[Illustration: 275. Lanzen aus Bada.]
Unser nächster Besuch galt dem Dorfe Kanda. Es war ein kleiner,
von einem hohen Lehmwall umgebener Ort, dessen Wohnhütten in einem
Haine von Kokos- und Arekapalmen lagen. Unter meinen Erwerbungen
daselbst waren Buschmesser mit ausnehmend reich verzierten, aber
roh gearbeiteten Scheiden das Bemerkenswerteste. -- Als elastische
Unterlagen für Fuja-Klopfbretter fand ich, wie seinerzeit auch in
Leboni, dicke Stammstücke des Pisangs verwendet. -- Auffallend war
die schlechte Aussprache der Dorfbewohner, die z. B. für g stets k
sprechen.
Gegen Mittag wandten wir uns dem am linken Hügelrande gelegenen
Dorfe Páda zu, nicht zu verwechseln mit der Landschaft Bada. Auf
dem Wege dahin begegnete uns ein Trupp Frauen, die sich von unserem
an der Spitze des Zuges marschierenden Häuptling eine energische
Zurechtweisung zuzogen, da sie in ihrer Verwirrung dem Badaschen
Höflichkeitskodex zuwider nach rechts ausgewichen waren statt nach
links, wie es bei Begegnungen mit freien Männern ihre Pflicht ist.
Angesichts so zahlreicher Vornehmer aber hätten sie in geziemender
Entfernung vom Wege unser Vorüberkommen abwarten müssen. Die To-Bada
sind eben ein Kriegervolk, bei dem das Ansehen der Frau gleich null
ist. Unter den ganz verschüchtert, mit abgewandten Gesichtern am
Wege stehenden Frauen befand sich auch eine mit weißer, kapuzenartig
spitzer und auf dem Rücken lang herabfallender Fuja-Haube. Solche
Kopfbedeckungen sind in Bada das Zeichen der Trauer und der
Witwenschaft.
[Illustration: 276. Buschmesser.]
Das Dorf Páda blieb an Größe hinter Bomba zurück. Durch Augenschein
überzeugte ich mich, daß in dieser Ortschaft noch die alte Sitte
besteht, die Toten unter den Wohnhäusern zu begraben. Wie in Napu
war dabei das Erdreich über dem zugeschütteten Grabe geebnet und auf
diesem die Tragbahre nebst den zum Ausheben des Schachtes gebrauchten
Werkzeugen niedergesetzt, denen noch ein Schild, in der Art der
Muschelschilde des Posso-Gebietes, beigefügt war. An der Unterseite der
Bodenplanken des Hauses wurden dann über dem Grabe 2 holzgeschnitzte
gekreuzte Löffel aufgehängt. Erst durch diese unter mehreren Hütten
hängenden Symbole wurde ich auf das wirre Holzwerk aufmerksam
und erfuhr, daß darunter Gräber seien. Die Gebeine der in Särgen
bestatteten Leichen werden später nicht noch einmal ausgegraben und
dann im Walde ausgesetzt, wie es in anderen Gegenden geschieht. -- Das
Pfahlwerk der Wohnhütten bildete einen fest zusammenhängenden und auf
großen Steinen ruhenden Rost.
[Illustration: 277. Idyll aus dem Dorfe Páda.]
In diesem Dorfe bekam ich die schönst bestickten Frauenjacken zu
sehen, die je meine Kauflust reizten, -- leider nur zu sehen, da
diese besondere Art ein Geschenk des Bräutigams sind und nicht
veräußert werden. Auch die Gesichtsbemalung der jungen Mädchen war in
Páda besonders eigenartig. Aus den sonst üblichen Punkten, Strichen
und Linien waren hier ausgesprochene Arabesken geworden, die das
Büffelkopfmotiv in verschiedenster Weise variierten.
[Illustration: 278. Dorfschönheit aus Páda.]
Ein Gewitterschauer verzögerte unseren Abmarsch nach dem nächsten
Dorfe. Trotz feinrieselndem Regens machten wir uns schließlich auf
den Weg. Der Kampong Bulili ist die größte Ortschaft der Bada-Ebene.
In mehr als 50 großen Wohnhäusern lebten daselbst über 700 Menschen
beisammen. Unzählige Reisspeicher waren über das Dorf verteilt. Es
liegt auf stark hügeligem Terrain, und mächtige Wälle mit alten
Bambusbeständen umzogen es in seiner ganzen Ausdehnung. Sieben Lobos
sprechen für die Bedeutung dieses Ortes. Daß die Geisterhäuser in
solcher Anzahl beisammen auftreten, war mir wieder eine neue, bis Bada
vorbehalten gebliebene Entdeckung. In Bulili wurde genächtigt, und
ich bezog einen der altersschwachen Lobos, die wohl hauptsächlich als
Fremdenhäuser zu dienen haben.
[Illustration: 279. Felsenornamente in Bulili.]
