[_Seine Erklärung kommt in England an._] Seine Erklärung gelangte nur

einige Stunden vor seiner Ankunft nach England. Am 1. November begannen

die londoner Politiker heimlich davon zu flüstern, sie ging von Hand zu

Hand und wurde in die Briefkästen des Postamts geworfen. Einer der

Agenten wurde verhaftet und die Packete, die er zu besorgen hatte, nach

Whitehall gebracht. Der König las die Proklamation und sie machte einen

erschütternden Eindruck auf ihn. Sein erster Gedanke war, das Papier vor

jedem menschlichen Blicke zu verbergen. Er ließ daher sämmtliche ihm

überbrachte Exemplare bis auf eines verbrennen, und dieses eine wagte er

kaum aus den Händen zu geben.[87]

[Anmerkung 87: Citters, 2.(12.) Nov. 1688; Adda, 2.(12.) Nov.]

[_Jakob befragt die Lords._] Der Paragraph des Manifestes, der ihn am

meisten beunruhigte, war der, in welchem gesagt war, daß einige von den

geistlichen und weltlichen Peers den Prinzen von Oranien zu einem

Einfall in England aufgefordert hätten. Halifax, Clarendon und

Nottingham, welche gerade in London waren, wurden sogleich in den Palast

beschieden und über diesen Punkt befragt. Halifax weigerte sich anfangs,

eine Antwort zu geben, obgleich er sich seiner Unschuld bewußt war.

»Eure Majestät fragt mich, ob ich einen Hochverrath begangen habe,«

sagte er. »Wenn ich eines solchen verdächtig bin, so lassen Sie mich vor

den Gerichtshof meiner Peers stellen. Kann Eure Majestät der Antwort

eines Angeklagten, dessen Leben auf dem Spiele steht, Glauben schenken?

Selbst wenn ich Seine Hoheit ersucht hätte herüberzukommen, würde ich

mich ohne Bedenken für nichtschuldig erklären.« Der König erwiederte

ihm, daß er ihn durchaus nicht als einen Angeklagten betrachte, sondern

ihn nur gefragt habe, wie ein Gentleman einen Andren, der verleumdet

worden sei, frage, ob die Verleumdung irgend eine Begründung habe. »In

diesem Falle,« sagte Halifax, »nehme ich als Gentleman, der mit einem

Gentleman spricht, keinen Anstand, bei meiner Ehre, die mir eben so

heilig ist als ein Eid, zu versichern, daß ich den Prinzen von Oranien

nicht veranlaßt habe herüberzukommen.«[88] Clarendon und Nottingham

sagten das Nämliche. Noch mehr wünschte der König, die Gesinnung der

Prälaten zu ergründen. Wenn diese ihm feindlich gesinnt waren, dann war

sein Thron wirklich in Gefahr. Aber das konnte nicht sein. Daß ein

Bischof der anglikanischen Kirche sich gegen seinen Souverain empören

sollte, war etwas Unerhörtes. Compton wurde ins königliche Kabinet

gerufen und gefragt, ob der Prinz den geringsten Grund zu seiner

Behauptung habe. Der Bischof war in Verlegenheit, denn er gehörte zu den

Sieben, welche die Einladung unterzeichnet hatten, und sein nicht sehr

weites Gewissen wollte ihm wahrscheinlich nicht gestatten, eine positive

Unwahrheit zu sagen. »Sire,« antwortete er, »ich bin fest überzeugt, daß

es unter meinen Amtsbrüdern keinen giebt, der in dieser Angelegenheit

nicht eben so schuldlos wäre, als ich selbst.« Die Zweideutigkeit war

gut ersonnen; ob aber der Unterschied zwischen der Sünde einer solchen

Zweideutigkeit und der Sünde einer Lüge irgend eines Aufwandes von

Erfindungsgeist werth war, mag vielleicht bezweifelt werden. Der König

war zufriedengestellt. »Ich spreche Sie Alle vollkommen frei,« sagte er;

»aber ich halte es für nöthig, daß Sie öffentlich die ehrenrührige

Beschuldigung zurückweisen, die Ihnen in der Erklärung des Prinzen zur

Last gelegt wird.« Der Bischof bat natürlich darum, das Papier lesen zu

dürfen, dem er widersprechen sollte; der König aber wollte ihn keinen

Blick darauf werfen lassen.

