Expedition._] Wilhelm betrieb nun seine Rüstungen mit unermüdlicher
Thätigkeit und nicht mehr so heimlich, als er es bisher für nöthig
gehalten hatte. Täglich gingen Unterstützungszusagen von auswärtigen
Höfen ein. Im Haag war die Opposition zum Schweigen gebracht. Umsonst
bot Avaux noch in diesem letzten Augenblicke seine ganze Gewandtheit
auf, um die Partei, welche gegen drei Generationen des Hauses Oranien
gekämpft hatte, zu ermuthigen. Die Häupter dieser Partei sahen zwar den
Statthalter noch immer nicht mit günstigem Auge an, denn sie hatten
Grund zu der Besorgniß, daß er, wenn sein Unternehmen gegen England
gelang, er auch unumschränkter Beherrscher von Holland werden möchte.
Aber die Fehler des Hofes von Versailles und die Geschicklichkeit, mit
der er dieselben benutzt hatte, machten es unmöglich, ferner noch gegen
ihn zu kämpfen. Er sah ein, daß es jetzt Zeit war, um die Genehmigung
der Generalstaaten nachzusuchen. Amsterdam war das Hauptquartier der
seinem Hause, seinem Amte und seiner Person feindlich gesinnten Partei,
und selbst von Amsterdam hatte er diesen Augenblick nichts zu
befürchten. Mit mehreren der vornehmsten Beamten dieser Stadt hatte er
schon zu wiederholten Malen in Anwesenheit Dykvelt's und Bentinck's
geheime Unterredungen gehabt und hatte sie zu dem Versprechen
bewogen, daß sie das große Unternehmen fördern, oder sich demselben
wenigstens nicht widersetzen wollten. Andere waren über Ludwig's
Handelsverordnungen erbittert, noch Andere waren besorgt um ihre von den
französischen Dragonern tyrannisirten Verwandten und Freunde; wieder
Andere fürchteten die Verantwortlichkeit, eine Spaltung herbeizuführen,
welche dem batavischen Bunde verderblich werden konnte, und Einige
endlich fürchteten das gemeine Volk, welches, durch die Ermahnungen
eifriger Prediger aufgestachelt, bereit war, an jedem Verräther des
Protestantismus eine summarische Justiz auszuüben. Daher erklärte sich
die Majorität dieses Stadtraths, der so lange Zeit Frankreich ergeben
gewesen war, zu Gunsten der Unternehmung Wilhelm's. Von diesem
Augenblicke an war jede Besorgniß wegen einer Opposition in irgend einem
Theile der Vereinigten Provinzen gehoben und die Föderation ertheilte
ihm in geheimer Sitzung die volle Genehmigung zu seiner Expedition.[65]
Der Prinz hatte sich bereits für einen zum Unterbefehlshaber trefflich
geeigneten General entschieden. Dies war in der That kein unwichtiger
Gegenstand. Ein zufälliger Schuß oder der Dolch eines Meuchelmörders
konnte in einem Augenblicke die Expedition ihres Anführers berauben, und
für diesen Fall mußte im Voraus ein Nachfolger bestimmt werden, der die
Lücke sofort ausfüllte. Einen Engländer konnte man jedoch dazu nicht
wählen, ohne entweder den Whigs oder den Tories zu nahe zu treten; auch
hatte noch kein damals lebender Engländer bewiesen, daß er das zur
Leitung eines Feldzugs nöthige militairische Geschick besaß. Auf der
andren Seite war es nicht leicht, einem Ausländer den Vorzug zu geben,
ohne das Nationalgefühl der stolzen Insulaner zu verwunden. Einen Mann
gab es in Europa, aber auch nur diesen einen, gegen den sich nichts
einwenden ließ; Friedrich, Graf von Schomberg, ein Deutscher aus einem
edlen Hause der Pfalz. Er galt allgemein für den größten damals lebenden
