Zweiter Auftritt

Adrast. Juliane. Henriette. Lisette.

Henriette. Als wenn Sie gerufen wären, Adrast! Sie verließen mich

vorhin, unhöflich genug, mitten in der Erhebung des Theophans; aber

das hindert mich nicht, daß ich Ihnen nicht die Wiederholung Ihrer

eigenen anzuhören gönnen sollte.--Sie sehen sich um? Nach Ihrer

Lobrednerin gewiß? Ich bin es nicht, wahrhaftig! ich bin es nicht;

meine Schwester ist es. Eine Betschwester, die Lobrednerin eines

Freigeistes! Was für ein Widerspruch! Entweder Ihre Bekehrung muß

vor der Türe sein, Adrast, oder meiner Schwester Verführung.

Juliane. Wie ausgelassen sie wieder auf einmal ist.

Henriette. Stehen Sie doch nicht so hölzern da!

Adrast. Ich nehme Sie zum Zeugen, schönste Juliane, wie verächtlich

sie mir begegnet.

Henriette. Komm nur, Lisette! wir wollen sie allein lassen. Adrast

braucht ohne Zweifel unsere Gegenwart weder zu seiner Danksagung, noch

zu meiner Verklagung.

Juliane. Lisette soll hierbleiben.

Henriette. Nein, sie soll nicht.

Lisette. Sie wissen wohl, ich gehöre heute Mamsell Henrietten.

Henriette. Aber bei dem allen sieh dich vor, Schwester! Wenn mir

dein Theophan aufstößt, so sollst du sehen, was geschieht. Sie dürfen

nicht denken, Adrast, daß ich dieses sage, um Sie eifersüchtig zu

machen. Ich fühle es in der Tat, daß ich anfange, Sie zu hassen.

Adrast. Es möchte Ihnen auch schwerlich gelingen, mich eifersüchtig

zu machen.

Henriette. Oh! das wäre vortrefflich, wenn Sie mir hierinne gleich

wären. Alsdann, erst alsdann würde unsre Ehe eine recht glückliche

Ehe werden. Freuen Sie sich, Adrast! wie verächtlich wollen wir

einander begegnen!--Du willst antworten, Schwester? Nun ist es Zeit.

Fort, Lisette!

Der Freigeist · 第 77 / 123 题