I. Die Zaubermittel.

§ 33 (98 ff.). Die Zauberei ist nicht allezeit gleich wirksam, sondern

hat ihre besonderen +Zeiten+. Die verhängnißvollen Schicksalszeiten,

wie die Zwölfnächte, Ostern, Walpurgis, Johannis, Andreas u. s. w.

(vgl. § 4-16) sind auch zum Zaubern die geeignetsten. Der Mondwechsel

(§ 18) kommt auch hier in Betracht und von den Tageszeiten ist

die Morgen- oder Abenddämmerung (z. B. jene zu Ostern, diese zu

Weihnachten; in Annaberg namentlich auch die Zeit während des

Siebenuhrlautens, vgl. 164 u. 295), am Johannistage die Mittagsstunde,

sonst aber allgemein die Mitternachtsstunde (von 11 bis 12 Uhr), die

eigentliche Geisterstunde, die wichtigste.

Die Zauberei ist nicht überall gleich wirksam, sondern hat oft auch

ihre besonderen +Orte+, namentlich die Kreuzwege (vgl. 319 ff., 362)

und die Kirchhöfe oder sie weiht sich ihre Orte durch besondere

Zauberkünste.

Die meisten Zaubereien müssen +schweigend+ geschehen und auch da, wo

Worte nöthig sind, wie bei Besprechungen und dergl., sollen sie mit

leisem Murmeln gesprochen werden.

Auch die +Zahlen+ sind zu beachten. Die geeignetsten sind drei, sieben,

neun, überhaupt alle ungeraden Zahlen.

Endlich gilt die +linke+ Seite, sowohl an dem Menschen selbst, wie

außer ihm, für zauberkräftiger, als die rechte.

§ 34 (105 ff.). Die +Zaubermittel+ theilen sich in vier Klassen (vgl.

§ 35 ff.). Man zaubert durch gesprochene oder vielmehr gemurmelte

Worte (vgl. § 33), durch niedergeschriebene Formeln, durch gewisse

Thätigkeiten oder Handlungen und durch sogenannte Zauberdinge.

Die Anweisung zum Zaubern muß man sich entweder durch mündliche

Belehrung seitens der „Wissenden“ zu verschaffen suchen oder man kann

sich aus den mehr oder minder geheim gehaltenen +Zauberschriften+

unterrichten. Das Nähere über diese Literatur s. bei +Wuttke+, § 108.

323. Zauberschriften sind auch im oberen Erzgebirge mehr, als man

glaubt, unter dem Volke verbreitet. Man findet +Faust’s+ Höllenzwang,

+Scheible+, Kloster (Stuttgart, 1847), den feurigen Drachen (Ilmenau,

4. Aufl., 1850) u. s. w.; auch handschriftliche Bücher, theils

als Abschriften aus gedruckten Büchern, theils wohl auch noch

ungedruckte Manuscripte. Mit Hilfe dieser Literatur, die geheim

gehalten und nur mit einer gewissen Scheu gezeigt wird, sucht man

namentlich unterirdische Schätze zu heben und trägt sich dabei mit

den abenteuerlichsten Hoffnungen. -- Leichtgläubige lassen sich auch

zuweilen Bücher u. s. w., die durchaus nichts mit Zauberei zu thun

haben, als derartige aufschwatzen. So wurde dem Schreiber dieses einst

ein altes Buch, das arme Leute unter dem Vorgehen, es sei das 6. und

7. Buch Mosis, für 13 Gulden erschwungen, gezeigt, welches bei näherer

Betrachtung als eine Ausgabe des Cäsar von Sincerus sich ergab. Ein

andermal brachte ihm ein Mann mit geheimnißvoller Miene sogenannte

„Zaubertafeln“, die sich als Blätter aus dem Himmelsatlas von Homann

erwiesen.

Aberglauben, Sitten und Gebräuche des sächsischen Obererzgebirges: Ein Beitrag zur Kenntnis des Volksglaubens und Volkslebens im Königreich Sachsen · 第 28 / 54 题