XIII.

Schon legte der Wald stückweise sein vielfarbiges Herbstkleid an, das

sich, in kühlen Nächten gewirkt, jeden Morgen bunter und scheckiger

zeigte. Das Laub in den Wipfeln der Buchen röthete sich, die im

leisesten Windhauch erzitternden Blättchen der zwischen dunklem

Nadelholz vereinzelt stehenden Birken flirrten und flimmerten wie

geschlagenes Gold, und die Zweige der Vogelbeerbäume senkten sich unter

der Fülle ihrer Trauben von leuchtendem Scharlach.

Die Luft war krystallklar und frisch, und wohlig athmend sogen sie die

Reiter ein, die von der Hohkönigsburg herab den Waldweg dahinzogen.

Isabella und Bruno waren es. Er hatte sie um die Gunst gebeten, ihr bis

Rappoltsweiler das Geleit geben zu dürfen und war damit einem stillen

Wunsche von ihr entgegengekommen. Allerdings hatte Leontine dabei ein

wenig nachgeholfen, indem sie, noch ehe Bruno die Absicht geäußert, mit

Leontine gleichzeitig aufzubrechen, zu ihnen gesagt hatte: »Wenn ihr

beiden den Berg zusammen herunter seid und Sanct Pilt vor euch habt,

müßt ihr nach rechts abbiegen, sonst könnt ihr euch leicht verirren.«

Das war ein deutlicher Wink für Bruno gewesen, für den er Leontine

sehr dankbar war, denn nun verstand es sich ja von selbst, daß er

Isabella seinen ritterlichen Schutz anbot, was er ohne diese verhüllte

Aufforderung vielleicht nicht gewagt hätte.

Die Unterhaltung der Zwei bewegte sich in so ruhigem Gleise wie der

Schritt ihrer Pferde, drehte sich um gleichgültige Dinge und blieb dem

am fernsten, was ihren Herzen am nächsten lag. Innigeres aber als die

Lippen sprachen die Augen der Beiden, wenn ihre Blicke sich trafen,

sich festhielten und so bald nicht wieder losließen.

Die Sonne hatte schon mehr als drei Viertel ihrer Mittagshöhe erreicht,

als Isabella, sich im Sattel reckend und auf einen einsamen Reiter

zeigend, ausrief: »Da kommt Egenolf! er hatte mir versprochen, auf

meinem Rückwege zu mir zu stoßen.« Sie winkte dem Bruder mit ihrem

Tuche, und sein Pferd in Galopp setzend sprengte er heran.

»Wo seid ihr beiden euch denn begegnet?« fragte er, als er ihnen die

Hand reichte und sein Pferd wendend sich ihnen anschloß.

»Oben auf der Hohkönigsburg,« antwortete Isabella mit frohlockendem

Tone.

»Auf der Hohkönigsburg? Du warst auf der Hohkönigsburg, Bruno?« sagte

Egenolf und zog unwillkürlich den Zügel an, als müßte er bei dieser

befremdlichen Kunde Halt machen.

»Tag und Nacht; warum sollte ich nicht?« sprach Bruno.

»Tag und Nacht! -- hattest dort Wichtiges zu schaffen?«

»Ja, höchst Wichtiges!« lachte Isabella hell heraus. »Der Stallmeister

läßt Dich übrigens vielmals wiedergrüßen,« fügte sie hinzu, dem Bruder

schelmisch mit den Augen zublinkend.

»Das freut mich sehr; ich danke Dir, lieb Schwesterlein! -- Habt ihr

gute Aufnahme dort oben gefunden?« Diese Frage richtete Egenolf zumeist

an Bruno, über dessen Besuch bei den Thiersteinern er gern Näheres

wissen wollte.

»Die allergastfreundlichste,« erwiederte Bruno. »So verbindlich und

liebenswürdig habe ich Graf Oswald noch nie gesehen.«

Da werde ein Mensch klug draus! dachte Egenolf. Weiß er denn nichts

von seines Vaters Racheplänen? oder hat er dem Grafen schon die Absage

gebracht? aber dann gastfreundlich aufgenommen? unbegreiflich! Grübelnd

ritt er neben Bruno dahin.

»Solltest Du wieder einmal einen Wolf schießen, Egenolf, so denke doch

auch an Dein lieb Schwesterlein,« fing Isabella nach einem Weilchen an.