In dieser Ortschaft fand ich zum drittenmal ein Steinbild vor, dem
leider der Kopf abgeschlagen war. Eine Anzahl kleinerer Steine ohne
erkennbare Bearbeitung standen im Kreise um dasselbe, -- umschlossen
also wohl ein »simbuang batu«, wie solche Plätze bei den tiefer im
Süden wohnenden Toradja genannt werden. Etwas abseits davon lag ein
großer Felsen halb in der Erde vergraben, dem schwer erklärbare
Ornamente eingemeißelt waren. Vor einem kleineren, in der Mitte des
Dorfes gelegenen Granitblock, war ein »Zauber« mit dem unvermeidlichen
Opfertischchen errichtet. Er bestand aus einem hohen Bambuszweig,
dessen Fiedern man mit weißen und schwarzen Hühnerfedern und mit
geknoteten Fuja-Bändchen über und über behängt hatte. Auf einer
Steinbank davor lag ein Bündel geopferten weißen Fujastoffes.
Der von mir als Quartier erwählte Lobo zeigte die übliche Einteilung.
Ein kanoeartig ausgehöhlter Stamm mit Kerben und in Tierköpfe
auslaufenden vorstehenden Enden führte zum Innern hinan. Ein
Gräserbouquet stellte den Lebensbaum vor. Fesselringe hingen im
Hintergrunde, und in einer der Seitengalerien lehnten etwa 20 Stück
stark defekter Muschel-Langschilde. --
Das Haupt dieser großen Gemeinde war mir bis vor die Grenze Bulilis
grüßend entgegengekommen und hatte mich persönlich zu meinem Asyl
geleitet. Als besonderes Kennzeichen trug er einen einseitigen
Knebelbart. Viele andere Leute aus diesem Dorfe trugen dünne
Kotelettbärte und an jedem Mundwinkel bequem zu zählende wenige
Barthaare.
[Illustration: 280. Kampong Bulili mit »Zauber« im Vordergrund.]
Die Nacht war angebrochen, und ich saß eben friedlich beim Mahle,
als mein Dolmetsch No mit allen Anzeichen hoher Aufregung angekeucht
kam, um im bescheidenen Lichte meiner Dammarfackel einen gewichtigen
Gegenstand vor mir abzuladen. Kaum hatte ich mir das Ding näher
besehen, ging es mir wie ein elektrischer Schlag durch die Glieder,
und ich sprang entzückt auf. Ein Lobo-Schemel, der selbst meine beiden
Napu-Stücke, auf die ich so stolz war, in den Schatten stellte, stand
vor mir. Das ethnographische Unikum zeigte auf der Rücklehne eine
gut modellierte weibliche Figur und war jedenfalls ein Museumstück
allerersten Ranges. Um es vorweg zu sagen, es gelang mir nach endlosen
mitunter stürmischen Verhandlungen, an denen sich der ganze Gemeinderat
des Dorfes beteiligte, den Schemel zu erwerben. Als ich ihn aber
endlich mein Eigentum nennen durfte, da war er, weiß Gott, auch redlich
verdient und ich für die nächsten paar Tage heiser geworden. Man
verlangte dafür nicht weniger als 15 lebende Büffel, nicht etwa deren
Wert in Geld. An dieser unerfüllbaren Forderung wären die Verhandlungen
zu meiner Verzweiflung um ein Haar gescheitert; denn wie in aller Welt
hätte ich die gewünschten Ungetüme so schnell in natura beschaffen
sollen? Aber schließlich hatten die Dorfweisen ein Einsehen und
begnügten sich doch noch mit einem angemessenen Äquivalent in Ringgits
(2½ fl. Stücken).
[Illustration: 281. Lobo-Schemel aus Bulili.]
+Bulili -- Gintu+, den 14. November.
Der Inlandsassistent, der mich bis Bada begleitet hatte, verabschiedete
sich heut in Bulili von mir, um nach Napu zurückzukehren, und ich
war nun wieder auf meine eigene Gesellschaft angewiesen. Er war ein
angenehmer, stets gefälliger Begleiter gewesen, den ich ungern ziehen
ließ.
Frühzeitig marschierte ich mit meinen Leuten nach Badangkaia ab, einem
ehemals wohlhabenden großen Dorfe, das aber vor ca. 1½ Jahren total
abgebrannt war und sich seitdem nicht mehr zu erholen vermocht hatte.
Es war erst in dürftigen Anfängen wiedererstanden.
[Illustration: 282. Bronze-Amulett.]
Die Frauen dieser Gegend trugen bisher noch niemals gesehene, über und
über mit Glimmerflittern oder auch mit Fischschuppen besäte schwarze
Fuja-Jacken. Der zur Verwendung gelangende Glimmer hieß »batu bangei«.
