Steiger. Dort wird eine kurze Morgenandacht, in Gesang und Gebet
bestehend, gehalten und ein Imbiß eingenommen. Mit ihrem Steiger an
der Spitze begeben sich nun die einzelnen Trupps auf den allgemeinen
Sammelplatz, den Marktplatz. Eine Abtheilung holt hierauf unter dem
Schall der Musik die Fahne aus dem Bergamtsgebäude. Nachdem dieselbe
bei dem übrigen angelangt ist, setzt sich der Zug in folgender Ordnung
in Bewegung. Voran schreitet ein Schichtmeister in sogenannter ganzer
Parade: Den Kopf bedeckt der 7 Zoll hohe cylindrische Schachthut mit
grünem Manchester überzogen, oben und unten mit Goldtresse eingefaßt,
vorn das königliche Wappen aus Blech getrieben und vergoldet, an der
linken Seite die sächsische Kokarde, aus welcher der schwarze, unten
gelb unterbundene 7 Zoll hohe Federstutz hervorragt. Den Oberleib
bedeckt die „Puffjacke“, eine enganliegende bis in die Taille
reichende Jacke von blauschwarzem Tuch in kurze Schößchen auslaufend,
vorn mit einer Reihe vergoldeter Knöpfe und oben mit stehenden
goldbetreßten Kragen von schwarzem Manchester, darauf ein silberner
Stern. Auf den Schultern Patten von schwarzem Manchester mit goldenen
Franzen, dann am Oberarm enggefältete Tuchpuffen, und am Handgelenke
Aufschlagspatten von +weißem+ Tuch. Der Unterleib ist mit engen weißen
Tuchbeinkleidern, woran sich Kamaschen von weißem englischen Leder
schließen, bedeckt; um die Kniee sind die schwarzledernen Kniebügel
und hinten das ebenfalls schwarze Bergleder befestigt. An der Seite
hängt der Säbel mit vergoldetem Gefäß in schwarzer Lederscheide. In
der Rechten trägt der Steiger einen schwarzen Stock, dessen Griff
das vergoldete Steigerhäckchen bildet, sowie vorn an der Brust das
Tzscherpertäschchen von Leder mit zwei Tzscherpern (Messern mit drei
Zoll langer Klinge und drei Zoll langen beinernem Heft). -- Hinter
dem Schichtmeister folgen die Knappschaftsältesten, ähnlich wie
dieser gekleidet, nur statt des Hutes den Kopf mit der sogenannten
„fliegenden Kappe“ bedeckt, einer Art Haube von weißer Leinwand,
hinten mit weißem zwei Zoll breiten, flatternden Bande. Es kommen
nun drei Züge Häuer, jeder Zug in drei Reihen zu 6 Mann marschirend
und angeführt von je einem Steiger. Die Häuer tragen Schachthüte und
Paradekittel von schwarzer Leinwand, unter deren liegendem Kragen
ein mit Spitzen besetzter weißer Leinwandkranz hervorsteht. An die
bis zu den Knieen reichenden weißen Leinwandbeinkleider schließen
sich weiße Strümpfe und schwarze Schuhe; dazu kommen noch Kniegürtel,
Bergleder und Tzscherpertäschchen. Auf der rechten Schulter tragen
sie die Bergbarde, eine beilartige Waffe an 5 Viertel Ellen langem
Stiel. Es schließt sich das Chor der Berghoboisten an, d. i. das
städtische Musikchor in Bergmannstracht, und zwar schwarze Kittel und
Schachthüte mit goldgelben Tressen besetzt. Außer den gewöhnlichen
Blasinstrumenten sind die „russischen Hörner“ eigenthümlich, deren
längstes Mannshöhe hat, sowie der Transport der Pauken. Letztere werden
auf einem Gestelle von zwei Bergjungen an weiß und grünen Tragbändern
vor dem Paukenschläger getragen. Nach dem Musikchor erblicken wir die
mit Goldtressen besetzte Bergfahne, die auf weißseidenem Grunde das
sächsische Kurwappen entfaltet. Sie wird von dem ältesten Steiger
getragen, zu dessen Seiten je ein Obersteiger einherschreitet.
Dahinter gehen die Beamten der theilnehmenden Gruben in halber Parade,
d. h. in blauschwarzer mit goldenen Tressen und Knöpfen besetzter
Kleidung, an der Seite den Säbel, auf dem Kopfe den dreieckigen
Hut mit grünseidener silberner Kokarde. In ihrer Mitte haben sie
den Bergprediger (Annaberg hat bekanntlich die einzige Bergkirche
Sachsen’s, dessen Geistlicher gegenwärtig zugleich Diakonus an der
Stadtkirche ist) in seiner Amtstracht. Das Centrum des Zuges bilden
die Berghandwerker. Die Bergschmiede erscheinen in weißen mit rothen
Puffen versehenen Oberhemden mit schwarzem Kragen und Aufschlägen,
dazu weiße Beinkleider. Die Lenden sind mit dem schwarzen Schurzfell
umgürtet, den Kopf bedeckt ein schwarzer Schachthut und in der rechten
Hand tragen sie den Hammer. Die Maurer sind mit grünem Schachthut,
schwarzem Kittel und weißen Hosen, in denen an der Seite eine Schmiege
steckt, und gelbem Schurzfell bekleidet. Als Stab führen sie ein
langes Ellenmaß in der Hand. Die Zimmerlinge gehen wie die Häuer, nur
ruht, statt der Bergbarde, eine Axt auf ihren Schultern. Nach diesen
Berghandwerkern folgen einige Züge Häuer, dann einige Züge Lehrhäuer.
Letztere sind daran kenntlich, daß sie keine Kniebügel haben. Bei
den Knechten, die mit den Bergjungen den Schluß bilden, fällt auch
noch der weiße Landwandkragen und das Tzscherpertäschchen weg, und
statt der Barde stolzieren sie mit gewöhnlichen Stöcken einher. Die
Bergjungen ermangeln auch der Stöcke. Der letzte Mann des Zuges ist
der jüngste Steiger. Der wohlgeordnete Zug, aus etwa 300 Personen
bestehend, marschirt nun unter den Klängen der Musik in die Kirche,
wo Gottesdienst mit Predigt abgehalten wird. Dann wird auf den Markt
zurückgezogen, von wo aus die Theilnehmenden sich zerstreuen, um dann
mit ihren Frauen zurückzukehren und den Rest des Tages bei Tanz, Bier
und anderen Genüssen festlich zu begehen.
§ 80. Eine eigenthümliche Feier hat außer dem Bergfest noch die
Knappschaft zu Ehrenfriedersdorf, die sogenannte +lange Schicht+.
667. Dieses Fest wird am Montage nach dem Osterfeste mit Umzug durch
die Stadt unter dem Geläute des Bergglöckleins begangen, zum Andenken
an die lange Schicht von 61 Jahren des Oswald Barthel daselbst,
welcher 1507 verschüttet, erst 1568 zwar todt, aber doch unversehrt
wiedergefunden wurde.
§ 81. ~c.~ +Der Landmann und seine Feste.+ Der Landmann hat, wie
überall, so auch im Gebirge, die meisten Eigenthümlichkeiten bewahrt
und hält mit einem achtungswerthen Konservatismus alte Sitten und
Gebräuche fest, ist aber auch schon, namentlich in dem jüngeren
Geschlechte von dem nivellirenden Leben der Gegenwart berührt worden.
Wir führen hier nur das an, was ihn zunächst gemäß seiner Beschäftigung
angeht, bemerken aber ausdrücklich, daß Vieles, was wir z. B. unter
Aberglauben und sonst bereits brachten, sowie Manches, was in dem
Folgenden noch vorkommen wird, vorzüglich unter der ländlichen
Bevölkerung heimisch ist.
§ 82. Die +Kleidung+ sowie die häusliche +Einrichtung+ des Landmanns
hat immer noch gewisse feststehende Formen, die aber auch mannichfachen
Modifikationen nach Geschmack und Vermögensumständen unterworfen
sind. Es kann daher das hier Gesagte nur einen relativen Anspruch auf
allgemeine Gültigkeit haben.
~a.~ Die +Kleidung+. 668. Die +Kopfbedeckung+ bei der häuslichen Arbeit
ist entweder ein Käppchen von schwarzem Sammtmanchester oder eine
sogenannte „Schwanzmütze“. Letztere ist aus buntem Baumwollengarn,
ähnlich einer Nachtmütze gewirkt. Auf dem Felde trägt man einen
niedrigen Filz- oder Strohhut, mitunter von etwas grotesker Form, oder
eine Tuchmütze. -- Das +Haar+ wird schlicht gekämmt getragen. Nur noch
bei alten Bauern findet man es nach dem Hinterkopf bis in den Nacken
gewöhnt und dort mit rundgebogenen Messingkamm zusammengehalten;
darauf den dreieckigen Hut, den sogenannten „Nagelzwicker.“ -- Im
linken Ohr hängt häufig ein silberner +Ohrring+, in dessen innerer
Fläche zuweilen der Anfangsbuchstabe des Besitzers, ebenfalls aus
Silber gearbeitet, angebracht ist. -- Um den Hals wird ein rothes
oder gelbes Kattuntuch, über das der Hemdkragen von gröberem Zwillich
sich legt, lose geschlungen. -- Die Weste reicht meist vom Halse
bis über die Magengegend und ist aus blauem Sammtmanchester oder
scharlachrothem Wollenstoff oder sonst einem bunten, geblumten Zeuge,
mit einer Reihe blanker Knöpfe aus Zinn, Neusilber oder Messing. Bei
älteren Leuten sieht man mitunter an der Sonntagsweste (statt Weste
sagen diese „Brustlatz“), Silbergeldstücke, z. B. Zwanzigkreuzer,
halbe Gulden, mittelst Henkel als Knöpfe verwendet. -- Die silberne,
auch stählerne oder messingene Uhrkette meist mit Uhrschlüssel und
Petschaft zieht sich entweder quer über die Brust oder „baumelt“ unter
der Weste hervor. -- Die +Beinkleider+ sind gewöhnlich schwarze oder
gelbe Lederhosen, die entweder bis unter die Kniee oder bis zu den
Knöcheln reichen, wo dieselben gebunden werden. Die Füße und den noch
unbedeckten Theil des Beines schützen dann Stiefeln mit höheren oder
niedrigeren Schäften, entweder Aufschlag- oder Steifstiefel, oder
auch graue, blaue oder weiße Strümpfe und dazu derbe Schnallenschuhe.
