DIE "RESIGNATION" DES TRAGISCHEN HELDEN.

Es giebt eine Weltanschauung, die, ausgehend von der Betrachtung des

Leides in der Welt, zur Überzeugung gelangt, daß es besser wäre, die

Welt wäre nicht. Das Leid in der Welt fordere eine _Erlösung_. Diese

sei gegeben in der Abkehr vom Leben, der Preisgabe des Daseins, der

"Weltüberwindung" in diesem Sinne. Im Aufhören des Daseins, im Nichtsein

also, sei die Disharmonie der Welt in "Harmonie" aufgelöst; hier sei

"Ruhe, Versöhnung, Frieden".

Lassen wir dahingestellt, wie der Verkündiger dieser "pessimistischen"

Weltanschauung seine Lehre zu beweisen gedenkt. Nur dies interessiert uns

hier einigermaßen, wie er die sonderbare Vorstellung rechtfertigen will,

daß das Individuum nach Preisgabe seines Daseins, daß also das nicht mehr

existierende Individuum, doch noch von eben dieser Nichtexistenz etwas

_habe_; daß es, obgleich nicht mehr empfindend, doch sein Nichtsein als

Harmonie, Versöhnung, Ruhe, kurz irgendwie befriedigend empfinde. Denn

die Befriedigung, die ich nicht empfinde, ist ja doch für mich keine

Befriedigung, so sehr sie es für einen anderen sein mag; Erlösung,

Versöhnung, Harmonie, das alles sind Worte, die auf das nicht mehr

existierende also auch nicht mehr empfindende Individuum angewandt völlig

ihren Sinn verlieren. Was, frage ich, veranlaßt den Vertreter jener

Theorie trotzdem mit diesen Worten zu spielen, statt überall das so klare

und viel einfachere Wort "Nichts" an die Stelle zu setzen.

Das Spiel ist ja allzuleicht zu durchschauen. Ruhe ist ein doppelsinniges

Wort. Ruhe ist Abwesenheit der Bewegung, Mangel des Lebens, also Tod,

Starrheit, gleichförmiges Einerlei. Solcher Ruhe "erfreut" sich der Stein

gegenüber der Pflanze, die durch Entziehung der Wärme erstarrte Natur

gegenüber der lebendigen. Ein ander Mal ist "Ruhe" gleichbedeutend mit

"_Ausruhen_". Solches Ausruhen ist nicht Mangel des Lebens, sondern

ungestörter Ablauf desselben; nicht aufgehobene Bewegung, sondern

ungetrübtes Gleichmaß vorhandener Bewegung. Jene Ruhe hat nichts

Erfreuliches; mit Bewegung und Leben ist ja auch das Fühlen aufgehoben.

Diese schließt eine eigene und beglückende Art des Lebens- und

Selbstgefühls in sich. Nur wenn man mit logischer Taschenspielerkunst

jenem negativen Begriff der Ruhe diesen positiven Begriff unterschiebt,

kann man auch jenen mit scheinbarem positivem Inhalte erfüllen.

Noch schlimmer steht es mit den anderen, an Stelle des "Nichts" gesetzten

Begriffen. Aufgehobene Disharmonie ist nicht ohne weiteres Harmonie, sie

ist an sich bloß nicht vorhandene Disharmonie, Leere, ein Nichts an

Stelle der Disharmonie. Nicht, wo nichts mehr erklingt, sondern wo Klänge

ungestört zusammenklingen, ist Harmonie. Und solche Harmonie muß da sein,

wo Disharmonie in Harmonie "_aufgelöst_" werden soll. Ohne die

nachfolgende Harmonie ist die "Auflösung" ein leeres Wort, eine

sonderbare Erschleichung.--Und nicht anders ist es mit dem "Frieden", der

"Versöhnung". Ich frage, ist es recht, solchen Begriffsbetrug zu üben?

Oder wie glaubt man dergleichen logischen Leichtsinn verantworten zu

können?