Dicht bei Badangkaia fließt der breite, aber nur etwa ¾ m tiefe Malei
vorüber, aus dessen sandigem Bette es von Goldpartikelchen nur so
flimmerte und blitzte. Jenseits desselben kamen wir an einer Schar von
mehreren Hundert Leuten vorüber, die unter Aufsicht ihrer Häuptlinge
mit der Anlegung eines Weges beschäftigt waren. Mit Ausnahme der
letzteren waren alle sehr zwanglos kostümiert und fast sämtlich nur
mit dem Lendentuch versehen. Niemals fehlte dabei die Sitzschürze aus
Fell oder gemustertem, besticktem oder bemaltem Mattengeflecht; die
übliche Kopfbedeckung war eine Affenfell- oder Rotangmütze. Viele unter
ihnen trugen Messing- und Muschelarmbänder, Fingerringe, Halsketten aus
Perlen oder Samen und umgehängte Amulette. Es bedarf kaum besonderer
Erwähnung, daß mir dieses Zusammentreffen Veranlassung war, eine Menge
der angeführten Gegenstände für mich einzuhandeln.
[Illustration: 283. Kampong Gintu.]
Kurz vor unserer Ankunft in Gintu, nach knapp vierstündigem Marsche,
durchschritten wir den Malei-Fluß zum zweitenmal und stießen nach
etwa 10 Minuten auf meine biwakierenden Soldaten, die sich des besten
Wohlseins erfreuten. Der Sergeant hatte mir eine besondere Hütte
errichten lassen; doch zog ich es vor, im nahen Dorfe zu wohnen. Gintu
ist ein alter, weitläufig angelegter Kampong, der aber in seiner
Bedeutung sehr zurückgegangen zu sein schien; viele Hütten standen
leer. Es liegt 546 m über dem Meere, ziemlich am Rande der Bada-Ebene.
Bei dieser Lage des Ortes nahe dem Kulawi-Gebirge werden wohl häufige
Fehden und Überfälle durch die als schlimme Räuber und Sklavenjäger
gefürchteten Kulawier das Ihrige dazu beigetragen haben, den Platz zu
entvölkern. Interessant waren mir die Häuser in Gintu insofern, als an
Stelle der gewöhnlichen gedeckten Eingangsvorbaue offene Plattformen
angebracht waren, zu welchen der Steigpfosten emporführte, und von
denen aus man ins Innere gelangte. Ein uralter Lobo wies gleichfalls
eine bauliche Eigenart auf, indem er aus zwei ineinandergeschobenen
Häusern, einem Vor- und einem Hauptbau, bestand. Ersterer diente als
Fremdenlogis, letzterer war das Geister- und Beratungshaus des Dorfes.
Reiche Schnitzereien am Gebälk wie an der Treppe zeichneten diesen Lobo
vor anderen aus.
[Illustration: 284. Lobo-Treppe in Gintu.]
Wie es überall in Bada üblich ist, brachte man mir auch in Gintu
gleich nach meinem Eintreffen frische Trinknüsse, eine Mulde Reis und
zwei darin liegende Eier als Gastgeschenk. Vom Häuptling erhandelte
ich ein großes Schwein als Gabe für meine Soldaten. -- Es berührte
angenehm, daß die hiesige Bevölkerung nicht mehr das stark nüancierte
Benehmen zur Schau trug, das bei den Bewohnern der früher besuchten
Bada-Ortschaften recht ausgeprägt zum Ausdruck gekommen war. Die
Leute gaben sich einfach und bescheiden. -- Einige alte Frauen,
die sich nebst anderen Besuchern eingefunden hatten, trugen genau
dieselben massiv schweren Messingarmbänder, wie jene in Rampi. Unter
den ethnographischen Erwerbungen seien sehr schöne Fuja-Objekte
erwähnt mit seltener alter Ornamentik. Außerdem erhielt ich hier eine
ausnehmend hübsch aus Horn geschnittene Goldwage, sowie eines der
seltenen Schlangenkopf-Amulette. Das mir Willkommenste war jedoch eine
der kaum mehr aufzutreibenden Kriegsmützen. Sie bestand aus einem
Rotanggeflecht mit zwei seitlich abstehenden Hörnern aus Messingblech,
deren Verbindungsstelle mit einem viereckigen Stück Anoafell verdeckt
und von einem holzgeschnitzten, ein menschliches Gesicht darstellenden
Aufsatz überragt wurde, den zwei lange Hahnenfedern bekrönten.
Nach Sonnenuntergang erfreute ich mich noch eine Weile an dem
Brillant-Feuerwerk der in Unmenge schwirrenden Leuchtkäfer. Magisch
leuchtete es aus den Kronen der hohen Palmen herab, ein unaufhörliches
Kreisen hin und wider huschender, aufglühender und verglühender
Lichtpunkte.
[Illustration: 285. Kriegshut aus Gintu.]
+Gintu -- Tuáre+, den 15. November.
