war ohne Zweifel überrascht und gekränkt durch die Lauheit Derer, die
ihn nach England eingeladen hatten. Das Volk von Devonshire hatte ihn
zwar mit allen Zeichen der Freude empfangen, aber kein Adeliger, kein
angesehener Gentleman war bis jetzt in sein Hauptquartier gekommen. Die
Erklärung dieser auffallenden Erscheinung ist wahrscheinlich in dem
Umstande zu suchen, daß er in einem Theile der Insel gelandet war, wo
man ihn nicht erwartet hatte. Im Norden hatten seine Freunde alle
Anstalten zu einem Aufstande getroffen, in der Voraussetzung, daß er
bald mit einer Armee bei ihnen sein werde. Seine Freunde im Westen aber
hatten gar nichts vorbereitet und waren natürlich betroffen, als sie
plötzlich aufgefordert wurden, sich an die Spitze einer so wichtigen und
gefährlichen Bewegung zu stellen. Dazu kam noch, daß sie die traurigen
Folgen eines Aufstandes: Galgen, abgeschlagene Köpfe, zerrissene
Glieder, Familien, die noch um tapfere Dulder trauerten, welche ihr
Vaterland aufrichtig aber nicht mit Klugheit geliebt, frisch im
Gedächtniß, ja dicht vor Augen hatten. Nach einer so schrecklichen und
so neuen Warnung war einige Unschlüssigkeit natürlich. Ebenso natürlich
aber war es auch, daß Wilhelm, der im Vertrauen auf die ihm aus England
zugekommenen Versprechungen, nicht nur seinen eignen Ruf und sein
persönliches Glück, sondern auch das Wohl und die Unabhängigkeit seines
Vaterlandes aufs Spiel gesetzt hatte, sich bitter gekränkt fühlte. Er
war in der That so aufgebracht, daß er schon davon sprach, sich nach
Torbay zurückzuziehen, seine Truppen wieder einzuschiffen, nach Holland
heimzukehren und Die, welche ihn verrathen hatten, ihrem verdienten
Schicksale zu überlassen. Endlich am Montag, den 12. November, schloß
sich ein in der Nähe von Crediton wohnender Gentleman, Namens
Burrington, der Fahne des Prinzen an, und diesem Beispiele folgten bald
mehrere von seinen Nachbarn.
[_Lovelace._] Schon waren aber auch Männer von wichtigerer Bedeutung aus
verschiedenen Theilen des Landes nach Exeter aufgebrochen. Der erste von
diesen war Johann Lord Lovelace, ein Mann, der sich durch feinen
Geschmack, durch Prachtliebe und durch die tollkühne und maßlose
Heftigkeit seines Whiggismus auszeichnete. Er war fünf- oder sechsmal
wegen politischer Vergehen in Haft gewesen. Das letzte ihm zur Last
gelegte Verbrechen war, daß er die Rechtsgültigkeit eines von einem
römisch-katholischen Friedensrichter angestellten Verhaftbefehls
verächtlich geleugnet hatte. Er war vor den Geheimen Rathe gefordert und
streng verhört worden, aber mit geringem Erfolge. Er weigerte sich
entschieden, sich schuldig zu bekennen und die Zeugenbeweise gegen ihn
waren ungenügend. Er wurde entlassen, aber ehe er sich entfernte, rief
Jakob ihm mit großer Heftigkeit zu: »Mylord, dies ist nicht der erste
Streich, den Sie mir gespielt haben.« -- »Sire,« entgegnete Lovelace
unerschrocken, »ich habe weder Eurer Majestät noch sonst Jemandem je
einen Streich gespielt. Wer mich dessen bei Eurer Majestät angeklagt
hat, ist ein Lügner.« Bald darauf war Lovelace von Denen, welche den
Plan zu einer Revolution entworfen hatten, ins Vertrauen gezogen
worden.[106] Sein Schloß, das seine Vorfahren von der Beute
indisch-spanischer Galleonen erbaut, stand auf den Trümmern eines Hauses
Unserer Lieben Frau in dem schönen Thale, durch welches die Themse, noch
nicht durch die Nähe einer großen Hauptstadt verunreinigt, noch mit der
Ebbe und Fluth des Meeres fallend und steigend, unter Buchenwäldern
zwischen den lieblichen Anhöhen von Berkshire dahin strömt. Unter dem
von italienischen Malern decorirten Prunksaale befand sich ein gewölbtes