»Er hat ja jüngst erst einen geschossen,« bemerkte Bruno.

»Ja freilich, aber der Himmel mag wissen, wo er den Pelz gelassen hat!«

sprach Isabella, »und ich hätte ihn so gut vor meinem Bette brauchen

können.«

»Bei Sanct Huberti Heiligenschein! das sollt Ihr nicht umsonst gesagt

haben, Gräfin Isabella!« vermaß sich Bruno, »von heut an ist keiner

mehr sicher vor mir.«

»Dann wehe den Wölfen im Wasgenwald!« lachte sie.

»Deine Schwester kann singen, Egenolf, wie ich es auf Erden noch nicht

gehört habe,« kam es begeistert aus Bruno's Munde. »Ich wußte das gar

nicht.«

»Und Dein Freund kann Schach spielen, -- bewundernswerth!« spöttelte

sie. »Jeden Zug thut er dreimal und dann doch noch falsch.«

»Spielt Ihr mal Schach, wenn --«

»Wenn Ihr singt, wollt Ihr sagen,« fiel sie neckisch ein, »werde mich

hüten!«

»Die Schachfiguren tanzten auf dem Brett vor Freuden bei Eurem Gesange.«

»Aber es war ein Todtentanz; sie sanken dahin wie gemäht.«

»Weil ich nicht bei _ihnen_ war, sondern mit allen Sinnen bei Euch,

Isab -- Gräfin Isabella!«

»Schachmatt, Jungherr Bruno! das war das Ende vom Liede.«

»Euer Lied vergeß' ich im Leben nicht!«

Egenolf hörte die muthwilligen Reden der Beiden mit steigender

Verwunderung und gerieth in einen wahren Irrgarten von Gedanken und

Vermuthungen. Was hatte Bruno auf der Hohkönigsburg zu suchen gehabt?

In seines Vaters Auftrag, ja mit dessen Wissen nur war er nicht oben

gewesen. War er hinaufgeritten, um sich Leontinens Gunst zu erobern?

Das war das Wahrscheinlichste, aber wenn dies wirklich seine Absicht

gewesen war, geglückt schien sie ihm nicht zu sein. Denn erstens ließ

Leontine ihn selber grüßen, was ihr schwerlich beigekommen wäre, wenn

sie Bruno's Werbung gnädig auf- und angenommen hätte. Und zweitens

würde in diesem Falle Isabella, deren stille Neigung zu Bruno dem

Bruder kein Geheimniß war, nicht so ausgelassen lustig sein. Aber

auch Bruno verrieth eine überschwängliche Fröhlichkeit, die nichts

Erzwungenes, Gemachtes hatte. Wie könnte er in so guter Laune sein,

wenn er bei Leontinen angeklopft hätte und von ihr abgewiesen wäre.

Für die Vereinbarung so merkwürdiger, widerspruchsvoller Umstände

fand Egenolf nur eine einzige vernunftgemäße Erklärung: Bruno mußte

sein Herz, das er Leontinen zu Füßen zu legen gedachte, dort oben

an Isabella verloren haben wie das Schach an den Grafen Oswald. Die

plötzlich eingetretene Wandlung in dem gegenseitigen Benehmen der hier

neben ihm Reitenden war so in die Augen springend und so unzweideutig,

daß ihm kein Zweifel mehr darüber bleiben konnte: die Beiden liebten

sich. Diese Entdeckung erfüllte ihn mit großer Freude. Er gönnte die

Schwester dem Freunde, der ihrer in jeder Beziehung werth war, und er

sonnte sich in dem Glücke der Schwester, daß ihre verhohlene Liebe vom

Freunde nun auch erwiedert wurde.

So waren sie an Rappoltsweiler herangekommen, und Bruno sagte etwas

kleinlaut: »Wann werden wir uns wohl einmal wiedersehen, Egenolf?«

»Das kannst Du mich ja fragen, wenn wir von einander gehen,« erwiederte

Egenolf. »Du kommst doch jetzt mit uns hinauf zur Ulrichsburg?«

»Meinst Du? das war eigentlich nicht meine Absicht. Was sagt Ihr dazu,

Gräfin Isabella?« wandte sich Bruno an diese.

