senden._] In einem ergreifenden und männlichen Schreiben erklärte er,
daß er in seinem Gehorsam schon so weit gegangen sei, als ein Protestant
und Engländer nur irgend gehen könne. Den muthmaßlichen Erben der
britischen Krone den Händen Ludwigs zu überliefern, würde nichts
Geringeres als ein Verrath gegen die Monarchie sein. Die dem Könige nur
zu sehr schon entfremdete Nation würde aufs Äußerste erbittert werden.
Der Prinz von Wales würde entweder gar nicht, oder in Begleitung einer
französischen Armee zurückkehren. Wenn Seine Königliche Hoheit auf der
Insel bliebe, so wäre das Schlimmste was zu befürchten stände, daß er
als Mitglied der Landeskirche erzogen würde, und jeder loyale Unterthan
müßte den Himmel bitten, daß dies geschehen möchte. Er schloß mit der
Erklärung, daß er bereitwillig sein Leben zur Vertheidigung des Thrones
opfern werde, sich aber nimmermehr an der Überführung des Prinzen nach
Frankreich betheiligen könne.[144]
Dieser Brief warf alle Pläne Jakob's über den Haufen. Zu gleicher Zeit
erfuhr er, daß er bei dieser Gelegenheit nicht einmal passiven Gehorsam
voll seinem Admiral erwarten durfte, denn Dartmouth war so weit
gegangen, daß er mehrere Sloops am Eingange des Hafens aufgestellt,
welche Befehl hatten, kein Schiff ununtersucht passiren zu lassen. Der
Plan mußte somit abgeändert werden. Das Kind mußte nach London
zurückgebracht und von hier aus nach Frankreich befördert werden. Dies
konnte aber erst nach Verlauf mehrerer Tage geschehen, und während
dieser Zwischenzeit mußte die öffentliche Meinung durch die Hoffnung auf
ein Parlament und durch eine Scheinunterhandlung hingehalten werden. Die
Ausschreiben zu den Wahlen wurden erlassen. Zwischen der Hauptstadt und
dem holländischen Hauptquartier gingen Trompeter hin und her. Endlich
kamen auch die Pässe für die königlichen Commissare und die drei Lords
traten ihre Gesandtschaftsreise an.
[Anmerkung 144: +Second Collection of Papers+, 1688; Dartmouth's
Brief, datirt vom 3. Dec. 1688 findet sich in Dalrymple; +Clarke's
Life of James, II. 233. Orig. Mem.+ Jakob beschuldigt Dartmouth,
die Flotte zu einer Adresse um Einberufung eines Parlaments
bestimmt zu haben. Dies ist eine grundlose Verleumdung. Die
Adresse ist eine Dankadresse an den König dafür, daß er ein
Parlament einberufen, und war bereits abgefaßt, ehe Dartmouth die
entfernteste Ahnung davon hatte, daß Seine Majestät die Nation
hintergehen wollte.]
[_Aufregung in London._] Die Hauptstadt war bei ihrer Abreise in einem
Zustande furchtbarer Gährung. Die Leidenschaften, welche im Laufe dreier
unruhiger Jahre nach und nach immer heftiger geworden, zeigten sich
jetzt, wo sie von dem Zügel der Furcht befreit und durch Sieg und
Sympathie aufgestachelt waren, unverhohlen, selbst im Bereiche des
königlichen Schlosses. Die große Jury von Middlesex nahm eine Anklage
gegen den Earl von Salisbury, weil er Papist geworben war, an.[145] Der
Lordmayor ließ bei den Katholiken der City eine Haussuchung nach Waffen
halten. Der Pöbel stürmte das Haus eines dem verhaßten Glauben
anhängenden achtbaren Kaufmanns, um sich zu überzeugen, ob er nicht von
seinem Keller aus unter die benachbarte Pfarrkirche eine Mine angelegt
habe, um den Geistlichen mit der Gemeinde in die Luft zu sprengen.[146]
Die Ausrufer schrien in den Straßen einen Aufruf zur Festnehmung Pater
Petre's aus, der seine Gemächer im Palaste gerade noch zur rechten Zeit
verlassen hatte.[147] Wharton's berühmtes Lied wurde mit vielen neu
hinzugefügten Versen lauter als je in allen Straßen der Hauptstadt
gesungen. Selbst die Schildwachen des Palastes sangen auf ihrer Runde:
»Der Engländer auf den Untergang des Papismus trinkt,
Lillibullero bullen a la.«
[Anmerkung 145: +Luttrell's Diary+.]
