XI.

Als am anderen Morgen Graf Schmasman mit den Seinigen das Frühmahl

eingenommen und sich in sein Zimmer hinauf begeben hatte, folgte ihm

ein wenig später seine Gemahlin dahin nach. Das war sonst nicht ihre

Gewohnheit, aber Schmasman wunderte sich über ihr Kommen nicht, denn er

konnte sich schon denken, was sie zu ihm führte.

»Dich drückt die Neugier, mein Alterchen,« sprach er lächelnd zu ihr,

ehe sie selber ein Wort gesagt hatte.

»Dich drückt etwas viel Schwereres, Schmasman,« erwiederte sie mit

einem forschenden Blick in sein Angesicht. »Hinter Deinem grübelnden

Schweigen, das mir in diesen letzten Tagen an Dir sehr aufgefallen ist,

steckt ein Geheimniß, von dem ich meinen Antheil verlange; deßhalb

komme ich.«

»Gern verschwiege ich es Dir,« gab er ihr zur Antwort, »aber Du wirst

die Harnische bald genug rasseln hören, und dann läßt sich's doch nicht

mehr verbergen. Wir Männer müssen auf die Gäule.«

»Eine Fehde?«

»Ja, eine Fehde, und was meinst Du, gegen wen?«

»Doch nicht gegen die Thiersteiner?«

»Gegen die Thiersteiner.«

»O mein Gott!« rief sie, »was ist denn geschehen?«

»Geschehen ist bis jetzt noch wenig,« erwiederte er, »aber es droht

etwas, das nicht geschehen soll und nur mit Gewalt zu verhindern ist.«

»Gieb mir keine Räthsel auf, Schmasman!« sprach sie ungeduldig und

ängstlich zugleich. »Was hat Dir Graf Oswald angethan? Ich denke, euer

Wortwechsel an der Kapelle ist ausgeglichen.«

»Vollkommen, aber das war nur das Vorspiel.«

»Das Vorspiel wovon? wozu? ich verstehe von alledem kein Sterbenswort.«

»Am ersten Pfeifertage ist es Abends im Rathskeller zum Klappen

gekommen.«

»Ach so! bei den großen Pokalen,« lachte sie spöttisch. »Der Graf hat

wohl den schönsten für sich begehrt bei eurem Gelage? schrecklich!«

»Den hätten wir ihm wohl überlassen, aber die Sache ist für uns Alle

sehr ernsthaft geworden. Da setze Dich hin und höre zu!«

Nun erzählte Schmasman der aufmerksam Hörenden ausführlich den Verlauf

und schlimmen Ausgang der Abendzeche und schloß: »Du wirst einsehen,

daß man so gefährlichen Drohungen gegenüber die Hände nicht im Schoß

halten kann.«

»Das sind Worte, in der Weinlaune gesprochen,« sagte die Gräfin, »ein

Becherstreit mit heißen Köpfen, der in der nächsten Morgenkühle wie

ein Rausch aus dem Hirn verflogen und vergessen ist.«

»So dachte ich Anfangs auch, habe mich aber überzeugen müssen, daß

unsere Freiheiten und Rechte gefährdet sind; zu spät geschützt heißt in

diesem Falle unwiderbringlich verloren.«

»Du hast Dich von Burkhard davon überzeugen _lassen_, willst Du sagen.«

»Nun ja, man kann nicht Alles mit eigenen Augen sehen.«

»Schmasman, traue dem Ottrotter nicht zuviel! er ist hinterhaltig und

stets auf seinen Vortheil bedacht.«

»Herzelande! er ist mein alter Waffenbruder!« sprach Schmasman im Tone

des Vorwurfs.

Die Gräfin schürzte die Lippen und sagte: »Ja, Du hältst ihm die Treue,

aber ob er Dir --?«

»Aber Herzelande!« sprach Schmasman noch einmal, »wie kannst Du --«

»Was habt ihr denn mit dem Thiersteiner vor?« unterbrach sie ihn.

»Mit einem Worte: ihn von der Hohkönigsburg zu vertreiben und ihn

wieder dahin zu schicken, wo er hergekommen ist,« erwiederte Schmasman.

»Schmasman!« rief Herzelande und schlug die Hände zusammen, »das wird

ja keine Fehde, das giebt einen Krieg.«

»Wenn Graf Oswald nicht einlenkt, -- wohl möglich.«

»Die armen, armen Frauen!« jammerte Herzelande.

