XIII.

Die Garnison zu Montpellier. -- Der Peyron. -- Furcht der Soldaten

vor der medizinischen Fakultät. -- Die Einwohner. -- Meine

Hausdamen. -- Demoiselle Verteuil. -- Fürst Y. mein Nebenbuhler.

-- Ich falle in Ungnade. -- Die Fahnenweihe. -- Der souveräne

Fürst in strengem Arrest. -- Folgenschwerer Ritt nach Cette. --

Nächtliche Spazierfahrt auf der See. -- Auch ich in strengem

Arrest und verliere meinen Grad als Sergeant. -- Ich werde

Unterleutnant. -- Abmarsch nach Toulon. -- St. Remy. -- Orgon. --

Aix. -- Das Fronleichnamsfest daselbst. -- Arles. -- Toulon. --

Stadt und Hafen. -- Das Arsenal. -- Die Galeerensklaven. --

Wiedereinnahme von Toulon durch die Republikaner (1793).

-- Bonaparte tut sich zuerst hervor. -- Verbrennung der

französischen Flotte und des Arsenals. -- Verheerung der Stadt. --

Rauferei mit einem Marine-Offizier. -- Ein Skandal im Theater. --

La Seine. -- Die Familie Guige. -- Eine Hochzeit auf der Insel

Porquerolles. -- Abmarsch nach Genua.

Die beiden ersten Tage hatte ich mich in ein Hotel logiert, suchte mir

aber schon am zweiten eine passende Privatwohnung, die ich auch bald in

der Nähe des Theaters und der Esplanade bei ein paar liebenswürdigen

Frauen fand, von denen die eine an einen bei den Armeen in Deutschland

angestellten Kommissär verheiratet, und die andere, ihre Schwester, noch

unverheiratet war; bei dieser Wohnung befand sich ein hübscher Garten

mit einem sehr eleganten Pavillon, der in dessen Mitte, von Zypressen

umgeben, lag. -- Ich erhielt ein elegant möbliertes Wohnzimmer und

ebensolches Schlafkabinett, das in den Garten ging, für vierzig Franken

monatlich. Auch für Montpellier hatte ich Empfehlungsschreiben an das

Haus Michel und Gayral bald nach unserer Ankunft daselbst von meinem

Vater erhalten und wurde von demselben mit zuvorkommender Artigkeit

empfangen. -- Ich besuchte schon den zweiten Abend das Theater, ein

Vergnügen, das ich seit Lyon zu meinem Leidwesen entbehrte, da in

Avignon während unseres Aufenthaltes nicht gespielt wurde, und fand die

Oper wenigstens leidlich, das Lust- und Schauspiel aber ziemlich gut

besetzt; besonders war es eine Aktrice, Demoiselle Verteuil, die zum

Entzücken spielte, und deren Äußeres ganz mit dem Spiel harmonierte. Es

war Molières >Tartüffe<, den ich zuerst hier sah und der sehr gut

gegeben wurde. Die Vorstellung hatte ein glänzendes Publikum, das ganze

Offizierskorps samt dem Fürsten Y., der erst hier wieder zu dem Regiment

gestoßen war, da er, als wir von Toul abmarschierten, abermals einen

Abstecher nach Paris gemacht hatte, wohnte derselben bei. Die Offiziere

mußten sich nun für ein Lumpengeld, einen Tag der monatlichen Gage, per

Monat abonnieren, die Kadetten bezahlten für Unterleutnantsgage. -- Auch

die Damen von Montpellier hatten sich diesen Abend in der glänzendsten

Toilette eingefunden und schmückte die Logenreihen auf das eleganteste.

Ich war von dieser Vorstellung in jeder Hinsicht so enchantiert, daß ich

mir vornahm, mich möglichst schnell in der hiesigen schönen Welt zu

orientieren, und um dies zu können, auf folgendes Mittel fiel, das sich

als vollkommen bewährt erfand. Ich ließ nämlich gleich den andern Morgen

den Friseur der Stadt holen, der in derselben an der Tagesordnung, das

heißt in der Mode war, empfing ihn sehr artig, ihn bittend, mir doch die

Haare nach dem neuen Pariser Schnitt zuzuschneiden, mich nebenbei _au

fait_ der städtischen Angelegenheiten, das heißt der schönen Damenwelt,

zu setzen, und mit dem Treiben der eleganten Welt und der _Chronique

scandaleuse_ bekannt zu machen. Dabei spielte ich mit einem

Sechs-Livretaler zwischen den Fingern, was dem Haarkünstler, der, wie

alle seines Handwerks in Frankreich, zugleich auch Barbier war, die

Zunge so trefflich löste, daß ich in weniger als einer Stunde mehr

wußte, als hätte ich jahrelang in Montpellier gelebt und mich selbst um

diese Angelegenheiten bemüht. Ich fand das Mittel so probat, daß ich von

jetzt an beschloß, sogleich nach der Ankunft in jeder Stadt, in der wir

länger verweilen würden, dasselbe anzuwenden; der Erfolg war immer der

erwünschteste, und meine Kameraden, denen ich die Sache geheim hielt,

konnten gar nicht begreifen, wie ich nach den ersten vierundzwanzig

Stunden in einer Garnison schon alle in einigem Rufe stehenden

Schönheiten, deren Verhältnisse, Intrigen und so weiter wußte und an den

Fingern herzählen konnte.

Nachdem ich erfahren, was ich zu wissen begehrte, entließ ich meinen

Figaro, ihm den Sechs-Livretaler einhändigend, für den er sich

tausendmal bedankte, machte Toilette und dann meinen liebenswürdigsten

Wirtinnen meine gehorsamste Aufwartung. Sie nahmen mich recht artig auf

und luden mich sogar zum zweiten Frühstück ein, was ich aber ausschlug,

die Parade vorschützend. In dem Salon stand ein Piano, die Damen waren

beide ein wenig musikalisch, die eine spielte, die andere sang

französische Romanzen zwar etwas falsch, aber doch mit ziemlich

klangreicher Stimme und vielem Ausdruck, und die liebe Kunst wurde bald

wieder die gefällige Kupplerin. Madame Amiot war eine charmante

Brünette, die ein kleines, etwas verzogenes Mäulchen hatte, das ihr

allerliebst ließ, besonders wenn sie lächelte; ihre Schwester aber war

eine dunkle Blondine, eine geistreiche und sehr muntere Französin. Noch

an demselben Abend besuchte ich in Gesellschaft meiner Wirtinnen den

hochberühmten Peyron oder _lieu pierreux_, wie er im dortigen Patois

genannt wird, ein großer Lustgarten, zu dem drei steinerne Treppen durch

drei schöne Gittertore führen. Es ist ein großes längliches Viereck, von

prächtigen Balustraden eingefaßt, an dessen einem Ende zwischen zwei

Reihen Bäumen sich eine Terrasse mit einem sehr schönen achteckigen

Wassertempel befindet, zu dem zwei Prachtstiegen führen. Dieser

Lustplatz ist ohne Widerrede eine der schönsten Promenaden Europas, mit

der großartigsten Aussicht, von ihm aus sieht man rechts die Pyrenäen,

links die Gipfel der Alpen; das Amphitheater der Stadt liegt zu den

Füßen, und über demselben hinweg ragen zwischen Baumgruppen und

Zypressen schöne Villen und andere Gebäude hervor. Gegen Süden hat man

in geringer Ferne die schöne, oft spiegelglatte, mit Schiffen belebte

Fläche des mittelländischen Meeres vor Augen, das ich hier zum erstenmal

sah, und gegen Norden die lange Kette der Cevennen.

Ganz nahe bei dem Peyron liegt der erste botanische Garten, der in

Frankreich von Belleval im Jahre 1598, und zwar aus dessen eigenen

Mitteln, angelegt wurde; er verwandte die für jene Zeit ungeheure Summe

von hunderttausend Livres darauf, da die ihm von der Regierung

bewilligten Gelder nicht hinreichten. Zweimal mußte der Mann erleben,

daß seine Schöpfung in den Religionskriegen unter Heinrich IV. und

Ludwig XIII. wieder gänzlich verwüstet wurde, und dreimal hatte er den

Mut, sie von neuem zu schaffen. Er wurde hier der erste Professor der

Botanik und Akademie. In einem entlegenen Winkel dieses Gartens befindet

sich das Grabmal der Adoptivtochter des berühmten Verfassers der

Nachtgedanken, Youngs, der reizenden Narcissa, die der Vater auf seinen

Schultern selbst hierher getragen und begraben, weil ihm die

katholischen Priester ein Grab auf dem Kirchhof für das Mädchen

verweigerten. Meine beiden liebenswürdigen Führerinnen teilten mir diese

Begebenheit zwar gerührt mit, meinten aber doch, es sei ja eine Ketzerin

gewesen, diese Narcissa, also das Unglück nicht so groß, nicht ahnend,

daß sie mit einem sogar lutherischen Ketzer in Gesellschaft seien. Ich

brachte indessen den Nachmittag recht vergnügt mit den Damen zu, die für

das verschmähte Frühstück sich meine Teilnahme bei ihrem Souper

ausbaten, was ich jetzt nicht refüsierte, und beide zur guten Nacht

küßte.

Weltberühmt ist die Hochschule zu Montpellier, besonders hinsichtlich

der Arzneiwissenschaft, der Chirurgie und Anatomie. Unter dem Volk ging

aber die Sage, daß die Herren Mediziner hier ein so gewissenloses Volk

seien, daß sie nicht selten in stiller Nacht an einsamen Orten gesunde

Menschen wegfingen, um ihre Kunst an ihnen zu probieren, indem sie sie

töteten und dann im anatomischen Theater sezierten, namentlich seien sie

auch den abgelegen stehenden Schildwachen sehr gefährlich, von denen

schon gar manche auf diese Weise schlafen gegangen. Diese letztere

Albernheit hatte sich bald im Regiment unter den Soldaten verbreitet,

die lange Zeit daran glaubten und gewisse Posten nicht ohne Widerwillen

bezogen, auch dann sehr auf ihrer Hut waren. Da nun der Zufall wollte,

daß mehrere Schildwachen von ihren Posten desertierten, so ließen es

sich die Leute nicht ausreden, die Herren Doktoren hätten sie

weggefangen und tranchiert, bis endlich einmal ein solcher Deserteur

wieder eingebracht und vor der Front des Regiments zur Schau auf- und

niedergeführt wurde, um die Soldaten zu überzeugen, daß ihn die Doktoren

nicht verschnitten hatten. Dies rottete aber dennoch den Köhlerglauben

der Leute nicht ganz aus, besonders da der Bursche, diesen Umstand

benutzend, in seinem Verhör aussagte, er habe in der Tat seinen Posten

nur verlassen, weil mehr als ein Dutzend in schwarze Mäntel und Kappen

verhüllte Kerls auf ihn zugekommen seien und ihn hätten fangen wollen,

weshalb er in der Angst sein Gewehr weggeworfen und zum Teufel gelaufen

sei. Dies hinderte nicht, daß er hundertfünfzig Prügel in drei Portionen

in drei Tagen bekam und bei erster Gelegenheit wieder davonging.

Indessen ist es in früherer Zeit wirklich geschehen, daß solcher

Menschenraub von der hiesigen medizinischen Fakultät verübt wurde.

Ich hatte gleich in den ersten Tagen dem Fürsten Y. meine untertänigste

Aufwartung gemacht und wurde nicht nur sehr gnädig von demselben

empfangen, sondern er geruhte mich auch zu versichern, daß er jeden Tag

mein Offizierspatent mit denen von noch einigen andern Kadetten von

Paris erwarte, wo er uns bei dem Kriegsminister zu Unterleutnants

vorgeschlagen und auch dessen Zusage erhalten habe; ich dankte

gehorsamst für diese Mitteilung und überließ mich der frohen Hoffnung,

nun bald der mir oft lästigen Sergeantendienste los zu werden. In meiner

Wohnung war ich unterdessen völlig der Hahn im Korb geworden und schon

nach einem zweiten Souper ruhte die verheiratete Schwester auf meinen

Knien und tändelte in meinen Armen, so daß uns die ledige scherzend

zurief: »_Modérez vous_!« -- »_Mais il ne me laisse pas, que veux -- tu

que je fasse_?«, antwortete die Schwester, und ich setzte hinzu: »_Me

laisser faire_,« und: «_Elle se laissa faire._« Von jetzt an war ich der

Herr vom Hause.

