[_Brief von Jakob an die Convention._] Obgleich aber die Whigs fest

entschlossen waren, die Ordnung aufrecht zu erhalten und die Freiheit

der Debatte zu achten, so waren sie doch nicht minder fest entschlossen,

kein Zugeständniß zu machen. Am Samstag, den 2. Februar beschlossen die

Gemeinen ohne Abstimmung, die ursprüngliche Fassung ihres Beschlusses

beizubehalten. Jakob kam wie immer seinen Feinden zu Hülfe. Eben war ein

Schreiben von ihm an die Convention angelangt. Der Apostat Melfort, der

jetzt in St.-Germain in hoher Gunst stand, hatte es Preston überbracht.

Der Name Melfort war jedem Anhänger der Staatskirche verhaßt. Daß er

noch immer ein vertrauter Diener Jakob's war, genügte an sich schon um

zu beweisen, daß die Thorheit und Verkehrtheit seines Gebieters

unheilbar waren. Kein Mitglied eines der beiden Häuser wagte es, die

Vorlesung eines von solcher Seite kommenden Schreibens zu beantragen.

Der Inhalt war jedoch der ganzen Stadt bekannt. Seine Majestät ermahnte

die Lords und Gemeinen, an seiner Milde nicht zu verzweifeln und

versicherte gnädigst, daß er Denen, die ihn verrathen hätten, verzeihen

wolle, einige Wenige ausgenommen, die er nicht nannte. War es wohl

möglich etwas für einen Fürsten zu thun, der besiegt, verlassen,

verbannt und von Almosen lebend, Denjenigen, in deren Hand sein

Schicksal lag, sagte, daß er, wenn sie ihn wieder auf den Thron setzten,

nur einige wenige von ihnen hängen lassen würde?[83]

[Anmerkung 83: Jakob's Brief, vom 24. Jan. (3. Febr.) 1689 datirt,

findet sich bei Kennet. In Clarke's +Life of James+ ist er auf die

unredlichste Weise entstellt. Siehe +Clarendon's Diary, Feb. 2,

4+; +Grey's Debates+; +Lords' Journals, Feb. 2, 4, 1688/89+.]

[_Debatte._] Der Streit zwischen den beiden Parteien der gesetzgebenden

Gewalt dauerte noch einige Tage. Montag, den 4. Februar, beschlossen die

Lords auf ihren Amendements zu beharren; aber es wurde ein mit

neununddreißig Namen unterzeichneter Protest in die Protokolle

eingetragen.[84]

[Anmerkung 84: Es ist von mehrern Schriftstellern, unter anderen

von Ralph, und B. Mazure behauptet worden, Danby habe diesen

Protest unterzeichnet. Dies ist ein Irrthum. Wahrscheinlich las

Jemand, der die Protokolle vor dem Drucke durchsah, Danby für

Derby. +Lords' Journals, Feb. 4. 1688/89+. Einige Tage vorher

schrieb Evelyn fälschlich Derby anstatt Danby. Sein Tagebuch vom

29. Jan. 1688/89.]

[_Unterhandlungen._] Am folgenden Tage beschlossen die Tories, ihre

Stärke im Unterhause zu versuchen. Sie erschienen in großer Anzahl und

es wurde der Antrag gestellt, den Amendements der Lords beizutreten.

Die, welche für Sancroft's Plan und die, welche für Danby's Plan waren,

stimmten miteinander; allein sie wurden mit zweihundertundachtzig gegen

hunderteinundfünfzig Stimmen geschlagen. Das Haus beschloß hierauf, um

eine freie Conferenz mit den Lords nachzusuchen.[85]

[Anmerkung 85: +Commons' Journals, Feb. 5. 1688/89.+]

[_Schreiben der Prinzessin von Oranien an Danby._] Zu gleicher Zeit

wurden außerhalb der Mauern des Parlaments energische Anstrengungen

gemacht, um den Streit zwischen den beiden Zweigen der gesetzgebenden

Versammlung zu beendigen. Burnet glaubte es durch die Wichtigkeit der

Krisis gerechtfertigt, das ihm von der Prinzessin anvertraute große

Geheimniß zu veröffentlichen. Er wisse aus ihrem eigenen Munde, sagte

er, daß es schon längst ihr fester Entschluß sei, selbst wenn sie nach

der regelmäßigen Erbfolge auf den Thron gelangen sollte, mit Genehmigung

des Parlaments ihre Gewalt in die Hände ihres Gemahls niederzulegen.