Souterrain, in welchem hin und wieder Gebeine von vorzeitlichen Mönchen
gefunden worden waren. In diesem finstren Gemache hatten eine Anzahl
eifriger und verwegener Gegner der Regierung während der angstvollen
Zeit, als England mit Ungeduld auf protestantischen Wind wartete, viele
nächtliche Zusammenkünfte gehalten.[107] Jetzt war der Augenblick zum
Handeln gekommen, Lovelace brach mit siebzig wohl bewaffneten und
berittenen Begleitern nach dem Westen auf. Er erreichte ohne
Schwierigkeit Gloucestershire. Aber Beaufort, der Statthalter dieser
Grafschaft, verwendete sein hohes Ansehen und seinen ganzen Einfluß zu
Gunsten der Krone. Die Miliz war aufgeboten und eine starke Abtheilung
derselben nach Cirencester verlegt worden. Als Lovelace hier ankam,
wurde er bedeutet, daß ihm der Durchzug nicht gestattet werden könne. Er
mußte daher entweder von seinem Vorhaben abstehen, oder sich
durchschlagen. Er beschloß das Letztere zu versuchen und seine Freunde
und Untergebenen schlugen sich tapfer. Es fand ein hitziges Gefecht
statt. Die Miliz verlor einen Offizier und sechs oder sieben Mann;
endlich aber wurde Lovelace's Truppe überwältigt und er selbst gefangen
genommen und nach Gloucester Castle geschickt.[108]
[Anmerkung 106: Johnstone, 27. Febr. 1688; Citters unter demselben
Datum.]
[Anmerkung 107: +Lyson's Magna Britannia, Berkshire.+]
[Anmerkung 108: +London Gazette, Nov. 15. 1688+; +Luttrell's
Diary.+]
[_Colchester._] Andere waren glücklicher. An dem Tage, an welchem das
Scharmützel bei Circencester stattfand, kam Richard Savage, Lord
Colchester, Sohn und Erbe des Earls Rivers und durch eine unerlaubte
Liebe Vater jenes unglücklichen Dichters[109], dessen Verbrechen und
Mißgeschicke eine der dunkelsten Seiten der Literaturgeschichte füllen,
mit sechzig bis siebzig Reitern in Exeter an. Mit ihm zugleich traf der
kühne und unruhige Thomas Wharton ein. Wenige Stunden später kam Eduard
Russell, Sohn des Earls von Bedford und Bruder des tugendhaften
Edelmanns, dessen Blut auf dem Schaffot geflossen war. Kurz darauf wurde
die Ankunft eines andren noch wichtigeren Mannes gemeldet.
[Anmerkung 109: Richard Savage. -- Der Übers.]
[_Abingdon._] Colchester, Wharton und Russell gehörten der Partei an,
welche dem Hofe von jeher opponirt hatte. Jakob Bertin, Earl von
Abingdon dagegen war stets als eine Stütze der Willkürherrschaft
betrachtet worden. Er war in den Tagen der Ausschließungsbill Jakob treu
geblieben, war als Lordlieutenant von Oxfordshire mit Energie und
Strenge gegen die Anhänger Monmouth's verfahren und hatte zur Feier der
Niederlage Argyle's Freudenfeuer angezündet. Aber die Furcht vor dem
Papismus hatte ihn zur Opposition und Empörung getrieben. Er war der
erste Peer des Reichs, der im Hauptquartier des Prinzen von Oranien
erschien.[110]
Doch von Denen, die sich offen gegen seine Autorität auflehnten, hatte
der König weniger zu befürchten, als von der im Dunklen schleichenden
Verschwörung, deren Verzweigungen sich durch seine Armee und bis in
seine Familie erstreckten. Als die Seele dieser Verschwörung muß
Churchill betrachtet werden, der in Bezug auf Scharfblick und
Gewandtheit seines Gleichen nicht hatte, den die Natur mit einer
gewissen kaltblütigen Unerschrockenheit ausgestattet, die sich weder im
Kampfe noch im Lügen je verleugnete, und welcher dabei einen hohen
militairischen Rang einnahm und sich der Gunst der Prinzessin Anna in
hohem Grade erfreute. Für ihn war jedoch die Zeit zu dem entscheidenden
Schlage noch nicht gekommen. Indessen brachte er doch schon jetzt durch
die Vermittelung eines untergeordneten Werkzeugs der Sache des Königs
eine gefährliche, wenn nicht tödtliche Wunde bei.