Meister der Kriegskunst. Seine oftmals durch starke Versuchungen
geprüfte, aber nie erschütterte Rechtschaffenheit und Frömmigkeit hatten
ihm allgemeine Achtung und Vertrauen erworben. Obgleich Protestant,
hatte er mehrere Jahre im Dienste Ludwig's gestanden und durch eine
Reihe glänzender Waffenthaten seinem Gebieter trotz aller Ränke der
Jesuiten den französischen Marschallsstab abgenöthigt. Als die
Verfolgung zu wüthen begann, weigerte sich der tapfere Veteran
standhaft, die königliche Gunst durch Abtrünnigkeit zu erkaufen, legte
ohne Murren alle seine Ehrenstellen und Commando's nieder, verließ sein
zweites Vaterland für immer und zog sich an den berliner Hof zurück. Er
war bereits über siebzig Jahre alt, aber geistig und körperlich noch
sehr rüstig. Er war in England gewesen und dort außerordentlich geliebt
und geehrt worden. Allerdings hatte er eine Empfehlung, der sich damals
wenige Ausländer rühmen konnten: er sprach unsre Sprache, und zwar nicht
nur verständlich, sondern elegant und rein. Er wurde mit Bewilligung des
Kurfürsten von Brandenburg und zur aufrichtigen Freude der Oberhäupter
aller englischen Parteien zu Wilhelm's Stellvertreter ernannt.[66]
[Anmerkung 65: Witson's MS., angeführt von Wagenaar; Lord
Lonsdale's Memoiren; Avaux, 4.(14.), 5.(15.) Oct. 1688. Die
förmliche Erklärung der Generalstaaten, datirt vom 18.(28.) Oct.,
findet man im IV. Bande des +Recueil des Traités, No. 225+.]
[Anmerkung 66: +Abrégé de la Vie de Frédéric Duc de Schomberg,
1690+; Sidney an Wilhelm, 30. Juni 1688; +Burnet I. 677+.]
[_Britische Abenteurer im Haag._] Inzwischen wimmelte es im Haag von
Abenteurern aller der verschiedenen Factionen, welche Jakob's Tyrannei
zu einer sonderbaren Coalition verbunden hatte: alte Royalisten, die ihr
Blut für den Thron vergossen hatten, alte Agitatoren von der
Parlamentsarmee, Tories, welche in den Tagen der Ausschließungsbill
verfolgt worden waren, und Whigs, die wegen ihrer Theilnahme am
Ryehousecomplot sich auf den Continent geflüchtet hatten.
Unter dieser großen Menge zeichnete sich Karl Gerard, Earl von
Macclesfield aus, ein alter Kavalier, der für Karl I. gekämpft und
Karl's II. Exil getheilt hatte; ferner Archibald Campbell, der älteste
Sohn des unglücklichen Argyle, der aber von seinem Vater nichts geerbt
hatte als einen erlauchten Namen und die unwandelbare Liebe eines
zahlreichen Clan; Karl Paulet, Earl von Wiltshire, unzweifelhafter Erbe
des Marquisats von Winchester, und Peregrine Osborne, Lord Dumblane,
unzweifelhafter Erbe des Earlthums Danby. Mordaunt, der vor Begierde
nach Abenteuern brannte, die für sein feuriges Temperament einen
unwiderstehlichen Reiz hatten, war einer der Ersten unter den
Freiwilligen. Fletcher von Saltoun hatte, während er die Grenzen der
Christenheit gegen die Ungläubigen beschützte, erfahren, daß sein
Vaterland wieder einmal Hoffnung auf Befreiung hatte, und er hatte sich
beeilt, sein Schwert anzubieten. Sir Patrick Hume, der seit seiner
Flucht aus Schottland sehr bescheiden und eingezogen lebte, trat jetzt
wieder aus seinem Dunkel hervor; zum Glück aber konnte seine
Redseligkeit diesmal wenig Schaden anrichten, denn der Prinz von Oranien
war durchaus nicht geneigt, der abhängige General einer debattirenden
Gesellschaft zu sein wie die, welche Argyle's Unternehmen zum Verderben