Der ältere, ärmere Landmann trägt wohl auch sogenannte Beinstrümpfe,
die vom Knie bis an die Knöchel reichen und aus Leinwandstreifen
zusammengenäht oder im Ganzen (aus Wolle gestrickt) sind; der Fuß ist
dann bloß. -- Das Obergewand bildet entweder die Jacke („Koller“ oder
„Wamms“) oder der Rock, letzterer sehr lang, erstere mit Taschen an
der äußeren Seite. Der Stoff ist entweder blaue Leinwand oder grobes,
meist blaues Tuch. Die Jacke wird häufig auch von schwarzem oder blauem
Sammtmanchester getragen, mit großen Metallknöpfen besetzt. Im Winter
wird der Mantel oder der Pelz angezogen; letzterer meist ein Schafpelz
ohne Ueberzug, ein sogenannter „Zippelpelz“. Im Sommer arbeitet man
viel ohne Oberkleid, die Hemdärmel heraufgeschlagen und baarfuß. Dazu
trägt man noch eine hohe, gewöhnlich blaue Leinwandschürze, oder
eine ungefärbte Lederschürze. Der obere Theil derselben dient dann
zugleich als Tasche zur Bergung des Schnupftuches, der Pfeife oder
Schnupftabaksdose.
669. Die +Bauerfrau+ trägt Wochentags eine Haube von dunklem Zeuge oder
ein rothes Kopftuch, „Gucke“ genannt. Der Zopf ist einfach geflochten.
Den Oberkörper verhüllt ein enganliegendes Leibchen nebst buntem
Halstuch. Die Arme sind bis auf die kurzen Hemdärmel bloß oder es wird
eine dunkelfarbige Jacke („Kaschet“ oder „Kundusch“) von Tuch, Kattun
oder einem ähnlichen Zeuge, im Winter mit Pelz gefüttert, angezogen.
Der kurze Rock ist von Flanell oder einem entsprechenden Wollenstoff
meist roth oder roth gestreift nebst blauer Schürze. Dazu kommen noch
blaue oder weiße Strümpfe und rindslederne Knorrenschuhe oder wohl auch
bloße Füße in Holzpantoffeln. Am Sonntag fehlt es nicht an mancherlei
Schmuck und Putz: weiße Haube mit bunten Atlasbändern und Rosetten,
schwergoldene Ohrringe, Halskette mit Dukaten, seidenes Kleid mit
Bauschärmeln, baumwollene Handschuhe und Taschentuch, buntseidene
Falbelschürze, weiße Strümpfe und zierliche Schuhe.
§ 83. ~b.~ +Lage der Gebäude+: 670. Gewöhnlich bilden die Gebäude
eines Bauerngutes ein geschlossenes Viereck. Die dem Dorfe zugekehrte
Vorderseite bilden der Giebel des Wohnhauses, die durch ein Thor
geschlossene Einfahrt, an die oft noch ein Schuppen stößt, und die
Giebelseite der Scheune. Der Vorderseite des Wohnhauses sammt dem
Stalle liegt die Scheune gegenüber, während die hintere Schmalseite der
Schuppen und eine nach den Feldern führenden Ausfahrt, das Feldthor,
einnehmen. Unmittelbar an diese Baulichkeiten gränzt der Blumen-
und Gemüsegarten nebst dem mit Obstbäumen besetzten Grasgarten,
an die sich dann als weitere Umgebung des Gutes die Felder und
Wiesen anschließen. Im Hofraum sehen wir, nahe bei dem an den Stall
angrenzenden mit Pfosten belegten Jauchenloch, den mit der Düngergabel
geflochtenen Misthaufen (man sagt: „ein Misthaufen mit der Gabel
geflochten ziert das ganze Gut“, vgl. 10), ein Häuschen für die Tauben,
wenn diese ihren Schlag nicht an der Giebelseite des Wohngebäudes
haben, die Hundehütte, aufgeschlichtetes Scheitholz und dergl.
§ 84. ~c.~ +Die einzelnen Gebäude.+ 671. Wohnhaus und der Stall sind
meist im Erdgeschoß von Bruchsteinen (Gneus oder Schiefer), wohl
auch von bloßem Balkenwerk mit Lehmziegeln ausgesetzt, das Stockwerk
aus Fach- oder Klebwerk erbaut. Der Anstrich vorherrschend weiß, die
Balken schwarz, roth, braun oder blau. Die Fenster des Wohngebäudes
sind klein, meist 4 oder auch 6 Scheiben enthaltend, deren eine in
einem verschiebbaren Rahmen eingelassen ist. Die Rahmen, Fensterladen
und Thüren entsprechen mit ihrem Anstrich dem übrigen Holzwerk des
Gebäudes. Ueber der Hausthür, die gewöhnlich in eine Ober- und
Unterthüre, von denen die erstere am Tage offen steht, getheilt ist und
deren Gewände Holzpfosten sind, stehen gewöhnlich außer der Hausnummer
die Anfangsbuchstaben des Besitzers und das Jahr der Erbauung (oder man
findet auch diese Angaben in den mittleren Balken der Wohnstubendecke
eingeschnitten), vereinzelt noch ein frommer Hausspruch, z. B.:
„Alles ist an Gottes Segen und an seiner Gnad’ gelegen.“ -- Das Dach
ist meist mit Stroh, oft auch mit Schiefer gedeckt. In ersterem
Falle ist der First mit Schindeln oder Rasen belegt. Die Feueresse
streicht man, wenn sie äußerlich mit Bretern verkleidet ist, wie das
übrige Holzwerk an. An der Giebelseite fehlt selten die Käsedarre.
-- 672. Durch die Hausthüre (der Platz vor derselben wird hie und
da „Heist“ genannt) tritt man zunächst in die mit Schieferplatten
gepflasterte oder mit Lehm ausgetretene geräumige +Hausflur+, die
man zur Winterszeit mit Stroh auszulegen pflegt (vgl. 10). Daselbst
befindet sich öfters, wenn es nicht im Hofe seinen Platz hat, das
Wasser- und Milchhaus. In letzterem schwimmen die mit Milch halb
gefüllten Blechtöpfe, darüber hängen die blankgeputzten „Milchseier“
und daneben lehnen thönerne Milchäsche und die weißgescheuerten
„Scheffelgefäße“ (d. h. Kannen, kleinere Fässer und dergl.). Hier
steht auch das Butterfaß mit der „Butterstörl“ (Scheibe mit Stiel zum
Buttern) oder die „Butterrolle“ (Rolle, um das Butterfaß hin und her
zu schwingen). In der Nähe des Wasserhauses ist gewöhnlich der Trog,
wo das Viehfutter bereitet wird, in den durch eine Röhre heißes Wasser
aus der an die Rückwand anstoßenden Küche unmittelbar zu leiten ist.
Sonst findet sich in der Hausflur noch der Brodschrank („Kappel“ oder
„Almet“), öfters auch ein Schrank mit allerlei Küchengeschirr. An der
Balkendecke sind vorsorglich „Schwalbenbretchen“ angebracht, damit der
gerngesehene Vogel hier sein Nest aufbaue (vgl. § 22 ~i~). -- 673.
Wir wenden uns rechts, wo die rothangestrichene Thüre, in der sich
ein „Guckfenster“ befindet, durch das der Hausherr das in der Flur
und dem gegenüberliegenden Stall arbeitende Gesinde beobachten kann,
zur +Wohnstube+ führt. Diese ist geräumig, mit drei Fenstern nach
dem Hof und zwei nach der Giebelseite. Der vordere Theil derselben
ist oft mit Steinplatten belegt, der übrige gedielt. Im Winter wird
der Fußboden auch hier, wie in der Hausflur, mit Stroh belegt. Die
Wände sind weiß oder gelb angestrichen, die Decke tragen mächtige,
von der Zeit oder auch mit Farbe geschwärzte Balken. Hie und da sind
auch die Wände aus Holzbohlen, in die Fugen derselben steckt man dann
in der Nähe des Spiegels die Pathenbriefe. Ueber der Thüre sind die
Wochenbuchstaben zu einem immerwährenden Kalender angemalt und oberhalb
derselben das „Kuppchenbret“, zum Aufbewahren der täglich in Gebrauch
kommenden Kaffeetassen (von denen man die Obertasse auch „Kuppchen“
nennt). Rechts von der Thüre steht das „Seegerhaus“ mit der Wanduhr
und daneben das Tellerbret oder „Zübrät“ mit Schüsseln und Tellern von
Zinn, Steingut oder Thon. Links hängt ein weißes, breitgespanntes, mit
Spitzen oder Franzen besetztes Handtuch, hinter dem das zum täglichen
Gebrauch verwendete versteckt ist. Daneben zieht sich die Ofenbank
um den umfangreichen Ofen, gewöhnlich einem sogenannten Gabelofen,
mit eisernem Kasten und grünem Kachelaufsatze. Hinter diesem befindet
sich die behagliche „Hölle“. Oberhalb desselben sind an der Decke
Stangen, die sogenannte „Wäschtreiche“, angebracht und die Decke des
Ofens wird als Trockenplatz für Spähne, Schalen, Obst etc. benutzt.