Die Soldaten waren der Hitze wegen schon in der Morgenfrühe nach dem
Dorfe Lengkeka vorausgegangen, wo sie mich erwarten und Wechselkulis
requirieren sollten. Während der Nacht war ein heftiger Regenschauer
niedergegangen, und die sonst klare Flut des Malei war trüb gelb
gefärbt und hoch angeschwollen. Nordwestlich marschierend, durchzogen
wir neben dem Flusse ¾ Stunden lang angebaute Ländereien; dann waren
wir am Ende der Bada-Ebene und drangen an der Einmündung des Malei
in den von Nordosten kommenden heut gleichfalls wild rauschenden
Tawaelia-Fluß in das Hügelland vor. Schon nach wenigen Minuten
gelangten wir dabei an eine den Fluß überspannende Rotang-Hängebrücke.
Bei dem Zustande der ungemütlich schaukelnden und schon etwas
defekt gewordenen Brücke schien es geraten, Mann für Mann einzeln
hinüberturnen zu lassen. Zu solchen Akrobatenstückchen bedurfte es
eines gewissen moralischen Anstoßes. Der Fluß mochte 50-60 m breit
sein, und wer etwa über seinem mit Felsblöcken übersäten Bette den Halt
verlor, durfte sich für erledigt halten. Am jenseitigen Ufer kamen wir
nach halbstündiger Wanderung an dem kleinen Dörfchen Támbi vorüber, wo
es mir gelang, einige gute ethnographische Objekte aufzutreiben. Von
einem in der nächsten Umgebung von Támbi aufgefundenen Grabe, dessen
abweichende Anlage mir bemerkenswert erschien, gibt das obige Bild eine
Anschauung.
[Illustration: 286. Tobada-Grab bei Támbi.]
Um 9 Uhr war der Kampong Lengkeka erreicht, wo mir der Sergeant
bereits tüchtig vorgearbeitet hatte. Eine Fülle verschiedenartigster
Gegenstände lag zu meiner Auswahl aufgehäuft. Die Ankäufe wurden rasch
erledigt und der Weitermarsch gemeinsam mit Soldaten und Trägern
fortgesetzt. Nach dem Übersteigen der aus starken Flechtzäunen
bestehenden Dorfumfriedigungen gingen wir über eine Stunde lang
dem Oberlaufe des Tawaelia nach bis zu einer Hängebrücke, die noch
ungleich bedenklicher aussah als die zuletzt passierte. Sie stellte die
Verbindung mit dem auf dem linken Flußufer gelegenen Dorfe Tomehípi
dar. Da ich den Ort besichtigen wollte, entschloß ich mich, den
Übergang zu riskieren, und machte mich mit meinem Dolmetsch No auf
den Weg dorthin, während meine Leute nach Kageróa vorausmarschierten.
Der Erfolg machte die Mühe in keiner Weise bezahlt. Die meisten
Dorfbewohner waren ausgeflogen und nur einige Frauen und Greise
anwesend. Von ihnen erwarb ich eine Lanze mit prächtig beschnitztem
Schaft und mehrere Messing-Sirihmörser.
[Illustration: 287. Kopfbedeckungen aus Central-Celebes.]
Auf dem gleichen Wege nach der rechts gelegenen Uferseite
zurückgekehrt, veranlaßte mich dort nahe der Brücke ein intensiver
Schwefelgeruch zu einer Untersuchung der Uferböschung, wobei ich in
geringer Entfernung auf eine Therme stieß. Sie entquoll in Meterhöhe
über dem Flußniveau einem Hügel und bildete ein kleines Becken, dessen
Abfluß sich in den Tawaelia ergoß. Graublauer Tonschlick bildete
die Umgebung der Quelle, in deren Nähe sich Unmengen von Faltern
umhertrieben, vielleicht durch den Schwefelgeruch und die heißen Dämpfe
angelockt oder um auf dem feuchten Boden zu saugen.
Um 11 Uhr befand ich mich in der Nähe des palmenumgürteten ansehnlichen
Dorfes Kageróa, in einer berühmten Tabakgegend. Das aromatische Kraut
in dem von Bergen umschlossenen Tawaelia-Tale soll von ganz besonderer
Güte sein, und alle Hügel waren mit Tabakpflanzungen bedeckt.
Vor dem Dorfe fand ich einen größeren Trupp Ortsbewohner mit
Erdarbeiten beschäftigt. Bei meiner Annäherung liefen einige von ihnen
schleunigst ins Dorf zurück, um in buntbestickten Paradejacken wieder
auf der Bildfläche zu erscheinen. Das von ihnen kaum vorausgeahnte
Resultat dieses Toilettenwechsels war, daß die hübschen und selten zu
sehenden Männer-Badjus gegen Geld und gute Worte an mich übergingen und
meinen Sammlungen einverleibt wurden.
[Illustration: 288. Gehstöcke aus Bada.]
