den der Churchill hatte, war vor acht Tagen durch sie bewogen worden,
eigenhändig dem Prinzen Wilhelm zu versichern, daß sie sein Unternehmen
billige. Sie schrieb ihm, daß sie ganz in den Händen ihrer Freunde sei
und ganz nach deren Bestimmung entweder im Palaste bleiben oder in der
Stadt einen Zufluchtsort suchen werde.[134] Am Sonntag, den 25. November
mußte sie und Diejenigen, welche für sie dachten und handelten,
plötzlich einen Entschluß fassen. An diesem Nachmittag brachte ein
Courier von Salisbury die Nachricht, daß Churchill verschwunden sei, daß
Grafton ihn begleitet habe, daß auch Kirke untreu geworden und die ganze
königliche Armee im vollen Rückzüge begriffen sei. Wie gewöhnlich, wenn
wichtige Nachrichten, gleichviel ob gute oder schlimme, in der Stadt
anlangten, so versammelte sich auch an diesem Abende eine große
Menschenmenge in den Gallerien von Whitehall. Neugierde und ängstliche
Spannung sprach aus allen Gesichtern. Die Königin ergoß sich in wohl zu
entschuldigende Äußerungen des Unwillens über den Hauptverräther und
schonte dabei auch seine allzu parteiische Gebieterin nicht ganz. An den
Zugängen des Palastflügels, den Anna bewohnte, wurden die Schildwachen
verstärkt. Die Prinzessin war in der größten Angst. In wenigen Stunden
mußte ihr Vater in Westminster eintreffen. Daß er sie persönlich mit
Strenge behandeln würde, war nicht anzunehmen, aber sie durfte nicht
hoffen, daß er ihr fernerhin den Umgang mit ihrer Freundin gestatten
werde. Es war kaum daran zu zweifeln, daß Sara festgenommen und einem
strengen Verhör durch gewandte und rücksichtslose Inquisitoren
unterworfen werden würde. Jedenfalls wurden ihre Papiere mit Beschlag
belegt, und vielleicht fand man darunter Beweise, die ihr Leben in
Gefahr brachten. In diesem Falle war das Schlimmste zu fürchten. Die
Rache des unerbittlichen Königs kannte keinen Unterschied des
Geschlechts; um viel geringfügigerer Vergehen willen als diejenigen,
deren Lady Churchill möglicherweise überführt werden konnte, hatte er
Frauen aufs Schaffott und auf den Scheiterhaufen geschickt. Ihre starke
Zuneigung zu Lady Churchill verlieh dem Geiste der Prinzessin eine
ungewöhnliche Energie. Es gab kein Band, das sie um des Gegenstandes
ihrer abgöttischen Liebe willen nicht zerrissen, keine Gefahr, der sie
sich für sie nicht ausgesetzt haben würde. »Eher springe ich aus dem
Fenster,« rief sie aus, »als daß ich mich von meinem Vater hier finden
lasse!« Die Freundin übernahm es, ihre Flucht zu bewerkstelligen. Sie
berieth sich in aller Eil mit einigen Oberhäuptern der Verschwörung und
binnen wenigen Stunden waren alle Anstalten zur Flucht getroffen. Am
Abend zog sich Anna wie gewöhnlich in ihre Gemächer zurück. Sobald es
völlig dunkel geworden war, stand sie auf und schlich leise, von ihrer
Freundin Sara und einigen Kammerfrauen begleitet, im Morgenrock und
Hausschuhen die Hintertreppe hinunter. Die Flüchtlinge gelangten
unangefochten auf die Straße, wo ein Miethwagen sie erwartete. Zwei
Männer bewachten die bescheidene Equipage: Compton, Bischof von London,
der alte Lehrer der Prinzessin, und der prachtliebende, talentvolle
Dorset, den die Größe der öffentlichen Gefahr aus seiner üppigen Ruhe
aufgerüttelt hatte. Der Wagen fuhr sogleich nach Aldersgate Street, wo
damals der städtische Palast der Bischöfe von London im Schatten ihrer
Kathedrale stand. Hier brachte die Prinzessin die Nacht zu. Am folgenden
Morgen reiste sie nach dem Eppingwalde ab, wo Dorset ein altes Schloß
besaß, das schon vor langer Zeit zerstört worden ist. In dieser
gastlichen Wohnung, viele Jahre lang der Lieblingsaufenthalt von
Schöngeistern und Dichtern, hielten die Flüchtlinge eine kurze Rast. Sie
konnten es nicht ohne Gefahr versuchen, Wilhelm's Hauptquartier zu
erreichen, denn der Weg dahin führte durch eine von königlichen Truppen
besetzte Gegend. Es wurde daher beschlossen, daß Anna sich zu den
Insurgenten im Norden begeben sollte. Compton legte für diese Zeit
seinen geistlichen Character völlig ab. Gefahr und Kampf hatten in
seiner Brust wieder das ganze kriegerische Feuer entzündet, das ihn
achtundzwanzig Jahre früher beseelte, als er unter der Leibgarde diente.