[Anmerkung 146: Adda, 7.(17.) Dec. 1688.]
[Anmerkung 147: Der Nuntius sagt: +»Se lo avesse fatto prima di
ora, per il Rè ne sarebbe stato meglio.«+]
[_Falsche Proklamation._] Die geheimen Pressen von London waren
unausgesetzt in Thätigkeit. Tagtäglich kamen Flugschriften durch Mittel
und Wege in Circulation, welche die Behörden nicht entdecken konnten
oder nicht hindern wollten. Eine davon ist durch die Gewandtheit und
verwegene Rücksichtslosigkeit, mit der sie geschrieben war, sowie durch
den ungeheuren Eindruck, den sie machte, der Vergessenheit entrissen
worden. Sie gab sich für eine ergänzende Erklärung von der Hand und
unter dem Siegel des Prinzen von Oranien aus, war aber in einem ganz
andren Style gehalten als sein ächtes Manifest. Allen Papisten, die es
wagen sollten, sich der königlichen Sache anzuschließen, war mit einer
bei christlichen und civilisirten Nationen unbekannten Rache gedroht.
Sie sollten nicht als Soldaten oder Gentlemen, sondern wie Freibeuter
behandelt werden. Das bis jetzt durch eine starke Hand im Zaume
gehaltene Heer der Feinde sollte in seiner ganzen Wildheit und
Zügellosigkeit auf sie gehetzt werden. Die guten Protestanten,
namentlich diejenigen, welche die Hauptstadt bewohnten, wurden bei Allem
was ihnen theuer sei beschworen und bei Strafe des allerhöchsten
Mißfallens des Prinzen angewiesen, ihre katholischen Nachbarn
festzunehmen, zu entwaffnen und einzusperren. Das Manuscript dieser
Schrift war angeblich von einem whiggistischen Buchhändler eines Morgens
unter seiner Ladenthür gefunden worden. Er beeilte sich, es drucken zu
lassen. Viele Exemplare wurden mit der Post versandt und gingen rasch
von Hand zu Hand. Scharfsichtige Leute erkannten es jedoch ohne Mühe als
das falsche Machwerk irgend eines unruhigen und characterlosen
Abenteurers, wie sie in bewegten Zeiten stets bei den unreinsten und
schwärzesten Parteiumtrieben thätig sind. Der große Haufe aber ließ sich
vollkommen täuschen. Der nationale und religiöse Abscheu gegen die
irischen Papisten war in der That so stark erregt, daß die Mehrzahl von
Denen, welche die Proklamation für ächt hielten, sie als eine ganz
zeitgemäße Entfaltung von Energie mit Beifall begrüßten. Als es bekannt
wurde, daß ein solches Dokument von Wilhelm selbst nicht ausgegangen
war, fragte man neugierig, wer wohl der Betrüger sein möchte, der so
kühn und so glücklich die Rolle des Prinzen gespielt hatte. Einige
hatten Ferguson, Andere Johnson im Verdacht, bis endlich nach Verlauf
von siebenundzwanzig Jahren Hugo Speke sich zum Autor der Fälschung
bekannte und für diesen der protestantischen Religion geleisteten großen
Dienst vom Hause Braunschweig eine Belohnung verlangte. Er behauptete in
dem Tone eines Mannes, der etwas höchst Lobenswerthes und Ehrenvolles
gethan zu haben glaubt, er habe, als die holländische Invasion Whitehall
in Bestürzung versetzt, dem Hofe seine Dienste angeboten, habe
vorgegeben, mit den Whigs zerfallen zu sein und sich erboten, bei ihnen
den Spion zu spielen. So habe er Zutritt in das königliche Kabinet
erlangt, habe Treue gelobt, dafür das Versprechen großer Geldbelohnungen
erhalten und sich Geleitsbriefe verschafft, die ihn in den Stand
