Martin. Das kann wohl sein.--Es ist ein Wechselbalg, den die Hölle
durch--durch einen unzüchtigen Beischlaf mit der Weisheit dieser Welt
erzeugt hat;--es ist--ja, sieh, das ist ein Atheist. So hat ihn unser
Pfarr abgemalt; der kennt ihn aus großen Büchern.
Johann. Einfältiger Schöps!--Sieh mich doch einmal an.
Martin. Nu?
Johann. Was siehst du an mir?
Martin. Nichts, als was ich zehnmal besser an mir sehen kann.
Johann. Findest du denn etwas Erschreckliches, etwas Abscheuliches an
mir? Bin ich nicht ein Mensch, wie du? Hast du jemals gesehen, daß
ich ein Fuchs, ein Esel, oder ein Kannibal gewesen wäre?
Martin. Den Esel laß immer weg, wenn ich dir antworten soll, wie du
gerne willst.--Aber, warum fragst du das?
Johann. Weil ich selbst ein Atheist bin; das ist, ein starker Geist,
wie es jetzt jeder ehrlicher Kerl nach der Mode sein muß. Du sprichst,
ein Atheist brenne lebendig in der Hölle. Nun! rieche einmal:
riechst du einen Brand an mir?
Martin. Drum eben bist du keiner.
Johann. Ich wäre keiner? Tue mir nicht die Schande an, daran zu
zweifeln, oder--Doch wahrhaftig, das Mitleiden verhindert mich, böse
zu werden. Du bist zu beklagen, armer Schelm!
Martin. Arm? Laß einmal sehen, wer die vergangene Woche das meiste
Trinkgeld gekriegt hat. (Er greift in die Tasche.) Du bist ein
lüderlicher Teufel, du versäufst alles--
Johann. Laß stecken! Ich rede von einer ganz andern Armut, von der
Armut des Geistes, der sich mit lauter elenden Brocken des
Aberglaubens ernähren, und mit lauter armseligen Lumpen der Dummheit
kleiden muß.--Aber so geht es euch Leuten, die ihr nicht weiter, als
höchstens vier Meilen hinter den Backofen kommt. Wenn du gereiset
wärest, wie ich--
Martin. Gereist bist du? Laß hören, wo bist du gewesen?