[Illustration: 53. Matanna-Messer.]
Mittlerweile war es Abend geworden, und mein Wohnraum glich einem
Trödelladen. Ich hatte mit meinem Faktotum Rámang noch mehrere Stunden
zu tun, um alle erworbenen Gegenstände zu sichten, zu etikettieren
und in den speziell zu diesem Zwecke gekauften Körben zu verstauen.
Als letzte Arbeit des ereignisreichen Tages galt es noch, Platten
umzulegen, eine in den undichten Nativehütten, durch deren Bambuswände
allenthalben neugierig der Mond lugte, die größte Vorsicht erfordernde
Beschäftigung, die aber schließlich mit Zuhilfenahme aller verfügbaren
Decken doch glücklich gelang.
[Illustration: 54. Matanna-Kämme.
(Unten links und rechts je 1 Stickereimuster-Modell.)]
[Illustration: 55. Holzgeschnitzte Kette, als Stoffklammer beim Nähen
benutzt.]
+Sorowáko+, den 8. September.
Ein strahlend schöner Morgen war angebrochen, und die nahen Berge
hatten ihre Nebelkappe abgelegt. Still und leise atmend, lag die
weite Seefläche. Die Kamera wurde hervorgeholt, das auch im Bilde
festzuhalten, was auf die Sinne einen unvergeßlichen Eindruck machte.
[Illustration: 56. Sorowáko am Matanna-See.]
Sorowáko, von räumlich großer Ausdehnung, liegt am Fuße der
Seerandgebirge, die, hier zurücktretend, wie in Matanna einem
Kulturtälchen Raum geben. Die Dorfbewohner bauen hauptsächlich Reis
an, nebenbei Mais und Zuckerrohr. Auf frischen Rodeflächen der nahen
Gebirgshänge waren Tabakfelder angelegt. -- An Nutzbäumen fand ich
außer den schon erwähnten Kokospalmen, die hier viel besser gedeihen
als in Matanna, Arekapalmen, Lángsat- und Baumwollbäume. -- Zu den
Sorowáko eigenen Haustieren gehört neben Büffeln auch ein Pferd,
wohl Eigentum der Mákole. Schweine, vor Zeiten die bevorzugteste
Lieblingsnahrung der Bevölkerung, fehlen ganz. Ist der Tobela der
Seengebiete auch innerlich ein Heide geblieben, der fest an seinem
uralten Geister- und Dämonenglauben hängt, so ist er doch äußerlich
ein Mohammedaner geworden, der mit der aufgezwungenen Verachtung des
Schweines und der Annahme einiger buginesischer Formen ein Kulturmensch
und seinen ebenso gefürchteten wie bewunderten Ausbeutern, den
Buginesen, gleich geworden zu sein glaubt.
[Illustration: 57. Tobela-Haus in Sorowáko.]
In zwei langen Reihen ziehen sich die Hütten des Dorfes das
kiesige Seeufer entlang, und eine sauber gehaltene Dorfstraße
führt dazwischen hin, mehrere kleine Bachläufe überbrückend. Die
Häuschen unterscheiden sich äußerlich nicht von denen des Dorfes
Matanna, nur daß hier neben dem Gros höchst primitiver Bauwerke auch
Familienhäuser von respektabler Größe entstanden sind, deren Bauart
wohl ebenfalls von den Buginesen entlehnt ist. Die Hüttenzugänge sind
in Sorowáko eigentümlicherweise meist so angeordnet, daß die Leiter,
ein eingekerbter Bambuspfosten, von der Mitte der unteren Plattform
aus, also völlig verdeckt, zu dem Innern des Hauses hinaufführt.