setzten, die feindlichen Linien zu passiren. Dies Alles versicherte er
nur in der Absicht gethan zu haben, damit er, ohne in Verdacht zu
kommen, der Regierung einen tödtlichen Streich versetzen und einen
heftigen Ausbruch des Nationalgefühls gegen die Katholiken herbeiführen
konnte. Die falsche Proklamation erklärte er für sein Werk; ob sie dies
aber wirklich war, dürfte in Zweifel zu ziehen sein. Er machte seinen
Anspruch so spät erst geltend, daß wir mit Recht vermuthen dürfen, er
habe auf den Tod Derer gewartet, die ihn widerlegen konnten; auch berief
er sich auf kein andres Zeugniß als sein eignes.[148]
[Anmerkung 148: Siehe die +Secret History of the Revolution+, von
Hugo Speke, 1715. In der Londoner Bibliothek befindet sich ein
Exemplar dieses seltenen Werks mit einer handschriftlichen Note,
welche von Speke selbst herzurühren scheint.]
[_Aufstände in verschiedenen Theilen des Landes._] Während dies in
London vorging, brachte jede Post aus jedem Theile des Landes die
Nachricht von einem neuen Aufstande. Lumley hatte sich Newcastle's
bemächtigt und die Bewohner hatten ihn freudig willkommen geheißen. Die
Statue des Königs, die auf einem hohen Piedestale von Marmor stand, war
umgerissen und in den Tyne gestürzt worden. In Hull erinnerte man sich
noch lange des 3. Decembers als des Jahrestages der Einnahme der Stadt.
In dieser Stadt lag eine Garnison unter den Befehlen Lord Langdale's,
eines Katholiken. Die protestantischen Offiziere entwarfen im
Einverständniß mit dem Magistrat den Plan zu einem Aufstande; Langdale
und seine Anhänger wurden festgenommen und Soldaten und Bürger erklärten
sich gemeinsam für die protestantische Religion und ein freies
Parlament.[149]
Inzwischen hatten sich auch die örtlichen Grafschaften erhoben. Der
Herzog von Norfolk erschien mit einem Gefolge von dreihundert
bewaffneten und berittenen Gentlemen auf dem stattlichen Marktplatze von
Norwich. Hier begrüßten ihn der Mayor und die Aldermen und
verpflichteten sich, ihm gegen Papismus und Willkürherrschaft
beizustehen.[150] Lord Herbert von Cherbury und Sir Eduard Harley
griffen in Worcestershire zu den Waffen.[151] Bristol, die zweite Stadt
des Reichs, öffnete Shrewsbury ihre Thore. Trelawney, der Bischof, der
im Tower das Prinzip des Nichtwiderstandes völlig verlernt hatte, war
der Erste, der die Truppen des Prinzen bewillkommnete. Die Stimmung der
Einwohner war so, daß man es für unnöthig hielt, eine Garnison unter
ihnen zurückzulassen.[152] Das Volk von Gloucester erhob sich ebenfalls
und befreite Lovelace aus dem Gefängniß. Es sammelte sich bald ein
irreguläres Truppencorps um ihn. Einige von seinen Reitern hatten nur
Stricke anstatt der Zügel und viele von seinen Fußsoldaten hatten keine
andre Waffe als einen Knotenstock. Aber diese Truppe marschirte
unangefochten durch Grafschaften, welche einst dem Hause Stuart ergeben
waren, und zog endlich triumphirend in Oxford ein. Die Behörden
bewillkommneten die Aufständischen mit feierlichem Gepränge. Selbst die
durch neuerliche Kränkungen noch erbitterte Universität war nicht
geneigt, den Aufstand zu tadeln. Schon hatten die Oberhäupter
angesehener Familien eines ihrer Mitglieder abgesandt, um den Prinzen