Jener "Weltanschauung" aber soll nun auch die Tragödie zur Bestätigung

dienen. Wir erfahren: in der Tragödie vollziehe der Held die Abwendung

vom Dasein und Leben; daraus gewinne der Zuschauer den Trost, daß auch

ihm ein Gleiches zu thun offen stehe. Die Tragödie erschließe so dem

Geiste "seine wahre Heimat und die Aussicht auf den stillen Hafen hinter

der sturmbewegten See des Lebens."

Hier haben wir zunächst neue Worte an Stelle des "Nichts". Schade, daß

sie, so poetisch auch immer, und so wohlgeeignet die Leere des Nichts

gefällig zu verschleiern, doch auch nicht das Nichts in ein Etwas, wohl

gar in ein beglückendes Etwas zu verwandeln vermögen. Man könnte meinen,

trotz der schönen Worte bleibe der Gedanke an jene Leere vielmehr der

erschrecklichsten einer, und jene "trostreiche" Aussicht sei alles eher

als trostreich.

Doch streiten wir darüber nicht.--Der _Zuschauer_ soll jenen trostreichen

Gedanken haben. Gemeint kann aber doch wohl nur der Zuschauer sein, der

an die pessimistische Lehre glaubt, und auch der nur unter der

Voraussetzung, daß er im Trauerspiel, das ja von allerlei redet, nur

nicht von ihm und seinen persönlichen und realen Interessen, noch die

Zeit findet, zu diesen Interessen abzuschweifen. Oder wo pflegen

Tragödien von Zuschauern und ihren Wünschen und Aussichten zu handeln?

Welche Tragödie fällt so aus der Rolle?

Ich fürchte nicht, daß man den Sinn und die Bedeutung dieser Frage

verkenne. Die Fabel mag ausdrücklich enden mit dem "Fabula docet", der

Nutzanwendung, die sich an den Leser oder Hörer wendet; das Gleichnis mag

sagen: "Gehe hin und thue desgleichen". Und wenn sie es nicht

ausdrücklich thun, so sollen wir doch die Lehre oder Nutzanwendung aus

ihnen ziehen. Beide sind eben Belehrungen in künstlerischer Form, nicht

reine Kunstwerke. Dagegen will das reine Kunstwerk nicht belehren, am

wenigsten über unsere "Aussichten". Oder was würde man sagen, wenn jemand

aus dem Lustspiel, in dem der Held durchs große Loos aus materieller Not

befreit wird, den tröstlichen Gedanken zöge, daß auch ihm dergleichen

begegnen könne. Was würde man sagen, wenn er uns gar erklärte, dieser

tröstliche Gedanke sei eben der Grund und eigentliche Inhalt seines

Kunstgenusses? Nun, genau dasselbe muß man von demjenigen sagen, der den

Genuß am tragischen Kunstwerk auf irgend welche trostreiche Aussicht

gründet, die er für sich daraus zieht.

Das darstellende Kunstwerk will wirken durch das, was es darstellt, durch

die Gestalten, die es uns vorführt, und das, was diese Gestalten

innerhalb des Kunstwerkes,--nicht irgend jemand sonst, am wenigsten wir

selbst, _außerhalb_ desselben,--sind und denken, thun und erleiden. In

die Gestalten, in ihr Denken, Thun und Leiden sollen wir uns in unserer

Phantasie hineinversetzen und unser reales Ich mit seinen Wünschen und

Aussichten, und damit zugleich die ganze sonstige Welt der Wirklichkeit

nicht hineinmengen, sondern vergessen. Die Welt des darstellenden

Kunstwerkes ist nicht eine wirkliche, sondern eben eine dargestellte;

eine Welt der bloßen Vorstellung, der Phantasie, des Scheins. Sie ist

jedesmal eine Welt für sich, von der Welt, in der wir existieren, durch

eine absolute Kluft getrennt. Diese Welt und sie allein geht uns an, wenn

wir uns dem Kunstwerk hingeben; aus ihr allein können wir schöpfen, was

wir aus dem Kunstwerke schöpfen wollen.

