Bei dieser Gelegenheit sei Ehemännern der Rat erteilt, das Glied durch

Waschungen immer reinzuhalten, wobei insbesondere auf die Furche hinter

dem Randwulst der Eichel und auf die Falten des Bändchens zu achten

ist. Ebenso soll die Frau die äußeren Geschlechtsteile, namentlich

die Schamspalte, reinhalten. Sehr empfehlenswert ist es, einige Zeit

nach vollzogenem Beischlaf mit Hilfe eines +Irrigators+ und eines

+Mutterrohres+ die Scheide mit lauwarmer, reiner Kochsalzlösung (1

Kaffeelöffel Kochsalz auf 1 _l_ Wasser) auszuspülen. Dies darf aber

nicht sogleich nach dem Beischlafe geschehen, da sonst die Empfängnis

verhindert werden könnte. Der Irrigator und das Mutterrohr müssen

reingehalten und durch Waschen mit einer Desinfektionsflüssigkeit, z.

B. mit 2 prozentiger Lysollösung (20 _ccm_ Lysol auf 1 _l_ Wasser), vor

dem Gebrauche desinfiziert werden. Die Kochsalzlösung soll abgekocht

sein. Desinfektionsmittel dürfen ihr aber nicht zugesetzt werden.

Ich kenne Fälle, wo die sehnlichst gewünschte Schwängerung infolge

solcher fehlerhafter Reinlichkeit ausblieb, aber sofort eintrat, als

die „hygienischen“ Ausspülungen ausgesetzt wurden. Durch alle diese

Maßregeln wird manchen Erkrankungen, namentlich dem sogenannten weißen

Flusse, vorgebeugt, einem Katarrhe der Scheide, der der Frau wie ihrem

Ehemann recht lästig werden kann.

Sehr vorsichtig muß man mit dem Beischlafe auch während der

Schwangerschaft sein. Er darf nicht zu häufig und nie stürmisch

ausgeführt werden. In den ersten Monaten der Schwangerschaft,

namentlich bei Erstgeschwängerten, wird er am besten ganz unterlassen.

Werden diese Vorschriften nicht beachtet, dann kommt es leicht zu Fehl-

und Frühgeburt, durch die nicht allein das Kind verloren geht oder

geschädigt wird, sondern auch die Frau dauernden Schaden nehmen kann.

Unbedingt verboten ist der Beischlaf während des Wochenbettes, wenn

nicht die Frau, deren innere Geschlechtsteile arg verwundet sind,

schwerer Gefahr ausgesetzt werden soll. Auch bei ganz normalem Verlaufe

des Wochenbettes soll mindestens vier Wochen damit gewartet werden, und

auch dann noch ist weise Beschränkung dringend anzuraten.

Mit Rücksicht auf die Frau wie auf das Kind wäre es eigentlich geboten,

der Frau, die geboren hat, eine monatelange Schonzeit zu gewähren.

Man muß auf das dringendste fordern, daß jede gesunde Mutter ihr

Kind stillt, wenn möglich 8-9 Monate lang. Das Leben des Kindes im

ersten Lebensjahre ist in hohem Grade gefährdet, wenn es nicht seine

natürliche Nahrung erhält; und die üblen Folgen der künstlichen

Fütterung scheinen auch noch in der späteren Lebenszeit nachzuwirken.

Die Erfahrung lehrt aber, daß bei sexuell erregbaren Frauen durch

Ausübung des Beischlafes, namentlich wenn er häufiger oder stürmisch

unter größerer Aufregung erfolgt, die Milchabsonderung frühzeitig zum

Stillstand kommen kann oder die Menstruation und damit zugleich die

Befruchtungsfähigkeit trotz des Stillgeschäftes wieder eintritt. Für

den Säugling wie für die Mutter ist es aber schädlich, wenn es bald

zu einer neuen Schwangerschaft kommt; für den Säugling, weil dann die

Milchabsonderung bald unzureichend wird und aufhört; für die Mutter,

weil die Frauen durch allzu rasch aufeinanderfolgende Schwangerschaften

überanstrengt werden, rasch verblühen und Neigung zu Krankheiten,

insbesondere zu Tuberkulose, bekommen. Bei zu rascher Geburtenfolge

werden auch meist schwächliche Kinder geboren. Rascher als etwa alle

2½ Jahre sollten die Schwangerschaften nicht aufeinanderfolgen, wenn

die Frau bei voller Kraft und Gesundheit bleiben und einer kräftigen

Nachkommenschaft das Leben schenken soll.