Danby erhielt von ihr einen ernsten, fast harten Verweis. Sie sei die

Gattin des Prinzen, schrieb sie ihm, und hege keinen andren Wunsch als

ihm unterthan zu sein; man könne ihr keine schwerere Beleidigung

zufügen, als wenn man sie als seine Nebenbuhlerin darstelle und sie

könne Niemanden, der ein solches Verfahren einschlage, als ihren wahren

Freund betrachten.[86]

[Anmerkung 86: +Burnet, I. 819.+]

[_Die Prinzessin Anna erklärt sich mit dem Whigplane einverstanden._]

Die Tories hatten noch eine Hoffnung. Anna konnte vielleicht auf ihren

eigenen und auf den Rechten ihrer Kinder bestehen. Es wurde keine Mühe

gespart, um ihren Ehrgeiz aufzustacheln und ihr Gewissen zu beunruhigen.

Ihr Oheim Clarendon war ganz besonders thätig. Erst wenige Wochen waren

vergangen, seitdem die Hoffnung auf Reichthum und Ansehen ihn bewogen

hatte, die pomphaft zur Schau getragenen Glaubensbekenntnisse seines

ganzen Lebens zu verleugnen, von dem Könige abzufallen, sich dem Wildman

und dem Ferguson anzuschließen und sogar vorzuschlagen, daß der König

als Gefangener in ein fremdes Land geschickt und in eine von ungesunden

Sümpfen umgebene Festung eingesperrt werden sollte. Der Köder, der diese

auffallende Sinnesveränderung bewirkt hatte, war das Vicekönigamt in

Irland. Bald zeigte es sich jedoch, daß der Proselyt wenig Aussicht

hatte, den glänzenden Preis, nach welchem sein Sinn strebte, zu

erringen. Er sah, daß Andere über die irländischen Angelegenheiten zu

Rathe gezogen wurden. Sein Rath wurde nie verlangt, und wenn er ihn

zudringlicherweise anbot, wurde er mit Kälte aufgenommen. Er begab sich

häufig in den St. Jamespalast, konnte aber kaum ein Wort oder einen

Blick erlangen. Das eine Mal schrieb der Prinz eben; ein ander Mal

sollte er frische Luft schöpfen und einen Spazierritt durch den Park

machen; das dritte Mal hatte er eine Conferenz mit Offizieren über

militairische Angelegenheiten und konnte Niemanden empfangen. Clarendon

sah nun, daß er keine Aussicht hatte, durch die Aufopferung seiner

Grundsätze etwas zu gewinnen, und er beschloß daher, zu denselben

zurückzukehren. Im December hatte der Ehrgeiz ihn zum Rebellen gemacht;

im Januar verwandelte Enttäuschung ihn wieder in einen Royalisten. Das

drückende Bewußtsein, daß er kein standhafter Tory gewesen war, verlieh

seinem Toryismus eine besondere Leidenschaftlichkeit.[87] Im Hause der

Lords hatte er Alles aufgeboten, um eine bestimmte Entscheidung zu

hintertreiben. Jetzt verwendete er seinen ganzen Einfluß zu demselben

Zwecke bei der Prinzessin Anna. Aber sein Einfluß auf sie war nur gering

im Vergleich mit dem der Churchill, welche wohlweislich zwei mächtige

Verbündete zu Hülfe nahmen: Tilletson, der als Gewissensrath damals ein

großes Ansehen genoß, und Lady Russel, deren edle und liebenswürdige

Tugenden, welche die schwerste aller Prüfungen bestanden, ihr den Ruf

einer Heiligen erworben hatten. Bald ward es bekannt, daß die Prinzessin

von Dänemark ihre Einwilligung zu Wilhelm's lebenslänglicher Regierung

zu geben geneigt war, und es lag auf der Hand, daß es ein vergebliches

Beginnen gewesen wäre, die Sache der Töchter Jakob's gegen sie selbst zu

vertheidigen.[88]

[Anmerkung 87: +Clarendon's Diary, Jan. 1, 4, 8, 9, 10, 11, 12,

13, 14, 1688/89; Burnet, I. 807.+]

[Anmerkung 88: +Clarendon's Diary, Feb. 5. 1688/89; Duchess of

Marlborough's Vindication; Mulgrave's Account of the Revolution.+]

[_Wilhelm spricht seine Absichten aus._] Jetzt glaubte Wilhelm, die Zeit

sei gekommen, wo er sich aussprechen müsse. Er berief daher Halifax,

Danby, Shrewsbury und einige andere politische Parteihäupter von hohem

Ansehen zu sich und richtete mit dem stoischen Gleichmuth, unter dem er

von Kindheit auf seine stärksten Gefühlsregungen zu verbergen pflegte,

einige tief durchdachte und gewichtige Worte an sie.

