Verbündete
Vorhut: 3 3 6 2 1
Mitte: 2 6 11 3 2
Nachhut: 1 -- 3 6 2
----------------------------------------------------
Summe: 6 1) 9 3) 20 5) 11 7) 5 9)
51 Schlachtschiffe mit 3626 Kanonen.
Franzosen
Vorhut: 1 4 2 6 4
Mitte: 3 3 2 3 6
Nachhut: 3 2 2 3 7
-----------------------------------------------------
Summe: 7 2) 9 4) 6 6) 12 8) 17 10)
51 Schlachtschiffe mit 3596 Kanonen
1) 3 Schiffe zu 96 K.; 3 zu 90 K.;}
2) 1 zu 104 K.; 1 zu 102 K.; } Franzosen sehr überlegen.
1 zu 96 K.; 4 zu 92 K.; }
3) sämtlich zu 80 K.; } Franzosen überlegen.
4) sämtlich zu 84-88 K.; }
Die Verbündeten hatten 7-9 Dreidecker, die Franzosen 16.
5) Die englischen zu 70 K.; 1 zu 76 K.;} Verbündeten an Zahl
die Holländer zu 72 K.;} sehr überlegen.
6) zu 70 oder 74 K.; }
7) Die englischen zu 60 K.; 1 zu 66 K.;}
Holländer zu 64 K.;}
8) 6 zu 60 K.; 6 zu 62-68 K.; } Franzosen an Anzahl
9) Die englischen zu 50 K.; } und Stärke überlegen.
Holländer zu 52-54 K.;}
10) 9 zu 58 K.; 5 zu 56 K.; 3 zu 54 K. }
Bemerkenswert zu unseren früheren Betrachtungen über die Schiffsklassen
ist die geringe Zahl der Schiffe unter 60 Kanonen bei den Verbündeten,
die große Zahl der 70 Kanonenschiffe und die Stärke der Franzosen an
Dreideckern; doch schätzte Admiral Leake die englischen Zweidecker zu
80 den französischen Dreideckern zu 84-88 Kanonen an Gefechtskraft
gleich.
Die Tabelle ist zusammengestellt nach einer sehr ausführlichen Liste in
Clowes, Teil II, Seite 399, nahezu übereinstimmend mit holländischen
und französischen Quellen. Die meisten Autoren geben für die
Verbündeten 53 Linienschiffe an. Der Unterschied kommt daher, daß Rooke
2 Schiffe zu 50 Kanonen nicht in die Schlachtlinie einstellte, sondern
zur Beobachtung der Galeren bestimmte. Clowes, Bonfils, Troude geben
die Namen der Schiffe und der Kommandanten.
Hierzu traten bei den Verbündeten 12 leichtere Schiffe (24-50 Kanonen), 7
Brander, 2 Mörserboote; bei den Franzosen 8 kleinere Fahrzeuge (6-30
Kanonen) und 9 Brander, auch verfügte Toulouse über 22 (24?) französische
und spanische Galeren, die mit ihren 500-700 Mann und 4-6 schweren
Kanonen im Bug, dabei unabhängig vom Winde und geeignet zum Rammen, wohl
eine Rolle spielen konnten; sie waren auf die Geschwader verteilt und
standen in zweiter Linie.
=Die Flaggoffiziere= waren auf seiten der Verbündeten: Vorhut -- Admiral
Shovel, Vizeadmiral Leake; Mitte -- =Rooke=, Kontreadmirale Dilkes und
Byng; Nachhut (Holländer) -- Leutnantadmiral Callenburgh, Vizeadmiral von
Wassenaer. Bei den Franzosen: Vorhut -- Generalleutnant de Villette,
Generalleutnant d'Amfreville, Chef d'Escadre de Belle-Isle; Mitte --
=Graf Toulouse= (als Vorder- und als Hintermann je ein Chef d'Escadre),
Generalleutnant de Coêtlogon, Chef d'Escadre de Pointis; Nachhut --
Generalleutnant de Langeron, die Chefs d'Escadre de Septville und de la
Harteloire.
=Die Schlacht bei Malaga ist bemerkenswert für die Geschichte der
Seetaktik.= Sie gilt als die erste eines Zeitabschnittes, in dem die
Engländer immer mehr ausgesprochen eine Taktik nur schematisch
durchführen, nämlich: Gewinnen der Luvstellung; Heranführen der Flotte
genau Spitze auf Spitze und dann Kampf genau Schiff gegen Schiff, beides
unter starrer Aufrechterhaltung der Formation; Absehen von jedem Versuch,
schon durch Ansetzen des Angriffes die feindliche Linie an einer Stelle
mit Übermacht zu bedrohen. Auf die Nachteile dieser Art des Heranführens
der Flotte ist schon mehrfach hingewiesen und auch gesagt worden, daß die
Franzosen im nächsten Zeitabschnitte gegen diese Angriffsart eine
Defensivtaktik in der Leestellung aufbauten, die die Nachteile mit Erfolg
ausnutzte. Diese unwissenschaftliche Angriffsmethode einerseits, die
reine Defensivtaktik anderseits schlossen entscheidende Schlachten aus,
und man kann mit Recht sagen, daß die Seetaktik gegen die Zeiten der
geschickten Manöver Moncks, Ruyters und Tourvilles einen Rückschritt
gemacht hatte und bis zu dem Auftreten Rodneys und Suffrens auf einer
niedrigeren Stufe stand. Es ist aber wohl gerecht, zu fragen, ob dies
wirklich allein, wie lange angenommen ist, dem Mangel an Verständnis oder
Interesse für Taktik seitens der Seeoffiziere, vornehmlich der
englischen, zuzuschreiben ist oder nicht teilweise eine natürliche Folge
der bisherigen Entwicklung der Seetaktik war.
=Corbett= sagt bei der Betrachtung der Schlacht von Malaga: »Es muß daran
erinnert werden, daß es erst 40 Jahre her war, seitdem man die alte
Gruppentaktik verlassen und die Linie aus Einzelschiffen, ausgesprochen
zuerst wohl bei Texel 1665, eingeführt hatte. 1697 veröffentlichte
Hoste[267] sein Werk über Seetaktik; seitdem war keine Schlacht
geschlagen, seine Ansichten können also wohl als die zu jener Zeit
allgemein anerkannten betrachtet werden. Hiernach war es allerdings das
Hauptziel, einen Teil des Feindes abzuschneiden und zu dublieren. Man
hatte es in der ersten Zeit der neuen Taktik durch Durchbrechen der
feindlichen Linie mittels plötzlichen Wendens im Kontremarsch (d. i. ein
Schiff der Kiellinie nach dem andern, so daß die Kiellinie erhalten
bleibt, im Gegensatz zum »Wenden zugleich« vgl. Seite 260, Fußnote)
versucht, dieses Verfahren war aber wegen der damit verbundenen Gefahren
in Mißachtung gekommen. Hoste lehrte nämlich, beim Angriff dürfe ein
Durchbrechen der Linie nur unter besonderen Umständen angewendet werden,
z. B., um sich selber einer Gefahr zu entziehen, oder wenn der Feind
durch ungeschickte Manöver eine Lücke darböte; wenn der Feind gute
Formation hielte, sei es nicht zu wagen. Ein sonstiges Dublieren solle
man nur versuchen, wenn die eigene Linie infolge größerer Schiffszahl die
feindliche überrage; dieses Dublieren solle hinten geschehen, also bleibt
der Angriff Spitze auf Spitze bestehen. Ein Durchbrechen während der
Schlacht solle nur ausgeführt werden, wenn man sich durch Niederkämpfen
von 2 oder 3 Schiffen an derselben Stelle eine Lücke geschaffen habe. --
Auf eine Zeit wagemutiger Offensive, die mehr oder weniger besonders
hervorragenden Persönlichkeiten zuzuschreiben ist, folgte nun fast
naturgemäß als Rückschlag ein defensiveres Verfahren: Abwarten, ob der
Feind sich eine Blöße gäbe oder an einer Stelle niedergekämpft werden
würde. Daraus mußte die Ansicht entstehen, daß diejenige Flotte die
größte Aussicht habe, an einer Stelle mit Übermacht aufzutreten, die am
längsten Formation hielte. Das Bestreben, dies zu tun, mußte also für
wichtiger gehalten werden als der Versuch, schon durch Ansetzen des
Angriffes einen taktischen Erfolg zu erringen.« Diese Auslassungen
Corbetts sind gewiß beachtungswert, aber doch wohl etwas zugunsten der
Beurteilung der englischen Seeoffiziere geschrieben; die größere
militärische Einsicht der französischen Offiziere wird jedenfalls durch
den Umstand gekennzeichnet, daß sie zu ihrem Vorteil mit der Taktik der
Engländer rechnen lernten, während diese zu ihrem Nachteil bis 1782 daran
festhielten.
[267] Der Jesuitenpater Hoste war der Kaplan des Admirals Tourville. Es
ist anzunehmen, daß er das, schon Seite 160 erwähnte, Werk »L'art
des armées navales ou traité des évolutions navales« nach den
Anweisungen Tourvilles -- des neben Ruyter tüchtigsten Taktikers
des Zeitabschnittes -- geschrieben hat. Die Weiterentwicklung der
Taktik nach 1740 baut sich gewissermaßen auf Hostes Buch auf, es
soll deshalb im nächsten Bande näher darauf eingegangen werden.
Über den Inhalt des Werkes siehe Quellenverzeichnis.
=Die Schilderung der Schlacht bei Malaga=[268] (24. August 1704) wird
zeigen, daß die Engländer dort in vollem Maße diese unvollkommene Taktik
verwenden, daß aber auch die Franzosen nur einen schwachen Versuch
machen, durch Manöver einen Vorteil zu erringen.
[268] Hauptsächlich nach Corbett, Teil II, mit dem sich die sonst
benützten Quellen -- Clowes, Teil II; de Jonge, Teil III;
Bonfils, Teil II; Troude, Teil II; Chab.-Arnault -- gut in
Einklang bringen lassen, Abweichungen dort wenigstens ohne
Einfluß auf Beurteilung. Einige der andern Quellen, so z. B. de
Jonge und die Franzosen, bringen Taten einzelner Schiffe, meist
ziemlich gefärbt zugunsten ihrer Landsleute.
Beide Flotten lagen über Steuerbord-Bug, die Franzosen in Lee. Um jeder
Bewegung des Feindes leichter folgen zu können, steuerte Toulouse mit
halbem Winde; nach Hostes Ansicht die gefährlichste aller Lagen, da sie
selbst einem schwächeren Gegner die Gelegenheit gäbe, die Nachhut
ungestraft zu dublieren. Die französische Mitte war etwas nach Lee
eingebogen. Vielleicht war dies ein Zufall, da es aber auch unter
Tourville bei Beachy Head der Fall gewesen war, muß man fast eine
Absicht annehmen; die englischen Offiziere sollen darin ein vorläufiges
Zurückhalten dieses Geschwaders und damit die Vorbereitung eines
verstärkten Angriffes auf ihre Vor- oder Nachhut, je nach Umständen,
gesehen haben. Rooke machte keinen Versuch zum Dublieren der Nachhut,
er führte seine Flotte zum Angriff auf der ganzen Linie heran. Wie
gewöhnlich entstanden durch das lange Steuern in Dwarslinie und das
schräge Herangehen Lücken zwischen den Geschwadern und Divisionen. Der
Führer der Vorhut, Shovel, drehte deshalb auf halbe Kanonenschußweite
querab vom Admiral der französischen Vorhut (Villette) bei, um Rooke
herankommen zu lassen; die beiden gegnerischen Geschwader lagen sich
schweigend und abwartend gegenüber. Nun stand Shovels Flaggschiff um
eine Nummer weiter von der Spitze ab als das Villettes, die englische
Linie überragte also die französische um ein Schiff. Das französische
Spitzenschiff meldete dies durch Zuruf von Schiff zu Schiff seinem
Admiral und Villette gab Befehl, aufzusegeln. Shovel folgte diesem
Beispiel, um der Gefahr, vorn dubliert zu werden, entgegenzutreten; die
Gefahr lag um so näher, als die französische Vorhut zwei Schiffe mehr
als die englische zählte. Hierdurch wurde der Abstand zwischen Shovel
und Rooke noch größer. Toulouse beabsichtigte jetzt, in diese Lücke
einzubrechen, mit seiner Mitte Shovel von Luward aus zu dublieren und
seine Nachhut Rooke entgegenzustellen; er hoffte so, die englische
Vorhut zu vernichten, ehe noch die feindliche Nachhut ins Gefecht
eintreten könnte, und ließ Mitte und Nachhut Segel mehren.
