Unnatürlichste.

Theophan. Sie haben doch wohl recht. Denn wie wäre es immer möglich,

daß ein Mann von meinem Stande nur halb so menschliche Gesinnungen

haben könnte?

Adrast. Lassen Sie uns Ihren Stand einmal beiseite setzen.

Der Freigeist · 第 105 / 123 题