Er habe bis jetzt geschwiegen, sagte er, und weder Bitten noch Drohungen

angewendet, ja nicht einmal eine Andeutung über seine Ansichten oder

Wünsche laut werden lassen; jetzt aber sei der entscheidende Augenblick

gekommen, wo er seine Absichten offen erklären müsse. Er habe weder das

Recht, noch den Wunsch, der Convention Vorschriften zu machen. Er

beanspruche weiter nichts als das Vorrecht, jedes Amt, das er nach

seiner Überzeugung nicht mit Ehren für sich und zum Wohle des Staats

würde verwalten können, ablehnen zu dürfen.

Eine starke Partei sei für eine Regentschaft. Die beiden Häuser hätten

darüber zu entscheiden, ob eine solche Einrichtung dem Vaterlande zum

Heile gereichen könne. Seine Meinung über diesen Punkt stehe fest und er

halte es für nöthig, mit Bestimmtheit zu erklären, daß er für seine

Person nicht Regent werden möchte.

Eine andre Partei wünsche die Prinzessin auf den Thron zu erheben und

ihm auf Lebenszeit den Königstitel und denjenigen Antheil an der

Regierung zu gewähren, den sie ihm freiwillig zugestehen würde. Zu einer

solchen Stellung könne er sich nicht herablassen. Er achte die

Prinzessin so hoch, als nur irgend ein Mann ein Weib achten könne, aber

selbst aus ihren Händen werde er eine untergeordnete und unsichere

Stellung bei der Regierung nicht annehmen. Es liege einmal nicht in

seiner Natur, daß er sich an die Schürzenbänder auch der besten Frau

knüpfen lassen könne. Er dränge sich durchaus nicht danach, in der

englischen Geschichte eine Rolle zu spielen, wenn er aber einwillige,

eine solche Rolle zu übernehmen, so gebe es nur eine, die er mit Nutzen

oder mit Ehren übernehmen könne. Wenn die Stände ihm die Krone auf

Lebenszeit anböten, so würde er sie annehmen, wo nicht, würde er, ohne

sich zu grämen, in sein Vaterland zurückkehren. Er schloß mit den

Worten, er halte es für recht und billig, daß Lady Anna und ihre

Nachkommen allen Kindern, die ihm eine andre Frau als Lady etwa schenken

möchte, in der Thronfolge vorgezogen würden.[89]