Oft steht auch auf dem Ofen ein Gestelle zum Trocknen der Käse oder
der würflich geschnittenen Möhren oder Runkelrüben, die man dann
feingemahlen dem Kaffee zusetzt. In der Nähe hängen Majoranbündel zum
Abdörren, deren abgestreifte Blätter der Blutwurst zugemischt werden.
In der Fensterecke thront der große, unten mit Querleisten versehene
Familientisch, hinter dem sich längs beider Wände Bänke hinziehen
und um den hölzerne Stühle oder Schemmel stehen. Hie und da nimmt
ein langes, schlichtes Kanapee, wohl auch ein einfaches Pult, einen
Theil der Wand ein; oder ein Schränkchen, eine offene Nische und
dergl. dient als Aufbewahrungsort von einem Messerkörbchen, sowie von
Bibel, Gesangbuch und Kalender, wenn letzterer nicht in Gemeinschaft
mit der Ruthe, dem „Birkengottfriedel“, hinter dem kleinen, schräg
von der Wand abhängenden Spiegel steckt. Die Fenstersimse sind
theils mit Blumentöpfen besetzt, in denen Rosmarin-, Balsamin- und
Muskatstöckchen, Katzenkraut, Fuchsien und dergl. von der Hausfrau
gepflegt werden, während der Hausherr sich mehr für die selten
fehlende Lerche, Meise oder sonst einem im Käfig gehaltenen Singvogel
interessirt. Als Schmuck der Wände sieht man fast überall einige
eingerahmte Bilder mit ziemlich handwerksmäßigen bunten Lithographien,
entweder Darstellungen aus der biblischen Geschichte, aus der
Geschichte des Tell, der Genoveva u. s. w., wohl auch ein Portrait von
Franz Drake, dem Kartoffeleinführer, oder sonst einem Volksfreund,
nicht selten auch sogenannte Spruchblätter, z. B. mit den Worten: „des
Morgens denk an deinen Gott, des Mittags iß vergnügt dein Brod, Abends
verschlafe deine Noth“. Von Geräthschaften, die sich meist dauernd in
der Wohnstube befinden, gedenken wir noch der „Käsebank“ zum Bereiten
der Käse, der Handmandel, eines Bretes nebst Walze zum Glätten der
Wäsche, des Spahnleuchters, eines zwei Ellen hohen Gestelles, oben
mit einer Zange zum Einklemmen der langen Leuchtspähne, sowie der
über den großen Tisch hängenden Blendlampe. Sämmtliches Holzwerk der
Stube, wie Thüren, Fenstergewände und Rahmen, Tische, Bänke, Stühle
u. s. w. sind gewöhnlich roth oder blau angestrichen. -- 674. Neben
der Wohnstube befindet sich häufig ein einfenstriges +Nebenstübchen+,
„Stöbel“ genannt, der Aufenthaltsort der Herrschaft am Tage, mit
einfachem Meublement und den Hausgeräthen, die vom Hausherrn und der
Hausfrau gebraucht werden. -- 675. Von da führt eine Thüre in die
+Küche+, die mit Ofen, eingemauertem Kessel und Heerd, über dem sich
der weite Schornstein öffnet, mit Küchentisch, Küchenbank, Topfbret,
an dem die bunte „Salzmeste“ und das Löffelgesteck hängt, ausgestattet
ist. Oefters wird aber auch, da der Wohnstubenofen zugleich zum Kochen
verwendet wird, die Küche nur durch einen zum Kaffeebrennen u. s. w.
verwendbaren Heerd vertreten. -- 676. An die Küche grenzt der Backofen,
der nur in wenigen Bauergütern fehlt. Daneben ist die Treppe, die
zum +Keller+ führt. Hier lagern die Vorräthe an Kartoffeln, Möhren,
Kraut, Runkel- und Kohlrüben. In einem „Kellerloch“ stehen Töpfe mit
eingesottenen Preiselsbeeren, Flaschen mit getrockneten Schwarzbeeren,
Körbe mit schwarzem Rettig, Meerrettigstangen etc. Aus einem Winkel
duften uns Fässer mit Sauerkraut, saueren Gurken, wohl auch mit
Pöckelfleisch entgegen, während an der Wölbung ein paar Schinken
hängen. Ein Fäßchen Bier und einige Flaschen Schnaps dagegen kommen
seltener vor, da die nahe Schenke jetzt derartigen Bedarf liefert.
677. Auf der anderen Seite der Hausflur liegt der +Stall+. Die
Eingangsthüre desselben ist öfter zum Schutz gegen die Kälte mit
Strohbändern umflochten, während die Wohnstubenthüre nicht selten an
der Außenseite ein dickes Strohpolster trägt. An der inneren Stallthüre
hängen Kartätsche, Striegel und „Pferdeschwanz“, daneben lehnen die
Mistgabel, der Misthaken („Mistkralle“, „Mistgrahl“, auch „Mistkratze“
genannt) und Besen. Auf zwei Stangen in halber Höhe ruhen die Scheffel
oder „Stötze“ (Kübel zum Futterreichen), während auf der anderen Seite
Geschirre, Peitschen und anderes Geräth an der Wand hängen. In der
Nähe der Küche steht, wenn es nicht in der Hausflur seinen Platz hat,
das Brühfaß, auch Siedfaß oder Stampftrog genannt, in welchem das
Wurzelwerk für das Vieh mittelst eines scharfen, schlangenförmigen
Eisens gestoßen und mit heißem Wasser aufgebrüht wird. Unweit der
Pferde findet sich ein großer Kasten mit Häckerling, nebst Sieb und
Saufeimer. In der Mitte des Stalles zieht sich ein Plattengang hin, zu
dessen Seiten das „Sudelgleiß“ läuft, in welchem die Unreinigkeiten in
das Sudel- oder Jauchenloch fließen. Rechts und links befinden sich
die Stände des Rindviehes und der Pferde, während an der Wand die
Tröge oder Krippen, darüber die Raufen oder Leitern angebracht sind.
Im hinteren Theil findet man wohl noch Ziegen aufgestellt, sowie das
Behältniß für die Schweine, darüber den Hühnerstall. Am Boden haben
Kuhhasen und Kaninchen ihre Wohnung und aus einer Ecke schnattern uns
Gänse und Enten entgegen.
678. Von der Haustür führt eine meist hölzerne Treppe in das +obere
Stockwerk+. Wir treten auf einen geräumigen Saal, „Boden“ genannt,
wo ein paar große Schränke mit Namenszug und Jahreszahl, die den
sonntäglichen Anzug der Bauersleute bergen, eine Ziehmandel, die
Häckerlingslade (wenn diese nicht im Schuppen ihren Platz hat) und
ähnliche Geräthe stehen. Links ist die Oberstube, d. i. die gute Stube
und der Stolz der Bauerfrau. Hier erblicken wir den Glasschrank von
Eichenholz, darin die „Hausräthe“ z. B. den zinnernen Kaffeekessel,
Teller mit Reimsprüchen, die buntgemalten Geburtstagstassen,
seidene Zulpe und Anderes. In der Mitte steht ein altväterischer
Tisch. Polsterstühle und ein buntgemustertes Kanapee mit Lehne voll
Schnitzwerk laden zum Sitzen ein. An der Wand hängen der Spiegel,
hinter dem rechts und links je eine Pfauenfeder gesteckt ist, Bilder
unter Glas und Rahmen u. s. w. In der angrenzenden Schlafkammer
begrüßen uns zwei Himmelbetten, deren Betthimmel mit Bildern aus
der biblischen Geschichte geziert ist. Ein Kleiderschrank dient zur
Aufbewahrung der Alltagskleider. Neben der Schlafkammer ist gewöhnlich
noch eine andere Kammer, die zur Bergung von allerlei Vorräthen (Brod,
Mehl, Kleie, Obst etc.) oder von Wirthschaftssachen (Spinnrad, Siebe,
Geschirre etc.) benutzt wird. -- Auf der anderen Seite des Saales ist
ein Gang, zu dessen beiden Seiten je die Kammer für die Knechte und
Mägde sich befindet. Das Bett derselben besteht aus Stroh, darüber
ein Strohtuch, Zudecke und Kopfkissen. Ihre Habseligkeiten haben sie
in buntgemalten Laden oder Truhen verschlossen. Daran schließen sich
andere Kammern, wohl auch das Stübchen für den Auszügler, oder der
übrige Raum ist als Heuboden benutzt.
679. Eine Holztreppe leitet von dem Saal auf den Boden, „Oberboden“
genannt. Ein Theil desselben dient zum Trocknen der Wäsche, in
einem anderen ist das ausgedroschene Getreide (Korn, Gerste, Hafer,
Lein) aufgeschüttet. An der Giebelseite führt eine Leiter zu dem
Taubenschlag, während an der Feueresse eine eiserne Thüre die
Rauchkammer mit dem zu räuchernden Schweinefleisch („Schwärtel“
genannt) und Würsten verschließt.
680. Wir verlassen das Wohnhaus und wenden uns nach der auf der anderen
Seite des Gehöftes gelegenen +Scheune+, die in ihrem unteren Theil
(etwa 3 Fuß hoch) entweder von Bruchsteinen oder von Fachwerk erbaut
ist, im oberen meist blos aus Breterwand besteht und mit Stroh gedeckt
ist. An dem großen Thore ist gewöhnlich ein erlegter Raubvogel mit
ausgebreiteten Flügeln angenagelt, „um die Hühner von dem Getreide
abzuhalten“ (vgl. 412). Der Fußboden der +Tenne+ besteht entweder aus
Pfosten oder seltener aus festgetretenem Lehm. An den Wänden hängen
oder lehnen die Sense, der Dreschflegel, der Rechen, die Stroh- und
Schüttelgabel, die Wurfschaufeln, die „Schwingmultern“ (eine Mulde,
in der das Getreide geschwungen und dadurch gereinigt wird), das Sieb
und dergl. Auf der Tenne liegen „Knotten“ (Samenkapseln des Flachses),
Strohseile etc. Rechts und links von der Tenne sind zwei Ellen hohe
Breterwände mit sich entsprechenden Oeffnungen zur Befestigung der
„Riffelbank“, die zum Abstreifen der Knotten des Flachses dient.