»Die thun mir auch leid,« gestand Schmasman, »aber ich kann ihnen nicht

helfen.«

In diesem Augenblick trat Egenolf ein und ahnte sogleich, was die

Anwesenheit seiner Mutter zu dieser Stunde hier zu bedeuten hatte. »Ich

wollte nur fragen, Vater,« sprach er, »ob sich Loder schon bei Euch

gemeldet hat; ich habe ihn auf heute Morgen herbestellen lassen.«

»Noch war er nicht hier,« sagte Schmasman.

Herzelande trat an ihren Gemahl heran und fragte leise: »Weiß Egenolf

von der Sache?«

»Ja,« entgegnete Schmasman, »aber die Gründe kennt er nicht.«

»Egenolf,« wandte sie sich nun zu dem Sohn, »der Vater will gegen den

Grafen Thierstein zu Felde ziehen.«

»Könnt' ich's nur hindern, Mutter!« kam es bedrückt von Egenolfs

Lippen. »Aber ich soll heute noch mit Loder reiten und die Lehnsleute

aufbieten.«

»Also so weit ist es schon.«

»Ich bin ja noch nicht im Sattel, Mutter!« tröstete er sie in der

stillen Hoffnung, daß es ihr am Ende gelänge, den Vater von dem

grausamen Plane noch abzubringen. »Darf ich jetzt vielleicht wissen,

Vater,« fuhr er fort, »was euch Herren mit dem Grafen Oswald verfeindet

hat?«

»Wir haben im Rathskeller einen hitzigen Streit mit ihm gehabt,«

erwiederte Schmasman. »Dabei kam es heraus, daß er es auf die

Verkürzung und Verkümmerung unserer Freiheiten und Standesrechte

abgesehen hat. Ein böses Wort gab das andere, und zuletzt schlug Graf

Oswald unserem Freunde Burkhard die Eule vom Kopfe. Burkhard griff zum

Dolche, und wir konnten ihn in seiner Wuth kaum bändigen.«

»Und darum sollen die Thiersteiner von der Hohkönigsburg herunter?«

»Ja.«

Egenolf und Herzelande schwiegen.

Jetzt wurde Loder gemeldet.

Als er hereinkam, reichte ihm Schmasman die Hand und sprach: »Hans,

Du mußt den alten, dicken Schimmel besteigen und mit Graf Egenolf zu

unsern Lehnsleuten traben. Sie sollen sich bereit halten, mit ihrem

reisigen Zeug zu uns zu stoßen, sobald ich sie rufen werde. Du kennst

sie am besten und sollst sie dazu aufmahnen. Und damit Du Bescheid

weißt, um was es sich handelt, theile ich Dir im Vertrauen auf Deine

Verschwiegenheit mit, daß wir dem Grafen Thierstein absagen, die

Hohkönigsburg stürmen und ihn daraus vertreiben wollen.«

»Das weiß ich schon, Herr Graf,« sagte Loder ruhig.

Schmasman warf einen strengen Blick auf seinen Sohn.

»Von mir nicht, Vater,« sprach Egenolf.

»Von wem dann?« fragte Schmasman unwillig.

»Von Herrn Burkhard von Rathsamhausen, für den ja die Hohkönigsburg

gestürmt werden soll, damit er mit seinen Gästen dort fröhliche

Weihnachten feiern kann,« kam es von Loder heraus.

»Was ist das? bist Du toll geworden, Alter?« brauste Schmasman auf.

»Ich habe es aus Herrn Burkhards eigenem Munde, daß er Euch dazu

herumgekriegt hat, Herr Graf,« erwiederte Loder mit derselben Ruhe wie

vorher. »Hättet Ihr mich nicht herbefohlen, so wäre ich von selber

gekommen, um Euch zu melden, was mir von Ungefähr wie ein Mücklein in

die Ohren geflogen ist und wovon mein Herz mir nichts Gutes weissagte.

Ich dachte mir dabei: das heißt doch, Einem den Münsterthurm von

Straßburg zum Angebinde versprechen.«

Der Graf war starr; sein fragender Blick begegnete dem seiner Gemahlin,

der ihm die stumme Antwort gab: da hörst Du's! Noch begriff er nicht,

was es mit Loders verblüffender Meldung auf sich hatte, und stellte

diesen nun mit dem Zornausbruch: »Heraus mit der Sprache! was soll das

unsinnige Gerede?«

Loder berichtete nun wortgetreu das Gespräch Burkhards mit Jost

von Müllenheim, das er mit angehört hatte, als er nach Schluß des

Pfeifergerichts dem Abreitenden den Steigbügel hielt. Von seinem

Wortwechsel mit Burkhard wegen Seppele's Verurtheilung und von des

Ersteren Drohung gegen ihn sagte er aber nichts.

