Sie gingen nun zur Gräfin Katharina. --

Graf Oswald saß in seinem Gemach und blätterte in vergilbten Schriften.

Die Wände waren mit Waffen, alterthümlichen und jetzt gebräuchlichen,

und mit allerlei Jagdzeug, ausgestopftem Gethier, Geweihen und

Gehörnen geschmückt, und an der linken Augensprosse eines kapitalen

Zwanzigenders schwebte Herrn Burkhards Eulenhut. Oswalds Bruder hatte

ihn inmitten des Tumultes im Rathskeller geschickt bei Seite zu

bringen gewußt und als ärgerliches Beweis- und Beutestück mit sich

genommen. Nun hing er hier auf der Hohkönigsburg an dem Hirschgeweih,

und Burkhard, der sich über den Verlust seiner Eule gewiß unsäglich

boßte und ihren Verbleib nicht ahnte, konnte lange warten, bis er sie

wiederbekam.

Etwa eine Stunde vor Mittag trat Graf Wilhelm eilend herein und rief:

»Oswald, nun geht es los; rathe, wer soeben im Stallhof vom Pferde

gestiegen ist!«

Oswald blickte seinen Bruder fragend an.

»Jungherr Bruno von Rathsamhausen.«

»Also endlich!« sagte Oswald und erhob sich vom Stuhle. »Na, nur zu!

Aber --« fuhr er fort, nachdem er schweigend ein paar Schritte auf und

ab gethan hatte, »aber den eigenen Sohn als Unterhändler oder, was

wahrscheinlicher ist, als Boten mit dem Fehdebrief zu schicken ist mir

auch noch nicht vorgekommen. Hast Du ihn schon gesprochen?«

»Nein, er wird wohl mit Dir unter vier Augen reden wollen.«

»Nun, ich werde ihn hier erwarten und ihm höflich begegnen; er hat mich

nicht beleidigt.«

»Aber laß ihn die Eule nicht sehen, thu sie weg!« erinnerte Wilhelm.

»Da hast Du Recht, die darf er nicht sehen,« erwiederte Oswald, nahm

den Filz vom Geweih und verbarg ihn.

»Ich gehe,« sprach Wilhelm, »bedarfst Du meiner, so laß mich rufen.«

Graf Wilhelm ging, und Oswald blieb allein und harrte, harrte lange auf

Bruno's Anmeldung, aber vergeblich. Sollte sich Wilhelm geirrt haben?

dachte er. Endlich ließ ihn seine Gemahlin bitten, zum Mittagsmahle zu

kommen.

»Sind außer der Gräfin Isabella noch andere Gäste da?« frug er.

»Nur einer, Herr Graf!« erwiederte der Diener, »Jungherr Bruno von

Rathsamhausen wird an der Tafel theilnehmen.«

»So! schön! ich komme sogleich.«

Der Diener verschwand. Oswald schüttelte den Kopf und sprach zu sich:

»Das wird immer lustiger. Beim Wein hat die Geschichte angefangen, beim

Wein wird sie fortgesetzt.«

Die Thierstein'schen Damen, die von dem bösen Streit des Grafen mit

Burkhard nichts wußten, fanden Bruno's Besuch ganz in der Ordnung,

da er bei dem großen Fest ihr Gast hier im Schlosse gewesen war. Mit

zwiespältigem Gefühl aber vernahm Isabella seine Ankunft. Theils

freute sie sich, Den wiederzusehen, den sie nur allzu gern sah, theils

sagte sie sich: er kommt nur Leontinens wegen. Leontine jedoch hatte

die gleiche Vermuthung in Bezug auf Isabella, und ihr, von einem

ahnungsvollen Lächeln begleiteter Blick trieb der Freundin das Blut in

die Wangen, denn sie las darin die Frage: ein verabredetes Stelldichein?

Bruno selber stutzte, als er, zu seiner nicht ganz freudigen

Überraschung, Isabella hier vorfand, näherte sich ihr aber nach

Begrüßung der Thierstein'schen Damen mit größter Artigkeit und

Freundlichkeit.