Am folgenden Tage erschien eine Proklamation, in der einem Jeden, der es

wagen sollte, Wilhelm's Manifest zu verbreiten, oder es auch nur zu

lesen, die härtesten Strafen angedroht wurden.[89] Der Primas und die

wenigen in London anwesenden geistlichen Peers waren vor den König

beschieden worden. Preston war, mit der Erklärung des Prinzen in der

Hand, bei der Audienz zugegen. »Mylords,« sagte der König, »hören Sie

folgende Stelle. Dieselbe geht Sie an.« Preston las nun den Paragraph

vor, in welchem die geistlichen Peers erwähnt waren. »Ich glaube kein

Wort von dem Allen,« fuhr der König fort; »ich bin von Ihrer Unschuld

überzeugt; aber ich halte es für nöthig Ihnen mitzutheilen, wessen Sie

beschuldigt sind.«

Der Primas erklärte dem Könige mit vielen Versicherungen der

Ehrerbietung, daß Seine Majestät ihm nur Gerechtigkeit widerfahren

lasse. »Ich bin als treuer Unterthan Eurer Majestät geboren,« sagte er,

»und ich habe meine Unterthanentreue zu wiederholten Malen eidlich

bekräftigt. Ich kann nur einen König auf einmal haben. Ich habe den

Prinzen nicht eingeladen herüberzukommen, und ich glaube nicht, daß ein

einziger von meinen Amtsbrüdern es gethan hat.« -- »Ich weiß gewiß, daß

ich es nicht gethan habe,« sagte Crewe von Durham. »Ich auch,« setzte

Cartwright von Chester hinzu. Crewe und Cartwright konnte man wohl

glauben, denn sie hatten Beide in der Hohen Commission gesessen. Als

Compton an die Reihe kam, umging er die Frage mit einer Gewandtheit, um

die ihn ein Jesuit hätte beneiden können. »Ich gab schon gestern Eurer

Majestät meine Antwort.«

Jakob wiederholte ihnen immer und immer wieder, daß er sie alle

vollkommen freispreche. Trotzdem dürfte es aber doch für ihn nützlich

und zu ihrer Ehrenrettung nöthig sein, daß sie sich öffentlich

rechtfertigten. Er verlangte daher von ihnen die schriftliche Erklärung,

daß sie den Plan des Prinzen verabscheuten. Sie schwiegen, ihr

Stillschweigen wurde als Zustimmung betrachtet und sie durften sich

entfernen.[90]

[Anmerkung 88: Ronquillo, 12.(22.) Nov. 1688. +»Estas

respuestas,«+ sagt Ronquillo, +»son ciertas, aunque mas las

encubrian en la corte.«+]

[Anmerkung 89: +London Gazette, Nov. 5. 1688.+ Die Proklamation

ist vom 2. Nov. datirt.]

[Anmerkung 90: +Tanner MSS.+]

[_Wilhelm geht zum zweiten Male unter Segel._] Unterdessen schwamm

Wilhelm's Flotte auf der Nordsee. Am Abend des Donnerstag, den 2.

November, ging er wieder unter Segel. Der Wind blies frisch aus Osten.

Zwölf Stunden lang steuerte die Flotte in nordwestlicher Richtung. Die

von dem englischen Admiral auf Recognoscirung ausgesandten leichten

Fahrzeuge brachten Nachrichten, welche die vorherrschende Ansicht, daß

der Feind in Yorkshire zu landen versuchen werde, bestätigten. Plötzlich

aber machte die ganze Flotte auf ein vom Schiffe des Prinzen gegebenes

Signal eine Wendung und steuerte nach dem britischen Kanal. Der nämliche

Wind, der die Reise der Angreifer begünstigte, verhinderte Dartmouth,

aus der Themse auszulaufen. Seine Schiffe mußten Raaen und Stengen

einziehen, und zwei von seinen Fregatten, welche die hohe See gewonnen

hatten, wurden von dem heftigen Sturme arg zugerichtet und in den Fluß

zurückgetrieben.