Rooke, der unter Segelpreß herankam, erkannte zwar nicht die wahre
Absicht Toulouses, glaubte aber, es handle sich um ein Aufsegeln der
ganzen feindlichen Flotte, um die englische vorn zu dublieren. Obgleich
er noch nicht so nahe am Feinde war, wie er beabsichtigt hatte, gab er
doch seinem Geschwader den Befehl zum Beidrehen und Eröffnen des
Feuers, um die feindliche Mitte festzuhalten; es gelang, Toulouse sah
von seinem Manöver ab. Die beiden vordersten Schiffe Rookes, unter
Dilkes, wandten sich gegen die letzten Schiffe Villettes und glichen so
die Minderzahl der englischen Vorhut aus; Rooke befand sich querab von
Toulouse, es lagen Vorhut und Mitte beider Flotten genau Schiff gegen
Schiff (etwa 10 Uhr vormittags). Die Nachhut der Verbündeten scheint
erst nach längerer Zeit zum Gefecht gekommen zu sein. Ihr Führer,
Callenburgh, griff Langeron an; da beide Admirale in der Mitte ihres
Geschwaders lagen, etwa das 7. bezw. das 9. Schiff von vorn, und nur 12
Holländer 17 (16?) Franzosen gegenüberstanden, müssen die Franzosen
vorn um 2 oder 3 Schiffe überragt haben, doch griffen hier wohl die
hinten überschießenden Nummern Rookes ein.
Im =Gefecht der Vorhuten= errangen die Engländer Erfolg, sie waren ja
auch etwas überlegen. Nach etwa drei Stunden geriet das Flaggschiff
Villettes am Heck infolge einer Explosion in Brand und war genötigt,
die Linie zu verlassen; ein Teil der andern Schiffe folgte, da sie das
Abhalten für ein taktisches Manöver hielten. Admiral Leake war dafür,
den Weichenden scharf zu folgen, so die feindliche Formation ganz über
den Haufen zu werfen und dadurch auch Toulouse zum Abhalten zu zwingen,
um nicht von Lee aus dubliert zu werden. Es wäre wohl richtig gewesen,
denn im =Gefecht der Mitten= standen die Engländer nicht gut. Rooke und
seine nächsten Nachbarn lagen gerade sehr starken Franzosen gegenüber
und im Zentrum der Verbündeten befanden sich außerdem mehrere Schiffe,
die bei der Beschießung Gibraltars viel Munition verbraucht hatten;
etwa 5 wurden durch Munitionsmangel gezwungen, die Linie zu verlassen.
Die übrigen Schiffe der Mitte waren hart bedrängt und litten schwer, so
insbesondere Rookes Flaggschiff. Da nun Toulouse Anstalten machte, in
die durch Ausfall der Schiffe entstandene Lücke einzudringen, sah
Shovel vom Ausnutzen seines Sieges ab und führte die Linie seines
Geschwaders über den Hintersteven in diese Lücke. (Durch »backing
astern«; das Manöver wurde seinerzeit aufs höchste bewundert.) Er
rettete zwar so die Lage der Mitte, aber seine vordersten Schiffe
fanden jetzt keine Verwendung mehr; die Linie des Geschwaders blieb
erhalten, die überschießenden Schiffe wurden weder zur Verfolgung der
weichenden Franzosen noch zum Dublieren der feindlichen Linie vorn
benutzt.
Das =Gefecht der Nachhuten= scheint erst kurz vor diesem Ereignis
begonnen zu haben. Auch hier wichen die Franzosen nach einigen Stunden
nach Lee aus, und dann brach auch Toulouse gegen Sonnenuntergang den
Kampf ab; die Verbündeten drängten nirgends nach.
Vom Eingreifen der zahlreichen Galeren hört man fast nichts. Nach de
Jonge versuchten einige, das Schlußschiff der Holländer von achtern
anzugreifen; sie wurden aber bald abgewiesen, der holländische
Kommandant hatte Geschütze achteraus bringen lassen. Auch
Branderangriffe werden nicht erwähnt, dagegen sprechen de Jonge und
französische Quellen von verschiedenen Enterversuchen, die jedoch
sämtlich schon vor dem Zusammenstoß durch Geschützfeuer abgewiesen
seien. Nach französischen Angaben sollen die schweren Verluste und
Beschädigungen einiger ihrer Schiffe eine Folge von Bombenfeuer der
Mörserboote und auch aus Geschützen anderer Schiffe gewesen sein.
Englische Quellen bestreiten die Verwendung von Bombengeschützen auf
ihren Schiffen, und de Jonge sagt in Hinsicht auf die holländischen
Mörserboote, daß sie, auch wenn sie noch bei der Flotte gewesen wären,
kein wirksames Feuer hätten abgeben können: die See sei so bewegt
gewesen, daß die Franzosen damit das Nichteingreifen der Galeren
entschuldigt hätten. Engländer und Holländer schreiben den großen
Verlust der französischen Schiffe deren stärkeren Besatzungen und der
besseren Artillerie der Verbündeten zu; wir wissen, daß die Engländer
von jeher besonders ihr Feuer gegen die feindlichen Besatzungen,
weniger gegen die Takelage richteten.
Der Kampf war sehr hartnäckig gewesen, namentlich der der Mitten. Rooke
berichtete, alle Schiffe der Verbündeten hätten ihre Pflicht getan, auf
seiten der Franzosen habe die Mitte mit großer Tapferkeit gefochten,
Vorhut und Nachhut weniger gut. Die Verbündeten verloren nach Clowes,
der die Verluste für jedes englische Schiff angibt, in der Vorhut: 215
Tote und 497 Verwundete, in der Mitte: 492 und 1126, in der Nachhut: 95
und 268. Der Verlust der Franzosen betrug nach demselben Autor 1500
Tote und weit mehr Verwundete, französische Quellen führen nur 1500
Tote und Verwundete an. Nach den neuesten Angaben beider Nationen
scheinen Schiffe im Gefecht nicht vernichtet zu sein. Clowes sagt, die
Franzosen »sollen« im Gefecht eins und später noch vier verloren
haben. Das holländische Flaggschiff flog zwei Tage später auf; der
Grund ist unbekannt; der Admiral hatte das schwer beschädigte Fahrzeug
vorher verlassen. Im übrigen waren die Schiffe auf beiden Seiten schwer
beschädigt, besonders die der englischen Mitte.
Man muß wohl die Schlacht als unentschieden bezeichnen; bei einer
anderen Art des Angriffs wäre der Ausgang vielleicht anders gewesen.
Corbett sagt hierzu: »Rooke machte keinen Versuch, den Angriff anders
anzusetzen, da gerade seinem vorsichtigen Charakter die neue
defensivere Taktik sehr entsprach; auch teilte er wohl Shovels Ansicht,
daß bei gleicher Stärke nie ein entscheidender Sieg zu erringen sei
(vgl. Seite 511). Er suchte aber auch einen solchen nicht, da er seine
Hauptaufgabe im Schutze Gibraltars erblickte. Wurde er infolge eines
mit Gefahr verknüpften Manövers -- als solches sah man jede Abweichung
von der gewählten Angriffsart an -- geschlagen, so war Gibraltar sowie
die Herrschaft im Mittelmeer verloren und auch die Flotte arg
gefährdet, denn von ihrem einzigen Zufluchtshafen, Lissabon, war sie
durch den Feind getrennt. Fechten mußte er, aber politisch wie
seemännisch war es wichtiger, eine Niederlage zu vermeiden, als einen
großen Sieg zu gewinnen; so ist es zweifelhaft, ob er besser verfahren
konnte, als er getan hat.« Es ist bemerkenswert, daß Corbett so
urteilt, da er sonst kaum je zu Rookes Gunsten spricht.
Die Schlacht wurde in England, Holland und Frankreich als Sieg gefeiert.
Aber wenn sie auch vom taktischen Standpunkt aus eine unentschiedene
genannt werden kann -- keiner der Gegner hat zunächst das Feld geräumt,
die Flotten blieben in Sicht voneinander liegen --, so war sie doch
strategisch ein Erfolg der Verbündeten.
Rookes Lage nach der Schlacht war zwar nicht unbedenklich. Auf seiner
Flotte herrschte Munitionsmangel, gegen 25 Schiffe sollen in dem Kampfe
ihre ganze Munition verschossen haben; eine Folge der Verschwendung bei
der Beschießung von Gibraltar. Ferner stand der Feind noch immer zwischen
ihm und dem gefährdeten Gibraltar sowie seinem einzigen Stützpunkte
Lissabon. Die Franzosen nutzten dies aber nicht aus; Toulouse und einige
seiner Offiziere, die den Kampf erneuern wollten, wurden im Kriegsrate
überstimmt. Während der Nacht besserten beide Flotten aus, der Wind wurde
westlich, so daß die Franzosen am 25. zu Luward standen. Die Verbündeten
bereiteten sich auf einen neuen Angriff vor, indem sie ihre beschädigten
Schiffe in Lee der Linie nahmen, als sie aber sahen, daß der Gegner
weiter ausbesserte, taten sie desgleichen und gaben Munition an die deren
bedürftigen Schiffe ab. Abends trat der Kriegsrat zusammen und beschloß,
unter allen Umständen nach Gibraltar zu gehen, falls der Feind sich dem
entgegenstelle, sich durchzuschlagen; beschädigte oder munitionslose
Schiffe sollten ihre Rettung auf eigene Faust versuchen oder sich im
äußersten Falle verbrennen.
Am 26. August morgens war es anfangs still und nebelig, später kam
leichter östlicher Wind auf. =Rooke= steuerte auf den Gegner zu, der in
Schlachtlinie mit nördlichem Kurse auf dem Wege der Verbündeten etwa 12
Seemeilen entfernt lag. Da der Wind so flau blieb, daß ein
Zusammentreffen vor der Nacht unmöglich war, drehte Rooke gegen Abend
bei, um seine beschädigten Nachzügler zu erwarten und den Durchbruch am
nächsten Tage zu versuchen, aber am 27. morgens war der Feind aus Sicht.
Der Admiral nahm nun Kurs nach Gibraltar auf. Er glaubte, Toulouse sei
ebendorthin oder zur Ausbesserung nach Cadiz gegangen, er hörte aber
schon am 28. in der Straße, daß der Feind diese nicht passiert habe; noch
zwei Tage wartete Rooke unter Segel und ankerte dann am 31. vor
Gibraltar.
=Toulouse= war mit dem größten Teile seiner Flotte über Malaga und
Alicante nach Toulon gegangen, er hatte also die Wiedernahme Gibraltars,
ja sogar alle Unternehmungen mit den Gesamtstreitkräften aufgegeben. So
konnte man in England und Holland die Schlacht bei Malaga wohl als einen
Sieg ansehen. In Frankreich rühmte man sich allerdings, durch die
Schlacht dem Gegner den Eintritt ins Mittelmeer verlegt zu haben,
trotzdem aber war das Auftreten der Flotte bei dieser Gelegenheit der
letzte ernstliche Versuch in diesem Kriege, den Verbündeten die
Seeherrschaft streitig zu machen. Ähnlich wie im vorigen Kriege hatte man
nach dem Mißerfolge Toulouses alles Zutrauen zu der Flotte verloren und
ließ ihr immer weniger Pflege zuteil werden.
Bonfils sagt: »Im Volke machte sich eine bedauernswerte Abneigung gegen
die Marine geltend. Ihre Verdienste waren vergessen, man glaubte nicht
mehr an ihren Wert; die Armee, die mehr in unmittelbarer Berührung mit
der Nation stand, hatte deren ganze Gunst.« Bonfils führt aber auch an,
der Marineminister Pontchartrin habe aus Eifersucht die Tätigkeit
Toulouses gelähmt.