Froh, wieder in einer Stadt zu sein, wo sich ein Theater befand,

versäumte ich nicht leicht eine Vorstellung, und besuchte diese oft in

Gesellschaft meiner beiden Hausdamen; aber bald interessierte mich die

hübsche Verteuil weit mehr als diese, so daß ich noch lieber den Proben,

als den Vorstellungen, und diesen jetzt fast immer nur hinter den

Kulissen beiwohnte. Vermittelst einiger kleiner Geschenke und artiger

Galanterien, vielleicht auch weil man mich für reich hielt, stand ich

bald auf einem sehr vertrauten Fuß mit der liebenswürdigen Aktrice, und

brachte manche Stunde in ihrer und der andern Theaterprinzessinnen

Gesellschaft zu. Aufrichtig gestanden, habe ich in meinem ganzen Leben

die Erfahrung gemacht, daß der Umgang und die Gesellschaft von

Schauspielerinnen, Sängerinnen und Tänzerinnen, die in der Regel nicht

ohne Geist, Witz und Verstand und mit der muntersten Laune begabt sind,

das Unterhaltendste von der Welt, während die vornehme Welt und

sogenannte gute Gesellschaft zugleich auch die zum Einschlafen

langweiligste ist, weshalb ich den Umgang mit hübschen Aktricen, wo

deren waren, allem andern vorzog; doch hat er auch seine unangenehme und

etwas kostspielige Seite und kann nach Umständen gefährlich werden und

viel Unheil anrichten, wie ich mehrmals die Erfahrung machte und wir

sogleich sehen werden. -- Madame Verteuil hatte zu meinem Unstern auch

wieder Gnade bei Seiner Durchlaucht unserm Regimentschef gefunden, den

sie ebenfalls nicht verschmähte, wovon ich aber ebensowenig wußte, als

der Fürst mein Verhältnis mit ihr ahnte. Eines Abends, nachdem ich mich

nach dem Theater noch eine gute Weile mit einem alten pensionierten

General aus der Zeit Ludwigs XVI. in dem Zelt der Esplanade unterhalten

und die Erzählung von dessen Abenteuern, die er in seiner Jugend in

Deutschland, namentlich am Hof des Vaters unsers Fürsten Y. mit einer

Prinzessin, dessen Tante, gehabt, geduldig zugehört hatte, fiel es mir

nach zehn Uhr ein, der Verteuil noch einen Besuch _en passant_ zu

machen; sie wohnte ebenfalls in der Nähe des Theaters. Ich wurde aber

nicht von ihr erwartet, da wir in dem Theater davon gesprochen hatten,

daß ich heute nicht kommen würde, weil sie über Kopfweh und Unwohlsein

klagte, was öfters der Fall war. Ich fand die Haustüre offen, schlich

mich leise die Treppe hinauf, öffnete ebenso leise die Zimmertüre meiner

Prinzessin und fand Seine Durchlaucht den Fürsten Y. halb entkleidet auf

einer Ottomane ausgestreckt liegen; die Verteuil, mich sogleich

erblickend, schrie: »_Ah mon dieu qui vient si tard?_« Mit den Worten:

»_Mille pardon je me suis trompé_,« schlug ich die Türe wieder zu und

eilte von dannen und zur Kloster, der ich lachend mein Abenteuer

erzählte, worauf mir diese versetzte: »_Mais comment, vous ne saviez

donc pas qu'elle est entretenue par son Altesse?_« »_Ma foi non._« Ich

tröstete mich, ein Glas Punsch mit der Kloster trinkend, die, wie auch

ihr Name andeutete, deutschen Ursprungs war, jedoch kein Wort deutsch

verstand, und nahm mir vor, die Verteuil nicht wieder zu besuchen, denn

ich dankte für die Ehre, auch >da mit dem Fürsten zu teilen, wo er noch

unter den Menschen hinunterkriecht<, wie Schiller sagt. Indessen war mir

doch nicht so ganz wohl bei der Sache, und die Folge zeigte nur zu sehr,

daß meine Furcht nicht unbegründet war, denn Fürst Y. warf jetzt einen

unverdienten Haß auf mich und sah mich schon den andern Tag auf der

Parade, der die Kadetten jedesmal, auf dem linken Flügel der Offiziere

stehend, beiwohnen mußten, einigemal von der Seite mit einem zürnenden

Blick an, während er sonst selten an mir vorüberging ohne ein paar

freundliche Worte an mich zu richten. Er sprach diesmal mit dem neben

mir stehenden jungen Prinzen Santa-Croce, der seit kurzem als Kadett in

das Regiment getreten war, ohne mich nur eines Blickes zu würdigen. --

Noch denselben Tag erließ er eine Ordre _du jour_, welche den Kadetten

auf das strengste befahl, sich zu allen Appellen in den Kasernen

einzufinden, und daß bei Kontreappellen deren Anwesenheit in den

Quartieren verifiziert werden solle; zugleich fügte er noch hinzu, daß

sich die Herren Offiziere, sowie die Kadetten, nicht mehr unterfangen

sollten, die Bühne während der Vorstellungen zu besuchen, wie er sehr

mißfällig wahrgenommen, daß dieses stattgefunden. Außer mir und Seiner

Durchlaucht wußte schwerlich jemand, wodurch dieser Tagesbefehl

hervorgerufen worden war, und wir schwiegen beide weislich. Der Prinz

Santa-Croce, den man trotz dieser Befehle eines Abends hinter den

Kulissen erblickte, erhielt sogleich acht Tage strengen Arrest. Fürst Y.

hätte dies alles nicht nötig gehabt, denn ich kam ihm nicht mehr ins

Gehege, ob mir gleich die Verteuil ein halbes Dutzend parfümierter

Entschuldigungs- und Einladungsschreiben auf Rosapapier zusandte. Ich

hielt mich an die Kloster.

Auf dem Landhaus des Herrn Gayral, wohin ich sehr oft eingeladen wurde,

hatte ich unterdessen auch die Bekanntschaft einer sehr artigen

Kaufmannsfrau, der Madame Cauchin, gemacht, die mich, so wie ihr Mann,

einlud, sie doch bisweilen zu besuchen, und mir sogar ihre Loge im

Theater zur Disposition stellte. In diesem Haus brachte ich von jetzt an

manche hochvergnügte Stunde zu. Überhaupt war bis dahin das Leben in

Montpellier ein wahres Götterleben für uns gewesen, und es fehlte uns an

Vergnügungen und Zerstreuungen nicht. Barras, der auf Befehl Napoleons

hundert Lieues von Paris entfernt leben mußte und sich damals hier

aufhielt, gab mehrmals große Soireen, zu denen er das ganze

Offizierkorps des Regiments einlud, und die sehr glänzend waren, da sich

die Hautevolee und die ersten Schönheiten der Stadt hier vereinigt

einfanden. Ein großes Fest aber war die Fahnenweihe unsers Regiments,

dessen Bataillone hier ihre Fahnen erhielten, deren reich mit Gold

gestickte Krawatten ein Geschenk der Kaiserin Josephine waren, wie die

Inschrift mit goldenen Buchstaben besagte. Nach der großen Parade, bei

welcher die Fahnen den Bataillonen und den dazu bestimmten Trägern,

nachdem sie in der Peterskirche von dem Bischof unter Gewehrsalven

eingeweiht worden waren, eingehändigt wurden, fand ein großes Diner und

am Abend ein Ball auf Kosten des Offizierkorps statt, zu dem alle

Notabilitäten von Montpellier eingeladen waren, und der bis zum Grauen

des Tages währte. -- Wir hatten nun unsere Vereinigungszeichen, aber es

waren bunte seidene Lappen, statt Adlern, wie sie die französischen

Linienregimenter hatten; wahrscheinlich hielt uns Napoleon seiner Adler

nicht wert, und wir mußten uns mit Latour d'Auvergne und andern

sogenannten Fremdenregimentern trösten, denen es nicht besser erging.

Im Theater hatte man seit einiger Zeit bei jeder Vorstellung drei sehr

hübsche Mädchen in einer Loge des ersten Ranges bemerkt, welche immer in

der elegantesten Toilette nach der neuesten Pariser Mode gekleidet

erschienen und aller Augen, namentlich auch die unsers Großmajors

Omeara, eines Irländers, auf sich zogen. Diese Damen gaben sich für

Pariserinnen aus, welchen das herrliche Klima Montpelliers von den

Ärzten verordnet worden, ihre etwas angegriffene Gesundheit wieder

völlig herzustellen; sie spielten übrigens die Spröden, waren sehr

zurückhaltend und gaben namentlich Subalternoffizieren und andern

Herren, die sich bemühten, ihre Bekanntschaft zu machen, kein Gehör. Man

sprach viel von der strengen Tugend dieser Demoiselles, die einer der

ersten Familien der Hauptstadt angehören sollten, prächtig, aber

eingezogen mit einer älteren Gouvernante in einem eleganten Gartenhaus

wohnten, keine Gesellschaft frequentierten, auch eine Einladung auf

unsern Fahnenball zurückgewiesen hatten. Bald jedoch flüsterte man sich

in die Ohren, daß sie unser Großmajor mit nächtlichen Besuchen beehre,

andere sagten, es sei der Fürst selbst, der sich um die elfte Stunde

nachts zu ihnen schleiche, und nun liefen allerlei mysteriöse Gerüchte

auf Rechnung dieser Damen um, die das Gespräch der ganzen Stadt waren,

bis endlich der Zufall das geheimnisvolle Wesen derselben an den Tag

brachte. -- Ein Schauspieler vom französischen Theater zu Paris, der

nach Montpellier gekommen war, um hier Gastrollen zu geben, erkannte

gleich zwei derselben als zwar sehr schöne, aber auch sehr kommune

Nymphen des Palais-Royal in Paris. Jetzt war ihre Rolle ausgespielt, und

als sie wieder in ihre Loge traten, zischte und pfiff man solange, bis

sie sich entfernt hatten, was sie erst dann taten, als der Tumult aufs

höchste gestiegen war. Schon am andern Tage waren sie aus Montpellier

verschwunden. Es war nun gewiß, daß sie den Fürsten Y., den Großmajor

Omeara und einige reiche Gimpel in ihr Netz zu ziehen gewußt und ihnen

tüchtig die Federn gerupft hatten. Man lachte viel über diese Aventüre,

denn wer den Schaden hat, darf ja für den Spott nicht sorgen. Dies war

nicht die einzige Unannehmlichkeit, die dem Fürsten hier widerfuhr, eine

weit größere stand ihm noch bevor. Der General, Kommandant zu

Montpellier, namens Quesnel, der die neunte Division befehligte, war ein

alter Soldat, der von der Pike auf gedient hatte und seinen hohen Grad

einzig seinem Mut und seinen Verdiensten verdankte, war sehr unzufrieden

mit der Art, wie im Regiment Y. der Dienst versehen wurde, sowie auch

mit den Manövern bei dem Exerzieren, weshalb er uns jeden Tag ausrücken

ließ und den Übungen selbst beiwohnte. Eines Tages kam, als das Regiment

manövrierte, Fürst Y. in einer mit vier Pferden bespannten Kalesche in

Begleitung zweier Damen auf dem Exerzierplatz angefahren, wo er aus

seinem Wagen den Übungen bequem mit zusah; dies wurmte den alten

General, der einen Adjutanten an ihn abschickte mit dem Befehl, der Herr

Oberst möge die Güte haben, ihm sein Regiment vorzuführen und dasselbe

selbst zu kommandieren. Fürst Y. mußte nun wohl oder übel aussteigen,

und da er kein Reitpferd bei der Hand hatte, das Regiment zu Fuß

anführen. Er hatte von Natur eine unangenehme und gellende Stimme ohne

Kraft und Ausdruck beim Kommando, so daß man ihn bisweilen nicht recht

verstand, wodurch dann Irrtümer entstanden; auch war er nichts weniger

als kapitelfest in den Evolutionen. Ärgerlich, sozusagen jetzt _par

ordre du_ Mufti kommandieren zu müssen, verlor er ganz die

Geistesgegenwart und machte einige arge Verstöße, die der General aber

nicht sogleich inneward, weil er das deutsche Kommando nicht verstand;

bald aber sah er doch ein, daß die Fehler vom kommandierenden Oberst

ausgehen müßten und stellte diesen deshalb zur Rede. Fürst Y.

replizierte etwas unbesonnen, worauf Quesnel ein französisches

Donnerwetter losließ, ihm zu schweigen gebot, und da er dies nicht

sogleich befolgte, ihm befahl, sich auf der Stelle in Arrest zu

verfügen. Seine Durchlaucht wurden nun blaß, wollten mehrmals etwas

entgegnen, aber der General drohte ihm, glühend rot, daß, wenn er nicht

sogleich ginge, er ihn _par la force armée_, das heißt mit der Wache

abführen lassen werde. Hier blieb nun nichts anderes übrig, als Ordre zu

parieren, wollte man sich nicht noch größeren Fatalitäten aussetzen und

wohl gar ein Kriegsgericht passieren sehen. Mit dem Ausruf: »Dies einem

souveränen Fürsten!« entfernte sich Y. zu Fuß, um acht Tage strengen

Zimmerarrest anzutreten, und die in dem Wagen sitzenden Damen, die dem

ganzen Skandal beigewohnt hatten, fuhren ganz verstimmt und unter dem

Hohnlachen der Soldaten in dem vierspännigen fürstlichen Wappenwagen vom

Exerzierplatz heim. Als die Zeit des Arrests um war, stellte sich Y.

noch mehrere Tage krank, mußte aber endlich dennoch in den sauern Apfel

beißen, dem bösen General aufzuwarten, um sich zu melden, den er zu

seiner großen Freude seinerseits an einem Halsgeschwür wirklich krank

darniederliegend fand.

Der Fürst erschien nun wieder bei der Parade, wo er aber gleich das

erstemal noch eine Fatalität anderer Art hatte. Es fanden sich bei

derselben jedesmal eine Menge Zuschauer, meistens aus den unteren

Klassen des Volks, ein, hauptsächlich, um der Musik zuzuhören; diese

Leute drängten sich aber oft so unverschämt dicht an die aufziehende

Wachtmannschaft heran, daß dieser kaum mehr Raum zum Abschwenken mit

Pelotons übrigblieb. Der die Wachtparade kommandierende Bataillonschef,

ein gewisser Brüge, ein Elsässer, wollte das Volk mit Schreien und

Schimpfen zurückgehen machen, man lachte ihm aber ins Gesicht und drang

noch frecher vor. Brüge ließ nun mit Sektionen abschwenken, so daß die

Soldaten rasch in die Haufen drangen, die nicht schnell genug

zurückweichen konnten, und Brüge rief ihnen dabei noch auf deutsch zu:

»Tretet die Hundsfötter, die nicht weichen, nieder!«, so daß es beinahe

zu einem Handgemenge zwischen den Soldaten und dem hier so bösartigen

Volk gekommen wäre, aus dem mehrere der Kecksten vortraten und den

kommandierenden Offizier förmlich herausforderten. Glücklicherweise trat

Düret hinzu, der so ziemlich das Patois dieser Menschen sprach, und dem

es gelang, die fatale Sache friedlich beizulegen. Aber der General, dem

der Vorfall rapportiert wurde, ließ dem Fürsten abermals einen Verweis

zukommen und schickte den Bataillonschef Brüge vier Tage in Arrest.

In meiner Wohnung lebte ich indessen ganz behaglich, ich hatte auch die

Kost bei den Damen, und wir führten mit noch einigen andern Bekannten

derselben bisweilen kleine französische Lustspiele und Vaudevilles im

Gartensalon, aber möglichst geheim, auf, wobei nur wenige Eingeweihte

als Zuschauer zugelassen wurden. Ich fand dies um so nötiger, als Fürst

Y. früher einmal bei der Parade zu mir gesagt hatte: »Nun, wie steht's

mit unserm Theater, werden Sie bald wieder etwas zum besten geben? Sie

können auch nächstens wieder Ihre Vorlesungen bei mir beginnen.« Worauf

ich erwidert hatte: »Durchlaucht, ich stehe zu Befehl!« Nach dem Vorfall

mit der Verteuil war aber von dem allem keine Rede mehr, ob ich gleich

überzeugt war, daß mich Fürst Y. während seinem Arrest und seiner

wirklichen oder fingierten Krankheit gerne wieder zum Vorlesen gehabt

hätte.