Inzwischen segelte die holländische Flotte rasch vor dem Winde und

erreichte die Meerenge am Samstag den 3. November ungefähr um zehn Uhr

Morgens. Wilhelm selbst fuhr mit der »Brill« voraus, und mehr als

sechshundert Fahrzeuge folgten ihm mit vollen Segeln. Die

Transportschiffe befanden sich in der Mitte, und die Kriegsschiffe, über

fünfzig an Zahl, bildeten den äußeren Wehrgürtel. Herbert befehligte die

ganze Flotte unter dem Titel eines Generallieutenant-Admirals. Sein

Schiff segelte unter der Nachhut und viele englische Seeleute, die von

Haß gegen den Papismus erfüllt und durch hohen Sold angelockt waren,

dienten unter ihm. Es hatte dem Prinzen viele Mühe gekostet einige hohe

holländische Offiziere dazu zu bewegen, daß sie sich dem Oberbefehl

eines Ausländers unterwarfen. Diese Anordnung aber war höchst weise. Auf

der Flotte des Königs herrschte große Unzufriedenheit und ein glühender

Eifer für den protestantischen Glauben. Aber innerhalb der Erinnerung

alter Seeleute hatten die holländische und die englische Flotte dreimal

mit heldenmüthiger Tapferkeit und wechselndem Glücke um die Herrschaft

auf der See gekämpft. Unsere Seeleute hatten den Besen noch nicht

vergessen, mit dem Van Tromp den Kanal zu fegen gedroht hatte, und eben

so wenig das Feuer, welches De Ruyter auf den Werften des Medway

angezündet. Hätten sich die beiden rivalisirenden Nationen noch einmal

auf dem Elemente begegnet, auf welchem jede von ihnen die Herrschaft für

sich in Anspruch nahm, so würde die gegenseitige Erbitterung keinen

andren Gedanken haben aufkommen lassen. Eine blutige und hartnäckige

Schlacht würde stattgefunden haben und eine Niederlage wäre für Wilhelm

der Todesstoß gewesen. Selbst ein Sieg würde alle seine tief

durchdachten politischen Pläne zerstört haben. Er hatte daher

wohlweislich beschlossen, die Verfolger, falls er mit ihnen

zusammentreffen sollte, in ihrer Muttersprache zu begrüßen und sie durch

einen Admiral, unter dem sie gedient hatten, und den sie hochachteten,

bitten zu lassen, daß sie nicht gegen alte Kameraden für papistische

Tyrannei fechten sollten. Eine solche Aufforderung konnte möglicherweise

einem Zusammenstoße vorbeugen. Erfolgte aber dennoch ein solcher, so

standen wenigstens zwei englische Befehlshaber einander gegenüber, und

der Stolz der Inselbewohner wurde nicht verwundet, wenn sie erfuhren,

daß Dartmouth vor Herbert hatte die Flagge streichen müssen.[91]

[Anmerkung 91: Avaux, 12.(22.) Juli u. 14.(24.) Aug. 1688. Herr de

Jonge, der mit den Nachkommen des holländischen Admirals Evertson

verwandt ist, hat die Gefälligkeit gehabt, mir einige aus

Familienpapieren entnommene interessante Notizen mitzutheilen. In

einem vom 6.(16.) Sept. 1688 datirten Briefe an Bentinck legt

Wilhelm ein großes Gewicht auf die Nothwendigkeit, einen

Zusammenstoß zu vermeiden und bittet Bentinck darum, dies Herbert

vorzustellen. +»Ce n'est pas le tems de faire voir sa bravoure, ni

de se battre si l'on le peut éviter. Je luy l'ai déjà dit, mais il

sera nécessaire que vous le répétiez, et que vous le luy fassiez

bien comprendre.«+]

