leichter im Zaume zu halten sein würden, als viele tausend auf einem
kleinen Raume zusammengedrängte Soldaten. Das erste Experiment wurde mit
Lord Lichfield's Infanterieregiment, dem gegenwärtigen zwölften
Linienregiment gemacht. Man hatte dieses Regiment wahrscheinlich deshalb
gewählt, weil es zur Zeit des Aufstandes im Westen in Staffordshire
ausgehoben worden war, einer Provinz, die verhältnißmäßig mehr
Katholiken zählte, als irgend ein andrer Theil Englands. Die
Mannschaften wurden vor dem Könige aufgestellt und ihr Major setzte sie
in Kenntniß, daß Seine Majestät wünschte, sie sollten eine Verpflichtung
unterschreiben, durch die sie sich verbindlich machten, ihn bei der
Ausführung seiner Absichten bezüglich des Testes zu unterstützen, und
daß alle Diejenigen, die sich nicht dazu verstehen wollten, auf der
Stelle den Militairdienst verlassen müßten. Zum großen Erstaunen des
Königs legten ganze Reihen augenblicklich ihre Piken und Musketen
nieder. Nur zwei Offiziere und einige Gemeine, sämmtlich Katholiken,
gehorchten seinem Befehle. Er schwieg eine Weile, dann befahl er den
Leuten, daß sie ihre Waffen wieder aufnehmen sollten, und sagte mit
einem finstren Blicke zu ihnen: »Ein andermal werde ich Euch nicht die
Ehre erzeigen, Euch erst zu fragen.«[32]
Es war klar, daß er die Armee vollständig reorganisiren mußte, wenn er
auf seinen Plänen beharren wollte. Die dazu geeigneten Elemente aber
konnte er auf unsrer Insel nicht finden. Die Mitglieder seiner Kirche
bildeten selbst in den Districten, wo sie am zahlreichsten waren, nur
den bei weitem kleineren Theil der Bevölkerung. Der Haß gegen den
Papismus hatte sich durch alle Klassen seiner protestantischen
Unterthanen verbreitet und war das vorherrschende Gefühl selbst der
Landleute und Handwerker geworden. Aber es gab einen andren Theil seines
Reichs, wo die Hauptmasse der Bevölkerung von einem ganz andren Geiste
beseelt war. Die Zahl der römisch-katholischen Soldaten, welche durch
den guten Sold und die guten Quartiere Englands von jenseit des St.
Georgskanals herübergelockt werden würden, hatte keine Grenze. Tyrconnel
hatte sich seit einiger Zeit bemüht, aus dem Landvolke seiner Heimath
eine Heeresmacht zu bilden, auf die sein Gebieter sich verlassen konnte.
Fast die ganze irische Armee bestand schon aus Papisten von celtischer
Abkunft und Sprache. Barillon hatte dem Könige schon öfters ernstlich
gerathen, diese Armee herüberkommen zu lassen, um der englischen Respekt
einzuflößen.[33]
[Anmerkung 31: +Luttrell's Diary, Aug. 8, 1688.+]
[Anmerkung 32: Dies wird uns von drei Schriftstellern erzählt, die
sich jener Zeit wohl erinnern konnten: von Kennet, Eachard und
Oldmixon. Siehe auch das +Caveat against the Whigs+.]
[Anmerkung 33: Barillon, 23. Aug. (2. Sept.), 3.(13.), 6.(16.) u.
8.(18.) Sept. 1688.]
[_Es werden irische Truppen herübergezogen. -- Unwille des Volks._]
Jakob schwankte. Er wollte gern von Truppen umgeben sein, auf die er
sich verlassen konnte; aber er fürchtete den Ausbruch des
Nationalunwillens, den das Erscheinen einer bedeutenden irischen
Militairmacht auf englischem Boden hervorrufen mußte. Wie es gewöhnlich
zu geschehen pflegt, wenn ein schwacher Mann einander entgegengesetzte
Nachtheile vermeiden will, schlug er endlich einen Weg ein, der sie alle
in sich vereinigte. Er zog so viele Irländer herüber, als in der That
nicht hingereicht haben würden, um nur die Hauptstadt oder die
Grafschaft York im Zaume zu halten, die aber doch genügten, um die
Besorgniß und den Unwillen des ganzen Königreiches von Northumberland
bis Cornwall zu erregen. Ein Bataillon nach dem andren, von Tyrconnel
ausgehoben und eingeübt, landete an der Westküste und marschirte nach
der Hauptstadt, und irische Rekruten wurden in bedeutender Anzahl
herübergezogen, um die Lücken in den englischen Regimentern
auszufüllen.[34]
Dies war einer der verderblichsten von den vielen Fehlern, welche Jakob
beging. Er hatte sich schon die Herzen seiner Nation durch Verletzung
ihrer Gesetze, durch Einziehung ihrer Güter und durch Verfolgung ihrer
Religion entfremdet. Von Denen, welche einst die eifrigsten Anhänger der
Monarchie gewesen waren, hatte er schon viele dahin gebracht, daß sie im
Herzen Rebellen waren. Indessen hätte er noch immer mit einiger Aussicht
auf Erfolg den patriotischen Sinn seiner Unterthanen gegen einen
eindringenden Feind aufrufen können. Denn sie waren der Gesinnung wie
der geographischen Lage nach ein Inselvolk, und ganz besonders damals
waren ihre nationalen Antipathien über alle Maßen heftig und lieblos.