6. Kapitel.

Künstliche Verhinderung der Befruchtung.

Die Natur hat uns nicht allein das Verlangen nach Begattung

eingepflanzt, sondern auch den Wunsch, Nachkommen zu erzeugen und

großzuziehen. Bei der Frau, deren natürliche Lebensaufgabe es ist,

Kinder zu tragen und zu gebären, pflegt dieser Wunsch von klein auf

überaus lebhaft zu sein. Beim Manne pflegt er erst mit der Zahl

der Jahre zu wachsen. Je älter der Kinderlose wird, je mehr seine

persönliche Leistungfähigkeit abnimmt, um so mehr überkommt ihn ein

Gefühl der Leere, der Entbehrung eines wichtigsten Lebensgutes und

zugleich ein Gefühl seiner Überflüssigkeit in der Welt. Eine Ehe

ohne Kinder hat ihren Hauptzweck verfehlt. Nur wer Vaterfreuden und

Vaterleiden empfunden hat, hat voll ausgelebt, was das Dasein zu bieten

vermag.

Ein Volk, dessen Angehörige nicht mehr die Tatkraft und den Lebensmut

haben, die Last der Aufzucht von Kindern auf sich zu nehmen, dafür

Opfer zu bringen, dafür etwas zu wagen, ein Staat, dessen Bürger die

Zahl der Kinder aufs äußerste beschränken, nur um nicht zuviel Sorgen

zu haben, nicht zu hart arbeiten zu müssen, um ein schlaffes Wohlleben

führen oder um Besitz anhäufen zu können, sind dem Untergange geweiht.

Für ein Volk von bequemen Rentnern oder von raffiniert genießenden

Intellektuellen und Ästheten ist kein dauernder Platz auf der Erde. Nur

derben Völkern, die nicht erst besonderer Reizmittel der Zivilisation

und der Kunst bedürfen, um ihres Lebens froh zu werden, die sich

kräftig vermehren und fröhlich im Gefühle des Gebrauches ihrer Kräfte

für ihre Kinder sich rühren, gehört die Zukunft. Wenn wir Deutsche uns

nicht kräftig vermehren, wird uns Rußland mit seiner Volksmasse binnen

100 Jahren erdrücken.

Mit Rücksicht darauf, daß ein erheblicher Bruchteil der Geborenen

abstirbt, bevor das Alter der vollen Fortpflanzungsfähigkeit erreicht

ist, daß nicht wenige, welche dieses Alter erreichen, doch zur

Erzeugung gesunder Kinder untauglich sind, daß viele aus äußeren

Gründen an der Eheschließung verhindert werden, müßte jede Ehe

zwischen Gesunden heute +mindestens vier+ Kinder tragen, wenn das

ganze Volk in gesundem Blühen erhalten werden soll. Die Überhandnahme

der willkürlichen Einschränkung der Kinderzahl („Zweikindersystem“,

Einkind-, Keinkindehen) muß daher die größte Besorgnis für die Zukunft

des deutschen Volkes erwecken. Besonders verhängnisvoll ist die

zunehmende Ehelosigkeit, Verspätung der Verehelichung, absichtliche

Verhinderung der Befruchtung und unzulängliche Kindererzeugung bei

den besser Begabten. (S. o.) Das Ein- und Zweikindersystem ist auch

deshalb schädlich, weil sich statistisch herauszustellen scheint, daß

das dritte und vierte Kind der Frau im Durchschnitt am kräftigsten

und besten geraten. Nebenbei hat das Kleinhalten der Familie auch

schlimme Folgen für die +Kultur+. Die Kinder in solchen kinderarmen

Familien werden sehr häufig +verzogen+, zu anspruchsvollen, beständig

auf ihr eigenes Wohlsein bedachten, eigensüchtigen Menschen gemacht.