[_Er passirt die Meerenge._] Zum Glück war Wilhelm's Vorsicht

überflüssig. Bald nach Mittag passirte er die Meerenge. Seine Flotte

breitete sich auf eine Meile Entfernung von Dover im Norden und von

Calais im Süden aus. Die Kriegsschiffe auf der äußersten Rechten und der

äußersten Linken begrüßten beide Festungen gleichzeitig. Die Truppen

traten auf dem Verdeck unters Gewehr, und das Geschmetter der Trompeten,

der Klang der Cymbeln und der Trommelwirbel wurden an der englischen und

der französischen Küste zu gleicher Zeit deutlich gehört. Eine unzählige

Menge Neugieriger verdunkelte das weiße Gestade von Kent. Eine nicht

minder zahlreiche Menge bedeckte die Küste der Picardie. Rapin de

Thoyras, der durch Verfolgung aus seinem Vaterlande vertrieben, in der

holländischen Armee Dienste genommen hatte und den Prinzen nach England

begleitete, schilderte viele Jahre später das Schauspiel als das

prächtigste und erhabenste, das je ein menschliches Auge gesehen. Bei

Sonnenuntergang befand sich die Flotte auf der Höhe von Beachy Head.

Jetzt wurden die Lichter angezündet. Das Meer strahlte davon viele

Meilen im Umkreise. Aber die Blicke aller Steuermänner waren die ganze

Nacht hindurch auf drei kolossale Laternen gerichtet, welche am Spiegel

der »Brill« leuchteten.[92]

Unterdessen war von Dover ein Courier nach Whitehall abgeschickt worden

mit der Nachricht, daß die holländische Flotte die Meerenge passirt habe

und westwärts steure. Dies machte eine sofortige Abänderung aller

militairischen Anordnungen nöthig. Nach allen Richtungen hin wurden

Eilboten ausgesandt, die Offiziere mitten in der Nacht aus den Betten

geholt. Am Sonntag Morgen um drei Uhr fand in Hyde Park eine große

Musterung bei Fackelschein statt. In der Voraussetzung, daß Wilhelm in

Yorkshire landen werde, hatte der König mehrere Regimenter nach dem

Norden geschickt. Es wurden unverzüglich Expresse abgefertigt, um sie

zurückzurufen. Alle Truppen bis auf diejenigen, welche zur

Aufrechthaltung der Ruhe in der Hauptstadt nöthig waren, wurden nach dem

Westen beordert. Salisbury war zum Sammelplatz bestimmt; da man es aber

für möglich hielt, daß Portsmouth der erste Angriffspunkt werden könnte,

so brachen drei Bataillone Garden und ein starkes Kavalleriecorps nach

dieser Festung auf. In einigen Stunden erfuhr man, daß Portsmouth sicher

sei, und die Truppen erhielten deshalb sofort den Befehl, umzukehren und

nach Salisbury zu eilen.[93]

[Anmerkung 92: +Rapin's History+; +Whittle's Exact Diary+. Ich

habe einen aus der damaligen Zeit herrührenden Plan von der

Ordnung gesehen, in welcher die Flotte segelte.]

[Anmerkung 93: Adda, 5.(15.) Nov. 1688; Neuigkeitsbrief in der

Mackintosh-Sammlung; Citters, 6.(16.) Nov.]

[_Seine Landung bei Torbay._] Als der Sonntag, der 4. November, anbrach,

hatte die holländische Flotte die Klippen der Insel Wight in Sicht.

Dieser Tag war zu gleicher Zeit Wilhelm's Geburtstag und Hochzeitstag.

Während der ersten Stunden des Morgens wurden die Segel losgemacht und

auf den Schiffen Gottesdienst gehalten. Am Nachmittag und die Nacht

durch steuerte die Flotte in der bisher verfolgten Richtung weiter.

Torbay war der Ort, wo Wilhelm zu landen gedachte. Der Morgen des 5.

November war trübe und nebelig, so daß der Steuermann der »Brill« die

Seezeichen nicht erkennen konnte und die Flotte zu weit westlich führte.

Die Gefahr war groß. Dem Wind entgegen wieder umzukehren war unmöglich.

