»Niemand hätte anders zu Werke gehen können als Sie es gethan
haben. Ich bin überzeugt, daß alle erfahrenen Seeleute der
nämlichen Meinung sein müssen.« Siehe dagegen +Clarke's Life of
James, II. 207. Orig. Mem.+]
[_Sein Einzug in Exeter._] In Exeter herrschte inzwischen große
Aufregung. Sobald der Bischof Lamplugh erfuhr, daß die Holländer in der
Torbai angekommen waren, eilte er in Todesangst nach London. Der Dechant
entfloh aus der Dechanei. Die Behörden waren für den König, die große
Masse der Einwohner für den Prinzen. Alles gerieth in die größte
Bestürzung, als am Morgen des 8. November ein Truppencorps unter
Mordaunt's Commando vor der Stadt erschien. Mit Mordaunt zugleich kam
Burnet, dem Wilhelm aufgetragen hatte, die Geistlichkeit der Kathedrale
vor Beleidigungen und Insulten zu schützen.[99] Der Mayor und die
Aldermen hatten die Thore schließen lassen, öffneten sie aber auf die
erste Aufforderung. Die Dechanei wurde zum Empfang des Prinzen
eingerichtet. Am folgenden Tage, Freitag den neunten, kam er an. Die
Behörden waren dringend aufgefordert worden, ihn am Thore der Stadt mit
Gepränge zu empfangen, hatten dies aber beharrlich verweigert. Der Pomp
dieses Tages konnte sie auch entbehren. Ein solches Schauspiel hatte
Devonshire noch nie gesehen. Viele kamen eine halbe Tagereise weit
herbei, um den Vorkämpfer ihres Glaubens zu begrüßen. Alle umliegenden
Dörfer sandten ihre Einwohnerschaft. Eine große Volksmenge,
hauptsächlich aus jungen Landleuten bestehend, die ihre Knotenstöcke
schwangen, hatte sich auf dem Gipfel des Haldonhügels versammelt, wo die
von Chudleigh kommende Armee zum ersten Male das reiche Thal der Exe und
die beiden massiven Thürme erblickte, welche aus der über der Hauptstadt
des Westens lagernden Rauchwolke emporragten. Der ganze Weg den Abhang
hinunter über die Ebene bis aus Ufer des Flusses war in seiner ganzen
Länge mit Zuschauern bedeckt. Vom Westthore bis zum Domplatze war das
Gedränge und der Jubel allenthalben so groß, daß anwesende Londoner sich
dabei an den Umzug des Lordmayors erinnerten. Die Häuser waren festlich
geschmückt und alle Thüren, Fenster, Balcons und Dächer mit Zuschauern
besetzt. Ein an kriegerischen Pomp gewöhntes Auge würde jedoch an dem
Schauspiele mancherlei zu tadeln gefunden haben, denn mehrere
beschwerliche Tagemärsche bei Regenwetter und auf Straßen, wo ein
Fußgänger bei jedem Schritte bis über die Knöchel in den Schmutz
einsank, hatten das Aussehen der Mannschaften und ihrer Monturstücke
eben nicht verbessert. Die Bevölkerung von Devonshire aber, welche an
den Glanz wohlgeordneter Feldlager durchaus nicht gewöhnt war, wurde von
Freude und Ehrfurcht überwältigt. Beschreibungen des kriegerischen
Schauspiels wurden im ganzen Lande verbreitet, und sie enthielten
Vieles, was wohl geeignet war, den Geschmack des gemeinen Volks an
Wunderdingen zu befriedigen. Denn die holländische Armee, aus Männern
zusammengesetzt, die unter verschiedenen Himmelsstrichen geboren waren
und unter verschiedenen Fahnen gedient hatten, gewährte Inselbewohnern,
welche größtentheils sehr undeutliche Begriffe von fremden Ländern
hatten, einen zugleich grotesken, prächtigen und furchtbaren Anblick.