[Anmerkung 110: +Burnet, I. 790+; +Life of William, 1703.+]
[_Abfall Cornbury's._] Eduard Viscount Cornbury, der älteste Sohn des
Earls von Clarendon, war ein junger Mann von unbedeutenden Geistesgaben,
von lockeren Grundsätzen und heftigem Temperament. Man hatte ihn von
Jugend auf gelehrt, seine Verwandtschaft mit der Prinzessin Anna als die
Grundlage seines zukünftigen Glücks zu betrachten, und ihm eingeschärft,
daß er ihr fleißig den Hof machen solle. Seinem Vater war es nie in den
Sinn gekommen, daß die angestammte Loyalität der Hyde im Hause der
Lieblingstochter des Königs gefährdet sein könnte; aber in diesem Hause
führten die Churchill die unumschränkte Herrschaft und Cornbury wurde
ihr Werkzeug. Er commandirte eines von den nach dem Westen gesandten
Dragonerregimentern. Man hatte es so einzurichten gewußt, daß er am 14.
November einige Stunden lang der höchste Offizier zu Salisbury war, so
daß alle dort versammelten Truppen unter seinem Oberbefehl standen. Es
muß auffallend erscheinen, daß zu einem so kritischen Zeitpunkte die
Armee, auf welche Alles ankam, nur einen Augenblick dem Commando eines
jungen Obersten überlassen werden konnte, der weder Talent noch
Erfahrung hatte. Es kann wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß diese
Anordnung das Resultat eines geschickt angelegten Planes war, und eben
so wenig kann man darüber in Zweifel sein, welchem Kopfe und welchem
Herzen dieser Plan zuzuschreiben ist.
Plötzlich erhielten drei von den in Salisbury stehenden
Kavallerieregimentern Befehl zum Abmarsch nach dem Westen. Cornbury
stellte sich an ihre Spitze und führte sie zuerst nach Blandford und
dann nach Dorchester. Von Dorchester brachen sie nach einer kurzen Rast
von einigen Stunden nach Axminster auf. Einige von den Offizieren
begannen Verdacht zu schöpfen und verlangten eine Erklärung dieser
sonderbaren Bewegungen. Cornbury antwortete, er habe Befehl, einen
nächtlichen Angriff auf eine Truppenabtheilung zu machen, die der Prinz
von Oranien bei Honiton postirt habe. Doch der Argwohn war einmal rege,
es wurden weitere Fragen gestellt, aber ausweichend beantwortet. Endlich
wurde Cornbury geradezu aufgefordert, seine Instruction vorzuzeigen. Er
sah ein, daß es ihm nicht nur unmöglich sein würde, mit allen drei
Regimentern überzugehen, sondern daß er sich auch selbst in einer höchst
gefährlichen Lage befand. In Folge dessen stahl er sich mit einigen
wenigen Begleitern fort in das holländische Hauptquartier. Der größte
Theil seiner Truppen kehrte nach Salisbury zurück; ein andrer Theil
aber, der von dem Hauptcorps detaschirt worden war und die Absichten des
Befehlshabers nicht ahnete, marschirte bis Honiton. Hier sahen sie sich
inmitten eines zu ihrem Empfange vollständig gerüsteten starken
Armeecorps. Widerstand war unmöglich. Ihr Anführer drang in sie, unter
Wilhelm zu dienen. Es wurde ihnen ein Monatssold als Geschenk angeboten,
und die Meisten nahmen dies an.[111]
Die Nachricht von diesen Vorgängen kam am Fünfzehnten nach London. Jakob
war am Morgen dieses Tages sehr heiterer Laune gewesen. Der Bischof
Lamplugh hatte eben nach seiner Ankunft von Exeter dem Hofe seine
Aufwartung gemacht und war sehr gnädig empfangen worden. »Mylord,« sagte
der König zu ihm, »Sie sind ein ächter alter Kavalier.« Lamplugh erhielt
zum Lohn für seine Loyalität sofort das schon seit mehr als dritthalb
Jahren erledigte Erzbisthum York. Am Nachmittage, als der König sich
eben zu Tisch setzte, kam ein Expresser mit der Nachricht von Cornbury's