In einem Büffelwams und Reiterstiefeln, das Schwert an der Seite und
Pistolen in den Holstern, ritt er vor dem Wagen der Prinzessin her.
Lange vor ihrer Ankunft in Nottingham war sie bereits von einer
Leibwache von Gentlemen umgeben, die sie aus eignem Antriebe
begleiteten. Sie ersuchten den Bischof, sich als Oberst an ihre Spitze
zu stellen, und er erfüllte ihren Wunsch mit einer Bereitwilligkeit,
welche bei den strengen Kirchenmännern großes Ärgerniß erregte und
seinem Rufe selbst in den Augen der Whigs keinen Vortheil brachte.[135]
Als am Morgen des Sechsundzwanzigsten Anna's Gemächer leer gefunden
wurden, war die Bestürzung in Whitehall groß. Während ihre Kammerfrauen
jammernd und händeringend durch die Höfe des Palastes liefen, während
Lord Carven, der die Leibgarde zu Fuß commandirte, die Wachen in der
Gallerie ausfragte, während der Kanzler die Papiere der Churchill
versiegelte, stürzte die Amme der Prinzessin in die königlichen Gemächer
und rief aus, ihre geliebte Herrin sei von den Papisten ermordet worden.
Die Nachricht gelangte nach Westminsterhall. Hier erzählte man sich,
Ihre Hoheit sei gewaltsam in ein Gefängniß gebracht worden. Als es nicht
mehr geleugnet werden konnte, daß sie freiwillig entflohen war, wurden
eine Menge Geschichten zur Motivirung ihrer Flucht erdichtet. Sie sei
gröblich beleidigt und bedroht, ja sogar von ihrer gefühllosen
Stiefmutter geschlagen worden, obgleich sie sich in Umständen befand, in
denen eine Frau Anspruch auf eine besonders zarte Behandlung hat. Das
durch eine mehrjährige schlechte Regierung argwöhnisch und reizbar
gemachte Volk wurde durch diese Verleumdungen so aufgebracht, daß die
Königin ihres Lebens kaum sicher war. Viele Katholiken und mehrere
protestantische Tories von erprobter Loyalität eilten in den Palast, um
sie im Fall eines Ausbruchs vertheidigen zu können. Inmitten dieses
Schreckens und Entsetzens kam die Nachricht von der Flucht des Prinzen
Georg. Dem Courier, welcher diese schlimme Botschaft überbrachte, folgte
der König selbst auf dem Fuße. Es war bereits völlig dunkel, als der
König ankam und von dem Verschwinden seiner Tochter unterrichtet wurde.
Nach Allem, was er schon gelitten hatte, preßte dieser neue Schlag ihm
einen Jammerschrei aus. »Gott stehe mir bei!« rief er aus; »meine
eigenen Kinder haben mich verlassen!«[136]
[Anmerkung 134: Der vom 18. Nov. datirte Brief ist in Dalrymple zu
finden.]
[Anmerkung 135: +Clarendon's Diary, Nov. 25, 26. 1688+; Citters,
26. Nov. (6. Dec.); +Ellis Correspondence, Dec. 19.+; +Duchess of
Marlborough's Vindication+; +Burnet, I. 792+; Compton, an den
Prinzen von Oranien, 2. Dec. 1688 in Dalrymple. Das militairische
Kostüm des Bischofs wird in unzähligen Flugschriften und
Spottgedichten erwähnt.]
