§ 43 (304 ff.). Das Gebiet derselben ist das der einfachsten irdischen
(vgl. dagegen 456) Glücksgüter: Wohlsein im Allgemeinen, besonders für
den Hausstand, Geld, Reichthum des Viehstandes und in Garten und Feld,
Glück in Handel und Wandel u. s. w.
445. +Wohlsein im Allgemeinen+ schafft das Waschen mit Osterwasser
(90), das Anziehen frischer Wäsche am heiligen Abend, Neujahr und
Fastnacht (11 u. 71), das Genießen bestimmter Speisen zu Weihnacht,
Fastnacht und Ostern (14, 72 ff., 98 u. 99), das Essen von Ostereiern
(110), das Verschlucken der Blüthe von den ersten drei Kornähren,
die man im Sommer sieht (338) u. dergl. Vgl. überhaupt 398. -- 446.
+Beförderung des Hausstandes+ überhaupt wird erreicht dadurch, daß man
zu Weihnacht reichlich kocht, an jedem der drei heiligen Abende ein
frisches Brod anschneidet, von den verschiedenen Gerichten mindestens
je drei Löffel voll ißt und den Ofentopf immer gefüllt erhält (39,
43, 45 u. 54), sowie daß man zu Fastnacht das ganze Haus reinigt
und säubert (68). In Bezug auf Glück an den Kindern vgl. 479, 482,
484, 487 u. 496, und in der Ehe: 504, 505, 508, 510, 521 u. 522. Das
Regiment im Hause kann man durch mancherlei Mittel erlangen vgl. 514,
518 u. 527. -- 447. Gefüllte Küche erlangt man dadurch, daß man zu
Weihnachten kein Gericht ganz aufißt (49), weiße Wäsche, wenn Fastnacht
gewaschen wird (70). -- * 448. „Schneide das Brod gleich, dann wirst du
reich“ (allg.). Anderwärts (Ehrenfriedersdorf) wird noch hinzugefügt:
„Schneidet ihr’s aber der Quer, so geht euch Alles der Quer“, vgl. 397.
449. Wenn man, während man eine Sternschnuppe (vgl. 188) fallen sieht,
einen Wunsch thut, so geht er in Erfüllung (Marienberg). Vgl. 182. --
450. Wenn man seine +Wohnung+ wechselt (vgl. 181), soll man zuerst in
die neue Wohnung Brod, Butter und Holz tragen, so wird es einem nie
daran fehlen (allg.). Andere geben specieller folgende Gegenstände
an: Salz, Brod, Butter, Fleisch, einen neuen Besen, einen Hader, eine
Scheuerbürste und ein Waschfaß (Marienberg). Vgl. 522.
451. +Langes Leben+ verschafft man sich durch viel Suppe essen,
überhaupt durch langes Essen, namentlich zu Weihnachten (44, 46 u. 242).
452. +Wachsthum+: Wenn ein Schwein (§ 21 ~e~) geschlachtet wird, so muß
der Kleinste aus der Familie den Schwanz essen, dann wächst er im Jahre
soviel, als der Schwanz lang ist (Schwarzbach). -- 453. Wer wachsen
will, gehe baarhaupt im Regen (Zwickau), vgl. 332. -- 454. Wer +stark+
werden will, trinke viel Bier, insbesondere zu Weihnacht (48).
455. Wenn man +früh aufstehen+ will, so stoße man vor dem Einschlafen
so viel mal mit der großen Zehe des rechten Fußes an das Bettende, als
die Uhr beim Erwachen zeigen soll (allg.). Will man eine halbe Stunde
andeuten, so macht man einen Strich mit der Zehe (Zwickau). Andere
(Sosa) rathen, dreimal drei auf die angegebene Weise zu pochen. Vgl.
auch 35 u. 93.
456. Ein auch +geistiger+ Segen ist angedeutet in dem Rath, sich mit
Taufwasser zu waschen, wodurch man Gott näher komme (344).
457. Für +Geld+vorrath sorgt man, wenn man beim ersten Kukuksruf an den
Beutel greift (211). Vgl. 33, 53, 287 u. 510.
