§ 38 (132 ff.). Zauberdinge sind Gegenstände, mit denen man
übernatürliche Wirkungen hervorzubringen meint. Sie haben diese
Bedeutung meist noch aus dem deutschen Heidenthum, hie und da im Laufe
der Zeit mit christlichen Elementen durchsetzt. Die wenigsten derselben
haben an und für sich eine Zauberkraft, sondern erst unter gewissen
örtlichen und zeitlichen Bedingungen, vgl. § 33. Wir theilen diese
Zauberdinge, ähnlich wie die Schicksalszeichen (vgl. § 19 ff.) in
Natur- und Kunstprodukte, sowie in vom menschlichen Körper oder aus dem
Kreis der kirchlich-religiösen Gegenstände genommene Mittel.
~A.~ Naturerscheinungen und Naturprodukte.
~a.~ Das +Wasser+ am Gründonnerstag, Charfreitag und zu Ostern, vgl. 89
ff. u. 498.
~b.~ Der +Schnee+. * 331. Der erste Märzschnee wird in die Kammern
getragen und damit ausgekehrt; befreit von Ungeziefer (Raschau), vgl.
410.
~c.~ Der +Regen+. 332. Mairegen befördert das Wachsthum der Kinder,
wenn sie mit unbedecktem Kopfe sich demselben aussetzen (allg.), vgl.
453.
~d.~ Das +Feuer+. 333. Die Feuer zu Walpurgis vertreiben die Hexen,
vgl. 129 u. 407. -- * 334. Ein Feuerzeug als Hochzeitsgeschenk bringt
Segen (Markneukirchen), vgl. 507. Vgl. auch 58 das Heiligabendlicht. --
~e.~ +Asche+, vgl. 127.
~f.~ Die +Esche+ (~fraxinus~) wurde im deutschen Alterthum besonders
zu Speerschaften benutzt. -- * 335. Ein Wagen mit Deichsel und Gabel
von Eschenholz erschwert einen vorausfahrenden Wagen um 5 Centner
(Marienberg); vgl. 124, 126 u. 473.
~g.~ Die +Tanne+ (~pinus silvestris~). Beim Wintersonnenwendefest
verwendete man namentlich die immergrünen Zweige der Tanne, daher noch
unsere Christbäume. Vgl. auch 95, 155, 573 u. +Rochholz+, Weihnachten,
Aufsatz in der illustrirten Zeitung, 1860 Nr. 912.
~h.~ +Hollunderzweige+ (vgl. § 23 ~n~) und +Weidenruthen+ schützen
am Walpurgis vor Hexen, vgl. 133. Die Weide (~salix~) galt den alten
Deutschen ebenfalls als ein geweihter Baum (vgl. +Montanus+, 2. Bdchen,
S. 152). +Haselstrauch+, vgl. § 23 ~o~.
~i.~ +Kräuter+, vgl. 106 u. 154. -- ~k.~ * 336. +Gutheinrichwurzel+
oder +Gundermann+ heilt das Behextsein (Sehma), vgl. 361 u. 440. --
~l.~ * 337. +Liebstöckelöl+ (vgl. 155) macht, wenn es dem Rindvieh an
die Hörner gestrichen wird, daß es nicht stößt (Sehma), vgl. 426.
~m.~ +Hirse+, vgl. § 23 ~q~. -- ~n.~ +Kornblüthe.+ 338. Wenn man das
Korn zum erstenmal im Jahre blühen sieht, soll man die Blüthe von drei
Aehren und zwar im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen
Geistes essen, so sticht Einem keine Otter und man nimmt überhaupt
keinen Schaden (allg.), 398, 436 u. 445.
~o.~ +Frischer Rasen+, vgl. 137. -- ~p.~ +Nußkern+, +Safran+,
+Weihrauch+, +Salz+, +Kreide+ u. s. w. sind dem Vieh heilsam und
befördern den Milchertrag, namentlich an Weihnachten und wenn die
Thiere Junge bekommen haben, vgl. 16, 76 u. 96.
~q.~ Das +Salz+ ist ein Schutzmittel gegen Behexen und ein Heilmittel
bei sympathetischen Kuren -- * 339. Wenn die Leute Milch bei den Bauern
holen, thuen letztere etwas Salz in den Milchkrug, damit die Milch
nicht behext werde (Annaberg), vgl. 408.
~r.~ Der +Rabe+, vgl. § 22 f. u. 116. -- ~s.~ Die +Kröte+, von den
Hexen zu Gifttränken verwendet, galt wohl auch als Maske des Teufels,
vgl. 115, 351 u. 354. -- ~t.~ +Eier+, vgl. 110, 141, 143 u. 487.
~B.~ Kunstprodukte.
~a.~ Der +Schlüssel+. † 340. Ein Schlüssel, über den man Walpurgis das
Vieh hinwegtreibt, schützt gegen Behexung desselben (vgl. 137 u. 427).
~b.~ Der +Besen+ spielt im Zauber- und Hexenwesen eine große Rolle;
wahrscheinlich stand derselbe in irgend einer noch nicht hinreichend
nachgewiesenen Beziehung zu Thor, sei es als ein Sinnbild der
auseinanderfahrenden Blitze, sei es, weil vielleicht das sogenannte
Besenkraut (Sarothamnus) dem Gotte geweiht war. -- 341. Die Hexen
reiten auf Besen durch die Luft, respectiren aber auch ihr eigenes
Wahrzeichen. Daher legt man Besen zu Walpurgis vor die Stallthüre.
-- Vermuthet man eine Hexe im Stalle, so stelle man zwei neue Besen
kreuzweis vor die Thüre. Ist wirklich eine Hexe im Stall, so geräth sie
ganz außer sich und befiehlt, die Besen wegzuschaffen, vgl. 131, 413 u.
427. -- * 342. Ist das Kraut gepflanzt, so steckt man in eine Ecke des
Feldes einen Stallbesen, damit die Raupen nicht in das Kraut kommen. Am
Oswaldstage (5. August) nimmt man ihn wieder weg (allg.). Man umsteckt
denselben auch mit Nesseln (Grünstädtel), vgl. 425. -- * 343. Menschen
oder Vieh mit Besen geschlagen, werden dürr (Raschau), vgl. 397. --
Vgl. 41: Das Essen auf dem +Säetuch+ am Weihnachtsabend.
~C.~ Der menschliche Körper und seine Theile.
Einen besonderen Kreis von Zaubermitteln bilden Theile des menschlichen
Körpers, wie Blut, Nägel, Haare u. s. w., namentlich auch von
Hingerichteten. Ebenso knüpft sich mancherlei Aberglaube an Leichen an
und was mit ihnen in Zusammenhang steht, vgl. 101 u. 114.
~D.~ Christlich-kirchliche Dinge.
~a.~ Das +Taufwasser+: * 344. Man wasche sich mit Taufwasser, so kommt
man Gott näher (Markneukirchen), vgl. 456.
~b.~ Das +Kreuzeszeichen+: † 345. Wenn ein Fuhrmann von zu Hause
wegfährt, macht er drei Kreuze hinter den Wagen (Zöblitz), vgl. 406.
-- * 346. Die Bauerfrau näht in ihr Seihtuch drei Kreuze (Frohnau).
-- * 347. Ehe man zu buttern anfängt, macht man drei Kreuze über das
Butterfaß (Frohnau), vgl. 408. -- † 348. Wenn ein kleines Kind gähnt
(vgl. 405, 488 u. +Wuttke+ § 219) mache man ihm drei Kreuze über den
Mund (Marienberg). Vgl. auch 130 u. 362.