Abfall. Jakob erhob sich von der Tafel, ohne die Speisen zu berühren,
genoß nichts als eine Brotrinde und ein Glas Wein und zog sich in sein
Privatkabinet zurück. Er erfuhr später, daß nach seinem Weggange aus dem
Speisesaale mehrere anwesende Lords, in die er das größte Vertrauen
setzte, sich in der anstoßenden Gallerie die Hände geschüttelt und
einander beglückwünscht hatten. Als die Botschaft der Königin
mitgetheilt wurde, brach sie mit ihren Damen in Thränen und Wehklagen
aus.[112]
Der Schlag war allerdings hart. Zwar belief sich der unmittelbare
Verlust der Krone und der unmittelbare Gewinn der Feinde auf kaum
zweihundert Mann und eben so viele Pferde. Aber wo konnte der König von
nun an hoffen, diejenigen Gesinnungen zu finden, welche die Stärke der
Staaten und der Armeen bilden? Cornbury war der Erbe eines Hauses, das
sich stets durch seine Anhänglichkeit an die Monarchie ausgezeichnet
hatte. Sein Vater Clarendon und sein Oheim Rochester waren Männer, deren
Loyalität für unerschütterlich galt. Wie stark mußte das Gefühl sein,
gegen welches die am tiefsten wurzelnden angeerbten Vorurtheile nicht
Stand hielten, das Gefühl, das einen jungen Offizier von vornehmer
Geburt zu einer durch Vertrauensbruch und grobe Falschheit
verschlimmerten Desertion bewegen konnte? Daß Cornbury kein besonders
talentvoller und unternehmender Mann war, machte den Vorfall nur noch
beunruhigender. Man konnte unmöglich daran zweifeln, daß er irgendwo
einen mächtigen und gewandten Verführer hatte. Wer dieser Verführer war,
das sollte sich bald zeigen. Mittlerweile aber konnte Niemand im
königlichen Lager sicher sein, daß er nicht von Verräthern umgeben war.
Politische Stellung, mititairischer Rang, Kavalierehre, Soldatenehre,
die stärksten Betheuerungen, das reinste Adelsblut boten keine
Sicherheit mehr. Jedermann konnte mit Grund zweifeln, ob nicht jeder
Befehl, den er von seinem Vorgesetzten erhielt, den Zwecken des Feindes
dienen sollte. Der pünktliche Gehorsam, ohne den eine Armee nichts als
ein zügelloser Pöbelhaufe ist, mußte nothwendig vorbei sein. Welche
Disciplin konnte man von Soldaten erwarten, welche eben einer Schlinge
entgangen waren, indem sie sich weigerten, ihren commandirenden Offizier
zu einer geheimen Expedition zu folgen, und indem sie auf Vorzeigung
seiner Befehle drangen?
Cornbury wurde bald durch eine Menge in Rang und Fähigkeiten hoch über
ihm stehender Überläufer unterstützt; einige Tage lang aber stand er
ganz allein mit seiner Schande da und wurde von Vielen, welche nachher
seinem Beispiele folgten und ihn darum beneideten, daß er zuerst den
entehrenden Schritt gethan, heftig geschmäht. Unter diesen war sein
eigner Vater. Der erste Ausbruch von Clarendon's Zorn und Schmerz war
ergreifend. »O Gott!« rief er aus, »daß einer meiner Söhne ein Rebell
werden mußte!« Vierzehn Tage später entschloß er selbst sich dazu, ein
Rebell zu werden. Man würde ihm jedoch Unrecht thun, wollte man ihn für
einen bloßen Heuchler erklären. In Revolutionen lebt der Mensch schnell;
die Erfahrung von Jahren drängt sich in wenigen Stunden zusammen; alte
Gewohnheiten im Denken und Handeln werden gewaltsam gebrochen; man wird
mit Neuerungen, die auf den ersten Anblick Entsetzen und Abscheu
erwecken, binnen wenigen Tagen vertraut, man findet sie erträglich, ja
anziehend. Viele weit tugendhaftere und muthigere Männer als Clarendon
waren vor dem Schlusse jenes denkwürdigen Jahres zu Handlungen bereit,
die sie am Anfange desselben für ruchlos und entehrend erklärt haben
würden.