von Oranien zu versichern, daß sie aufrichtig für ihn seien und ihm gern
ihr Silbergeräth zum Einschmelzen überlassen würden. Der whiggistische
Anführer ritt daher unter allgemeinem Jubel durch die Hauptstadt des
Toryismus. Vor ihm her schlugen die Tambours den Lillibullero. Hinter
ihm folgte ein langer Zug von Reiterei und Fußvolk. Ganz High Street war
mit orangefarbenen Bändern freundlich geschmückt, denn das orangefarbene
Band hatte bereits die doppelte Bedeutung, die es noch jetzt, nach
Verlauf von hundertsechzig Jahren besitzt. Es war schon für den
protestantischen Engländer das Sinnbild der bürgerlichen und religiösen
Freiheit, für den katholischen Celten das Sinnbild der Unterjochung und
Verfolgung.[153]
Während sich so rings um den König Feinde erhoben, wichen die Freunde
mehr und mehr von seiner Seite. Jedermann hatte sich mit dem Gedanken
des Widerstandes vertraut gemacht. Viele, die mit Abscheu die Nachricht
von den ersten Abfällen vernommen, machten sich jetzt Vorwürfe, daß sie
die Zeichen der Zeit so spät erkannt hatten. Man konnte jetzt ohne
Schwierigkeit und Gefahr mit Wilhelm verkehren. Indem der König die
Nation zur Erwählung von Vertretern aufforderte, hatte er Jedermann
stillschweigend ermächtigt, sich an diejenigen Orte zu begeben, wo er
Stimmen oder Einfluß hatte, und viele von diesen Orten waren schon von
Truppen Wilhelm's oder von Insurgenten besetzt. Clarendon ergriff
begierig diese Gelegenheit, um sich von der verlornen Sache loszusagen.
Er wußte, daß er mit seiner Rede in der berathenden Versammlung der
Peers unverzeihlichen Anstoß gegeben hatte, und es verdroß ihn, daß er
nicht mit zum königlichen Commissar ernannt worden war. Er hatte
Besitzungen in Wiltshire. Er beschloß, daß sein Sohn, von dem er noch
unlängst mit tiefem Schmerz und Abscheu gesprochen, ein Wahlcandidat für
diese Grafschaft werden sollte und unter dem Vorwande, für diese Wahl
die nöthigen Veranstaltungen zu treffen, begab er sich nach dem Westen.
Seinem Beispiele folgte sehr bald der Earl von Oxford und Andere, welche
bisher jede Connection mit der Unternehmung des Prinzen von sich
gewiesen hatten.[154]
Inzwischen waren die Eingedrungenen, langsam aber unaufgehalten
vorrückend, der Hauptstadt bis auf siebzig Meilen nahe gekommen.
Obgleich die Mitte des Winters vor der Thür war, hatte man doch schönes
Wetter, der Weg war angenehm und die grünen Wiesen der Ebene von
Salisbury erschienen den Truppen, die sich durch die kothigen Gleise der
Landstraßen von Devonshire und Somersetshire hindurchgearbeitet hatten,
von üppiger Weichheit. Der Marsch der Armee ging über Stonehenge, wo ein
Regiment nach dem andren Halt machte, um diese geheimnißvolle Ruine
anzusehen, die auf dem ganzen Continent als das größte Wunder unsrer
Insel bekannt ist. Wilhelm zog mit demselben militairischen Pomp, den er
in Exeter entfaltet hatte, in Salisbury ein und stieg in dem Palaste ab,
den wenige Tage zuvor der König bewohnt hatte.[155]
[Anmerkung 149: +Brand's History of Newcastle+; +Tickell's History
of Hull.+]
[Anmerkung 150: Ein Bericht über die Vorgänge in Norwich findet
sich noch in mehreren Sammlungen in der Originalschrift. Siehe
auch die +Fourth Collection of Papers, 1688+.]