Jenseits dieser Breterwände ist je ein Panzen, auch „die Pansel“ oder
„der Panze“ genannt, wo Korn-, Waizen- und Hafergarben, sowie Wicken-
und Erbsenbündel, Strohschütten u. s. w. liegen. Ueber der Tenne öffnet
sich in der Decke das Loch zum Boden, um die in die Tenne gefahrenen
Getreidegarben unmittelbar hinaufzureichen. Eben dahin führt auch
eine Holztreppe aus einem der Panzen. Außer den unausgedroschenen
Getreidevorräthen ist gewöhnlich auch ein Theil des Scheunenbodens mit
Heu gefüllt.
681. Der +Schuppen+, der in seinem oberen Theile öfters durch einen
verdeckten Bretergang unmittelbar mit der Scheune zusammenhängt,
ist meist blos aus Balken und Bretern erbaut. Unter dem Dache
hängen große Leitern und das geöffnete Thor zeigt uns im Innern
die Leiter- und Truh- (Kasten-) wagen, daneben wohl die zierliche
Chaise oder das blaue Planwägelchen des Landmanns, nebst dem
grünangestrichenen „Butterwagen“ der Bauersfrau. Im Hintergrunde
stehen die verschiedenen Schlitten, wenn man sie nicht auf in der Höhe
angebrachte Balken gehoben hat. Eine verschließbare Abtheilung enthält
allerlei Heizungsmaterial: gespaltenes Holz, Torf, „Reißigbüschel“
(Reißigbündel). Andere Abtheilungen oder auch ein abgesonderter
kleiner Schuppen, „Schöppel“ genannt, dient als Aufbewahrungsort der
verschiedenen landwirthschaftlichen Geräthschaften, als da sind:
Pflug und Egge, der „Krimel“ (ein Ackergeräth, ähnlich der Egge),
Schiebbock und Schubkarren, Walze, Winde, Hacken und Schaufeln, das
Grabscheit u. s. w. Dort steht das Tengelzeug und der Schleifstein,
hier liegen die „Jauchenzober“ oder Jauchenfässer. Eine angrenzende
Kammer enthält allerlei Werkzeug, eine Schnitz- und eine Hobelbank,
wohl auch eine Drehbank, daneben Axt und Säge, Hammer und Meisel,
Bohrer, Feilen u. s. w. In dem Schuppen steht auch gewöhnlich die
Häckerlingslade, auch Gehackbank, Häckermaschine genannt; auch hat er
Raum für allerlei „Gerümpel“ und unbrauchbar gewordene Geräthe. In
Wirthschaften, die Flachsbau treiben, fehlt auch die Hechelkammer nicht
mit der Brechmaschine und anderen zur Flachsbereitung erforderlichen
Gegenständen. Hier sind wohl auch „Kluhmen“, die gehechelten
„Flachsbündel“ aufgehäuft, während in einem Winkel „Brechenden“, die
beim Brechen des Flachses abfallenden Hülsen, welche zum Anfeuern
benutzt werden, liegen. Unterhalb des Schuppens befindet sich zuweilen
ein besonderer Kartoffelkeller, in den man die geerntete Frucht durch
das Kellerloch mittelst eingesetzter „Röhren“ hinabrollen läßt.
§ 85. ~d.~ +Der Garten und das Feld.+ 682. Der an das Gut
anstoßende Blumen- und Gemüse+garten+ wird zum Unterschiede von
dem umfangreicheren Grasgarten gewöhnlich das „Gärtel“ oder der
„klane“ (kleine) Garten genannt und ist die Freude der Bauerfrau.
Die Beete sind meist mit Buchsbaum, der unter der Scheere gehalten
wird, eingefaßt. Von Blumen liebt man besonders Rosen, Tulpen,
Hyazinthen, Narcissen, Nelken, Aurikel, Veilchen, Stiefmütterchen,
Vergißmeinnicht, Reseda, weiße und rothe Lilien, Päonien, Betunien,
Georginen, Astern, Sonnenblumen, Studentenblumen, Strohblumen u. s. w.
Von Gemüsen finden sich am häufigsten Bohnen, Schoten, Möhren, Kohl,
Salat, Kolerabi, Rettig, Radieschen, Sellerie, Petersilie, Zwiebeln;
von Fruchtsträuchern Johannis-, Stachel- und Himbeeren. -- In dem
angrenzenden Obstgarten stehen Aepfel- und Birnbäume, Kirsch- und
Pflaumenbäume. In einem Winkel versteckt findet sich gewöhnlich ein
Hollunderbaum (~sambucus nigra~), vgl. § 23 ~n~.
683. Auf seinen +Feldern+ baut der gebirgische Bauer besonders Roggen
und Hafer, seltener Gerste und Waizen; häufig Flachs, seltener Hanf,
Wicken, seltener Schoten, ferner Klee und namentlich viel Kartoffeln.
Die wohlgepflegten und günstig gelegenen +Wiesen+ liefern reichliches
Heu.
~e.~ +Beschäftigung.+ 684. An Beschäftigung fehlt es das ganze Jahr
nicht. Das Frühjahr, theilweise auch der Herbst, wird durch das
Düngerfahren (den Knecht, der Dünger ladet, nennt man wohl auch
scherzweise „Ladendiener“) und Ausbreiten desselben, sowie die
Bestellung der Felder in Anspruch genommen. Im Sommer, nach Johanni,
folgt die Heuernte, im August die Getreideernte. Der beginnende
Herbst bringt die Grummternte, der sich die Kartoffel- und Obsternte
anschließt, bis endlich das Abschneiden des Krautes den Beschluß macht.
(Ueber das Viehhüten vgl. 642.) Die rauhere Jahreszeit wird mit dem
Dreschen, mit Spinnen, Klöppeln und Federschließen verbracht. -- Bei
diesen Arbeiten überwacht der Bauer das Ganze, besorgt den Ein- und
Verkauf des Viehes und legt, wo es Noth ist, selbst thätig Hand an. Die
Frau führt das gesammte Hauswesen, besorgt das Kochen, den Milchkram u.
s. w. Den Knechten ist namentlich der Dienst bei den Pferden und deren
Arbeit übergeben, während die Mägde das Melkvieh und deren Versorgung
unter sich haben. -- +Bienenzucht+ findet sich nur in den milder
gelegenen Thälern.
~f.~ +Kost.+ 685. Die Kost ist einfach, aber ausreichend. Im Sommer
wird um ½5, im Winter ½6 Uhr aufgestanden. Gegen 7 oder 8 Uhr wird
Kaffee getrunken, der allerdings mehr aus Surrogaten (Möhren, Wurzeln
~cichorium intibus~, Gerste, Korn etc.) als aus arabischen Bohnen
gebraut ist. Jeder trinkt gegen 5 „Schälchen“ (Untertassen) und
verzehrt dazu einige bis eine Mandel Kartoffeln, oder etliche „Keile“
oder „Fitzen“ Brot, das aus Roggen, Gerste oder Hafer, oft auch aus
einem Gemenge dieser Getreidearten gebacken wird. Um 9 oder um 10
Uhr hilft ein zweites Frühstück, in einem umfangreichen Butterbrod
oder in Milch- oder Mehlsuppe bestehend, nach. Um 12 Uhr folgt das
Mittagsessen, welches an dem weißgedeckten Tisch eingenommen wird. Es
wird mit Gebet eröffnet und geschlossen und besteht entweder in einem
Fleischgericht mit Gemüse oder in einer Milch- oder Kartoffelspeise.
Sonn- und Festtags kommt Braten, gewöhnlich Kälberbraten mit gebackenen
Pflaumen, oder mindestens gekochtes Fleisch. Die Wochentagsgerichte
sind: Pökelfleisch oder Schwarzfleisch (d. i. geräuchertes Fleisch) und
Klöse oder Sauerkraut, Wurst und Kartoffelbrei oder Preißelsbeeren,
Schweinefleisch und Erbsen oder Linsen, Rindfleisch mit Reis, Häring
und Kartoffelsalat, Reisbrei, Griesbrei, Milchbrei, Hafergrütze etc.;
häufig ist auch ein verschiedenartig bereitetes Gebäck aus geriebenen
Kartoffeln, Mehl und Milch, das auch entsprechend verschiedene Namen
führt, als: Bröselgötzen, Pfannenzudel, Rauhemahd, Röhrenkloß,
Lockerkloß, Bambes, Stamper, Polst, Stopper und dergl. Es werden
wohl auch blos Kaffee und Kartoffeln aufgetischt. Um 4 oder 5 Uhr
ist Vesperzeit, wo man sich durch Kaffee und Butterbrod stärkt, bis
endlich Abends 7 Uhr Kartoffeln und Suppe oder Kaffee, im Sommer wohl
auch Semmelmilch, den Schluß bilden. -- 686. Das gewöhnliche Getränk
ist Wasser, daneben Milch, in der Erntezeit und Sonntags Bier. Der
Branntweingenuß ist mäßig. Dagegen wird viel Kaffee getrunken, meist
täglich fünfmal, je 5 und etliche Tassen. Ein „Kaffeekoch“, d. h. das
Kochen eines Kaffee’s kommt unter allen Verhältnissen erwünscht.