Leontine war Anfangs heiter entgegenkommend ihm gegenüber und

ermunterte ihn zum Gespräch, in das sie so viel wie möglich Isabella

hineinzog mit der Absicht, den Beiden das von ihnen doch wohl

gewünschte Vertrautwerden mit einander zu erleichtern. Sobald sie aber

aus Bruno's Gebaren die Voraussetzung dieses Wunsches als einen Irrthum

erkannte und es sich herausstellte, daß er sie selber wieder wie Abends

in der Festhalle zu Rappoltsweiler vor Isabella auffallend bevorzugte,

und vollends als sie beobachtete, daß Isabella dabei immer stiller und

ernster, fast traurig wurde, durchschaute sie die Lage der Dinge und

sah, daß hier zwei Herzen waren, deren Neigung nicht erwiedert wurde.

Von da an benahm sie sich zurückhaltend und kühl gegen ihn, um ihn

über ihre Empfindungen nicht im Unklaren zu lassen. An eine wirkliche

Leidenschaft Bruno's glaubte sie nicht und gab deßhalb die Hoffnung

nicht auf, das von ihr verschmähte Herz des ritterlichen jungen Helden

ganz leise ihrer Freundin Isabella zuführen zu können, an deren

heimlicher Liebe sie nicht mehr zweifelte.

Gräfin Margarethe, der weder die Huldigung, die Bruno Leontinen

darbrachte, noch deren Ablehnung seitens ihrer Tochter entging, hielt

es nicht für nöthig, ihren Gemahl früher rufen zu lassen, als bis die

Mittagstafel im Nebengemach bereit stand.

Jetzt erschien Graf Oswald und begrüßte den Sohn seines Gegners mit

gemessener, aber tadelloser Höflichkeit.

Bruno verneigte sich vor ihm und sprach: »Verzeiht den Überfall, Herr

Graf! ich wollte Euch und Euren Damen meinen Dank aussprechen für die

gastliche Aufnahme, die auch ich hier bei Euch gefunden habe. Und dann«

-- er stockte -- »und dann führt mich auch noch ein anderer Beweggrund

auf die Hohkönigsburg.«

»Ich stehe zu Diensten, Jungherr von Rathsamhausen,« sprach Oswald mit

leicht umwölkter Stirn. »Wollt Euch mit mir in mein Zimmer bemühen.«

»O das eilt ja nicht, Herr Graf.«

»Wenn es auch nicht eilt, -- ich würde doch vorziehen, das Geschäft,

das Euch herführt, noch vor Tische zu erledigen. Wir sitzen dann freier

und ruhiger beim Wein. Bitte, kommt!«

»Herr Graf,« lächelte Bruno verlegen, »in Eurem Zimmer können wir die

Sache nicht abmachen, sondern -- im Marstall.«

»Im Marstall?« frug Oswald, aufs Höchste erstaunt.

»Ja,« sagte Bruno, »ich habe nämlich gehört, daß Euer Stallmeister

ein erfahrener Kurschmied ist und möchte ihn gern um einen guten Rath

angehen wegen meines Rappen.«

»Um Euren Rappen handelt es sich? ich dachte, Ihr hättet einen Auftrag

an mich von Eurem Vater.«

»Nein, Herr Graf!«

»Wirklich nicht?« fragte Oswald noch einmal.