Der nächste Hafen war Plymouth, aber dort lag eine Garnison unter dem

Commando des Lord Bath. Diese konnte sich der Landung möglicherweise

widersetzen und ein Unfall konnte schlimme Folgen haben. Überdies konnte

man kaum daran zweifeln, daß die königliche Flotte jetzt die Themse

verlassen hatte und mit vollen Segeln dem Kanal zusteuerte. Russell

erkannte die ganze Größe der Gefahr und sagte zu Burnet: »Sie können

immer beten, Doctor. Es ist Alles vorbei.« In diesem Augenblicke sprang

der Wind um, es erhob sich eine leichte Südbrise, der Nebel zerstreute

sich, die Sonne schien, und bei dem matten Lichte eines

Herbstnachmittags wendete sich die Flotte, umschiffte das hohe Cap Berry

Head und lief wohlbehalten in den Hafen von Torbay ein.[94]

Seit der Zeit, als Wilhelm auf diesen Hafen blickte, hat sich die

Gestalt desselben sehr verändert. Das Amphitheater, welches das weite

Becken umgiebt, bietet jetzt überall Zeichen von Wohlstand und

Civilisation dar. Am nordöstlichen Ende ist ein großer Badeort

entstanden, dessen milder italienischer Himmel Gäste aus den

entferntesten Theilen der Insel anzieht, denn hier blüht die Myrthe im

Freien und selbst der Winter ist milder als in Northumberland der April.

Die Einwohnerzahl beläuft sich auf ungefähr zehntausend Seelen. Die

neuerbauten Kirchen und Kapellen, die Bäder und Leseinstitute, die

Gasthöfe und öffentlichen Gärten, das Krankenhaus und das Museum, die

sich terrassenförmig an der Küste hinaufziehenden weißen Straßen, die

hinter Buschwerk und Blumenbeeten hervorschimmernden freundlichen

Landhäuser gewähren einen Anblick, wie ihn England im siebzehnten

Jahrhunderte nirgends aufweisen konnte. Auf der andren Seite der Bucht

liegt, durch Berry Head geschützt, der lebhafte Marktort Brixham, der

wohlhabendste Sitz unsres Fischhandels. Zu Anfang des gegenwärtigen

Jahrhunderts wurde hier ein Molo und ein Hafen angelegt, die sich aber

für den zunehmenden Verkehr bald als ungenügend erwiesen. Die

Bevölkerung beträgt etwa sechstausend Seelen und der Schiffsverkehr

beläuft sich auf mehr als zweihundert Segel. Der Tonnengehalt der

ein- und auslaufenden Schiffe übertrifft sehr oft den des Hafens von

Liverpool zu den Zeiten der Stuarts. Als aber die holländische Flotte in

der Torbay vor Anker ging, war sie nur als ein Hafen bekannt, in den

sich zuweilen die Schiffe vor den Stürmen des atlantischen Oceans

flüchteten. Das Gewühl des Handels und des Vergnügens störte noch nicht

die Ruhe ihrer stillen Ufer und nur spärliche Bauer- und Fischerhütten

lagen zerstreut umher auf dem Boden, der jetzt mit belebten Marktorten

und prächtigen Lusthäusern bedeckt ist.

Die Landleute an der Küste von Devonshire gedachten noch in Liebe des

Namens Monmouth und verabscheuten den Papismus. Sie kamen daher ans Ufer

herbeigeströmt, um Lebensmittel und Dienstleistungen anzubieten. Die

Ausschiffung begann unverzüglich. Sechzig Böte brachten die Truppen ans

Ufer. Zuerst wurde Mackay mit den britischen Regimentern ans Land

gesetzt. Ihm folgte bald nachher der Prinz. Er landete an der Stelle, wo

sich gegenwärtig der Quai von Brixham befindet. Die Gegend hat jetzt ein

ganz andres Aussehen. Wo wir jetzt einen mit Fahrzeugen angefüllten

Hafen und einen von Käufern und Verkäufern wimmelnden Marktort

erblicken, brachen sich damals die Wogen an einer öden Küste; aber ein

Stück von dem Felsen, auf den der Befreier beim Aussteigen aus seinem

Boote trat, ist sorgsam aufbewahrt und in der Mitte des geräuschvollen

Quais als ein Gegenstand der öffentlichen Verehrung aufgestellt worden.

