Davon, daß bei einem gesunden, normalen Manne das Verlangen nach

Beischlaf +unüberwindlich+ ist, so daß es befriedigt werden +müßte+,

kann keine Rede sein. Es ist unleugbar, daß manchem geschlechtsreifen

Manne der nicht befriedigte Trieb erhebliche Beunruhigungen schafft,

und daß es ihm zeitweise große Anstrengungen kosten kann, ihn im Zaume

zu halten. Bei den meisten Männern ist der Geschlechtstrieb aber gar

nicht so stark, als manchmal behauptet wird, und bei jedem Manne hängt

die Stärke seiner Regungen in hohem Maße von seiner Lebensweise und von

seinem ganzen Verhalten ab. Wenn wir unsere Vernunft und unseren Willen

gebrauchen wollten, würde es der ungeheuren Mehrheit der gesunden

Männer nicht allzu schwer werden, sich des geschlechtlichen Verkehrs zu

enthalten und sich auch bei mangelnder geschlechtlicher Befriedigung

von stärkerer Belästigung und Störung des Wohlbefinden freizuhalten. Um

darüber klar zu werden, müssen wir zunächst genauer betrachten, wie die

geschlechtliche Erregung zustande kommt.

Auch der leidenschaftlichste Mann ist nicht +immer+ sexuell erregt. Die

geschlechtliche Erregung tritt stets nur zeitweise, in der Regel nur

auf äußere Anstöße hin, ein und läßt von selbst nach einer gewissen

Dauer wieder nach, wenn der äußere Anlaß zu wirken aufgehört hat.

Von dem Zustande, in dem sich die Hoden befinden, namentlich von

ihrer Blutfülle und der Füllung ihrer Ausführungsgänge mit Samen,

hängt der Grad der Erregbarkeit ab, d. h. ob schwächere oder stärkere

Einwirkungen erforderlich sind, damit die geschlechtliche Erregung

wirklich eintritt.

Die Erregung kann zunächst durch örtliche Reizung der Empfindungsnerven

veranlaßt werden. Von den Geschlechtsteilen, insbesondere vom Gliede,

laufen Empfindungsnerven zum Rückenmarke. Werden sie, z. B. durch

Berührung des Gliedes, erregt, so leiten sie diese Erregung zum

Rückenmarke fort, wo sie unmittelbar auf Nerven übergeht, die wieder

zum Gliede zurücklaufen, und zwar zu seinen Blutgefäßen. Die Erregung

dieser Nerven hat zur Folge, daß den Schwellkörpern des Gliedes

reichlicher Blut zugeführt wird, während gleichzeitig der Abfluß des

Blutes aus ihnen erschwert wird. Das Blut häuft sich also im Gliede

an; diesem schwillt an, richtet sich auf und wird steif. Dieser

Vorgang der Erektion (Aufrichtung) kann völlig unabhängig von unserem

Bewußtsein verlaufen, kann ein reiner +Reflexvorgang+ sein -- wie wir

zu sagen pflegen. Er kann auch ohne jede Wollustempfindung stattfinden,

wie z. B. bei ganz jungen Knaben bei Harndrang. Bei älteren Knaben

aber erwecken die Erregungen, die von den sensiblen Nerven der

Geschlechtsteile zum Rückenmark und zum Gehirne weitergeleitet

werden, oft schon lange vor dem Eintritte der Pubertät eigentümliche

Lustgefühle; beim Geschlechtsreifen erweckt die Steifheit des Gliedes

außerdem Bedürfnis nach Entspannung und Verlangen nach dem Weibe. So

kommen z. B. wollüstige Träume zustande, wenn während des Schlafes

infolge des Reizes, den der Druck der gefüllten Blase auf die

Nachbarschaft ausübt, das Glied steif geworden ist (was am häufigsten

gegen Morgen eintritt, daher die Bezeichnung „Morgensteifheit“).