~g.~ +Charakter+ etc. 687. Der gebirgische Landmann ist religiös,
bieder und schlicht, fest, zuweilen starrköpfig, schweigsam und
arbeitsam, „er macht seine Arbeit still weg, mitunter ein Sturm.“ Er
liebt Neuerungen nicht, auch ist ihm die Einsamkeit zuwider, daher
gränzen die Güter meist an einander. Reinlichkeit und Sauberkeit
findet man fast allgemein und es ist der Stolz der Hausfrau, durch
blankgescheuerte Geräthe, durch ein wohlgehegtes Blumengärtchen und
durch blendendweiße Wäsche sich auszuzeichnen. (Zu den hohen Festen z.
B. wird was nur möglich gewaschen und gescheuert: Stühle und Schemel,
Fußbänke und „Hitschen,“ Tische und Bänke, selbst die Holzgewände der
Stuben und Kammern). -- 688. Die gewöhnlichen +Grüße+ und Gegengrüße
der Bauern sind: guten Morgen, guten Tag, guten Abend, gute Nacht,
schlaf’ wohl. Grüß’ Gott, Gott grüß dich, Hatje [Adieu], leb wohl,
bleib gesund, behüt’ dich Gott; willkommen; schönen Dank.
~h.~ +Erholung.+ 689. Am Abend kommen die Nachbarn zusammen, oder der
Vater liest aus dem Kalender, aus einer Zeitung (z. B. Dorfbarbier,
erzgebirgischer Volksfreund etc.) oder einer Monatsschrift (z. B.
Gartenlaube, erzgebirgische Hausblätter etc.), aus einem vom Pastor
oder Schulmeister geliehenem Buche (namentlich Bücher aus dem zwickauer
Volksschriftenverein) vor. Dann und wann wird die Schenke besucht. Die
Glanzpunkte aber im Leben des Bauern bilden die ländlichen Feste.
§ 86. Obgleich durch die Ungunst des Bodens und des Klima’s die Lage
des obergebirgischen Landmannes eine minder glückliche ist, als die des
Bauers im Niederlande, so feiert er doch seine Feste, vielleicht eben
deshalb, mit umso größerer Freude und innigerer Betheiligung. Dieselben
sind zunächst als Ruhepunkte nach Vollendung einer der Hauptarbeiten in
seinem Arbeitskreise zu betrachten.
~a.~ +Der Laubtanz.+ 690. Ein Fest in der Pfingstzeit, das regelmäßig
auf einen Sonntag fällt und ungeduldig von den jungen Leuten erwartet
wird. Schon einige Tage vorher pflückt man Laub, windet Kränze und
Guirlanden und schmückt damit den Saal der Schenke in- und auswendig.
Am Nachmittag des Festtages werden die Mädchen, welche Kränze mit
Bandschleifen am Arme tragen, aus dem elterlichen Hause unter Musik
geholt und mit „Gejauchze“ zieht man in den Saal, wo eine wohlbesetzte
Tafel gerüstet ist. Nachdem die Mädchen ihre Kränze aufgehängt haben,
setzt man sich und schmaust vergnügt. Nach dem Essen beginnt der Tanz,
der bis in die späte Nacht hinein dauert (Sehma).
~b.~ +Das Gemeindebier.+ 691. Das Abhalten desselben ist nicht streng
an eine Jahreszeit gebunden, doch geschieht es meistens im Sommer.
Wer ein Grundstück gekauft hat, giebt seinen neuen Gemeindegenossen
Bier zum Besten, und zwar hat er ein Gut gekauft zwei Tonnen, ein Haus
eine Tonne. Das Bier wird in der Schenke von den Bauern und Häuslern,
die mit ihren Frauen dahin zusammenkommen, vertrunken. Unter Tanz und
Scherz wird der Abend heiter verbracht.
§ 87. ~c.~ +Erntefeste.+ Vgl.: „Deutsche Erntegebräuche“, Aufsatz in
den Grenzboten, 1860, Nr. 34. -- 692. Hat der Hausvater auf seinem
prüfenden Gang durch die Felder gefunden, daß das Getreide reif zur
Ernte sei, so beginnen die Vorbereitungen zur morgenden Arbeit. Die
Sensen werden hervorgeholt und die Tengelzeuge herbeigesucht. Am
obern Theil des Sensenbaumes wird der Bügel aus Weiden-, Buchen-
oder Birkenholz befestigt und „die Sense angeschlagen.“ Dort rüstet
man den großen Erntewagen, indem die langen Leiterbäume aufgesetzt
werden, hier werden Tenne und Böden von dem noch umherliegenden Stroh
gesäubert, um der neuen Frucht eine ausreichende Stätte zu bereiten.
Die Knechte setzen sich mit Tengelstock und Hammer unter die alte,
schattenreiche Linde hinter dem Hofe und bald tönen die taktmäßigen
Hammertöne des Tengelns weithin durch die abendliche Stille. Beim
Grauen des nächsten Tages wird Leben im Hause, und nachdem die Arbeiten
im Stalle besorgt und die große, braune Kaffeekanne am gemeinsamen
Frühstückstisch zweimal geleert worden ist, zieht man hinaus auf das
Feld. Die Schnitter die Sense auf der Schulter und die „Wetzkitze“
mit dem Wetzstein an dem Mähergürtel, die Schnitterinnen den Rechen
tragend. Ist man zum Ziele gelangt, so werden die Sensen herabgenommen,
noch einmal mit dem nassen Wetzstein die Schneide derselben gestrichen
und mit einem „das walte Gott“ vollzieht der Hausvater den ersten
Schnitterhieb. Indem er weiter mäht, rafft eine Schnitterin ihm noch
die gefallenen „Schwaden“ auf und legt sie in Haufen auf die Stoppeln.
Diesem Paare folgen die anderen. Gegen 9 Uhr erscheint die Hausfrau mit
schwerbepacktem Korbe und Alles lagert sich an dem blumigen Feldrain,
um an Butterbrod, Bier und Schnaps sich zu erquicken. Von Neuem geht
man zur Arbeit, die man bis Mittag fortsetzt, wo man in das Gehöfte
zurückkehrt. Eine dampfende Biersuppe, kräftiges Rindfleisch mit Reis,
und kühlende Semmelmilch labt die müden Arbeiter. Am Nachmittag zieht
man zur Vollendung des Werkes hinaus, das zur Vesperzeit durch eine im
Freien aus Krügen verzehrte „Biermerthe“ unterbrochen wird. Zuletzt
wird das gemähte Getreide in Garben gebunden und gepuppt, worauf man
heim zum Abendbrode eilt und endlich von des Tages Last und Hitze
ausruht. -- Soll nun das geerntete Getreide eingefahren werden, so ist
man abermals früh auf. Bis zum 2. Frühstück werden die Getreidepuppen
aus einander genommen und die Garben auf das Feld geschlichtet. Nun
erscheint der Erntewagen, auf dem der „Wiesbaum,“ die Garbengabel,
Stricke und Seile liegen. Die Garben werden mittelst der Gabel auf den
Wagen gereicht und der obenstehende Knecht schichtet sie regelrecht bis
hoch über die Leiterbäume zu beiden Seiten. Langherüber wird hierauf
der Wiesbaum über das volle Fuder gelegt und befestigt. „Schwer herein
schwankt der Wagen kornbeladen.“
693. Ist die Getreideernte beendigt, weht der Wind über die Stoppeln,
so giebt der Hausherr seinen Leuten gewöhnlich am nächsten Sonntag
oder auch am Abend des letzten Erntetages ein kleines Fest, welches
+Stoppelhahn+ genannt wird. Die Hausfrau muß für Kuchen und Hefenklöse,
aus dem neuen Waizen gebacken, sorgen, der „Kuhprinz“ muß ein Fäßchen
Bier und eine ansehnliche Flasche „Branntewei“ aus der nächsten Stadt
holen, die Räucherkammer liefert geräuchertes Fleisch und Küche und
Keller das übrige. Ist die Mittagszeit herangerückt, so wird ein
schneeweißes Tuch über den großen Eßtisch gebreitet, das bessere
Geschirr aufgesetzt und alsbald erscheinen nun Knechte und Mägde, sowie
die bei der Ernte thätig gewesenen Tagelöhner und Gehilfen. Steht
endlich die dampfende Schüssel mit „Schwarzfleesch“ und „Artöppel
Klies“ auf dem Tisch, so tritt auch der Bauer mit Frau und Kindern an
die gerüstete Tafel. Ein längeres Tischgebet, von dem gewöhnlich jeder
der Anwesenden ein Stück aufsagt, wird gesprochen und man setzt sich
nun vor die lockenden Gerichte. Es wird tüchtig eingehauen und dabei
dem umher gereichten Gläschen mit einem feurigen „Pfeffermünz“ oder
Kümmel tapfer Bescheid gethan. Nachdem das Schlußgebet gesprochen,
folgt Kaffee mit Kartoffel-, Zimmt-, Pflaumen-, und anderen Kuchen. Da
öffnet sich die Thüre und die bestellten Musikanten, mit Ziehharmonika
und Flöte, Geige und Klarinette treten herein. Schnell werden Stühle
und Bänke auf die Seite geschafft, der Tisch in die Ecke geschoben und
der Tanz beginnt. Der Hausvater in Hemdärmeln und die Hausmutter mit
blendendweißer Schürze eröffnen den Reigen, ihnen folgen die Knechte
und Mägde, die Tagelöhner mit ihren Frauen, die Kühjungen mit den
Töchtern des Hauses und bald ist Alles voll Lust und Leben. Die Knechte
stampfen auf den Boden, schnalzen mit der Zunge, jauchzen und schreien.