Das Aufziehen von ein oder zwei Kindern vermag die Frau nicht genügend

zu beschäftigen. Schon in jungen Jahren, im Vollbesitze ihrer Kräfte

hat sie keine ausfüllende Lebensaufgabe mehr und sucht dann -- nicht

selten auf bedenklichsten Wegen -- Zerstreuung oder drängt sich in das

Arbeitsgebiet des Mannes, auf dem sie in der Regel doch nur zu stümpern

vermag. Sie schwärmt für „soziale Tätigkeit“, weil ihr die natürliche

soziale Tätigkeit -- die wichtigste und wertvollste von allen! --, die

Erfüllung des Mutterberufes, genommen oder verkümmert worden ist.

Es gilt, das +richtige Maß der Kindererzeugung+ zu treffen, denn

blindlings darf die Vermehrung auch nicht vor sich gehen. Allerdings

bietet vorläufig die Erde noch reichlich Raum für die Vermehrung der

Menschheit im ganzen und kann ihr Ertrag an Nahrungsmitteln noch ums

Mehrfache gesteigert werden. Wir dürfen auch hoffen, daß der Weltkrieg,

der zu unserer Vernichtung führen sollte, uns einen solchen Zuwachs

an Siedelungs- und Ackerland verschaffen wird, daß nicht so bald ein

Mißverhältnis zwischen der Zahl der zu Nährenden und zu Pflegenden und

der Menge der verfügbaren Nahrung, Wohnung und Kleidung entstehen kann.

Der Krieg hat leider auch so stark unter den erwerbstätigen Männern

aufgeräumt, daß es den Überlebenden nicht an reichlicher Gelegenheit zu

lohnender Tätigkeit fehlen wird.

Bei jeder einzelnen Familie lassen sich aber darüber Erfahrungen

machen, daß der Haushalt nur so lange gedeiht, als die Zahl der

Kinder im richtigen Verhältnisse zur Größe des Einkommen und der

wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Eltern steht, so daß die Kinder

genügend ernährt, mit genügender Sorgfalt gewartet, beaufsichtigt

und erzogen werden können, während zugleich jedes schädliche Übermaß

darin ausgeschlossen bleibt. Sind der Nachkommen zu wenige, dann werden

sie leicht verwöhnt, verzärtelt und verzogen; werden der Nachkommen

zu viele, dann verkommt alles. Die Frau leidet physisch unter den

ungeheuren Zumutungen, welche die gehäuften Schwangerschaften und

Säugungen an ihren Körper stellen, und vermag um so weniger die sich

stets vermehrende Last des Haushalts zu tragen; die angeborene Kraft

und Gesundheit der Kinder nimmt im Mittel vom 8. bis 9. Kinde einer

Mutter an merklich ab -- auch dann, wenn die Pausen zwischen den

einzelnen Geburten lange genug waren --, und die schwächlichen und

kränklichen, die um so größerer Sorgfalt bedürften, finden sie nicht

mehr. Ordnung und Reinlichkeit sind nicht mehr aufrechtzuerhalten, die

Familie verfällt und zerfällt; Krankheit und Laster räumen unter ihr

auf.

Die Vernunft gebietet also, nicht mehr Kinder zu erzeugen, als man

bei Arbeitslust und frischem Mut und bei einiger Gunst des Schicksals

voraussichtlich ernähren und aufziehen können wird. Die Kindererzeugung

muß in Schranken gehalten werden, wenn sich der Mensch von dem

grausamen Zustande befreien will, der in der unvernünftigen Natur das

Gleichgewicht erhält: Massentod neben Massenzeugung!

Es gibt noch andere Gründe, welche einzelne zwingen oder wenigstens

zwingen sollten, auf die Erzeugung von Kindern vollständig oder

zeitweise zu verzichten. Wir haben schon ausführlich von der Vererbung

gesprochen, und wie in manchen Stämmen die erbliche Belastung, die

Fehlerhaftigkeit des Keimplasmas derartig ist, daß keine Hoffnung auf

Erzielung einer wenigstens ihrer Erscheinung nach (s. S. 31) gesunden

Generation durch Kreuzung mit gesundem Stamme besteht; eine elende,

kranke Nachkommenschaft mit Bestimmtheit oder großer Wahrscheinlichkeit

zu erwarten ist.

