_Stoneberg_ (allein. Klappt seinen Cylinder zusammen, trägt den Ueberrock
auf einen Stuhl im Hintergrund, öffnet den Violinkasten). Wird sie
kommen? Glaube wohl. Anstandsrücksichten kommen bei ihr nicht allzuviel
in Betracht. Und wo sich's um eine Amati handelt, um diese Amati! -- Aber
warum _lass'_ ich sie kommen? Um ihr die Amati zu überlassen? Ich denke
nicht daran. Es wäre denn, daß sie einen Preis dafür zahlt, einen Preis ...
ich glaube nicht, daß sie ihn zahlt. Aber versuchen. Und einmal will ich
mit ihr allein gesprochen haben. Ganz allein. -- Dies Geschöpf! Was zwingt
mich zu ihr? Ihr Lachen, ihr großes tolles Lachen -- und ihre schwermütigen
Augen. Ich verstehe sie nicht. Gehört sie zu den Frauen, die nur deshalb
reizend sind, weil sie sich an der äußersten Grenze bewegen? Ich habe viel
Unpassendes von ihr gesehen, tausend Sonderbarkeiten wie die rätselhafte
Gürtelkette, nie etwas Unschickliches. Bin ich noch deutsch-sentimental
genug, daß ihre Begabung auf mein Gefühl wirkt? Zwanzig Jahre in Amerika
und noch sentimental. (Pause.) Ob ich mir nicht Unrecht thue? Sentimental?
Es könnte noch eine andre Regung dabei sein. Ich würde sie mir leichter
verzeihen. (Die Musik verstummt. Man hört lange anhaltenden Applaus.) Zu
Ende. Nun werde ich ja gleich wissen .... (Geht mit kurzen Schritten auf
und ab, fährt sich ein paarmal erregt über die Stirne. Aergerlich):
Daß mich so etwas noch nervös machen kann! Was ist's denn? Ein
kleines Slavenmädchen von möglichst dunkler Herkunft. Aufgewachsen im
künstlerischen Vagabundentum. Darin liegt meine Hoffnung. Und in der Amati.
(Er nimmt die Violine aus dem Kasten, betrachtet sie. Es klopft.)
_Stoneberg_: Herein.