So lebte ich denn noch einige Zeit so ziemlich sorglos und unbekümmert,

obgleich in Ungnade gefallen, in den Tag hinein, versah meinen Dienst,

bezahlte aber meine meisten Wachen, ausgenommen die, welche mich an den

Justizpalast kommandierten, wo ich mich amüsierte, weil ich dann immer

den öffentlichen Verhandlungen der Tribunale beiwohnte, die oft im

höchsten Grad unterhaltend und komisch waren, besonders wenn sie

Ehestandszwistigkeiten, Liebesintrigen und so weiter betrafen, wo dann

jedesmal die Frauen die große Mehrzahl des Auditoriums ausmachten und

sich desto besser unterhielten, je größer der Skandal war, auch ihre

Gesichter eine ungeheure Heiterkeit überzog. Aber bald wurde ich durch

ein Ungewitter, das sich über meinem Haupt zusammenzog und plötzlich

losbrach, an dem ich freilich zum Teil selbst große Schuld trug, aus

meinem Schlaraffenleben aufgeschreckt. Ein berühmter Sänger von der

_Academie imperiale_ in Paris gastierte hier, und solange er weilte,

wurden nur Opern aufgeführt, während das Schauspiel unterdessen

Vorstellungen zu Cette gab. Seine Durchlaucht war noch immer mit der

Verteuil liiert, während ich jetzt einer jungen, aber recht hübschen

Novize, die sich erst seit kurzem Thaliens Dienst gewidmet, den Hof

machte. Demoiselle Angely hatte ein allerliebstes Stumpfnäschen _à la

Roxellane_, war dabei ein sehr ausgelassenes, wildes und naseweises

Ding, das seine Launen hatte, die Spröde spielte, aber für die

Soubretten im Lustspiel ganz geschaffen war. Wenn ich glaubte, sie

endlich ganz gewiß festzuhalten, war sie mir wieder entschlüpft, und

schon öfters hatte ich bis Mitternacht bei ihr zugebracht, ohne etwas

mehr als einige Küsse, und diese nur sparsam, erlangen zu können.

Jedesmal ging ich verdrießlich mit leeren Versprechungen, die sie mir

nebst einem Kuß beim Abschied für den folgenden Abend gab, und nie

hielt, von ihr weg, mir vornehmend, das eigensinnige Mädchen ganz

aufzugeben; diesen Vorsatz führte ich auch immer mit großer Festigkeit

bis zum nächsten Abend aus, wo ich dann wieder das alte Spiel von neuem

mit ebenso geringem Erfolg begann, mich über mich selbst ärgernd, eine

solche Schmachtfahne geworden zu sein, und mich obendrein noch so an der

Nase herumführen zu lassen. Endlich versprach mir Brigitte Angely, im

Begriff auf mehrere Tage mit dem Schauspiel nach Cette zu fahren, daß,

wenn ich sie dort besuchen wolle, sie mich gewiß erhören würde. Da ich

ihr nicht traute, so sagte ich sehr ernst: »Ich will nicht hoffen, daß

Sie mich wieder zum besten haben und mich vergeblich nach Cette sprengen

wollen, was böses Blut setzen könnte.« Mit einem, durch einen feurigen

Kuß besiegelten: »Nein, gewiß nicht!« beteuerte sie dieses, und ich

dachte, es ist eine von den närrischen Launen des Mädchens, daß sie mich

nur in Cette und nicht in Montpellier beglücken wolle, warum, das mögen

die Götter wissen, und versprach ihr, schon den kommenden Tag zu folgen.

Nach der Parade bat ich meinen Kapitän um zwei Tage Urlaub, die er mir

auch gewährte, doch dabei bemerkte, daß es auch der Einwilligung des

Fürsten bedürfe, wie ich wohl wisse, die er aber selbst einholen wolle.

Seine Durchlaucht lagen aber gerade diesen Tag wieder an ihrem alten

Übel, dem Podagra, darnieder, Saint Jüste wurde nicht vorgelassen, hatte

mein Anliegen dem Kammerdiener mitgeteilt, der ihm die Antwort brachte,

der Fürst könne sich in diesem Augenblick nicht mit Dienstsachen

befassen, er würde später darüber Bescheid geben. Am folgenden Tage, an

dem ich Brigitten nach Cette zu kommen versprochen, war noch nichts

entschieden, der Fürst kam nicht zur Parade, ich hatte mir schon ein

Pferd gemietet, bat meinen Sergeant-Major, daß, wenn ich bei den

Appellen fehlen würde, er sagen möge, daß ich mich krank gemeldet habe,

was er mir versprach. Ich ritt nun in gestrecktem Trabe nach Cette, wo

ich jetzt das Meer in seiner unendlich scheinenden Unermeßlichkeit zum

erstenmal ganz in der Nähe bewunderte und dann die Angely aufsuchte, die

zu meinem Erstaunen sich mit der Verteuil in derselben Wohnung, und zwar

so eingemietet hatte, daß beide in demselben Zimmer schliefen, worüber

ich ihr während der Vorstellung Vorwürfe hinter den Kulissen machte, die

sie aber mit einem: »Was tut das, lassen Sie mich nur machen«

beantwortete. Wir soupierten nun _à trois_, die Verteuil schien von der

besten Laune beseelt, welche spanische Feuerweine noch vermehrten, und

machte Witze auf Kosten des Fürsten Y. Nach dem Souper schlug sie vor,

die herrliche stille Mondnacht zu einer kleinen Spazierfahrt auf der See

zu benutzen, was mir, der ich noch nie auf dem Meere gefahren, ganz

willkommen war. Wir suchten einen Schiffer an dem Hafen auf, der uns mit

einem Gehilfen in die gerade ganz spiegelglatte See, wie sie nur am

Mittelländischen Meer zu finden ist, und in welcher die silbernen

Mondstrahlen sich herrlich spiegelten, eine ziemliche Strecke fuhr. Die

ganze Natur war so still und ruhig, daß es uns schien, als seien wir die

einzigen lebenden Wesen in derselben, man hörte kein anderes Geräusch

als das Niederschlagen der beiden Ruder unserer Barke. Brigitte wurde

ganz gegen ihre Gewohnheit ernst und stille, sprach wenig, seufzte sogar

bisweilen, und schmiegte sich fest an mich, während ich sie mit dem

linken Arm umschlang. Die Verteuil lächelte etwas ironisch und fragte

die Ruderer, ob sie kein languedozisches Lied zu singen wüßten, was

diese bejahten und gleich das in dieser Gegend so beliebte >_La Nisada

d'amour_<, das mit den Worten: >_Connonyssés la bella Liseta_< beginnt,

anstimmten. Nach einer guten halben Stunde fuhren wir wieder ans Land

und begaben uns in unsere Wohnung zurück, wo sich die Verteuil in das

eine Bett und die Angely in das andere, in einem Alkoven stehende

verfügte, während ich mich angekleidet auf eine Ottomane warf, als aber

die Lichter gelöscht waren, in den Alkoven schlich, wo man mich mit

offenen Armen, jedoch ganz leise ein »Pst, Pst!« lispelnd, empfing. Erst

als es zu spät war, erkannte ich, daß es die Verteuil war, die ich

umschlungen hatte, ließ aber nicht merken, daß ich den Betrug entdeckt,

und schlich mich nach Mitternacht, als ich sie eingeschlafen glaubte,

davon und an das andere Bett, dessen Inhalt gleichfalls schlief, und den

ich mit Küssen bedeckte, auch schlaftrunken wieder geküßt ward und

endlich wahrnahm, daß es -- wieder die Verteuil war, die ich umarmte. Es

war, wie ich nun wohl einsah, eine abgekartete Sache zwischen den Damen,

mich so zu foppen, aber ich nahm mir fest vor, die schelmische Brigitte

dafür _à tout prix_ zu bestrafen, ging gegen Morgen auf mein Zimmer, das

Gemach der Aktricen verschließend und den Schlüssel zu mir steckend.

Angekleidet warf ich mich nun auf mein Bett, schlief bald ein und --

verschlief den halben Morgen, denn ich bedurfte der Ruhe. Als ich

erwachte und nach der Uhr sah, die schon zehn zeigte, fiel es mir heiß

ein, daß ich eigentlich ohne Urlaub von Montpellier fort sei und mir

dies einen schlimmen Handel bei der ungnädigen Stimmung des Fürsten

gegen mich zuziehen könne, wenn es an den Tag käme, daß ich die Nacht in

Cette zugebracht. Ich ließ also eilig mein Pferd satteln und jagte, ohne

Abschied von den noch Eingesperrten zu nehmen und den Schlüssel ihres

Gemachs bei mir behaltend, _ventre à terre_ nach Montpellier, um

womöglich noch zu rechter Zeit zur Parade einzutreffen; aber ich hatte

mich verrechnet, der elende Mietgaul hielt das tolle Rennen nicht aus

und stürzte, als ich noch nicht den halben Weg zurückgelegt hatte,

keuchend unter mir zusammen. Ich raffte mich und dann die Mähre nicht

ohne große Mühe auf, führte sie im langsamen Schritt, jeden Augenblick

fürchtend, daß sie auf der Stelle liegen bleiben würde, bis zum nächsten

Dorf, wo ich mir so schnell als möglich einen Karren verschaffte und auf

diesem den Rest des Wegs, wenn auch _à forçe des pourboires_, ziemlich

rasch, doch immer noch viel zu langsam, zurücklegte, denn als ich zu

Montpellier ankam, war die Parade längst vorüber und alle Donner gegen

mich losgelassen; der erboste Fürst wähnte nicht anders, als ich sei der

Verteuil zu Gefallen nach Cette, weshalb er auch Saint Jüste so

abfertigen ließ, als dieser Urlaub für mich begehrte. Fürst Y. hatte

wenigstens insofern recht, als sie ganz gegen meinen Willen und mein

Wissen in meinen Armen eine Untreue gegen ihn beging. Als ich in meiner

Wohnung ankam, erfuhr ich von meinen Wirtinnen, daß schon dreimal ein

Unteroffizier nach mir gefragt und zuletzt mein Kapitän selbst gekommen

sei, sich nach mir zu erkundigen, und daß er, als man ihm gesagt, daß

man mich seit dem gestrigen Mittag nicht gesehen, geäußert habe: »Das

wird eine saubere Geschichte werden.« Dies waren böse Omen; ich ging nun

sogleich in die Kaserne zu meinem Sergeant-Major, von dem ich erfuhr,

daß er Ordre habe, mich sofort nach meiner Ankunft in den _Salle de

police_ der Unteroffiziere zu bringen, was er auch vollzog, und wohin

ich ihm, meinen Degen abschnallend, ganz geduldig folgte. Ich traf dort

ein halbes Dutzend Kameraden, unter denen noch zwei Kadetten für

Disziplinarvergehen verhaftet waren, welchen ich sogleich die _bien

venue_ spenden mußte. Bald darauf erschien auch mein Kapitän, der mich

beiseite nahm und mir verkündete, der Fürst sei im höchsten Grad

aufgebracht gegen mich, denn er wisse, daß ich ohne Urlaub mit der

Verteuil nach Cette gefahren, daß ich bei den Appellen und der Parade

gefehlt und mich habe krank melden lassen, während ich _des parties de

plaisir_ mit Aktricen ausgeführt, und ich müsse mich auf seinen ganzen

Zorn gefaßt machen, was ich in der Erwartung der Dinge, die da kommen

würden, tat. Am andern Morgen brachte mir der Fourier der Kompagnie das

Ordrebuch, in welchem ich las: >Der Kadett Fröhlich ist seines

Grades als Sergeant verlustig und bis auf weitere Ordre wegen

vierundzwanzigstündiger unerlaubter Entfernung aus der Garnison und

Dienstvernachlässigung in strengem Arrest zu behalten.< Wäre ich noch

zur Parade eingetroffen, so hätte der Fürst von meiner Abwesenheit

nichts erfahren, aber als ich da fehlte, schickte er ein- über das

anderemal in mein Quartier. Ist der Teufel einmal los, so ist er es auch

gewöhnlich in allen Ecken. Jetzt meldete sich auch der Eigentümer des

Pferdes, das ich gemietet hatte, und das ihm der Bauer zugeführt, dem

ich diesen Auftrag nebst sechs Livres gegeben, und verlangte nicht

weniger als sechshundert Franken für den Gaul, den man ihm ganz

unbrauchbar und halb tot zurückgebracht habe. Er war zu meinem Kapitän

gegangen, der mir riet, die Sache gütlich mit ihm abzumachen, damit das

Feuer nicht noch mehr geschürt würde; ich schrieb nun an die Herren

Michel und Gayral, an die ich empfohlen war, dieselben bittend, diese

Sache aufs beste zu arrangieren, und sie fanden sich mit der Hälfte der

Summe, die er gefordert hatte, mit dreihundert Franken, mit dem

Spitzbuben ab. Das Pferd war keine hundert wert. Aber, was noch das

ärgste war: der Fürst schrieb oder ließ an meine Eltern schreiben und

malte diesen ein schreckliches Bild von meiner Aufführung aus, machte

ihnen Vorwürfe, daß sie mir so viel Geld zukommen ließen, denn ich

vertue dreimal mehr, als die Gage eines Kapitäns erster Klasse betrage,

meine Konduite sei dabei abscheulich (nicht abscheulicher war sie als

die Seiner Durchlaucht selbst, oder noch viel weniger abscheulich), ich

versäume den Dienst und so weiter. Hieran erhielt ich sehr bald ein

nicht minder fulminantes Schreiben von Haus, in dem man mir mein

Betragen vorwarf und mir ankündigte, ich habe mich in Zukunft mit der

mir bewilligten Zulage von hundert Franken monatlich zu begnügen und man

werde Ordres an die Bankiers geben, daß mir keiner etwas darüber

auszahlen dürfe, ich solle mein ausschweifendes Leben einstellen, sonst

würde man ganz seine Hand von mir abziehen und so weiter. In Frankfurt

hatte man die Sache noch weit mehr ausgeschmückt und vergrößert, da war

ich kassiert und Gott weiß was alles worden, während das Abnehmen eines

Unteroffiziergrades, oder Zurücksetzung um einen Grad, oder Suspension

eine sehr gewöhnliche Disziplinarstrafe bei den Franzosen und besonders

in unserm Regiment war, wo dies oft sogar von den Kapitäns, oder doch

auf deren Antrag geschah. Ich beantwortete den Brief meines Vaters so

gut ich vermochte, ihm die Sache mit Auslassung gewisser Punkte

auseinandersetzend. Vierzehn Tage waren schon beinahe verflossen und ich

noch immer im Arrest, ohne zu wissen, was am Ende daraus werden solle.