Isabella sprach mit leise bebender Stimme: »Ich meine, Ihr solltet die

Aufforderung meines Bruders nicht ablehnen.«

»Na, siehst Du! so kräftigem Zureden kannst Du doch nicht widerstehen,«

lachte Egenolf. »Natürlich kommst Du mit, weißt doch, daß Du meinen

Eltern willkommen bist,« fügte er hinzu und fing dafür einen

dankbaren Blick seiner Schwester auf, den er ihr mit einem freundlich

verschmitzten Lächeln zurückgab.

»Gern komme ich mit euch,« erwiederte frohgemuth Bruno, der auf diese

Einladung schon sehnlichst gewartet hatte.

So ritten sie denn zusammen zur St. Ulrichsburg hinauf, und Egenolf

trug sich mit nicht geringer Neugier, was wohl sein Vater zu Bruno's

Besuch auf der Hohkönigsburg sagen würde.

Bruno ward im Schlosse herzlich willkommen geheißen, und Graf Schmasman

ließ ihn nichts davon empfinden, was ihn seines Vaters wegen verdroß

und bekümmerte.

Isabella erzählte von ihrer vorzüglichen Aufnahme bei den

Thiersteinern, bestellte ihrer Mutter den freudigen Dank der Gräfin

Margarethe für den Gürtel und theilte mit, daß ihr Leontine einen

baldigen Gegenbesuch versprochen hätte.

»Und wo kommst _Du_ her, Bruno?« fragte Schmasman so beiläufig.

»Auch von der Hohkönigsburg,« antwortete Bruno.

»Aber Du warst nicht oben auf der Burg? nicht darin?«

»Doch, Herr Graf!«

»Von Deinem Vater entsandt?«

»Nein.«

»Ja, was wolltest Du denn da?«

»Ich wollte den Stallmeister Isinger, den vielgepriesenen Kurschmied,

um Rath fragen wegen meines herzschlächtigen Rappen.«

Da brach Egenolf in helles Lachen aus. Nun ist das Räthsel gelöst,

dachte er; seines herzschlächtigen Rappen wegen ist er den weiten Weg

geritten, nicht zur Eroberung eines heißbegehrten Mädchenherzens, und

wie habe ich mich mit der Ergründung seiner tief verborgenen Anschläge

abgequält! »Der Isinger wird Dir einen schönen Bären aufgebunden

haben,« konnte er zu sagen sich nicht enthalten.

»Fast glaub ich es selber,« erwiederte Bruno, in das Lachen des

Freundes gutmüthig einstimmend.

Schmasman blieb sehr ernst und setzte seine Fragen fort: »Hast Du den

Grafen Oswald gesprochen?«

»Gewiß! er hat mich auf der ganzen Burg herumgeführt, mir alle

Vertheidigungswerke gezeigt und mir den besonderen Zweck jedes

einzelnen erklärt.«

»Er hat Dir die Werke gezeigt?« sprach Schmasman höchst erstaunt.

»Nun, Bruno, Dein dämpfiger Rappe war doch wohl nur ein Vorwand für

Deinen Besuch, und wenn auch nicht in Deines Vaters ausdrücklichem

Auftrag, so doch wohl auf seinen leisen Wink hast Du Dir vom Grafen

Oswald die neuen Befestigungen so genau zeigen lassen; ich wundere mich

nur, daß er's gethan hat.«

»Er hat sich ohne meinen Wunsch selbst dazu erboten.«

Schmasman starrte den vom Grafen Oswald so Bevorzugten an, als

verstünde er das Alles nicht. Dann sagte er: »Du kannst also nun

angeben, an welchen Stellen die Burg am ehesten zu berennen und zu

erstürmen ist, wenn Dich Jemand danach fragen sollte?«

»Ich halte sie für uneinnehmbar,« erwiederte Bruno. »Aber, Herr Graf,

wer denkt denn daran, die Hohkönigsburg zu erstürmen?«

»Dein Vater, Bruno!«

Bruno saß da, wie auf den Mund geschlagen; kaum brachte er hervor:

»Mein Vater?«

»Ja, er hat mit dem Grafen Oswald einen harten Streit gehabt und will

sich an ihm rächen, ihm zum Kampf mit Feuer und Schwert absagen. Ich

glaubte, Du hättest ihm schon den Fehdebrief überbracht, als ich hörte,

daß Du von der Hohkönigsburg kommst.«

»Davon hat mir mein Vater kein Wort gesagt; er weiß allerdings auch

nicht, daß ich dahin geritten bin,« sprach Bruno erregt und erschrocken.