Wie durch den Druck der gefüllten Blase kann auch durch den Druck

des gefüllten Mastdarmes auf seine Nachbarschaft, durch Druck und

Reibung der äußeren Geschlechtsteile seitens der Kleidung oder der

übereinandergeschlagenen Beine, durch Jucken infolge von Unreinlichkeit

der Haut oder von Hautausschlägen Erektion und durch diese wieder

geschlechtliches Verlangen erregt werden.

Es ist ohne weiteres klar, daß man sehr vieles tun kann, um diesen

Erregungen vorzubeugen. Man vermeide, abends viel zu trinken, man

sorge für geregelten Stuhlgang, man trage weite Hosen und vermeide

auch sonst jeden stärkeren Druck auf die Geschlechtsteile, wie

durch Übereinanderschlagen der Beine oder durch schwere Bettdecken

und Überbetten; man vermeide jede überflüssige Berührung der

Geschlechtsteile mit der Hand, man halte durch Waschungen und Bäder

die Haut rein, sorge für frühzeitige ärztliche Behandlung von

Hautausschlägen usw.

Ebenso wie örtliche Erregung wollüstige Vorstellungen hervorrufen

kann, führen umgekehrt gewisse Vorstellungen zur Erregung der

Geschlechtslust und zur Erektion. Wenn man derartige erregende

Vorstellungen zu vermeiden sucht, kann man unendlich viel in der

Beherrschung des Triebes erreichen. Aber nur allzu häufig geschieht das

Gegenteil: der Geschlechtstrieb wird durch leichtfertige Gespräche,

durch Lesen unzüchtiger Bücher, durch Anblick obszöner Bilder und

Theatervorstellungen u. dgl. künstlich erweckt und gestachelt! Wenn der

Geschlechtstrieb heute bei so vielen Knaben und unreifen Jünglingen

frühzeitig zur Äußerung kommt, so ist dies nicht ein natürliches

Erwachen, sondern sicherlich bei 90 von 100 die Folge von Verführung.

Und dieselbe verruchte Afterkunst und Afterliteratur, die unsere

Sinnlichkeit mit allen Mitteln unablässig reizt und stachelt, lehrt

dann die angebliche Unüberwindlichkeit des Triebes!

Ebenso, wie wir in hohem Maße fähig sind, der geschlechtlichen Erregung

vorzubeugen, so sind wir auch imstande, die eingetretene Erregung zu

bändigen. Wenn so viele junge Männer dem geschlechtlichen Verlangen

ohne weiteres Folge leisten und es durch unehelichen Beischlaf

befriedigen, so ist dies keineswegs ein Beweis dafür, daß sie ihm

folgen müssen. Sie +wollen+ nur nicht ernstlich sich beherrschen!

Weichlichkeit, Neugierde und kindischer Ehrgeiz, es den anderen

gleichzutun, Betäubung des Gewissens und der Urteilskraft durch

Alkohol spielen dabei eine viel größere Rolle als der Trieb selbst.

Die meisten wohlerzogenen jungen Leute machen ihren ersten Besuch

bei Prostituierten und holen sich ihre venerischen Erkrankungen in

„angeheitertem“ Zustande, wenn sie nicht mehr fähig sind, die Folgen

ihres Tuns klar zu überblicken.

Vom Gehirne gehen nicht allein Erregungen des Geschlechtsapparates

aus, sondern auch +Hemmungen+ des Reflexvorganges der Erektion. Diese

Hemmungen kommen häufig von selbst, ganz unwillkürlich zustande.

So ist z. B. bekannt, daß Schrecken, Schmerz und andere heftige

Empfindungen, daß lebhaft auftauchende Vorstellungen überhaupt, welche

die Aufmerksamkeit ablenken, ganz plötzlich Erlöschen des Verlangens

und Erschlaffen des Gliedes herbeiführen können. Intensive geistige

Beschäftigung pflegt die Erregungen, die von den Geschlechtsorganen

ausgehen, von vornherein zu übertönen. Wir können nun auch willkürlich

solche Vorstellungen erwecken, welche die Erregung hemmen, z. B. die

Vorstellung von unseren Pflichten oder von den Gefahren, welche die

Befriedigung des Triebes mit sich bringt.