Voran ritt Macclesfield an der Spitze von zweihundert Gentlemen meist
britischer Abkunft, mit blitzenden Helmen und Brustharnischen, auf
flämischen Schlachtrossen reitend. Jeder von ihnen hatte einen aus den
Zuckerplantagen der Küste von Guiana mitgebrachten Neger bei sich. Die
Bürger von Exeter, welche noch nie so viele Exemplare der afrikanischen
Menschenrace beisammengesehen hatten, betrachteten mit Staunen die
schwarzen Gesichter, welche durch gestickte Turbane und weiße Federn
noch mehr hervorgehoben wurden. Dann kam eine Schwadron schwedischer
Reiter mit gezogenen breiten Schwertern in schwarzer Rüstung und
Pelzmänteln. Sie erweckten ganz besonderes Interesse, denn man sagte,
daß sie aus einem Lande stammten, wo das Meer zugefroren und es die
Hälfte des ganzen Jahres hindurch Nacht sei, und daß sie die riesigen
Bären, deren Felle sie trugen, selbst erlegt hätten. Hierauf folgte,
umgeben von einer eleganten Truppe Gentlemen und Pagen das hoch
getragene Banner des Prinzen. Auf den breiten Falten desselben las die
Menge, welche Fenster und Dächer besetzt hielt, mit Wonne die
denkwürdige Inschrift: »Die protestantische Religion und die Freiheiten
Englands.« Der Jubel steigerte sich noch, als der Prinz selbst, mit
Brust- und Rückenharnisch und einer weißen Feder geschmückt auf seinem
weißen Streitrosse erschien. Mit welchem kriegerischen Anstande er sein
Pferd lenkte, wie sinnend und gebieterisch der Ausdruck seiner breiten
Stirn und seines Falkenauges war, kann man noch heute an Kneller's
Portrait von ihm sehen. Einmal milderten sich seine ernsten Gesichtszüge
zu einem Lächeln, als eine alte Frau, vielleicht eine von den eifrigen
Puritanerinnen, welche durch achtundzwanzig Jahre der Verfolgung im
festen Glauben auf den Trost Israels ausgeharrt hatte, vielleicht die
Mutter eines Rebellen, der in der blutigen Schlacht von Sedgemoor oder
bei dem noch fürchterlicheren Gemetzel der blutigen Assisen umgekommen
war, sich hervordrängte, sich mitten unter die gezogenen Schwerter und
bäumenden Rosse stürzte, die Hand des Befreiers berührte und ausrief,
daß sie jetzt glücklich sei. Nicht weit von dem Prinzen ritt ein Mann,
der mit ihm die aufmerksamen Blicke der Menge theilte. Das, sagte man,
sei der große Graf Schomberg, der erste Soldat in Europa, seitdem
Turenne und Condé nicht mehr wären, der Mann, dessen Genie und
Tapferkeit die portugiesische Monarchie auf dem Schlachtfelde von Montes
Claros gerettet, der Mann, der sich noch höheren Ruhm dadurch erworben,
daß er um seines Glaubens willen den Stab eines Marschalls von
Frankreich niedergelegt. Man hatte nicht vergessen, daß die beiden
Helden, welche, durch ihren gemeinsamen Protestantismus unauflöslich
aneinander gekettet, jetzt zusammen in Exeter einzogen, vor zwölf Jahren
einander unter den Mauern von Mastricht gegenüberstanden und daß damals
der Feuereifer des jungen Prinzen dem kalten Wissen des Veteranen, der
jetzt als Freund an seiner Seite ritt, nicht gewachsen war. Dann kam
eine lange Colonne des bärtigen Fußvolks der Schweizer, die sich seit
zwei Jahrhunderten in allen festländischen Kriegen durch vorzügliche
Tapferkeit und Disciplin ausgezeichnet, aber bis diesen Augenblick noch
nie auf englischem Boden gesehen worden waren. Hinter ihnen folgte eine
Reihe von Truppencorps, welche nach ihren Anführern Bentinck, Solms und
Ginkell, Talmash und Mackay genannt wurden. Mit besonderem Vergnügen
mochten die Engländer ein tapferes Regiment betrachten, das noch den
Namen des verehrten und bedauerten Ossory führte. Der Eindruck des
ganzen Schauspiels wurde noch erhöht durch die Erinnerung an die
denkwürdigen Ereignisse, an denen viele von den Kriegern, welche jetzt
durch das Westthor einmarschirten, Theil genommen. Denn sie hatten ganz
andren Dienst gesehen, als den der Miliz von Devonshire oder des Lagers
von Hounslow. Einige von ihnen hatten den ungestümen Angriff der
Franzosen auf dem Schlachtfelde von Seneff zurückgeschlagen, und Andere
hatten an jenem hochwichtigen Tage, an welchem die Belagerung von Wien
aufgehoben wurde, für das Christenthum mit den Ungläubigen die Schwerter
gekreuzt. Selbst die Sinne der Menge wurden durch die Einbildungskraft
getäuscht. Neuigkeitsbriefe verbreiteten nach allen Gegenden des Reichs
fabelhafte Berichte von der Gestalt und Körperkraft der Eingedrungenen.