gereicht hatte. Der verschmitzte und ruhelose Wildman, der vor kurzem
die Überzeugung gewonnen, daß England ein unsicherer Aufenthalt für ihn
war und der sich deshalb nach Deutschland begeben hatte, erschien
ebenfalls an Wilhelm's Hofe. Eben so auch Carstairs, ein
presbyterianischer Priester aus Schottland, der an Schlauheit und Muth
keinem Politiker seiner Zeit nachstand. Fagel hatte ihm einige Jahre
vorher wichtige Geheimnisse anvertraut und er hatte sie trotz der
fürchterlichsten Qualen, die ihm der spanische Stiefel und die
Daumschraube bereitet, treu bewahrt. Seine seltene Standhaftigkeit hatte
ihm das Vertrauen und die Achtung des Prinzen in eben so hohem Grade
erworben, als irgend ein Andrer, außer Bentinck, sich derselben
erfreute.[67] Ferguson konnte nicht ruhig bleiben, wenn eine Revolution
im Werke war. Er sicherte sich einen Platz zur Überfahrt auf der Flotte
und entfaltete eine große Thätigkeit unter seinen Mitemigranten; aber er
fand überall Mißtrauen und Verachtung. Unter der Schaar von unwissenden
und heißblütigen Verbannten, welche den schwachen Monmouth ins Verderben
geführt, war er ein großer Mann gewesen; unter den ernsten Staatsmännern
und Generälen aber, welche die Sorgen des entschlossenen und umsichtigen
Wilhelm theilten, war kein Platz für einen niedrigdenkenden, halb
wahnsinnigen und halb schurkischen Agitator.
[Anmerkung 67: +Burnet I. 584+; +Mackay's Memoirs.+]
[_Wilhelm's Erklärung._] Der Unterschied zwischen der Expedition von
1685 und der von 1688 zeigte sich schon deutlich genug in der
Verschiedenheit der Manifeste, welche die Führer der beiden
Unternehmungen erließen. Für Monmouth hatte Ferguson ein abgeschmacktes
und gemeines Libell über den Brand von London, die Ermordung Godfrey's
und Essex' und die Vergiftung Karl's geschmiert. Wilhelm's Erklärung war
von dem Großpensionär Fagel verfaßt, der als ausgezeichneter Publicist
bekannt war. Obgleich gehaltvoll und wohldurchdacht, war sie doch in
ihrer ursprünglichen Form zu weitschweifig; aber sie wurde von Burnet,
der populär zu schreiben verstand, abgekürzt und ins Englische
übersetzt. Sie begann mit einer feierlichen Einleitung, in welcher
gesagt war, daß in jedem Staate die strenge Beobachtung des Gesetzes für
das Wohl der Nationen wie für die Sicherheit der Regierung gleich
nothwendig sei. Der Prinz von Oranien habe daher mit tiefer Betrübniß
gesehen, daß die Grundgesetze eines Reiches, mit dem er durch Bande des
Bluts und durch Verheirathung so eng verbunden sei, durch den Rath
schlimmer Rathgeber gröblich und systematisch verletzt worden seien. Das
Recht von Parlamentsacten zu dispensiren, sei bis zu einem solchen
Punkte ausgedehnt worden, daß die ganze legislative Gewalt auf die Krone
übertragen worden sei. Von den Gerichten habe man dem Geiste der
Verfassung widerstreitende Erkenntnisse erlangt, indem man einen Richter
nach dem andren abgesetzt, bis die Bank nur aus Männern bestanden habe,
welche bereit gewesen seien, den Befehlen der Regierung blindlings zu
gehorchen. Trotz der wiederholten Versicherungen des Königs, daß er die
Staatsreligion aufrechterhalten werde, seien anerkannten Feinden dieser
Religion nicht nur bürgerliche Ämter, sondern auch geistliche Pfründen
verliehen worden. Trotz ausdrücklicher Gesetze sei das Kirchenregiment