Bemerkenswert ist, daß auch die landeinwärts gelegenen Hütten, welche
von der Unterspülung selbst bei höchstem Flutstande nicht erreicht
werden, auf hohen Pfahlgerüsten stehen. Der Boden darunter war ebenso
trocken und sauber wie bei den unterspülten Häusern. Die unter den
Wohnräumen gelegenen, die ganze Ausdehnung der Häuschen einnehmenden
Plattformen scheinen die Entfernung des Unrates durch die Lücken des
Fußbodens zu verhindern. Das Errichten von Pfahlrosten scheint also
doch auch andere Zwecke zu verfolgen als die Unterspülung, und zwar
könnten in Betracht kommen: 1. die Verhütung des Eindringens ekelhafter
oder gefährlicher Tiere, wie Schlangen, Skorpione, Skolopender usw., 2.
die geringe Belästigung von Moskitos in zugigerer Höhe und 3. die damit
zusammenhängende, den Eingeborenen durchaus nicht unbekannte Tatsache,
daß sie in den zu ebener Erde gelegenen Wohnhäusern viel leichter
Fieberanfällen ausgesetzt sind als in solchen auf hohem Pfahlwerk,
speziell am Matanna-See, wo die Malaria ziemlich bösartig auftritt.
Ich will mich nun bemühen, das Innere eines Sorowákohauses zu
schildern, und wähle hierzu das zu den besseren und größeren gehörende
des Häuptlings Sálima.
[Illustration: 58. Land-Pfahlhütten aus Sorowáko.]
[Illustration: 59. Matanna-Ruder.]
Die Hühnerleiter unter dem Hause führte von der Mitte aus in einen
engen, dunklen Gang, der zum gemeinsamen, die ganze Hausfront
einnehmenden Aufenthaltsraume der Familienmitglieder leitete. Dieser
bestand in einem ca. 2 m breiten Raume, dessen winzige, rund oder
eckig eingeschnittene Fensteröffnungen mit einer Art Gitterwerk
versehen waren, das stark an Haremsausgucke erinnerte. Seitlich zur
Linken führte ein Gang zu zwei abgeteilten Kammern, den Schlafräumen
der erwachsenen Töchter. Eine größere Kammer rechts, gleich vom
Mitteleingange aus, bewohnte das Häuptlingspaar allein. Eine
Fortsetzung des allgemeinen Aufenthaltsraumes auf der rechten Seite
führte zu den Feuerstellen mit den Brennholzvorräten und Küchengeräten
aller Art. An dem Deckengebälk und an den Seitenpfosten des Hauses
war Hausrat aufgehängt, wie Reisschüttelkörbe, Rückenkörbe, Netzwerk
zum Fischen, Ruder und Vorräte an Feldfrüchten. Den Hauptpfosten
der dem gemeinsamen Aufenthalt dienenden Plattform schmückten eine
Anzahl Lanzen, deren lange, schlanke Eisenblätter teils einfach in
hölzerne Schäfte hineingetrieben waren, teils in hübsch gearbeiteten
messingverzierten Stockhülsen steckten. Hier befanden sich auch die
vielzackigen Fischspeere, die mit Rotangstreifen oder Lederriemen an
langen Stöcken befestigt waren, ferner Langschilde aus Rotanggeflecht
und Buschmesser verschiedenster Form, wie sie im Walde, bei der
Feldarbeit usw. gebraucht werden. Die Dielen der Gänge waren lückenlos
mit einfachen, weißen Matten belegt. --
[Illustration: 60. Tobela-Fingerringe und Ohrschmucke.]
[Illustration: 61. Tobela-Jugend aus Sorowáko.]
Zu den Messinggußringen, Armreifen etc. -- Erzeugnissen einheimischer
Industrie -- gesellte sich in Sorowáko viel eingeführter Tand, vom
chinesischen Händler bezogen, und Artikel der buginesischen Silber-
und Goldschmiedekunst. Hoch im Preise standen fein in Schuppenmanier
gearbeitete Kupferhalskettchen, die nicht unter 25 Gulden pro Stück
erhältlich waren.
Was nun die Kleidertracht der Sorowáko-Leute anbelangt, so ist auch
diese der von Matanna identisch. Wie dort trugen auch hier die Frauen
das Haupthaar offen und lang herabhängend oder in einen kunstlosen
Schopf zusammengebunden, die Männer aber trugen es unter dem lose
geschlungenen Haupttuche versteckt. Merkwürdige Haartrachten waren
mitunter bei Kindern zu sehen, so z. B. kreisrunde Büschel stehen
gelassener Haare bei sonst glatt rasierten Köpfen, Simpelfransen, lange
Nackenhaare bei geschorenem Haupthaar usw. Ebenso verschiedenartig
war, wie das beigegebene Gruppenbild zeigt, die Kostümierung der
jugendlichen Schar von splitternackt bis zum vollendeten Dandy
buginesischer Art. Häufig trugen Knaben und junge Männer glatte,
fingerbreite Bastbänder als Knöchelschmuck.