Das Jahr $1704$ bringt zwar noch $weitere Operationen um den Besitz von
Gibraltar$, aber die Hauptflotten beteiligen sich nicht mehr daran. Rooke
war zu rechter Zeit vor der Stadt eingetroffen, die von Philipp V.
entsandten Belagerungstruppen waren schon in größter Nähe. Da der Zustand
der Flotte ein Bleiben nicht erlaubte, wurden auf Ersuchen des Prinzen
von Hessen sämtliche englische Seesoldaten, 2000 Mann, eine Abteilung von
Zimmerleuten und Artilleristen zur Instandsetzung der Befestigungen,
Munition und endlich Proviant für 6 Monate gelandet, sowie zwei
Mörserboote zurückgelassen. Es wurde ferner beschlossen, die noch
diensttauglichsten englischen Schiffe unter Vizeadmiral =Sir John Leake=
als Wintergeschwader in den südlichen Gewässern sowie einige sehr schwer
beschädigte in Lissabon zur Ausbesserung zu belassen. Darauf ging die
Hauptflotte am 5. September heim, traf am 4. Oktober im Kanal ein und
wurde dann abgerüstet. Leakes Geschwader, 10 Linienschiffe (11?) und 2
Fregatten, hatte sich bei Kap St. Vincent abgezweigt und war nach
Lissabon zum Überholen gegangen; hier wurde es am 30. Oktober durch die
holländische Division v. d. Dussen, die mit den von Plymouth abgeholten
Transportern eintraf, verstärkt; zu dieser trat bald noch ein Schiff der
ebenfalls vorhin erwähnten Azorendivision. Da die portugiesischen Werften
in sehr schlechtem Zustande waren, wurde Leakes Geschwader auch erst Ende
Oktober wieder seeklar, und es war die höchste Zeit, dem bedrängten
Gibraltar Hilfe zu bringen. Toulouse hatte vor Alicante den erneuten
Befehl König Philipps erhalten, die Belagerung der Stadt zu unterstützen;
er ließ zu diesem Zweck 13 Linienschiffe (10?) und 9 Fregatten unter dem
Chef d'Escadre =de Pointis= zurück. Dieser traf im Oktober mit 3000 Mann
und großem Belagerungspark vor der schon zu Lande eingeschlossenen
Festung ein. Der förmliche Angriff wurde eröffnet, und man rechnete auf
den Fall der Stadt zu Mitte November; hartnäckig verteidigte sich
=Hessen=, aber eines seiner Mörserboote war in Brand geschossen und die
Belagerungsarbeiten schritten vorwärts.
In dieser höchsten Not kam, vom Zufall begünstigt, die Hilfe. De Pointis
war nicht vor Gibraltar geblieben, sondern nach Ausschiffen der Truppen
usw. nach Cadiz gegangen, um Proviant einzunehmen, nur fünf Fregatten (20
bis 40 Kanonen) zurücklassend. Anderseits hatte Leake, der von Hessen
beständig um Hilfe angerufen war, infolge des Eintreffens der Transporter
seine Ausrüstung beenden können; er ging am 5. November von Lissabon in
See und traf am 9. abends vor Gibraltar ein. Gerade für den 10. hatten
die Belagerer einen Hauptschlag geplant. 500 Freiwillige waren in der
Nacht heimlich im Süden der Stadt gelandet, sie hatten mit Hilfe von
Tauen und Leitern den Felsen erklommen und sich dort verborgen; sie
sollten vorbrechen, wenn eine Landung bei der neuen Mole vom Festlande
aus, zu der Hunderte von Booten gesammelt waren, erfolgte. Aber gerade
als die zur Landung bestimmten Mannschaften eingeschifft wurden, lief
Leake in die Bucht ein. Eine der französischen Fregatten, die auf
Vorposten war, hatte man schon auf See genommen, die andern sowie ein
Brander und ein Mörserboot mit Belagerungsmunition setzten sich jetzt auf
Strand und in Brand. Die Landung mußte natürlich aufgegeben werden, die
500 Freiwilligen wurden aufgerieben. Gibraltar war zum zweiten Male
gerettet.
Zu verstehen ist nicht, weshalb Pointis so lange in Cadiz geblieben war.
Colomb sagt: »Gedrängt, wieder auszulaufen, habe er geantwortet, bei der
Anwesenheit von 30 (!) feindlichen Schiffen in Lissabon müsse er in Cadiz
bleiben, bis er Verstärkung erhalte; von hier aus könne er wenigstens
Zufuhren nach Gibraltar hindern.« Ein Fehler war es allerdings wohl
gewesen, sein Geschwader nicht so stark zu bemessen, daß er ein
Wintergeschwader der Verbündeten unter allen Umständen von der belagerten
Stadt abhalten konnte.
Leake unterstützte einige Zeit die Belagerten durch Beschießen der
Parallelen und durch Bootsangriffe auf das feindliche Lager bei
Algeciras. Seine Lage war nicht ungefährlich, weil die Winterstürme
einsetzten, in denen seine Schiffe viel Ankergeschirr verloren; auch
trafen ständig Nachrichten ein, daß sich Pointis zum Inseegehen
vorbereite, daß einige seiner Schiffe schon auf der Rhede von Cadiz
lägen. Leake ging erst Anfang Dezember auf die Nachricht hin in See, daß
ein neuer Transport für Gibraltar in Lissabon angekommen sei und
beabsichtige, weiterzusegeln. Obgleich schwach bemannt, ließ er einige
hundert Matrosen zurück, da der Prinz von Hessen infolge Krankheit und
Verlusten nur noch über etwa 1000 Mann verfügte. Er beabsichtigte, vor
Cadiz zu gehen und Pointis dort festzuhalten, während der Transport
vorbeisegelte. Sturm und Gegenwinde hielten ihn in der Straße fest, und
in dieser Zeit griff Pointis tatsächlich den Convoi an, aber ohne
Erfolg.
Pointis lag unter englischen und holländischen Flaggen bei Kap Spartel;
der Convoi, 20 Transporter und 4 Kriegsschiffe, näherte sich
ahnungslos. Als aber die Franzosen zu früh eine umfassende Formation
einnahmen, schöpfte der Convoiführer Verdacht und benutzte die zufällig
eintretende Windstille, seine Schiffe durch Boote aus der Gefahr
schleppen zu lassen; nur zwei Fahrzeuge fielen dem Feinde in die Hände,
zwei andere retteten sich nach Lissabon.
Der größere Teil des Convois erreichte Gibraltar und warf 2000 Mann und
reichliche Vorräte hinein, so daß die Festung vorläufig wieder gesichert
erschien. De Pointis kehrte nach Cadiz zurück, und auch Leake ging auf
die Nachricht, daß die Franzosen hier in den inneren Hafen eingelaufen
seien, Anfang Januar 1705 zum Ausrüsten und Bodenreinigen nach Lissabon.
$Die Jahre 1705 und 1706. Entsatz von Gibraltar und Einnahme von
Barcelona.$ 1705 begannen die Operationen zur See um den Besitz von
Gibraltar, ehe die großen Flotten in Dienst gestellt waren.
Französisch-spanischerseits hatte man wegen der Belagerung dieser Stadt
den Krieg an der portugiesischen Grenze vernachlässigt, und doch war kein
Erfolg errungen worden. Die Festung stand eher günstiger da; denn auch im
Januar und Februar trafen, unbelästigt von Pointis, noch mehrere nur
schwach bedeckte Transporte mit Kriegsmaterial und Verstärkungen von
Lissabon dort ein. Ludwig XIV. rief jetzt den =Marschall Tessé= von der
portugiesischen Grenze ab, um die Belagerung zu leiten. Dieser faßte die
Aufgabe schärfer an und verlangte vor allem die Unterstützung durch die
Flotte, insbesondere durch =Pointis=. So schrieb er z. B. an Condé: »Die
Engländer zeigen uns, daß man zu jeder Zeit die See halten kann; sie
fahren darauf wie die Schwäne auf Euerem Flusse bei Chantilly.« Pointis
erhielt nun den schärfsten Befehl, einzugreifen, trotz seiner weiteren
Vorstellungen in Paris und Madrid, daß er besser erst Verstärkungen
erwarte. Am 16. März traf er dann mit 13 Linienschiffen vor Gibraltar ein
und wurde hier vom Marschall zu einem gemeinsamen Angriff festgehalten,
obgleich er bat, auf See gegen Zufuhren für die Stadt kreuzen zu dürfen.
Als Seemann fürchtete er, vor Anker sowohl durch die Frühjahrsstürme als
auch durch einen plötzlichen Angriff zu sehr gefährdet zu sein; beides
sollte ihn gleichzeitig treffen, ehe der gemeinsame Angriff reif war.
In Lissabon war man in großer Sorge. Ein frühzeitiges Erscheinen der
großen Flotte war für dieses Jahr in Aussicht gestellt, sie wurde aber
nicht rechtzeitig fertig. =Leake= hatte Schwierigkeiten, seine Schiffe in
Lissabon instandzusetzen. Anfang März war er noch nicht völlig seeklar.
Da traf von England ein Transport mit Kriegsmaterial, sowie eine Division
Linienschiffe unter Kontreadmiral Dilkes ein, so daß er um die Mitte des
Monats in See gehen konnte. Er war 19 englische (23?), 4 holländische
Linienschiffe, sowie 9 portugiesische Kriegsschiffe stark und führte 3
Regimenter (3000? Mann) an Bord; am Abend des 20. März erschien er vor
der Bucht von Gibraltar.
Am 18. waren 8 französische Schiffe durch einen schweren Sturm vom
Ankerplatz vertrieben und durch die Straße nach Osten gesegelt, Pointis
selber wurde mit dem Rest seines Geschwaders am Morgen des 21. durch das
Erscheinen des Feindes völlig überrascht; die Signalstationen, die sofort
nach seinem Eintreffen längs der Küste bis nach Cadiz errichtet waren,
hatten nichts gemeldet; kaum blieb ihm Zeit, Anker zu kappen und unter
Segel zu gehen. Leake befahl sogleich allgemeine Jagd ohne
Aufrechterhaltung einer Formation. Drei Franzosen wurden nach tapferer
Gegenwehr genommen; dem Flaggschiff und dem fünften Schiff gelang es
zwar, Enterangriffe abzuschlagen, sie wurden aber auf den Strand
getrieben und setzten sich dort in Brand. Die durch den Sturm
vertriebenen 8 Schiffe waren bis Malaga gelaufen; als sie das
Geschützfeuer hörten, segelten sie von dort ohne Unterbrechung nach
Toulon. Gibraltar war zum dritten Male und nunmehr in diesem Kriege
endgültig gerettet. Leake landete Mitte April die Truppen; er war bis
Malaga gegangen und auf der Rückfahrt durch stürmische Westwinde
aufgehalten worden. Tessé hob Ende des Monats die Belagerung auf und ging
zu der Armee an der portugiesischen Grenze zurück.
Die Befreiung Gibraltars ist gewissermaßen noch ein Nachspiel des
Kriegsjahres 1704. Wenden wir uns jetzt zu dem eigentlichen =Kriegsjahre=
1705. Aus der allgemeinen Schilderung des Krieges wissen wir, daß die
Seemächte und Portugal in diesem Jahre beabsichtigten, Spanien von
Portugal und von Katalonien aus für Karl III. zu erobern; die
Hauptseestreitkräfte wurden zur Unterstützung des Angriffs von Katalonien
aus bestimmt.
Corbett sagt hierzu: »Es war dies gegen Marlboroughs Ansicht. Dieser
hatte stets weiter im Auge, Frankreich vom Mittelmeer abzuschließen,
Toulon anzugreifen, die Seeherrschaft im Mittelmeer völlig
sicherzustellen und dazu einen Stützpunkt neben Gibraltar in diesem
Meere zu gewinnen. Die Seeoffiziere waren ohne einen solchen Stützpunkt
gegen ein Vorgehen auf Toulon, und Marlborough ordnete wie stets seine
Ansicht der der Fachleute unter; außerdem waren Savoyen und Österreich
nicht in Bewegung zu bringen, letzteres legte mehr Wert auf die
Eroberung Spaniens.« Wir wissen, daß Prinz Eugen 1705 zu schwach war,
um viel ausrichten zu können.
Zu diesem Zwecke wurde während des Winters von England und Holland die
Aufstellung einer Flotte von 48 Linienschiffen -- 18 holländische und 30
englische, einschließlich der schon in den südlichen Gewässern
befindlichen -- sowie eines Landungsheeres von 7500 Mann -- 2500
Holländer und 5000 Engländer -- vereinbart;[269] es traten später noch 8
englische und 2 holländische Schiffe hinzu, auch scheinen die Truppen
vermehrt zu sein, denn verschiedene Quellen sprechen bei dem Auftreten an
der Ostküste Spaniens von 12000 Mann.
[269] de Jonge, Teil III, Seite 678, und Beilage XXIV.