Aber auch wenn der Stamm ein guter ist, kann die Aussicht auf gesunde

Nachkommenschaft schlecht sein wegen chronischer, zeitweise auch wegen

akuter Krankheit der Frau oder des Mannes. Dann ist es ebenfalls

Pflicht, sich der Zeugung zu enthalten. Daß die Schwangerschaften

überhaupt nicht rasch aufeinanderfolgen dürfen, wenn die Güte der

Kinder nicht leiden und das Selbststillen lange genug fortgesetzt

werden soll, wurde schon oben erwähnt.

Ein Mann, welcher das 50. Lebensjahr überschritten hat, sollte, auch

wenn er sich noch vollkommen gesund und rüstig fühlt, in der Regel

keine Kinder mehr erzeugen, da die Kinder älterer Männer nicht selten

schwächlich sind und da er kaum hoffen darf, so lange zu leben, bis die

Kinder, erwerbsfähig geworden, seiner Unterstützung nicht mehr bedürfen.

In anderen Fällen verbietet sich eine neue Schwängerung, weil

eine frühere Geburt Veränderungen im Geschlechtsapparate der Frau

hinterlassen hat oder weil eine der so häufigen Frauenkrankheiten sie

befallen hat, die eine neue Schwangerschaft, eine neue Entbindung zur

Lebensgefahr machen.

Die Notwendigkeit, der Erzeugung von Kindern Schranken zu setzen,

ist daher unbestreitbar, und mit dieser Forderung dürfte auch jeder

ohne weiteres einverstanden sein. Weniger Neigung besteht aber zur

Beschränkung im Geschlechtsgenusse. Man will die Erzeugung von Kindern

vermeiden, aber auf den Geschlechtsgenuß nicht verzichten, und man

wendet daher +künstliche Mittel+ an, um die Befruchtung zu verhindern.

Wir müssen darüber hier sprechen, weil durchaus nicht alle diese Mittel

so ganz harmlos sind, wie angepriesen wird. Wir müssen auch deshalb

warnen, weil die meisten von ihnen den Zweck, dem sie dienen sollen,

nur sehr unvollkommen erreichen.

Das älteste und am häufigsten angewandte Verfahren ist wohl der sog.

+unterbrochene Beischlaf+ (_Coïtus interruptus_). Das Glied wird

vor der Ejakulation aus der Scheide herausgezogen, so daß der Samen

außerhalb der weiblichen Geschlechtsteile ergossen wird. Wird dies

pünktlich vollzogen und die etwa mit Samen benetzte Außenseite der

Geschlechtsteile und ihre Nachbarschaft alsbald gereinigt[E], dann

ist selbstverständlich die Schwängerung vollständig ausgeschlossen.

Aber die Ausführung stellt an die Aufmerksamkeit und Willenskraft des

Mannes eine nicht geringe Zumutung. Der Mann darf sich nicht sorglos

den Wollustgefühlen überlassen und findet daher auch nicht so leicht

volle Befriedigung. Die Samenentleerung findet, wenn nicht zum Schlusse

manuell nachgeholfen wird, nicht mit jener Kraft statt, die sie beim

normalen Akte hat und die notwendig ist, um volle Lösung der nervösen

Spannung und der Blutfüllung herbeizuführen. Der Widerstreit zwischen

dem Triebe und dem bewußten Willen scheint bei manchen das Nervensystem

stärker anzugreifen als die Aufregung des natürlichen Beischlafes,

wenn sich auch ohne Zweifel die meisten an diese Art des Vollzuges des

Beischlafes allmählich völlig gewöhnen.

Auch die Frau bleibt unbefriedigt, falls der Beischlaf unterbrochen

wird, bevor bei ihr der Orgasmus eingetreten ist. Wie schädlich

dies nach verschiedener Richtung werden kann, wurde schon früher

hervorgehoben. Es wurde aber dort auch schon angedeutet, wie sich

durch geeignete Vorbereitung erreichen läßt, daß der Gipfel der

Wollustempfindung bei der Frau eintritt, bevor es beim Mann zur

Ausspritzung des Samens kommt.

Ohne Zweifel wird der unterbrochene Beischlaf von sehr vielen

jahrzehntelang fortgetrieben, ohne daß sie merklich Schaden nehmen.