Ein allerliebstes Kerlchen war das Söhnchen des Häuptlings, dessen
Konterfei die nebenstehende Abbildung zeigt. Selbstbewußten Blickes und
ohne Furcht, wie es sich für einen jungen Edlen geziemt, ließ er die
Prozedur des Photographierens über sich ergehen, ohne mit der Wimper zu
zucken.
Die Art des Lasttragens auf hölzernen Rückenbrettern, die mittels der
durch die durchbohrten Randleisten gezogenen Schnüre hoch beladen
werden können, zeigt uns die nächste Aufnahme. Sie stellt einen jungen
Menschen und eine Frau aus Sorowáko dar.
[Illustration: 62. Tobela-Sprößling.]
Die mit einem besonderen Zeitaufwand und großer Mühe aus groben
Holzklötzen herausgearbeiteten Reiströge, wie ich sie auch in Matanna
fand, sind in Sorowáko noch formreicher als dort vertreten. Sie
wiesen fast antike Formen auf, und gern hätte ich einige Exemplare
davon mitgenommen, wäre mir nicht der Transport der schweren, mehr als
1 m hohen Holzgebilde über das Gebirge allzu umständlich erschienen.
Somit beschränkte ich mich auf die photographische Fixierung der
hauptsächlichsten vorgefundenen Formen.
[Illustration: 63. Lastenträger aus Sorowáko.]
Die Schmiedekunst, die ehemals in Sorowáko in hoher Blüte stand, ist,
wie ich bereits erwähnte, gegenwärtig auf dem Aussterbeetat angelangt.
Die alt und weit berühmte Herstellung ganzer eiserner Lanzen und
einzelner Lanzenblätter ist seit dem Waffenverbot der Regierung
nahezu erloschen, und ebenso verhält es sich mit der Anfertigung
von Schwertern und Messern, die als Handelsartikel ehemals weithin
ausgeführt wurden.
[Illustration: 64. Tobela-Reismörser.]
Anders steht es mit der Tonwarenindustrie, die in Sorowáko in großem
Umfange betrieben wird, und deren Erzeugnisse meiner Ansicht nach
die von Matanna an Schönheit übertreffen. Jedenfalls zeigten die
hier erworbenen Geschirre einen größeren Formenreichtum und eine
Farbenfreudigkeit, die erheblich gegen die düstere Farbengebung der
Tonwaren in Matanna abstach.
Fischerei scheint am ganzen Matanna-See nur in relativ beschränktem
Maße und wohl nur für den Eigenbedarf ausgeübt zu werden. -- Überall
verbreitet war das Kreiselspiel, dem sich auch junge Männer mit Eifer
hingaben. Dabei schleuderte einer der Spieler mittels einer langen
Schnur zuerst einen Kreisel, und seine Mitspieler bemühten sich nun,
den tanzenden Holzkegel mit den ihrigen zu treffen und aus seiner Bahn
zu schleudern.
[Illustration: 65. Töpferei-Werkzeug und Geschirre vom Matanna-See.]
[Illustration: 66. »gésso-gésso«, Musikinstrument vom Matanna-See.]
Von Musikinstrumenten nationalen Gepräges erhielt ich nur eine
»gésso-gésso« benannte, sonderbar konstruierte Laute, deren aus
einer halbierten Kokosfrucht geformter Resonanzboden auf der nackten
Brust aufgesetzt wird. Es lassen sich mittels dieses Instrumentes
wohlklingende, einfache Weisen spielen. Junge Burschen benutzen
dasselbe, den Auserwählten ihres Herzens regelrechte Ständchen zu
bringen. -- Sonst kamen nur noch aus Bambus gefertigte Mund- und
Nasenflöten vor.
[Illustration: 67. Bronze-Armspangen vom Matanna-See.]
Auffallend war mir in Sorowáko die ängstliche Zurückhaltung der Frauen
und Mädchen, von denen sich auch nicht eine einzige blicken ließ.
Wahrscheinlich ist auch diese Scheu eine Folgeerscheinung des hier
bereits tief eingedrungenen Islam.