Sobald der Prinz den Fuß auf festen Boden gesetzt hatte, verlangte er

Pferde, und zwei Thiere, wie die kleinen Gutsbesitzer sie damals zu

reiten pflegten, wurden aus dem nächsten Dorfe herbeigeschafft. Wilhelm

und Schomberg bestiegen dieselben und ritten fort, um die Gegend zu

recognosciren.

Sobald Burnet ans Land gestiegen war, eilte er zu dem Prinzen, und es

fand ein ergötzliches Gespräch zwischen ihnen statt. Burnet ergoß sich

in freudige Beglückwünschungen und fragte dann begierig, was Seine

Hoheit zu thun gedenke. Militairs haben selten Lust, sich über

kriegerische Angelegenheiten mit Geistlichen zu berathen, und Wilhelm

betrachtete die Einmischung von Laien in Kriegsfragen mit noch größerem

Widerwillen als andere Soldaten bei solchen Gelegenheiten. Aber er war

in diesem Augenblicke gerade besonders gutgelaunt, und anstatt daher

durch einen kurzen, dem Gespräch sofort ein Ende machenden Verweis sein

Mißfallen zu äußern, reichte er seinem Kaplan freundlich die Hand und

antwortete auf dessen Frage mit einer andren, indem er sagte: »Nun,

Doctor, was halten Sie jetzt von der Prädestination?« Der Tadel war so

mild, daß Burnet, der eben nicht sehr feinfühlend war, ihn gar nicht

fühlte. Er antwortete mit großer Wärme, daß er nie vergessen werde, wie

sichtbar der Himmel ihr Unternehmen begünstigt habe.[95]

Am ersten Tage hatten die ausgeschifften Truppen manche

Unannehmlichkeiten zu ertragen. Der Boden war vom Regen erweicht, und

die Bagage war noch auf den Schiffen. Hohe Offiziere mußten in

durchnäßten Kleidern auf der feuchten Erde schlafen und der Prinz selbst

hatte kein besseres Obdach als eine gewöhnliche Hütte. Auf dem

Strohdache derselben wurde sein Banner aufgepflanzt und einige Betten,

die man von seinem Schiffe mitgebracht hatte, wurden auf den Boden

gebreitet.[96] Die Ausschiffung der Pferde machte einige

Schwierigkeiten, und es hatte ganz den Anschein, als würde dieses

Geschäft mehrere Tage Zeit wegnehmen. Am folgenden Morgen aber

erheiterte sich die Aussicht. Der Wind legte sich und das Wasser der Bai

war eben wie ein Spiegel. Einige Fischer zeigten eine Stelle, wo sich

die Schiffe der Küste bis auf sechzig Fuß nähern konnten. Dies geschah

und in drei Stunden wurden mehrere hundert Pferde wohlbehalten ans Land

geschafft.

Die Ausschiffung war kaum beendigt, so erhob sich der Wind von neuem und

schwoll bald zu einem heftigen Weststurme an. Der zur Verfolgung den

Kanal herabkommende Feind war durch den nämlichen Witterungswechsel,

welcher dem Prinzen die Landung ermöglichte, aufgehalten worden. Seit

zwei Tagen lag die königliche Flotte auf windstiller See angesichts

Beachy Head. Endlich konnte Dartmouth wieder unter Segel gehen. Er fuhr

bei der Insel Wight vorüber und eines seiner Schiffe bekam die

Mastspitzen der bei Torbay liegenden Holländer in Sicht. Gerade in

diesem Augenblicke erhob sich der ihm widrige Sturm, der ihn zwang, sich

in den Hafen von Portsmouth zu flüchten.[97] Jakob, der in

Schifffahrtsangelegenheiten wohl ein Urtheil hatte, erklärte damals, er

sei fest überzeugt, daß sein Admiral Alles gethan habe, was in eines

Menschen Macht stehe und daß er nur der unüberwindlichen Feindschaft des

Windes und der Wogen gewichen sei. Zu einer späteren Zeit begann der

unglückliche Fürst mit schlechtem Grunde Dartmouth des Verraths oder

wenigstens eines Mangels an Energie zu beschuldigen.[98]

Das Wetter hatte in der That die protestantische Sache so auffallend

begünstigt, daß manche Leute, deren Frömmigkeit größer war als ihr

Verstand, fest glaubten, die gewöhnlichen Gesetze der Natur seien um der

Erhaltung der Freiheit und der Religion Englands willen außer Kraft

gesetzt worden. Gerade vor hundert Jahren, sagten sie, sei die für

unüberwindlich gehaltene Armada durch den Zorn Gottes vernichtet worden.