Dazu kreist die Schnapsflasche und das Bierglas, auch an consistenterer
Nahrung fehlt es nicht. Jeder vergnügt sich nach seinem Geschmack bis
der „Kehraus“ gespielt wird. Mit Händedruck und Dank verabschiedet sich
jedes von dem Gastgeber, wobei die Tagelöhner gewöhnlich noch mit einem
Viertels- oder halben Kuchen für ihre Kinder daheim beschenkt werden.
694. Haben alle Güter einer Gemeinde geerntet, so folgt am nächsten
Sonntage das +Erntefest+. Kirche und Haus werden mit Kränzen von Aehren
und Blumen geschmückt. Wer nur irgend abkommen kann, geht in das
Gotteshaus, wo die Erntepredigt gewöhnlich Nachmittags 1 Uhr gehalten
wird. Im Hause fehlt es nicht an leiblichen Genüssen und am Abend wird
die Schenke besucht, um bei Tanz und Spiel sich zu erfreuen und zu
vergnügen.
695. Laut tönen nun wieder die Schläge des Dreschflegels aus allen
Scheunen durch das Dorf. Man kommt an die letzten Garben und endlich
wird auch das sogenannte „Gebrecht“, das Getreide, welches nach
der Ernte auf der Stoppel zusammengerecht worden ist, gedroschen.
Auf einmal schweigt in jener Scheune der Drescherschlag und lautes
Gelächter schallt herüber. „Du hast den +Panzelhahn+ geschlagen“ ruft
Einer, „Schnaps her, Schnaps her“ der Andere. Der Schnaps wird durch
den jüngsten Drescher geholt und nach der anstrengenden Arbeit folgt
ein fröhliches Gelag. Der Drescher, der den letzten Schlag gethan, muß
den Branntwein bezahlen, dem der Hausherr mitunter einen kleinen Imbiß
(die „Flegelmoolzet,“ d. i. Flegelmahlzeit) hinzufügt. Das ist der
sogenannte Panzelhahn.
§ 88. ~d.~ Die +Kirmeß+. 696. Kahl stehen die Bäume, öde die Felder,
der Herbst ist eingezogen und mischt sich bereits mit den Anfängen
des Winters. Da naht das Hauptfest des Landmanns, die Kirmeß. Es
setzt schon lange voraus, Herzen und Hände in Bewegung. Alle wollen
am Feste geschmückt erscheinen. Die Kinder erbitten von den Eltern,
dort ein neues Paar Hosen, hier eine neue Jacke. Auch die jungen
Leute machen bei dem Dorfschneider ihre Bestellungen, der kaum allen
Aufträgen genügen kann und die Botenfrau muß den jungen Mädchen bunte,
seidene Bänder und andere Schmucksachen häufiger als sonst aus der
Stadt mitbringen. Auch die Hausfrau hat ihre Pläne für das nahende
Fest. Lange vorher hat sie den Rahm gesammelt, um genug Butter zum
Kuchenbacken zu haben und bereitet nun Käse, läßt Rosinen, Mandeln,
Zucker, Hefen u. s. w. holen, auf daß nichts fehle. Die Kuchen sind
bereit und wandern zum Bäcker, um nach einigen Stunden, fertig und
noch rauchend, unter dem Jubel der Kinder ihren Einzug wieder in das
Haus zu halten. -- Aber noch andere Opfer sind nöthig. Ein Schwein
soll geschlachtet („Sauleed“ oder „Krumbeh“ gehalten) werden. Der
Fleischer ist bestellt, der Schlachtzettel besorgt, Gewürz, Wasser
und Brennmaterial schon am Abend vorher herbeigeschafft. Der späte
Herbsttag bricht an, schon knistert das Feuer unter dem Wurstkessel:
da klingelt die Thüre und herein tritt der Fleischer, Brust und
Beine bedeckt die weiße, frisch gemangelte Schürze. Der breite
Ledergürtel unter derselben ist mit Perlen oder Silberplättchen
verziert, und an der Seite hängt ein Köcher mit Messer, Gabel und
Wetzstahl. Er verrichtet sein Werk und bald ruht das todte Schwein
in dem bereitstehenden Troge. Mit Hilfe des heißen Wassers und des
Schabeisens sind die Borsten entfernt, das Schwein wird getheilt und
Stücken Fleisch in den brodelnden Kessel geworfen. Endlich ertönt
der Ruf: „das Wurstfleisch ist fertig“ und Alles eilt herbei, um an
dem leckern Genuß sich zu laben. Nun folgt das Bereiten und Kochen
der Würste, das Einsalzen des aufzuhebenden Fleisches, ein tüchtiges
Bratstück ist zur Kirmeß ausgesucht und der Abend schließt mit dem
Verzehren der Wurstsuppe und frischer Wurst, als eine Art Vorfeier des
immer näher rückenden Festes. Nun wird auch das ganze Haus gerüstet,
überall wäscht und kehrt, scheuert und putzt man. Der Kirmeßsonntag ist
da. Beim Aufgang der Sonne weckt das Blasen eines Chorals vom Thurme
durch die Dorfmusikanten die schlummernden Bewohner. Bald sind alle
in der Wohnstube beim Kaffeetisch versammelt. „Die gute Kaffeekanne“
dampft in der Mitte der Tassen und daneben locken Teller mit Thürmen
von Kuchenstücken. Man thut dem ersehnten Gebäck die möglichste Ehre
und Teller und Kanne sind schnell geleert. Der heutige Gottesdienst
wird nur spärlich besucht, denn erst am morgenden Tage, am Montag, ist
der eigentliche Kirchweihtag. Ist er endlich angebrochen und rufen
die Glocken zur Kirche, so eilen die festlich geschmückten Landleute
in einzelnen Trupps von allen Seiten nach der lieben Ortskirche,
deren Weihtag ja heute gefeiert wird. Heute darf die Kirchenmusik
nicht fehlen. Wieder ertönt Glockenklang und heraus strömt die Menge.
Jeder seiner Wohnung zu. -- Welche Freude giebt es bei der Heimkunft.
Der Vetter, aus der benachbarten Stadt, die Frau Gevatterin aus
einem entfernten Dorfe und andere geladene Gäste sind eingetroffen.
Endlich ist der Tisch gedeckt. Auf dem Tischtuch von selbst erbautem
Flachs prangen Schweine- und Hühnerbraten, daneben die beliebten
Kartoffelklöse und Sauerkraut, weißes Brod und Bier, vielleicht auch
eine Flasche Wein. Alles setzt sich. Auch der zitternde Großvater
im silberweißen Haar rückt seinen alterthümlichen Lehnstuhl heran
und von seinem wirthlichen Sohne gebeten, nimmt er das Sammtkäppchen
von dem ehrwürdigen Haupte in die gefalteten Hände und spricht das
Tischgebet. Jeder läßt sich die guten Gerichte wohlschmecken, deren
Schluß mächtige „Kuchenteller“ bilden. Nach Tische machen die Männer
einen Gang ins Freie, die Kinder haben ebenfalls draußen „ihre Lust“,
wo auf Wegen und Stegen ein fröhliches Leben herrscht. Nur die Frauen
bleiben sitzen und erzählen sich bei Kuchen und Kaffee die neusten
Geschichten. Die rückkehrenden Männer gesellen sich auch zu ihnen und
unter Gespräch und Genuß, vergeht die erste Hälfte des Nachmittags.
Später geht man wohl in die Schenke, wo der Tanz der jüngeren Leute
bereits um 3 Uhr begonnen hat. Dort setzt man sich zum Glase Bier, man
spielt einen Skat oder schaut der unermüdlichen Jugend zu. Um 7 Uhr
geht man zum Abendessen nach Hause, das von der Hausmutter festlich
zugerüstet ist. Alt und Jung nimmt Platz, die Teller werden gefüllt und
bald ist Alles in reger Arbeit. Ist die Rosinensuppe gegessen, folgt
Schweinefleisch mit Zwiebelbrühe, dann Karpfen mit Krautsalat, zuletzt
wieder Kuchen. An Bier, Branntwein, selbst an Wein ist kein Mangel.
Nach aufgehobener Tafel bleibt man noch eine Weile beisammen sitzen
oder man wandert wieder zur Schenke, wo nun auch die Verheirateten am
Tanz sich betheiligen, bald einen Walzer, bald einen Rutscher, einen
Dreher u. s. w. verlangend. Spät wird die Kirmeßlust beschlossen und
mit Kuchenpaketen beladen ziehen die Gäste dankend heim. -- Dienstag
bildet noch eine Art Nachfeier, bis endlich an der Mittwoch Haus und
Arbeit allmälig wieder in das ruhigere Gleiß einlenken. -- Am nächsten
Sonntag verhallen in der „Klein-Kirmeß“ die letzten Klänge und Freuden
des Festes: nur die Erinnerung tröstet noch und die Hoffnung, „daß
nächstes Jahr wieder Kirmeß ist“. Vgl. auch 879-886.
697. An manchen Orten (Dittersdorf) halten die Musikanten am
Kirmeßnachmittag einen Umzug, wobei sie mit Kuchen beschenkt werden.