Schmasman fragte in tiefster Erregung: »Und das Alles willst Du

wörtlich so gehört haben? kann da kein Irrthum, kein Mißverständniß

sein?«

»Nein, Herr Graf!« erwiederte Loder, »ich bürge mit Ehr und Gewissen

für jedes Wort.«

Durch des Grafen hohe Gestalt ging ein Zittern. Um seine mächtige,

innere Bewegung zu verbergen, trat er an ein Fenster, den Anderen den

Rücken zukehrend. Ein dumpfes Schweigen herrschte im Gemache, Niemand

rührte sich von der Stelle.

Endlich wandte sich Schmasman um und sagte, auf Loder zuschreitend,

mit einer eisigen Ruhe: »Ich danke Dir, Hans! Du hast mir einen großen

Dienst erwiesen.« Dann setzte er sich in einen Sessel und stützte den

Ellenbogen auf die Lehne und das Haupt auf die Hand.

Loder wollte abtreten, aber die Gräfin winkte ihm zu, noch zu bleiben.

Dann ging sie zu ihrem Gemahl und sprach, ihm leise die Schulter

berührend: »Nimm es auch nicht allzuschwer, Liebster! Burkhard wird auf

die eine oder die andere Weise zur Vernunft zu bringen sein.«

»Wie ist es nur möglich?« fuhr Schmasman aus seinem Brüten auf. »Er

hat mich getäuscht und schmählich hintergangen, hat mich mißbrauchen

wollen als gefügiges Werkzeug seiner ehrgeizigen, habgierigen Pläne.

Ich bin blind und taub gewesen in meinem festen Glauben an ihn. Jetzt

begreife ich seine vorgefaßte Meinung und seine Feindschaft gegen

die Thiersteiner. Jetzt verstehe ich manches Wort, das ihm unbedacht

entschlüpfte und das ich ihm stets zum Guten auslegte als nicht so bös

und ernst gemeint. Ich habe ihn gefragt, was mit der Hohkönigsburg

werden sollte, wenn wir sie erstiegen hätten. Da ist er mir ausgewichen

mit seiner Antwort, hat mir nicht ehrlich gesagt, daß er sie selber

haben möchte.«

»Aber warum hat er sie denn nicht genommen, so lange sie ihm herrenlos

und unvertheidigt offen stand?« fragte Herzelande.

»Weil er sie dann selber mit seinem Gelde aus den Trümmern hätte wieder

aufrichten müssen,« entgegnete Schmasman. »Jetzt findet er sie fertig

vor, so stark und schön, wie sie vorher niemals war, und würde sich

dagegen sträuben, wenn wir sie nach ihrer Erstürmung wieder ausbrennen

wollten. Nicht in das zerstörte, nein, in das sicher und fest gebaute

Nest will er sich setzen.«

»Was beschließest Du nun zu thun?« fragte Herzelande.