Es wurde versichert, daß sie mit wenigen Ausnahmen sechs Fuß lang seien
und daß sie so große Lanzen, Schwerter und Musketen trügen, wie man sie
noch nie in England gesehen hätte. Das Erstaunen der Menge verminderte
sich nicht, als die Artillerie ankam, bestehend aus einundzwanzig
kolossalen ehernen Geschützen, deren jedes von sechzehn Lastpferden mit
Mühe fortgeschleppt wurde. Große Bewunderung erregte ein sonderbares,
auf Rädern ruhendes Gebäude. Es war eine ambulante Feldschmiede mit
allen zur Ausbesserung von Waffen und Fuhrwerken nöthigen Werkzeugen und
Materialien versehen. Nichts aber wurde mit so großem Erstaunen
betrachtet, als die Brücke von Böten, welche zum Übersetzen der Wagen
mit großer Leichtigkeit über die Exe geschlagen und dann eben so schnell
wieder auseinandergenommen wurde, um weiter transportirt zu werden. Wenn
man dem Gerücht glauben durfte, war sie nach einem Muster angefertigt,
welches die an der Donau gegen die Türken kämpfenden Christen erfunden
hatten. Die Fremden erweckten eben so große Zuneigung als Bewunderung.
Ihr umsichtiger Führer sorgte dafür, die Einquartierungen so zu
vertheilen, daß die Bewohner von Exeter und der umliegenden Ortschaften
so wenig als möglich belästigt wurden. Es wurde die strengste
Kriegszucht gehandhabt, und nicht allein Plünderung und
Gewaltthätigkeiten wirksam verhindert, sondern auch den Truppen
eingeschärft, daß sie sich gegen Jedermann, weß Standes er auch sei,
artig zu benehmen hätten. Diejenigen, die sich ihre Vorstellungen von
einer Armee nach dem Verfahren Kirke's und seiner Lämmer gebildet
hatten, waren ganz erstaunt, Soldaten zu sehen, welche niemals eine
Hausfrau barsch anfuhren und kein Ei nahmen ohne es zu bezahlen. In
Anerkennung dieses gesitteten Benehmens lieferte das Volk den Truppen
Lebensmittel im Überfluß und zu mäßigem Preise.[100]
Sehr viel hing von dem Verfahren ab, welches in dieser wichtigen Krisis
die Geistlichkeit der anglikanischen Kirche beobachtete, und die
Mitglieder des Kapitels von Exeter waren die Ersten, welche aufgefordert
wurden, ihre Gesinnungen offen zu erklären. Burnet kündigte den
Canonici, welche durch die Flucht des Dechanten ihres Vorgesetzten
beraubt waren, an, daß sie hinfüro das Gebet für den Prinzen von Wales
nicht mehr sprechen dürften und daß zu Ehren der glücklichen Ankunft des
Prinzen von Oranien ein feierlicher Gottesdienst gehalten werden müßte.
Die Canonici fanden es nicht für gut, in ihren Chorstühlen zu
erscheinen; aber einige von den Chorsängern und Pfründnern waren
anwesend. Wilhelm begab sich mit militairischem Gepränge in die
Kathedrale. Als er die prächtige Vorhalle betrat, ließ die berühmte
Orgel, welche kaum von einer einzigen von denjenigen übertroffen wird,
die der Stolz seines Geburtslandes sind, Triumphklänge ertönen. Er
bestieg den Bischofssitz, einen prachtvollen Thron mit reichem
Schnitzwerk aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Burnet stand am Fuße
desselben und zu beiden Seiten versammelte sich ein zahlreiches Gefolge
von Kriegern und Kavalieren. Die weißgekleideten Sänger stimmten das
Tedeum an. Als der Gesang, zu Ende war, las Burnet die Erklärung des
Prinzen vor; kaum aber hatte er die ersten Worte derselben gesprochen,
so drängten sich Geistliche und Sänger eiligst aus dem Chore. Am
Schlusse rief Burnet mit lauter Stimme: »Gott erhalte den Prinzen von
Oranien!« und viele Stimmen antworteten feierlich: »Amen!«[101]
Am Sonntag, den 11. November, predigte Burnet vor dem Prinzen in der
Kathedrale und sprach über die sichtbare Gnade, welche Gott der
englischen Kirche und Nation gewährt. Um dieselbe Zeit ereignete sich in
einem bescheideneren Gotteshause ein sonderbarer Vorfall. Ferguson hatte