England hatte ferner im Norden ein Blockadegeschwader von etwa 12
Schiffen gegen Brest in Dienst gestellt. Ein zweites unter Dilkes,
ursprünglich gegen Dünkirchen bestimmt, wurde später der Mittelmeerflotte
zugeteilt. Es wurde sogar vorausgesandt, als Gibraltar so arg bedrängt
war; wir sahen Dilkes schon im März bei Leake eintreffen. Holland hatte
im Norden, wie 1704 und mit den gleichen Aufgaben, drei Geschwader von
zusammen 15 Linienschiffen aufgestellt. Englische Kriegsschiffe und
holländische Convoijers traten wie üblich zur Begleitung der Kauffahrer
hinzu.
Frankreich rüstete in diesem Jahre in Toulon 35 Linienschiffe unter
Toulouse aus. In Brest sollen 16 in Dienst gestellt sein, doch traten in
den nördlichen Gewässern nur kleine Divisionen (unter Torbin und Trouin)
gegen den Handel der Verbündeten auf, besonders wieder von Dünkirchen
aus, sowie zahlreiche einzelne Freibeuter.
Die Hauptflotte der Verbündeten kam erst spät in Tätigkeit, da sich wie
gewöhnlich und aus den bekannten Gründen in beiden Ländern die
Indienststellungen verzögert hatten. Am 10. Mai ging das holländische
Kontingent unter =de Almonde= nach Wight hinüber und, da die Engländer
noch nicht segelfertig waren, gleich weiter nach Lissabon, wo es am 13.
Juni eintraf; acht Tage später kam der größte Teil der englischen Flotte
an. Den Oberbefehl führten der =Earl of Peterborough= und der nunmehrige
Admiral of the fleet =Sir Clowdesley Shovel=.
Hier erscheinen zum letzten Male »Joint-Admirals«, doch war
Peterborough nicht eigentlich Seeoffizier; er hatte zwar in der
holländischen Marine gedient, aber nie ein englisches Schiff befehligt.
Während dieses Krieges in Spanien führte er auch mehr das Kommando über
die Landtruppen.
Im Kriegsrate wurde beschlossen, daß die Flotte, soweit sie versammelt
war, nämlich 48 Linienschiffe, in der Straße von Gibraltar gegen ein
Vereinigen der französischen Seestreitkräfte kreuzen solle. Shovel lief
am 4. Juli aus, Peterborough blieb in Lissabon, um Truppen aus Irland zu
erwarten und um mit Portugal über dessen Beteiligung am Kriege sowie über
die Kriegführung überhaupt zu verhandeln. Am 31. Juli stieß er mit den
Transportern und dem Rest der Flotte zu Shovel; mit ihm kamen König Karl
und der Prinz von Hessen, die sich von dem Angriff in Katalonien mit
Recht mehr Erfolg versprachen als von dem nur lau vorgehenden Portugal.
Nachdem der König in Gibraltar die Huldigung der Stadt entgegengenommen
hatte, trat die Flotte am 5. August -- jetzt 58 Linienschiffe, 11
Fregatten, 9 Mörserboote und einige Brander stark -- die Reise nach
Barcelona an und traf nach kurzem Aufenthalt in Altea (11.-16.) am 22.
August vor dieser Stadt ein. Schon am nächsten Tage wurden die Truppen
ausgeschifft, die Belagerung begann und am =3. Oktober kapitulierte
Barcelona=.
Am 23. August begann die Ausschiffung von 12 englischen, 4
holländischen und 1 spanischen Bataillonen Infanterie, 2 Regimentern
englischen Dragonern, zusammen 12000 Mann (nach Colomb), in einiger
Entfernung von der Stadt; sie ging ohne jede Störung vor sich und war
am 25. beendet. Da die Führer bald nach der Landung der Ansicht
geworden waren, daß ihre Kräfte gegenüber der Größe der Stadt und der
Besatzung nicht genügten, wurde der Angriff zunächst nicht ernstlich
betrieben. Zahlreiche Beratungen fanden statt, ohne zu Entschlüssen zu
führen, scheinbar herrschte Uneinigkeit zwischen den Land- und
Seeoffizieren; beinahe ging im Kriegsrat der Landoffiziere der Beschluß
durch, das Unternehmen aufzugeben, da man weder bei den Einwohnern noch
bei der Flotte die erwartete Unterstützung fände. Die Schiffe hatten
etwa 1000 Mann ihrer Besatzung für die Erdarbeiten und zur Bedienung
gleichfalls gestellter Geschütze gelandet. Auf Drängen König Karls
beschloß der Kriegsrat endlich, ernstlich vorzugehen, wenn die Flotte
weitere Geschütze und noch 1500 Mann lande; die Admirale bewilligten
dies unter der Bedingung, daß die Gelandeten stets zur
Wiedereinschiffung bereit seien; es konnten ja bedrohliche Nachrichten
über die französische Flotte eintreffen. Als diese Abmachung eben
erfolgt war, wurde schon ein wesentlicher Erfolg erzielt. Der Prinz von
Hessen, der die Befestigung der Stadt als ihr früherer Gouverneur genau
kannte, führte mit Erlaubnis Peterboroughs, aber ohne Kenntnis der
übrigen Befehlshaber in der Nacht vom 14.-15. September einige
auserlesene Truppen gegen das Fort Montjuich und nahm dessen
Außenwerke. Das Fort, der stärkste Punkt der Befestigung, lag auf dem
steilen Berge südwestlich von der Stadt und beherrschte diese sowie den
Hafen; bald darauf wurde ein zweites Fort genommen und damit die
Verbindung Montjuichs mit der Stadt unterbrochen. Inzwischen landete
die Flotte die Verstärkungen und begann (16. September) aus den
Mörserbooten sowie 8 Linienschiffen die Beschießung der Stadt; diese
wurde schonend durchgeführt, da die Einwohner dem König Karl
wohlgesinnt waren. Bald fiel Montjuich, der Angriff wandte sich gegen
die Stadt selber, und es wurde Bresche gelegt; als der Sturm drohte,
kapitulierte der Gouverneur auf Drängen der Einwohner.
Daß sich die Admirale mit Rücksicht auf die französische Flotte anfangs
nicht zu sehr und auch später nur bedingt engagieren wollten, ist
wahrscheinlich und war berechtigt; selbst Peterborough, der am Lande
befehligte, soll die Forderung des Landkriegsrates für zu weitgehend
und für bedenklich erachtet haben. Es ist möglich, daß Shovel später
die Nachricht erhalten hat, die Franzosen seien nicht seeklar oder
fürchteten einen Angriff auf Toulon; nach Sue hatte Graf Toulouse den
Befehl, die Befestigungen dieses Hafens zu verstärken und die Flotte
dort zurückzuhalten.
Nach dem Falle Barcelonas erklärten sich alle Städte Kataloniens für
Karl. Diese Bewegung setzte sich durch Aragonien und Valencia fort; bald
war der König Herr dieser drei Provinzen, zu deren Schutz die gelandeten
Truppen unter Peterborough zurückblieben. Die große Flotte wurde
aufgelöst, der größere Teil ging (23. Oktober) zur Heimat; ein
Wintergeschwader -- 15 Engländer und 10 Holländer, zu denen später noch
10 und 5 treten sollten -- unter den Admiralen =Leake= und =Wassenaer=
segelte nach Lissabon.
Gleich nach Übergabe der Stadt gingen die fünf holländischen Schiffe
der Division v. d. Dussen, die jetzt fast zwei Jahre im Dienst waren,
heim und nahmen von Lissabon einen Convoi mit. Almonde hatte die
Erlaubnis, mit den übrigen Schiffen im Mittelmeer zu überwintern, um
weiter die Seeherrschaft zu behaupten, falls die Hauptmacht der
Engländer ein Gleiches täte. Diese jedoch erklärten, es sei wegen
Mangels an Vorräten und an Material zum Instandsetzen nicht möglich. So
wurde nur ein Wintergeschwader gebildet, aber auch dieses war genötigt,
zur Wiederinstandsetzung nach Lissabon zu gehen. Leake machte infolge
ungünstiger Winde eine unglaubliche Reise: Er war von Ende Oktober bis
zum 4. Februar unterwegs, so daß beinahe Hunger- und Wassernot an Bord
entstand; das Flaggschiff »Prince George« begrub auf dieser Reise 50
Mann. Es kennzeichnet die Verhältnisse jener Zeit, daß dieses Schiff,
das mit Shovel von England gekommen war und stets Krankheit an Bord
gehabt hatte, vom 1. April 1705 bis zum 4. Februar 1706 gegen 300 Mann
verlor.
Wie die Erfolge in Spanien 1705 nur infolge des Ausbleibens der
französischen Flotte möglich geworden waren, so wurden sie $im Jahre
1706$ dadurch wieder in Frage gestellt, daß die Seestreitkräfte der
Verbündeten nicht rechtzeitig genügend stark auftreten konnten. Die
Franzosen gingen früh im Jahre gegen Karl III. vor. Marschall Tessé griff
Katalonien von Spanien aus an, indem er die Pässe an der portugiesischen
Grenze nur besetzt hielt; der Herzog von Noailles rückte von Roussillon
aus vor. Tessé warf den König bis nach Barcelona zurück und belagerte mit
40000 Mann die Stadt, Toulouse unterstützte Tessé dabei mit 30
Linienschiffen, die Belagerungsmaterial sowie sonstige Vorräte brachten
und auch an der Beschießung der Stadt teilnahmen. Peterborough stand in
Valencia, zu schwach, um einzugreifen; man hatte französischerseits alles
getan, Erfolge zu erringen, ehe die Verbündeten Verstärkungen senden
konnten und die See wieder beherrschten.
Als die französischen Vorbereitungen in England bekannt wurden, erhielt
=Leake= den Befehl, sein möglichstes zu tun, um die Pläne des Gegners zu
vereiteln. Zu ihm war eine Verstärkung von 4 holländischen
Linienschiffen, nebst einem Convoi mit Ausrüstungsmaterial, gestoßen,
aber ein großer Teil seiner alten Schiffe war noch nicht seeklar.
Trotzdem ging er am 9. März mit 18 Schiffen in See.
Es lag in seiner Absicht, schon am 8. zu segeln, weil er erfahren
hatte, daß das Auslaufen der westindischen Galeonen aus Cadiz
bevorstehe. Als aber das Geschwader am genannten Tage den Tajo abwärts
segelte, wurde es durch scharfes Feuer der Außenforts zum Wiederankern
gezwungen. Auf die Beschwerden antwortete die portugiesische Behörde,
es sei aus Versehen geschossen; die Forts hätten Befehl gehabt, das
Auslaufen sämtlicher Kauffahrer zu hindern, damit die Abfahrt des
Geschwaders geheim gehalten würde. Nach Annahme der englischen
Offiziere aber sind die Kriegsschiffe tatsächlich absichtlich
zurückgehalten, um sie zum Schutz des erwarteten Brasilienconvois zur
Verfügung zu haben. Jedenfalls wurde das Unternehmen, das die besten
Aussichten hatte, durch die Verzögerung von einem Tage vereitelt. Am
11. abends erfuhr Leake von einem holländischen Freibeuter, daß die
Galeonen am 10. Cadiz verlassen hätten, auch fing er am 12. zwei
Schiffe, die 24 Stunden später gesegelt waren; er hätte also ohne die
Verzögerung wohl sicher seinen Zweck erreicht. Jetzt erschien ihm eine
Verfolgung aussichtslos, weil der Wind den Galeonen günstig war.
Infolge ungünstigen Windes traf Leake erst am 10. April in Gibraltar ein.