»Darüber kann ich mich unmöglich heute schon entscheiden, denn das

bedarf sehr reiflicher Erwägung,« sagte Schmasman. »Burkhard hat mein

Wort, zur Fehde zu rüsten, dem Thiersteiner abzusagen und an dem Kampfe

gegen ihn theilzunehmen.«

»Das Wort hast Du unter ganz anderen Voraussetzungen und Bedingungen

gegeben und würdest es nicht gethan haben, wenn Du Burkhards

Hintergedanken durchschaut hättest,« wandte die Gräfin ein. »Er hat

den Thiersteiner unablässig gereizt, hat ihn nach Deiner eigenen

Darstellung zu unüberlegten Drohungen verlockt und herausgefordert,

deren Anfang zur Ausführung doch wenigstens abgewartet werden

sollte. Dann ist es immer noch Zeit, den Versuch dazu durch

einmüthigen, entschiedenen Widerstand und, wenn's sein muß, mit

Gewalt zurückzuweisen. Burkhard hat es, nur in der Absicht, die

Hohkönigsburg für sich selber zu gewinnen, darauf abgelegt, einen

Streit heraufzubeschwören und euch Alle mit hineinzuziehen, hat ihn

willentlich immer weiter und weiter mit Sticheln und Hetzen getrieben,

bis ein blutiger Waffengang unvermeidlich schien. Soll er seinen

eigennützigen, mit so verwerflichen Mitteln verfolgten Zweck nun

wirklich erreichen?«

»Ein Wort ist ein Wort und bleibt ein Wort,« erwiederte Schmasman, »ich

kann damit nicht umspringen, wie der Wind die Wetterfahne dreht. Die

Lage der Sache ist nur insofern verändert, daß die Fehde nun noch ein

Nebenziel hat, das nicht von vornherein klar ausgesprochen ist, das ich

nicht billige und zu dessen Erreichung ich dann am wenigsten helfen

werde, wenn ich dazu überlistet und übertölpelt werden soll.«

»Und ohne Dich, gegen Deinen Willen werden die Anderen den Kampf nicht

wagen,« meinte Herzelande.

»Der eigentliche Grund zum Kampfe bleibt bestehen,« sagte Schmasman,

»so lange Graf Oswald uns nicht bündige Zusicherung und annehmbare

Bürgschaft giebt, seinen herrschsüchtigen Gelüsten gegen den ansässigen

Adel völlig zu entsagen. Thut er dies, so fällt jede Veranlassung zu

einer Fehde weg. Die persönlichen Beleidigungen, die sich Burkhard

und Oswald gegenseitig zugefügt haben, mögen die Zwei unter sich

allein ausfechten; das wird weder den Einen noch den Anderen eine Burg

kosten. Ich glaube, eine offene, ruhige Aussprache mit dem Grafen

Oswald unter vier Augen würde sehr dazu beitragen, einen allgemeinen

Kampf zu verhüten, und ich bin der Anbahnung einer Verständigung mit

ihm durchaus nicht abgeneigt, damit er sieht, daß ich unter gewissen,

unerläßlichen Bedingungen bereit bin, die Hand zum Frieden zu bieten.

Jedenfalls,« schloß der Graf, zu Egenolf und Loder gewandt, »reitet ihr

vorläufig nicht zu den Lehnsleuten.«

»Aber soll ich nicht auf die Hohkönigsburg reiten, Vater,« frug

Egenolf, »und dem Grafen eine Wink geben, daß Ihr nichts Feindliches

gegen ihn im Schilde führt?«

Schmasman schien zu überlegen.

»Wäre nicht so übel, Herr Graf,« mischte sich Loder in das Gespräch,

der Egenolfs sehnlichen Wunsch nach Frieden und Eintracht unter den

beiden Familien wohl verstand und ihm gern zu einem Wiedersehen mit der

jungen Gräfin behilflich sein wollte. »Graf Egenolf ist bei dem Streite

nicht unmittelbar betheiligt und könnte mit seinem freundnachbarlichen

Besuche dem Grafen Oswald zeigen, daß zwischen Euch und ihm kein Stein

im Wege liegt.«

»Nein, das wäre verfrüht und geht auch aus anderen Gründen nicht,«

entschied der Graf. »Nach dem Zank im Rathskeller sähe das aus wie

ein schleuniger Rückzug, wie eine Abbitte, möchte ich sagen, ein

Zukreuzkriechen.«

»Ich muß Dir vollkommen beipflichten, Schmasman,« sagte Herzelande,

»aber ich habe einen anderen Vorschlag. Die junge Gräfin Leontine hat

unsere Tochter um ihren Besuch gebeten, und diese hat ihn ihr auch

zugesagt. Isabella weiß von der ganzen Fehdesache nichts, und sie

darf auch nichts davon erfahren, um völlig harmlos und unbefangen

mit ihrer neuen Freundin und deren Eltern verkehren zu können. Also

rathe ich, daß wir Isabella hinauf schicken. Laß mich nur machen; es

soll weder für Isabella noch für die Thiersteiner nach irgend einer

Absicht aussehen. Aber Graf Oswald wird sich sagen, daß wir unsere

Tochter nicht auf die Hohkönigsburg hinauf lassen würden, wenn ein

unabwendbarer Kampf zwischen Dir und ihm nahe bevorstünde.«

»Das läßt sich hören, damit bin ich einverstanden,« erklärte Schmasman.

»Das verpflichtet mich nach keiner Seite hin, und die beiden Mädchen

geht der Streit der Männer nichts an.«

»Isabella kann heute Nachmittag hinaufreiten und zwei Nächte oben

bleiben,« bestimmte Herzelande.

»Und wir machen gegen Abend einen Pirschgang, Vater; ich weiß, wo ein

starker Bock wechselt,« fügte Egenolf hinzu.