sich vorgenommen, in dem presbyterianischen Versammlungshause zu
predigen. Der Geistliche und die Ältesten wollten dies nicht zugeben;
aber der heftige und halbwahnsinnige Schurke, der wahrscheinlich die
Zeiten Fleetwood's und Harrison's zurückgekehrt glaubte, erbrach die
Thür, schritt mit dem Schwert in der Hand durch die Versammlung, bestieg
die Kanzel und hielt eine heftige Schmährede gegen den König. Die Zeit
für solche Albernheiten war vorüber und der Skandal erregte nur Spott
und Widerwillen.[102]
[Anmerkung 99: +Burnet, I. 790.+]
[Anmerkung 100: Siehe in Whittle's Tagebuch die Expedition Seiner
Hoheit und den um diese Zeit erschienenen Brief von Exon. Ich habe
selbst zwei geschriebene Neuigkeitsbriefe gesehen, in denen der
Einzug des Prinzen in Exeter geschildert war. Einige Monate darauf
schrieb ein schlechter Dichter ein Theaterstück betitelt: »Die
letzte Revolution.« Eine Scene spielt in Exeter. »Bataillone von
der Armee des Prinzen auf ihrem Marsche in die Stadt treten mit
wehenden Fahnen, unter Trommelwirbel und Zujauchzen der Bürger
auf.« Ein Edelmann, Namens Misopapas spricht:
»Mylord, könnt Ihr Euch denken,
Wie furchtbar Schuld und Angst dem Hof geschildert
Eure Truppen? Man übertreibt die Zahl
Wie die Gestalt. Sechs Fuß soll jeder sein, gehüllt
In Bärenhaut, der Schweizer, Schwed' und Brandenburger.«
In einem Liede, das kurz nach dem Einzuge in Exeter erschien, sind
die Irländer im Vergleich mit den Riesen, welche Wilhelm
commandirte, als wahre Zwerge geschildert:
»O, Berwick, wehe Deinen Mannen,
Im Kampf mit dem Viaggio!
Gleich Zwergen wird man sie verhöhnen
Vor Brandenburgs und Schwedens Söhnen.
Coraggio. Coraggio!«
Addison erwähnt in seinem +Freeholder+ den außerordentlichen
Eindruck, den diese romantischen Schilderungen machten.]
[Anmerkung 101: +Expedition of the Prince of Orange+; +Oldmixon,
755+; +Whittle's Diary; Eachard, III. 911+; +London Gazette, Nov.
15. 1688.+]
[Anmerkung 102: +London Gazette, Nov. 15. 1688+; +Expedition of
the Prince of Orange.+]
[_Unterredung des Königs mit den Bischöfen._] Während dieser Vorgänge in
Devonshire herrschte in London große Gährung. Die Erklärung des Prinzen
war trotz aller Vorsichtsmaßregeln jetzt in Jedermanns Händen. Am 6.
November beschied Jakob, der noch immer nicht wußte, auf welchem Theile
der Küste die Eroberer gelandet waren, den Primas nebst drei anderen
Bischöfen, Compton von London, White von Peterborough und Sprat von
Rochester, zu einer Conferenz in sein Privatkabinet. Der König hörte die
warmen Loyalitätsversicherungen der Prälaten gnädig an und gab ihnen
sein Wort darauf, daß er sie nicht in Verdacht habe. »Aber wo ist die
Rechtfertigung, die Sie mir bringen sollten?« fragte er dann. »Sire,«
antwortete Sancroft, »wir haben keine solche mitgebracht, denn wir
drängen uns nicht danach, uns vor der Welt rein zu waschen. Es ist uns
nichts Neues, daß wir verleumdet und fälschlich angeklagt werden. Unser
Gewissen und Eure Majestät sprechen uns frei: dies genügt uns.« -- »Ja,«
entgegnete der König, »aber eine Erklärung von Ihnen ist um meinetwillen
nothwendig.« Hierauf zeigte er den Prälaten ein Exemplar von dem
Manifeste des Prinzen und sagte: »Lesen Sie, wie hier von Ihnen
gesprochen ist« -- »Sire,« versetzte einer von den Bischöfen, »nicht
Einer unter Fünfhundert hält dieses Manifest für ächt.« -- »Nein!« rief
der König mit Heftigkeit; »dann würden diese Fünfhundert den Prinzen
herbeirufen, um mich zu ermorden!« -- »Das wolle Gott verhüten!«
erwiederten die Prälaten einstimmig. Aber der niemals helle Verstand des
Königs war jetzt völlig verwirrt. Es war eine seiner Eigenheiten, daß,