einem Collegium übertragen worden, das eine neue Hohe Commission sei und
in diesem Collegium sitze ein erklärter Papist. Gute Unterthanen seien
deshalb, weil sie sich weigerten, ihre Pflicht und ihre Eide zu
verletzen, der Magna Charta der englischen Freiheiten zum Hohn aus ihrem
Eigenthum vertrieben worden. Dagegen seien Leute, welche dem Gesetze
nach die Insel gar nicht betreten dürften, zur Verderbniß der Jugend an
die Spitze von Seminarien gestellt worden. Grafschaftsstatthalter,
stellvertretende Statthalter und Friedensrichter seien massenhaft
abgesetzt worden, weil sie sich geweigert hätten eine verderbliche und
verfassungswidrige Politik zu unterstützen. Die Freiheiten fast jedes
Boroughs im Lande seien verletzt worden. Die Gerichtshöfe seien in einem
Zustande, daß ihre Erkenntnisse selbst in Civilklagen kein Vertrauen
mehr einflößten und daß ihre Servilität in Criminalsachen das Königthum
mit unschuldigem Blute befleckt habe. Alle diese Mißbräuche, deren das
englische Volk müde sei, sollten nun, wie es scheine, durch ein Heer
irischer Papisten vertheidigt werden. Und dies sei noch nicht Alles. Die
willkürlichsten Fürsten hätten es einem Unterthanen nie als ein
Verbrechen angerechnet, wenn er bescheiden und friedlich seine
Beschwerden angebracht und um Abhülfe gebeten habe. Aber das
Petitioniren werde jetzt in England als ein schweres Vergehen
betrachtet. Die Väter der Kirche seien wegen keines andren Verbrechens,
als weil sie dem Landesherrn eine in den ehrerbietigsten Ausdrücken
abgefaßte Petition überreicht, ins Gefängniß geworfen und ihnen der
Prozeß gemacht worden, und jeden Richter, der sich zu ihren Gunsten
ausgesprochen, habe man ohne weiteres abgesetzt. Die Einberufung eines
freien und gesetzlichen Parlaments könne allerdings diesen Übeln wirksam
abhelfen, aber die Nation dürfe nicht hoffen ein solches Parlament zu
erhalten, wenn nicht der ganze Geist der Verwaltung ein andrer werde. Es
sei offenbar die Absicht des Hofes durch neu organisirte Wahlkörper und
papistische Wahlbeamte eine Versammlung zusammenzubringen, welche nur
dem Namen nach ein Haus der Gemeinen sein werde. Endlich erregten
gewisse Umstände den dringenden Verdacht, daß das Kind, welches den
Namen eines Prinzen von Wales erhalten habe, nicht wirklich von der
Königin geboren sei. Aus diesen Gründen habe der Prinz, eingedenk seiner
nahen Verwandtschaft mit dem königlichen Hause und dankbar für die
Zuneigung, die das englische Volk seiner geliebten Gemahlin und ihm
selbst stets bewiesen habe, sich entschlossen, der Aufforderung vieler
geistlichen und weltlichen Lords und vieler anderer Personen aus allen
Ständen Folge zu leisten und an der Spitze einer zur Begegnung
gewaltsamen Widerstandes hinreichenden Streitmacht nach England
hinüberzugehen. Jeden Gedanken an Eroberung wies er entschieden zurück.
Er erklärte, daß seine Truppen während ihres Aufenthalts auf der Insel
unter strengster Kriegszucht gehalten und daß sie sobald die Nation von
der Tyrannei befreit sei, wieder zurückgeschickt werden sollten. Sein
einziger Zweck sei die Versammlung eines freien und gesetzlichen
Parlaments, und er verpflichtete sich feierlich, alle öffentlichen und
privaten Fragen der Entscheidung eines solchen Parlaments zu überlassen.