Fürst Y. war bereits wieder nach Paris und von da mit Urlaub nach

Deutschland gereist, und das Regiment sollte ihn nicht wieder zu sehen

bekommen, als eines Morgens mein Bataillonschef Düret in das

Arrestzimmer trat und mich mit lachender Miene fragte: »_Eh bien en avez

-- vous assez?_« Ein Seufzer war meine Antwort. Er nahm nun ein Papier

aus einem Portefeuille und übergab es mir mit den Worten: »_Tenez lisez,

cela vous consolera._« Ich öffnete es, es war meine Ernennung zum

Unterleutnant, die ich mit Staunen las. »Sie können von Glück sagen,«

fuhr Düret fort, »denn wären Sie nicht schon vor einigen Monaten vom

Fürsten vorgeschlagen worden, jetzt würde es sicher nicht so bald

geschehen.« Diese Nachricht erfüllte mich auf einmal wieder mit Freude

und frohen Hoffnungen, ich verließ mit Düret den _Salle de police_, war

frei und Offizier nach wenig Monaten Dienst, und eilte in meine Wohnung,

wo mich meine hübschen Wirtinnen recht freundlich mahnend empfingen,

indem sie sagten: »Dies sind die Folgen, wenn man das _mauvais sujet_

mit Aktricen macht.« Ich schrieb jetzt schnell die gute Nachricht nach

Haus, ließ mir ein paar Epauletten von dem Kapitän d'Habillement geben,

und den andern Tag rückte das Regiment aus, dem ich mit noch vier andern

Kadetten, unter denen auch Prinz Santa-Croce, die ebenfalls zu

Offizieren avanciert waren, >_au nom de S. M. l'Empereur et roi Napoleon

I._< unter dem Wirbeln der Tambours und dem klingenden Spiel der Musik

als Offizier vorgestellt, von dem Bataillonschef und meinen Kameraden

umarmt wurde; ich wähnte nun einen Riesenschritt zum Marschallsstab

getan zu haben. Omeara, der nach der Abreise des Fürsten die Funktionen

des Obersten versah, lud uns zu einem Diner ein, ebenso General Quesnel,

an den ich mir schon vorgenommen hatte zu schreiben, um ihn um Befreiung

aus meinem Arrest zu bitten, aber so war es besser. Auch die beiden

Damen, die an der ganzen Geschichte schuld waren, suchte ich gleich auf,

um mich ihnen als Offizier zu präsentieren, wurde aber von diesen mit

Vorwürfen empfangen, weil ich sie eingesperrt, ohne Abschied verlassen

und sogar den Zimmerschlüssel mitgenommen habe, weshalb sie die Probe

versäumt und einen Schlosser hätten müssen kommen lassen, sie zu

befreien; es sei mir daher ganz recht geschehen, daß ich gestraft

worden, denn auch sie hätten wegen der Versäumnis Strafe zahlen müssen.

Ich aber stopfte Brigitten den Mund mit Küssen, sagte ihr, daß sie wohl

wissen müsse, daß sie noch in großer Schuld bei mir stünde, und ich auf

Berichtigung dränge. Alle ausgestandenen Leiden waren jetzt rein

vergessen, aber das lange Einsetzen ohne Bewegung hatte doch meine

Gesundheit angegriffen, und ich machte eine nicht ganz unbedeutende

Krankheit durch, während welcher mich meine gutmütigen Wirtinnen recht

sorgsam pflegten.

Kaum war ich genesen, erhielt das Regiment Marschordre, und zwar so, daß

das erste und zweite Bataillon nach Toulon und die beiden andern nach

Marseille gewiesen wurden. Den Tag vor unserm Abmarsch erreichte ich

noch meinen Zweck bei der Angely, halb durch Überrumpelung, halb durch

Überredung, auch sagte sie mir, daß sie bereits mit dem Direktor des

Theaters zu Toulon in Unterhandlung stehe, dort ein vorteilhaftes

Engagement zu erhalten hoffe, und gab mir deshalb ein Schreiben an

denselben mit, mich bittend, mich in Toulon für ihre Angelegenheiten zu

interessieren, was ich versprach. Es war vielleicht mit ein Grund ihrer

endlichen Ergebung. Den andern Morgen marschierte ich mit dem Bataillon

nach Toulon ab.

Wir kamen wieder über Lünel, Nimes, bis Tarascon zurück und den vierten

Tag in Saint Remy an. An römischen Altertümern fehlte es hier so wenig,

wie in der ganzen Gegend. Ein halb in Ruinen vor der Stadt liegender

Triumphbogen, ein noch gut erhaltenes Mausoleum, fünfzig Fuß hoch,

dessen Basreliefs meisterhaft dargestellte Schlachtstücke bilden, sind

die bemerkenswertesten, auch viele römische Münzen, Urnen und so weiter

werden fortwährend hier gefunden. Saint Remy ist die Vaterstadt des

berühmten Astrologen und Leibarztes Karl IV., Nostradamus, dessen

Prophezeiungen noch in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts bei

Galeerenstrafe und Bann verboten waren, weil er den Untergang des

Papstes geweissagt hatte; aber gerade das vom Heiligen Stuhl neuerdings

ausgegangene Verbot machte die Leute wieder auf dieses Werk aufmerksam,

von dem ein Exemplar sogar für zweitausend Livres verkauft wurde. Von

Saint Remy marschierten wir in das kleine Städtchen Orgon; die nächste

Etappe nach dem Städtchen Lambeß war nicht von Bedeutung, auf diese aber

folgte Aix, das alte _Aquae Sextiae_. Aix war die erste Kolonie in dem

römischen Gallien. Zur Zeit Karl Martels von den Arabern verwüstet, aber

von den Grafen der Provence wieder hergestellt, war sie im Mittelalter

deren Hauptstadt. Diese hielten hier einen glänzenden Hof, an dem sich

die berühmtesten Troubadours befanden. Unter René, der den Titel eines

Königs von Jerusalem und Sizilien führte, und 1480 als Graf von Provence

starb, blühten Wissenschaften und Künste aufs höchste in Aix; er

war es auch, der die hiesige so berühmte und berüchtigte

Fronleichnamsprozession einführte, die eine der seltsamsten

Merkwürdigkeiten dieser Stadt ist. Die Teufel und heidnischen Gottheiten

spielen dabei eine große Rolle. Das ganze soll den Sieg des Christentums

über das Heidentum darstellen, dessen letzter Tag gekommen ist, und das

vor der aufgehenden Sonne gleich der Finsternis der Nacht verschwindet.

Das Fest beginnt schon mit dem Sonntag Trinitatis und dauert mehrere

Tage. Der ganze Olymp und die halbe Hölle figurieren bei diesem

religiösen Mummenspiel. Ein alter Küster übernimmt gewöhnlich die Rolle

des Zeus und hat ein Bündel Blitze von Goldpapier in den Händen; seine

Gattin, die Frau Juno, ist ein derber Bäckergeselle; die Venus stellt

meistens ein klapperdürres Schneiderlein und den Vulkan ein rußiger

Fleischer dar; ein dicker Fleischersjunge macht den Schalk Amor und

führt statt der Pfeile ein blankes Schlachtmesser; die keusche Diana ist

nicht selten ein rauhbärtiger Matrose und Mars ein invalider Krieger und

so weiter. Abends gegen zehn Uhr verlassen sämtliche Götter ihren Olymp,

das heißt, das Rathaus, auf dem sie sich versammelten, und ziehen nun

beim Fackelschein mit Pauken und Trompeten, Zimbeln und Trommeln durch

alle Hauptstraßen der Stadt. Diesen Götterzug verkündigt eine zu Pferde

vorausreitende Fama, der Merkur, Pluto, Proserpina, Momus, Charon und

drei Höllenrichter, sämtlich beritten, folgen; nach ihnen kommt der

christliche Fürst der Finsternis mit ein paar Dutzend christlicher

Teufel, dann kommen Furien, Hexen, Faunen, Nymphen und so weiter, alles

durcheinander, die beim Klang der Schalmeien, Sackpfeifen und Basquen

tanzen. Bacchus sitzt auf einem ungeheuern Faß, Mars und Minerva, Apoll

und Diana, Vesta und Cybele und so weiter reiten phantastisch

geschmückte Rosse, während Ihre Majestäten Jupiter und Juno, von der

Frau Venus und ihrem Söhnchen begleitet, in einem vergoldeten, mit

vielen bunten Laternen erleuchteten Wagen fahren. Die unseligen Parzen

auf rabenschwarzen Tieren, und Tambourin spielende und dabei tanzende

Höllengeister schließen den Zug.

Am Morgen des Fronleichnamsfestes versammeln sich in aller Frühe die zum

biblischen Zuge gehörigen Personen. Ein König, im Kostüm des Kreuzkönigs

der Spielkarten, erscheint an der Spitze von einem Dutzend großer,

hochgehörnter und langgeschwänzter Teufel. Vier Teufelchen folgen,

Bocksprünge machend, einem Engel, der eine gerettete Seele an der Hand

führt, dann kommt das goldene Kalb, durch eine mit Goldpapier

geschmückte große Katze vorgestellt, ihm folgt ein zweigehörnter Moses

mit den Gesetztafeln, Aaron, die Königin Saba und Herodes mit einem

Trupp von mehr als hundert weißgekleideten Kindern, welche von Zeit zu

Zeit durch mit Keulen von Pappendeckeln oder Beilen von Blech

bewaffnete, blutrot gekleidete Henker niedergeworfen werden und sich

dann im Kot oder Staub, je nachdem das Wetter ist, heulend und winselnd

wälzen; auch wird sogar auf sie geschossen. Petrus, Judas, Johannes der

Täufer im Schafspelz und Christus unter dem Kreuz keuchend, die Schächer

und Pharisäer und Pontius Pilatus fehlen nicht. Diesen Zug, der sich

nach beendigter Messe aus der Hauptkirche durch die Stadt bewegt,

schließt ein lebendig Toter, in ein Leichengewand gehüllt, eine Sanduhr

auf dem Haupt und eine Riesensense von blankem Blech in der Hand. Die

Teufel werden beständig mit Weihwasser besprengt, damit sich der

wirkliche Teufel, Satanas selbst, nicht unter sie mischen kann, wie sich

dies einmal zugetragen haben soll; auch einige Teufelinnen befinden sich

bei der Prozession, und alle sind mit Schellen behangen. Wenn der vom

Teufel verfolgte König aus der Kirche tritt, fallen sie über ihn her,

stoßen und stechen ihn mit Mistgabeln oder Spießen, Seine Majestät

schlägt aber mit einem großen Szepter wütend um sich und versetzt den

Gehörnten eins, wo und wie er kann. Auch die arme Seele hat viel von den

kleinen Teufelchen zu leiden, die sie fortwährend zu haschen suchen,

aber der mit einem gelbblechernen Heiligenschein und goldenen Flügeln

geschmückte Engel nimmt sie in Schutz, wobei er doch manchen derben

Schlag von den Teufeln erwischt. Das ganze Fest endigte mit Spiel und

Tanz; ein Teufelstanz, ein Tanz der Aussätzigen, einer von gräßlichen

Ungeheuern, halb Menschen, halb Pferde von Pappe, vermutlich Zentauren

vorstellend, wurde dabei aufgeführt. Während der Revolution und der

Republik (von 1790 bis 1803) unterblieben diese grotesken

Feierlichkeiten, aber als die christliche Religion wieder Mode in

Frankreich ward, wurden auch sie wieder mit erneuertem Glanz und großem

Aufwand fortgesetzt, wie ich später zu sehen Gelegenheit hatte.

In Toulon galt mein erster Weg dem Zeughaus. Dies ist wieder ein für

sich bestehendes Ganzes, das in vielen Abteilungen und Magazinen alle

ganz fertigen Gegenstände aufbewahrt, die zur Armierung eines

Kriegsschiffes jeder Größe nötig sind. Da sieht man einen Artilleriepark

von tausend Schiffskanonen zwischen kolossalen Pyramiden aus den

vertilgendsten Materialien erbaut, nämlich Kugeln, Kettenkugeln, Bomben

und Granaten von jedem Kaliber, zwischen Reihen von Kanonen,

Feldschlangen, Karthaunen, Mörsern und Haubitzen, die in unabsehbaren

Linien aufgeschichtet sind. In den Waffen- und Rüstsälen sind unzählige

Flinten, Musketen, Karabiner, Säbel, Spieße, Pistolen, Dolche und so

weiter, welche oft die zierlichsten und seltsamsten Figuren, wie große

Blumenvasen, Weinstöcke, deren Trauben Kartätschen sind, und so weiter

bilden, aufgestellt. Im Modellsaal ist eine vollständige Sammlung von

Modellen aller möglichen Schiffe, von den ältesten bis auf die neuesten

Zeiten, von dem aus einem ausgehöhlten Baumstamme bestehenden Kahn des

Wilden an, bis zu dem mit allem Luxus und aller Kunst ausgerüsteten

Admiralschiff von hundertundzwanzig Kanonen, ebenso Flöße,

Maschinenwerke und so weiter.

Eine andere Sehenswürdigkeit dieses einzigen Arsenals ist das von dem

berühmten Ingenieur Grognard erbaute Bassin, welches am Ende des großen

Zimmerplatzes, ganz nahe an der See, liegt, in welchem sowohl neue

Schiffe erbaut, als alte ausgebessert werden. Sobald sie fertig, holt

sie das nun eingelassene Meerwasser ab und führt sie in den Hafen.