wenn man seiner Ansicht nicht beipflichtete, er glaubte, man ziehe seine
Wahrhaftigkeit in Zweifel. »Dieses Papier wäre nicht ächt?« rief er aus,
indem er die Blätter umwendete. »Verdiene ich keinen Glauben? Hat mein
Wort gar keinen Werth?« -- »Jedenfalls, Sire,« sagte einer der Bischöfe,
»ist dies keine geistliche Angelegenheit, sondern sie gehört in das
Bereich der Civilgewalt. Gott hat Eurer Majestät das Schwert in die Hand
gegeben, und es kommt uns nicht zu, in Ihre Functionen einzugreifen.«
Dann sagte der Erzbischof mit der sanften und gemäßigten Ironie, welche
die schmerzlichsten Wunden schlägt, der König müsse ihn entschuldigen,
wenn er zu keinem politischen Schriftstück seine Hand leihe. »Ich und
meine Amtsbrüder, Sire,« setzte er hinzu, »haben für unsre Einmischung
in Staatsangelegenheiten schon hart genug büßen müssen, und wir werden
uns vor einem derartigen Wiederholungsfalle sorgfältig hüten. Wir
unterschrieben einst eine durchaus harmlose Petition, wir überreichten
dieselbe auf die ehrerbietigste Weise, und wir mußten erfahren, daß wir
ein schweres Verbrechen begangen hatten. Nur durch Gottes gnädigen
Schutz wurden wir vom Untergange gerettet. Und, Sire, der Grund, den
Eurer Majestät Fiskal und Prokurator damals anführten, war der, daß wir
außerhalb des Parlaments Privatleute seien und daß Privatleute eine
strafbare Anmaßung begingen, wenn sie sich in die Politik mischten. Sie
griffen uns mit einer solchen Heftigkeit an, daß ich meinestheils mich
für verloren hielt.« -- »Ich danke Ihnen für diese Lection, Mylord von
Canterbury,« sagte der König; »ich hätte gedacht, daß Sie sich nicht für
verloren halten würden, wenn Sie in meine Hände fielen.« Eine solche
Sprache würde einem milden Herrscher ganz wohl angestanden haben, aber
sie klang sehr sonderbar aus dem Munde eines Fürsten, der eine Frau
lebendig verbrannt hatte, weil sie einen seiner fliehenden Feinde bei
sich aufgenommen, und dessen eigner Neffe in nutzloser Verzweiflung
seine Knie flehend umschlungen hatte. Der Erzbischof ließ sich dadurch
nicht zum Schweigen bringen. Er fuhr in seiner Rede fort und zählte die
Beleidigungen auf, welche die Creaturen des Hofes der Kirche Englands
zugefügt, wobei die Verhöhnung seiner eigenen Schreibart besonders
hervorgehoben wurde. Der König wußte nichts weiter zu erwiedern, als daß
es unnütz sei vergangene Beschwerden wieder aufzuwärmen und daß er
geglaubt habe, diese Dinge seien völlig vergessen. Während er selbst nie
die geringste Beleidigung vergaß, war es ihm unbegreiflich, wie Andere
nur einige Wochen lang die empfindlichste Beleidigung, die er jemals
zugefügt, im Gedächtniß behalten konnten.
Endlich kam das Gespräch wieder auf den Punkt, von dem es ausgegangen
war. Der König bestand darauf, daß die Bischöfe öffentlich ihren Abscheu
gegen das Unternehmen des Prinzen erklären sollten. Unter zahlreichen
Versicherungen der unterwürfigsten Loyalität weigerten sie sich dessen
beharrlich. Der Prinz, sagten sie, behaupte sowohl von weltlichen als
von geistlichen Peers eingeladen worden zu sein. Die Beschuldigung sei
gemeinsam, warum solle also nicht auch die Rechtfertigung gemeinsam
sein? »Ich errathe Alles,« sagte der König; »einige weltliche Peers sind
bei Ihnen gewesen und haben Sie überredet, mir in dieser Angelegenheit
einen Strich durch die Rechnung zu machen.« Die Bischöfe versicherten
feierlich, daß dem nicht so sei. Aber es würde sonderbar aussehen,
bemerkten sie, wenn in einer Frage, bei welcher hochwichtige politische
und militairische Rücksichten im Spiele seien, die weltlichen Peers
völlig übergangen würden und die Prälaten allein eine hervorragende
Rolle spielen sollten. »Ich will es nun einmal so,« entgegnete Jakob.