Die nächste Station von Kageróa ab war Tuáre am Flüßchen gleichen
Namens. Der Ort war von sumpfigem Wiesenlande umgeben und verbarg sich
hinter bastionenartigen hohen Umwallungen. In der Mitte des schmutzigen
kleinen Dorfes lag wie in allen Bada-Siedelungen ein freier Platz. Eine
Eigentümlichkeit der auf ausnehmend hohen Pfahlunterbauten stehenden
Hütten war der Oberbau derselben, der einfach aus dem spitzgiebeligen
Arengfaser-Dache bestand. Dieses ruhte unmittelbar auf dem Pfahlrost,
so daß die Seitenwände gänzlich fehlten. -- Spitzschnauzige Schweine
trieben sich unter den Hütten herum. Auf ein Quartier in den finsteren
Wohnlöchern der verwahrlost aussehenden, kropfbehafteten Bewohner
verzichtend, versuchten wir, da auch kein Lobo im Dorfe war, uns
unter den wenigstens luftigen Reisspeichern häuslich einzurichten.
Diese wurden mittels unserer Wachstuchplane umspannt und gewährten
so ein ganz erträgliches Obdach. Im nahen Tuáre-Flüßchen gab es
Badegelegenheit, und ein Stück saftigen Schweinebratens söhnte
schließlich vollends mit den sonstigen Unzulänglichkeiten der Station
aus. Nachts zogen Gewitter und Regen über das Tal. Der Monsunwechsel
begann, sich fühlbar zu machen.
[Illustration]
+Tuáre -- Boku+, den 16. November.
Ohne Bedauern kehrten wir heut dem Dörfchen den Rücken, um durch ein
schmales Sawa-Tal in eine enge Gebirgsschlucht zu gelangen, durch
welche sich die Wasser des Tuáre rauschend drängten. Nachdem wir uns
eine Stunde lang teils in dessem Bette über schlüpfrige Felsenkugeln,
teils an jäh abfallenden Böschungen mühsam weitergearbeitet hatten,
verließen wir den Fluß, um über einen steilen Bergrücken zu dem in 900
m M. H. gelegenen Plateau von Padalólo hinanzusteigen. Die weiten
grasbewachsenen Flächen, die wir dort betraten, waren in anmutiger
Abwechslung mit Busch und Baumgruppen durchsetzt und glichen einer
üppigen Parklandschaft. Daß auch die Eingeborenen die Vorzüge dieser
Gegend zu würdigen verstanden hatten, bewiesen uns zwei in der üblichen
Weise durch hohe Wälle befestigte und hinter dichten Bambusmauern
verborgene Dorfanlagen bedeutenden Umfanges. Auffällig war aber, daß
sich niemand blicken und auch kein menschlicher Laut vernehmen ließ.
Erst in unmittelbarer Nähe wurde mir die Erklärung für die befremdliche
Stille. Ich sah völlig zerstörte Dörfer vor mir liegen, deren verkohlte
Reste von Unkraut überwuchert waren. Meine Bada-Träger erzählten, daß
vor Jahren Kulawier die beiden reichen Dörfer überfallen, die Bewohner
teils getötet, teils als Sklaven hinweggeführt und die Wohnungen
ausgeraubt und verbrannt hätten. -- Das Padalólo-Plateau war rechts
von hügeligen Urwäldern flankiert. Nach links zu stürzte es schroff
ins Koro-Tal ab. Jenseits desselben stiegen die gegen 2000 m hohen
Ilóle-Berge auf und schlossen das Landschaftsbild ab. Auf dem ganzen
Gelände waren nur 3 oder 4 armselige Ataphütten zu entdecken.
Am Ende des durchzogenen Graslandes, wo am Rande des Urwaldes zwei
Pfade einander kreuzten, fanden wir einen Zauberfetisch aufgestellt.
Ein Viereck aus Palmblattstielen umschloß ein Bambustischchen, auf dem
eine aus Arengfasern hergestellte und mit weißem Fuja-Stoff bekleidete
Figur in aufrechter Stellung befestigt war. In einem Blattkörbchen
daneben befanden sich Reiskörner und gespaltene Arekanüsse. Über dem
Tischchen an einem höheren Astgestell flatterten Fuja-Bänder im Winde.
Meine Leute nannten den Zauber »potau sáki« (= Kranken-Stellvertreter).
Die nähere Erklärung ist folgende: Die Eingeborenen erblicken in jeder
Krankheit das Walten eines Dämons, der vom Kranken Besitz ergriffen
hat. Um ihn auszutreiben, fertigt der Dorfzauberer eine den letzteren
symbolisierende Figur an, in die er den Dämon hineinzaubert; alsdann
kann dieser gesunden. Diese »potau sáki« werden an Kreuzwegen in
der Nähe der Wohnungen der Geheilten aufgestellt, um Rückfällen
vorzubeugen.
[Illustration: 289. Das Padalólo-Plateau.
(Im Vordergrund Krankheits-Fetisch.)]
Auf einen schmalen Waldgürtel folgte nun eine zweite Hochfläche von
etwas geringerem Umfange, worauf wir abermals durch Wald zum einsamen
Weiler Bararóa niederstiegen. Die wenigen dort einsiedlerisch lebenden
Familien, die sich noch als To-Bada bezeichneten, mußten noch niemals
einen Weißen gesehen haben; denn wortloser Schrecken bemächtigte sich
ihrer bei meinem unvermuteten Eintreten und hielt sie während der
ganzen Zeit meines Verweilens in seinem Banne. Stumm, mit gesenkten
Köpfen blieben die Männer beisammen kauern, während eine alte Frau,
deren Witwentracht ich auf die Platte bringen wollte, bei der Prozedur
des Aufnehmens vor Angst schlotterte.