Noch nie waren die Engländer an die Gewalt oder Einmischung eines
Fremden gewöhnt gewesen; das Erscheinen einer ausländischen Armee auf
ihrem Boden hätte sie bestimmen können, sich selbst um einen solchen
König zu schaaren, den sie zu lieben keine Ursache hatten. Wilhelm wäre
vielleicht nicht im Stande gewesen, diese Schwierigkeit zu überwinden;
aber Jakob räumte sie selbst aus dem Wege. Selbst die Ankunft einer
Brigade von Ludwig's Musketieren würde keine solche Entrüstung und
Beschämung hervorgerufen haben, als sie unsere Vorfahren beim Anblick
der aus Dublin ankommenden papistischen Colonnen empfanden, die sich mit
militairischem Gepränge auf den Landstraßen fortbewegten. Kein geborener
Engländer betrachtete damals die Ureinwohner Irlands als seine
Landsleute. Sie gehörten nicht zu unsrem Zweige der großen menschlichen
Familie, sie unterschieden sich von uns durch mehr als eine moralische
und intellectuelle Eigenthümlichkeit, welche der Unterschied der Lage
und der Erziehung, so groß derselbe auch sein mochte, nicht genügend
erklärte. Sie hatten ein andres Aussehen und eine andre Muttersprache.
Wenn sie englisch sprachen, war ihre Aussprache fehlerhaft; ihre
Phraseologie war holprig, wie immer bei Denen, welche in einer Sprache
denken und ihre Gedanken in einer andren ausdrücken. Sie waren daher
Ausländer und zwar die am meisten verhaßten und verachteten von allen
Ausländern; am meisten verhaßt deshalb, weil sie seit fünf Jahrhunderten
stets unsere Feinde gewesen waren, und am meisten verachtet, weil wir
sie besiegt, unterjocht und ausgeplündert hatten. Der Engländer verglich
mit Stolz seine Felder mit den öden Sümpfen, aus denen irische Räuber
hervorstürzten, um zu plündern und zu morden, und seine Wohnung mit den
elenden Hütten, in denen die Landleute und die Schweine vom Shannon sich
zusammen im Kothe wälzten. Der Engländer gehörte einer Gesellschaft an,
welche in Reichthum und Civilisation allerdings noch weit unter der
stand, in welcher wir jetzt leben, die aber doch eine der reichsten und
civilisirtesten der damaligen Zeit war; der Irländer dagegen war fast so
roh wie die Wilden von Labrador. Er war ein freier Mann, die Iren waren
die erblichen Leibeigenen seines Stammes. Er verehrte Gott nach einem
reinen und vernünftigen Brauche der Irländer und war in Götzendienerei
und Aberglauben versunken. Er wußte, daß mehr als einmal große Massen
von Iren vor einer kleinen englischen Streitmacht geflohen waren und daß
eine kleine englische Colonie die ganze irische Bevölkerung
niedergehalten hatte, und daraus zog er den selbstgefälligen Schluß, daß
er von Natur ein höher stehendes Wesen sei als der Irländer, denn so
erklärt ein herrschender Stamm immer sein Übergewicht und entschuldigt
damit seine Tyrannei. Jetzt werden die Irländer allgemein als ein Volk
anerkannt, das in Bezug auf Lebhaftigkeit, Mutterwitz und Beredtsamkeit
einen hohen Rang unter den Nationen der Erde einnimmt, und daß sie bei
guter Leitung vortreffliche Soldaten sind, haben sie auf hundert
Schlachtfeldern bewiesen. Gleichwohl ist es gewiß, daß sie vor
anderthalb Jahrhunderten auf unsrer Insel allgemein als ein dummes und
zugleich feiges Volk verachtet wurden. Und ein solches Volk sollte mit
bewaffneter Hand England im Schach halten, während des Letzteren
bürgerliche und kirchliche Verfassung vernichtet wurde. Das Blut der
ganzen Nation kochte bei diesem Gedanken. Von Franzosen oder Spaniern
besiegt zu werden, würde im Vergleich damit noch als ein erträgliches