Der unglückliche Vater tröstete sich so gut er konnte und hielt um eine
Privataudienz beim Könige an. Sie wurde ihm bewilligt. Jakob sagte mit
mehr als gewöhnlicher Freundlichkeit, daß er Cornbury's Verwandte
aufrichtig bedaure und sie von aller Schuld an dem Verbrechen ihres
entarteten Familienmitgliedes durchaus freispreche. Clarendon kehrte
nach Hause zurück und wagte es kaum, seinen Freunden ins Auge zu
blicken. Bald aber erfuhr er zu seinem Erstaunen, daß der Schritt, den
er anfangs für seine Familie auf immer entehrend gehalten hatte, von
vielen hochstehenden Personen gelobt wurde. Seine Nichte, die Prinzessin
von Dänemark, fragte ihn, warum er sich so zurückziehe. Er antwortete
ihr, daß die Schändlichkeit seines Sohnes ihn völlig zu Boden drücke.
Anna schien diesen Kummer durchaus nicht zu begreifen. »Das Volk,« sagte
sie, »ist der Herrschaft des Papismus müde. Ich glaube, daß Viele von
der Armee das Nämliche thun werden.«[113]
Der König rief nun in seiner Angst alle noch in London anwesenden hohen
Offiziere zusammen. Churchill, welcher kurz vorher zum Generallieutenant
befördert worden war, erschien mit der heiteren Ruhe, die weder Gefahr
noch Schande je zu erschüttern vermochten. Heinrich Fitzroy, Herzog von
Grafton, der sich unter den natürlichen Kindern Karl's II. durch seine
Verwegenheit und Thätigkeit auszeichnete, wohnte der Zusammenkunft bei.
Grafton war Oberst des ersten Regiments der Fußgarden. Er scheint damals
ganz unter Churchills Einfluß gestanden zu haben und war bereit, bei der
ersten günstigen Gelegenheit die königliche Fahne zu verlassen. Außerdem
waren noch zwei andere Hochverräther anwesend, Kirke und Trelawney,
welche die damals unter der Bezeichnung der tangerschen Regimenter
bekannten zwei wilden und zügellosen Heerhaufen befehligten. Sie hatten
Beide, wie alle anderen protestantische Offiziere der Armee, die
Parteilichkeit, welche der König für die Mitglieder seiner eigenen
Kirche an den Tag legte, schon seit langer Zeit mit großem Mißfallen
betrachtet, und Trelawney erinnerte sich mit bitterem Grolle der
Verfolgung seines Bruders, des Bischofs von Bristol. Jakob hielt eine
Ansprache an die Versammlung, die eines besseren Mannes und einer
besseren Sache würdig gewesen wäre. Es könnte sein, sagte er, daß einige
von seinen Offizieren Gewissensbedenken hätten, für ihn zu kämpfen. Wenn
dem so wäre, sei er bereit, ihre Patente zurückzunehmen. Aber er
beschwöre sie als Gentlemen und Soldaten, das schmachvolle Beispiel
Cornbury's nicht nachzuahmen. Alle schienen tief ergriffen zu sein, am
tiefsten Churchill. Er war der Erste, der mit vortrefflich gespielter
Begeisterung gelobte, daß er sein Blut bis auf den letzten Tropfen für
seinen huldvollen Gebieter zu vergießen bereit sei. Grafton ergoß sich
in ähnliche laute Betheuerungen und seinem Beispiele folgten auch Kirke
und Trelawney.[114]
[Anmerkung 111: +Clarke's Life of James the Second, II. 215. Orig.
Mem.+; +Burnet, I. 790+; +Clarendon's Diary, Nov. 15. 1688+;
+London Gazette, Nov. 17.+]
[Anmerkung 112: +Clarke's Life of James the Second, II. 218+;
+Clarendon's Diary, Nov. 15. 1688+; Citters, 16.(26.) Nov.]
[Anmerkung 113: +Clarendon's Diary, Nov. 15, 16, 17, 20. 1688.+]
[Anmerkung 114: +Clarke's Life of James the Second, II. 219. Orig.