Es besteht aber gerade das Besondere des darstellenden Kunstwerkes,

dasjenige, was es vor dem Schönen der Wirklichkeit jederzeit voraus hat,

darin, daß es eine solche Welt für sich bildet, aller wirklichen Welt

transcendent, völlig losgelöst von unseren Wirklichkeitsinteressen; es

ist das Auszeichnende des Genusses am darstellenden Kunstwerke, daß das

Schöne in ihm zur Geltung kommt und wirkt, wie es an sich ist, genossen

wird in dem Werte, den es an sich hat, nur verflochten in die

Beziehungen, in die es im Kunstwerke verflochten erscheint.

Dagegen hebt jede Einmischung eines Gedankens, der sich auf das bezieht,

was außerhalb des Kunstwerkes liegt, jede Herzubringung eines Interesses

außer dem Interesse am Kunstwerk selbst und seinem Inhalte das

eigentliche Wesen des Kunstwerkes auf. Die Vermengung ist nicht klüger

als die von Traum und Wirklichkeit, der Versuch vor allem, "trostreiche"

Gedanken für die Wirklichkeit aus dem Kunstwerke zu ziehen, nicht

geistreicher als der Versuch, das Kapital, das man im Traume gewonnen, im

wachen Leben auf Zinsen zu legen.

Doch weiter. Aus gewissen _Bedingungen_ folgt jedesmal in der Tragödie

das Preisgeben des Daseins seitens des Helden. Er wendet sich vom

Leben--wenn er es thut--nicht auf Grund einer philosophischen Reflexion

über die Vortrefflichkeit der Nichtexistenz, sondern weil ein großes

Leid, ein unlösbarer Konflikt über ihn hereingebrochen ist. Warum dies?

Man sagt uns, der Held müsse durch die Unlösbarkeit des Konfliktes erst

dazu gebracht werden, die Welt zu überwinden, die instinktive Todesfurcht

abzuschütteln, das Nichtsein begehrenswert zu finden. Wie ihm das Leiden,

so solle uns der Anblick des Leidens die Vortrefflichkeit des Nichtseins

im Vergleich zu den Leiden des Daseins zum Bewußtsein bringen. Auch sei

die Preisgabe des Lebens für den Helden erst auf Grund der Unlösbarkeit

des Konfliktes _verzeihlich_. Denn von Hause aus habe der Einzelne die

Pflicht sich dem Leben und seinen Aufgaben zu erhalten, obgleich diese

Aufgaben zuletzt auf nichts anderes hinauslaufen, als darauf, auch die

übrige Welt zur Abkehr vom Leben reif zu machen.

Aber ist damit nicht die ganze "tröstliche Aussicht" wiederum illusorisch

gemacht? Angenommen der Held entschlösse sich zur Preisgabe des Daseins

_ohne_ besondere Veranlassung, etwa unter Recitation einiger

"Lichtstrahlen" aus pessimistischen Werken. Dann könnten wir vielleicht

aus seinem Verhalten die tröstliche Zuversicht gewinnen, daß auch uns,

denen einstweilen die besondere Veranlassung fehlt, ein gleiches

Verhalten möglich sei. Wie aber, wenn das Gegenteil dieser Annahme

stattfindet?

Daß die Veranlassung zur Preisgabe des Daseins beim Helden der Tragödie

eine besondere, daß die Bedingungen seines Unterganges außerordentliche

zu sein pflegen, das tut ja doch wohl keine Frage. Man hat sogar diese

Besonderheit oder Außerordentlichkeit über Gebühr gesteigert. Der

tragische Konflikt, sagte man, setze jederzeit eine "Überhebung" seitens

des Helden voraus. Dies bezweifle ich. Ich wüßte wenigstens nicht, worin

die Überhebung einer EMILIA GALOTTI bestehen sollte. Aber lassen wir

diesen Punkt hier noch unentschieden. Uns genügt, daß unter Voraussetzung

gewisser, nicht alltäglicher Bedingungen, und nur unter Voraussetzung

derselben, der tragische Held sich vom Leben abzuwenden pflegt.