»Wirklich nicht, Herr Graf! ich bedaure, aber mein Vater weiß garnicht

von meinem Besuch hier. Ich bin schon zwei Tage von Hause fort, hörte

erst unterwegs von Eurem trefflichen Stallmeister und entschloß mich

schnell, hierher zu reiten, auf Eure gütige Nachsicht hoffend.«

»Ihr seid mir willkommen, Jungherr!« sprach Oswald, der mit seiner

Verwunderung kaum noch an sich halten konnte. »Wilhelm,« rief er dem

eben mit seiner Gemahlin eintretenden Bruder zu, »Jungherr Bruno von

Rathsamhausen kommt zu dem Zwecke, sich bei unserem weit und breit

berühmten Isinger weisen Rath für eine Pferdekur zu holen.«

Graf Wilhelm blickte verdutzt vom Einen zum Andern, ob er denn recht

gehört hätte, und mußte seine Gedanken erst wieder sammeln, ehe er

Bruno die Hand reichen und sprechen konnte: »Da kommt Ihr vor die

rechte Schmiede, Jungherr!«

Gräfin Katharina fügte, als sich Bruno ihr nahte, hinzu: »Der Isinger

weiß für Alles Rath, und nicht bloß bei Thieren. Auch mir hat er schon

einmal ein Tränklein gebraut, das mich von einem quälenden Husten

befreite.«

»Und jetzt kommt zu Tische!« sagte Oswald, »der Stallmeister läuft uns

nicht fort.«

Man begab sich zu Tische, und Jeder nahm den Platz ein, den ihm die

Wirthin bestimmte.

Bruno saß den beiden jungen Gräfinnen gegenüber und kam im Verlauf des

Mahles immer gründlicher zu der Einsicht, daß er sich auf Leontinens

Gunst keine Hoffnung machen durfte. Sie sprach wenig mit ihm und gab

ihm nur kurze Antworten, wenn sie auch aus Rücksicht auf Isabella

nicht unfreundlich gegen ihn war. Dagegen nahm Isabella's anmuthiges,

liebenswürdiges Wesen den sich damit Tröstenden mehr und mehr gefangen,

und wenn er ihr beim Reden in die Augen sah, so traf ihn daraus

ein warmer Strahl, der ihm zu Herzen drang. Er war keineswegs eine

flatterhafte Schmetterlingsnatur, die sich von einem Blüthenkelche

schnell zum andern schwingt, aber eine Wandlung, ihm selbst noch

unbewußt, ging doch in ihm vor; er fühlte sich mit einem Male zu

Isabella hingezogen, obwohl sie nichts that, ihn an sich zu fesseln.

Nach Aufhebung der Tafel schlug Graf Oswald seinem Gast einen Rundgang

innerhalb der Umwallung vor und verfolgte damit einen ganz bestimmten

Plan. Er wollte dem Rathsamhausen auf Schritt und Tritt die Stärke der

neu erbauten Burg zeigen, damit dieser sich von ihrer Uneinnehmbarkeit

überzeugen und seinem Vater darüber berichten sollte. So führte er ihn

denn von Werk zu Werk, von Thurm zu Thurm und erklärte ihm den für

die Vertheidigung wohlbedachten Zweck jeder einzelnen Anlage, so daß

Bruno am Schluß der langen Wanderung freiwillig gestand, eine so stark

befestigte Burg noch nie gesehen zu haben.

Der Graf nahm das mit Befriedigung auf, aber seltsam war ihm doch zu

Muthe, wie er hier dem Sohne des Mannes, von dem er nur Feindschaft,

Angriff und Kampf zu erwarten hatte, so gastfreundliche Ehren erwies.

Was wird Burkhard sagen, dachte er, wenn ihm Bruno von der Aufnahme

erzählt, die er ohne Wissen und Willen des Vaters in den Mauern der

Hohkönigsburg und an dem Tische des gehaßten Burgherrn gefunden hat!

Aber er ließ seinen Gast von diesen Betrachtungen nichts merken und

sprach: »Nun kommt zu unserem vielgewandten Kurschmied!«

Sie gingen zum Marstall und trafen den Stallmeister in der Schmiede

allein. Bruno klagte ihm die Leiden seines schwarzen Lieblings daheim

im Stalle und bat um Angabe eines Heilmittels.

Isinger stellte eine Reihe von Fragen an Bruno über die Dauer der

Unpäßlichkeit, über deren äußere Kennzeichen, über Fütterung und

Freßlust des Thieres und mehr dergleichen, konnte aber aus Bruno's

Antworten nicht recht klug werden und kam zu der Überzeugung, daß

die Sache unmöglich von der Bedeutung sein könnte, um dieserhalb,

zur Einholung seines geschätzten Gutachtens einen Ritt nach der

Hohkönigsburg zu unternehmen. Ein paar Tage Schonung würden genügen,

das Unwohlsein des geliebten Rappen zu verflüchtigen.