+Sorowáko -- Karongsie+, den 9. September.
An Stelle des gewohnten, heiteren Landschaftsbildes zeigte sich die
Scenerie heut morgen grau in grau, und ein fein herniederrieselnder
Regen wirkte deprimierend auf jedermanns Stimmung. Ich hatte für
heut den Aufbruch nach dem Towuti-See beschlossen; doch kostete es
bei dem abscheulichen Wetter Mühe, die notwendigen Träger aus ihren
Hütten herauszulocken und zur Übernahme der Lasten zu bewegen. Nach
vielem Ärger und manch ehrenrührigen Vorstellungen an die Adresse der
säumigen Leute war endlich alles Gepäck in den hier gebräuchlichen
hohen und spitzen Holztragen untergebracht. Nun bedurfte es nur
noch einer kräftigen Aufmunterung seitens des die Lastenverteilung
überwachenden Sulewátang, um den Kulis begreiflich zu machen, daß sie
ihre Regenmatten zum Schutze des ihnen anvertrauten Gepäckes und nicht
ihrer werten Persönlichkeit zu verwenden hätten. So wurde es 8 Uhr,
ehe es gelang, die 22 Mann starke Kolonne in Gang zu bringen. Vorüber
an fröstelnden Kindergruppen, die, um Feuer hockend, am Dorfausgange
unsern Abmarsch beobachteten, ging es den grau verhängten nahen Bergen
zu. Auch über dem See lastete dicker Nebel, jeden Abschiedsblick darauf
verwehrend.
Sacht ansteigend, kamen wir bald in eine höchst pittoreske
Berglandschaft. Zwischen Felsenkuppen wand sich der steinige Pfad
empor. Immer schwieriger wurde das Terrain, und auf regennassem,
schlüpfrigem Geröll ging es höher und immer höher, just zur selben
Zeit, als sich das Regengeriesel in trostlosen Landregen verwandelte,
der jedes leise Hoffen auf erfreulichen Witterungsumschlag im Keime
ersterben ließ. Tropfnaß und verärgert über des Tages Ungunst, die
Anhänglichkeit der kiloweise an meinen Stiefeln haftenden Matannaerde
verwünschend, eilte ich meinen Leuten voran und stand nach 1½ Stunden,
durchweicht und erschauernd im kühlen Höhenwinde, auf dem Rücken der
6-700 m hohen Bergkette. -- Wallende Nebel rings umher gestatteten
kaum, die nachfolgende Trägerkarawane in unsicheren Umrissen zu
erkennen. Doch zu langem Verweilen war die Situation nicht geeignet,
und so begann ich denn resigniert mit dem Abstiege in der Richtung nach
Karongsie zu.
[Illustration: 68. Tal von Karongsie. (714 m M. H.)]
Glücklich gelangte ich über die Felsen hinab auf ein Hochplateau, auf
welchem ein guter, vielbegangener Pfad nach Karongsie führte. Hier
auf dem offenen Terrain blies ein kräftiger Wind, dessen Hauche die
regenschweren Wolkenmassen nicht standzuhalten vermochten. Die Luft
wurde sichtiger, und der Regen ließ etwas nach. Das sich aufhellende
Wetter gestattete allmählich einen Blick über die Landschaft. Hinter
mir lagen frischgerodete Hänge mit einem Labyrinth gefällter Stämme;
vor mir breiteten sich anmutige, nach dem Regen im saftigsten Grün
schimmernde Hügel. Weit traten die sanft verebbenden Ausstrahlungen
des Matanna-Vorgebirges zurück, über die wir herabgekommen waren.
Nach längerer, angenehmer Wanderung über das schöne Gelände stand ich
ziemlich unvermittelt vor einer tiefen Talmulde, auf deren Grunde sich
das hübsche Dörfchen Karongsie eingenistet hatte. Als ich Karongsie
betrat, waren seit meinem Aufbruche in Sorowáko kaum mehr als 3
Stunden verflossen. Trotz dieser kurzen Wegestrecke wollte ich
den Marsch heut nicht mehr fortsetzen teils in Hinsicht auf meinen
total durchnäßten äußeren Menschen, teils in der Erwartung, hier ein
ethnographisch ergiebiges Feld zu finden. Meine Leute, die etwa eine
Stunde nach mir eintrafen, begrüßten meinen Entschluß mit Jubel. Sie
fanden mich bereits im Office -- wie in den nun betretenen Landschaften
die Unterkunftshäuser genannt werden -- meines Gepäckes zum
Kleiderwechseln harrend und umringt vom Dorfhaupte und seinen Getreuen.