[Anmerkung 136: Dartmouth's Note zu Burnet I. 792: Citters, 26.
Nov. (6. Dec.) 1688; +Clarke's Life of James, II. 226. Orig.
Mem.+; +Clarendon's Diary, Nov. 26.+; +Revolution Politics.+]
[_Jakob hält eine Berathung mit den Lords._] Noch denselben Abend hielt
er mit seinen ersten Ministern eine bis spät in die Nacht dauernde
Berathung. Es wurde beschlossen, daß er alle zur Zeit in London
anwesenden geistlichen und weltlichen Lords am folgenden Tage zu sich
entbieten und sie feierlich um Rath fragen sollte. Demgemäß versammelten
sich die Lords am Dienstag Nachmittag, den 27. November, im Speisesaale
des Palastes. Die Versammlung bestand aus neun Prälaten und zwischen
dreißig und vierzig weltlichen Edelleuten, sämmtlich Protestanten. Auch
die beiden Staatssekretäre, Middleton und Preston, waren anwesend,
obgleich sie nicht Peers des Reichs waren. Der König selbst präsidirte.
Die Spuren schwerer körperlicher und geistiger Leiden waren in seinen
Gesichtszügen und in seiner Haltung deutlich zu erkennen. Er eröffnete
die Verhandlung mit der Erwähnung der Petition, die ihm kurz vor seiner
Abreise nach Salisbury überreicht worden war. Der Inhalt dieser Petition
war die Bitte um Einberufung eines freien Parlaments. In seiner
damaligen Lage, sagte er, habe er es nicht für zweckmäßig gehalten, der
Bitte zu willfahren. Während seiner Abwesenheit von London aber seien
wichtige Veränderungen eingetreten; auch habe er bemerkt, das sein Volk
überall den Zusammentritt der Kammern sehnlichst wünsche. Daher habe er
seine getreuen Peers zu sich entboten, um ihren Rath zu hören.
Es trat eine Pause ein. Dann sagte Oxford, dem sein in Alter und Glanz
unerreichter Stammbaum ein gewisses Übergewicht in der Versammlung gab,
seiner Ansicht nach müßten die Lords, welche die von Seiner Majestät
erwähnte Petition unterzeichnet hätten, ihre Meinungen jetzt
aussprechen.
Diese Worte bestimmten Rochester zu reden. Er vertheidigte die Petition
und erklärte, daß er noch immer nirgends eine Hoffnung für den Thron und
das Land sehe, als in einem Parlament. Er wage es nicht zu behaupten,
daß in einer so unheilvollen Bedrängniß selbst dieses Mittel wirksamen
Erfolg haben werde; aber er wisse kein andres vorzuschlagen. Er setzte
hinzu, daß es rathsam sein dürfte, Unterhandlungen mit dem Prinzen von
Oranien zu eröffnen. Nach ihm sprachen Jeffreys und Godolphin, und Beide
erklärten sich mit ihm einverstanden.
Jetzt stand Clarendon auf und ergoß sich zum Erstaunen Aller, die sich
seiner lauten Loyalitätsversicherungen und der heftigen Äußerungen von
Scham und Schmerz erinnerten, die ihm noch vor wenigen Tagen die
Nachricht von dem Abfalle seines Sohnes entrissen hatte, in eine
Schmährede gegen Tyrannei und Papismus. »Noch in diesem Augenblicke,«
sagte er, »errichtet Seine Majestät in London ein Regiment, in welches
keine Protestanten aufgenommen werden.« -- »Das ist nicht wahr!« rief
Jakob mit Heftigkeit aus. Clarendon bestand auf seiner Behauptung und
verließ dieses beleidigende Thema nur um auf ein noch beleidigenderes
überzugehen. Er beschuldigte den unglücklichen König des Kleinmuths.