Grognard hatte mit unendlichen Schwierigkeiten und Hindernissen, die ihm

sowohl Natur als Neid, Mißgunst und Eigennutz von allen Seiten in den

Weg legten, zu kämpfen, bevor er dieses bewundernswürdige Werk zustande

brachte. So oft man ein Schiff aus diesem großen Bassin holen oder in

dasselbe führen will, wird letzteres mit Seewasser angefüllt, das, wenn

man dessen nicht mehr bedarf, durch, von einem halben Hundert

Galeerensklaven in Bewegung gesetzte, Pumpen in einer Zeit von sechs bis

acht Stunden wieder fortgeschafft wird. In den Häfen des Atlantischen

Meeres und der Nordsee ist dies unnötig, weil dort die Natur mit Hilfe

der Ebbe und Flut die Schiffe von selbst holt und bringt.

Während unsers Aufenthalts in Toulon sah ich einen Dreidecker von

hundertzwanzig Kanonen, den >Commerce de Paris<, eine neue Fregatte und

eine Brigg vom Stapel laufen, was immer die Veranlassung zu einer großen

Feierlichkeit gibt; das Schiff ist auf das bunteste beflaggt und

bewimpelt, viele Personen und geladene Gäste befinden sich auf

demselben, nebst einer rauschenden Musik, die, während es losgelassen

wird, Kriegsmärsche spielt. Wenn es glücklich im Meer angekommen ist,

endigt das Ganze mit Tafelfreuden und Tanz auf dem Schiff, wobei auch

Matrosen und sonstige Arbeiter, selbst die Galeerensträflinge, mit

doppelten Portionen bedacht werden.

Bevor dieses Bassin vorhanden, war es eine sehr gefährliche Operation,

ein so ungeheures Schiff vom Stapel laufen zu lassen, besonders für

diejenigen, die die vordersten Stützen desselben wegschlagen mußten, da

alsdann das Schiff sogleich pfeilschnell abrutscht. Zu dieser

lebensgefährlichen Operation nahm man gewöhnlich einen lebenslänglich

verurteilten Galeerensklaven, der, unter der Bedingung, daß, wenn er sie

glücklich vollbrachte, seine Freiheit erlangte, sich freiwillig dazu

verstand. War er nicht rasch und gewandt genug, um mit einem großen

Sprung außer dem Bereich des furchtbar schnell dahinschießenden Schiffes

zu kommen, so konnte leicht der Kiel desselben über seinen Körper gehen

und ihn so zermalmen, daß kaum noch eine Spur von seinem Dasein zu

finden war.

Diese Galeerensklaven, deren Zahl in Toulon in der Regel über

viertausend beträgt, von denen wenigstens ein Dritteil auf Lebenszeit

verurteilt ist, haben zwar ein hartes Geschick, das jedem Menschen, in

dem noch ein Funken Gefühl vorhanden ist, furchtbar, ja unerträglich

sein würde; aber die hierher verurteilten Verbrecher sind meistens

völlig gefühllos und durch und durch verhärtet, wie es die oft stupid

greulichen Physiognomien der Mehrzahl andeuten, und ist erst ein Mensch

ein paar Monate auf dieser Hochschule aller Laster und Verbrechen, dann

ist gewiß auch der letzte Funken von Ehre und Gefühl für immer in seiner

Brust erstickt. -- Aus dieser ebenso unsinnigen als scheußlichen

Strafanstalt rekrutieren sich fortwährend die Raub-, Mord- und

Diebesbanden durch die wieder frei gewordenen oder entwischten

Sträflinge, die Paris und ganz Frankreich zu vielen Tausenden

investieren, die empörendsten Verbrechen begehen, da ihnen Raub und Mord

Kleinigkeiten und sie gewöhnt sind, immer alles an alles zu setzen, und

die den Aufenthalt in der Hauptstadt so gefährlich machen. Sie sind

teils in alten Galeeren und Schiffen eingesperrt, teils in den Bagnos

(besondere zu diesem Zweck erbaute schmale und lange Säle), wo sie auf

zwei Reihen Pritschen oder langen Bänken, zwischen denen ein schmaler

Gang hinführt, je zwei und zwei aneinandergekettet, liegen. Jeder hat

gerade so viel Raum, als er zur höchsten Notdurft bedarf, um liegen zu

können; des abends werden sie noch mit besondern Ketten angeschlossen,

die gerade so lang sind, daß sich der Sträfling bis zu dem

nächststehenden Nachtkübel, wohin ihn dann sein Kettenkamerad begleiten

muß, begeben kann, seine Notdurft zu verrichten. Das Licht dringt

sparsam durch kleine in der Höhe angebrachte, stark vergitterte

Fensterchen in die Bagnos, diese faulen und pestartigen Menschenställe,

denn so oft auch diese Kübel geleert werden, so sind sie dennoch

beständig mit Unrat angefüllt. Auf diesen Pritschen nehmen die

Unglücklichen auch ihre elende Nahrung zu sich, die ihnen, gleich dem

Vieh, in hölzernen Trögen gereicht wird, und aus den gröbsten Speisen,

schwarzem Brot und in Wasser gekochten dicken Saubohnen besteht. Zu

ihrer Bedeckung haben sie des nachts einige Fetzen, Rudera von Decken,

in denen es von Ungeziefer wimmelt; nicht viel besser ist ihre Kleidung

beschaffen.

Die neuen Ankömmlinge, die hierher verdammt sind, werden sogleich in

eine Schreibstube des Marinekommissärs gebracht, wo man die sie

betreffenden Papiere untersucht, um sich von der Identität ihrer Person

zu überzeugen, worauf sie in das Register, aber mit keinem Namen,

sondern mit einer Nummer bezeichnet, eingetragen werden. Von hier werden

sie zum Baden in ein dazu bestimmtes Gemach gebracht, wo sie andere

Forçats völlig entkleiden, in eine hölzerne mit Seewasser angefüllte

Bütte legen, mit groben Schwämmen reiben und reinigen und das Wasser

mehrmals erneuern, dann werden sie noch von einem Chirurgen visitiert,

und sind sie krank befunden oder haben sonst etwas an sich, in das

Galeerenlazarett gebracht, um geheilt zu werden. Die Gesunden erhalten

nach der Besichtigung des Wundarztes nun ihre Galeerenkleidung, aus

einer ganz groben Jacke von rotem Tuch, sackleinwandenen Beinkleidern,

nicht viel besseren Hemden, ein paar mit Hufnägeln beschlagenen Schuhen

und einer grobwollenen Mütze bestehend, die mit der Nummer des Inhabers

bezeichnet und für die auf eine bestimmte Zeit Verurteilten rot, aber

für die auf Lebenszeit grün ist, wahrscheinlich eine Satire auf die

Farbe der Hoffnung. Auch das Haupt wird ihnen jetzt glatt geschoren.

Diejenigen unter ihnen, welche imstande sind, sich etwas nebenher zu

verdienen, irgendein Handwerk, eine Kunst verstehen, oder andere

Kenntnisse besitzen, sowie die, welche von ihren Familien eine

Unterstützung erhalten, können sich manches Bene tun und ihr Schicksal

um vieles erleichtern, namentlich auch ihre Nahrung verbessern. In

diesen Bagnos erblickt man die Menschheit in ihrer tiefsten Entwürdigung

und Verworfenheit. Die leiseste Bewegung eines solchen Sträflings

verursacht ein widerliches Kettengeklirre, man glaubt sich in einer

Menagerie wilder Bestien oder angeketteter Raubtiere. Wenn sie zur

Arbeit abgeführt werden, sind sie von der Pritsche losgeschlossen, aber

bleiben an der Kette, an der sie mit einem Kameraden zusammengeschmiedet

sind, die mit einem schweren dicken eisernen Ring an dem einen Fuß

befestigt ist und über einen Viertelzentner wiegt. Durch ihre Aufseher

und Wächter, Argousins genannt, die mit dicken, knotigen, mit Eisen

schwer beschlagenen Stöcken versehen sind, werden sie hinausgeführt und

draußen noch von Wachen mit scharf geladenen Gewehren empfangen und

begleitet. Das geringste Vergehen oder auch nur eine Miene des

Ungehorsams oder Murren wird auf der Stelle durch die Argousins mit

ihren Eisenstöcken auf das fühlbarste und ganz nach Willkür bestraft.

Für größere Vergehen folgen weit härtere Strafen, vierfache Ketten,

doppelte Ringe, enges Schließen, mit den Eisenstöcken wohl aufgemessene

Prügel sind die gewöhnlichsten.

Ohne Unterschied ihres frühern Standes und Verbrechens, sind hier alle

Stände vermischt aneinandergekettet und repräsentiert. Während meines

Aufenthaltes zu Toulon, wo ich oft die Wache am Arsenal hatte, waren

Geistliche, sogar ein ehemaliger Bischof, hohe Militärchargen, zwei

Generäle, Richter, Notare, Kriegskommissare, Advokaten, Adlige,

Kaufleute, Ärzte, Huissiers, Fabrikanten, Künstler, Handwerker, Bauern,

Tagelöhner und so weiter alle durch- und aneinander geschmiedet, die

freilich Verbrechen der gröbsten Art begangen hatten.

Trotz der strengsten Aufsicht und trotzdem sie, so oft man sie in die

Säle zurückführt, bis auf das Hemd durchsucht werden, gelingt es ihnen

doch häufig, in den Werkstätten allerlei Dinge zu entwenden und durch

ihre Verbindungen mit außen heimlich zu verkaufen. Nägel, Hämmer,

Kupfer, Handwerkszeug, Segeltuch und so weiter sind die Gegenstände, die

sie vorzugsweise zum Diebstahl reizen; sie hüten sich aber, die

gestohlenen Sachen mitzunehmen, sondern verstecken solche in den

entlegensten Winkeln der Schiffe oder in der Nähe der Werkstätten, in

denen sie arbeiten, und lassen sie dann durch freie Arbeiter, die im

Arsenale zu tun haben, mit denen sie im Einverständnis sind und denen

sie durch Winke begreiflich machen, wo sie den Raub zu suchen haben,

verkaufen. -- Gelegentlich stecken ihnen dann die letztern einige Sous

dafür zu. Nicht selten wird durch diesen Handel der freie Arbeiter am

Ende selbst auf die Galeere geschmiedet. Durch diese Arbeiter

unterhalten die Sträflinge auch fortwährend Einverständnisse mit

Personen in der Stadt, besonders mit feilen Dirnen, die sie schon früher

kannten, und deren es in Toulon wegen der Marine und der Matrosen

unzählige der allerverworfensten Gattung gibt, wie in jedem großen

Seehafen. Vermittelst solcher Einverständnisse gelingt es nicht selten

einem Galeerensklaven zu entwischen; in diesem Falle verbirgt er sich

gewöhnlich mehrere Tage bei einer solchen liederlichen Dirne oder in

einem andern Schlupfwinkel der Stadt, während, durch Kanonenschüsse in

Alarm gebracht, ihn die Gendarmerie und die Patrouillen in der Umgebung

suchen, vertauscht seine Sklavenkleidung, in welcher in jedem Stück die

Buchstaben _Gal_ groß eingebrannt sind, mit einer andern, welche die

Dirne längst für ihn in Bereitschaft gehalten, eilt nach Marseille, Lyon

oder Paris, um daselbst seine Laufbahn von neuem, nur mit größerer

Virtuosität, mehr Vorsicht und Erfahrung, wieder zu beginnen, denn der

Aufenthalt in den Bagnos, wo nicht selten falsches Geld, falsche

Abschiede, falsche Pässe, falsche Bankbilletts und so weiter mit

erstaunenswerter Kunst und fast nicht zu entdeckender Täuschung

verfertigt werden, hat sie ja zu Meistern in den scheußlichsten Lastern

und Verbrechen gemacht, und so treten sie als vollendete Schurken wieder

mitten unter die menschliche Gesellschaft, der sie ewigen Haß, Rache und

Verderben geschworen haben.

Wenn die Sträflinge von der Arbeit zurück in ihre Säle geführt werden,

dann ist es ihnen erlaubt, für sich zu arbeiten. Der eine schnitzt

allerlei Dinge aus Kokosnußschalen, der andere kopiert Schreibereien,

wohl auch Noten, ein dritter verfertigt Dosen, ein vierter macht

Tischler- oder Dreherarbeiten, ein fünfter schneidert oder flickt Schuhe

und so weiter. Geringere Vergehen werden mit dem Verbot dieser Arbeiten

bestraft, was den Sträflingen sehr empfindlich ist, weil sie dadurch die

Mittel verlieren, sich ihre Lage zu erleichtern und manches Bedürfnis,

als Tabak, ein Glas Branntwein und so weiter befriedigen zu können.

Auf das Signal, das einer der Aufseher mit einer Pfeife gibt, müssen

diese Arbeiten augenblicklich aufhören, das Abendgebet wird verrichtet,

und jeder legt sich auf das ihm angewiesene Bretterbett nieder, wo ihm

ein etwas erhöhter Holzblock zum Kopfkissen dient. -- Sobald sie liegen,

werden sie durch eine eiserne Stange, die man durch die Fußringe zieht,

aneinandergekettet, und Wachen marschieren die ganze Nacht zwischen

diesen Pritschen auf und nieder.

Diejenigen Forçats, die zu Prügeln förmlich verurteilt worden sind,

erleiden diese auf der sogenannten Bank der Gerechtigkeit, auf die man

sie, mit einem Strick umwunden und angebunden, legt, worauf sie die

bestimmte Zahl Prügel mit einem gedrehten, in Seewasser eingeweichten

Strick erhalten, der die Hiebe weit empfindlicher macht, weil er sich um

die Glieder schlingt.