Die bürgerliche Freiheit und die göttliche Wahrheit seien abermals in

Gefahr gewesen, und wieder hätten die gehorsamen Elemente für die gute

Sache gekämpft. Der Wind habe kräftig aus Osten geblasen, als der Prinz

den Kanal hinabzusegeln wünschte, sei nach Süden umgesprungen, als er

habe in die Torbai einfahren wollen, habe sich für die Dauer der

Ausschiffung gelegt und sei sobald die Ausschiffung vollendet gewesen,

wieder zu einem Sturme angeschwollen, der den Verfolgern gerade ins

Gesicht wehte. Auch unterließ man nicht, auf das sonderbare

Zusammentreffen Gewicht zu legen, daß der Prinz unsere Küsten gerade an

dem Tage erreicht hatte, an welchem die anglikanische Kirche die

wunderbare Errettung des königlichen Hauses und der drei Stände von dem

schwärzesten Complot, das die Papisten jemals ersonnen, durch Gebet und

Dankgottesdienst feierte. Carstairs, dessen Winke bei dem Prinzen stets

beachtet wurden, rieth dazu, daß sogleich nach bewerkstelligter Landung

ein öffentlicher Dankgottesdienst für den sichtbaren Schutz, den der

Himmel dem Unternehmen habe angedeihen lassen, gehalten werden solle.

Der Rath wurde befolgt und hatte außerordentlich gute Wirkung. Die

Truppen, die sich nun als Günstlinge des Himmels betrachten lernten,

wurden von neuem Muthe beseelt und das englische Volk faßte die

günstigste Meinung von einem General und einer Armee, welche den

Pflichten der Religion so große Aufmerksamkeit schenkten.

Am Dienstag den 6. November begann Wilhelm's Armee landeinwärts zu

marschiren. Einige Regimenter rückten bis Newton Abbot vor. Ein im

Mittelpunkte dieses Städtchens errichteter Denkstein bezeichnet noch die

Stelle, wo die Erklärung des Prinzen den Bewohnern feierlich vorgelesen

wurde. Die Truppen konnten sich nur langsam vorwärts bewegen, denn der

Regen fiel in Strömen und die Straßen Englands befanden sich damals noch

in einem Zustande, der Leuten, welche die vortrefflichen

Communicationswege Hollands gewohnt waren, entsetzlich vorkam. Wilhelm

nahm auf zwei Tage sein Hauptquartier in Ford, einer Besitzung der alten

und vornehmen Familie von Courtenay, unweit Newton Abbot. Er fand hier

eine prächtige Wohnung und glänzende Bewirthung, aber es ist auffallend,

daß der Hausherr, obgleich ein eifriger Whig, nicht der Erste sein

wollte, der Leben und Eigenthum aufs Spiel setzte, und sich sorgfältig

hütete, irgend etwas zu thun, was, im Fall der König die Oberhand

behielt, als ein Verbrechen angesehen werden konnte.

[Anmerkung 94: +Burnet, I. 788+; Auszüge aus den Legge'schen

Papieren in der Mackintosh-Sammlung.]

[Anmerkung 95: Ich glaube, wer Burnet's Bericht von dieser

Unterredung mit dem Bericht Dartmouth's vergleicht, kann nicht

zweifeln, daß ich den Vorgang richtig dargestellt habe.]

[Anmerkung 96: Ich habe eine Abbildung der Ausschiffung aus der

damaligen Zeit gesehen. Einige Männer bringen eben die Betten des

Prinzen in die Hütte, auf deren Dache seine Fahne weht.]

[Anmerkung 97: +Burnet, I. 789+; Legge-Papiere.]

Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten. Fünfter Band (der 11) · 第 8 / 26 段