Hier stieß am 14. der Rest seiner Flotte, 12 Linienschiffe nebst
Transportern mit zwei englischen Regimentern, zu ihm, so daß er nun 30
Linienschiffe stark war. Auf die Nachricht vom König Karl, daß Barcelona
von Tessé und Toulouse belagert und schon sehr bedrängt sei, beschloß der
Kriegsrat, nach Altea zu segeln, um dort genaue Nachricht über die
französische Flotte einzuziehen und diese, wenn sie nicht stärker als 30
Schiffe sei, anzugreifen; die englischen Regimenter wurden zur
Verstärkung der nur schwachen Besatzungen auf die Schiffe verteilt. Am
29. in Altea angekommen hörte der Admiral von einem holländischen
Kauffahrer, daß ihm ein Transport mit Truppen aus Holland unter Bedeckung
von 6 Linienschiffen auf dem Fuße folge; dieser traf am nächsten Tage ein
und gleichzeitig die Nachricht, daß ein englisches Geschwader von 14
Schiffen unter =Sir George Byng= nahe. Leake wartete auch diesen ab und
ging dann, 50 Schiffe (36 englische, 14 holländische), 6 Fregatten, 2
Brander, 2 Mörserboote stark, nach Barcelona weiter. Auf der Höhe von
Tortosa (6. Mai) kam eine neue Nachricht vom König Karl: Die Stadt könne
sich nur noch wenige Tage halten, Montjuich sei genommen, der Sturm
stünde bevor; nur sofortiges Erscheinen der Flotte könne retten, Toulouse
sei 28 Schiffe, 6 Fregatten, 10 Galeren und 5 Mörserboote stark. Leake
gab seinen Schiffen sofort den Befehl, ohne Aufrechterhaltung einer
Formation Segel zu pressen. Am Morgen des 7. Mai trafen die ersten
Schiffe vor Barcelona ein, sie fanden die Rhede leer; Toulouse war, wie
im vorigen Kriege Tourville, auf die Kunde vom Nahen des Gegners nach
Toulon aufgebrochen; nach französischen Angaben hatte er Befehl, seine
Flotte keiner ernsten Gefahr auszusetzen.
Englische Quellen sagen, Byngs Schiffe (wohl die bodenreinsten) seien
die ersten Schiffe auf der Rhede gewesen. Nach de Jonge waren es die
besten Segler Wassenaers, der die Vorhut führte. Nach Corbett sahen die
ersten Schiffe die Nachhut Toulouses gerade noch am Horizont
verschwinden.
Noch an demselben Tage ankerte die ganze Flotte und die Soldaten wurden
in die Stadt geworfen. $Barcelona$, und damit Katalonien, $war gerettet$.
Ja, die Belagerer, insbesondere die spanischen Truppen, scheinen durch
das so plötzliche und gerade noch rechtzeitige Erscheinen Leakes völlig
entmutigt worden zu sein. =Marschall Tessé= sah sich am 10. Mai genötigt,
die Belagerung abzubrechen; er ließ über 100 Geschütze und sogar die
Verwundeten zurück. Das französische Heer litt auf seinem Rückzuge nach
Roussillon sehr unter Angriffen der katalonischen Bergbewohner: »eine
verlorene Schlacht hätte nicht schlimmer sein können« (nach Bonfils).
Colomb sagt (gekürzt): »Barcelona ist die Wiederholung der Geschichte
Gibraltars. Beide Plätze werden durch gemeinsame Angriffe von Land und
See genommen, bei denen die Admirale infolge der günstigen Aussicht auf
Erfolg die deckende Flotte vielleicht stärker eingesetzt haben -- bei
Gibraltar durch das Abzweigen so vieler Schiffe für die Beschießung,
bei Barcelona durch das Ausschiffen so zahlreicher Leute -- als richtig
scheint, denn nur bei vollständiger Beherrschung der See waren die
Unternehmungen möglich. Der Feind versucht dann, die Festungen während
der Abwesenheit der verbündeten Flotte durch Land- und Seestreitkräfte
wiederzunehmen, doch wurden ihre Seestreitkräfte im letzten Augenblick
vertrieben.« Man kann hier wohl sagen »ihre nicht genügend starken
Seestreitkräfte« und hinzusetzen »teilweise infolge glücklicher Zufälle
für den Gegner«.
Die Entsetzung Barcelonas war wie die Gibraltars 1705 gewissermaßen
wieder ein Nachspiel des Vorjahres, ein Unternehmen, das den Verbündeten
durch das frühzeitige Vorgehen des Gegners im neuen Kriegsjahre
aufgezwungen und nur vom Wintergeschwader ausgeführt wurde; dieses war
allerdings durch die Verstärkungen, insbesondere durch die beschleunigte
Entsendung Byngs mit 14 Schiffen der Hauptflotte, schon zur Größe der
bisherigen Sommerflotten im Mittelmeer angewachsen. Eine andere Operation
von Bedeutung, die für dieses Jahr geplant war, eine $Landung bei
Rochefort$ unter dem Admiral of the fleet Shovel, kam wohl infolgedessen
nicht zur Ausführung. Erst im Juli konnte Shovel seine Flagge heißen; er
wartete dann vergeblich auf ein holländisches Kontingent und wurde
endlich durch Gegenwinde bis in den September bei Torbay festgehalten;
dann war die Jahreszeit zu weit vorgeschritten. Dieses englische
Kanalgeschwader beteiligte sich nur im Juni an der Belagerung und
Einnahme der Stadt =Ostende= durch das Heer in Flandern.
Zu diesem Landungsplane schreibt Corbett: »Marlborough behielt stets
als Hauptziel im Auge, Frankreich vom Mittelmeer aus anzugreifen; ihm
war auch die beschleunigte Entsendung Byngs zu verdanken. Er wollte
sogar in Person mit 20000 Mann in englischem und holländischem Solde
nach Italien gehen, um hier mit Prinz Eugen, mit dem er sich besser
verstand als mit den holländischen und deutschen Führern, vereint
aufzutreten. Vom Ratspensionär Heinsius unterstützt, hatte er die
Generalstaaten fast für diesen Plan gewonnen, als die Franzosen am
Rhein über Ludwig von Baden Vorteile errangen. Jetzt sahen die
Generalstaaten die linke Flanke der Stellung in den Niederlanden
bedroht, wollten nur noch 10000 Mann bewilligen und verlangten, daß
Marlborough selber in den Niederlanden bliebe. Er fügte sich wiederum,
betrieb aber dafür ein Unternehmen, dem er wenigstens den Wert einer
für den Krieg in Italien und Katalonien nutzbaren Diversion beilegte.
(Er selbst ging zu gleichem Zweck energisch vor, schlug die Schlacht
von Ramiliers und bedrohte die Franzosen weiter in Flandern.) Im
Frühjahr 1706 hatte ein französischer Réfugié, Comte de Guiscard, eine
Landung an der Mündung der Charente vorgeschlagen, um von dort aus den
Aufstand in den Cevennen wieder zu beleben. Die Landungskräfte sollten
vorzugsweise aus Réfugiés gebildet werden, doch wollte auch Marlborough
einige Regimenter stellen.«
Über die Stärke der Flotte Shovels sind keine Angaben vorhanden, sie
kann nicht bedeutend gewesen sein. Die auswärtigen Stationen und der
Handelsschutz erforderten zahlreiche Schiffe; 36 Schiffe waren im
Mittelmeer, und wie im Vorjahre hatte man ein Geschwader zur
Beobachtung der französischen Küsten in Dienst gestellt; vielleicht war
dieses für die Expedition in Aussicht genommen. Von dem erwarteten
holländischen Kontingent erwähnt der sonst sehr genau berichtende de
Jonge nichts. Nach de Jonge hatte Holland 1706 im Mittelmeer 18 Schiffe
-- gemäß der Abmachung, eine Vermehrung hier war erst für das Ende des
Jahres vorgesehen -- und 12 Schiffe, in zwei Geschwader wie früher
geteilt, in den nördlichen Gewässern. Es hatte also seine
Verpflichtungen erfüllt; zwar waren 5 Linienschiffe weniger im Dienst
als im Vorjahre, doch fehlten diese im Norden: das Geschwader gegen die
Galeren in Ostende, das nach der Eroberung der Stadt nicht mehr nötig
war«.
Wenden wir uns nun wieder zum $Mittelmeer$. Nach dem Abzuge des
französischen Heeres von Barcelona wurden auf 4 Kriegsschiffen 600 Mann
nach =Gerona= geführt, um die Stadt gegen den nach Norden abziehenden
Feind zu verstärken. In längeren Beratungen mit den Ministern und
Generalen König Karls beschloß man dann, daß die Flotte alle in
Katalonien entbehrlichen Truppen zu Peterborough bringen und mit diesen
gemeinsam gegen Alicante, das bourbonisch gesinnt und stark besetzt war,
vorgehen solle. Die Soldaten wurden in Valencia gelandet und von dort in
Marsch gesetzt. In der Zwischenzeit segelte die Flotte nach =Cartagena=,
wo die Partei Karls das Übergewicht hatte. Die Stadt war zwar nicht
gleich zur Übergabe bereit, erkannte aber doch Karl III. an, als man
Vorbereitungen traf, mit einigen Schiffen in den Hafen einzulaufen und
gleichzeitig die Landungsabteilungen der Flotte an Land zu werfen (10.
Juni). Nachdem dann in Altea Wasser genommen war, traf die Flotte am 7.
Juli vor =Alicante= ein, und auch Landtruppen erschienen am 20. vor der
Stadt; da diese aber nur 1300 Mann reguläre Soldaten, sonst bewaffnete
Landbewohner, zählten, wurden von den Schiffen 800 Seesoldaten und 800
Matrosen nebst Geschützen gelandet. Die Belagerung wurde eröffnet, 12
Linienschiffe begannen mit Erfolg die Beschießung, indem sie nach und
nach die Befestigungen niederkämpften und dann immer näher ankerten. Am
8. August wurden aus nächster Nähe zwei Breschen gelegt, die Stadt durch
die Truppen am Lande sowie die Landungsabteilungen gestürmt und
geplündert; die Citadelle ergab sich erst am 6. September wegen
Wassermangels.
Vor Alicante stießen 4 dem holländischen Kontingent bisher noch
fehlende Linienschiffe zur Flotte. An diese knüpfen sich Umstände, die
das Verhältnis der englischen und holländischen Seestreitkräfte
zueinander in diesem Kriege kennzeichnen. Leutnantadmiral de Almonde
hatte sie hinausgeführt, er sollte dann den Oberbefehl über die
Holländer übernehmen; er ging aber von Lissabon in die Heimat zurück,
da er nicht unter Vizeadmiral Leake dienen wollte. Holland hatte vor
und während seiner Ausreise England ersucht, Shovel hinauszuschicken.
England aber antwortete, dieser sei zu einem anderen Unternehmen
(Rochefort?) bestimmt, jetzt wurde Almonde zurückgerufen und Holland
hielt von jetzt an nur einen Vize- oder Kontreadmiral im Mittelmeer;
sämtliche höhere Flaggoffiziere fanden in diesem Kriege keine
Verwendung mehr. Die letzten tüchtigen Schüler Ruyters verbrachten ihre
späteren Dienstjahre untätig am Lande: de Almonde, der seit 1691 die
Holländer in allen größeren Unternehmungen und Schlachten geführt;
Callenburgh, uns gleichfalls rühmlichst bekannt; zwei Evertsen, Söhne
und Neffen der Seehelden Cornelis und Jan Evertsen. Vielleicht haben
Sparsamkeitsrücksichten mitgesprochen.
Von Alicante segelte die Flotte (13. September) nach =Ibiza= und dann
nach =Mallorca=; die erste Insel erkannte den König Karl sofort an und
auf der zweiten zwang die Bevölkerung den Gouverneur dazu, als eine
Beschießung der Stadt Palma drohte. Gern hätten Karl und Peterborough
auch die Einnahme =Minorcas= mit seinem vorzüglichen Hafen Port Mahon,
von den Engländern schon lange als Stützpunkt ins Auge gefaßt, gesehen,
aber Leake hielt die französische Besatzung dort für zu stark, um mit
seinen Landungsabteilungen allein anzugreifen. Peterborough war geneigt,
mit den nötigen Truppen »unter eigener Führung« mitzuwirken, er wurde
jedoch nach Italien gesandt, um Savoyen anzufeuern und mit Prinz Eugen
über den Feldzug des nächsten Jahres zu verhandeln; als er zurückkam, war
es nach Leakes Ansicht für die Flotte zu spät in der Jahreszeit. Seiner
Instruktion gemäß trat der Admiral am 4. Oktober die Reise nach der
Heimat an, mit ihm das ganze holländische Kontingent (Mitte November
dort); nur ein Wintergeschwader von 17 englischen Linienschiffen zweigte
sich unter =Admiral Byng= in Gibraltar ab und ging nach Lissabon.
Infolge der Entsetzung Barcelonas nahm auch der Landkrieg in Spanien von
Portugal aus für Karl III. eine günstige Wendung; Madrid wurde genommen,
Philipp V. war mit dem französischen Heere nach Frankreich geflohen. Karl
war im Besitz der Herrschaft und wurde infolge der Siege des Prinzen
Eugen auch in Mailand anerkannt (vgl. Seite 493).