»Ich bin Ihr König und ich muß wissen, was das Zweckmäßigste ist. Ich
will meinen eigenen Weg gehen, und ich verlange von Ihnen, daß Sie mich
unterstützen.« Die Bischöfe versicherten ihn, daß sie vollkommen bereit
seien, ihn im Bereiche ihres Wirkungskreises zu unterstützen, als
christliche Geistliche mit ihren Gebeten und als Peers des Königreichs
mit ihrem parlamentarischen Rathe. Jakob, der weder die Gebete von
Ketzern, noch den Rath von Parlamenten brauchte, sah sich bitter
getäuscht. Nach einem langen Wortwechsel sagte er endlich: »Genug, ich
will Sie nicht weiter belästigen. Da Sie mir nicht beistehen wollen, muß
ich mich auf mich selbst und auf meine eigenen Waffen beschränken.«[103]
[Anmerkung 103: +Clarke's Life of James the Second, II. 210+;
+Sprat's Narrative+; Citters, 6.(16.) Nov. 1688.]
[_Ruhestörungen in London._] Kaum hatten die Bischöfe den König
verlassen, so brachte ein Courier die Nachricht, daß der Prinz von
Oranien am vorigen Tage in Devonshire gelandet sei. Während der
nächstfolgenden Woche war London in gewaltiger Aufregung. Am Sonntag,
den 11. November, verbreitete sich das Gerücht, daß in dem unter dem
Patronat des Königs zu Clerkenwell errichteten Kloster Messer, Bratroste
und Siedekessel versteckt wären, welche zur Folterung von Ketzern hätten
dienen sollen. Zahlreiche Menschenmassen belagerten das Gebäude und
schickten sich eben an, es zu demoliren, als eine Truppenabtheilung
ankam. Die Menge wurde auseinandergetrieben und mehrere von den
Aufwieglern wurden niedergemacht. Die Leichen der Gefallenen wurden von
einem Todtenschau-Gericht[104] untersucht, und dieses gab einen
Ausspruch ab, der für die allgemeine Volksstimmung sehr bezeichnend war.
Die Jury erklärte sich dahin, daß gewisse loyale und wohlgesinnte
Personen, welche ausgegangen seien, um eine Versammlung von
Landesverräthern und öffentlichen Feinden in einem Meßhause aufzuheben,
vorsätzlich von den Soldaten ermordet wären, und dieses sonderbare
Verdict war von sämmtlichen Geschwornen unterzeichnet. Die Mönche von
Clerkenwell, welche diese Symptome der Volksstimmung natürlich nicht
wenig beunruhigte, sorgten ängstlich für die Sicherung ihres Eigenthums.
Es gelang ihnen auch, den größten Theil ihres Mobiliars fortzuschaffen,
ehe dieses Vorhaben ruchbar geworden war. Endlich aber wurde der
Verdacht des Pöbels doch rege, die beiden letzten Lastwagen wurden in
Holborn angehalten und Alles was sich darauf befand, auf offener Straße
verbrannt. Die Angst unter den Katholiken war so groß, daß alle ihre
Gotteshäuser mit Ausnahme derjenigen, welche der königlichen Familie und
den auswärtigen Gesandten gehörten, geschlossen wurden.[105]
Im Ganzen hatten jedoch die Dinge bis jetzt noch kein für Jakob
ungünstiges Aussehen. Die Eingedrungenen befanden sich schon über eine
Woche auf englischem Boden und noch hatte sich keine hervorragende
Persönlichkeit ihnen angeschlossen. Weder im Norden noch im Osten war
ein Aufstand ausgebrochen; kein Diener der Krone schien noch seiner
Pflicht untreu geworden zu sein; die königliche Armee sammelte sich
rasch in Salisbury, und wenn sie auch dem Heere Wilhelm's in der
Kriegszucht nachstand, so war sie doch an Zahl demselben überlegen.
[Anmerkung 104: In England muß der Coroner bei unnatürlichen
Todesfällen eine Jury von zwölf Personen versammeln, welche
darüber zu entscheiden hat, ob ein Verbrechen begangen worden ist,
um in diesem Falle bei den zuständigen Gerichten Anzeige zu
machen. -- Der Übers.]
[Anmerkung 105: +Luttrell's Diary+; Neuigkeitsbrief in der
Mackintosh-Sammlung; Adda, 16.(26.) Nov. 1688.]