Über leicht wellige Kammrücken mit heimatlich anmutenden Laubwäldern
ging es weiter bis an den Rand der zum Koro-Tal abfallenden
Padalólo-Lehne und auf schlimmem Pfade über diese steil hinab. Die
Gehänge waren in größerem Umfange mit Anpflanzungen bedeckt. Die hier
etwas dichtere Bevölkerung hatte sich jedoch in keine Dorfgemeinden
zusammengeschlossen, sondern lebte familienweise in den zu ihren
Feldern gehörigen Schilfhütten.
[Illustration: 290. Dämonenscheuchen.]
Gegen Mittag passierten wir den letzten uns vom Talgrunde trennenden
Hochwaldstreifen, dann standen wir am steilen Ufer des Koro, des
bedeutendsten Stromes der Insel. Eine der ebenso kühn konstruierten,
wie merkwürdig aussehenden Hängebrücken führte über das breite und
tiefe Gewässer, das wild darunter hinschoß. Riesige Felsbrocken
eruptiven Grünsteins lagen zu Cyklopischen Mauern aufgetürmt am Ufer.
Zwischen ihnen wucherten die herrlichsten Baumfarne mit Wedeln von 3-5
m Länge. Beim Überschreiten der unangenehm pendelnden Rotangbrücke
erschien mir diese Verbindung mit dem diesseitigen Ufer als recht
wenig zuverlässig, und ich atmete erleichtert auf, als ich tastenden
Fußes auf sicherem Boden anlangte. Drüben stieg das terrassenförmig
abgestufte Boku-Gebirge bis zu einer Höhe von mehr als 1200 m an. Auf
einer Grasmatte in etwa 700 m Höhe lag der armselige Kampong Boku. Er
bestand aus wenigen ziegenstallähnlichen Hüttchen aus Flechtwänden und
flachen Atapdächern. -- Der Weg von Tuare bis hierher hatte etwas über
6 Stunden Zeit beansprucht.
[Illustration: 291. Tobada-Frau in Witwentracht.]
[Illustration: 292. Rotang-Hängebrücke über den Koro-Fluß.]
Die Bewohner des Dörfchens zeigten alle Merkmale einer vergleichsweise
geringeren Kultur. Aber das gewöhnlich nur aus gänzlicher
Vernachlässigung der Körperpflege resultierende verwilderte Aussehen
steht ziemlich regelmäßig im schroffen Gegensatz zu dem gutmütigen
Naturell dieser Gebirgsbewohner. Stark und gedrungen wie die knorrigen
Stämme ihres Waldes waren auch die Leiber der Eingeborenen athletisch
im Vergleich mit den feingegliederten To-Bada der Ebene. -- Hier kannte
man keine Festkleidung, keine Gala-Kopftücher, keine Prunkwaffen.
Außer dem, was die eiserne Notwendigkeit verlangte, war fast nichts
vorhanden, was auf Wohlstand und beschauliches Leben deuten konnte.
Als einziges Gewandstück schlang sich der Tjdako, der Schamgurt, um
die groben Glieder der Männer; statt jeder anderen Kopfbedeckung wurde
ein Fujastrang um das lange gewellte Haar getragen. Die in erbärmliche
Fujalumpen gehüllten abgearbeiteten Körper der Frauen sahen gegen
die der Männer kümmerlich aus. Beiden Geschlechtern gemeinsam waren
allein die Kröpfe, und diese waren vielleicht das einzige, was ihnen
im Überfluß zu teil geworden war. -- Auch diese Leute bezeichneten
ihr Wohngebiet noch als zu Bada gehörig, nannten sich jedoch mit dem
Stammesnamen Topipi. --
Auf den Abhängen des nur teilweise mit Hochwald bedeckten Gebirges
standen Haine von Kokospalmen. Hiernach zu schließen muß das Gebiet
früher stärker bevölkert gewesen sein. Welche äußeren Umstände zur
Entvölkerung beigetragen und die Eingeborenen in die Wälder vertrieben
haben mochten, war wohl zu erraten. Bildet doch das Koro-Tal das
Einfallstor sowohl von Kulawi als von Bada her, und die Bergbewohner
in der Mitte des umstrittenen Territoriums waren von jeher die
Prügelknaben der sich ewig befehdenden feindlichen Nachbarstämme. --
Die landschaftliche Lage Bokus war hervorragend schön und erinnerte
mich lebhaft an die Salu-Manio-Schlucht im Takalekádjo-Gebirge.