Das sagte der schlaue Stallmeister aber nicht; von seiner Kur sollte

der Kranke gesund werden. Er setzte daher eine bedenkliche Miene

auf und sann über den schweren Fall nach. Ihm kam der Gedanke, ob

vielleicht sein alter Freund Hans Loder hier die Hand im Spiele und ihm

den Jungherrn auf den Hals geschickt hatte, um seine vielgepriesene

Heilkunst auf die Probe zu stellen, oder ob Hans den leichtgläubigen

Jungherrn selber zum Narren haben wollte, bei welchem Possen Isinger

natürlich gern half.

Er that sehr wichtig und erklärte: »Euer Rappe ist dämpfig und

herzschlächtig, Herr, aber dem ist beizukommen, wenn die richtigen

Mittel dagegen angewandt werden.« Nun mischte er aus seinem Vorrath

siebenerlei getrocknete Kräuter zu einem Häufchen zusammen, übergab

dies Bruno und sagte: »Aus diesen heilkräftigen Kräutern müßt Ihr mit

Wasser, Branntwein und Honig zu gleichen Theilen einen Sud bereiten

lassen; aber es gehört noch etwas dazu, was ich augenblicklich nicht

habe, nämlich Herz und Galle von einem Raben, die mit hineingekocht

werden müssen. Nun, Ihr schießt Euch einen, und dann ist der Trank

bald hergestellt, von dem Ihr dem Rappen täglich drei Löffel voll

einschütten laßt. Nun weiß ich aber noch ein Geheimmittel, das

unfehlbar wirkt. Um es Euch mittheilen zu können, muß ich jedoch den

Herrn Grafen bitten, uns allein zu lassen, denn nur Der darf es hören,

der es gebrauchen will, sonst hilft es nicht.«

»Ich gehe schon,« sprach Graf Oswald und entfernte sich mit verhaltenem

Lachen aus der Schmiede, denn er ahnte, daß jetzt der Schalk, der

seinem durchtriebenen Stallmeister im Nacken saß, hervorkommen und dem

Jungherren eine gehörige Nase drehen würde.

»Also, Jungherr,« fuhr Isinger nun fort, »Ihr müßt Euren Rappen täglich

dreimal, Morgens, Mittags und Abends, mit einem rothen Frieslappen aus

dem Rock eines Gehenkten abreiben, aber Niemand darf es sehen oder

davon wissen.«

»Ja, um Gottes willen! wo soll ich denn den schauerlichen Lappen

hernehmen?« fragte Bruno fast entsetzt. »Muß ich etwa zu dem Zweck

erst einen armen Sünder an die Herberge zu den drei Säulen liefern?«

»Nicht nöthig; im Henkerlehen findet Ihr dergleichen.«

»Im Henkerlehen?«

»Ja; das Henkerlehen, müßt Ihr wissen, ist ein einträglicher Hof bei

Oberehnheim, und sein Lehensträger hat die Verpflichtung, die Kosten

der in Barr, Oberehnheim und Rosheim stattfindenden Hinrichtungen

zu bestreiten, wogegen ihm die Kleider der Gehenkten, Geköpften und

Geräderten als Eigenthum zufallen.«

»Eine recht erbauliche Erbschaft!« lachte Bruno.

»O, sie bringt dem Manne viel ein; derlei Dinge werden stark begehrt

und theuer bezahlt, denn in den Kleidern und einzelnen Gliedern von

Gerichteten stecken Zauberkräfte,« flüsterte Isinger.

»Nun, ich werde sehen, ob ich mir das Zaubermittel beschaffen kann.

Nehmt einstweilen meinen Dank, Herr Stallmeister!« sagte Bruno und

drückte dem gewitzten Kurschmied ein paar Geldstücke in die Hand.

Als Oswald und Bruno in den Palas zurückkehrten, fanden sie dort nur

die Gräfin Margarethe mit den beiden jungen Damen.

»Hat Euch unser kluger Thierarzt gut berathen?« fragte Margarethe.

»Wenn die Kur so gut anschlägt, wie die Mittel dazu absonderlich sind,

so kann ich zufrieden sein,« lächelte Bruno.

