»Es ist nichts mit ihm anzufangen,« sagte Schmasman unmuthig, als er
nach der fruchtlosen Unterredung mit Burkhard wieder in Oswalds Gemach
trat. »Er hat mich barsch abgewiesen, sein Trotz ist unbeugsam.«
»Was meint Ihr,« sprach Oswald, »wenn wir seinen Sohn Bruno
veranlaßten, herzukommen und ihm im Namen seiner Gemahlin, Frau
Stephania, Vorstellungen zu machen.«
»Das schlägt bei Burkhard nicht an,« erwiederte Schmasman. »Der läßt
sich durch nichts bewegen, von nichts Anderem lenken und leiten als von
seinem eigenen unerschütterlichen Willen. Auf nichts in der Welt nimmt
er Rücksicht, nicht auf Bruder und Freund, nicht auf Weib und Kind.«
»Habt Ihr ihm die milden Bedingungen, die Ihr mir für ihn abgerungen,
mitgetheilt?«
»Nein, er ließ mich gar nicht damit zu Worte kommen.«
Graf Oswald schüttelte den Kopf und sprach ärgerlich: »Dieser Gefangene
ist eine wahre Last für mich.«
»Ihr wäret froh, wenn Ihr seiner erledigt würdet?«
»Ach ja, Schmasman! und ich will mich noch mehr herunterhandeln lassen,
um ihn nur loszuwerden. Aber Ihr werdet mir nicht zumuthen, daß ich
gegen Den, der mich von hier vertreiben wollte, den Großmüthigen
spiele und ihm seine Freilassung bedingungslos anbiete, ihm förmlich
aufdringe.«
»Wahrhaftig nicht!« sagte Schmasman. »Laßt ihm Zeit; auf die Dauer hält
er den Verlust der Freiheit nicht aus.«
»Ich will sie ihm gern zurückgeben, aber Urfehde muß er schwören.«
»Das versteht sich,« stimmte Schmasman zu, »Gott gebe, daß er
zur Vernunft kommt! Auf Wiedersehen, Oswald! Euren Damen meinen
ehrerbietigen Gruß!«