Loos erschienen sein, denn die Franzosen und Spanier waren wir gewohnt
als unsrer ebenbürtig zu betrachten. Wir hatten zuweilen ihr Glück
beneidet, zuweilen ihre Macht gefürchtet, zuweilen uns zu ihrer
Freundschaft gratulirt. Bei all unsrem schroffen Stolze gaben wir zu,
daß sie große Nationen waren und daß sie sich in den Künsten des Kriegs
und des Friedens ausgezeichneter Männer rühmen konnten. Aber von einer
tief unter uns stehenden Kaste dominirt zu werden, war eine Schmach,
gegen die jede andre Schmach nichts war. Die Engländer fühlten dasselbe,
was die weißen Bewohner von Charleston oder Neworleans fühlen würden,
wenn diese Städte Negergarnisonen erhalten sollten. Die wirklichen
Thatsachen würden schon hingereicht haben, um Besorgniß und Unwillen zu
erregen; die wirklichen Thatsachen aber verschwanden in einer Masse
verworrener Gerüchte, welche unaufhörlich von einem Kaffeehause zum
andren, von einer Bierschenke zur andren flogen und auf jeder Station
ihrer Wanderung immer wunderbarer und erschreckender wurden. Die Zahl
der irischen Truppen, welche an unseren Küsten gelandet waren, konnte
allerdings ernste Besorgnisse wegen der daraus ersichtlichen Zwecke des
Königs erregen, aber sie wurde durch den Schrecken des Publikums um das
Zehnfache vergrößert. Es war wohl kaum anders zu erwarten, als daß der
rohe Kerne von Connaught, mit bewaffneter Hand unter ein fremdes Volk
gestellt, das er haßte und von dem er wieder gehaßt wurde, einige
Excesse beging; aber diese Excesse wurden durch das Gerücht übertrieben
und als Zugabe zu den Gewaltthätigkeiten, die sich der Fremde wirklich
erlaubt hatte, wurden auch die, welche seine englischen Kameraden
begangen, mit auf seine Rechnungen gesetzt. Aus allen Winkeln des
Reiches erscholl ein allgemeiner Schrei gegen die fremden Barbaren, die
sich in Privathäuser eindrängten, Pferde und Wagen wegnähmen, Geld
erpreßten und die Frauen insultirten. Diese Menschen, sagte man, seien
die Söhne Derer, welche vor siebenundvierzig Jahren die Protestanten zu
Tausenden hingeschlachtet hätten. Die Geschichte des Aufstandes von
1641, eine Geschichte, die selbst bei nüchterner Betrachtung wohl
Mitleid und Entsetzen erregen konnte und welche durch nationale und
religiöse Antipathien schrecklich entstellt worden war, bildete jetzt
das Lieblingsthema der Unterhaltung. Grauenvolle Geschichten von
Häusern, welche sammt allen ihren Bewohnern niedergebrannt worden, von
kaltblütig abgeschlachteten Frauen und Kindern, von nahen Verwandten,
welche durch die Folter gezwungen wurden, einander gegenseitig zu
morden, von geschändeten und verstümmelten Leichen, wurden in vollem
Ernste erzählt und mit vollem Glauben und gespannter Aufmerksamkeit
angehört. Dann setzte man hinzu, daß die feigen Wilden, welche
heimtückischerweise alle diese Grausamkeiten an einer nichts Arges
vermuthenden und wehrlosen Colonie verübt hätten, sobald Oliver zu
seinem großen Rachewerk unter ihnen erschienen sei, in panischem
Schrecken die Waffen weggeworfen hätten, und ohne das Glück einer
einzigen Schlacht zu versuchen, in die ihnen gebührende Sklaverei
versunken seien. Viele Anzeichen deuteten darauf hin, daß der
Lordstatthalter eine zweite große Beraubung und Niedermetzelung der
sächsischen Ansiedler beabsichtige. Tausende protestantischer
Colonisten, die sich vor der Ungerechtigkeit und frechen Willkür
Tyrconnel's geflüchtet, hatten durch Schilderung der überstandenen und
der nur zu wahrscheinlich in Aussicht stehenden ferneren Leiden den