Die zu hoffende Belohnung für ein gutes und gehorsames Betragen macht,

daß der Forçat sich mehr deshalb als aus Furcht vor Strafe bemüht, ein

solches zu haben. Bei einer guten Aufführung von mehreren Monaten oder

nach Jahresfrist verordnet der Chef dieser Strafanstalt, daß man ihn _en

chaîne brisée_ tue, das heißt, daß man ihn von seinem Kettenkameraden

trenne, er behält dann nur noch die Hälfte der Kette und den Fußring,

kann jetzt wieder allein gehen und ist nicht mehr gezwungen, bei allen

Verrichtungen auf seinen Kameraden zu warten, was eine außerordentliche

Erleichterung ist. Er gehört nun gewissermaßen zu den vertrauten

Sträflingen, aus denen man Köche, Barbiere, Krankenwärter in den

Lazaretten und sogar Schreiber in den Bureaus macht, man erlaubt ihm,

sich eine kleine Matratze anzuschaffen; später bleibt ihnen nur noch der

Ring am Fuß, und selbst diesen erlaubt man ihnen mit einem langen

Pantalon zu bedecken, sowie das geschorene Haupt mit einer Perücke. Ein

entwichener und wieder eingefangener Galeerensklave wird mit einer

tüchtigen Bastonade bewillkommt, eine Zeitlang in ein Loch gesperrt, wo

kein Tag hineindringt, und seine Strafzeit auf der Galeere verdoppelt.

Stirbt ein Sträfling, so wird er von vier seiner Kameraden ohne Ketten,

die nur noch einen Ring am Fuß haben, in einem Sarg in das Lazarett der

Marine getragen, wo die Wundärzte an seinem Körper ihre Studien machen;

wird aber einer wegen neuer, auf der Galeere begangener Verbrechen

hingerichtet, was in Gegenwart aller übrigen, die in bloßem Haupte sind

und auf den Knieen der Exekution beiwohnen müssen, geschieht, so

begraben ihn die grauen Brüder der Büßenden in Toulon, ein Werk der

Barmherzigkeit übend. Die kranken Sträflinge werden in dem für sie

bestimmten Lazarett gut verpflegt und gewartet. Doch genug über diesen

Gegenstand, einen der traurigsten, der die Menschheit berührt.

In Toulon bei der Belagerung durch das Heer der Republikaner zeichnete

sich Buonaparte zuerst als geschickter Artillerieoffizier aus. Nach den

Begebenheiten vom 31. Mai zu Paris hatte Toulon an dem Aufstand der

Marseiller teilgenommen, und mit diesen einverstanden, riefen die

Einwohner von Toulon die Engländer herbei und übergaben ihnen Stadt und

Hafen. In letzterem lagen damals fünfundzwanzig der schönsten

Linienschiffe, mit tausend Kanonen bewaffnet, und im Arsenal war ein

unermeßlicher Vorrat von Material jeder Art. Die Verbündeten, Engländer,

Spanier, Piemonteser und so weiter, besetzten auch noch die Zugänge und

Engpässe, die nach Toulon führen, auf mehrere Stunden in der Umgegend,

und namentlich die französischen Thermopylen, das Felsental von

Olioulles. Der französische General Cartaux hatte aber bereits dasselbe

wieder genommen, und seine Vorposten standen im Angesicht der Stadt, als

Buonaparte, Bataillonschef bei der Artillerie, im Hauptquartier zu

Beausset ankam, wo man mit dem Projekt umging, die feindlichen Flotten

in der Reede zu verbrennen. Den Tag nach seiner Ankunft besuchte er, den

Obergeneral begleitend, die zu dem Zweck errichteten Batterien und war

nicht wenig erstaunt, als er eine derselben eine Viertelstunde von dem

Engpaß von Olioulles mit sechs Einundzwanzigpfündern besetzt fand, die

nicht weniger als drei Kanonenschußweiten von den feindlichen Schiffen

und zwei von den Ufern entfernt lag. Dabei waren die Soldaten in den

umliegenden Bastiden (Landhäusern) rastlos beschäftigt, die Kugeln,

welche die Schiffe in Brand stecken sollten, glühend zu machen. Der

Kommandant der Batterie entschuldigte diesen Unsinn, vorgebend, daß er

auf höheren Befehl handle. -- Buonaparte suchte nun einen Park von

zweihundert passenden Feuerschlünden und geschickte Leute zu deren

Bedienung herbeizuschaffen, und nach Verlauf von wenig Wochen waren

sämtliche Batterien so nahe an dem Ufer der Reede aufgeworfen, daß sie

die größten feindlichen Schiffe entmasteten und die kleineren zum Teil

in den Grund bohrten, daher der Feind genötigt wurde, diesen Teil der

Reede zu verlassen. Täglich vermehrte sich nun das republikanische

Belagerungsheer, und bald war man imstande, die Belagerung mit allem

Nachdruck zu betreiben. Buonaparte, der sich unterdessen genau mit dem

Terrain bekanntgemacht hatte, schlug den Angriffsplan vor, dem man die

Wiedereinnahme Toulons verdankt und der mit großer Sachkenntnis

entworfen war. -- Gleich anfangs hatte er erklärt, daß, wenn man nur

drei Bataillone auf die Spitze der Vorgebirge Balaguier und Eguillette,

wo zwei Forts lagen, brächte, sich die Stadt in vier Tagen ergeben

müsse. Dieser Plan wurde aber den Engländern verraten, die sich schnell

entschlossen, die hohe Wichtigkeit dieser Position begreifend, sie zu

besetzen und eiligst zu befestigen, sogar die Galeerensklaven bei dieser

Arbeit verwendend. Durch viertausend Mann ließen sie diese Posten nun

besetzen, alles Gehölz in der Umgegend umhauen, und nannten diese

Verschanzungen Klein-Gibraltar, weil sie sehr fest und schwer zu nehmen

waren. General Cartaux, früher ein Maler, der glücklich gegen die

Marseiller gewesen, weshalb ihn die Deputierten des Bergs an demselben

Tage zum Brigade- und Divisions-General ernannt hatten, der aber sonst

gar kein militärisches Talent besaß, verlor jetzt das Kommando wieder,

das man einem General Doppet, einem armen Savoyarden, der früher Advokat

und jämmerlicher Rabulist gewesen, übertrug. Dieses Subjekt hatte noch

weit weniger Kenntnisse, war dabei ein Feind jedes fremden Talentes und

ein gewaltiger Hasenfuß, so feig wie boshaft. Ohne seine Feigheit würde

er durch einen sonderbaren Zufall Toulon in zweimal vierundzwanzig

Stunden nach seiner Ankunft genommen haben. Die Spanier hatten nämlich

einen Mann von den in den Laufgräben vor Klein-Gibraltar liegenden

Truppen gefangen genommen und mißhandelten ihn im Angesicht der

Franzosen. Diese, darüber wütend, griffen zu den Waffen und liefen im

Sturm gegen die feindlichen Schanzen. Als dies Buonaparte sah, eilte er

zum General und beredete ihn, diesen zufälligen Angriff und Enthusiasmus

seiner Leute zu benutzen, der auch auf seinen Rat alle Reserven in

Bewegung setzte, an deren Spitze Buonaparte marschierte. Die Sache

schien den besten Erfolg zu haben, als unglücklicherweise an Doppets

Seite ein Adjutant, durch eine Kugel getroffen, niedersinkt; da ergreift

den Advokat-General ein panischer Schrecken, in seiner Herzensangst läßt

er eiligst, und zwar in dem Augenblicke, als die Grenadiere im Begriff

sind, in den Eingang der Redouten zu dringen, von allen Seiten zum

Rückzug blasen. Die Soldaten, wütend, riefen laut, daß man ihnen

Advokaten und Hundsfötter statt Generälen gebe. Doppet wurde zwar

abgerufen und zum Henker gejagt, und ein alter, schon mit Wunden

bedeckter Soldat, General Dügommier, an dessen Stelle ernannt, aber der

beste Moment war verpaßt. Jetzt nahm die Sache jedoch bald eine andere

Wendung, und mit großem Eifer bereitete man alles vor, um sich zum Herrn

jener Position zu machen. -- Der unverständige Haufen, welcher die

Wichtigkeit derselben nicht einzusehen vermochte und nicht begreifen

konnte, warum man alle Streitkräfte konzentrierte, um ein abgesondertes

Fort zu nehmen und nichts gegen die Stadt selbst unternahm, murrte. Alle

Schreier in den Klubs beschuldigten die Kommandierenden des Verrats oder

doch der Unfähigkeit, man klagte über die lange Dauer der Belagerung,

Mangel und Not fing an, sich in der Provence fühlbar zu machen, und die

Konvents-Deputierten Freron und Barras schrieben an den Konvent, es sei

besser, die Belagerung aufzuheben und das Beispiel Franz I. zu befolgen,

der sich bei dem Einfall Karl V. hinter die Dürançe zurückgezogen,

worauf die Hungersnot den Feind genötigt habe, die von ihm verwüstete

Provence zu verlassen, und der dann mit desto größerem Erfolg

angegriffen und geschlagen wurde. Aber kurz nachdem dieses Schreiben,

welches die Deputierten später für unterschoben erklärten, nach Paris

abgegangen war, befahl Dügommier einen allgemeinen Angriff auf

Klein-Gibraltar, in welches Buonaparte nicht weniger als fünftausend

Bomben werfen ließ, während dreißig Vierundzwanzigpfünder dessen

Brustwehr demolierten. Von dem Flecken La Seine, der in der Reede liegt,

läßt Dügommier, ohnerachtet man es ihm mißrät, um Mitternacht bei dem

schrecklichsten Sturm und Regenwetter die Truppen in zwei Kolonnen gegen

die Verschanzungen marschieren, die aber durch die vor den Redouten

placierten Plänkler mit einem sehr gut unterhaltenen Feuer empfangen

werden, so daß die erste Kolonne zu wanken beginnt, und Dügommier an

ihrer Spitze ruft aus: »Vorwärts! in's Teufelsnamen, oder ich bin

verloren!«; denn das Schafott, das damals jeden geschlagenen General

erwartete, schwebte ihm vor Augen. -- In diesem Augenblick erklimmt ein

junger Artilleriehauptmann namens Muiron, der Buonaparte zugeteilt war

und den man mit einem Bataillon Chasseurs absandte, den Berg an der

Spitze seiner Truppen und kommt, von der zweiten Kolonne gefolgt und

unterstützt, glücklich an dem Fuß des Forts an, springt durch eine

Schießscharte desselben, aus der man soeben eine Kanone abgefeuert hat,

und während man mit der Wiederladung derselben beschäftigt ist, folgen

ihm seine Leute auf dem Fuß und dringen mit ihm in die Schanze. Muiron

wird jedoch durch den Bajonettstich eines Engländers schwer verwundet,

während die Feinde bei den Geschützen niedergemacht werden, welche die

Franzosen sogleich gegen dieselben wenden. Balaguier und Eguillette,

jetzt von den Engländern schnell geräumt, werden genommen, worauf eine

Batterie und eine Redoute nach der andern in die Hände der Republikaner

fällt. Den kommenden Morgen spielte schon mit Anbruch des Tages all das

Geschütz der genommenen Redouten auf die Schiffe in der Reede; als aber

der englische General Hood von seinem Erstaunen zurückgekommen war und

sah, daß die Franzosen Meister dieser Plätze waren, gab er das Zeichen

zum Lichten der Anker und zum Verlassen der Reede. Er begab sich sodann

noch nach Toulon, um den Einwohnern anzukündigen, daß man die Stadt

verlassen müsse, und nach reiflicher Überlegung war der Kriegsrat

einstimmig der Meinung, daß man unter diesen Umständen die Festung nicht

länger behaupten könne. Man nahm nun in größter Eile Maßregeln, um sich

einzuschiffen, und die französischen Schiffe, die man nicht mitnehmen

konnte, wurden angezündet und verbrannt, auch das Arsenal, alle Magazine

und was zur Marine gehörte, wurden zerstört, vernichtet oder unbrauchbar

gemacht. Zu gleicher Zeit machte man den Einwohnern bekannt, daß alle

diejenigen, welche nicht in der Stadt bleiben könnten oder wollten, auf

den Schiffen der Engländer und Spanier aufgenommen würden. Als dieser

Beschluß veröffentlicht wurde, stieg die Bestürzung der Bürger, die eben

noch mit ganz Frankreich so etwas für unmöglich gehalten, ja jeden

Augenblick die Aufhebung der Belagerung erwartet hatten, auf das

Höchste. Noch in derselben Nacht sprengten die Engländer das Fort Poné

in die Luft, und eine Stunde darauf steckten sie die französische

Flotte, was sie davon nicht fortbringen konnten, in Brand; nicht weniger

als zwölf Linienschiffe, viele Fregatten, Korvetten, Briggs und andere

Kriegsschiffe wurden ein Raub der Flammen, die in hundert Feuersäulen

zumal gen Himmel wirbelten. Ein Augenzeuge hat mir versichert, daß der

Anblick dieser vielen brennenden Schiffe mitten in der Reede ein so

furchtbar schönes Schauspiel war, daß der, der es nicht gesehen, sich

unmöglich eine richtige Vorstellung machen könne. Man glaubte eine im

Meer brennende ungeheure Stadt zu erblicken, die Maste mit ihren Tauen

schienen eben so viele brennende Türme, zugleich loderten auch die

Flammen und Feuersäulen aus dem in Brand gesteckten Arsenale empor, wo

die Magazine so viel brennbare Materiale enthielten, daß sie bald ein

Feuermeer bildeten, und der ganze Horizont war nur noch eine Rauchwolke,

mit Milliarden glühender Funken geschmückt. In der Stadt herrschte

unterdessen eine unbeschreiblich grauenvolle, grenzenlose Unordnung,

jeder suchte seine teuerste Habe zusammenzupacken, um sich damit auf die

englischen und spanischen Kriegsschiffe zu flüchten. Alles lief, schrie,

heulte und rannte durcheinander, am Hafen standen Tausende, das

furchtbar schöne Schauspiel in der Reede mit verzweiflungsvollen Blicken

anstarrend. Die Galeerensklaven suchten diesen Augenblick zu benutzen,

sich ihrer Ketten zu entledigen, und die, denen es gelungen war, sich zu

befreien, die große Mehrzahl, rannten durch die Straßen Toulons, um in

der allgemeinen Verwirrung zu rauben und zu stehlen. Die Franzosen

selbst, welche den Feind herbeigerufen, schmerzte es in der Seele, zu

sehen, wie so viele teure Gegenstände, viele hundert Millionen an Wert,

in wenig Stunden ein Raub der Flammen und vernichtet wurden. Dabei

feuerten die Batterien der Republikaner unaufhörlich auf die Reede und

schossen viele Boote, die mit den sich zu den Engländern flüchtenden

Einwohnern überfüllt waren, in den Grund. -- Als endlich die Morgenröte

anbrach, sah man die englische und spanische Flotte schon außerhalb der

Reede nach den hyerischen Inseln segeln. -- Mehrere tausend Familien aus

Toulon, welche die Revolutionstribunale zu fürchten hatten und ohne

Zweifel, wenn sie geblieben, dem Henkersbeil anheimgefallen wären, waren

mit dem Wenigen, das sie in der Eile hatten retten können, den

Engländern gefolgt, und doch wurden in den ersten Tagen der

Wiedereinnahme der Stadt durch die Republikaner viele hundert Menschen,

angeblich als Royalisten, ermordet; auch kam ein Befehl vom Konvent,

alle Häuser der schuldigen Geflüchteten niederzureißen, womit man sofort

begann. Was von den dreißigtausend Einwohnern, die damals Toulon zählte,

zurückgeblieben, etwa zwei Dritteile, war größtenteils die Hefe des

Volks und der raub- und mordlustige Abschaum der Stadt, alle besseren

Leute waren fortgezogen. -- Den anderen Morgen und noch mehrere Tage

nach jener grauenvollen Schreckensnacht sah man, wie mir derselbe Bürger

erzählte, mehr als tausend Leichname, Engländer, Franzosen und Spanier,

Männer, Weiber, Kinder und Säuglinge, zum Teil schrecklich verstümmelt,

auch viele abgerissene Gliedmaßen, in der Reede und dem Hafen schwimmen.

