(Tafel 11).
Die Vanille ist eine Kletterpflanze aus der Familie der Orchideen; ihre
Heimat ist das tropische Amerika. Die Pflanze rankt an Bäumen empor und
bildet an diesen Wurzeln, die sie der Rinde des Baumes anlegt. Der Stamm
ist 2-3 cm dick, die Blätter sind lang, dunkelgrün und fleischig. Die
großen, traubenförmig gestellten Blüten sind gelblichrot und
wohlriechend. Die Befruchtung der Vanilleblüten geschieht in Amerika
durch ein Insekt, in anderen Erdgebieten, wo dieses Insekt fehlt, muß
sie künstlich herbeigeführt werden: Man überträgt den Blütenstaub auf
die weibliche Blüte mit Hilfe eines spitzen Hölzchens. Aus den
weiblichen Blüten entstehen 20-30 cm lange, zylindrische Schotenfrüchte,
die mit einer großen Zahl überaus kleiner, schwarzer Samenkörner gefüllt
sind. Die Fruchtschoten werden gepflückt und getrocknet und bilden dann
das bekannte Gewürz Vanille.
Der Vanillestrauch gedeiht fast nur in tropischen Gebieten mit möglichst
gleichmäßiger Wärme. Sein Anbau erfordert große Sorgfalt und viele
Arbeit. -- Als Ertrag rechnet man gewöhnlich 100-200 kg marktfähiger
Ware auf den Hektar. Am ältesten und auch heute noch bedeutend ist die
Vanillekultur in Mexiko; doch ist die Hauptbezugsquelle jetzt die Insel
Réunion, auf der die Pflanze erst in neuerer Zeit eingeführt ist und
ausgezeichnete Erträge bringt. Die Ausfuhr beträgt hier jährlich 100000
kg, in Mexiko etwa 60000 kg. Das Kilogramm hat im Großhandel einen Wert
von 8-10 Mk.
In Deutsch-Ostafrika, Kamerun, Togo und Samoa sind ebenfalls
Anbauversuche gemacht, die besonders für Ostafrika aussichtsreich
erscheinen. Obgleich hier die Kulturen noch ganz in den Anfängen sind,
lieferte das Jahr 1906 doch schon eine Ernte von 196 kg im Werte von
4500 Mk.
[Illustration: Tafel 11.
Vanille (_Vanilla planifolia_).
a) Zweig mit Blüten, 1/4 nat. Gr.
b) Schotenförmige Frucht, 1/3 nat. Gr.]