Die Versammlung trennte sich und binnen wenigen Stunden war die Rede des

Prinzen in ganz London bekannt. Daß er König werden mußte, war jetzt

klar. Die einzige Frage war nur noch, ob er die königliche Würde allein

oder mit der Prinzessin gemeinschaftlich bekleiden sollte. Halifax und

einige andere Staatsmänner, welche die Gefahr einer Theilung der

höchsten Executivgewalt in grellem Lichte erblickten, hielten es für

wünschenswerth, daß Marie, so lange Wilhelm lebte, nur Königsgemahlin

und Unterthanin sein sollte. Obgleich sich viel zu Gunsten eines solchen

Arrangements sagen ließ, so beleidigte sie doch das Gefühl selbst

derjenigen Engländer, welche dem Prinzen am meisten ergeben waren. Seine

Gemahlin hatte ihm einen beispiellosen Beweis von ehelicher Unterwerfung

und Liebe gegeben, und die geringste Vergeltung dafür von seiner Seite

war die Verleihung der Würde einer regierenden Königin. Wilhelm Herbert,

einer der wärmsten Anhänger des Prinzen, war so entrüstet, daß er aus

dem Bette sprang, an das die Gicht ihn fesselte, und mit Heftigkeit

erklärte, daß er nie für Seine Hoheit das Schwert gezogen haben würde,

wenn er geahnet hätte, daß eine so schmachvolle Anordnung getroffen

werden solle. Niemand aber zeigte sich so gereizt über die Sache als

Burnet. Sein Blut kochte bei dem Gedanken an das seiner gütigen

Beschützerin zugefügte Unrecht. Er gerieth in einen heftigen Streit mit

Bentinck und bat um Enthebung von seinem Kaplanposten. »So lange ich ein

Diener Seiner Hoheit bin,« sagte der wackere, rechtschaffene Geistliche,

»würde es mir nicht geziemen, einen Plan zu bekämpfen, der vielleicht

seinen Beifall hat. Ich wünsche daher, meine Freiheit wieder zu

erhalten, um mit allen mir von Gott verliehenen Kräften für die

Prinzessin zu kämpfen.« Bentinck bewog ihn, eine offene Kriegserklärung

so lange aufzuschieben, bis Wilhelm's Entschließungen näher bekannt sein

würden. In wenigen Stunden war der Plan, der so viel böses Blut gemacht

hatte, völlig aufgegeben, und alle Diejenigen, welche Jakob nicht mehr

als König betrachteten, stimmten in der Art der Wiederbesetzung des

Thrones überein. Wilhelm und Marie mußten König und Königin werden; die

Münzen mußten beider Brustbilder zeigen, die Regierungsdecrete mußten in

beider Namen erlassen werden, beide mußten alle persönlichen Ehren und

Privilegien der Königswürde genießen; aber die Verwaltung, welche nicht

füglich getheilt werden konnte, mußte Wilhelm allein bleiben.[90]

[Anmerkung 89: +Burnet, I. 820.+ Burnet sagt, er habe die

Ereignisse dieser bewegten Zeit nicht in chronologischer Ordnung

berichtet. Ich mußte sie daher nach meinen eigenen Muthmaßungen

ordnen, glaube aber kaum mich zu irren, wenn ich annehme, daß das

Schreiben der Prinzessin in der Zeit zwischen Donnerstag den 31.

Jan. und Mittwoch den 6. Febr. ankam und auch der Prinz die

Erklärung über seine Absichten kund gab.]

[Anmerkung 90: +Mulgrave's Account of the Revolution.+ In den

ersten drei Ausgaben habe ich diesen Vorgang unrichtig erzählt.

Die Schuld lag größtentheils an mir selbst, zum Theil aber auch an

Burnet, dessen nachlässiger Gebrauch des Fürworts »er« mich

irreführte. +Burnet I. 858.+]

[_Die Conferenz zwischen den beiden Häusern._] Inzwischen war die zu der

freien Conferenz zwischen den Häusern festgesetzte Zeit herangekommen.

Die Wortführer der Lords nahmen in vollem Ornat ihre Sitze auf der einen

Seite der Tafel im sogenannten gemalten Saale (+painted chamber+) ein;

aber auf der andren Seite drängte sich eine so große Anzahl von

Mitgliedern des Hauses der Gemeinen, daß die Herren, welche die Frage

erörtern sollten, nicht hindurchkommen konnten. Nicht ohne große

Schwierigkeit und erst nach geraumer Zeit gelang es dem Stabträger,

ihnen einen Weg zu bahnen.[91]