»Höre nur weiter! die Fehde ist beschlossene Sache; Dein Vater hat

auch mich dazu beredet, und ich habe ihm meine Hilfe zugesagt. Aber

nach reiflichem Erwägen und aus schwerwiegenden Gründen bin ich

anderen Sinnes geworden, und wärest Du heute nicht hierher gekommen,

so hätte ich morgen Deinen Vater meine Willensänderung wissen lassen.

Nun bestelle Du ihm, daß ich von dem Fehdeplan gegen die Thiersteiner

zurückträte.«

»Und wenn mich mein Vater nach Euren Gründen fragt?«

»Dann sage ihm --,« begann Schmasman mit auflodernder Heftigkeit,

bezwang sich aber schnell und fuhr ruhiger fort: »Sage ihm, ich hielte

einen Streit beim vollen Becher einer blutigen Fehde nicht werth.«

»Mit dieser Botschaft werde ich einen üblen Empfang zu Hause finden,«

meinte Bruno besorgt.

»Was kannst Du dafür!« tröstete ihn Schmasman. »Aber vielleicht besinnt

sich Dein Vater nun auch eines Besseren, wenn er hört, daß ich nicht

mitthun will.«

Bruno schüttelte den Kopf und sprach: »Schwerlich; was er sich einmal

in den Kopf gesetzt hat, davon bringt ihn nichts in der Welt wieder ab.«

»O ich kenne ihn,« sagte Schmasman, »er wird wüthen gegen mich.«

Danach blieb es eine Zeit lang still in dem Kreise. Die Anderen

hatten sich an dem Gespräch nicht betheiligt, auch Gräfin Herzelande

nicht. Isabella, die von diesen Fährlichkeiten jetzt zum ersten Male

hörte, empfand es schmerzlich, daß ihre Freundin Leontine und deren

Eltern von so bitteren Feindseligkeiten bedroht waren. Bruno lag es

bergeschwer auf der Brust, was ihn hier wie ein Blitz aus heiterm

Himmel überstürzt hatte. Er sah den Ausbruch einer scharfen, vielleicht

verhängnißvollen Zwietracht zwischen seinem Vater und dem Grafen von

Rappoltstein voraus, die seine jung aufsprießenden Hoffnungen auf den

einstigen Besitz Isabella's vernichten konnte. Aus seinem Besuch auf

der Hohkönigsburg konnte sein Vater ihm keinen Vorwurf machen. Warum

hatte Herr Burkhard ihm nicht Vertrauen geschenkt, ihn nicht in diese

mißlichen Verhältnisse eingeweiht, wie dies Schmasman doch seinem

Sohne gegenüber gethan haben mußte, denn Egenolf hatte sich von den

bedauerlichen Neuigkeiten durchaus nicht überrascht gezeigt. Und doch

war es Bruno lieb, daß er bis jetzt nichts davon gewußt hatte, denn

dann hätte er nicht auf die Hohkönigsburg reiten und dort unvermuthet

mit Isabella zusammentreffen können.

Die Stimmung auf der St. Ulrichsburg war eine niedergeschlagene, so

sehr auch Herzelande sich bemühte, die Unterhaltung, die sie geschickt

auf andere, unverfängliche Gebiete hinübergeleitet hatte, einigermaßen

im Gange zu erhalten. Egenolf war der Einzige, der die Wendung der

Dinge, wie sie heute lagen, als eine für ihn und seine Herzenswünsche

günstige betrachten konnte, nachdem er aus seines Vaters Munde den

Entschluß vernommen hatte, die Thiersteiner nicht befehden zu wollen,

aber frei von dem auf Allen lastenden Drucke fühlte auch er sich nicht.

Ihn dauerten Freund und Schwester, und mehr als einmal sah er, wie die

Beiden einen traurigen Blick wechselten, als früge Jeder den Andern:

was wird nun aus uns?

