(Tafel 13).
Das Zuckerrohr ist ein 3-6 m hohes Gras mit starken, knotigen Halmen,
die 3-5 cm Durchmesser haben. Die Blüte bildet eine Rispe; in
kultiviertem Zustande kommt die Pflanze selten zur Blüte; das Bemühen
des Pflanzers geht dahin, das Blühen und Samentragen überhaupt zu
unterdrücken, damit die übrigen Teile der Pflanze sich um so kräftiger
entwickeln können. Die Fortpflanzung geschieht durch Stecklinge, die aus
dem Halm geschnitten werden.
Das Zuckerrohr gedeiht am besten in feuchtwarmem Klima; sehr geeignet
sind für den Anbau Inseln und Küstenstrecken. Es kommt in tropischem und
subtropischem, zum Teil sogar noch in gemäßigtem Klima fort.
Zur Zuckerbereitung dienen nur die Halme; diese schneidet man, wenn das
Rohr reif ist, am Grunde ab; die Blätter werden ebenfalls entfernt und
darauf die Stengel in Bündel gebunden und in die Fabrik gefahren, wo sie
auf großen Mühlen zermahlen und der Saft ausgepreßt wird. Dieser Saft
wird nun auf das sorgfältigste gereinigt, gekocht und zuletzt
kristallisiert.
Die größten Zuckerrohr-Pflanzungen sind in Amerika (Nord, Mittel und
Süd) und Westindien, ferner im südlichen Asien, den Sundainseln,
Australien, Ägypten und Mauritius. -- In unsern afrikanischen Kolonien
wird Zuckerrohr ganz allgemein von den Eingebornen zum eignen Gebrauch
angebaut. In Ostafrika, besonders am unteren Pangani, hat diese Kultur
schon früher unter dem Einfluß der Araber eine größere Ausdehnung
angenommen; es gab dort eine ganze Anzahl kleinerer Zuckerfabriken. In
den letzten Jahren ist die Fabrikation und damit auch der Anbau
zurückgegangen, weil die Araber den Verlust der unbezahlten
Sklavenarbeit nicht verschmerzen können und sie zur Anstellung freier
Arbeiter weder Energie noch Kapital besitzen. Es ist aber denkbar, daß
die Zuckerindustrie hier einen neuen Aufschwung nimmt, wenn sie in
europäische Hände gelangt. Im Jahre 1906 führte Ostafrika Rohrzucker aus
im Werte von 70000 Mk., 1907 38000 Mk., 1903 dagegen noch für 200000 Mk.
Die Gesamteinfuhr Deutschlands an Rohrzucker ist schwer festzustellen,
da in den Statistiken Rohr- und Rübenzucker nicht getrennt werden. Die
Weltproduktion an Rohrzucker beträgt jährl. an 3400000 Tonnen (à 1000
kg), davon erzeugt Amerika 2100000, Asien 762000, Afrika 334000 Tonnen.
[Illustration: Tafel 13.
Zuckerrohr (_Saccharum officinarum_).
a) Blütenlose Kulturform, 1/25 nat. Gr.
b) Blühende Pflanze, 1/35 nat. Gr.]