Warum sei er nicht in Salisbury geblieben? warum habe er nicht das Glück
einer Schlacht versucht? Könne man es dem Volke verargen, daß es sich
dem Angreifer unterwarf, wenn es seinen König an der Spitze seiner Armee
davonlaufen sehe? Jakob fühlte diese Vorwürfe tief und vergaß sie nicht
so bald. In der That, selbst Whigs hielten Clarendon's Sprache für
unpassend und unedel. Halifax sprach in einem ganz andren Tone. Seit
mehreren Jahren der Gefahr hatte er mit bewundernswürdigem Talent die
bürgerliche und kirchliche Verfassung seines Vaterlandes gegen die
Prärogative vertheidigt. Aber sein klarer, für Begeisterung durchaus
unempfänglicher und Extremen entschieden abgeneigter Verstand begann
sich gerade in dem Augenblicke, wo die großsprecherischen Royalisten,
welche noch vor Kurzem die Trimmers als wenig besser denn Rebellen
verwünscht hatten, sich überall zum Aufstande erhoben, zur Sache des
Königthums hinzuneigen. Er setzte seine Ehre darein, in diesem
kritischen Augenblicke der Friedensstifter zwischen dem Throne und der
Nation zu werden. Seine Talente und sein Character befähigten ihn zu
diesem Amte und wenn sein Versuch scheiterte, so ist dies Ursachen
zuzuschreiben, gegen die keine menschliche Geschicklichkeit etwas
auszurichten vermochte, ganz besonders der Thorheit, Wortbrüchigkeit und
Hartnäckigkeit des Fürsten, den er zu retten versuchte.
Halifax sprach manche bittere Wahrheit aus, aber mit einer so zarten
Rücksicht, daß er sich den Vorwurf der Schmeichelei von Leuten zuzog,
welche viel zu niedrigdenkend waren, als daß sie hätten begreifen
können, daß Worte, die mit Recht Schmeichelei genannt werden mögen, wenn
man sie an einen Mächtigen richtet, einer gefallenen Größe gegenüber ein
Tribut der Humanität sind. Er erklärte es unter vielen Versicherungen
von Theilnahme und Ehrerbietung als seine Ansicht, daß der König sich zu
großen Opfern entschließen müsse. Es sei nicht genug, daß er ein
Parlament einberufe und mit dem Prinzen von Oranien in Unterhandlung
trete. Wenigstens einige von den Beschwerden, über welche die Nation
klage, müßten augenblicklich abgestellt werden, ohne darauf zu warten,
bis die Häuser oder der Anführer des feindlichen Heeres die Abstellung
verlangten. Nottingham erklärte sich in eben so ehrerbietiger Sprache
mit Halifax vollkommen einverstanden. Es waren drei Hauptzugeständnisse,
zu denen die Lords den König zu bewegen suchten. Er sollte, sagten sie,
alle Katholiken sofort aus dem Staatsdienste entlassen, sich ganz von
Frankreich lossagen und Denen, welche bewaffnet gegen ihn aufgestanden,
unbedingte Amnestie zusichern. Man sollte denken, daß der letzte von
diesen drei Vorschlägen keinen Einwand zugelassen hätte. Denn hatten
auch Einige von Denen, die sich gegen den König zusammengeschaart, so
gegen ihn gehandelt, daß er sich dadurch bitter gekränkt fühlen mußte,
so war es doch viel wahrscheinlicher, daß er bald von ihrer Gnade
abhängen würde, als sie je von der seinigen. Es wäre geradezu kindisch
gewesen, mit Wilhelm Unterhandlungen zu eröffnen und zu gleicher Zeit
Männern, welche Wilhelm nicht im Stiche lassen konnte, ohne eine
Schändlichkeit gegen sie zu begehen, mit Rache zu drohen. Aber der
umwölkte Verstand und der unversöhnliche Character Jakob's sträubten
sich lange gegen die Gründe der Männer, die ihn zu überzeugen suchten,
daß er wohl daran thun werde, Kränkungen zu verzeihen, die er nicht
bestrafen konnte. »Ich kann es nicht thun,« rief er aus; »ich muß ein
Exempel statuiren, vor Allem an Churchill, den ich so hoch erhoben habe.
