Gerberakazien.
Die besten Gerberakazien sind in Australien heimisch. Besonders
geschätzt ist die Acacia decurrens, ein in Süd- und Ostaustralien häufig
vorkommender, in neuerer Zeit auf Anregung der englischen Regierung auch
in Kultur genommener Baum.
Der Gerbstoff ist in der Rinde enthalten; diese wird vom Stamm
abgeschält und kommt gemahlen unter dem Namen Mimosarinde in den Handel.
Australien produzierte 1893 14730 Tonnen Mimosarinde im Werte von
1859000 Mark allein von der Acacia decurrens.
Auch dieser nützliche Baum findet in unsern Kolonien ein ihm zusagendes
Klima. In Ostafrika wird er angebaut, und es ist gegründete Aussicht,
daß vor allem in West-Usambara die Kultur der Gerberakazie eine wichtige
Rolle spielen wird. Zur Untersuchung eingesandte Rinden haben einen
hohen Tanningehalt, nämlich 44%, aufgewiesen. -- Die Bäume brauchen 5-8
Jahre, bis sie die ersten Erträge liefern. Das Abschälen eines Teiles
der Rinde kann dann in bestimmten Abständen eine Reihe von Jahren
hindurch wiederholt werden.
Catechu-Akazie.
Diese Akazie kommt in Indien und Birma vor; außerdem ist sie aber auch
in einem großen Teile Ost-Afrikas verbreitet, und zwar von Abessinien
bis zum Sambesi und von der Küste bis an das Gebiet der großen Seen. Sie
ist ein 4-8 m hoher Baum mit brauner, rissiger Rinde, schirmförmiger
Krone und Stacheln an den Zweigen. Die Blätter bestehen je aus 40-100
Fiedern, deren jede wieder aus 60-80 sehr kleinen Blättern
zusammengesetzt ist. In der Trockenzeit fällt das Laub ab.
Das Holz dieses Baumes enthält einen Gerbstoff, der unter dem Namen
Catechu, auch Pegu-Catechu, in den Handel kommt. Zur Gewinnung des
Catechu wird der Baum gefällt, das Holz in kleine Späne gehauen in einem
Topfe 12 Stunden lang gekocht. Nach Verlauf dieser Zeit hat sich der
Gerbstoff mit dem Wasser zu einer dunkelbraunen Brühe verbunden. Diese
wird nun durch abermaliges Einkochen verdickt, bis sie „fest” wird.
Diese feste Masse wird in Formen getan und bleibt in ihnen bis zur
vollständigen Verhärtung. In solchen Klumpen kommt das Catechu in den
Handel. Vor dem Gebrauch wird es durch heißes Wasser und Chemikalien
wieder aufgelöst.
Der Catechu wird in der Färberei in Massen gebraucht, sowohl als Beize
als auch zur Erzeugung von dauerhaften schwarzen, braunen und grünen
Farbenschattierungen, und zum Gerben von weichem, geschmeidigem Leder.
Bis jetzt sind nur die Catechu-Bestände in Indien ausgenützt worden und
zwar in dem Maße, daß die Gewinnung in den letzten Jahren sehr
zurückgegangen ist. (1896 für etwa 5 Millionen Mark). Daraufhin hat
jetzt die englische Regierung verfügt, daß die Catechu-Gewinnung
geregelt und die Bäume in Kultur genommen werden. Dagegen sind bisher
die großen Catechubestände, die in Ostafrika sich finden, noch gar nicht
in Benutzung genommen. Besonders im Steppenwalde Deutsch-Ostafrikas
kommt der Baum überaus zahlreich vor. Es ist deshalb sicher nur eine
Frage der Zeit, daß man diese wilden Bestände nicht nur ausbeutet,
sondern auch den Baum, der dort alle seine Wachstumsbedingungen erfüllt
findet, anbaut.