Endlich begann die Verhandlung. Die bei dieser Gelegenheit gehaltenen

Reden sind vollständig auf uns gekommen. Es wird wenige

Geschichtsforscher geben, welche den Bericht darüber nicht mit

gespannter Neugierde zur Hand genommen und mit getäuschten Erwartungen

wieder bei Seite gelegt hätten. Die zwischen den beiden Häusern

obschwebende Streitfrage wurde von beiden Theilen als eine Rechtsfrage

behandelt. Die Einwürfe der Lords gegen den Beschluß der Gemeinen waren

formeller und technischer Art, ebenso auch die Entgegnungen. Somers

vertheidigte den Gebrauch des Wortes Abdication durch Citate aus Grotius

und Brissonius, Spigelius und Bartolus. Als er aufgefordert wurde, eine

Autorität für die Behauptung anzuführen, daß England ohne Souverain sein

könne, legte er die Parlamentsprotokolle vom Jahre 1399 vor, in denen

ausdrücklich gesagt war, daß der Thron in der Zeit zwischen der

Abdankung Richard's II. und der Thronbesteigung Heinrich's IV. vakant

gewesen sei. Die Lords führten zur Widerlegung die Parlamentsprotokolle

vom ersten Regierungsjahre Eduard's IV. an, aus denen hervorging, daß

die Urkunde von 1399 feierlich annullirt worden war. Sie behaupteten

daher, der Precedenzfall, auf den Somers sich stützte, habe keine

Gültigkeit mehr. Treby kam nun Somers zu Hülfe und legte die

Parlamentsacten vom ersten Regierungsjahre Heinrich's VII. vor, welche

die Acte Eduard's IV. aufhoben und demnach die Gültigkeit der Urkunde

vom Jahre 1399 wiederherstellten. Nach einer mehrstündigen Discussion

trennten sich die Disputanten.[92] Die Lords versammelten sich in ihrem

Sitzungslokale. Man wußte sehr wohl, daß sie auf dem Punkte standen,

nachzugeben und daß die Conferenz eine bloße Formalität gewesen war. Die

Freunde Mariens hatten eingesehen, daß sie sie tief gekränkt hatten,

indem sie sie als Nebenbuhlerin ihres Gemahls hingestellt. Einige von

den Peers, welche früher für eine Regentschaft gestimmt hatten, waren

entschlossen, wegzubleiben oder den Beschluß des Unterhauses zu

unterstützen. Sie sagten, ihre Ansicht habe sich nicht geändert, aber

eine Regierung sei immer besser als gar keine und die Nation könne eine

Verlängerung dieser qualvollen Ungewißheit nicht ertragen. Selbst

Nottingham, der im gemalten Saale die Discussion gegen die Gemeinen

geleitet hatte, erklärte, sein Gewissen erlaube ihm zwar nicht,

nachzugeben, es freue ihn aber, daß die Gewissen Anderer nicht so

ängstlich seien. Mehrere Lords, die in der Convention noch nicht mit

abgestimmt hatten, waren bewogen worden zu erscheinen; so Lord

Lexington, der eben in aller Eil vom Continent herübergekommen war, der

halb wahnsinnige Earl von Lincoln, der an Krücken gehende Earl von

Carlisle, und der Bischof von Durham, der sich verborgen gehalten, um

über das Meer zu flüchten, aber den Wink erhalten hatte, daß sein

Benehmen in der kirchlichen Commission nicht gegen ihn geltend gemacht

werden sollte, wenn er für die Feststellung der Regierung stimmen würde.

Danby, welcher die von ihm verursachte Spaltung zu heilen wünschte,

mahnte das Haus in einer Rede, die seine gewöhnlichen Vorträge an

Genialität noch übertraf, einen Kampf nicht länger fortzusetzen, der dem

Staate verderblich werden könne. Halifax unterstützte ihn kräftig. Der

Muth der Gegner war gebrochen.

[Anmerkung 91: +Commons' Journals, Febr. 6. 1688/89.+]

[Anmerkung 92: Siehe +Lords' and Commons' Journals, Feb. 6.

1688/89+ und den Bericht über die Conferenz.]

[_Die Lords geben nach._] Als die Frage gestellt wurde, ob König

Jakob die Regierung niedergelegt habe, sagten nur drei Lords

Nichteinverstanden. Über die Frage, ob der Thron erledigt sei, wurde die

Abstimmung verlangt, und es ergaben sich zweiundsechzig Einverstandene

und siebenundvierzig Nichteinverstandene. Unmittelbar darauf wurde der

Antrag gestellt und ohne Abstimmung angenommen, daß der Prinz und die

Prinzessin von Oranien zum König und zur Königin von England erklärt

werden sollten.[93]

Nottingham trug nun darauf an, daß die Fassung des Unterthaneneides und

des Supremateides dergestalt abgeändert werden möchte, daß auch

Diejenigen ihn mit gutem Gewissen leisten könnten, die, wie er selbst,

den Beschluß der Convention mißbilligten, sich aber dennoch vorgenommen

hätten, loyale und gehorsame Unterthanen der neuen Souveraine zu sein.

Gegen diesen Antrag wurde kein Einwurf erhoben. Es kann allerdings kaum

bezweifelt werden, daß die Whigführer und diejenigen toryistischen

Lords, deren Stimmen bei der letzten Abstimmung den Ausschlag gegeben,

sich vorher über diesen Punkt verständigt hatten. Die neuen Eidformeln

wurden den Gemeinen zu gleicher Zeit mit dem Beschlusse, daß der Prinz

und die Prinzessin von Oranien als König und Königin proklamirt werden

sollten, zugesandt.[94]

[Anmerkung 93: +Lords' Journals, Feb. 6. 1688/89; Clarendon's

Diary; Burnet, I. 822+, und Dartmouth's Note; Citters, 8.(18.)

Febr. In Betreff der Zahlen habe ich mich an Clarendon gehalten.

Einige Schriftsteller geben die Majorität kleiner, andere größer

an.]