[Anmerkung 151: +Clarke's Life of James, II. 233+;
Handschriftliches Memoir der Familie Harley in der
Mackintosh-Sammlung.]
[Anmerkung 152: Citters, 9.(19.) Dec. 1688; Brief des Bischofs von
Bristol an den Prinzen von Oranien vom 5. Dec. 1688, in
Dalrymple.]
[Anmerkung 153: Citters, 27. Nov. (7. Dec.) 1688; +Clarendon's
Diary, Dec. 11+; +Song on Lord Lovelace's entry into Oxford,
1688+; +Burnet I. 793.+]
[Anmerkung 154: +Clarendon's Diary, Dec. 2, 3, 4, 5. 1688.+]
[Anmerkung 155: +Whittle's Exact Diary+; +Eachard's History of the
Revolution.+]
[_Clarendon schließt sich in Salisbury dem Prinzen an._] Hier wurde sein
Gefolge durch die Earls von Clarendon und von Oxford und andere
hochgestellte Männer vermehrt, welche noch vor einigen Tagen als eifrige
Royalisten betrachtet worden waren. Auch Citters erschien im
holländischen Hauptquartier. Er war seit einigen Wochen in seinem Hause
bei Whitehall unter der beständigen Aufsicht einander ablösender Spione
fast ein Gefangener gewesen. Doch trotz dieser Spione und vielleicht mit
ihrer Beihülfe hatte er sich von Allem was im Palast vorging genaue
Kenntniß zu verschaffen gewußt und er kam nun mit werthvollen Notizen
über Menschen und Dinge reich versehen, um Wilhelm durch seinen Rath zu
unterstützen.[156]
[Anmerkung 156: Citters, 20.(30.) Nov., 9.(19.) Dec. 1688.]
[_Spaltung im Lager des Prinzen._] Bis hieher hatte die Unternehmung des
Prinzen einen die sanguinischesten Hoffnungen übertreffenden glücklichen
Fortgang gehabt. Jetzt aber begann das Glück nach dem allgemeinen
Gesetz, das die irdischen Dinge regiert, Uneinigkeit zu erzeugen. Die in
Salisbury versammelten Engländer spalteten sich in zwei Parteien. Die
eine davon bestand aus Whigs, welche die Lehren vom passiven Gehorsam
und vom unveräußerlichen Erbrechte stets als knechtischen Aberglauben
betrachtet hatten. Viele von ihnen hatten Jahre lang im Exil zugebracht.
Alle waren lange von jedem Antheil an den Gunstbezeigungen der Krone
ausgeschlossen gewesen. Jetzt frohlockten sie über die nahe Aussicht auf
Größe und Rache. Von glühendem Zorne beseelt und von Sieg und Hoffnung
aufgebläht, wollten sie von keinem Vergleiche hören. Nur die Absetzung
ihres Todfeindes konnte sie zufriedenstellen, und es läßt sich nicht
leugnen, daß sie hierin durchaus consequent waren. Neun Jahre früher
hatten sie sich bemüht, ihn vom Throne auszuschließen, weil sie
fürchteten, daß er ein schlechter König werden möchte, und nachdem er
sich als ein viel schlechterer König erwiesen, als irgend ein
vernünftiger Mensch es hätte vermuthen können, durfte man wohl kaum
erwarten, daß sie ihn gutwillig auf dem Throne lassen würden.