Unwillen des Mutterlandes erregt. Wie heftig das Publikum durch die
Klagen dieser Flüchtlinge erbittert wurde, hatte sich noch ganz kürzlich
in unverkennbarer Weise gezeigt. Tyrconnel hatte der königlichen
Genehmigung die Hauptpunkte einer Bill unterbreitet, die das Gesetz
aufhob, auf welchem das Besitzrecht der Hälfte des ganzen irländischen
Grund und Bodens beruhte, und hatte als Bevollmächtigte zwei seiner
katholischen Landsleute, die erst unlängst zu hohen richterlichen Ämtern
befördert worden waren, nach Westminster gesandt: Nugent, Oberrichter
der irischen Kings Bench, eine Verkörperung aller Laster und Schwächen,
welche die Engländer damals für characteristische Eigenschaften der
papistischen Celten hielten, und Rice, ein Baron der irischen
Schatzkammer, der in Talent und Wissen vielleicht der Ausgezeichnetste
seines Stammes und seines Glaubens war. Der Zweck dieser Sendung war
wohl bekannt, und die beiden Richter durften es daher nicht wagen, sich
auf der Straße sehen zu lassen, denn wo sie erkannt wurden, rief
sogleich der Pöbel: »Platz für die irischen Gesandten!« und ihr Wagen
wurde mit höhnischer Feierlichkeit von einem Zuge Ceremonienmeister und
Läufer begleitet, welche Stöcke mit daran gespießten Kartoffeln
trugen.[35]
Die Abneigung der Engländer gegen die Irländer war damals in der That so
groß und so allgemein, daß selbst die ausgezeichnetsten Katholiken sie
theilten. Powis und Bellasyse sprachen sogar im Geheimen Rathe in den
rücksichtslosesten und schärfsten Worten ihren Widerwillen gegen die
Fremdlinge aus.[36] Unter den englischen Protestanten war diese Aversion
noch stärker und vielleicht am stärksten war sie in der Armee. Weder
Offiziere noch Soldaten waren geneigt, den Vorzug, den ihr Gebieter
einem fremden und unterjochten Stamme gab, sich ruhig gefallen zu
lassen. Der Herzog von Berwick, welcher Oberst des damals in Portsmouth
stehenden achten Linieninfanterieregiments war, gab Befehl, daß dreißig
Mann, welche soeben von Irland angekommen waren, eingereiht werden
sollten. Die englischen Soldaten erklärten, daß sie mit diesen
Eindringlingen nicht dienen wollten. Der Oberstlieutenant Johann
Beaumont protestirte für sich und im Namen von fünf Hauptleuten dem
Herzoge ins Gesicht gegen diese Beschimpfung der englischen Armee und
Nation. »Wir haben,« sagte er, »das Regiment auf unsere eigenen Kosten
errichtet, um die Krone Seiner Majestät in Zeiten der Gefahr zu
vertheidigen. Es wurde uns damals nicht schwer, Hunderte von englischen
Rekruten zu finden, und wir können leicht jede Compagnie vollzählig
erhalten, ohne Irländer aufzunehmen. Wir halten es daher für unvereinbar
mit unsrer Ehre, und diese Fremdlinge aufdringen zu lassen, und bitten,
daß es uns gestattet werde, entweder Leute unsrer eignen Nation zu
befehligen, oder unsren Abschied zu nehmen.« Berwick schickte nach
Windsor, um sich Verhaltungsbefehle zu erbitten. Der König war höchlich
entrüstet und sandte sofort eine Abtheilung Reiterei nach Portsmouth mit
dem Befehl, die sechs widerspenstigen Offiziere vor ihn zu bringen. Sie
wurden vor ein Kriegsgericht gestellt, und da sie sich durchaus nicht
fügen wollten, wurden sie zur Ausstoßung aus der Armee verurtheilt, der
höchsten Strafe, welche damals ein Kriegsgericht zuerkennen konnte. Die
ganze Nation zollte den entlassenen Offizieren ihren Beifall und die
herrschende Stimmung wurde durch das ungegründete Gerücht, daß sie
während ihrer Haft mit Härte behandelt worden seien, noch mehr
aufgereizt.[37]
[Anmerkung 34: +Luttrell's Diary, Aug. 27. 1688+.]