Aber früher oder später scheinen sich doch bei manchen Störungen

einzustellen, und es gibt Menschen, die dadurch in einen krankhaften

Zustand geraten. Als Wirkungen des unterbrochenen Beischlafes

+können+ auftreten: beim Manne Neurasthenie in den mannigfaltigsten

Formen, Störungen der Erektion und Ejakulation und damit rasche

Abnahme der Potenz bis zum vorzeitigen, vollständigen Erlöschen der

Fähigkeit, den Beischlaf auszuführen (s. o.), Nervenschmerzen in den

Genitalien, Vergrößerung und Verhärtung der Vorsteherdrüse; bei der

Frau ebenfalls Neurasthenie, dann chronische Blutüberfülle der inneren

Geschlechtsteile, Lockerung der Aufhängebänder der Gebärmutter,

Lageveränderungen der letzteren und im Gefolge davon Hysterie. Durch

Enthaltsamkeit und entsprechende ärztliche Behandlung, namentlich

durch passende Wasser- oder Luftkur, können übrigens viele von diesen

Störungen wieder beseitigt werden, wenn sie noch nicht einen allzu

hohen Grad erreicht haben.

Viel gesundheitsschädlicher als der _Coïtus interruptus_ dürfte die

namentlich in England und Nordamerika vielfach geübte sogenannte

„_Male Continence_“ („männliche Zurückhaltung“) sein, für welche in

zahlreichen Schriften der Neo-Malthusianer Propaganda gemacht wird. Das

Glied wird in die Scheide eingeführt und hier ruhig liegen gelassen,

so daß es überhaupt nicht zur Ejakulation kommt. Hier wird also eine

überaus starke geschlechtliche Erregung herbeigeführt und überlang

aufrechterhalten, ohne daß die physiologisch erforderliche Entladung

nachfolgt. Dies muß schädlich werden. In der Regel wird wohl die

Befriedigung schließlich durch Masturbation erzielt werden, wenn auch

davon nicht gesprochen wird.

Alle anderen Mittel zur Verhütung der Empfängnis sollen verhindern,

daß der +innerhalb+ der Scheide entleerte Samen bis zum Ei gelangt.

Hierher gehören einerseits der +Kondom+ (Präservativ), ein Überzug

aus Gummi oder aus Fischblase, der vor dem Beischlafe über das Glied

gezogen und an der Wurzel des Gliedes durch einen darübergezogenen

Kautschukring festgehalten und in den dann der Samen ergossen wird,

andererseits +Schwämmchen+, +Scheidenkugeln+ aus Fett oder Leim mit

keimtötenden Stoffen, Kautschukringe mit darin ausgespannter Membran

(das sog. _+Pessarium occlusivum+_), welche, vor dem Beischlafe in

die Scheide eingeführt, dem Samen den Weg zur Gebärmutter versperren

sollen, +Einblasung von pulverigen Spermatozoengiften+ in die Scheide

unmittelbar vor dem Beischlafe, endlich +Ausspülung der Scheide+

unmittelbar nach demselben.

Von diesen Mitteln ist zu sagen, daß in der Praxis keines derselben

volle Sicherheit gewährt. Am verläßlichsten ist der Kondom. Aber der

Überzug über das Glied kann die Befruchtung nur dann verhindern,

wenn er die Dehnungen und Zerrungen während des Beischlafes aushält

und nicht zerreißt. Ist der Kondom dickwandig und daher fest und

haltbar, dann stört er das Zustandekommen der Wollustempfindung des

Mannes in beträchtlichem Maße; dies gilt besonders von den Kondoms aus

Gummi, welche überdies bald brüchig werden. Ist der Kondom dagegen

dünn und zart, wie die feineren Kondoms aus Fischblase, Kalbs- oder

Schafsblinddarm, dann spürt man allerdings nicht viel von ihm,

besonders, wenn man ihn nach dem Überziehen über das Glied mit Wasser

befeuchtet, dann kann er aber während des Beischlafes leicht zerreißen.

Die Verstopfungen der Scheide durch Schwämmchen usw. sind viel

unsicherer, wenn sie nicht von sachkundiger Hand vorgenommen werden.