Auf der andren Seite waren nicht wenige von Wilhelm's Anhängern eifrige
Tories, welche bis vor ganz Kurzem die Lehre vom Nichtwiderstande in der
absolutesten Form aufrechterhalten, deren Glaube an diese Lehre aber
einen Augenblick durch die heftigen Leidenschaften erschüttert worden
war, welche die Undankbarkeit des Königs und die Gefahr der Kirche in
ihnen geweckt hatten. Keine Lage konnte peinlicher und beängstigender
sein, als die des alten Kavaliers, der mit bewaffneter Hand dem Throne
gegenüberstand. Die Gewissensscrupel, die ihn nicht abgehalten hatten,
sich in das holländische Lager zu begeben, begannen ihn furchtbar zu
quälen, sobald er sich dort befand. Eine innere Stimme sagte ihm, daß er
ein Verbrechen begangen habe. Jedenfalls hatte er sich Vorwürfen
ausgesetzt, indem er im directen Widerspruch mit den erklärten
Prinzipien seines ganzen Lebens handelte. Er empfand einen
unüberwindlichen Widerwillen gegen seine neuen Verbündeten. Es waren
Leute, die er, so lange er denken konnte, geschmäht und verfolgt hatte:
Presbyterianer, Independenten, Anabaptisten, alte Soldaten Cromwell's,
kecke Burschen Shaftesbury's, Theilnehmer am Ryehousecomplot, gewesene
Anführer des Aufstandes im Westen. Natürlich wünschte er eine Ausflucht
zu finden, die sein Gewissen beruhigen, seine Consequenz rechtfertigen
und zwischen ihm und der großen Masse schismatischer Rebellen, die er
stets verachtet und verabscheut hatte, mit denen er aber jetzt in eine
Kategorie geworfen zu werden fürchten mußte, eine Scheidewand ziehen
konnte. Er verwahrte sich daher entschieden gegen den Gedanken, die
Krone von dem gesalbten Haupte nehmen zu wollen, das der Wille des
Himmels und die Grundgesetze des Reichs geheiligt hatten. Es war sein
sehnlichster Wunsch, auf Grundlagen, welche die königliche Würde nicht
herabsetzten, eine Versöhnung zu Stande kommen zu sehen. Er war ja kein
Verräther, er widersetzte sich eigentlich gar nicht der königlichen
Autorität; er stand nur deshalb unter Waffen, weil er überzeugt war, daß
man dem Throne keinen besseren Dienst leisten könne, als indem man Seine
Majestät durch ein wenig Zwang aus den Händen schlechter Rathgeber
befreite.
Die schlimmen Folgen, welche die gegenseitige Erbitterung dieser
Factionen herbeizuführen drohten, wurden zum großen Theile durch den
Einfluß und die Weisheit des Prinzen verhütet. Umgeben von
streitsüchtigen Disputanten, von zudringlichen Rathgebern, von
kriechenden Schmeichlern, von wachsamen Spionen und böswilligen
Verleumdern, bewahrte er stets seine heitere, undurchdringliche Ruhe. Er
schwieg so lange als Schweigen möglich war, und wenn er sprechen mußte,
brachte der ernste und gebieterische Ton, in welchem er seine reiflich
erwogenen Ansichten kund that, bald jeden Andren zum Schweigen. Was auch
einige seiner allzu eifrigen Anhänger sagen mochten, er äußerte kein
Wort, das die mindeste Absicht auf den Besitz der englischen Krone
verrieth. Er wußte sehr gut, daß zwischen ihm und dieser Krone noch
Hindernisse standen, die vielleicht keine menschliche Klugheit zu
beseitigen vermochte, die aber ein einziger falscher Schritt
unüberwindlich machen konnte. Er hatte nur dann Aussicht, den glänzenden
Preis zu erringen, wenn er sich desselben nicht mit rücksichtsloser Hand
bemächtigte, sondern es ruhig abwartete, bis sein geheimer Wunsch ohne