Einer von ihnen ist als sogenanntes +Kirmeßweib+ verkleidet. Ein
Strohhut mit rothen, flatternden Bändern, berußtes Gesicht und dicht
gedrehte Werglocken, auf dem Rücken einen Tragkorb zur Bergung des
empfangenen Kuchens, in der rechten Hand ein langer Stab, in der linken
eine brennende Laterne bilden, nebst buntscheckiger Weibertracht sein
Kostüm. Von den übrigen Musikern begleitet geht der Zug bei dem Schall
der Instrumente, und unter mancherlei Scherz und Schabernack, gefolgt
von der Dorfjugend, von Gehöfte zu Gehöfte, und lenkt endlich wieder in
die Schenke ein, wo man sich an der erblasenen Sammlung ein Gütliches
thut.[2]
§ 89. Ehe wir von dem gebirgischen Landmann sammt seinem Thun und
Treiben scheiden, müssen wir noch der sogenannten +Bauerregeln+
gedenken, da diese auf sein Leben, namentlich auf die Anordnung seiner
wirthschaftlichen Arbeiten, nicht ohne Einfluß sind. Wir stellen hier
die zusammen, die auf einer gewissen Naturbeobachtung beruhen, da wir
diejenigen, welche ein abergläubisches Gepräge an sich tragen, bereits
im ersten Abschnitt erledigt haben. Dabei beschränken wir uns auf die,
welche aus dem Munde der gegenwärtigen Bevölkerung gesammelt sind, also
mehr oder weniger noch jetzt gläubige Anhänger und gehorsame Befolger
haben. Der Naturwissenschaft aber überlassen wir es den wirklichen
Gehalt derselben zu prüfen. Vgl.: +Böbel+, Haus- und Feldweisheit des
Landwirths, Berlin 1854.
§ 90. ~A.~ +Nach der Zeit geordnet.+ ~a.~ +Die Monate des Jahres.
Januar.+ 698. Sind im Jenner die Flüsse klein, giebt’s vielen und
guten Wein (Marienberg). -- 699. Januar warm, daß Gott erbarm (allg.).
-- 700. Ein schöner Januar bringt ein gutes Jahr (Annaberg). -- 701.
Wie der Januar, so der Juli (Grünstädtel). -- 702. Wenn Gras wächst
im Januar, wächst es schlecht im ganzen Jahr (Grünstädtel). -- 703.
Giebt’s im Januar viel Regen, bringt’s den Früchten keinen Segen
(Grünstädtel). -- 704. Tanzen im Januar die Mucken [Mücken], muß der
Bauer nach dem Futter gucken (Marienberg). -- 705. Wenn der Januar
gelind ist, so folgt ein rauher Frühling und ein heißer Sommer (Geier).
+Februar+ mit +Lichtmeß+, +Fastnacht+ etc. 706. Wie der Februar, so
der August (Grünstädtel). -- 707. Spielen die Mücken im Februar,
friert Schaf und Bien’ durch’s ganze Jahr (Lößnitz). -- 708. Wenn
im Hornung die Mücken schwärmen, muß man im März den Ofen wärmen
(Annaberg). -- 709. Wenn im Februar die Lerchen singen, wird’s uns
Frost und Kälte bringen (Zwönitz). -- 710. Wenn’s der Hornung gnädig
macht, bringen März und April den Frost bei Nacht (Grünstädtel). --
711. Die weiße Gans [Schnee] im Februar, brütet Segen für’s ganze Jahr
(Lößnitz). -- 712. Rollt im Februar der Donner, rollt’s noch mehr im
ganzen Sommer (Aue). -- 713. Donnert es über den kahlen Busch, so
kommen viel Gewitter (Marienberg). -- 714. Dunkle +Lichtmessen+ [2.
Februar] bringt reichlich Essen; Lichtmeß helle, bringt Mangel zur
Stelle (Grünstädtel). -- 715. Wenn an Lichtmeß die Sonne scheint,
dauert der Winter noch lang (allg.). -- 716. Wenn es zu Lichtmeß trüb
ist, so kann der Schäfer vier Wochen eher austreiben, scheint aber
die Sonne, so muß er vier Wochen länger zu Hause bleiben (Raschau).
-- 717. Der Schäfer sieht Lichtmeß lieber den Wolf im Stall, als
den Sonnenschein (Zöblitz). -- 718. Sonnt sich der Dachs in der
Lichtmeßwoch, geht er vier Wochen wieder zu Loch (Grünstädtel). --
719. Lichtmeß im Klee, Ostern im Schnee (Raschau). -- 720. Wenn es zu
+Alphonsus+ oder +Desiderius+ [11. Febr.] regnet, hören die Fröste
auf (Ehrenfriedersdorf). -- 721. +Petri Stuhlfeier+ [22. Febr.] kalt,
die Kälte noch anhalt (Geier). -- 722. Matthis [Matthäus, 24. Febr.]
bricht’s Eis; find’ er keins, so macht er eins (Stollberg). -- 723.
Trockne +Fasten+, gutes Jahr (Grünstädtel). -- 724. Wenn zu Fastnacht
die Sonne Vormittags scheint, so säe man den Flachs zeitig, scheint sie
aber Nachmittags, später (Marienberg), vgl. 85.
+März und Frühling.+ 725. Märzschnee thut der Saat weh (Marienberg).
-- 726. Hält der März den Pflug beim Sterz [d. h. kann man im
März pflügen], hält April ihn wieder still (Grünstädtel). -- 727.
Märzenstaub bringt Gras und Laub (Raschau). -- 728. Märzenlaub wird
gern vom Frost verzehrt (Lauter). -- 729. März nicht zu trocken, nicht
zu naß, füllt dem Bauer Kisten und Faß (Annaberg). -- 730. Wenn im März
der Schnee zerfließt, kommt viel Hagelwetter im Sommer (Raschau). --
731. Wer im +Frühling+ den Pflug trocken hinausführt, bringt ihn im
Herbst wieder naß herein (Sehma). -- 732. Jeder Märznebel kommt nach
hundert Tagen als Regen wieder (allg.).
§ 91. +April und Ostern.+ 733. April kalt und naß, füllt Scheuer und
Faß (allg.). -- 734. Regnet’s warm im April, so erntet der Bauer in
Füll’ (Marienberg). -- 735. Sei der April noch so gut, er schickt dem
Schäfer den Schnee auf den Hut (Annaberg). -- 736. St. +Georg+ und St.
+Markus+ [24. 25. April] drohen oft viel Arges (Lößnitz). -- 737. Wenn
es +Charfreitag+ regnet, wird ein trockner Sommer (Raschau). -- 738.
Charfreitag- und +Osterregen+ bringen schlechte Erntesegen (Annaberg).
-- 739. Regnet’s in die Ostern hinein, wird zu Wasser auch der Wein
(Marienberg), vgl. 109 u. 128.
+Mai und Pfingsten.+ 740. Donner im Mai, Sturm in’s Heu (Grünstädtel).
-- 741. Abenthau und Kühl’ im Mai bringt viel Wein und Heu (Annaberg,
Lößnitz). -- 742. Mai kühl, Juni naß, füllt Scheuer und Faß
(Marienberg). -- 743. Nach +Pankraz+ und +Servaz+ [12. u. 13. Mai]
schaden die Nachtfröste den Früchten nicht mehr (Raschau). -- 744.
Ist es schön auf +Petronell+ [31. Mai], meßt den Flachs ihr mit der
Ell’ (Marienberg). -- 745. +Pfingstregen+ bringt reichen Erntesegen
(Lößnitz). Vgl. auch 144.
+Juni, Sommer+ etc. 746. Wer nicht geht mit Sichel und Rechen auf’s
Feld, wenn Bienen und Bremsen stechen, der muß gehen mit dem Strohseil
und fragen, wer hat Heu feil (Marienberg). -- 747. Brachmonat naß,
leert Scheuer und Faß (Marienberg). -- 748. Wenn kalt und naß der Juni
war, verdirbt er meist das ganze Jahr (Annaberg). -- 749. Durch den
Juniwind aus Norden ist noch nichts verdorben worden (Marienberg).
-- 750. Das Kraut ist vor +Johanni+ [24. Juni] zu stecken (Frohnau),
vgl. 151 u. 152. -- 751. Der Brachmonat muß die Weiberlaunen haben
(Marienberg). -- 752. Wenn es am +Siebenschläfer+ [27. Juni] regnet, so
regnet es sieben Wochen lang (allg.), vgl. 156.
§ 92. +Juli, Hundstage+ etc. 753. Wind im Juli vom Niedergang [Westen]
ist des Regens Anfang (Lößnitz). -- 754. Viel Fliegen, viel Korn
(Marienberg). -- 755. Wenn es zum +Medardus+ [8. Juli] regnet, regnet
es 30 Tage lang (Marienberg). -- 756. +Hundstage+ [vom 24. Juli bis
24. Aug.] hell und klar, zeugen ein gutes Jahr (allg.). -- 757. Treten
die Hundstage gut ein, so wird vier Wochen gutes, treten sie schlecht
ein, vier Wochen schlechtes Wetter (Geier). -- 758. Wenn die Hundstage
gut eintreten, treten sie schlecht aus (Geier). -- 759. +Jakobi+ [25.
Juli] darf’s nicht regnen; regnet es, so regnet es den Weibern in den
Backtrog (Markneukirchen). -- 760. Zu Jakobi werden die neuen Erdäpfel
probirt (Lauter), vgl. Aug. -- 761. +St. Paulus+ (29. Juli) klar, ein
gutes Jahr (Marienberg).
+August.+ 762. Was im August nicht bäckt, wird im September nicht
braten (Marienberg). -- 763. Giebt’s im August Sonnenschein, so wird
die Ernte besser sein (Mildenau). -- 764. Die Nächte kühl, die Tage
schwühl, dann wird der Ernte viel (Marienberg). -- 765. +Laurentius+
[10 Aug.] werden zum erstenmal Kartoffeln geschüttelt, d. i. probirt
(Markneukirchen). -- 766. Um St. Laurenti Sonnenschein, bedeutet ein
gut Jahr von Wein (Lößnitz). -- 767. +Himmelfahrt Mariä+ [15. Aug.]
hell und rein, bringt guten Wein (Grünstädtel). -- 768. +Bartholomä+
[24. Aug.] Bauer sä. Oder genauer: Bartholomä Korn sä, Grummt mäh
(Markneukirchen). -- 769. Wenn zu Bartholomä der Himmel voller Wolken
ist, bekommen wir viel Schnee (Raschau). -- 770. Bartholomä werden
die Kartoffeln geschüttelt (Annaberg). -- 771. Bartholomä sch.... der
Teufel die schwarzen [Heidel-] Beere (Annaberg).