Man fischte sie nach und nach auf und begrub sie in ungeweihter Erde.

Die Nachricht von der Wiedereinnahme Toulons durch die Republikaner, die

sich kein Mensch hatte träumen lassen, machte in ganz Frankreich und dem

übrigen Europa eine große Sensation. Buonaparte hatte hier den

Grundstein zu seiner künftigen Erhebung gelegt und seinen Ruf begründet.

Kaum einen Monat später wurde er schon zum Brigadegeneral der Artillerie

ernannt.

Ich besuchte nun mehrere Tage lang alle die Punkte und Orte, welche bei

dieser Belagerung von Wichtigkeit gewesen und wo der jetzige Kaiser und

seine Artillerie gestanden und gewirkt hatten; es wurde mir dadurch

klar, welchen scharfen und richtigen Überblick Napoleon hier gehabt. Mit

mehr Ernst als bisher legte ich mich nun auf das Studium der höheren

Kriegskunst und deren Hilfswissenschaften, namentlich die, welche die

Artillerie erfordert, und hoffte wohl auch noch einmal eine Armee zu

kommandieren, wofür mich der gütige Himmel bewahrte, was ich ihm jetzt,

wo mir die lächerliche Nichtigkeit all dieser menschlichen, wenn auch

oft so blutigen Puppenspielerei beißend klar geworden, herzlich danke.

--

Die ersten Tage meines Aufenthalts in Toulon brachte ich in einem

Gasthofe zu, wohin mich mein Einquartierungsbillett gewiesen hatte, dann

aber suchte ich mir eine Privatwohnung, die ich recht angenehm am Kai

fand, wo ich zu jeder Stunde die unterhaltendste Aussicht auf das Gewühl

und Getriebe der Schiffe und Menschen in dem Hafen hatte. Indessen fing

mir der Aufenthalt in Toulon bald an langweilig zu werden, da das

Theater spottschlecht war und ich, nachdem vierzehn Tage verflossen, in

denen ich alles, was zu sehen war, zum Überdruß gesehen, noch keine

Bekanntschaft, die mich interessierte, gemacht hatte, was in Toulon

nicht so leicht war, da die besseren Häuser sich vom Militär und von der

Marine fern zu halten suchen.

Glücklicherweise erhielt ich jetzt Briefe von Hause und mit diesen ein

Empfehlungsschreiben an einen der reichsten Kaufleute der Stadt namens

Kohn, der ein Elsässer von Geburt war und mich in mehrere Familien

einführte. Zugleich meldete mir mein Vater mit großem Bedauern, daß man

fürchte, der Kaiser der Franzosen wolle der republikanischen

Herrlichkeit Frankfurts ein Ende und die Stadt zur Hauptstadt eines

Großherzogtums machen, nachdem ihr Augereau noch einige Millionen

Kriegskontribution abgenommen.

Unter den Bekannten, die ich durch die Familie Kohn erhielt, war eine

sehr artige Dame, eine Madame Guinet, deren Gatte Kaufmann und meistens

auf Reisen war und die im Ruf stand, galanten Aventüren eben nicht

abhold zu sein. Es dauerte auch nicht lange, so stand ich auf einem

ziemlich vertrauten Fuß mit ihr, merkte aber bald, daß ich in einem

Marineoffizier einen Nebenbuhler und zwar einen recht eifersüchtigen

habe, der wahrscheinlich schon vor mir bei der Dame in Gunst gestanden.

Wir trafen uns einigemal nach der Parade daselbst, und Madame Guinet

hatte mich ihm als einen Bekannten des reichen Herrn Kohn, der mich ihr

empfohlen, vorgestellt. Der Offizier brummte dabei mit einem nicht sehr

freundlichen Gesicht einige Gewohnheitshöflichkeiten in den Bart. Als er

mich zum zweitenmal daselbst traf, ließ er schon einige anzügliche Reden

fallen, jedoch so verblümt, daß ich, ohne mir große Blößen zu geben,

keine Notiz von denselben nehmen konnte. Aber das drittemal, wir

speisten beide bei der Dame zu Abend, erlaubte er sich, mir im Laufe der

Konversation beim Dessert die Bemerkung zu machen: »_Mais moi je ne

servirais jamais dans un régiment qu'on mêne, a coups de baton_,« worauf

ich schnell versetzte: »_Mais comment, Monsieur, toute la marine est

menée a coup coups de triques, c'est bien pis._« Hierauf wurde die

Unterhaltung pikanter, jeder verteidigte seine Sache nachdrücklich,

obgleich ich gegen meine Überzeugung, und wir wurden dabei so heftig,

daß Madame Guinet sich alle Mühe gab, uns zu besänftigen, aber mein

Gegner ließ noch ein _tête quarrée d'Allemand_ fallen, worauf ich ihm

schnell erwiderte, daß es so ein deutscher Querkopf wohl noch mit einem

französischen Seehund wie er aufnehmen könne. Launey, dies war der Name

des Offiziers, geriet nun in eine solche Wut, daß er sich nicht mehr

kannte, seinen Dolch, wie deren die Marine an einem Gehänge an der

linken Seite trägt, zog und mir ihn in die Brust stoßen wollte; ich aber

fiel ihm in die Arme, noch ehe er seinen Vorsatz ausführen konnte, rang

ihm den Dolch aus der Hand, wobei ich mir aber die meinige so verletzte,

daß mehrere Finger stark bluteten, worauf ich den Dolch zur Erde warf,

darauf trat und ihm sagte, was er nun weiter begehre, meine Hand an den

Degen legend. Launey sah mich knirschend und grimmig an, konnte aber vor

Wut kein Wort hervorbringen. Madame Guinet, welche das Blut sah, mit dem

wir beide schon befleckt waren, schrie laut auf und weinte so heftig,

daß ihre Dienstmädchen in das Zimmer stürzten. Ich faßte mich jedoch

schnell und sagte zu ihnen: »_Ce n'est qu'une plaisanterie, mes enfants,

apportez nous seulement de l'eau pour nous laver les mains._« Ich suchte

auch in der Tat jetzt der ganzen Sache eine scherzhafte Wendung zu

geben, wir wuschen uns die Hände, wobei mir das nette Kammermädchen der

Dame das Becken hielt, und als uns die Zofen wieder verlassen hatten,

bot ich dem Launey Satisfaktion für den nächsten Morgen an; dieser aber

schien jetzt ganz beschämt, steckte seinen Dolch friedfertig in die

Scheide und entfernte sich dann bald unter dem Vorwand, wegen

Dienstangelegenheiten früh an Bord seines Schiffes sein zu müssen. Als

er weg war, gestand mir Madame Guinet, daß ihr der Mensch recht fatal

geworden sei, da er mit allen Herren, die sie besuchten, Händel anfinge;

ich suchte sie bestens zu trösten und verließ sie erst nach Mitternacht.

Seit dieser Zeit begegnete ich dem Offizier nicht mehr bei ihr. Dies war

nicht das einzigemal, daß ich und andere Offiziere wegen der bei dem

Regiment eingeführten Prügel Unannehmlichkeiten auszufechten hatten,

wenn wir in einer Garnison mit anderen französischen Truppen standen.

Aus derselben Ursache verlor ein Kapitän von unserm zweiten Bataillon,

ein Hesse, der ein gewaltiger Prügelverehrer war, bald darauf das Leben

in einem Duell mit einem französischen Offizier von der Linie. Der gute

Mann wußte freilich den Stock weit besser als den Degen zu führen. Unter

den Kameraden im Regiment ließ ich mich derb genug über diese uns

infamierenden Prügeleien aus, während ich in Gesellschaft von Offizieren

französischer Regimenter sie, der Ehre des Regiments halber, bis auf

einen gewissen Punkt verteidigen mußte.

Bald darauf brachte mir ein Vorfall im Theater wieder

Unannehmlichkeiten. Man führte nämlich ein Gelegenheitsstück, >Die

Übergabe von Ulm< betitelt, auf, an und für sich ein jämmerliches

Machwerk, das aber, weil es der französischen Gloire Weihrauch streute

und voll wenn auch oft fader Anspielungen auf die Deutschen und

besonders die Österreicher war, dennoch großen Beifall erhielt. Ich

befand mich unter den Zuschauern, neben einem Hauptmann von Caguenec aus

Hagenau, der früher in österreichischen Diensten gestanden hatte, einem

sehr tapferen Offizier, der auch ein vortrefflicher Pianist war, aber

den abscheulichen Fehler hatte, sich von Zeit zu Zeit dem Trunk auf eine

fast viehische Weise zu ergeben. Neben uns saßen drei französische

Offiziere, die wie das ganze Publikum bei jedem Bonmot über die

Österreicher, die man mit dem Brutum fast in eine Kategorie stellte,

laut und beifällig lachten. Caguenec, der eben erst vom Diner mit

ziemlich erhitztem Kopf kam und ein tüchtiger Haudegen war, fing die

Sache zu wurmen an, er wurde unruhig auf seinem Platz, den er einigemal

verließ, um einige Gläser Likör oder Rum am Büfett hinabzustürzen, immer

erhitzter zurückkehrte und endlich dem neben ihm sitzenden Offizier ein

befehlendes: »_Taisez vous!_« in barschem Tone zurief, indem er

hinzufügte, daß sie eben keine Ursache hätten, sich zu mokieren, denn

das Stück sei ein so erbärmliches Machwerk, daß es eine Schande sei,

dessen Aufführung zu dulden. Einer der Offiziere fiel ihm mit den

Worten: »_Mais vous êtez donc fou, Monsieur_,« in die Rede. Caguenec

sprang nun auf, bedeckte seinen Kopf mit dem Hut, zog sogleich seinen

Degen, den er in der Luft schwang, und schrie dabei laut, jeder, der

etwas von ihm wolle, möge kommen. Und mit der Klinge um sich

herumfahrend, schuf er schnell einen leeren Kreis um sich. Dies

verursachte sogleich einen allgemeinen Aufstand im Theater, von allen

Seiten schrie man: »_A bas le chapeau, à bas l'épée._« Der Tumult wuchs

mit jedem Augenblick, und der kommandierende General, der in einer Loge

saß, befahl, den Vorhang fallen zu lassen, sandte seinen Aide de Camp

ins Parkett und ließ dem Caguenec befehlen, sich sofort in Arrest zu

begeben. Dieser aber nahm keine Räson an, sondern fuhr fort, mit seinem

Degen zu manövrieren, so daß der leere Raum um ihn her immer größer

wurde. Jetzt ließ der General die Wache mit einem Offizier an der Spitze

eintreten, dem es nicht ohne große Mühe gelang, den Kapitän zu

entwaffnen und zu verhaften, der von Glück sagen konnte, daß er mit

vierwöchentlichem Arrest auf dem Fort davonkam und nicht ein

Kriegsgericht passieren mußte. Ich wurde, als mit ihm gekommen und neben

ihm sitzend, verhört und erhielt sogar auf Befehl des kommandierenden

Generals achtundvierzigstündigen Untersuchungsarrest, von dem ich noch

heute nicht weiß, aus welchem Grund, da ich bei der ganzen Geschichte

nichts getan hatte, als den Caguenec in deutscher Sprache zu

beschwichtigen, was man mir wahrscheinlich im schlimmen Sinne ausgelegt,

weil ich mich über die Ausfälle in dem Stück gegen die französischen

Offiziere ebenfalls mißbilligend geäußert hatte.

Trotz der Bekanntschaft der Madame Guinet, die ich übrigens bald wieder

aufgab, wollte mir der Aufenthalt in Toulon nicht gefallen; ich hatte

mich zwar bemüht, wenigstens ein französisches Liebhabertheater zu

organisieren, aber es gelang mir nicht; unsere beiden anderen

Bataillone, bei denen sich die Damen befanden, welche die vorzüglichsten

Aktricen gewesen, standen in Marseille und Genua; in der Garnison von

Toulon, wo viele Frauen und Töchter der Marine waren, hatte ich zu wenig

Bekanntschaft, und von den Damen der Einwohner, die ich kannte, war

keine dazu zu bewegen, Komödie zu spielen. Ich nahm einigemal Urlaub

nach Marseille, wo das Leben weit angenehmer und geselliger als in dem

düsteren Toulon, auch das Theater im Vergleich mit dem von Toulon

vorzüglich war. Man sah daselbst überall Wohlhabenheit und Reichtum, im

dortigen Hafen schwang Gott Merkur seinen Stab, obgleich wegen dem Krieg

mit England nur mit großer Vorsicht und Bescheidenheit, während in dem

von Toulon der Kriegsgott sein Panier aufgepflanzt hatte, aber sich aus

der erwähnten Ursache ebenfalls nicht sehr mausig machen durfte.