Sobald Exemplare von dieser Erklärung im Haag ausgegeben waren, begannen
auch schon Zeichen von Meinungsverschiedenheit sichtbar zu werden. Der
im Unheilstiften unermüdliche Wildman bewog einige seiner Landsleute,
unter Anderen den starrsinnigen und leichtfertigen Mordaunt, zu der
Erklärung, daß sie auf solche Gründe hin die Waffen nicht ergreifen
würden. Das Manifest sei nur darauf berechnet, den Kavalieren und den
Geistlichen zu gefallen. Die Gewaltthätigkeiten gegen die Kirche und der
Prozeß der Bischöfe seien zu sehr in den Vordergrund gestellt und es sei
gar nichts von der Tyrannei gesagt, mit der die Tories vor ihrem Bruche
mit dem Hofe die Whigs behandelt hätten. Wildman legte hierauf einen von
ihm selbst verfaßten Gegenentwurf vor, der, wenn er angenommen worden
wäre, der ganzen anglikanischen Geistlichkeit und vier Fünftheilen des
grundbesitzenden Adels mißfallen haben würde. Die Whighäupter opponirten
ihm energisch. Russell insbesondere erklärte, daß, wenn ein so
verkehrter Weg eingeschlagen würde, es mit der Coalition, von welcher
allein die Nation Befreiung erwarten könne, vorbei sei. Der Streit wurde
endlich durch einen Machtspruch Wilhelm's geschlichtet, der mit
gewohntem richtigen Takt entschied, daß das Manifest im Wesentlichen so
wie Fagel und Burnet es entworfen hatten, beibehalten werden solle.[68]
[Anmerkung 68: +Burnet I., 775, 780+.]
[_Jakob fängt an die Gefahr zu ahnen._] Während dies in Holland geschah,
hatte Jakob endlich die ihm drohende Gefahr erkannt. Von verschiedenen
Seiten kamen Nachrichten, die man nicht unbeachtet lassen konnte, bis
endlich eine Depesche von Albeville jedem Zweifel ein Ende machte. Als
der König sie gelesen hatte, sollen seine Wangen sich entfärbt haben und
er soll eine Weile sprachlos geblieben sein.[69] Er hatte in der That
auch Ursache zu erschrecken. Der erste Ostwind sollte eine feindliche
Flotte an die Küsten seines Reiches bringen. Ganz Europa, mit Ausnahme
einer einzigen Macht, erwartete ungeduldig die Nachricht von seinem
Sturze, und den Beistand dieser einzigen Macht hatte er thörichterweise
abgelehnt. Ja, er hatte sogar die freundschaftliche Intervention, die
ihn hätte retten können, mit Beleidigungen vergolten. Die französischen
Armeen, welche zur Einschüchterung der Generalstaaten hätten verwendet
werden können, wenn er nicht so verblendet gewesen wäre, belagerten
Philippsburg und hielten Mainz besetzt. In wenigen Tagen mußte er
vielleicht auf englischem Boden für seine Krone und für das Geburtsrecht
seines Sohnes kämpfen.
[Anmerkung 69: +Eachard's History of the Revolution, II. 2+.]