[Anmerkung 35: +King's State of the Protestants of Ireland+;
+Secret Consults of the Romish Party in Ireland.+]
[Anmerkung 36: +Secret Consults of the Romish Party in Ireland.+]
[Anmerkung 37: +History of the Desertion, 1689+; vergleiche die 1.
und 2. Ausg. Barillon 8.(18.) Sept. 1688; Citters von demselben
Datum; +Clarke's Life of James the Second, II, 168+. Der
Compilator des letztgenannten Werks sagt, Churchill habe das
Gericht aufgefordert, die sechs Offiziere zum Tode zu
verurtheilen. Diese Geschichte scheint nicht den Papieren des
Königs entnommen zu sein und ich halte sie daher für eine der
zahlreichen Erdichtungen, welche in St. Germain erfunden wurden,
um einen ohnehin schon hinreichend schwarzen Character noch
schwärzer darzustellen. Daß Churchill bei dieser Gelegenheit
großen Unwillen affectirte, um den im Sinne habenden Verrath zu
verbergen, ist sehr wahrscheinlich. Aber man kann unmöglich
glauben, daß ein so verständiger Mann die Mitglieder eines
Kriegsgerichts aufgefordert haben sollte, eine Strafe zu
verhängen, welche anerkanntermaßen außer dem Bereiche ihrer
Competenz lag.]
[_Lillibullero._] Die öffentliche Stimmung äußerte sich damals noch
nicht durch die Zeichen, welche jetzt bei uns gebräuchlich sind, durch
große Volksversammlungen und heftige Reden. Dessenungeachtet fand sie
ein Organ. Thomas Wharton, der beim letzten Parlament die Grafschaft
Buckingham vertreten und der sich schon als Freigeist und als Whig
ausgezeichnet, hatte eine satyrische Ballade auf Tyrconnel geschrieben.
In diesem kleinen Gedicht gratulirt ein Irländer einem Landsmanne in
barbarischem Jargon zu dem nahe bevorstehenden Triumphe des Papismus und
des milesischen Stammes. Der protestantische Erbe würde enterbt werden;
die protestantischen Offiziere würden verabschiedet werden; die Magna
Charta und die Maulhelden, welche darauf pochten, würden gehängt werden;
der gute Talbot würde seine Landsleute mit Stellen und Ämtern
überschütten und den Engländern die Kehle abschneiden. Diese Verse, die
sich in keiner Hinsicht über das gewöhnliche Niveau der
Gassenhauerpoesie erhoben, hatten zum Refrain ein Kauderwelsch, das
angeblich im Jahre 1641 das Feldgeschrei der Insurgenten von Ulster
gewesen sein sollte. Die Verse und die Melodie entsprachen ganz der
Stimmung der Nation und die hohlen Reime wurden daher von einem Ende des
Landes zum andren von allen Klassen beständig gesungen. Ganz besonderen
Anklang fanden sie bei der englischen Armee. Mehr als siebzig Jahre nach
der Revolution schilderte ein Schriftsteller mit außerordentlicher Treue
einen Veteranen, der am Boyne und bei Namur gefochten,[38] und ein
characteristischer Zug dieses wackeren alten Kriegers ist seine
Gewohnheit, den Lillibullero zu pfeifen.[39]
Wharton rühmte sich später, daß er einen König aus drei Königreichen
hinausgesungen habe. In Wahrheit aber war der Erfolg des Lillibullero
nicht die Ursache, sondern die Wirkung des aufgeregten Zustandes der
Volksstimmung, der die Revolution erzeugte.
Während Jakob so alle die Nationalgefühle gegen sich aufstachelte, die
seinen Thron hätten retten können, wenn er nicht so verblendet gewesen
wäre, bemühte sich Ludwig auf andre Weise nicht minder wirksam, dem
Prinzen Wilhelm die Ausführung seines Unternehmens zu erleichtern.
[Anmerkung 38: Der Onkel Tobias in Sterne's Tristram Shandy. Der
Übers.]
[Anmerkung 39: Das Lillibullerolied findet sich in den +State
Poems+. In Percy's +Relics+ findet man den ersten Theil, aber
nicht den zweiten, der erst nach Wilhelm's Landung hinzugefügt
wurde. Im +Examiner+ und in verschiedenen Flugschriften aus dem
Jahre 1712 wird Wharton als Verfasser genannt.]
[_Politische Zustände in den Vereinigten Provinzen._] Die Partei in
Holland, welche Frankreich geneigt war, war eine Minorität, die aber der
Verfassung des Batavischen Staatenbundes gemäß stark genug war, um den
Statthalter an jedem großen Schlage zu verhindern. Diese Minorität sich
zu erhalten, würde für den Hof von Versailles, wenn er klug gewesen
wäre, eine Aufgabe gewesen sein, der unter den damaligen Verhältnissen
alles Andre hätte nachstehen müssen. Ludwig aber hatte sich seit einiger
Zeit wie absichtlich bemüht, sich seine holländischen Freunde zu
entfremden, und es gelang ihm endlich, obwohl nicht ohne Schwierigkeit,
sie zu zwingen, daß sie gerade in dem Augenblicke, wo ihr Beistand von
unschätzbarem Werthe für ihn gewesen sein würde, seine Feinde wurden.