$Die Jahre 1707 und 1708. Belagerung von Toulon. Eroberung von Port
Mahon.$ Für 1707 war von den Seemächten wiederum die Aufstellung einer
starken Flotte im Mittelmeer vereinbart. Die Generalstaaten hatten sich
bereits im Sommer 1706 verpflichtet, 24 Linienschiffe dazu zu stellen,
die schon vor Ende des Jahres abgehen sollten. Die pekuniäre Lage der
Admiralitäten war jedoch so schwierig, daß erst um die Wende des Jahres
10 Schiffe unter Vizeadmiral van der Goes auslaufen und nur 5 im Mai 1707
folgen konnten; diese letztgenannten stießen erst vor Toulon zur Flotte.
Daneben stellte Holland wieder 17 Schiffe in zwei Geschwadern für die
nördlichen Gewässer auf. England dagegen sandte wirklich noch im
Spätherbst 1706 den Admiral Shovel nach den spanischen Gewässern ab; die
Zahl seiner Schiffe mag etwa 16 betragen haben.
Genaue Angaben waren nicht zu finden. Nach französischen Quellen
erschienen im Juli vor Toulon 48 Linienschiffe, darunter 15 Holländer.
Byngs Wintergeschwader zählte 17 Schiffe; es bleiben mithin 16
neuhinzugekommene Engländer.
=Shovel= traf Anfang Januar in Lissabon ein und ging sofort weiter ins
Mittelmeer. Die Kriegslage in Spanien hatte sich seit der Heimfahrt der
Flotte im Herbst 1706 sehr zuungunsten der Verbündeten geändert. König
Karl machte die Erfahrung, daß mit dem Schlagen der spanischen Truppen
nicht alles getan war. Er verstand es nicht, sich beliebt zu machen; in
Kastilien und in den Südprovinzen erwachte der alte Haß gegen die
Portugiesen und die Ketzer, die beide ihn unterstützten. Das Volk stand
in Guerrillabanden auf und die Franzosen schickten ein neues Heer unter
dem Herzog von Berwigk. Die Verbündeten konnten sich in Madrid nicht
halten, sie zogen nach Osten ab, um sich Karl in Katalonien
anzuschließen. Shovel warf nun zunächst eine aus England mitgebrachte
Verstärkung von etwa 7000 Mann nach Alicante, kehrte dann aber nach
Lissabon zurück, um seine Schiffe zu weiteren Unternehmungen
instandzusetzen und auszurüsten.
Corbett bezeichnet diese »weiteren Operationen« ausdrücklich als die
gegen Toulon geplanten. Marlborough habe schon die Abfahrt Shovels
beschleunigt, da ihm nach den Erfolgen Eugens in Italien sein großer
Plan jetzt reif erschienen sei. Dieser Plan, durch dessen Durchführung
er den Krieg zu beenden hoffte, ist uns bekannt (Seite 494). Wenn er um
diese Zeit schon feststand, wenigstens wie anzunehmen ist zwischen
Eugen und Marlborough, so war er doch geheim gehalten. De Jonge sagt
ausdrücklich, daß das holländische Geschwader erst vor Barcelona von
dem beabsichtigten Angriff auf Toulon Kenntnis erhalten habe.
In Lissabon fand Shovel das Wintergeschwader (Byng) und das am 10. März
eingetroffene holländische Kontingent, das auch Ersatz für die in Spanien
fechtenden holländischen Regimenter mitgebracht hatte, vor. Da die
Nachrichten vom Landkriegsschauplatze weiter ungünstig lauteten, wurde
Byng mit den segelfertigen englischen und sämtlichen holländischen
Schiffen sofort (10. April) ins Mittelmeer gesandt, um die Verstärkungen
zu landen und bis zu Shovels Ankunft an der Ostküste zu kreuzen. Byng
erfuhr in Alicante, daß die Armee der Verbündeten unter dem =Earl of
Galway=, der jetzt den Oberbefehl führte, bei dem Versuche, wieder nach
Madrid vorzudringen, bei Almansa (24. April) vernichtend geschlagen sei
und daß ihre Trümmer sich größtenteils auf Tortosa zurückgezogen hätten
(vgl. Seite 494). Der Admiral sammelte nun in den Küstenstädten die
Versprengten, Verwundeten und Kranken des Heeres, brachte diese sowie die
Ersatzmannschaften nach Tortosa und segelte dann nach Barcelona (20.
Mai). Hier traf Shovel bald darauf ein. Erkundungen ergaben, daß weder in
Toulon noch in Marseille (der Galerenstation) Ausrüstungen von
Seestreitkräften betrieben wurden; Frankreich stellte in diesem Jahre nur
zwei Divisionen unter Forbin und Trouin für die nördlichen Gewässer auf.
Am 4. Juni ging =Shovel= mit der ganzen Flotte in See, um mit =Prinz
Eugen= gegen Toulon zu operieren und um dessen Verbindung mit den
Magazinen in Livorno und Genua aufrecht zu erhalten.
Wir wissen bereits (Seite 494), daß es Marlborough nicht gelang, seinen
großen Plan vollständig durchzuführen. Er selber war behindert, in
diesem Jahre im Norden kräftig vorzustoßen, und der Kaiser hatte,
anstatt Eugen nach seinen Erfolgen zu verstärken oder doch wenigstens
in seiner Stärke zu belassen, einen Teil des italienischen Heeres unter
Graf Daun abgezweigt, um Neapel zu erobern, obgleich ihm England
vorstellte, dies für ihn mit Leichtigkeit ausführen zu können, sobald
Toulon gefallen sei. Da Ludwig XIV. um diese Zeit zu
Friedensunterhandlungen geneigt war, wollte der Kaiser wohl vor Beginn
dieser die Lande in seinen Besitz bringen; auch wird vermutet (nach
Corbett), daß man in Österreich dem Plane Marlboroughs nicht günstig
war, man fürchtete die Übermacht Englands im Mittelmeer nach Toulons
Fall.
Ein schleuniger Angriff auf Toulon war erwünscht. Man mußte annehmen,
daß Frankreich nach seinen Erfolgen in Spanien von dort Truppen zur
Armee in der Provence heranziehen würde, auch konnte bei der Schwäche
Eugens nur ein Handstreich gelingen. Dieser wäre fast geglückt.
Marschall Tessé, der die Armee in der Provence führte, hatte mit
unzureichenden Kräften eine lange Grenze zu decken, und Prinz Eugen
verstand es, ihn in Unsicherheit darüber zu halten, wo er vorgehen
wolle: ob ein Angriff auf die Provence oder ein Einfall in die Dauphiné
oder in die Franche-Comté, beide von Truppen entblößt, erfolgen würde.
Eugen operierte dann so schnell, daß Tessé erst klar sah, als der
Gegner fast schon die Grenze überschritten hatte. Toulon war auf der
Landseite nur schwach befestigt und ungenügend besetzt. Infolge von
Verzögerungen auf dem Marsch und bei dem Angriff der Verbündeten jedoch
gelang es, diesen Übelständen abzuhelfen. Der Gouverneur der Provence
bot die Milizen auf und Tessé warf mit Eilmärschen Truppen in die
Stadt; die Verbündeten waren nicht stark genug, dies durch völlige
Einschließung zu verhindern. Die Verzögerungen werden dem Herzog von
Savoyen zur Last gelegt.
Die Flotte trat in Finale an der Riviera Mitte Juni mit dem Heere Eugens
und Savoyens in Verbindung. Kleinere Divisionen wurden bestimmt, Vorräte
aus den genannten Häfen zu holen, die Flotte ging nach der Bucht vom Cap
St. Hospice, um mit den die Küste entlang vorrückenden Truppen in steter
Verbindung zu bleiben, ihnen mit Geschützen und Munition auszuhelfen. Zum
tätigen Eingreifen kam sie nur am 11. Juli, als das Heer den Übergang
über den Grenzfluß Var erzwingen mußte. Hier standen 3000 Mann Fußvolk
und 500 Reiter der Franzosen, gestützt auf eine Schanze an der Mündung. 4
Fregatten beschossen diese Stellung und Anstalten zu einer Landung in
großem Maßstabe wurden getroffen; es scheint aber nur zur Beschäftigung
des Feindes damit gedroht zu sein, denn nur einige hundert Mann wurden
wirklich an Land geworfen. Während dieser Zeit überschritten die
Landtruppen ungehindert den Fluß weiter nördlich. Den Weitermarsch
begleitete dann Admiral Byng mit 15 Schiffen, längs der Küste segelnd,
der Rest der Flotte ging geradeswegs nach den Hyèren; am 29. Juli traf
die Armee vor Toulon ein. Bei schnellerem Vormarsch und überraschend
sowie tatkräftig durchgeführtem gewaltsamen Angriff wäre die Stadt
wahrscheinlich gefallen; so aber kam es nur zu einer $erfolglosen
Belagerung Toulons$.[270]
[270] Schilderung vornehmlich nach de Jonge, Teil IV, und Bonfils,
Teil II.
Toulon war gedeckt durch eine Reihe von Forts nahe bei der
Stadtumwallung (etwa die jetzige zweite Verteidigungslinie): Vom Fuße
des im Norden der Stadt liegenden Mt. Faron nach Osten bis zur Küste
die Forts St. Artigues, St. Catherine und La Malgue, nach Westen St.
Antoine und Malbousquet; zur Hinderung der Einfahrt an der Küste die
Forts St. Louis am Eingang zur Innenrhede und St. Marguerite etwa 2 km
östlich von La Malgue. Bei der so plötzlich auftretenden Gefahr hatte
man die Kriegsschiffe zum großen Teil -- einige Angaben sagen die
Hälfte (gegen 20 Linienschiffe), nach andern muß man annehmen, fast
alle (gegen 50) -- versenkt, um sie dem feindlichen Feuer zu entziehen,
aber auch um die Einfahrt in die Hafenanlagen zu sperren; die
Besatzungen und auch Schiffsgeschütze wurden zur Verstärkung der
Befestigungen herangezogen. Nur 2 oder 3 schwere Linienschiffe waren,
mit altem Tauwerk gepanzert, als schwimmende Batterien so verankert,
daß sie die Umgebung der Forts Malbousquet, La Malgue und St. Catherine
bestrichen.
Prinz Eugen nahm schon am 29. Juli trotz kräftigen Widerstandes die
Forts Artigues und St. Catherine. Er versuchte dann, nördlich um den
Mt. Faron marschierend, auf die Westseite der Stadt zu gelangen, fand
aber einen auf Hindernisse und Feldbefestigungen gestützten zu starken
Widerstand. Der Herzog von Savoyen, scheinbar zu vorsichtig, schuf sich
zunächst ein befestigtes Lager und bereitete, auf St. Catherine
gestützt, den förmlichen Angriff auf La Malgue und die Küstenforts vor.
Die Flotte, die gleichzeitig mit Eugens Angriff eine Überrumpelung der
Küstenforts vergeblich versucht hatte, schiffte Geschütze mit
Bedienungsmannschaften aus und hielt die Hafeneinfahrt blockiert. Erst
am 12. August begann man ernstlich mit der Beschießung der Küstenforts,
auch um der Flotte ein Näherkommen zu erleichtern. In der Zwischenzeit
aber hatten die Franzosen die Befestigungen verstärkt und die
Verteidigung organisiert. Tessé war mit 18 Bataillonen herangekommen,
hatte die Westseite besetzt und Verstärkungen in die Stadt geworfen;
die Milizen hielten die Verbindung nach Marseille offen. Schon am 15.
machten die Belagerten in stürmischer Nacht einen großen Ausfall und
warfen den Feind aus dem größten Teil seiner Angriffslinie. Die
Belagerer sahen ein, daß sie nichts erreichen konnten, ja, daß sie
sogar eine kräftige Offensive fürchten mußten, und beschlossen, die
Belagerung abzubrechen. Um den Abzug zu decken und um doch etwas zu
leisten, wurde ein Bombardement eingeleitet; es wurden in der Tat vom
17.-20. die Forts St. Louis und St. Marguerite außer Gefecht gesetzt.
Am 21. gingen nun 5 Fregatten und 5 Mörserboote bis zur Höhe von St.
Louis und beschossen Hafen und Stadt, man sah einige Schiffe sowie ein
großes Magazin brennen; die Fahrzeuge mußten sich aber am 22. bei
Tagesanbruch zurückziehen, weil eine neu errichtete Batterie sie unter
wirksames Feuer nahm. Immerhin war die Armee während der Nacht
ungehindert abgezogen und kam auch, ohne verfolgt zu werden, über den
Var zurück. Die Flotte begleitete wieder diesen Rückmarsch.