[_Seine Seemacht._] Anscheinend standen ihm allerdings große Mittel zu
Gebote. Die Flotte war in einem viel besseren Zustande als zur Zeit
seiner Thronbesteigung, und diese Verbesserung muß zum Theil seinen
eigenen Anstrengungen zugeschrieben werden. Er hatte keinen
Lordgroßadmiral oder Admiralitätsrath ernannt, sondern die Hauptleitung
der Marineangelegenheiten in seiner eignen Hand behalten und Pepys hatte
ihn dabei kräftig unterstützt. Ein Sprichwort sagt, daß der Blick eines
Meisters sicherer ist, als der eines Stellvertreters, und in einer Zeit
der Bestechung und der Unterschleife kann man annehmen, daß ein
Verwaltungszweig, dem der Souverain selbst, sei er auch von noch so
beschränkten Gaben, genaue persönliche Aufmerksamkeit zuwendet, von
Mißbräuchen verhältnißmäßig ziemlich frei bleiben wird. Ein
geschickterer Marineminister als Jakob würde nicht schwer zu finden
gewesen sein; schwerlich aber würde man unter den damaligen
Staatsmännern einen Marineminister gefunden haben, der nicht Vorräthe
nutzlos vergeudet, von Lieferanten Bestechungen angenommen und der Krone
Kosten für Reparaturen aufgebürdet haben würde, welche nie gemacht
worden waren. Der König war in der That fast der Einzige, von dem man
überzeugt sein konnte, daß er den König nicht bestehlen würde. Daher
waren denn auch während der letzten drei Jahre auf den Schiffswerften
viel weniger Veruntreuungen und Diebereien vorgekommen als früher. Es
waren wirklich seetüchtige Schiffe gebaut worden und durch eine
zweckmäßige Verordnung waren die Gehalte der Kapitaine erhöht, zu
gleicher Zeit aber auch ihnen streng verboten worden, ohne besondere
königliche Erlaubniß Waaren von einem Hafen zum andren zu führen. Die
Wirkung dieser Reformen machte sich schon bemerkbar, und es wurde Jakob
nicht schwer, in kurzer Zeit eine ansehnliche Flotte auszurüsten.
Dreißig Linienschiffe dritten und vierten Ranges wurden unter dem
Commando Lord Dartmouth's in der Themse versammelt. Dartmouth's
Loyalität war über jeden Zweifel erhaben, und er galt für eben so
geschickt und kenntnißreich in seinem Fache als irgend einer der
patrizischen Seeleute, die sich damals ohne ordentliche seemännische
Erziehung und Ausbildung zu den höchsten Schiffscommando's
emporschwangen und welche zu gleicher Zeit Flaggenoffiziere zur See und
Infanterieobersten im Landheere waren.[70]
[Anmerkung 70: +Pepys's Memoirs relating to the Royal Navy, 1690+;
+Clarke's Life of James the Second, II. 186. Orig. Mem.+; Adda,
24. Sept. (4. Oct.); Citters, 21. Sept. (1. Oct.)]
[_Seine militairischen Mittel._] Die reguläre Armee war die stärkste,
die je ein König von England zu seiner Verfügung gehabt hatte, und sie
wurde rasch noch verstärkt. Alle vorhandenen Regimenter wurden um neue
Compagnien vermehrt und neue Regimenter ausgehoben. Die Stärke des
englischen Heeres wurde dadurch um viertausend Mann erhöht; dreitausend
Mann wurden eiligst aus Irland gesendet und eine gleiche Anzahl erhielt
Befehl, aus Schottland nach dem Süden zu marschiren. Jakob schätzte die
Streitmacht, die er den Einfallenden entgegenstellen konnte, auf
vierzigtausend Mann, ungerechnet die Miliz.[71]
Flotte und Landheer waren sonach mehr als ausreichend, um eine
holländische Invasion zurückzuschlagen. Konnte man sich aber auf die
Flotte und auf die Armee verlassen? Mußte man nicht befürchten, daß die
Milizen zu Tausenden zu der Fahne ihres Befreiers übergehen würden? Die
Partei, welche vor einigen Jahren für Monmouth das Schwert gezogen,
konnte es gewiß kaum erwarten, den Prinzen von Oranien willkommen zu
heißen. Und was war aus der Partei geworden, welche siebenundvierzig
Jahre lang das Bollwerk der Monarchie gewesen? Wo waren jetzt die
tapferen Gentlemen, welche stets bereit gewesen waren, ihr Blut für die
Krone zu vergießen? Mißhandelt und verhöhnt, von der Richterbank
vertrieben und aller militairischen Commando's beraubt, sahen sie die
Gefahr ihres undankbaren Gebieters mit unverhohlener Schadenfreude. Wo
waren die Priester und Prälaten, welche auf zehntausend Kanzeln die
Pflicht des Gehorsams gegen den gesalbten Stellvertreter Gottes
gepredigt hatten? Einige waren eingekerkert. Andere ausgeplündert. Alle
waren unter das eiserne Regiment der Hohen Commission gestellt worden
und hatten beständig gefürchtet, daß eine neue Laune der Tyrannei sie
ihrer Pfründen berauben und ohne ein Stück Brot lassen würde. Daß die
Männer der Staatskirche den Grundsatz, auf den sie immer das größte
Gewicht gelegt hatten, so vollständig vergessen würden, um sich dem
thätigen Widerstande anzuschließen, schien auch jetzt noch unglaublich.