Da von diesen allen auch nicht einer ein Wort malayisch sprach, so
blieb unsere Unterhaltung recht einsilbig, und mein guter Sulewátang,
wie mein Boy Rámang hatten nach ihrem Eintreffen Mühe, als Dolmetscher
dem nun beginnenden Ansturm von Fragen gerecht zu werden.
[Illustration: 69. Tobela-Dorf Karongsie.]
Mein Entschluß, diesen Tag in Karongsie zu verleben, sollte mich nicht
gereuen. Wennschon auch dieser Ort erst eine kurze Vergangenheit hat,
so erhielt ich hier doch manches mir völlig Neue; darunter mehrere
Küchengeräte mit geschnitzten hölzernen Griffen, welche an Stelle der
bisher ausschließlich vorgefundenen Ornamentik Tiermotive aufwiesen.
Ferner erwarb ich hübsche, beim Reisessen als Teller benutzte,
geflochtene Körbchen und ein weiteres Exemplar der in Karongsie
»sosánru« genannten Laute, wie ich eine ähnliche in Sorowáko bekommen
hatte.
Mehr jedoch als diese Bereicherung meiner Sammlungen interessierte mich
das seltene Schauspiel einer Aktion von 3 Tobela-Zauberern, die ich
hier auf ihrer Rundreise durch den Matanna-Bezirk antraf (siehe Taf.
III).
[Illustration: 70. Tobela-Zauberer.]
Es war um die Zeit, in welcher die Eingeborenen neue Felder anlegten
und die Aussaaten vornahmen. Die 3 Zauberer, Sándo genannt, besuchten
die Dörfer, um den Segen der Reisgeister auf die Neupflanzungen
herabzuflehen. Ihre aus kurzer Hose und Kattunjäckchen bestehende
Kleidung unterschied sich in nichts von der üblichen Tracht. Abweichend
hiervon war nur eine aus dünnem, weißgrauem Fujastoffe spitz
geschlungene Kopfbedeckung. Die 3 Leute stammten nicht aus hiesiger
Gegend, sondern behaupteten, To-Mori zu sein. Auf dem Hauptwege in
der Mitte des Dorfes errichteten sie aus Bambusrohren ein kleines
Tischgestell, daneben auf dem Boden 2 fußlose Roste. Diese Gestelle
wurden mit Atap belegt und darauf die von den Frauen des Dorfes
herbeigeschleppten kleinen Schälchen und Schüsselchen samt den zum
Zaubern notwendigen Ingredienzien ausgebreitet, unter denen Reis, Mais,
Tabakblätter und Sirihzutaten eine Hauptrolle spielten. Hierzu kamen
noch eine Unmenge kleiner Gambirdöschen und sonstiger Hokuspokus. Die
Schüsseln wurden mit Stücken weißer Fuja bedeckt. Jede Familie im Dorfe
brachte Opfergaben herbei, die, ebenfalls mit Fujastücken bedeckt, auf
den Tischgestellen aufgestapelt wurden. Vor diesen Opfertischen hockten
die 3 Sándo nieder, um teils in corpore, teils einander ablösend
endlose Litaneien leise vor sich hin zu murmeln oder im singenden Tone
mit lebhaften Gestikulationen herunterzuleiern. Dabei entnahmen sie
den Reisschälchen hin und wider kleine Prisen Körner, die sie unter
Beschwörungsformeln, welche an die Geister der Wolken, des Regens
und der Winde gerichtet waren, in die Höhe warfen. Die neben der
ziemlich vollzählig versammelten, den Vorgängen andächtig folgenden
Dorfbewohnerschaft gleichfalls anwesenden gefiederten Bewohner
Karongsies sorgten dafür, daß von diesen den Geistern zugedachten
Reiskörnern nichts umkam.
[Illustration:
Tafel III.