Nicht allein auf dem Gebiete des Geschlechtslebens, sondern allen

Einwirkungen der Außenwelt gegenüber ist nur derjenige +Herr seiner

selbst und daher frei+, der die Hemmungseinrichtungen, die in seinem

Gehirne vorhanden sind, zu gebrauchen gelernt hat; diese Fähigkeit

kennzeichnet den Kulturmenschen. Der andere bleibt der Sklave des

Augenblicks.

Wir stehen also keineswegs machtlos da. Die wichtigste Regel aber

für den, der Selbstbeherrschung üben soll und üben will, ist:

+Widerstehe dem Anfange!+ „_Principiis obsta!_“ +In ihrem ersten

Beginne+ ist die einzelne geschlechtliche Erregung meist so schwach,

daß sie mit leichter Mühe unterdrückt werden kann. Versäumt man aber

dies Stadium oder gibt man der Empfindung nach, dann schwillt sie

lawinenartig an und erfordert schließlich eine gewaltige und peinliche

Willensanstrengung zu ihrer Unterdrückung.

Daß aber die Gesundheit Schaden nimmt, wenn selbst heftigere derartige

Kämpfe häufiger stattfinden, kommt bei Menschen mit einem von

vornherein normalen und nicht geschwächten Nervensysteme wohl kaum

vor. Jene krankhaften Erscheinungen, die man gerne der Enthaltsamkeit

zuschreibt, sind nicht die Folge von dieser, sondern im Gegenteile

in der Regel die Folge geschlechtlicher Ausschweifungen und Sünden.

Es können aber auch nachweisbare Krankheiten des Geschlechtsapparates

oder des Zentralnervensystems vorliegen. Es sind Fabeln, wenn behauptet

wird, daß beim Manne Samenfluß oder schmerzhafte Entzündungen im Hoden

und Nebenhoden, Samenaderbruch (Varikokele), Unfähigkeit zum Beischlaf

(Impotenz), oder umgekehrt die sog. Satyriasis; beim Weibe weißer

Fluß, Bleichsucht, Hysterie, Lageveränderungen und Geschwülste der

Gebärmutter, die sog. Nymphomanie; bei beiden Geschlechtern Irrsinn,

Neigung zum Selbstmord, zu Verbrechen aus der Nichtbefriedigung des

Geschlechtstriebes durch den Beischlaf entständen.

Allerdings zeigt der Vergleich der Sterblichkeitsverhältnisse der

Verheirateten und der Ledigen, daß die Mortalität der verheirateten

Männer in allen Altern über 20 Jahre und die Mortalität der Ehefrauen,

nachdem das Alter der größten Geburtenhäufigkeit überschritten ist,

erheblich geringer ist als die der Ledigen. Aber diese geringere

Sterblichkeit, ebenso wie die geringere Häufigkeit von Irrsinn,

Selbstmord, Verbrechen unter ihnen kann schon deshalb nicht auf die

Befriedigung des Geschlechtstriebes bei den Verheirateten bezogen

werden, weil die Ledigen leider zum großen Teile durchaus nicht

Personen sind, die den Trieb nicht durch Beischlaf befriedigen. Die

geringere Sterblichkeit der Verheirateten beruht zum Teile darauf,

daß beim Abschlusse der Ehe auch heute schon eine gewisse Auslese

stattfindet und körperlich elende, kranke oder verkümmerte Individuen,

Idioten, Irrsinnige, Blinde, Lahme usw., in der Regel nicht geehelicht

werden. Hauptsächlich aber beruht sie darauf, daß die Verheirateten

in der Regel ein geordneteres Leben führen, weniger Alkoholmißbrauch

treiben und viel weniger der Gefahr der Geschlechtskrankheiten

ausgesetzt sind. Wie gering die Rolle ist, welche die Befriedigung

des Geschlechtstriebes durch den Beischlaf dabei spielt, geht daraus

hervor, daß Mönche und Nonnen trotz der Ungunst mancher ihrer

Lebensbedingungen im allgemeinen keine wesentlich höhere Sterblichkeit

aufweisen als ihre Altersgenossen unter den Laien.