»Auch das soll mir recht sein,« erwiederte der Graf, »und ich errathe,

welches Waidmannsheil Du mir mit dem Bock da im grünen Walde zutreiben

willst. Ich bin zwar, weiß Gott! nicht in Jagdstimmung, aber ich muß

Luft haben, muß mein Blut beruhigen, und es wäre mir noch lieber,

wenn Du statt des Bockes einen groben Keiler mit der Schweinsfeder

abzufangen hättest.« Sich zu Loder wendend fuhr er fort: »Du bist in

Gnaden entlassen, Hans! Gott erhalte Dir Deine feinhörigen Lauscher!«

»Ich wäre ja kein Spielmann,« lachte Loder, »wenn ich im Zusammenklange

nicht sofort die Falschheit eines Tones merkte, mag er herkommen, von

wo er will.«

Nun schieden die Drei aus dem Gemach und ließen den Grafen allein.

Herzelande kramte sogleich in einer geschnitzten Eichentruhe und

entnahm ihr einen kostbar gestickten Frauengürtel, mit dem sie sich zu

ihrer Tochter begab.

»Isabella,« begann sie zu dieser, »hast Du Lust, heute Nachmittag auf

die Hohkönigsburg zu reiten?«

»Mit Freuden, liebe Mutter!« erwiederte Isabella, »ich habe ja

Leontinen meinen Besuch versprochen.«

»Eben darum!« sprach Herzelande, »aber ich habe noch einen anderen

Zweck dabei. Neulich beim Pfeiferfest lobte mir Gräfin Margarethe den

Gürtel, den ich Abends in der Halle trug; er schien ihr ausnehmend

zu gefallen. Da ich nun noch einen ähnlichen habe, beschloß ich, den

anderen der Gräfin zum Geschenk anzubieten. Aber ich möchte das nicht

auf die lange Bank schieben; ich habe von Deinem Vater einmal ein

lateinisches Sprichwort gehört, das er mir übersetzte: Doppelt giebt,

wer schnell giebt. Darum wünsche ich, daß Du ihn der Gräfin heute

bringst. Sieh mal! dieser ist es, ein Erbkleinod meiner lieben Mutter,

alte Burgunder Arbeit, wie man sie heut zu Tage nur noch sehr selten

findet; ist er nicht schön?« fragte sie, den Gürtel von dunkelrothem

Sammet mit reicher Goldstickerei vor den bewundernden Augen der Tochter

entrollend.

»Herrlich! wie wird sich Gräfin Margarethe darüber freuen!«

»Das hoffe ich; sage ihr, ich bäte sie, den Gürtel als eine kleine

Liebesgabe von mir anzunehmen und ihn recht oft zur freundlichen

Erinnerung an mich zu tragen. Wenn Du willst und sie Dich dazu

auffordern, kannst Du bis übermorgen bei Leontinen bleiben.«

»Ich danke Dir, liebe Mutter, daß Du mich zur Überbringerin des

werthvollen Geschenkes machst,« sprach Isabella. »Gleich nach dem

Mittagsmahl werde ich mich zu dem Ritt bereit halten. Einer von den

Knechten geleitet mich wohl, oder vielleicht Egenolf --?«

»Nein, Egenolf will mit dem Vater pirschen, Du nimmst Dir einen Knecht

mit.«

Als etwas später Isabella zum Burghof hinabstieg, um sich Pferd und

Geleitsmann zu sichern, traf sie dort ihren Bruder.

»Egenolf,« redete sie ihn an, »hast Du vielleicht auf der Hohkönigsburg

etwas auszurichten? ich reite heute Nachmittag hinauf.«

»Du reitest zur Hohkönigsburg hinauf? soso! sieh mal an!« sagte

Egenolf, den Erstaunten spielend. »Nun dann bestelle nur dort oben

einen recht herzlichen Gruß von mir.«

»Gern, aber an wen denn?« fragte sie mit einem schalkhaften Lächeln.

»Nun, an -- an den Stallmeister Isinger; an wen denn sonst?«

»Natürlich! an wen denn sonst?«

»Und wann kehrst Du zurück?«

»Übermorgen gegen Mittag.«

»Ich werde Dir entgegenkommen, um von Dir zu hören, wie -- ob mich der

Stallmeister auch wiedergrüßen läßt.«

Die Hohkönigsburg: Eine Fehdegeschichte aus dem Wasgau · 第 22 / 49 题