Meine Soldaten bezogen in Boku einen noch ziemlich neuen Miniaturlobo
von der Bauart einer gewöhnlichen Bambushütte, auf niedrigem Pfahlwerk
und mit wenig überhängendem flachen Dache. Zwischen diesem und den
Seitenwänden war rings etwa ½ m Zwischenraum, so daß allseitig helles
Licht hereinfluten konnte. Um den schmucklosen Innenraum zog sich eine
Empore herum, 1 m breit und etwa 1 m hoch über dem Boden. Im Gebälk des
Daches hing an einer Vorrichtung zum Auf- und Niederziehen eine kleine
Trommel, deren spezielle Bestimmung es war, die Geister auf große Not
in Boku aufmerksam zu machen, und zwar durfte diese Zaubertrommel nur
in Krankheitsfällen gerührt werden, wenn der Dorfzauberer sich von
den Geistern erleuchten lassen wollte. War die hierauf vorgenommene
Kur erfolgreich, so brachte der Wiedergenesene den Geistern neben
gleichzeitiger Sirihopferung den zum Anrufen de Geister benutzten
Trommelschlägel als Dankopfer dar. -- Am Mittelpfosten des Lobo hing
bereits ein ganzes Bündel solcher geopferten Trommelschlägel, die hier
dauernd aufbewahrt bleiben. Auf einem darunter angebrachten Brettchen
waren die gespendeten Sirihgaben niedergelegt.
Die Enge im Lobo ließ mich von diesem als Quartier absehen und eine mir
im Freien erbaute luftige Hütte vorziehen, die ungehinderten Ausblick
auf das Gebirge gewährte.
Für meine Sammeltätigkeit war Boku kein geeignetes Feld, und außer
einem rohen, aus einer halbierten Muschel bestehenden Armbande war
daselbst nichts Brauchbares aufzutreiben. Dagegen fehlte in keiner
Hütte ein Vorrat gefüllter Palmweinköcher. Die im Koro-Gebiet
häufig vorkommende Arenga saccharifera liefert den Eingeborenen
nicht nur einen Sorgenbrecher, sondern auch Zucker, der aus ihrem
Saft durch Einkochen gewonnen, dann in runde Formen gepreßt und in
Blattumhüllungen aufbewahrt und verhandelt wird.
+Boku -- Saluboku+, den 17. November.
Eine relativ kurze Wegstrecke trennte uns von dem am Boku-Flusse,
einem Nebenflusse des Koro, gelegenen gleichnamigen Bergdörfchen
»Saluboku«. In der Luftlinie mochte die Entfernung 5-6 km betragen.
Die außerordentlichen Terrainschwierigkeiten aber erforderten
zur Zurücklegung dieser geringen Distanz mehr als 5 Stunden
anstrengendsten Marsches. Wir wandten uns dabei erst talwärts zur
urwaldbestandenen Koro-Senke und hatten auf dem Wege dahin eine Reihe
von Gebirgseinschnitten und Wildbächen zu überschreiten. Eine uns
vorkommende, der ganzen Länge nach wundervoll schwarz-rot gezeichnete
Schlange wurde von unserem Führer, kaum erspäht, auch schon mit einem
wohlgezielten Steinwurf getötet. -- Bald änderte sich die Richtung des
Weges, und wir begannen entwaldete Gebirgskämme hinanzusteigen, deren
höchsten wir bei 1783 m Seehöhe überschritten. Nicht weniger als 3
solcher durch tiefe Spalten getrennten Bergzüge waren zu bewältigen.
Das in dichten Massen auf Rodeflächen aufgeschossene zähe Gestrüpp war
dabei außerordentlich lästig. Es überschüttete uns beim Durchdringen
mit Grasspelzen und Blütenstaub und verdeckte den stellenweise an
gefährlichen Abstürzen vorüberführenden Pfad, so daß wir nur langsam
und mit äußerster Vorsicht vorwärtskommen konnten. Bewaldet war erst
wieder die bereits Saluboku zugeneigte Gebirgsseite. Der Weiler selbst,
auf einer versteckten Bergmatte gelegen, bestand aus 4 winzigen
Hütten einer mir neuen Bauart. Einige weitere zum Dörfchen gehörige
Familien hielten sich angeblich irgendwo in der Umgebung auf ihren
Fruchtfeldern auf.
[Illustration: 293. Koro-Tal mit Boku-Gebirge.]
[Illustration: 294. Das Gebirgsdorf Saluboku.]
Der eben erwähnte, in Saluboku vorgefundene Hüttentyp stammte bereits
aus Kulawi und bekundete die Zugehörigkeit der Dorfbewohner zu diesem
Fürstentum mehr als alles andere. Ganz genau schienen es die Leute
selbst nicht zu wissen, wohin sie politisch eigentlich gehörten.
-- Die Hütten waren aus Rundhölzern errichtet, wie Palmstämme sie
liefern. Auf eingerammten und kaum ½ m hohen Stützen lag ein Rost aus
2 oder mehr Lagen runder Stämme; auf diese folgten wiederum senkrechte
Verbindungsstücke, welche nun erst den auf beiden Längsseiten über den
Rost hinausragenden Oberbau trugen. Auch dieser eigentliche Wohnraum
bestand nur aus wenigen Schichten Rundhölzer, denen das mächtige
Arengdach aufgesetzt war.