sichtbares Bemühen oder List von seiner Seite, durch den Drang der
Umstände, durch die Mißgriffe seiner Widersacher und durch die freie
Wahl der Stände des Reichs erfüllt werden würde. Diejenigen, die ihn
auszuforschen wagten, erfuhren nichts, konnten ihn aber doch nicht der
Winkelzüge beschuldigen. Er verwies sie ruhig auf seine Erklärung und
versicherte, daß seit der Abfassung dieses Dokuments in seinen Ansichten
keine Änderung eingetreten sei. Er behandelte seine Anhänger mit so
kluger Gewandtheit, daß ihre Uneinigkeit seine Hand eher gestärkt als
geschwächt zu haben scheint; aber sie brach mit Heftigkeit hervor,
sobald seine Aufsicht nachließ, störte die Eintracht geselliger
Zusammenkünfte und respectirte selbst die Heiligkeit des Gotteshauses
nicht. Clarendon, welcher durch sein Prahlen mit loyalen Gesinnungen die
unleugbare Thatsache, daß er ein Rebell war, bemänteln wollte, hörte mit
heftiger Entrüstung einige seiner neuen Verbündeten bei der Flasche über
die königliche Amnestie lachen, die ihnen so eben huldvoll angeboten
worden war. Sie brauchten keine Verzeihung, sagten sie; im Gegentheil,
der König müßte sie um Verzeihung bitten, ehe sie ihn laufen ließen.
Noch beunruhigender und kränkender für jeden guten Tory war ein Vorfall,
der sich in der Kathedrale von Salisbury ereignete. Sobald der
fungirende Geistliche das Gebet für den König zu lesen begann, erhob
sich Burnet, zu dessen vielen guten Eigenschaften Selbstbeherrschung und
feines Schicklichkeitsgefühl nicht gehörten, von den Knien, setzte sich
in seinen Stuhl und gab einige verächtliche Laute von sich, welche die
Andacht der Gemeinde störten.[157]
Bald hatten die Factionen, welche das Lager des Prinzen spalteten,
Gelegenheit, ihre Stärke zu messen. Die königlichen Commissare waren auf
dem Wege zu ihm. Schon mehrere Tage waren seit ihrer Ernennung
verstrichen, und eine solche Verspätigung in einer Angelegenheit von so
dringender Wichtigkeit war auffallend. In Wahrheit aber wünschte weder
Jakob noch Wilhelm die schleunige Anknüpfung von Unterhandlungen, denn
Jakob wollte nur Zeit gewinnen, um seine Gemahlin und seinen Sohn nach
Frankreich schicken zu können, und Wilhelm's Stellung wurde mit jedem
Tage gebietender. Endlich ließ der Prinz den Commissaren sagen, daß er
in Hungerford mit ihnen zusammentreffen wolle. Er wählte diese Stadt
wahrscheinlich deshalb, weil sie gerade auf halbem Wege zwischen
Salisbury und Oxford lag und sich daher zu einer Zusammenkunft seiner
bedeutendsten Anhänger am besten eignete. In Salisbury befanden sich
diejenigen Kavaliere und Gentlemen, die ihn von Holland aus begleitet
oder sich im Westen ihm angeschlossen hatten, und in Oxford waren viele
Häupter des Aufstandes im Norden.
[Anmerkung 157: +Clarendon's Diary, Dec, 6, 7. 1688.+]
[_Ankunft des Prinzen in Hungerford._] Donnerstag Abend, den 6. December
traf er in Hungerford ein, und bald füllte sich die kleine Stadt mit
Männern von hohem Rang und Ansehen, welche von allen Seiten herbeikamen.
Der Prinz war von einer starken Truppenabtheilung begleitet, und die aus
dem Norden kommenden Lords brachten Hunderte von irregulären Reitern
mit, deren Armaturen und Reitkunst die Heiterkeit Derer erregte, welche
an den glänzenden Anblick und an die präcisen Bewegungen regulärer
Armeen gewöhnt waren.[158]
[Anmerkung 158: +Clarendon's Diary. Dec. 7. 1688.+]