Scene 2.

_Stoneberg_ (allein. Klappt seinen Cylinder zusammen, trägt den Ueberrock

auf einen Stuhl im Hintergrund, öffnet den Violinkasten). Wird sie

kommen? Glaube wohl. Anstandsrücksichten kommen bei ihr nicht allzuviel

in Betracht. Und wo sich's um eine Amati handelt, um diese Amati! -- Aber

warum _lass'_ ich sie kommen? Um ihr die Amati zu überlassen? Ich denke

nicht daran. Es wäre denn, daß sie einen Preis dafür zahlt, einen Preis ...

ich glaube nicht, daß sie ihn zahlt. Aber versuchen. Und einmal will ich

mit ihr allein gesprochen haben. Ganz allein. -- Dies Geschöpf! Was zwingt

mich zu ihr? Ihr Lachen, ihr großes tolles Lachen -- und ihre schwermütigen

Augen. Ich verstehe sie nicht. Gehört sie zu den Frauen, die nur deshalb

reizend sind, weil sie sich an der äußersten Grenze bewegen? Ich habe viel

Unpassendes von ihr gesehen, tausend Sonderbarkeiten wie die rätselhafte

Gürtelkette, nie etwas Unschickliches. Bin ich noch deutsch-sentimental

genug, daß ihre Begabung auf mein Gefühl wirkt? Zwanzig Jahre in Amerika

und noch sentimental. (Pause.) Ob ich mir nicht Unrecht thue? Sentimental?

Es könnte noch eine andre Regung dabei sein. Ich würde sie mir leichter

verzeihen. (Die Musik verstummt. Man hört lange anhaltenden Applaus.) Zu

Ende. Nun werde ich ja gleich wissen .... (Geht mit kurzen Schritten auf

und ab, fährt sich ein paarmal erregt über die Stirne. Aergerlich):

Daß mich so etwas noch nervös machen kann! Was ist's denn? Ein

kleines Slavenmädchen von möglichst dunkler Herkunft. Aufgewachsen im

künstlerischen Vagabundentum. Darin liegt meine Hoffnung. Und in der Amati.

(Er nimmt die Violine aus dem Kasten, betrachtet sie. Es klopft.)

_Stoneberg_: Herein.

Madonna: Novellen · 第 2 / 3 章