»Danach darf man nicht fragen, Grete! das sind tiefsinnige

Geheimnisse; ich habe auch nicht hören dürfen, welchen wunderbaren

Zauber Isinger unserem jungen Freunde für seinen herzschlächtigen

Rappen empfohlen hat,« sprach Oswald mit kaum verhohlenem Spott und

wandte sich dann zu Bruno: »Was meint Ihr, Jungherr, wollen wir uns ans

Brett setzen und Schachzabel spielen?«

»Mit Vergnügen, Herr Graf!« erwiederte Bruno, »aber ein guter Spieler

bin ich nicht.«

»Ich auch nicht,« sagte der Graf und holte das Brettspiel herbei.

»Und was fangen dann wir an?« war Margarethens Frage. »Halt! ich weiß

es. Eure liebe Mutter hat mir erzählt, Isabella, Ihr sänget zur Harfe.

Gönnt uns den Genuß, Euch zu hören! In meinen jungen Jahren habe ich

diese Kunst auch geübt und werde Euch meine Harfe bringen lassen.«

Damit ging sie hinaus ohne Isabella's Einwilligung abzuwarten, die nun

den Anderen gegenüber mit schüchternen Worten erfolgte.

»Ich fürchte, wir werden ein schweres Spiel auf dem Brett haben,

wenn Euer holder Gesang uns die Gedanken verwirrt,« sprach Oswald.

»Schachzabel und Harfenspiel vertragen sich nicht gut mit einander; wir

sollten uns die Ohren verstopfen vor Euren Sirenenklängen.«

Als die Gräfin mit einer die Harfe tragenden Zofe zurückkam, nahmen die

drei Damen in einiger Entfernung vom Schachtische Platz, und Margarethe

sagte: »Ich werde sie Euch erst stimmen, liebe Isabella.«

Während dies geschah, setzten sich die Herren zu ihrem Brett, und zwar

Bruno so, daß er, ohne sich wenden zu müssen, Isabella sehen konnte.

Das Spiel auf dem Brett und das Spiel auf der Harfe begann.

Mit süßem Wohllaut sang Isabella ihre Lieder, und die Hörer waren

entzückt von ihrer schönen Stimme und ihrem meisterlichen Vortrag

zum Klange der Saiten, die sie mit ihren schlanken Händen vollkommen

beherrschte. In den Pausen, die sie zwischen den einzelnen Liedern

machte, mußte sie den begeisterten Beifall des kleinen Kreises

hinnehmen mit der stets wiederholten Bitte um mehr, immer mehr.

Auf dem Schlachtfelde aber, wo die weißen Truppen gegen die schwarzen

kämpften, sah es wunderlich aus, und die beiden Könige kamen sich wie

verlassen und verrathen von ihren Vasallen vor; so schlecht waren sie

noch nie vertheidigt und beschützt, aber auch noch nie so ungeschickt

angegriffen worden. Besonders Bruno's Heer erlitt empfindliche

Verluste, und ein Held und Hauptmann der Seinigen fiel nach dem andern,

obwohl das Gefecht sehr langsam von Statten ging und Oswald großmüthig

genug war, seinen Gegner auf manchen verhängnißvollen Fehler aufmerksam

zu machen, ehe der zerstreute Spieler den falschen Zug vollendete.

Bruno blickte zu wenig auf das Brett und zuviel nach der lieblichen

Sängerin, und als er nach einer Stunde die Schlacht verloren hatte,

da war er ein doppelt Besiegter und so unrettbar verstrickt wie sein

gefangener König.

Isabella sang und spielte noch weiter, und beim letzten Liede, das

sie zu hören gab, ließ sie die Saiten der Harfe mächtig rauschen und

stürmen, und aus ihrem Munde klangen die Töne und Worte wie lauter

Herzensjubel glücklicher Liebe.

Dann vertrieb man sich die Zeit mit anderen Unterhaltungen, bis die

Nacht herniedersank und die Sterne über der Hohkönigsburg aufzogen,

und als der Thürmer wieder sein Gute Nacht vom Bergfried herab ertönen

ließ, ging man froh und zufrieden mit dem verlebten Tage zur Ruhe.

Die Hohkönigsburg: Eine Fehdegeschichte aus dem Wasgau · 第 24 / 49 题