[Anmerkung 94: +Lords' Journals, Feb. 6, 7. 1688/89; Clarendon's

Diary.+]

[_Es werden neue Gesetze zur Sicherung der Freiheit vorgeschlagen._] Man

wußte nun, wem die Krone verliehen werden sollte. Jetzt waren noch die

Bedingungen der Verleihung zu bestimmen. Die Gemeinen hatten einen

Ausschuß ernannt, welcher die zweckmäßig erscheinenden Schritte zur

Sicherung des Gesetzes und der Freiheit gegen die Angriffe zukünftiger

Regenten erwägen sollte, und der Ausschuß hatte einen Bericht

erstattet.[95] Dieser Bericht empfahl erstens, daß die großen Prinzipien

der Verfassung, welche der entthronte König verletzt hatte, feierlich

bestätigt und daß zweitens verschiedene neue Gesetze zur Beschränkung

der Prärogative und zur Läuterung der Justizpflege erlassen werden

sollten. Die meisten Vorschläge des Ausschusses waren vortrefflich, aber

es war schlechterdings unmöglich, daß die Häuser in einem Monate, und

selbst in einem Jahre so zahlreiche, so mannichfaltige und so wichtige

Angelegenheiten erledigen konnten. Es war unter andrem vorgeschlagen,

daß die Miliz neu organisirt, das Recht des Souverains, die Parlamente

zu prorogiren und aufzulösen, beschränkt und die Dauer der Parlamente

begrenzt werden sollte; daß bei einer parlamentarischen Anklage keine

Berufung an die königliche Gnade mehr zulässig sein, daß den

protestantischen Dissenters Duldung gewährt, daß das Verbrechen des

Hochverraths genauer bestimmt, daß Hochverrathsprozesse in einer die

Unschuld mehr schützenden Weise geführt, daß die Richter auf Lebenszeit

angestellt, daß die Ernennungsart der Sheriffs abgeändert werden, daß

die Wahl der Geschwornen hinfüro in einer Weise stattfinden sollte,

welche Parteilichkeit und Bestechung ausschloß, daß der Gebrauch, bei

der Kings Bench Criminalklagen anhängig zu machen, abgeschafft, daß der

Kanzleigerichtshof reformirt, daß die Gebühren der öffentlichen Beamten

regulirt und daß die Quo-Warranto-Acte verbessert werden sollte. Es war

augenscheinlich, daß eine umsichtige und besonnene Gesetzgebung über

diese Gegenstände das Werk mehr als einer geschäftsreichen Session sein

mußte, und eben so augenscheinlich war es, daß eine übereilte und

unreife Gesetzgebung über so wichtige Dinge neue Mißstände erzeugen

würde, schlimmer als die, welche sie vielleicht beseitigen konnte. Wenn

der Ausschuß alle die Reformen aufzählen wollte, welche vor der

Wiederbesetzung des Thrones bewerkstelligt werden mußten, so war die

Liste unsinnig lang. Wollte er dagegen eine Liste aller Reformen geben,

welche die gesetzgebende Versammlung zur geeigneten Zeit durchführen

sollte, so war die Liste sehr unvollständig. Sobald der Bericht

vorgelesen war, erhob sich in der That ein Mitglied nach dem andren, um

einen Zusatz zu beantragen. Es wurde vorgeschlagen und angenommen, daß

der Stellenverkauf verboten, die Habeascorpusacte wirksamer gemacht und

das Gesetz über die +Mandamus+[96] revidirt werden sollte. Der eine

Gentleman griff die Herdgeldeinnehmer, ein andrer die Acciseeinnehmer

an, und das Haus beschloß, daß den Mißbräuchen dieser beiden

Beamtenklassen ein Ziel gesetzt werden sollte. Ein höchst merkwürdiger

Umstand ist es, daß, während das ganze militairische, gerichtliche und

fiskalische System so durchgemustert wurde, kein einziger Volksvertreter

die Aufhebung des Gesetzes beantragte, welches die Presse einer Censur

unterwarf. Selbst die aufgeklärtesten Männer begriffen damals noch

nicht, daß die Freiheit der Discussion die Hauptschutzwehr aller anderen

Freiheiten ist.[97]

[Anmerkung 95: +Commons' Journals, Jan. 29., Feb. 2. 1688/89.+]

[Anmerkung 96: Die Befehle der Kings Bench an untergeordnete

Gerichte, so genannt nach dem Anfangsworte. Der Übersetzer.]

[Anmerkung 97: +Commons' Journals, Feb. 2. 1688/89.+]

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11) · 第 24 / 26 段