Außerdem stören sie die geschlechtliche Befriedigung der Frau in mehr

oder minder hohem Maße und können ihr dadurch in derselben Weise

schädlich werden wie der unterbrochene Beischlaf. Endlich kommt es

durch die Hantierungen in der Scheide, durch den Druck der Einlagen und

durch Infektion sehr leicht zu Entzündungen und Katarrhen.

Am harmlosesten für Mann und Frau sind die Ausspülungen der Scheide mit

lauem Wasser oder lauer Kochsalzlösung unmittelbar nach dem in normaler

Weise vollzogenen Beischlafe (s. o.). Aber dieses Verfahren ist das

unsicherste von allen, da sogleich bei der Ejakulation Samen in den

äußeren Muttermund und in den Halskanal der Gebärmutter eingedrungen

sein kann und dieser Teil des Samens durch die nachfolgende Ausspülung

nicht entfernt wird. Ich kenne mehrere Fälle, wo trotz der Ausspülungen

bald Befruchtung erfolgte.

Kaum weniger unzuverlässig als die Ausspülung nach dem Beischlafe ist

das Einblasen von gepulverter Borsäure und ähnlichen Stoffen vor dem

Beischlafe. Sie können auch durch den chemischen Reiz, den sie ausüben,

schädlich werden.

Der Leser sei also bei allen diesen künstlichen Verhinderungen der

Befruchtung auf der Hut!

Er darf auch ihren schlechten Einfluß auf das sittliche Verhältnis von

Mann und Frau nicht übersehen. Ein solcher wird wohl nicht eintreten

in einer Ehe, die bereits mit Kindern gesegnet ist und in welcher die

durch jahrelanges Zusammenleben gefestigte innige Zuneigung der Gatten

zueinander das Abstoßende derartiger Praktiken verhüllt. Wird dagegen

der Geschlechtsverkehr von vornherein lediglich zum Zwecke des Genusses

gepflegt, so vergiftet dies die Beziehung der Gatten zueinander, und

schädigt es namentlich die Sittlichkeit der Frau. Sie betrachtet den

Vollzug des Beischlafes nicht mehr, wie sie von Natur aus geneigt ist,

mit Ehrfurcht als eine folgenschwere und feierliche Handlung, bei der

die geheimnisvollen Urmächte des Lebens das verborgen Treibende sind,

sondern lernt allmählich, daß es sich bloß um ein Vergnügen handle, das

man sich bei einiger Klugheit gönnen kann, ohne verräterische Folgen

fürchten zu müssen.

Ein Gatte, welcher sich nicht überhaupt seiner Frau gegenüber

Zurückhaltung bezüglich der geschlechtlichen Vergnügungen auferlegt,

die angeborene Schamhaftigkeit der Frau nicht schont, sondern im

Gegenteile ihre Sinnlichkeit künstlich weckt und stachelt, darf sich

dann über ihre gelegentliche Untreue nicht wundern und beklagen.

7. Kapitel.

Verirrungen des Geschlechtstriebes.

Ich habe nicht die Absicht, in diesem Büchelchen alle Verirrungen des

Geschlechtstriebes ausführlich zu besprechen. Im allgemeinen will

ich nur sagen, daß jene Verirrung, über welche in unserer Zeit so

viel Lärm gemacht wird, die Neigung zum eigenen, Abneigung gegen das

andere Geschlecht, nur höchst selten angeboren sein dürfte. Wo diese

Neigung wirklich angeboren ist, beruht sie auf einer Mißbildung. In

den allermeisten Fällen ist sie aber gar nicht angeboren, sondern

zurückzuführen auf die Weise, in welcher das Individuum zum ersten

Male zum Genusse von intensivsten Wollustempfindungen gekommen ist;

ein Erlebnis, das bei stark sinnlichen Naturen einen ungemein tiefen

Eindruck zu hinterlassen pflegt und namentlich Personen mit krankhafter

psychischer Veranlagung dauernd aus der Bahn normalen Empfindens

abzulenken vermag.

