Kickxia

(Tafel 29).

Die Kickxia ist ein hoher, gerader Urwaldbaum mit fast pyramidenförmiger

Krone. Ihre Rinde ist grau, die Blätter sind lanzettlich, glatt, die

Blüten gelblich. Aus ihnen bilden sich die aus zwei Kapseln bestehenden,

etwa 15-20 cm langen Früchte, die eine große Zahl Samen enthalten.

Der Kickxiabaum hat seine Heimat im tropischen Afrika. Er kommt vor auf

der Goldküste, im Lagos-Gebiet, in Süd-Nigerien, Kamerun bis an den

französischen Kongo. Die reichsten Kickxiabestände sollen sich

im äußersten Südosten Kameruns und dem angrenzenden Teil des

französischen Kongo befinden.

Die Kickxia ist erst in neuerer Zeit entdeckt. Im Jahre 1894 brachten

eingeborne Händler aus dem Lagos-Gebiet eine bis dahin unbekannte

Kautschuksorte zum Verkauf an die Küstenplätze. Bei näherer Untersuchung

erwies sich das neue Produkt als sehr wertvoll; es wurde gern gekauft,

gut bezahlt und infolgedessen bald in großen Mengen von den Eingebornen

auf den Markt gebracht. Lange kannte man die Pflanze nicht, die diesen

Kautschuk lieferte, bis im Jahre 1898 der Deutsche Paul Preuß am

Mungo-Flusse in Kamerun die Kautschuk liefernde Kickxia-Art entdeckte,

die durch ihn den Namen Kickxia elastica erhielt. Von den Franzosen und

Engländern wird sie gewöhnlich nach einem auf der Goldküste

einheimischen Namen Funtumia elastica genannt.

Die Kickxia elastica ist sehr reich an stark kautschukhaltigem

Milchsaft. Die Gewinnung des Saftes geschieht auf zweierlei Weise.

Entweder der Eingeborne klettert auf den Baum und schneidet von der

Krone bis fast auf den Erdboden einen Kanal in die Rinde des Baumes und

außerdem in bestimmten Abständen schräglaufende, in den vertikalen

Hauptkanal einmündende Seitenkanäle. Der ausrinnende Saft wird in einem

Topf am Boden aufgefangen und nach dem Gerinnen in Ballen geformt. Wird

bei diesem Vorgehen mit einiger Vorsicht verfahren, schneidet man vor

allem nicht durch die Rinde hindurch in das Holz des Stammes ein, so

wächst der Baum weiter und kann im folgenden Jahre wieder angezapft

werden. Die andere, allerdings bequemere Methode, bei der einfach der

ganze Baum gefällt wird, ist ein barbarischer und unvernünftiger

Raubbau, der schon große Kickxiabestände vernichtet hat und einen

erheblichen Rückgang der Kautschukgewinnung in den nächsten Jahren

befürchten läßt. Um dem entgegenzuwirken, hat man die Kickxia in

Pflanzungskultur genommen, und es finden sich heute in Kamerun und auf

Neuguinea große, in Togo und Ostafrika kleine Anpflanzungen des

Kickxiabaumes.

[Illustration: Tafel 29.

Kickxia elastica.

a) Baum, 1/80 nat. Gr.

b) Zweig, 1/5 nat. Gr.]

Landolphia.

Diese Pflanzengattung, zur Familie der Apocynaceen gehörig, kommt für

die afrikanische Kautschukerzeugung in erster Linie in Betracht. Bis

jetzt sind 14 Arten von ihr als gute Kautschuklieferanten bekannt

geworden, die über das ganze tropische Afrika verteilt sind. Die meisten

von ihnen sind starke Schlinggewächse (Lianen) mit holzigem Stengel;

mittels ihres schlingenden Stengels oder besonderer Ranken klammern sie

sich an benachbarte Sträucher oder Bäume und klettern an diesen bis in

die höchsten Baumwipfel empor. Ihre Früchte sind meist gelb oder rot,

sie gleichen kleinen Orangen und bilden eine Lieblingsspeise der Affen.

Die Landolphiapflanzen kommen hauptsächlich in Urwäldern wildwachsend

vor; einige Arten werden jedoch neuerdings auch angebaut.

Zur Gewinnung des Saftes wird die Liane angeschnitten, worauf der Saft

ausfließt und mitunter schon an der Luft gerinnt. Man formt ihn in

Klumpen oder Kugeln bis zu Kopfgröße, und so gelangt er in den Handel.

Einige Arten enthalten den Kautschuk nicht im Stamm, sondern in der

Wurzel, in dem Fall muß also diese angezapft werden. Häufig aber geben

sich die Eingebornen nicht die Mühe, die Liane anzuschneiden, sondern

sie hauen sie einfach kurz über dem Erdboden ab und fangen den

auslaufenden Saft auf. Dies ist natürlich die bequemste Art der

Gewinnung, und er liefert auch eine einmalige größere Ausbeute als das

Anzapfen; aber die Pflanze ist dabei verloren, und bei der großen

Nachfrage und den hohen Preisen des Kautschuk liegt die Gefahr nahe, daß

durch diesen Raubbau die ganzen Bestände an Kautschuklianen vernichtet

werden.

Die Kolonialregierungen suchen deshalb durch Belehrungen und Gesetze

dies Raubsystem einzuschränken und die Eingebornen zu einer vernünftigen

Behandlung der wertvollen Kautschuklianen anzuleiten.

Clitandra.

Die Clitandra-Arten sind denen der Landolphia nahe verwandt. Erst in

jüngster Zeit hat man ihren hohen Wert für die Kautschukgewinnung

erkannt, und sie nehmen in dieser Industrie schon heute eine bedeutende

Stellung ein. Der Milchsaft ist bei ihnen außerordentlich reichlich

vorhanden und zwar in derselben Güte wie bei den besseren

Landolphiaarten.

Die Clitandren sind ebenfalls Klettergewächse, die in den Urwäldern der

afrikanischen Tropen gedeihen. Am häufigsten hat man sie bis jetzt im

Kongobecken und in Kamerun angetroffen. Kenner empfehlen gewisse

Clitandraarten als die bestgeeigneten Kautschukpflanzen zur Kultur in

Westafrika.

Die Saftgewinnung geschieht wie bei der Landolphia.

In Togo und Kamerun werden versuchsweise sowohl Landolphia- und

Clitandra-Arten auf einigen europäischen Pflanzungen angebaut.

Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland · 第 73 / 97 题