Diese Bedingungen müssen gewiß, so wenig alltäglich immer, mögliche und

naturgemäße, sie müssen "_normale_" Bedingungen sein. Ob sie dagegen

irgend einmal wirklich waren, oder größere oder geringere Aussicht haben,

wirklich zu werden, hat wiederum mit dem Kunstwerke nichts zu thun.

Angenommen aber, wir können es nun einmal nicht lassen, in die

Phantasiewelt des Kunstwerkes die wirkliche Welt hineinzumengen,

insbesondere Nutzanwendungen auf uns selbst zu machen. Dann ist zum

mindesten gefordert, daß die Nutzanwendung dem entspreche, woraus sie

gezogen ist. Nun liegt im Gedanken, daß wir können, was der Held kann,

ein Vergleich des Helden mit uns. Dieser Vergleich hat, wie bei

Vergleichen üblich, auch seine Kehrseite. Der unlösbare Konflikt besteht

jetzt für uns nicht. Wir müssen auch die Möglichkeit, bzw. die größere

oder geringere Wahrscheinlichkeit zugeben, daß die Bedingungen, die ihn

notwendig herbeiführen, für uns nicht eintreten werden. Natürlich muß

dieser Gedanke unsere "tröstliche Zuversicht" stören. Die Möglichkeit

oder Wahrscheinlichkeit, daß wir nie in eine Lage kommen werden, in der

die Abwendung vom Leben auch für uns unvermeidlich und darum verzeihlich

wäre, die uns zugleich von der "instinktiven Todesfurcht" befreite, so

daß wir das Nichtsein dem Dasein auch praktisch vorziehen könnten, diese

Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit muß uns sogar mit umso größerem

Schmerz und Neid erfüllen, je tröstlicher jene "tröstliche Aussicht" für

uns sein würde.

Daran ändert auch die Behauptung nichts, daß in jedem Menschen Konflikte

"ruhen", die ihrer Natur nach unversöhnlich sind, und daß es nur der

Zufälligkeit der Verhältnisse zu danken sei, wenn sie nicht zum Ausbruch

kommen. Denn die ruhenden, nicht aufgebrochenen Konflikte, das sind eben

doch Konflikte, die thatsächlich nicht bestehen. Vielleicht brechen sie

einmal aus. Aber die Unsicherheit, ob sie ausbrechen werden, ob wir also

Aussicht haben, es dem Helden einmal nachmachen zu können oder nicht, das

Hangen und Bangen zwischen dieser Aussicht und der gänzlichen

Aussichtslosigkeit muß uns in einen Zustand marternder Unruhe versetzen,

der erst recht das Gegenteil ist von der erhebenden Wirkung des

tragischen Kunstwerks.

Lassen wir auch diesen Punkt. Wenn wenigstens die Voraussetzung dieser

wunderbaren Theorie zuträfe; wenn wenigstens der Held der Tragödie

wirklich überall resigniert vom Leben sich abkehrte. Thatsächlich ist ja

auch dies nicht der Fall. Oder wo ist in ANTIGONEs herzzerreißender

Klage, daß sie das Leben verlassen müsse, diese Abkehr? Wo ist die

Resignation, das Abschütteln der Todesfurcht, das Wegwerfen des Daseins

als eitel und wertlos? Was kann es auch nur für einen Sinn haben, von ihr

zu behaupten, daß sie das Nichtsein den Leiden des Daseins vorziehe, da

ja bei ihr vielmehr das ganze Leiden in der bitteren Notwendigkeit des

Sterbens _besteht_?--Wo finden wir die Resignation selbst bei einem

MACBETH oder RICHARD III.?