Leichtere Störungen und Unbehaglichkeiten, wie unruhiger Schlaf infolge

von Erektionen, häufigere Pollutionen, Kopfschmerzen und eine gewisse

nervöse Aufregung infolge von Blutfülle, lassen sich durch die früher

besprochenen Maßregeln, ferner durch Enthaltung von alkoholischen

Getränken und stark gewürzten Speisen, kühles, nicht zu weiches Bett,

kalte Waschungen und Bäder, ferner insbesondere durch intensive Pflege

von körperlichen Übungen bis zu deutlicher Ermüdung in der Regel

leicht vermeiden oder beseitigen. Je beharrlicher alles vermieden

wird, was den Geschlechtstrieb erregen könnte, um so leichter fällt im

allgemeinen die Enthaltsamkeit, da -- wie wir schon besprochen haben

-- die Hoden bei Nichtgebrauch des Geschlechtsapparates ihre Tätigkeit

einschränken.

5. Kapitel.

Folgen der geschlechtlichen Unmäßigkeit und Regeln für den ehelichen

Geschlechtsverkehr.

Während kaum irgend etwas Sicheres von schädlichen Folgen der

Enthaltsamkeit vom Beischlaf für Menschen mit gesundem Nervensystem

bekannt ist, steht es fest, daß +geschlechtliche Unmäßigkeit+ sehr

häufig schadet. Besonders häufig leidet beim Manne das Nervensystem

darunter, was leicht begreiflich ist, wenn man die heftige Erregung

bedenkt, unter welcher sich der Beischlaf vollzieht.[C] Schon deshalb

darf also auch in der Ehe der Geschlechtstrieb nicht zügellos

befriedigt werden.

Auch in jenen Perioden der Ehe, während deren der Beischlaf erlaubt

ist, darf er nicht zu häufig ausgeübt werden. Viele alte Gesetzgeber

haben darüber Vorschriften gegeben: Zoroaster erlaubte ihn alle neun

Tage, Solon dreimal im Monate, Mohammed einmal wöchentlich. Eine uralte

deutsche Regel, die auch ich früher fälschlich Luther zugeschrieben

habe, lautet:

„Alle Wochen zwier

Schadet weder ihr noch mir,

Macht im Jahr hundertundvier“,

wobei allerdings auf die Menstruation vergessen wurde. Es ist nicht

möglich, eine feste Regel aufzustellen. Wie oft der Beischlaf ausgeübt

werden kann, ohne daß es schadet, hängt nämlich in hohem Maße von der

persönlichen Anlage, vom Alter, der Ernährung und der Arbeitsleistung

des Mannes ab. Stark geistig Arbeitende müssen in der Regel mäßig

sein. Wer auf die Winke der Natur achtet, wird leicht selbst das

zuträgliche Maß finden. Wenn lebhaftes Verlangen nach dem Beischlaf

besteht, die Erektion rasch und kräftig eintritt, wenn nach vollzogenem

Beischlaf eine angenehme Müdigkeit empfunden wird, die nach kurzer

Ruhe dem Gefühle voller Frische Platz macht, tiefer und ruhiger Schlaf

nachfolgt, so ist nicht zuviel geschehen, auch wenn die obige alte

Regel weit überschritten wird. Dagegen lasse man sich durch träge

Erektionen, durch das Gefühl von Ermüdung und Unlust, Gefühl von Druck

in der Kreuzgegend, Aufgeregtheit und Schlaflosigkeit hinterher warnen.