Erwähnenswert ist, daß die =Gardes-marines= (die Seekadetten) sich bei
der Verteidigung so ausgezeichnet haben, daß die Stadt Toulon ihnen von
da an, bis 1786, freies Kasernement gab, oder ihnen, wenn sie auf
Kosten des Königs untergebracht waren, für die Person und für den Monat
9 Francs zahlte.
So war nicht nur der große Plan, den Krieg durch Eindringen in die
Provence zu beenden, fehlgeschlagen, sondern auch der Angriff auf Toulon
unter großen Verlusten mißglückt. Dieser hatte nur den Erfolg, daß
Villars' Vordringen in Deutschland gehemmt wurde, weil dieser einen Teil
seiner Truppen nach der bedrohten Provinz senden mußte, und daß die
französische Marine auch im Mittelmeer den Kampf ganz aufgab. Trotz aller
Vorsichtsmaßregeln war ein Teil der versenkten Schiffe (etwa 15?)
unbrauchbar geworden. Frankreich stellte in den letzten Jahren des
Krieges in Toulon nicht einmal kleinere Divisionen auf, wie es im Norden
doch noch bis 1709 geschah.
Die Operationen der großen Flotte der Verbündeten waren für dieses Jahr
zu Ende. Sie zweigte am Var 9 Schiffe ab, um Truppen von Genua nach
Spanien zu bringen, und ging dann über Barcelona, Altea und Gibraltar in
die Heimat.
Bei dieser Gelegenheit trat wieder das schlechte Verhältnis der
Verbündeten zueinander zutage; über »die zunehmende Mißachtung von
seiten der Engländer« klagen die Holländer. Vizeadmiral v. d. Goes war
am 9. Juli gestorben. Am 12. September traf als Ersatz Vizeadmiral van
Wassenaer über Land in Genua ein; ein zweiter Flaggoffizier war aus
Sparsamkeitsgründen (nach de Jonge) nicht beim Kontingent gewesen.
Wassenaer segelte über Barcelona nach Altea und fand hier sein
Geschwader; Shovel war mit den englischen Schiffen, »ohne Kriegsrat zu
halten und ohne mit den Holländern das Wintergeschwader zu
vereinbaren,« nach Gibraltar gesegelt, nur äußernd, er müsse dort
Proviant nehmen. Wassenaer folgte und traf die englische Flotte am 10.
Oktober vor Gibraltar schon unter Segel, um die Reise fortzusetzen;
hier drang er auf Abhaltung eines Kriegsrates.
Vor Gibraltar wurde die Winterflotte entlassen, 6 holländische und 12
englische Linienschiffe unter Kontreadmiral Dilkes. Der holländische
Chef, Vizeadmiral Wassenaer, blieb mit zwei weiteren Schiffen zum
Überwintern in Lissabon, aber getrennt von seinem Geschwader, da er nicht
unter Dilkes stehen wollte.
Auf der Rückreise trat die Katastrophe ein, die die englischen Admirale,
so auch besonders Shovel, stets gefürchtet und vorausgesagt hatten, wenn
man die Schiffe in später Jahreszeit aus dem Mittelmeer zurückzöge. Die
Flotte verfehlte in schwerem und unsichtigem Wetter den Eingang des
Kanals und geriet auf die Scillys; vier Linienschiffe gingen verloren,
darunter das Flaggschiff; =Sir Clowdesley Shovel= wurde nach einigen
Angaben von einem Strandräuber wegen seiner Ringe ermordet.
[Illustration: John Leake.]
Das Wintergeschwader ging von Gibraltar wieder nach Barcelona und von
dort nach Livorno, um Truppen abzuholen; es traf erst am 24. März in
Lissabon zur Neuausrüstung ein.
$Das Jahr 1708$ ist nun das letzte, in dem von den Seestreitkräften
Waffentaten von einiger Bedeutung ausgeführt wurden. Am 7. April traf
=Sir John Leake=, jetzt Admiral of the Fleet, mit 5 englischen und 2
holländischen Schiffen bei dem Wintergeschwader ein; 4 weitere Holländer
folgten bald, so daß die Seestreitkräfte im Mittelmeer 31 Linienschiffe
zählten. Man sieht, daß die Flotte schon wesentlich kleiner war; ein
Auftreten der Franzosen war nicht zu befürchten, so konnte auch England
jetzt mehr Schiffe zum Schutze des Handels im Norden zurückbehalten. Sie
wurde auch noch geteilt: 4 Schiffe wurden bestimmt, vor der Straße von
Gibraltar gegen einige französische Fregatten, die in Cadiz für den
kleinen Krieg lagen, zu kreuzen; 4 andere sandte man nach den Azoren, um
portugiesische Brasilienfahrer zu holen und dann holländische und
englische in die Heimat zu führen. Die Hauptflotte, 23 Linienschiffe,
ging am 8. Mai in See, um Truppen von Italien nach Barcelona zu bringen.
Am 22. traf sie an der Küste von Katalonien auf einen französischen
Convoi von 100 Tartanen[271] mit Zufuhr, besonders Proviant, für das
spanische Heer; sie nahm 69 Fahrzeuge und zerstreute die übrigen. Bei der
unzureichenden Menge von Nahrungsmitteln, die die fechtenden Heere aus
Spanien selber ziehen konnten, war dies ein schwerer Schlag für die
spanischen Truppen und ein großer Gewinn für die des Königs Karl. In
Barcelona wurden wieder 7 Schiffe zurückgelassen, um jede Verbindung
Frankreichs mit Spanien über See zu unterbinden; der Rest ging nach Vado
(26. Mai). Hier wurde die Flotte bis Mitte Juli aufgehalten, da die
Kavallerie von Genua und Livorno geholt werden mußte, dann kehrte sie mit
6000 Mann und 2300 Pferden nach Barcelona zurück; es hatte sich ferner
die Braut König Karls, Prinzeß Elisabeth Christine von Braunschweig,
eingeschifft.
[271] Kleinere Küstenfahrzeuge.
Dem Admiral wurde nun aufgegeben, =Sardinien= zu unterwerfen, eine Insel,
die als reiche Kornkammer für Karls Heer wichtig war; die Aufgabe wurde
schnell gelöst. Am 12. August erschien =Leake= vor Cagliari und legte
seine Mörserboote sofort zur Beschießung aus. Als auf die Aufforderung
zur Übergabe die Antwort erst für den nächsten Tag in Aussicht gestellt
und damit der Verdacht hervorgerufen wurde, daß der Gegner Zeit zu
Verteidigungsmaßnahmen gewinnen wolle, landete man in der Nacht ein
Regiment Spanier sowie 1200 englische Seesoldaten und eröffnete die
Beschießung; das für Karl günstig gesinnte Volk erhob sich und zwang den
Gouverneur zur Übergabe, die ganze Insel folgte diesem Beispiel. Nach der
Übergabe der Stadt nahm =Leake= bei Pula, am Eingang der Bucht von
Cagliari, Wasser, und hier erreichte ihn, auf seine Meldung von dem
Erfolge, die Bitte König Karls, ein Unternehmen des General =Stanhope=,
des jetzigen Oberbefehlshabers der verbündeten Truppen in Katalonien,
$gegen Minorca$ zu unterstützen.
Stanhope hatte auf Anweisung der englischen Regierung, die schon länger
Port Mahon als günstigsten Stützpunkt im Mittelmeere selbst ins Auge
gefaßt hatte, die Anregung zu diesem Unternehmen gegeben. Die Bevölkerung
der Insel war karlistisch gesinnt, aber die Gegenpartei hielt die festen
Punkte besetzt. Diese wurde von den Franzosen unterstützt, die im Januar
1707 eine Division Schiffe zur Unterdrückung eines Aufstandes gesandt und
dann eine Besatzung zurückgelassen hatten. Stanhope zog im August 2600
Mann, vorwiegend Engländer, in Barcelona zusammen, er fühlte sich aber
ohne eine größere Seestreitkraft zu schwach. Er hatte zwar die an der
katalonischen Küste stationierten Linienschiffe zur Begleitung gewonnen
-- sie standen weder unter ihm noch unter König Karl, aber eins davon
führte sein Bruder, und dieser bestimmte die anderen Kommandanten zur
Teilnahme --, er bat aber doch auch Leake mitzuwirken und schrieb dabei,
er sei segelfertig und auch in Mallorca ständen Truppen und Geschütze
bereit. Leake beschloß sofort, der Bitte zu willfahren.
=Corbett= sagt hierzu: »Die Inbesitznahme von Gibraltar war allerdings
schon von großem Werte für England, aber fast nur als eine Station zum
Schutze des Handels; zur Behauptung der Seeherrschaft im Mittelmeer
brauchte man einen Hafen in diesem Meere, der auch sicher genug war,
ein Wintergeschwader dort zu halten und auszurüsten. Ohne einen solchen
blieb Frankreich imstande, sobald die verbündete Flotte im Herbst
heimging und das Wintergeschwader nach Lissabon zurück mußte, seine
Freibeuter auslaufen zu lassen sowie auch den Verkehr mit Spanien
wieder aufzunehmen; es trat hinzu, daß eine ständige Flotte im
Mittelmeer wünschenswert erschien, um dauernd auf den Papst und andere
bourbonisch gesinnte Fürsten Italiens zu drücken. So war die Besetzung
Gibraltars nur ein erster Schritt. Die englischen Seeoffiziere hatten
schon immer auf den vorzüglichen Hafen von Port Mahon hingewiesen und
1705 erschien in England eine anonyme Schrift (»An inquiry into the
causes of our naval miscarriages«), die die Besetzung dieses Platzes
dringend empfahl. Auch Marlborough war, besonders nach dem Fehlschlage
gegen Toulon, für Gewinnung eines Stützpunktes und wies, da Karl III.
beständig um eine Flotte auch während des Winters bat, den König und
den Kaiser nachdrücklich auf die Notwendigkeit hin, Port Mahon zu
nehmen. Diese schlugen Spezia vor, aber die englischen Admirale
erklärten den Platz für seemännisch nicht geeignet und Port Mahon
außerdem für viel günstiger gelegen, Toulon zu überwachen. Auf
Marlboroughs Drängen ward Stanhope im Juni 1708 beauftragt, in diesem
Sinne vorzugehen, und er bereitete im August, als der Feldzug zu Lande
wie üblich zu Ende ging, die Einschiffung sämtlicher in Katalonien
entbehrlichen Streitkräfte vor. Leake kannte zwar die Pläne, hatte aber
keine Befehle. Karl hatte ihn gebeten, nach der Unterwerfung Sardiniens
die Truppen von Neapel, die dort nicht mehr nötig wären, nach Spanien
zu bringen; von England hatte er den Befehl, eine Demonstration gegen
den Papst, der die Partei Jakobs III. in Schottland mit Geld
unterstützte, zu machen, falls seine Hauptaufgabe, für König Karl
einzutreten, dies erlaube.
Als die Aufforderung Karls III. zu dem Unternehmen gegen Minorca
eintraf, war der Admiral im Begriff, mit den englischen Schiffen nach
Civitavecchia unter Segel zu gehen; die Truppen in Neapel waren noch
nicht zur Einschiffung bereit und den Holländern war verboten, sich an
der Demonstration gegen den Papst zu beteiligen. Der gemeinsame
Kriegsrat, dem die Wichtigkeit Port Mahons als Stützpunkt für die
Flotten völlig klar war, faßte jetzt den Beschluß, der Bitte Folge zu
geben.«
Die Flotte segelte am 24. August und traf am 5. September vor Port Mahon
ein. Stanhope war noch nicht dort, aber Leake bereitete alles vor: Er
sandte Schiffe nach Mallorca, um die Truppen zu holen; er stellte die
Stärke des Feindes fest; sie betrug 1000 Mann, zur Hälfte auserlesene
französische Seesoldaten und zur Hälfte ein altes Minorca-Regiment; er
erkundete und markierte einen geeigneten Landungsplatz etwa 2 Seemeilen
von der Stadt entfernt. Am 10. September trafen die Schiffe von Mallorca
und am 12. Stanhope mit seiner Hauptmacht ein. Man landete und besetzte
die offene Stadt, die sich wie die ganze Insel für König Karl erklärte;
die feindlichen Soldaten zogen sich in zwei Forts, die den Hafen
beherrschten, zurück. Da nun zu deren Belagerung wie zu der der anderen
Städte die Gesamtflotte nicht mehr nötig war, verließ Leake (18.
