Adrast. Juliane.
Juliane. Adrast, Sie werden Geduld mit ihr haben müssen.--Sie
verdient es aber auch; denn sie hat das beste Herz von der Welt, so
verdächtig es ihre Zunge zu machen sucht.
Adrast. Allzugütige Juliane! Sie hat das Glück, Ihre Schwester zu
sein; aber wie schlecht macht sie sich dieses Glück zunutze? Ich
entschuldige jedes Frauenzimmer, das ohne merkliche Fehler nicht hat
aufwachsen können, weil es ohne Erziehung und Beispiele hat aufwachsen
müssen; aber ein Frauenzimmer zu entschuldigen, das eine Juliane zum
Muster gehabt hat, und eine Henriette geworden ist: bis dahin langt
meine Höflichkeit nicht.--
Juliane. Sie sind aufgebracht, Adrast: wie könnten Sie billig sein?
Adrast. Ich weiß nicht, was ich jetzo bin; aber ich weiß, daß ich aus
Empfindung rede.--
Juliane. Die zu heftig ist, als daß sie lange anhalten sollte.
Adrast. So prophezeien Sie mir mein Unglück.
Juliane. Wie?--Sie vergessen, in was für Verbindung Sie mit meiner
Schwester stehen?
Adrast. Ach! Juliane, warum muß ich Ihnen sagen, daß ich kein Herz
für Ihre Schwester habe?