Er, und nur er allein hat dies Alles gethan. Er hat meine Armee
verführt, er hat meine Tochter verführt und er würde mich ohne den
besonderen Schutz Gottes dem Prinzen von Oranien überliefert haben. Sie
sind auffallend besorgt um die Sicherheit von Verräthern, Mylords;
keiner von Ihnen aber kümmert sich um meine Sicherheit.« Als Antwort auf
diesen Ausbruch ohnmächtigen Zornes stellten Diejenigen, welche zur
Amnestie gerathen hatten, mit tiefster Ehrerbietung, aber mit
Entschiedenheit vor, daß ein von mächtigen Feinden angegriffener Fürst
nur durch einen Sieg oder durch Nachgiebigkeit gerettet werden konnte.
»Wenn Eure Majestät nach Allem was geschehen ist noch von den Waffen
Rettung erwartet, so sind wir fertig, wo nicht, können Sie nur dadurch
gerettet werden, daß Sie die Zuneigung Ihres Volks wieder zu gewinnen
suchen.« Nach einer langen und lebhaften Debatte hob der König die
Versammlung auf, indem er sagte: »Mylords, Sie haben Sich viel Freiheit
herausgenommen, aber ich zürne Ihnen deshalb nicht. In einem Punkte bin
ich zu einem Entschlusse gekommen. Ich werde ein Parlament einberufen.
Die anderen Rathschläge, die Sie mir gegeben haben, sind von ernster
Bedeutung, und Sie werden Sich nicht wundern, wenn ich mir eine Nacht
zur Überlegung vorbehalte, ehe ich mich entscheide.«[137]
[Anmerkung 137: +Clarke's Life of James, II. 236: Orig. Mem.+;
+Burnet I. 794+; +Luttrell's Diary+; +Clarendon's Diary, Nov. 27.
1688.+ Citters, 27. Nov. (7. Dec.) und 30. Nov. (10. Dec.).
Citters schöpfte seine Angaben offenbar aus Mittheilungen von
einem der anwesenden Lords. Da der Gegenstand wichtig ist, will
ich einige kurze Stellen aus seinen Depeschen hier anführen. Der
König sagte, +»Dat het by na voor heem unmogelyck was te
pardoneren persoonen wie so hoog in syn reguarde schuldig stonden,
vooral seer uytvarende tegens den Lord Churchill wien hy hadde
groot gemaakt, en nogtans meynde de eenigste oorsake van alle dese
desertie en van de retraite van hare Coninglycke Hoogheden te
wesen.«+ Einer von den Lords, wahrscheinlich Halifax oder
Nottingham, +»seer hadde geurgeert op de securiteyt van de lords
die nu met syn Hoogheyt geengageert staan. Soo hoor ick,«+ sagt
Citters, +»dat syn Majesteyt onder anderen soude gesegt hebben:
»»Men spreekt al voor de securiteyt voor andere, en niet voor de
myne.«« -- Waar op een der Pairs resolut dan met groot respect
soude geantwoordt hebben dat, so de difficulteyt dan nog te
surmonteren was, dat het den moeste geschieden door de meeste
condescendance, en hoe meer die was, en hy genegen om aan de natic
contentement te geven, dat syne securyteyt ook des te grooter
soude wesen.«+]
[_Er ernennt Commissare zur Unterhandlung mit Wilhelm._] Anfangs schien
Jakob die ausbedungene Bedenkzeit vortrefflich anwenden zu wollen: der
Kanzler erhielt die Weisung, Ausschreiben zur Einberufung eines
Parlaments auf den 13. Januar zu erlassen. Halifax wurde ins königliche
Kabinet beschieden, hatte eine lange Audienz und sprach mit mehr
Freimuth, als er in Anwesenheit einer zahlreichen Versammlung zu zeigen
für schicklich gehalten hatte. Es wurde ihm angekündigt, daß er zu einem
der Commissare ernannt sei, welche mit dem Prinzen von Oranien
unterhandeln sollten. Nottingham und Godolphin waren ihm beigegeben. Der
König erklärte, daß er im Interesse des Friedens große Opfer zu bringen
bereit sei. Halifax antwortete ihm darauf, daß es auch ohne Zweifel