Freilich, daß solche Ausnahmen sich finden, daß nicht in allen Tragödien

der Held zur Resignation gelange, dies wird ausdrücklich zugestanden. Die

Resignation, sagt man uns, bleibe eben in solchen Fällen der Reflexion

des Zuschauers überlassen. Aber damit ist doch wohl zugleich ausdrücklich

zugestanden, daß die tröstliche Aussicht, in welcher der eigentliche Sinn

der Tragödie bestehen sollte, ganz außerhalb des Kunstwerkes steht, und

lediglich dem Zuschauer zur Last fällt, der den Dichter ergänzt oder

korrigiert, wie es ihm eben beliebt. Giebt die thatsächliche Resignation

des Helden uns das Bewußtsein, daß wir unter gleichen Umständen derselben

Resignation fähig sein würden, dann muß ebenso sicher der Mangel der

Resignation, der ja auch im Kunstwerk wohl motiviert ist, die Überzeugung

in uns wecken, daß wir unter gleichen Umständen ebenso unresigniert sein

würden. Gewinnen wir trotzdem auch im letzteren Falle die Zuversicht

unserer eigenen Resignationsfähigkeit, so gelangen wir dazu auf unsere

eigenen Kosten und dem Kunstwerk zum Trotz. Wir können dann ebensowohl

aus jeder beliebigen Komödie die gleiche Zuversicht schöpfen. Das

Kunstwerk ist schließlich gänzlich gleichgiltig geworden. "Reflexionen"

können wir ja jederzeit anstellen, welche wir wollen.

Fassen wir alles zusammen, so leuchtet ein, worin für die Theorie in

Wahrheit der Genuß des tragischen Kunstwerkes besteht. Man geht ins

Theater, um sich seiner glücklich gewonnenen Weltanschauung zu freuen.

Stimmt damit das aufgeführte Stück überein oder läßt es sich so umdeuten,

daß es damit übereinzustimmen scheint, dann freut man sich auch an dieser

wirklichen oder vermeintlichen _Übereinstimmung_. Will das Stück sich

durchaus nicht der Weltanschauung fügen, nun, dann läßt man das Kunstwerk

Kunstwerk sein und begnügt sich mit der Freude an seiner eigenen

Weisheit.

Das tragische Kunstwerk ist eben, so wenig wie irgendwelches Kunstwerk,

dazu da Weltanschauungen zu predigen oder zu bestätigen, pessimistische

so wenig wie optimistische. "Aber der Dichter muß doch irgend eine

Weltanschauung haben, und die muß in seinem Werke zu Tage treten. Und nur

der wird das Kunstwerk recht verstehen, der sich auf den Boden dieser

Weltanschauung stellt."--Ich frage: Warum dies alles? Mag der Dichter als

Mensch, sozusagen für seinen Privatgebrauch eine Weltanschauung haben.

Als Dichter bedarf er keiner solchen, es sei denn, daß es ihm darauf

ankommt in seinen Gestalten einen Kampf der Weltanschauungen zur

Darstellung zu bringen. Im übrigen wird er sogar gut thun, seine

Weltanschauung möglichst für sich zu behalten. Was er in jedem Falle

braucht, ist Kenntnis der Welt und des in ihr Möglichen; Verständnis für

das, was in der Welt ist und auf das menschliche Gemüt zu wirken vermag;

Beherrschung der Sprache, in der die Erscheinungen in der Welt ihren Sinn

und Inhalt zu offenbaren pflegen. Will man dies Weltanschauung nennen, so

ist es doch nicht Weltanschauung in dem hier vorausgesetzten

philosophischen Sinne des Wortes.

So haben denn auch große Dichter keine oder eine sehr schwankende

"Weltanschauung" gehabt, und hatten sie eine, so hüteten sie sich das

Kunstwerk zur Darlegung und Anpreisung dieser Weltanschauung zu

mißbrauchen.

Nur in einem Sinne, außer dem eben zugestandenen, muß der Dichter und

jeder Künstler als solcher Weltanschauung haben und geben, wenn nämlich

unter "Welt" die Welt des Kunstwerkes verstanden wird. Diese Welt ist

seine Welt und diese Welt allerdings muß ihm, indem er sie schafft,

Gegenstand einer klaren, einheitlichen und von innerer Wahrheit erfüllten

Anschauung sein. Eben diese "Weltanschauung" soll dann gewiß auch der

Betrachter gewinnen.

Der Streit über die Tragödie · 第 4 / 17 题