Bruno wollte aufbrechen und heimreiten, um den Sturm, der aus seines

Vaters Zorn über ihn daherbrausen würde, so bald wie möglich zu

bestehen und dann hinter sich zu haben. Er ließ sich jedoch von

Schmasman und Herzelande, die ihn von Klein auf kannten und daher auch

jetzt noch Du nannten, leicht zum Bleiben bewegen.

Endlich regte sich bei Allen der Wunsch, den Zwang von Umständen, an

denen vorläufig nichts zu ändern war, von sich abzuschütteln, und in

diesem Bestreben kam es am Abend, als Egenolf mit Erfolg darauf drang,

aus dem Schloßkeller einige Herzstärkungen heraufholen zu lassen,

noch zu einem ganz vergnüglichen Beisammensein. Auch Schmasman, der

eine gewisse Beruhigung darin fand, daß er seine Willensmeinung wegen

der Fehde von der Seele herunter hatte und Burkhard nun Kunde davon

erhielt, war gesonnen, sich jetzt einer frohen Geselligkeit hinzugeben,

und genoß mit Behagen die edlen Tropfen, die sein heute schier

übermüthiger Sohn auftischen ließ. Und Herzelande, die vornehm und

liebreich waltende, klug und mild alles Widerwärtige zum Guten kehrende

Schloßfrau, saß ihm mit lachenden Augen gegenüber und freute sich, ihn

wieder heiter zu sehen. Selbst Bruno vergaß an Isabella's Seite der

drohenden Wolken, die über seinem schuldlosen Haupte schwebten, und

Isabella war mehrmals in seligen Träumen versunken, aus denen sie erst

Anrede oder Frage eines Anderen weckte.

Als nun der alte, seinen Beruf nie verfehlende Freudenbringer die

Lebensgeister angefacht hatte, wandte sich Bruno plötzlich mit einem

fast feierlichen Tone zu Schmasman und sagte: »Herr Graf, ich habe eine

Bitte an Euch, eine große Bitte.«

Isabella erschrak und warf einen ängstlichen Blick auf ihren Bruder,

den es auch durchfuhr: er wird doch nicht --?

»Laß sie hören, Bruno!« rief Schmasman freundlich und geneigt ihm zu.

Bruno hub an: »Der Pfeiferkönig hat unsern Seppele von Ottrott auf neun

Tage in den Thurm gesperrt wegen eines Spottliedes auf den Falkenwirth

in Grendelbruch. Zur Hälfte hat er die Strafe schon verbüßt, und nun

bitte ich Euch als den Schutz- und Lehnsherrn der Spielleute: erlaßt

ihm in Gnaden die andere Hälfte und gebt den Seppele frei. Ihr würdet

meinem Vater damit eine Freude machen, und es würde nicht wenig zu

seiner Besänftigung beitragen, wenn ich ihm nach der anderen, sehr

unwillkommenen die tröstliche Meldung von Seppele's Freilassung

überbringen könnte.«

Isabella athmete auf, und Egenolf mußte nun selbst darüber lächeln,

welche Übereilung er seinem Freunde Bruno zugetraut hatte.

Schmasman antwortete nicht gleich, aber als ihm Herzelande eifrig

zunickte, sprach er: »Nun gut, Deine Bitte soll erfüllt werden, Bruno.

Egenolf mag morgen mit Dir nach Rappoltsweiler hinunter reiten; da

geht ihr zum Frohnvogt und verkündet ihm in meinem Namen Seppele's

Begnadigung. Dann kannst Du den Nichtsnutz gleich mitnehmen.«

»Ich dank' Euch vielmals, Herr Graf!« sagte Bruno und war nun erst

recht aufgeräumt und guter Dinge.

Nicht lange darauf zogen sich die beiden Damen zurück, aber die drei

Herren zechten noch weiter, bis Schmasman erklärte: »Nun ist's genug;

schlaft wohl, ihr beiden!«

Gern wäre Bruno noch mit Egenolf allein sitzen geblieben, um ihm beim

Becher seine Liebe zu Isabella zu beichten, aber das wollte Egenolf

heute vermeiden. Er sprach daher: »Komm! es ist spät geworden.«

Da erhoben auch sie sich und suchten ihre Schlafgemächer auf.

Die Hohkönigsburg: Eine Fehdegeschichte aus dem Wasgau · 第 25 / 49 题