+September+ und +Herbst+. 772. Septemberregen ist der Saat gelegen
(Annaberg). -- 773. Wenn die Blätter im Herbste spät abfallen, so
deutet dies auf einen harten Winter (Lößnitz). -- 774. Sitzt das Laub
lange an den Bäumen, wird der Winter auch nicht säumen (Annaberg). --
775. +Egide+ [1. Sept.] Sonnenschein, tritt ein schöner Herbst ein
(Raschau). -- 776. Auf +Mariä Geburt+ [8. Sept.] zieht die Schwalbe
fort (Annaberg). -- 777. Wenn der +Michaelistag+ [29. Sept.] in den
zunehmenden Mond fällt, so wächst im nächsten Jahre viel Futter
(Raschau), vgl. 157.
§ 93. +Oktober.+ 778. Viele Nebel im Oktober geben viel Schnee im
Winter (Marienberg). -- 779. Wie die Witterung im Oktober ist, wird sie
auch im März sein (Lößnitz). -- 780. Im Oktober sind die Pferde pober
(Zschopau). -- 781. Zu +St. Gall+ (16. Okt.) bleibt die Kuh im Stall
(Voigtsdorf). -- 782. St. Gallen läßt den Schnee fallen (Annaberg). --
783. +Urschel+ [Ursula; 21. Okt.] fei, hackt’s Kraut rei (Frohnau). --
784. +Simon+ und +Judith+ [28. Okt.] bringen den Winter mit (Annaberg).
+November.+ 785. Geht die Gans zu +Martini+ [11. Nov.] auf dem Eise,
so geht sie zu Weihnachten auf dem Dreck (allg.) -- 786. Geht die Gans
zu Martini auf Dreck, so geht sie zu Weihnachten auf Eis (Lößnitz). --
787. Heut ist der Märts [Martini], nun kommt er [der Winter] gepärzt
[schnell gerannt] (Annaberg). -- 788. +Andreas+schnee [30. Nov.] treibt
die Preise in die Höh’ (Marienberg).
+December, Winter, Weihnachten+: 789. Kommt die Feldmaus in’s Haus, ist
der gelinde Winter aus (Marienberg). -- 790. Große Windwehen, große
Heuschober (Raschau). -- 96. Neuer Schnee, neue Kälte (allg.). -- 791.
Grün +Weihnacht’+, weiß Ostern; weiß Weihnacht’, grün Ostern (allg.)
-- 792. Wenn es zu Weihnachten sieht wie Klee, hängen die Palmen [die
Bäume am Palmsonntage] voller Schnee (Raschau). -- 793. Wenn es in der
Christnacht schneit, geräth der Hopfen (Lößnitz), vgl. 20-24.
§ 94. ~b.~ +Andere Zeitbestimmungen. Der Quatember+: 794. Wie das
Wetter am Quatember ist, so bleibt es in dem folgenden Vierteljahre
(allg.). -- 795. Wenn es zum Quatember regnet, so regnet es noch
hundert Stunden, dann wird schönes Wetter (Ehrenfriedersdorf).
-- 796. Wo die Luft in der hundertsten Stunde nach dem Quatember
herkommt, kommt sie das ganze Jahr her (Ehrenfriedersdorf). +Bestimmte
Wochentage+: 797. Wenn es am 1. Sonntag im Neumond regnet, regnet es
alle vier Sonntage (Raschau), vgl. § 18. -- 798. Was der Sonntag will,
bringt der Freitag (Marienberg), oder: wie der Freitag, so der Sonntag
(Schneeberg).
+Tageszeiten+: 799. Morgenroth bringt Wind oder Koth (allg.). Dagegen:
Abendrieth [Abendröthe] bringt schi [schönes] Wätter mit, oder:
Abendroth ist ä guter Wetterbot (allg.). -- 800. Wenn es in der
Mittagsstunde zu regnen oder zu donnern anfängt, regnet es an dem Tage
fort (Sosa).
§ 95. ~B.~ +Erscheinungen an Naturdingen.+ ~a.~ +Wolken, Regen,
Thau+ etc.: 801. Spitze +Wolken+ verkünden Regen. -- 802. Wenn die
+Sonne+ Wasser zieht, kommt am folgenden Tage Regen (Raschau). -- 803.
Scheint die Sonne auf ’n nassen Busch, kommt bald ein anderer Husch
[Regenschauer] (Schneeberg). -- 804. Wenn ein +Regenbogen+ entsteht,
regnet es den anderen Tag wieder (Schwarzenberg). -- 805. Wenn es,
während ein Regenbogen am Himmel steht, regnet, so regnet es noch drei
Tage hintereinander (Raschau). -- 806. Kleiner +Regen+ mag großen Wind
legen (Annaberg). -- 807. Ist der Regen wie Staub so fein, soll der
Bote guten Wetters sein (Annaberg). -- 808. Wenn es regnet und die
einzelnen Tropfen bleiben an den Fensterscheiben hängen, so regnet es
eine Zeitlang fort (Ehrenfriedersdorf). -- 809. Wenn die Regentropfen,
die in einen Teich oder überhaupt in stehendes Wasser fallen, Blasen
bilden, so regnet es eine Zeitlang fort (Raschau). -- 810. Der Regen,
der bei Sonnenschein fällt, wird Mühlthau [Mehlthau] genannt und ist
giftig; er schadet den Blüthen (Zschopau). -- 811. Hat es über Nacht
stark +gethaut+, so wird schönes Wetter (allg.).
§ 96. ~b.~ +Thiere+ und +Pflanzen+: 812. Wenn sich der +Hund+ auf dem
Rücken herumwälzt, so folgt schlechtes Wetter (Raschau, Geiersdorf),
vgl. § 21 ~a.~ -- 813. Wenn der Hund oder die +Katze+ Gras frißt,
wird schlechtes Wetter (allg.). -- 814. Wenn die Katze an den Stühlen
kratzt, wird anderes Wetter (Raschau), vgl. § 21 ~d~. -- 815. Wenn
die +Kühe+ im Herbste viel in die Höhe schnaufen, so schneit es
bald (Sosa). -- 816. Wenn die +Gänse+ sich früh baden, wird schönes
Wetter, baden sie sich Nachmittags, schlechtes Wetter (Raschau). --
817. Wenn es regnet und die Gänse halten die Köpfe in die Höh’, so
hört es bald wieder auf (Sosa). -- 818. Wenn die +Hühner+ hoch, d.
i. auf Bäume oder Dächer fliegen, wird schlechtes Wetter (Raschau),
vgl. § 22 ~h~. -- 819. Wenn es regnet und die Hühner treten unter, so
regnet es fort, bleiben sie aber im Freien, so hört es bald wieder auf
(Sosa). -- 820. Wenn der +Hahn+ auf den Gartenzaun fliegt, wird schönes
Wetter (Breitenbrunn). -- 821. Wenn die Hähne oft krähen, wird anderes
Wetter (Raschau). -- 822. Wenn der Hahn früh um 3 Uhr und Nachmittags
kräht, so wird schönes Wetter, kräht er aber Vormittags, schlechtes
(Raschau). -- 823. Wenn sich die +Tauben+ baden, wird schlechtes
Wetter (Zschopau). -- 824. Wenn die +Schwalbe+ hoch fliegt, wird gutes
Wetter, fliegt sie aber niedrig, auf der Erde oder auf dem Wasser
hin, wird schlechtes Wetter (allg.), vgl. § 22 ~i~. -- 825. Wenn die
+Krähen+ über die Stadt oder das Dorf fliegen, wird schlechtes Wetter
(Sosa). -- 826. Wenn sich die +Dohlen+ paaren, ändert sich das Wetter
(Marienberg), vgl. § 22 ~f~. -- 827. Wenn die +Fledermaus+ fliegt, wird
gutes Wetter (Zöblitz). -- 828. Wenn sich die +Sperlinge+ im Staube
baden, wird schlechtes Wetter (Schneeberg). -- 829. Wenn die +Frösche+
naß sind, regnet es nicht, wenn sie aber trocken sind, kommt Regen
(Raschau, Sosa). -- 830. Wenn die +Spinne+ in ihr Netz geht, so wird
schönes Wetter, zieht sie sich aber in ihren Schlupfwinkel zurück,
so wird schlechtes Wetter (allg.), vgl. § 22 ~l~. -- 831. Wenn die
+Mücken+ säulenförmig spielen, wird schlechtes Wetter (Schneeberg).
832. Blüht der +Weißdorn+, so wird es warm, blüht der später blühende
+Schwarzdorn+, so wird es kalt (Zschopau). -- 833. Viel +Kratzbeeren+
[Brombeeren], harter Winter (Lengefeld). -- 834. Wenn das +Haidekraut+
viel blüht, wird ein strenger Winter (Marienberg). -- 835. Der +Rettig+
früh Gift, Abends Arzenei (Raschau). Vgl. auch § 23.
[2] Diese § 82-88 enthaltene, genaue und bis in das Einzelne gehende
Auseinandersetzung über Kleidung, Wohnung, Kost etc. des
Landmannes im Obergebirge wählten wir, um, abgesehen von
der kulturhistorischen Bedeutung gerade dieses Standes, dem
+Fernstehenden+ ein wahres und vollständiges Bild von dem
„gebirgischen Bauer“ zu geben. Da derselbe bezüglich seines
Lebens und seiner Einrichtungen in Wort und Schrift (so selbst in
dem sonst trefflichen Buche von +Sigismund+, s. bei § 70) noch
immer entschieden zu ungünstig beurtheilt wird.