2. Die Zauberwahrsagekunst.

§ 32 (86 ff.). Hierbei sucht man durch gewisse den Schein des

Geheimnißvollen und Magischen an sich tragende Mittel und Wege

die Zukunft zu enthüllen. -- Die folgenden Anführungen machen auf

Vollständigkeit um so weniger Anspruch, als gerade derartige Dinge von

den sogenannten Wissenden möglichst verborgen gehalten werden.

317. Die +Zauberspiegel+, die hie und da bei Jahrmärkten aufgestellt

sind, finden immer noch Gläubige. Vgl. 499.

† 318. Am Weihnachtsabend oder am Sylvester sieht man in die Esse;

erblickt man dort einen Sarg, so stirbt im folgenden Jahre Jemand aus

der Familie (allg.), vgl. 530.

An das Gebiet der Zauberei streift die Wahrsagerei, zu deren

Ausführung man sich auf das geheimnißvolle Gebiet der +Kreuzwege+

begiebt, deren Bedeutung wohl aus dem unheimlichen Gefühl der

Rathlosigkeit stammt, welches den der Gegend unkundigen Wanderer,

besonders in der Nacht, an einem Kreuzwege befällt (+Wuttke+ § 102).

Dort halten Abends die Hexen ihre Sitzungen (Annaberg), man tritt also

damit unter den Einfluß dieser Dienerinnen des Teufels, ähnlich wie bei

dem Horchen an einem Astloch, vgl. 163.

319. Am Sylvester, Nachts 12 Uhr, stelle man sich auf einen Kreuzweg,

um aus irgend einem Zeichen, z. B. einem vorüberfliegenden Vogel, die

Zukunft zu errathen (Dittersdorf); sieht man aus einem Hause Lichter

herausfahren, so wird dort im Laufe des Jahres Jemand sterben (Lauter),

oder nach der Gegend zu, wo Leuchtkugeln (?) fallen, wird Feuer

ausbrechen (Zwönitz). -- * 320. Oder man beschreibt auf dem Kreuzweg

einen Kreis, murmelt Zauberformeln und ruft einen Verstorbenen beim

Namen. Der Geist erscheint und sagt auf Verlangen Alles, was in dem

neuen Jahre vorfällt. Steht der Geist nicht, so stirbt der Beschwörer

(Grünstädtel, Schwarzbach). -- * 321. Minder gefährlich, aber auch

weniger zuverlässig ist, wenn man sich blos horchend aufstellt,

ohne einen besonderen Geist zu citiren. Zuweilen hört man dann auch

(wahrscheinlich, wenn einer der Geister gerade Zeit oder Lust hat),

was im neuen Jahre geschieht. In Ermangelung eines Kreuzweges thut ein

Kreuzbalken, an dem man horcht, dieselben Dienste (Zwickau).

* 322. Hierher gehört auch das geheimnißvolle „Kornhorchengehen.“ Man

lege sich am Sylvester Mitternachts an einen Feldrand, namentlich wo

Winterkorn gesäet ist, dann hört man, was in dem neuen Jahre sich

zutragen wird (Raschau). Vgl. auch 160 ff.

Zu den Zauberwahrsagereien gehören auch alle, die mit +Erbsachen+ --

vom Vater und Großvater ererbt -- vorgenommen werden. Es liegt diesem

Aberglauben der ächt deutsche Sinn zu Grunde, daß solch ein Erbstück

Liebe und Interesse für das Haus habe, gleichsam Träger oder Organ der

das Haus schützenden Ahnengeister sei. Der Erbschlüssel vertritt das

Recht des Hausbesitzes, der Erbzaun den Besitz des ganzen Gehöftes.

Daher das erfolgreichere Bleigießen durch einen Erbschlüssel und das

Rütteln eines Erbzaunes am Andreasabend, vgl. 162, 303, 305 ~a~, 326,

430 u. 442.

Der Wahrsagereien durch +klopfende Tische+ und durch vermeintliche

+Somnambulen+ (vgl. 458) gedenken wir nur beiläufig. Jene spielten

namentlich 1853 und folgende Jahre eine nicht unwichtige Rolle auch im

Gebirge und diese tauchen von Zeit zu Zeit mit mehr oder weniger Zulauf

je nach ihrer Geschicklichkeit hie und da auf.

Zweites Kapitel.

Die übernatürliche Einwirkung auf das eigene und auf das fremde

Geschick, die Zauberei.

Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges: Ein Beitrag zur Kenntnis des Volksglaubens und Volkslebens im Königreich Sachsen · 第 27 / 54 题