großer Opfer bedürfen werde. »Eure Majestät,« sagte er, »darf nicht
erwarten, daß Diejenigen, welche die Macht in Händen haben, auf
Bedingungen eingehen werden, welche die Gesetze in die Gewalt der
Prärogative geben.« Mit dieser deutlichen Erklärung seiner Ansichten
nahm er den Auftrag an, den der König ihm ertheilen wollte.[138] Jetzt
wurden die vor wenigen Stunden noch hartnäckig verweigerten
Zugeständnisse auf das Bereitwilligste gewährt. Es wurde eine
Proklamation erlassen, durch welche der König nicht nur Allen, die sich
gegen ihn empört hatten, unbedingte Verzeihung zusicherte, sondern sie
sogar als wählbar für das bevorstehende Parlament erklärte. Nicht einmal
die Niederlegung der Waffen wurde als Bedingung der Wählbarkeit
gestellt. Dieselbe Nummer der Gazette, welche den bevorstehenden
Zusammentritt der Häuser anzeigte, enthielt auch die Ankündigung, daß
Sir Eduard Hales, der als Papist, als Renegat, als Hauptvorkämpfer für
die Dispensationsgewalt und als der strenge Kerkermeister der Bischöfe
einer der unpopulärsten Männer des ganzen Reichs war, nicht mehr
Gouverneur des Tower sei und seinen kürzlichen Gefangenen Bevil Skelton,
der zwar in der Achtung seiner Landsleute eben nicht hoch stand, aber
wenigstens nicht gesetzlich vom Staatsdienste ausgeschlossen war, zum
Nachfolger erhalten habe.[139]
[Anmerkung 138: Brief des Bischofs von St. Asaph an den Prinzen
von Oranien vom 17. Dec. 1688.]
[Anmerkung 139: +London Gazette, Nov. 29., Dec. 3. 1688+;
+Clarendon's Diary, Nov. 29, 30+]
[_Die Unterhandlung eine Finte._] Diese Zugeständnisse hatten jedoch nur
den Zweck, die Lords und die Nation über die wahren Absichten des Königs
zu täuschen. Im Stillen hatte er sich vorgenommen, selbst in dieser
äußersten Bedrängniß nicht nachzugeben. An dem nämlichen Tage, an
welchem er das Amnestiedecret erließ, sprach er seine wirklichen
Gesinnungen offen gegen Barillon aus. »Diese Unterhandlung,« sagte
Jakob, »ist eine bloße Finte. Ich muß Commissare an meinen Neffen
senden, damit ich Zeit gewinne, um meine Frau und den Prinzen von Wales
fortschaffen zu können. Sie kennen die Stimmung meiner Truppen. Nur die
Irländer werden mir treu bleiben, und sie sind nicht stark genug, um dem
Feinde Widerstand zu leisten. Ein Parlament würde mir Bedingungen
vorschreiben, die ich nicht ertragen könnte. Ich würde Alles was ich für
die Katholiken gethan habe, wieder zurücknehmen, und mit dem Könige von
Frankreich brechen müssen. Sobald daher die Königin und mein Kind in
Sicherheit sind, werde ich England verlassen und mich nach Irland,
Schottland oder zu Ihrem Gebieter flüchten«.[140]
Jakob hatte bereits die nöthigen Anstalten zur Ausführung dieses Planes
getroffen. Dover war mit Instructionen, für den Prinzen von Wales zu
sorgen, nach Portsmouth geschickt worden, und Dartmouth, welcher die
dort liegende Flotte befehligte, hatte Ordre erhalten, allen Anordnungen
Dover's in Betreff des Kronprinzen Folge zu leisten und eine mit
zuverlässigen Matrosen bemannte Yacht bereit zu halten, damit sie jeden
Augenblick nach Frankreich unter Segel gehen könnte.[141] Jetzt sandte
der König den bestimmten Befehl ab, daß der Prinz augenblicklich nach
dem nächsten Hafen des Continentes gebracht werden solle.[142] Nächst
dem Prinzen von Wales war der Hauptgegenstand seiner Sorge das große
Staatssiegel. Diesem Symbole der königlichen Autorität haben unsere