458. Der Glaube an verborgene +Schätze+, die man durch Zauberei heben
könne, ist im Gebirge nicht selten, und bis auf die neueste Zeit ist
derselbe von schlauen Betrügern vielfach ausgebeutet worden. Wir
erinnern nur an die Gerichtsverhandlungen vor dem Bezirksgericht zu
Annaberg gegen die Somnambule Friederike Lahl aus Königswalde im
Februar 1860. -- 459. Hierher gehört auch der Aberglaube mit der
+Wünschelruthe+ (vgl. § 23 ~o~). Bei deren Erwähnung berichtet +Wuttke+
selbst § 312 folgenden Fall, der wenigstens mittelbar in Bezug auf das
Erzgebirge steht: „Ein Rittergutsbesitzer aus der Umgegend von Leipzig
kam hier (Schwarzwasserthal bei Schwarzenberg) vor einigen Tagen (im
Sommer 1859) an, um einen im Rufe des Schätzehebens und des Besitzes
einer Wünschelruthe stehenden Bergmann zu holen, der die vermeintlich
auf jenem Gute von den Franzosen 1813 vergrabene Kriegskasse mittelst
seiner Wünschelruthe aufsuchen soll; der Bergmann wurde angeworben und
erhält außer dem Reisegeld drei Thaler für den Tag und das Versprechen
einer angemessenen Belohnung bei dem Gelingen seiner Kunstübung.“
460. Wenn ein Regenbogen am Himmel steht, so gehe man ohne Ausruhen
nach dem Orte, wo er aufzutreffen scheint, dort liegt ein Schatz
(Sosa), vgl. 119.
461. Die Vorstellung, sich durch Hilfe des Teufels Geld und Reichthum
verschaffen zu können, liegt dem Glauben an den Drachen (365) und an
den Getreideschneider zu Grunde (155).
462. Reichen Ertrag an +Butter+ und +Milch+ empfängt man, wenn man die
Kühe Weihnacht und Fastnacht mit besonderem Futter füttert (16 u. 76)
oder in der Fastnacht buttert (136). -- † 463. Wenn eine +Kuh+ gekalbt
hat, so gebe man ihr Butterbrod, mit Kreide und Safran bestrichen
(Raschau), oder süße Mandeln (Sosa), dann giebt sie gute Milch. Den
+Ziegen+ gebe man zu demselben Zweck Rosinen und Mandeln (Raschau). --
464. Das +Vieh+ überhaupt erhält man durch die erwähnten Fütterungen
an Weihnacht und Fastnacht stark und kräftig, ferner durch Austreiben
an bestimmten Tagen (3), sowie durch Befolgung der bei Walpurgis
und bei dem erstmaligen Austreiben (130 ff. u. 137 ff.) angegebenen
Vorsichtsmaßregeln. Bezüglich der +Kälber+ ist 180, bezüglich der
+Hühner+ 79 zu vergleichen. Ueberhaupt vgl. § 40 und 41 und was
daselbst in Hinsicht auf Hausthiere gesagt ist, denn, wenn dem Schaden
vorgebeugt wird, so befördert man den Nutzen.
465. Die +Obstbäume+ tragen reichlich, wenn man sie zu Weihnachten
mit Strohbändern oder Tüchern umwindet (19), oder zu Fastnacht mit
Strohkränzen behängt (81). Vgl. auch 330.
466. Die +Fruchtbarkeit+ des +Feldes+ wird erhöht, wenn man zu
Ostern vor Sonnenaufgang Asche darauf fährt (97), namentlich gedeiht
Klee, wenn es am Charfreitag (127) oder am letzten Freitag im Monde
Vormittags geschieht; thut man es Nachmittags, so wachsen viel
Wicken (178). -- * 467. Wenn man das zum Säen bestimmte Getreide
mißt, so messe man gehauft, man bekommt es in der Ernte reichlich
wieder (Raschau, Geier). Vgl. auch 86: Aschermittwoch. -- 468. Das
+Säen+ ist erfolgreicher Vormittags, als Nachmittags, ebenso das
Kartoffellegen (1, 2 u. 193). Das Getreide säe und die Rüben stecke man
bei abnehmendem Monde (176), zum Weizensäen wähle man Mittwoch oder
Sonnabend (4), besonders die Zeit vor Sonnenaufgang zu Ostern (107),
zum Kartoffellegen den Gründonnerstag (108). -- 469. Wenn man Erdäpfel
gelegt hat, so setze man sich erst ein wenig an den Rand des Ackers
nieder, damit die Kartoffeln mit ausruhen, dann tragen sie reichlicher
(Raschau, Geier). -- 470. Der +Hafer+ gedeiht, wenn man die Pferde am
Weihnachts-Heiligenabend in die Röhre sehen läßt (17). -- 471. Das
Gedeihen des +Flachses+ hat man namentlich Fastnacht, Walpurgis und
am Johannistage durch mancherlei Maßregeln (83, 84, 135 u. 153) zu
befördern.
472. +Schönes Wetter+ bekommt man, wenn bei Tische Alles rein
aufgegessen wird (237). -- 473. Den Vorsprung vor anderem Fuhrwerk
ermöglicht man durch Deichsel und Gabel von Eschenholz (335). -- 474.
Ein sicherer Schütze wird man durch besonders zubereitetes Schießpulver
(116).