Kolanuß

(Tafel 10).

Die Kolanuß stammt von dem zur Familie der Sterculiaceen gehörenden

Kolabaume, dessen Heimat das tropische Westafrika ist. Der Baum wird

10-18 m hoch. Die rispenförmig stehenden Blüten entspringen wie beim

Kakao oft unmittelbar aus dem Stamm oder aus älteren Zweigen. Aus den

weiblichen Blüten bilden sich die aus 4-6 Kapseln bestehenden Früchte,

die um den Fruchtstiel sternförmig angeordnet sind. Jede Kapsel enthält

bis zu sechs Samen oder Nüsse. Diese erreichen fast die Größe einer

Kastanie; ihre Farbe ist gelbbraun oder rötlich.

Der Kolabaum kommt in Westafrika wild vor, wird aber auch seit langem

von den Eingebornen angebaut und hochgeschätzt wegen seiner Früchte, die

als bestes Mittel gegen Hunger, Durst und Müdigkeit gekaut werden. Auf

ihren langen, oft Monate dauernden Handelsreisen durch unbewohnte

Gebiete würden die Eingebornen ohne die Kolanuß, deren Genuß für lange

Zeit das Gefühl von Hunger und Durst unterdrückt und vor Ermüdung

schützt, nicht auskommen.

Diese ihre erfrischenden Eigenschaften verdankt die Kolanuß vor allem

ihrem hohen Gehalt an Coffeïn und Theobromin, der sogar stärker ist als

beim Kaffee; aber auch wirkliche Nährstoffe wie Stärke, Zucker, Eiweiß

besitzt die Kolanuß in beträchtlichem Maße.

Als Kaffee-Ersatz eignet sich Kola trotz seines hohen Coffeïn-Gehaltes

nicht, da beim Rösten die Hälfte des Coffeïn verloren geht.

Hauptsächlich findet es Verwendung in der Heilkunde zur Herstellung von

Kola-Pillen, Pastillen, Tinkturen, Extrakten, Kola-Wein und

Kola-Likören. Als Zusatz zum Kakao wird es in der Schokoladefabrikation

benutzt. Auch wird seine Einführung in die Armee versucht als

Stärkungsmittel bei anstrengenden Märschen und Gefechten.

Den größten Kolahandel betreibt das Hinterland der Goldküste, vor allem

die Landschaft Gondja. Von hier aus geht die Kolanuß in alle Länder des

Sudan, kommt jedoch selten oder gar nicht nach Europa. -- Durch

Negersklaven ist der Kolabaum auch nach Amerika verpflanzt worden. Dort

wird er jetzt, besonders auf den Antillen, vielfach und mit gutem

Erfolge angebaut. Der Baum liefert vom 8.-10. Jahre an volle Erträge,

das ist etwa 4000 Nüsse jährlich; auf dieser Höhe hält er sich bis zum

50. Jahre. Westindische Pflanzer sind der Ansicht, daß, wenn der Preis

der Kolanuß nur die Hälfte des Kaffeepreises erreiche, die Kolapflanzung

die einträglichere sei.

In Deutsch-Togo und Kamerun wird der Kolabaum von den Eingebornen

kultiviert, der größere Teil der Ernte bleibt aber im Lande oder geht

über die Binnengrenze. Seit einigen Jahren haben auch Europäer in unsern

Kolonien Kola-Pflanzungen angelegt, und es ist wahrscheinlich, daß die

Ausfuhr der Kolanuß, die im Jahre 1907 in Kamerun schon einen Wert von

21000 Mk. darstellte, in der Zukunft bedeutend steigen wird.

[Illustration: Tafel 10.

Kolanuß (_Cola acuminata_).

a) Zweig mit Blüten, 1/3 nat. Gr.

b) Zweig mit jungen Früchten, 1/4 nat. Gr.

c) Reife Frucht, 1/4 nat. Gr.

d) Same, 1/3 nat. Gr.]

Die Nutzpflanzen unserer Kolonien und ihre wirtschaftliche Bedeutung für das Mutterland · 第 41 / 97 题