Der Satz: „Jedes Tier ist nach dem Beischlafe traurig,“ gilt nur für

Kranke und Unmäßige.

Was die beste Tageszeit für die Vornahme des Beischlafes anbelangt,

so bevorzugen die einen die Zeit unmittelbar nach dem Zubettlegen,

wobei dann die ganze Nacht der Erholung dient, die anderen die Zeit

unmittelbar nach dem Erwachen, wenn die Gatten völlig ausgeruht

und frisch sind. Im letzteren Falle ist es aber ratsam, sich nach

Vollendung des Beischlafs noch eine kurze Ruhezeit und ein Schläfchen

zu gönnen. Überhaupt wird der Beischlaf am zuträglichsten sein, wenn

er in voller Bequemlichkeit und Ungestörtheit, frei von Sorgen oder

Gewissensbissen, vollzogen wird. Der eheliche Geschlechtsverkehr ist

deshalb viel zuträglicher als der außereheliche. Am zweckmäßigsten ist

die Rückenlage der Frau mit gespreizten Schenkeln unter dem Manne.

Diese Lage ist schon durch den Bau der Geschlechtsteile als die

natürliche vorgezeichnet. Andere Stellungen ermüden stärker. Bei Lage

des Mannes unten und der Frau oben sinkt die Gebärmutter zu sehr nach

unten, sie wird schädlichen Erschütterungen ausgesetzt und an ihren

Bändern gezerrt. Die Frau empfindet dann häufig hinterher Schmerzen,

ja, es kann zu Entzündungen im Innern kommen. Jede Künstelei ist

überhaupt zu vermeiden, insbesondere die willkürliche Verzögerung der

Samenausschleuderung, um die Dauer der Wollustempfindung zu verlängern.

Dagegen ist es für die physische und psychische Gesundheit der Frau

und für das Glück der Ehe sehr wichtig, daß auch +die geschlechtliche

Erregung der Frau durch den Eintritt des Orgasmus beim Geschlechtsakt

voll befriedigt und gelöst wird+.

Man darf nie vergessen, daß die Ehe weder wegen des wirtschaftlichen

Nutzens allein noch wegen der seelischen Freuden, die sie mit sich

führt, sondern im wesentlichen um des physischen Zweckes willen,

behufs regelmäßiger Befriedigung des geschlechtlichen Bedürfnisse

geschlossen wird. Dies muß mit Nachdruck betont werden. Die verstiegene

Sentimentalität und der fleischlose Intellektualismus sind ebensowenig

imstande, eine befriedigende Ordnung in das Verhältnis von Mann

und Weib zu bringen, als der brutale Sensualismus. Wohl niemals

würden es zwei Menschen auf die Dauer ertragen, in der Weise von

Ehegatten miteinander verkettet zu sein, wenn sie nicht dabei die

physische Befriedigung ihres Geschlechtstriebes suchen und finden

würden. Auch bei solchen Frauen, welche mit noch schlummerndem

Geschlechtstriebe in die Ehe eingetreten sind, wird er durch die Ehe

notwendigerweise geweckt. Erregung von Wollustempfindungen durch

geschlechtliche Handlungen ohne nachfolgende vollständige Befriedigung

aber wirkt schädlicher und verstimmt mehr als völlige Enthaltung vom

geschlechtlichen Verkehr. +Der kluge und rücksichtsvolle Gatte wird

sich daher nicht allein um seine eigene Befriedigung kümmern, sondern

auch auf die seiner Frau bedacht sein.+ Mit einer Frau, die nur langsam

in höhere Grade geschlechtlicher Erregung gerät, wird er den Beischlaf

erst dann beginnen, wenn auch bei ihr starke Erregung eingetreten ist;

etwa infolge fortgesetzter Liebkosungen.