Mem.+]
[_Petition der Lords um Einberufung eines Parlaments._] Durch diese
Versicherungen getäuscht, schickte der König sich zum Aufbruch nach
Salisbury an. Vor seiner Abreise wurde er benachrichtigt, daß eine
beträchtliche Anzahl weltlicher und geistlicher Peers ihn um eine
Audienz bitten ließen. Sie kamen mit Sancroft an ihrer Spitze um eine
Petition zu überreichen, in der sie um Einberufung eines freien und
gesetzlichen Parlaments und um Einleitung von Unterhandlungen mit dem
Prinzen von Oranien baten.
Die Geschichte dieser Petition ist interessant. Die Idee scheint zwei
wichtigen Parteihäuptern, welche lange Nebenbuhler und Feinde gewesen
waren, Rochester und Halifax, zu gleicher Zeit gekommen zu sein. Sie
zogen Beide unabhängig von einander die Bischöfe deshalb zu Rathe. Diese
zollten dem Vorschlage warmen Beifall. Es wurde nun darauf angetragen,
eine Generalversammlung der Peers anzuberaumen, um über die Form der dem
Könige zu überreichenden Adresse zu berathen. Es war gerade Terminzeit
der Gerichtshöfe, und zu dieser Zeit war Westminsterhall jeden Tag von
hochgestellten und vornehmen Männern angefüllt, wie gegenwärtig die
Clubs in Pall Mall und St. James Street. Nichts war leichter, als daß
die dort versammelten Lords sich zu einer Berathung in ein Nebenzimmer
begaben. Allein es erhoben sich unerwartete Schwierigkeiten. Halifax
wurde zuerst kalt und dann sogar der Sache abgeneigt. Es lag in seiner
Natur, gegen Alles Einwendungen zu entdecken und in gegenwärtigem Falle
wurde seine Erfindungsgabe durch die Eifersucht noch besonders
geschärft. Der Plan, der seinen Beifall gehabt hatte, so lange er ihn
als seinen eigenen betrachtete, begann ihm zu mißfallen, sobald er
entdeckte, daß es auch der Plan Rochester's war, der ihm so lange
hinderlich im Wege gestanden und ihn endlich verdrängt hatte, und gegen
den er eine so starke Abneigung empfand, als er bei seinem sanften
Character überhaupt gegen Jemanden empfinden konnte. Nottingham stand
damals bedeutend unter Halifax' Einflusse. Sie erklärten Beide, daß sie
die Adresse nicht unterzeichnen würden, wenn Rochester sie mit
unterzeichnete. Clarendon's Vorstellungen blieben erfolglos. »Es ist
nicht meine Absicht,« sagte Halifax, »Mylord Rochester zu beleidigen,
aber er ist Mitglied der kirchlichen Commission gewesen, die Proceduren
dieses Gerichtshofes werden bald einer strengen Untersuchung unterzogen
werden, und es ist unpassend, daß ein Mann, der einen Sitz darin
eingenommen hat, sich an unseren Maßregeln betheiligt.« Nottingham
sprach unter lebhaften Versicherungen seiner persönlichen Hochachtung
für Rochester die nämliche Ansicht aus. Die Autorität der beiden
dissentirenden Lords hielt mehrere andere Kavaliere ab, die Petition zu
unterschreiben; aber die Hyde und die Bischöfe blieben bei ihrem
Vorhaben. Es kamen neunzehn Unterschriften zusammen und die Petenten
begaben sich +in pleno+ zu dem Könige.[115]
Er nahm ihre Adresse sehr ungnädig auf. Er versicherte zwar, daß er
selbst den Zusammentritt eines freien Parlaments dringend wünsche und
versprach ihnen auf sein königliches Wort, ein solches einzuberufen,
sobald der Prinz von Oranien die Insel wieder verlassen haben würde.
»Aber,« setzte er hinzu, »wie kann ein Parlament frei sein, so lange ein
Feind im Lande ist und nahe an hundert Stimmen gewinnen kann?« Zu den
Prälaten sprach er mit besonderer Gereiztheit. »Neulich,« sagte er,
»konnte ich Sie nicht dazu bewegen, Sich gegen die Invasion zu erklären;
jetzt aber sind Sie völlig bereit, Sich gegen mich zu erklären. Damals
wollten Sie Sich nicht in die Politik mischen; heute tragen Sie kein
Bedenken mehr, Sich in dieselbe zu mischen. Sie haben den Geist der
Empörung unter Ihren Heerden erregt, und jetzt schüren Sie ihn noch an.