Wie sich’s übrigens verhalten möge, ob die Verirrung angeboren oder

erworben ist, keineswegs dürfen Staat und Gesellschaft dulden, daß

diese Personen („Homosexuelle“, „Urninge“) ihre Neigungen ungestört

befriedigen, ungestört um ihre Art von Liebe werben. Denn wenn man dies

zuließe, würde die Verführung bald in ungeheurem Maße um sich greifen,

und wenn nicht die Zahl der Urninge, so doch die der sog. Bisexuellen

bald zu einem Heere heranwachsen und eine Zeit geschlechtlicher

Ausartung kommen, wie die, welche den Untergang der antiken Kultur

herbeiführen half. Der gesetzliche und gesellschaftliche Gegendruck

ist übrigens eine Wohltat für die Verirrten selbst. Ich kenne mehrere

Fälle, wo unter diesem Druck solche zur Homosexualität Verführte wieder

zu durchaus normalem Geschlechtsempfinden zurückgebracht und glückliche

Gatten und Väter geworden sind.

Über eine einzige Art von abnormaler Befriedigung des

Geschlechtstriebes muß ich mehr sagen: über die +Masturbation+ oder

+Onanie+, da dieses Übel ungemein verbreitet ist und darüber die

verkehrtesten Ansichten herrschen, welche die Schäden noch vergrößern.

Während die einen erklären, daß das Masturbieren ein sehr zweckmäßiges

Mittel sei, sich Erleichterung zu verschaffen, wenn sich zuviel Samen

angesammelt hat und der eheliche Beischlaf nicht möglich ist, und daher

ebensowenig Tadel verdiene als der Gebrauch des Taschentuches oder der

Klistierspritze, mit denen man auch der Natur nachhilft, sehen andere

im Masturbieren das furchtbarste Übel mit den schädlichsten Folgen für

die Gesundheit. Beide Meinungen sind falsch.

Beim normalen Beischlafe wird die Ejakulation durch mechanische

Einwirkung der Scheide auf das Glied herbeigeführt. Es ist nicht

einzusehen, warum es schädlicher sein soll, warum die nervöse

Erschütterung größer sein soll, wenn die mechanische Einwirkung auf

einem anderen Wege vor sich geht als beim natürlichen Beischlaf.

Mäßig getriebenes Masturbieren ist für den Geschlechtsreifen wohl

ganz unschädlich, wahrscheinlich sogar weniger gefährlich als der

unterbrochene Beischlaf.

Nicht in der absoluten Schädlichkeit des einzelnen Aktes liegt

die Gefahr der Masturbation, sondern vor allem darin, daß, da zum

Beischlafe zwei Personen notwendig sind, zur Masturbation aber nur

eine, +die Gelegenheit zum Masturbieren ungeheuer viel größer ist als

die zum Beischlaf und damit auch die Verlockung zur Unmäßigkeit ganz

ungeheuer wächst+! Die Leiden, die der Arzt so häufig bei Onanisten

findet, sind dieselben, wie sie nach exzessiver Unmäßigkeit im

Beischlafe auftreten: also Verstimmung, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit,

Druck und Schmerzen in der Lendengegend, Störungen der Ernährung,

Schwächung des Gedächtnisse und der übrigen geistigen Fähigkeiten,

Schwäche der Willenskraft, Schwäche der Erektionen, vorzeitiger

Eintritt der Ejakulation und damit Schwierigkeiten, den normalen

Beischlaf auszuführen. Wenn diese Störungen so viel häufiger und

ausgeprägter bei Onanisten als bei Koitierenden angetroffen werden,

so liegt dies eben daran, daß der Koitus selten durch längere Zeit so

unmäßig geübt wird, wie dies bei Masturbation vorkommt, und dann daran,

daß +die Masturbation vor allem von geschlechtsunreifen oder halbreifen

Knaben und Jünglingen betrieben wird, für welche jede Betätigung des

Geschlechtstriebes ungesund ist+.

Es muß daher die ernsteste Sorge der Eltern und Erzieher sein, die

Kinder vor diesem hygienischen Laster zu behüten. (Auch Mädchen

masturbieren!)

In den allermeisten Fällen verfallen die Kinder nicht von selbst

darauf, sondern kommen durch Verführung und böses Beispiel dazu.

+Sorgfältige Auswahl der Spielkameraden und Gefährten und beständige

Überwachung des Verkehrs der Kinder miteinander sind daher der

wichtigste Schutz.+

Hygiene des Geschlechtslebens · 第 5 / 8 段