Je einfacher man in seinen Genüssen bleibt, um so gesünder. Eheleute

mögen sich immer vor Augen halten, daß, je mäßiger sie im Genusse

sind, um so länger der normale Beischlaf seinen Reiz für sie behält,

um so länger die beiderseitige geschlechtliche Gesundheit, besonders

die Leistungsfähigkeit des Mannes vorhalten wird, sie um so länger

also der ehelichen Genüsse sich erfreuen zu können hoffen dürfen.

Eine gewisse zeitliche Regelmäßigkeit im Vollzuge des Beischlafes ist

durchaus ratsam. Die ganze Funktion des männlichen Geschlechtsapparates

richtet sich dann darauf ein, und der Beischlaf geht dann ohne

schädliches Übermaß von Erregung vor sich. Selbstverständlich soll man

aber nur dann beischlafen, wenn man sich vollkommen gesund und kräftig

fühlt, und nur dann, wenn die Erektion sich von selbst eingestellt

hat. Sie zum Zwecke des Beischlafes künstlich herbeizuführen, ist

ein Mißbrauch, der sich mit der Zeit an der Gesundheit rächt.

In berauschtem Zustande den Beischlaf auszuführen, ist durchaus

verwerflich, weil die Gefahr besteht, daß ein in solchem Zustande

erzeugtes Kind krank und schwächlich wird. Wer noch Kinder zu erzeugen

die Absicht hat, sollte sich überhaupt regelmäßigen oder irgend

häufigeren Genusses von alkoholischen Getränken enthalten und auch

niemals ausnahmsweise ein Übermaß davon zu sich nehmen. +Je besser die

Gatten für Gesundheit und Kraft ihres Körpers sorgen, um so gesündere

und lebensfrischere Kinder dürfen sie erwarten. Diese Fürsorge für die

eigene Gesundheit, die geordnete, vernünftige Lebensführung ist eine

der größten und wichtigsten Pflichten derjenigen, welche Kinder in die

Welt setzen wollen.+

Unmäßigkeit und Unordnung im Geschlechtsverkehre schaden hauptsächlich

dem Manne. Die Frau, welche sich beim Beischlafe lediglich duldend

verhält, kann in dieser Hinsicht viel mehr vertragen als er. Da die

weiblichen Geschlechtsteile stets zum Vollzuge des Beischlafes bereit

sind, während beim Manne erst Gliedsteife eingetreten sein muß, kann

die Frau beliebig oft hintereinander den Beischlaf an sich vollziehen

lassen. Wenn sie nur langsam in Erregung gerät, bleibt sie oft

nach dem ersten Beischlafe noch in starker unbefriedigter Erregung

und brächte ihr erst der zweite oder dritte Vollzug die volle Höhe

des Genusses. Wenn solche Frauen einmal Erfahrung gewonnen und die

schamhafte Scheu abgestreift haben, suchen sie mit allen Künsten den

Mann möglichst rasch nach dem Beischlaf wieder zu einem neuen zu

stacheln. Es gibt Frauen von wahrhaft unersättlicher Begierde, die den

Mann buchstäblich bis auf den letzten Tropfen auszusaugen vermögen.

Da ihnen Jünglinge mit unabgestumpfter geschlechtlicher Reizbarkeit

besonders erwünscht sind, sei der junge Mann vor solchen Frau Potiphars

auf der Hut.