Aber konnte ihr Unterdrücker erwarten, daß er bei ihnen noch den Geist
finden werde, der unter der vorhergehenden Generation die Armeen Essex'
und Waller's besiegt, und sich nur nach einer verzweifelten Gegenwehr
dem Genie und der Kraft Cromwell's unterworfen hatte?
[Anmerkung 71: +Clarke's Life of James the Second. II. 186. Orig.
Mem.+; Adda, 24. Sept. (4. Oct.); Citters, 21. Sept. (1. Oct.)]
[_Er versucht es, seine Unterthanen mit sich auszusöhnen._] Der Tyrann
wurde von der Angst überwältigt. Er sagte nicht mehr, daß Nachgiebigkeit
die Fürsten jederzeit ins Verderben gestürzt habe, und gab gezwungen zu,
daß er sich herablassen müsse, den Tories noch einmal zu
schmeicheln.[72] Man hat Grund zu der Annahme, daß um diese Zeit Halifax
eingeladen wurde, wieder ein Ministerium zu übernehmen und daß er auch
nicht abgeneigt dazu war. Die Rolle eines Vermittlers zwischen den
Throne und der Nation war diejenige, zu der er sich am besten eignete
und nach der er am eifrigsten strebte. Warum die betreffende
Unterhandlung mit ihm abgebrochen wurde, ist nicht bekannt, aber es ist
nicht unwahrscheinlich, daß die Dispensationsfrage das unübersteigliche
Hinderniß war. Sein Widerwille gegen diese Befugniß war vor drei Jahren
die Veranlassung zu seiner Ungnade gewesen, und es war seitdem nichts
geschehen, was geeignet gewesen wäre ihn andren Sinnes zu machen. Jakob
seinerseits hatte sich fest vorgenommen, in diesem Punkte kein
Zugeständniß zu machen.[73] In anderen Dingen war er minder starrsinnig.
Er erließ eine Proklamation, in der er feierlich versprach, die
anglikanische Kirche zu schützen und die Uniformitätsacte aufrecht zu
erhalten. Er erklärte sich bereit, um der Eintracht willen große Opfer
zu bringen. Er wolle nicht mehr darauf beharren, daß Katholiken ins
Unterhaus zugelassen würden und er hege das gute Vertrauen zu seinem
Volke, daß es einen solchen Beweis von seinem aufrichtigen Willen, ihren
Wünschen zu entsprechen, gebührend anerkennen werde. Drei Tage später
kündigte er an, daß es seine Absicht sei, alle Magistratsbeamten und
stellvertretenden Lieutenants, welche entlassen worden waren, weil sie
seine Politik nicht hatten unterstützen wollen, wieder anzustellen. Den
Tag nach dem Erscheinen dieser Ankündigung wurde Compton's Suspension
wieder aufgehoben.[74]
[Anmerkung 72: Adda, 28. Sept. (8. Oct.) 1688. In dieser Depesche
ist Jakob's Angst vor einem allgemeinen Abfalle seiner Unterthanen
kräftig geschildert.]
[Anmerkung 73: Die spärlichen Aufschlüsse, welche wir über diese
Unterhandlung haben, verdanken wir Reresby. Seine Quelle war eine
Dame, die er nicht nennt und der man gewiß nicht unbedingt glauben
durfte.]
[Anmerkung 74: +London Gazette, Sept. 24., 27., Oct. 1. 1688+.]