Nachdem wir etwa sechs Wochen in Toulon waren, wurde die

Voltigeurkompagnie des ersten Bataillons, der ich seit meiner Ernennung

zum Offizier zugeteilt war und die ein Hauptmann Grenet befehligte, nach

dem an dem Ufer der großen Reede liegenden bedeutenden Flecken La Seine

detachiert, wo es mir weit mehr als in dem düsteren Toulon gefiel.

Dieser über zweitausend Einwohner zählende Ort hat eine sehr schöne

Lage, und man erhält daselbst die besten Seefische, Austern und

Muscheltiere aus der ersten Hand, namentlich die _moules noirs_, die

einen noch feineren Geschmack als die Austern haben und die man mit dem

köstlichen Wein de la Malgue hinunterspült, womit man sich zur Not auf

einen ganzen Tag begnügen kann, da sie sehr nahrhaft sind, ein äußerst

billiges Mahl, das wenige Sous kostet. Übrigens kann man in der Provence

und Languedoc sehr gut und dabei sehr billig leben, nur muß man sich vor

Unmäßigkeit hüten und des Guten nicht zu viel tun wollen, was nur auf

Kosten der Gesundheit geschehen kann und bittere Reue im Gefolge hat;

alle Nahrungsmittel und Getränke sind hier vorzüglich kräftig und

wohlschmeckend. Fleisch, Fische, Geflügel, Gemüse, Obst, Wein und

Liköre, namentlich die letzteren aus den Fabriken von Montpellier, der

Ratafia und Crême de Mokka genannt, verführen den Gaumen gar zu leicht.

In La Seine war ich bald mit den wenigen Honoratioren daselbst bekannt,

namentlich in der Familie Guige, deren Haupt eine gute Anstellung und

eine sehr liebenswürdige Tochter hatte, die mit einem Stabsoffizier, der

bei dem Heer in Deutschland stand, versprochen und also Braut war; die

Vermählung sollte gleich vor sich gehen, wenn die Truppen nach

Frankreich zurückgekehrt sein würden, wozu aber damals noch wenig

Aussicht war. Dieses Mädchen zählte ungefähr zweiundzwanzig Jahre und

war über ihren langen Brautstand, von dem sie das Ende noch nicht absah,

ziemlich ungeduldig; sie sang nicht übel und spielte zur Not etwas

Klavier. Die Musik bahnte mir auch hier wieder den Weg zu einer

intimeren Bekanntschaft, und manche Morgenstunde brachte ich musizierend

mit der hübschen Marie zu, mit der ich die neuesten Gesänge und Romanzen

durchging. Zwar war die Mama fast immer bei diesen musikalischen

Morgenstunden zugegen, doch konnte sie nicht umhin, uns manchmal allein

zu lassen, wo ich dann diese Augenblicke auf das beste benutzte, um in

näheren Rapport mit der Braut zu kommen, und wir verstanden uns schnell.

Eine Braut hatte immer etwas besonders Anziehendes für mich und war mir

ein _morceau friand_, und gar zu gerne mochte ich den Bräutigams Nasen

drehen, wenn ich es dahin bringen konnte. Mit dieser Familie machte ich

auch mitunter Promenaden in der Nähe des Orts, wo wir mehr als einmal

Gelegenheit fanden, uns, wenn es das Terrain erlaubte, auf einige

Augenblicke unsichtbar zu machen, die wir dann gut zu benutzen wußten.

Öfters fuhren wir auch in einem Boot nach Toulon, wo wir das Theater

besuchten und nach demselben beim Mondschein oder auch in dichter

Finsternis, wie es der Himmel eben wollte, heimkehrten. Einigemal traf

es sich, daß sich während der Vorstellung Winde und Stürme erhoben

hatten, so daß die Wellen in der Reede bei der Rückfahrt hoch gingen und

wir ziemlich geschaukelt wurden. Dies war aber gerade das Angenehmste

bei diesen Lustfahrten, denn je wilder die See ging und je finsterer die

Nacht, desto höher wallte Mariechens Busen, die sich dann fester und

fester an mich schmiegte und das Köpfchen auf meine Schulter legte,

während ich sie mit dem einen Arm innig umschlang und die Hand des

andern bald da, bald dort ruhte, oder je nach Umständen auch nicht

ruhte; dabei trillerte ich die Melodie des Liedes: >Das waren mir selige

Stunden.< Ich hatte Marien einigemal deutsche Lieder vorgesungen, und

sie bekam Lust, diese _langue barbare_, wie sie sagte, zu lernen. Gerne

verstand ich mich dazu, ihr Unterricht in derselben zu erteilen, aber

sie konnte es nie weiter als zu Ja und Nein bringen; in anderen Dingen

war sie weit gelehriger.

Als eines Tages eine Fregatte vom Stapel gelassen werden sollte, erhielt

die Familie Guige eine Einladung zu dieser Feierlichkeit und lud mich

ein, sie zu begleiten; der Schiffsbaumeister war ein naher Verwandter

der Madame Guige. Wir fuhren am Morgen nach Toulon und bestiegen das

Gerüst, auf dem sich die ganze beau monde der Stadt sowie das

Offizierkorps der Marine und Landtruppen befand, die Festivität mit

anzusehen. Die Admiralität, die Generalität, der See- und der

Landpräfekt, der Hafenkommandant hatten für sich und ihre Angehörigen

besondere schön ausgeschmückte Plätze. -- Als alle Arbeiter sowie die

künftige Bemannung desselben auf dem Schiff und auf ihren Posten um

dasselbe herum waren und das Zeichen zum Loslassen gegeben war,

herrschte eine ängstliche Stille. Jetzt gab der Erbauer das Signal zum

Abstoßen, und in einem Augenblick waren alle Seile und Taue, die es noch

zurückhielten, zerhauen. Das Schiff setzte sich unter dem Schall der

Musik, unter Jubel und Jauchzen der auf demselben befindlichen

Mannschaft und vieler tausend Zuschauer in Bewegung, die mit jeder

Sekunde rascher wurde, so daß bald Rauch und sogar Flammen unter

demselben hervorbrachen, die aber, sobald das Fahrzeug das Wasser

erreicht hatte, schnell gelöscht waren. Ein splendides Dejeuner

_dansant_ beschloß die Feier, und die Fregatte war nun dem wilden

Element, das es aus dem Bassin abgeholt, überliefert, um seine

gefährliche und verhängnisvolle Laufbahn anzutreten, die so oft mit

einer schrecklichen Katastrophe endigt.

Ein paar Tage später machten wir auch einen Besuch auf der Fregatte

Müron, derselben, welche den General Bonaparte aus Ägypten

zurückgebracht hatte und deren Kommandant ein Freund des Herrn Guige

war, der uns viele Details über Napoleon während seiner Überfahrt

mitteilte und uns so recht angenehm unterhielt.

Der Aufenthalt in La Seine, wo der Dienst, das Exerzieren ausgenommen,

gar nichts heißen wollte, wurde mir durch die Freundlichkeit der Familie

Guige sehr angenehm gemacht, und da Marie nicht nur sehr hübsch, sondern

auch sehr geistreich und witzig war, so wurde mir ihr Umgang von Tag zu

Tag lieber. Wir besuchten die Bastiden ihrer Bekannten in der Umgegend,

wo ich in einer ein Bild fand, das einen fatalen Eindruck auf mich

machte, den ich lange nicht loswerden konnte. Das Gemälde stellte

nämlich gräßliche Schreckensszenen der furchtbaren Pest vor, die im

Jahre 1721 hier und in Marseille wütete und die ein Matrose, der einen

Ballen Seide aus der Quarantäne entwendet und heimlich nach Toulon

eingeschmuggelt, in diese Stadt gebracht hatte. In weniger als sechs

Monaten waren drei Vierteile der Einwohner von Toulon gestorben, so daß

die meisten Häuser leer standen und lange unbewohnt blieben. Das Bild

stellte Haufen verpesteter und schon in Fäulnis übergegangener Leichen

dar, an denen die Pestbäulen mit ekelhafter Täuschung nachgemacht waren,

so daß man sich die Nase zuhalten zu müssen glaubte, um den Gestank

nicht zu riechen.

Ein andermal fuhren wir auf die naheliegende Insel Porquerolles, wo auch

eine Kompagnie von unserem Bataillon detachiert war, um die auf der

Insel liegenden Forts zu bewachen. Nachdem wir an das Ufer getreten,

kamen wir durch ein kleines Lustwäldchen; als wir ungefähr in der Mitte

desselben waren, hörten wir plötzlich ein freudiges Jauchzen und

Vivatrufen, und bald darauf erblickten wir einen Haufen fröhlicher

Menschen, die größtenteils in die Uniform unseres Regiments gekleidet

waren, an deren Spitze der schon ziemlich bejahrte Hauptmann Gasqui, ein

äußerst liebliches, höchstens siebzehn Jahre altes weibliches Wesen am

Arm, marschierte. Es war seine junge Frau, mit der er soeben von der

Trauung kam, die Tochter eines reformierten Stabsoffiziers, Luise von

Argout. Mit der bezauberndsten Anmut schritt die junge Ehefrau an der

Seite ihres beinahe fünfzigjährigen Gatten einher und wiegte ihr

reizendes Lockenköpfchen auf einem blendend weißen Schwanenhals; Wuchs,

Haltung und Gang schien den Grazien entlehnt, und es war ein Jammer,

anzusehen, daß der alte Sünder einen solchen Engel heimführte und dabei

eine dreifache Dummheit beging, denn erstens ist es allemal eine

Dummheit, wenn ein Offizier heiratet, besonders in Kriegszeiten; doppelt

ist sie, wenn er schon bei Jahren noch heiratet; und dreifach, wenn die

Frau jung und schön ist, was hier alles der Fall war. Auch hatte Gasqui

bald Gelegenheit, die begangene Torheit zu bereuen, wie wir später sehen

werden und wozu auch ich mein Scherflein beitrug. -- Das Gefolge des zu

der Hochzeitsfeier eilenden jungen Paares bestand aus mehreren

Offizieren, Einwohnern, und einem Dutzend weißgekleideter Frauen und

Mädchen, denen die halbe Kompagnie, ihrem Hauptmann beständig Vivats

bringend, folgte. Wir bewillkommneten uns gegenseitig, ich brachte meine

herzlichsten Glückwünsche dar und wurde mit meinen Begleitern von dem

zur Hälfte alten, zur Hälfte jungen Ehepaare so dringend gebeten, die

Hochzeit mit zu feiern, daß wir, ohne unhöflich zu sein, die Einladung

unmöglich ausschlagen konnten. Tänze, Spiele und Schmausereien auf einem

schönen grünen Platze der Insel, unter freiem Himmel, verherrlichten die

eben geschlossene Verbindung, und wir hatten es nicht zu bereuen, die

Einladung angenommen zu haben, da wir uns trefflich unterhielten,

besonders bei den Kontretänzen, die bei dem Klange einer Violine und

einer Klarinette aufgeführt wurden und bei denen ich bald die schöne

junge Frau, bald Mariechen und andere hübsche Mädchen balancierte. Erst

spät in der Nacht verließen wir die romantische Insel, nachdem wir,

herzlich dankend, freundlichen Abschied von dem jungen Ehepaar genommen,

und fuhren bei hellem Mondschein über die ganz ruhige Seefläche nach

Hyères zurück; obgleich an Mariens Seite traulich sitzend, schwebte mir

doch das Bild der jungen Frau beständig vor Augen. Was hätte ich hier

nicht um das _droit du seigneur_ gegeben! Auch ich konnte die lebhafte

Vorstellung, daß jetzt der alte Gasqui in all diesen Reizen schwelge,

nicht aus meiner Einbildungskraft entfernen. Da ich während der

Heimfahrt so ganz gegen meine Gewohnheit stille und einsilbig war,

fragte mich Marie einigemal, was mir fehle. Ich schützte Müdigkeit und

Kopfweh vor und ließ die Bilder auf der schönen Insel noch einmal vor

meinen geschlossenen Augen in der Phantasie vorüberziehen. Am anderen

Tag erhielten wir Marschorder und Befehl, Toulon zu verlassen, um es mit

Genua zu vertauschen. Also nach Italien, dem Zauberland der Poesie und

Romantik, das ich schon in frühester Kindheit zu sehen gewünscht und

wohin die Sehnsucht durch Goethes und anderer Autoren Werke noch weit

mehr in mir gesteigert wurde; denn Genua war mir vor allem durch

Schillers Fiesko, eine meiner Lieblingsrollen, wert geworden. Obgleich

es nur noch ein paar Tage bis zum Abmarsch waren, so konnte ich doch

kaum diesen erwarten und brachte sie mit Abschiedsbesuchen in der Stadt

und auf den Schiffen in der Reede, auf denen ich Bekannte und Freunde

zählte, den letzten aber noch im Schoß der mir teuren Familie Guige zu,

der ich so manche frohe Stunde zu verdanken hatte. Marie konnte ihre

Tränen nicht unterdrücken, ich suchte sie zu trösten, versicherte ihr,

daß, wenn ich eher Kapitän würde, als der Oberst, ihr bestimmter

Bräutigam, zurückkäme, sie meine Frau werden müsse, versprach, sie nicht

zu vergessen, und habe Wort gehalten, wie man sieht. Den Abend vor dem

Abmarsch nahm ich mit einem langen Kuß Abschied von ihr; um vier Uhr des

Morgens rappelierten die Tambours, wir marschierten an ihrem Hause

vorüber, wo sie schon hinter dem Fenster stand und ich ihr noch einen

letzten Kuß, den sie, so lange sie mich noch sehen konnte, erwiderte,

zuwarf, auf das Marsfeld nach Toulon, wo wir uns mit dem Bataillon

vereinigten und dann frohen Mutes den Marsch nach Italien antraten. --

Vierzig Jahre aus dem Leben eines Toten. Band 1 Hinterlassene Papiere eines französisch-deutschen Offiziers · 第 19 / 25 题