Die Träger kamen erst viel später in stark erschöpftem Zustande
nach. Mehrere junge Leute unter ihnen waren unter den ungewohnten
und unhandlichen Bürden zusammengebrochen, so daß ihre Lasten unter
die andern hatten verteilt werden müssen. Während des Marsches
hatte ich beobachtet, daß die Leute gegen Hitze und Erschöpfung
dadurch ankämpften, daß sie zeitweilig Büschel eines wolligen, nach
Pfefferminze duftenden Krautes ausrissen, um sich damit Schläfen und
Gesicht wie mit einem Taschentuch abzureiben.
Wir nächtigten in Saluboku in kleinen offenen Schuppen. Außer
Kokosnüssen gab es hier nichts Genießbares, und die mitgeführten
Vorräte mußten herhalten. -- Die Eingeborenen des Waldgebirges haben
unter Gelenkrheumatismus und Neuralgie sehr zu leiden. Viele Leute,
mit denen wir in Berührung kamen, hatten verkrüppelte oder gichtisch
verkrümmte Glieder. Eine Krankheitsscheuche, ähnlich der bei Padalólo
gefundenen, stand nahe beim Dörfchen am Waldessaume.
[Illustration: 295. Leute aus Saluboku.]
+Saluboku -- Gimpu+, den 18. November.
Durch feucht-schwülen Waldgrund, in dem Riesen-Exemplare von
Sagopalmen vorkamen, kletterten wir früh 6 Uhr zur Koro-Schlucht
hinab. Eine Rotangbrücke von einer etwas abweichenden, aber keineswegs
vertrauenswürdigeren Konstruktion führte dort über den tosenden Fluß.
Nachdem der zeitraubende Einzelübergang bewerkstelligt war, brachte
uns ein kurzer Marsch zur Einmündung des Lempi oder Lampo. Im Tale
dieses von Nordost herabkommenden ansehnlichen, aber nun am Ende der
Trockenzeit beinahe versiegten Flußlaufes setzten wir den Weg nun
reichlich eine Stunde lang fort. So bestechend auch die Vorzüge einer
solchen Wanderung mit ihrer Fülle prächtiger Ausblicke und Scenerien
erscheinen mögen, so ernüchternd wirken die Beschwerlichkeiten des
Weges. Beim Abschneiden der weite Umwege bedeutenden Windungen
mußte das Flüßchen unzählige Male gekreuzt werden; außerdem war das
beständige Gehen auf dem groben Kiesgeröll für die durchweichten Füße
eine wahre Tortur. -- Der herrliche Hochwald an den Talrändern des
Lampo war reich an riesenhaften Eukalypten.
Durch eine breite Lücke im Walde, eine Rodung mit einem Chaos
gestürzter Stämme, verließen wir das steinige Lampo-Tal. Es war ein
hartes Stück Arbeit, uns über diese Hindernisse hindurchzuarbeiten.
Schließlich kamen wir auf ein hügeliges Plateau mit ausgedehnten Mais-,
Taro- und Zuckerrohr-Pflanzungen und bald darauf zu den zugehörigen
zerstreut liegenden Feldhüttchen mit unglaublich verwahrlost
aussehenden Bewohnern.
Nach kurzer Rast brachen wir wieder auf und verfolgten den
geschilderten Weg bis in den angrenzenden Wald. Eine halsbrecherische
Kraxelei führte uns einen steilen Abhang hinunter neuerlich zum
Koro-Fluß. Dieser machte hier einen gewaltigen Bogen, den wir mit
unserem Umgehungsmarsche abgeschnitten hatten. -- Eine kleine
Waldlichtung gewährte vom hohen Uferrande aus einen wundervollen Blick
in das wildromantische Flußtal. In breitem Bette wälzten sich die
Wasser des Koro schäumend und tosend der fernen Westküste entgegen.
Die Gewalt des Stromes war so stark, daß das gesprochene Wort nur aus
nächster Nähe zu verstehen war.
An dem untersten Astwerk eines Baumkolosses am Rande der Blöße
entdeckte ich eine Anzahl von ca. 20 aufgehängten hölzernen, sorgfältig
mit Atapstücken zugedeckten Goldwaschschüsseln. Einige davon waren
mit dem für Central-Celebes so charakteristischen Signum zweier sich
gegenüberstehenden Eberkopfmotive beschnitzt. Die winzigen, kaum
fingerstarken Vertiefungen der flach gebogenen Tellermitten, in denen
sich beim Auswaschen des Flußsandes die schweren Goldpartikelchen
ansammeln, waren bei allen Schüsseln sorgfältig mit Bastpfropfen
geschlossen. Die Eingeborenen nennen diese Geräte »dura pangemóa«.
[Illustration:
Tafel XVI.