Sie würden Ihre Zeit besser anwenden, wenn Sie sie lehrten mir zu
gehorchen, anstatt daß Sie mich lehren wollen zu regieren.« Sehr
aufgebracht war er auch gegen seinen Neffen Grafton, dessen Name
unmittelbar unter Sancroft's Namen stand, und er sagte mit großer
Heftigkeit zu dem jungen Manne: »Sie verstehen nichts von Religion, Sie
kümmern Sich auch gar nicht darum, und doch wollen Sie behaupten, daß
Sie ein Gewissen haben!« -- »Es ist wahr, Sire,« erwiederte Grafton mit
schamloser Offenheit, »ich habe sehr wenig Gewissen; aber ich gehöre
einer Partei an, die sehr viel hat«.[116]
So gereizt die Sprache des Königs gegen die Bischöfe selbst war, so
wurde sie doch noch viel bitterer, nachdem sie sich entfernt hatten. In
der Hoffnung, sein pflichtvergessenes und undankbares Volk zufrieden zu
stellen, sagte er, habe er schon viel zu viel gethan. Der Gedanke an
Zugeständnisse sei ihm von jeher verhaßt gewesen, doch er habe sich
überreden lassen, und jetzt habe er wie sein Vater gesehen, daß
Zugeständnisse die Unterthanen nur noch anspruchsvoller machten. Er
wolle nun aber nichts mehr bewilligen, kein Atom, welche letzten zwei
Worte er seiner Gewohnheit nach mehrere Male mit Heftigkeit wiederholte.
Er wolle den Angreifern nicht nur keine Eröffnungen machen, sondern auch
keine von ihnen annehmen. Sollten die Holländer Parlamentaire schicken,
so würde der erste ohne Antwort zurückgeschickt und der zweite gehängt
werden.[117]
[Anmerkung 115: +Clarendon's Diary vom 8. bis 17. Nov. 1688.+]
[Anmerkung 116: +Clarke's Life of James the Second, II. 212. Orig.
Mem.+; +Clarendon's Diary, Nov. 17. 1688+; Citters, 20.(30.) Nov.;
+Burnet, I. 791+; +Some Reflections upon the most Humble Petition
to the King's most Excellent Majesty, 1688+; +Modest Vindication
of the Petition+; +First Collection of Papers relating to English
Affairs, 1688.+]
[Anmerkung 117: Adda, 19.(29.) Nov. 1688.]
[_Der König begiebt sich nach Salisbury._] In dieser Stimmung reiste
Jakob nach Salisbury ab. Sein letzter Act vor seiner Abreise war die
Ernennung eines Rathes von fünf Lords, die ihn während seiner
Abwesenheit in London vertreten sollten. Zwei davon waren Papisten und
deshalb gar nicht befähigt zu diesem Amte. Ihnen zur Seite stand
Jeffreys, zwar ein Protestant, aber von der Nation mehr verabscheut, als
irgend ein Papist. Gegen die übrigen zwei Mitglieder des Collegiums,
Preston und Godolphin, war nichts Erhebliches einzuwenden. An dem Tage,
an welchem der König London verließ, wurde der Prinz von Wales nach
Portsmouth geschickt. Diese Festung hatte eine starke Besatzung und
Berwick war Gouverneur. Die von Dartmouth commandirte Flotte lag nahe
zur Hand, und so hoffte man, wenn die Dinge eine unglückliche Wendung
nahmen, den kleinen Prinzen ohne Schwierigkeit von Portsmouth nach
Frankreich bringen zu können.[118]
Am Neunzehnten traf der König in Salisbury ein und stieg im
bischöflichen Palaste ab. Von allen Seiten kamen ihm nun in rascher
Aufeinanderfolge schlimme Nachrichten zu. Die westlichen Grafschaften
hatten sich endlich erhoben. Sobald Cornbury's Abfall bekannt wurde,
faßten sich viele reiche Grundeigenthümer ein Herz und eilten nach
Exeter. Unter ihnen befand sich Sir Wilhelm Portman von Bryanstone,
einer der angesehensten Männer von Dorsetshire, und Sir Franz Warre von
Hestercombe, der in Somersetshire großen Einfluß hatte.[119]
[Anmerkung 118: +Clarke's Life of James, 220, 221.+]