~A.~ Die Bosheits-Zauberei.
§ 39 (171 ff.). Der Zweck dieser Zauberei ist zunächst Anstiften des
Bösen aus Lust am Bösen und sie beruht in ihrem letzten Grunde auf der
Ansicht eines Bündnisses mit dem Teufel.
Auf solchem Bündniß mit dem Satan beruht die vermeintliche Macht der
+Hexen+.
349. Zwar kann man annehmen, daß der Verdacht, eine +bestimmte+ Person
sei eine Hexe, unter dem Volke des Erzgebirges sich nicht mehr finde,
dennoch ist der mit dem Hexenwesen in Zusammenhang stehende Aberglaube
noch ziemlich lebendig, vgl. § 12: Walpurgis.
350. Eine Hexe erkennt man daran, daß sie rothe Haare, rothe,
triefende Augen, und große, buschige Augenbrauen hat, die über der
Nase zusammengewachsen sind. Außerdem hat sie Platt- oder Drudenfüße
(Annaberg). -- 351. Die Hexen können andere Gestalten annehmen und
verwandeln sich namentlich in Katzen, Hasen und Kröten (vgl. § 21 ~c.~
~d.~ u. § 38 ~A s.~). -- 352. Daher hat, wer Katzen ersäuft, kein Glück
(Lengefeld) oder bestimmter, sieben Jahre Unglück (Ehrenfriedersdorf),
vgl. 397. -- 353. Die Hexen laufen in Hasengestalt (vgl. § 21 ~c.~)
unter die weidenden Viehheerden und richten allerlei Unheil an (Saida).
-- 354. Wenn ein Bauer auf seinem Felde eine Kröte sieht, so fügt er
ihr irgend einen Schaden zu, indem er glaubt, daß er einer in der Kröte
steckenden Hexe Schaden zufügt (Raschau). -- * 355. Auch die Maus ist
verdächtig, z. B. wenn man ein trächtiges Stück Vieh mit einer Maus
wirft, so kommt das Junge todt zur Welt (Raschau), vgl. 397.
Die gewöhnlichste und einfachste Weise des Behexens bei Menschen und
Vieh ist das „+Beschreien+.“
356. Das Beschreien geschieht, indem man Jemanden oder etwas wegen
seiner Gesundheit, Schönheit, Kraft oder sonstiger guter Eigenschaften
+lobt+. Dadurch bewirkt man alsbald das Entgegengesetzte des
Ausgesprochenen, Krankheit und dergl. Ja dieses Beschreien gilt und
wirkt selbst dann, wenn gar nicht einmal eine böse Absicht dabei ist,
sondern das Lob aus guter Meinung geschieht. Daher haben die Leute sehr
allgemein, bis weit in die höher gebildeten Stände hinauf, eine solche
Angst vor dem Loben ihrer oder ihrer Angehörigen Gesundheit etc. und
suchen sich dagegen zu schützen, vgl. 368 u. 400.
357. Wenn man Jemanden, der auf die Jagd geht, Glück wünscht, so
trifft er nichts oder es begegnet ihm sonst ein Unglück (allg.). --
358. Um die kleinen Kinder vor dem Beschreien zu schützen, binde
man ihnen ein rothes Bändchen um das Handgelenk (allg.), vgl. 488.
-- 359. Damit die jungen Kühe nicht beschrieen werden, binde man
ihnen ein rothes Bändchen um die Stirn (Schneeberg). Oder: Spricht
man sich über eine Kuh lobend aus und sagt nicht: „Gott behüt’s,“
so ist sie verschrieen und es passirt derselben irgend ein Unheil
(Annaberg), vgl. 426. -- 360. Wenn das Vieh keine Milch giebt, so ist
es beschrieen (Marienberg). -- * 361. Sind die Kühe behext, so hole man
„Gutheinrichwurzel“ und sage während des Ausziehens: „Gut Heinrich, du
bist mein Knecht, mit meiner Kuh ist’s nicht recht; geh’ das Dorf auf
und nieder, bring mir meinen Nutzen wieder“ (Sehma), vgl. 336 u. 441.
-- Andere Schutzmittel gegen Hexen und Hexerei s. § 38 u. § 42.
Die Hexen richten auch sonst, wie und wo sie können, Schaden an. Doch
fehlt es auch anderer Seits nicht an Schutzmitteln dagegen.
* 362. Man vermeide Abends Kreuzwege, denn die Hexen, die dort ihre
Sitzungen halten, führen einen sonst in die Irre. Nimmt man aber die
Mütze ab und macht mit Kreide ein Kreuz (§ 38 ~D b.~) hinein, so haben
sie keine Macht (Annaberg), vgl. 404 u. 440. -- † 363. Wenn Heu gemacht
wird und es erhebt sich ein Wind (+Wuttke+, § 191 u. 301), so daß er
das Heu fortjagt, so schreibt man dies auch den Hexen oder direkt dem
Teufel zu. Die Leute schlagen dann mit ihren Rechen auf das Heu oder
werfen mit Messern in die Luft, um den Teufel zu verjagen (Raschau),
vgl. 444.
Eine besondere Art des Behexens ist das sogenannte +Alpdrücken+:
† 364. Wenn man den Alp zum Kaffee für den andern Morgen einladet, so
geht er fort (Zwickau), vgl. 440 u. § 47. -- Aehnlich bei +Wuttke+,
§ 193, der noch hinzufügt: „er kommt dann, um das Versprochene zu
empfangen, meist in der Gestalt eines Bettlers oder eines Bettelweibes.“
Auf dem Glauben an ein Satansbündniß beruht auch das Gerede von dem
+Drachen+, den manche Leute haben sollen (+Wuttke+, § 179) und der
ihnen Geld und andere Gegenstände zuträgt, die er anders wo geraubt hat.
† 365. Der Teufel fährt bei solchen Leuten von Zeit zu Zeit in Gestalt
eines Drachen zur Feueresse herein. Man muß ihm dann eine Schüssel
Hirsebrei (vgl. § 23 ~q.~) auf den Oberboden setzen. Er verzehrt den
Brei und legt statt dessen Geld in die Schüssel (vgl. 461). Ein solches
Geldstück, welches der Drache gebracht hat, kommt stets wieder, wenn
es ausgegeben worden ist. Thut es dagegen der Empfänger in ein Glas,
das er mit einem Deckel, auf den er einen Kreis mit Kreide beschreibt
und innerhalb desselben die Kreide liegen läßt, verwahrt hat, so muß es
bleiben (Marienberg), vgl. 444 u. § 47.
Ebenfalls Boten des Teufels sind der sogenannte +Getreideschneider+
sammt den übrigen gespenstischen Thieren und Geschöpfen, vgl. 155 u. §
47.
Auf der Ansicht eines Bündnisses mit dem „Bösen“ beruht auch der
schauerlichere Theil der Zauberwahrsagekunst, vgl. § 32.
~B.~ Die Schutz- und Glückszauberei.
§ 40 (197 ff.). Der Zweck dieser Zauberei ist Abwenden von möglichen
oder schon vorhandenen Uebeln und Zuwenden von irdischem Glück.