Die ersten Folgen der Unmäßigkeit sind Abnahme der Wollustempfindung

beim Beischlafe, damit zusammenhängend Verzögerung des Eintrittes

der Ejakulation, Verminderung der Kraft, mit welcher der Samen

ausgeschleudert wird. Nach dem Beischlafe Gefühl der Verstimmung,

der Ermüdung, der Mattigkeit in den Beinen, die länger und länger

anhalten, je länger und ärger die Unmäßigkeit fortgetrieben wurde. Als

weitere Folgen können auftreten: Druck in der Lendengegend, nervöse

Erregbarkeit, Gefühl von Druck im Kopf, von Eingenommensein des Kopfes,

gestörter Schlaf, Ohrensausen, Flimmern vor den Augen, Lichtscheu,

zittriges Gefühl und wirkliches Zittern, Neigung zum Schwitzen. Es kann

ferner Herzklopfen eintreten; Muskelschwäche, die sich schon in den

schlaffen Mienen, in der schlaffen Haltung des geschlechtlich Ermüdeten

und Erschöpften verrät; Unlust zu anhaltender, schwerer Arbeit und

Unfähigkeit, sie zu leisten, Gedächtnisschwäche, Neurasthenie und

Melancholie. Die Verdauungstätigkeit sinkt, die Ernährung wird

schlechter; infolge davon Blutarmut und Schwächung der Widerstandskraft

gegen äußere Schädlichkeiten, insbesondere gegen Infektionskeime und

unter diesen wieder insbesondere gegen den Tuberkelbazillus. Auch der

Geschlechtsapparat selbst funktioniert bald noch schlechter und weist

die Erscheinungen der sog. reizbaren Schwäche auf: die Erektionen

verlieren an Kraft und Dauer; bei unvollkommener Erektion oder alsbald

nach der Einführung des Gliedes in die Scheide tritt die Ejakulation

ein, ohne daß die Höhe des Wollustgefühles erreicht wird; die Fähigkeit

zum Beischlaf geht damit mehr und mehr verloren; nächtliche Pollutionen

treten häufig auf und hinterlassen eine gesteigerte nervöse Erregung

und Mattigkeit.

Die leichteren Störungen des Wohlbefinden gehen übrigens im allgemeinen

rasch wieder vorüber, wenn Enthaltsamkeit geübt wird, wenn die

Ernährung gut und die ganze sonstige Lebensweise den hygienischen

Grundsätzen gemäß ist. Insbesondere erholen sich vollkommen

geschlechtsreife junge Männer, die von vornherein gesund und kräftig

waren, von den Torheiten der Flitterwochen bald, wenn die Vernunft

die Herrschaft wiedererlangt hat. Je länger die Exzesse gedauert

haben, je schwächlicher das Individuum von vornherein war, um so

schwieriger tritt volle Wiederherstellung ein. Am gefährlichsten wird

die geschlechtliche Unmäßigkeit unreifen oder nicht voll erwachsenen

Jünglingen, sowie Männern, die sich bereits dem Greisenalter nähern;

sind sie etwa von vornherein nicht ganz gesund, so können sie sich

dadurch dauerndes Siechtum, ja selbst raschen Tod zuziehen.

+Auch in der Ehe kommen Zeiten, in welchen vollständige Enthaltsamkeit

geübt werden muß.+ Sie sind durch Rücksichten auf die Frau und auf

die Nachkommenschaft unbedingt gefordert. Zur Zeit der Menstruation

darf der Beischlaf nicht ausgeübt werden. Er verbietet sich übrigens

für das feinere Empfinden von selbst durch den Zustand der weiblichen

Geschlechtsteile. Während der Menstruation ist das Innere der

Gebärmutter wund, der ganze Geschlechtsapparat des Weibes gereizt

und mit Blut überfüllt. Unter diesen Umständen ist, wie bei allen

Wundflächen, die Gefahr vorhanden, daß eine Wundinfektion eintritt,

diese dann zu Entzündungen der Gebärmutter und ihrer Anhänge führt und

so die Frau auf die Dauer krank macht. Diese Gefahr wird durch das

Einführen des Gliedes in die Scheide sehr gesteigert.[D] Jedenfalls muß

der Beischlaf während des Blutabganges unterbleiben; noch besser ist

es, ihn auch während der darauffolgenden Woche zu unterlassen, bis die

Innenfläche der Gebärmutter wieder vollkommen überhäutet ist.

Hygiene des Geschlechtslebens · 第 4 / 8 段