Juristen jederzeit eine besondere, fast geheimnißvolle Wichtigkeit
beigelegt Man ist der Ansicht, daß, wenn der Siegelbewahrer es auch ohne
königliche Genehmigung einem Peerspatent oder einer Begnadigung
aufdrückt, er sich zwar eines schweren Vergehens schuldig macht, die
Gültigkeit des Instruments aber von keinem Gerichtshofe angefochten und
nur durch eine Parlamentsacte annullirt werden kann. Jakob fürchtete
wahrscheinlich, daß seine Feinde dieses Organ seines Willens in die
Hände bekommen und dadurch Maßregeln, die ihn nachtheilig berühren
könnten, gesetzliche Gültigkeit geben könnten. Seine Besorgnisse können
auch nicht unbegründet erscheinen, wenn man bedenkt, daß gerade hundert
Jahre später das große Siegel eines Königs mit Bewilligung der Lords und
der Gemeinen und unter Gutheißung von Seiten vieler großen Staatsmänner
und Juristen zu dem Zwecke benutzt wurde, um seine Hoheitsrechte auf
seinen Sohn zu übertragen. Damit der Talisman, der so furchtbare Kräfte
besaß, nicht in unrechte Hände komme, beschloß Jakob, ihn wenige
Schritte von seinem Kabinet aufzubewahren. Jeffrey's erhielt zu dem Ende
Befehl, sein erst kürzlich mit großem Kostenaufwande erbautes Haus in
Duke Street zu verlassen und ein kleines Apartement in Whitehall zu
beziehen.[143]
Der König hatte bereits alle Anstalten zur Flucht getroffen, als ein
unerwartetes Hinderniß ihn zwang, die Ausführung seines Vorhabens
aufzuschieben. Seine Agenten in Portsmouth fingen an Bedenklichkeiten zu
hegen. Selbst Dover ließ, obgleich er Mitglied der jesuitischen Cabale
war, Zeichen von Unschlüssigkeit merken. Noch weniger war Dartmouth
geneigt, den Wünschen des Königs zu willfahren. Er war bisher dem Throne
treu gewesen und hatte mit einer mißgestimmten Flotte und bei widrigem
Winde sein Möglichstes gethan, um die Landung der Holländer in England
zu verhindern; aber er war ein eifriges Mitglied der anglikanischen
Kirche und durchaus nicht befreundet mit der Politik der Regierung,
welche zu vertheidigen er für eine Pflicht und eine Ehrensache hielt.
Die meuterische Stimmung der unter seinem Befehle stehenden Offiziere
und Mannschaften hatte ihm viel zu schaffen gemacht und die Nachricht
von der Einberufung eines freien Parlaments und der Ernennung von
Commissaren, welche mit dem Prinzen von Oranien unterhandeln sollten,
hatte ihn sehr erfreut. Die ganze Flotte gab ihre Freude darüber laut zu
erkennen. An Bord des Admiralschiffs wurde eine Adresse entworfen,
welche dem Könige für diese der öffentlichen Meinung gemachten gnädigen
Zugeständnisse den wärmsten Dank aussprach. Der Admiral unterzeichnete
zuerst und achtunddreißig Kapitäne schrieben ihre Namen unter den
seinigen. Dieses Schriftstück kreuzte sich auf dem Wege nach Whitehall
mit dem Boten, der den Befehl nach Portsmouth brachte, daß der Prinz von
Wales unverzüglich nach Frankreich übergeführt werden sollte. Dartmouth
erkannte nun mit bitterem Schmerz und Unwillen, daß das freie Parlament,
die allgemeine Amnestie und die Unterhandlung nur Theile eines gegen die
Nation zu verübenden großartigen Betrugs waren und daß er bei diesem
Betruge eine Rolle spielen sollte.
[Anmerkung 140: Barillon, 1.(11.) Dec. 1688.]
[Anmerkung 141: Jakob an Dartmouth, 25. Nov. 1688. Die Briefe
findet man in Dalrymple.]
[Anmerkung 142: Jakob an Dartmouth, 1. Dec. 1688.]
[Anmerkung 143: +Luttrell's Diary+.]