September) seiner Instruktion gemäß mit dem größeren Teile Port Mahon
und segelte nach der Heimat, nachdem er die entbehrlichen Vorräte des
Proviants und der Munition an Stanhope abgegeben hatte.
Ein Wintergeschwader -- 12 englische und 3 holländische Linienschiffe, 5
Fregatten, 3 Mörserboote -- blieb unter Kontreadmiral =Sir Edward
Whitaker= zurück und unterstützte die weiteren Unternehmungen. Einige
Schiffe nahmen ein kleines Fort bei Fornells, um diesen Hafen an der
Nordküste vorläufig als Liegeplatz für die Transporter zu haben; andere
zwangen mit einigen hundert Mann die Hauptstadt Ciudadela zur Übergabe;
die übrigen Schiffe landeten Geschütze mit Bedienung zur förmlichen
Belagerung der gut ausgestatteten Werke Port Mahons. Diese wurden nach
Breschelegung am 29. September stürmender Hand genommen.
=Port Mahon war in englischem Besitz.= England behielt es 50 Jahre und
hatte damit eine ebenso sichere Machtstellung im Mittelmeere wie
Frankreich und Spanien gewonnen. Von Gibraltar aus beherrschte es Cadiz
und Cartagena, mit Port Mahon stand es Toulon gegenüber; Lissabon blieb
weiter ein Stützpunkt in zweiter Linie.
General Stanhope ging mit den spanischen und portugiesischen Soldaten
nach Barcelona zurück, sobald sie entbehrlich waren -- »er zeigte so
seinen Eifer für die Sache Karls«. Er ließ auf der Insel nur eine
englische Besatzung zurück. In seinem Bericht nach England äußerte er
auch seine »unmaßgebliche« Ansicht, daß man Port Mahon nie wieder
herausgeben dürfe, ja seinen Besitz zur Bedingung weiterer
Unterstützung in Spanien machen müsse; auch bat er um Ernennung des
augenblicklichen Befehlshabers dort zum Gouverneur. Natürlich fühlten
sich der Kaiser, König Karl und Holland sehr verletzt, aber England
ließ sich nicht irre machen.
Dem Ersuchen Karls III., schon in diesem Jahre das Wintergeschwader in
Port Mahon zu überwintern, konnte nicht Folge gegeben werden, da weder
Einrichtungen noch Vorräte zur Instandsetzung vorhanden waren. Whitaker
holte nochmals Truppen von Italien nach Spanien und ging dann nach
Lissabon; schon seine Anwesenheit an der italienischen Küste nach dem
Fall von Port Mahon hatte genügt, den Papst zur Anerkennung Karls zu
bewegen.
Im Jahre $1708$ planten die Franzosen neben dem kleinen Kriege in den
nördlichen Gewässern noch einmal einen $Einfall in Schottland$; der
Prätendent =Jakob= III. sollte mit etwa 6000 Mann dorthin übergeführt
werden. Das Unternehmen, ganz gegründet auf eine kräftige Erhebung in
Schottland und auf völlige Überraschung, scheiterte kläglich, da diese
Bedingungen fehlten; der seemännische Führer der Expedition, Chef
d'Escadre =Graf Forbin=, zeigte jedoch dabei seine Geschicklichkeit. Nach
diesem Fehlschlage wurde in den nächsten Jahren in Dünkirchen keine
reguläre Division für den Krieg mehr aufgestellt, nur noch in Brest oder
La Rochelle.
Die Expedition sollte früh im Jahre 1708 in See gehen, wohl unmittelbar
nach der Abfahrt von Leakes Flotte zum Mittelmeer. Der Zustand der
französischen Marine erlaubte keine große Rüstung. Forbins Geschwader
bestand aus den wenigen Kriegsschiffen der Dünkirchen-Division und
einer größeren Zahl Freibeuter und Transporter; holländische Angaben
sprechen von 5 Kriegsschiffen und 30 andern Fahrzeugen, englische von 8
und 24; wenn französische Quellen nur 20 Segel nennen, so sind wohl nur
die Kriegsschiffe und Freibeuter gezählt. Eine Krankheit des
Prätendenten soll die Abfahrt verzögert haben. In England und Holland
hatte man Kenntnis von dem Plane; Admiral Byng erschien schon am 12.
März mit 35 Schiffen vor Dünkirchen. Forbin war jetzt für Aufgeben des
nach seiner Überzeugung aussichtslosen Unternehmens, aber Jakob bestand
auf der Ausführung; als Byng durch Sturm nach den Downs getrieben war,
ging man am 19. nachts in See. Holland, dessen Sommergeschwader für die
nördlichen Gewässer noch nicht segelfertig waren, sandte wenigstens 4
starke Convoibegleitschiffe nach England; diese stießen am 20. zu Byng
und gleichzeitig erhielt der Admiral die Nachricht vom Auslaufen
Forbins. Er sandte sofort einige seiner Schiffe sowie die Holländer
nach Ostende, um von dort Truppen abzuholen und dann in Newcastle die
Nachricht abzuwarten, wo diese nötig seien. Er selber folgte den
Franzosen. Forbin war zum Firth of Forth gesegelt, stellte hier aber
sogleich fest, daß England alle Maßregeln getroffen hatte, um sowohl
die Landung zu hindern wie eine Erhebung zu unterdrücken; er schlug
daher Jakob und seinen Offizieren den Wunsch, zu landen, unbedingt ab.
Als er das Nahen der Engländer erfuhr (23. März), ging er in See, Byng
sichtete ihn gerade noch und befahl allgemeine Verfolgung. Forbin
steuerte zunächst nordöstlich, änderte nachts geschickt den Kurs und
entkam wohlbehalten nach Dünkirchen; nur ein Schiff, das eingeholt
wurde oder, wie die Franzosen sagen, tollkühn den Kampf aufnahm, wurde
genommen.
$Die letzten Kriegsjahre 1709-1712.$ Wir wissen, daß zu Ende des Jahres
1708 Ludwig XIV. ernste Versuche machte, Frieden zu schließen (vgl. Seite
495). England soll dazu geneigt gewesen sein; wohl möglich, denn es besaß
ja schon, was es haben wollte. Da die Verbündeten zu viel verlangten,
nahm der Krieg seinen Fortgang; die Seestreitkräfte fanden zwar keine
Gelegenheit mehr zu größeren Waffentaten, aber ihr stilles Wirken blieb
von Wichtigkeit. Im Mittelmeer sicherten sie weiter die Verbindung König
Karls mit Sardinien, seiner Kornkammer, sowie mit seinen italienischen
Ländern und schnitten Frankreich vom Meere ab. Das Verschwinden der
französischen Marine vom Mittelmeer erlaubte eine Verminderung der
dortigen Flotte; dies kam dem Handelsschutz in den nördlichen Gewässern
zugute, auch konnten stärkere Unternehmungen als bisher gegen die
französischen Kolonien in Nordamerika ausgeführt werden. Es wird genügen,
die Tätigkeit der verbündeten Flotte in großen Zügen zu geben, und nur
einzelne Vorfälle näher zu schildern, ohne wie bisher auf alle
Operationen und Bewegungen näher einzugehen.[272]
[272] Auch sonst genaue Quellen wie Clowes und de Jonge halten sich
allgemeiner; de Jonge ist noch am genauesten, soweit es das
holländische Kontingent betrifft.
$1709$ traf Admiral =Byng= schon im Januar mit Verstärkungen bei der
Winterflotte ein, er brachte Material und Vorräte zur Schaffung eines
Stützpunktes in Port Mahon mit. Die Zahl der englischen Linienschiffe
wird etwas über 20 gewesen sein, Holland verstärkte sein Kontingent erst
im Mai auf 9. Byng kreuzte hauptsächlich an der französischen Küste; ein
Versuch, das belagerte Alicante zu entsetzen, mißlang, man konnte bei
seinem Fall nur die Garnison mitnehmen. Im Herbst ging der Admiral mit
einem Teil seiner Schiffe heim; die 3 Holländer des vorjährigen
Wintergeschwaders wurden durch 6 neue ersetzt, so daß dies Kontingent
jetzt 11 Schiffe stark war. Das Wintergeschwader unter Vizeadmiral
=Whitaker= verblieb, gesammelt oder in Divisionen geteilt, an der
spanischen und französischen Küste, nunmehr auf Port Mahon gestützt.
Trotz dieser Blockade gelang es dem Kapitän =Cassard= 1709, ebenso 1710
und 1711, einen Getreide-Convoi von Tunis oder von der Levante nach
Marseille einzubringen, zweimal unter Abschlagen englischer Divisionen;
die Zufuhren waren von großer Wichtigkeit, weil in Frankreich Hungersnot
herrschte.
$Im März 1710$ kam Admiral =Sir John Norris= in Port Mahon an. Die
Streitkräfte waren auf etwa 34 Linienschiffe verstärkt, doch wurde die
Hälfte zur Deckung von Getreideconvois aus Oran und der Levante für König
Karl und zur Bewachung der Straße sowie Sardiniens und der italienischen
Küste abgezweigt. Mit der anderen Hälfte ging Norris nach Barcelona und
erfuhr hier Ende April, daß eine $französische Expedition gegen
Sardinien$ bevorstehe. In Sardinien waren Unruhen gegen den unbeliebten
Gouverneur ausgebrochen; Frankreich beabsichtigte, diese durch eine
Sendung von Truppen (2000 oder 3500 Mann) unter Bedeckung von 6-8
Kriegsschiffen und 20 Galeren zu unterstützen. Norris gelang es, das
Unternehmen zu vereiteln.
Der Admiral brachte Ende April einen neuen Vizekönig nach Cagliari,
wodurch die Ruhe sofort wieder hergestellt wurde; von den Franzosen war
nichts zu bemerken. Er ging dann nach Vado, um Truppen zu holen, und
wurde hier bis Mitte Juni aufgehalten; ein Versuch, durch eine Division
einen Convoi an der Küste der Provence abzufangen, mißlang. Auf die
Nachricht, daß die französische Expedition jetzt von Toulon und
Marseille gesegelt sei, ging Norris nach Sardinien, nahm in der Bucht
von Terra Nova 4 französische Transporter und zwang die von diesen
gelandeten 400 Mann durch Landung seiner Soldaten zur Übergabe. Er
erfuhr, daß 10 Galeren mit Transportern bei seinem Nahen von der
Westküste der Insel, wo der Hauptangriff geplant war, nach Ajaccio
geflüchtet seien, und folgte dahin. Die Galeren waren schon nach
Frankreich zurückgegangen, aber 8 Transporter (500 Mann und das gesamte
Kriegsmaterial der Expedition) wurden genommen; die Neutralität Genuas,
dem Corsica gehörte, beachtete Norris nicht.
Als die Flotte in Barcelona wieder eingetroffen war, trat eine andere
Aufgabe an sie heran, $eine Landung in der Languedoc$, um einen neuen
Aufstand der Camisards zu unterstützen. Der mit viel zu geringen Kräften
unternommene Versuch schlug vollständig fehl.
Man beabsichtigte, in Cette festen Fuß zu fassen, um mit den
Camisarden, die etwa 12 Meilen von der Küste unter Waffen standen, in
Verbindung zu treten. Diese Stadt, die auf einer schmalen Landzunge
zwischen dem Meere und einem Küstensee fast wie auf einer Insel liegt,
hätte bei genügend starker Besetzung wohl gehalten werden können, weil
die Verbündeten die See beherrschten. Die Flotte erschien am 24. Juli,
landete 700 Spanier sowie einige Seesoldaten und nahm noch am selben
Tage ohne Widerstand Cette. Am nächsten Tage sicherte man sich durch
Besetzung des kleinen südwestlich liegenden Ortes Adge und einer Brücke
dort gegen einen Angriff von dieser Richtung her. Der Versuch der
Franzosen, mit 400 Dragonern und 2000 Mann Miliz über den See auf die
Landzunge zu gelangen, wurde durch die Boote der Flotte vereitelt, aber
infolge eines falschen Alarms verließ die Besatzung Adges ihre
Stellung. Da nun Marschall Noailles in Eilmärschen mit 2000 Reitern,
deren jeder einen Grenadier hatte aufsitzen lassen, hier herankam,
wurden die Gelandeten unter Verlust ihrer Nachhut wieder eingeschifft
und das Unternehmen aufgegeben; aussichtslos war es überhaupt, weil man
eine Verstärkung nicht vorgesehen hatte.
In diesem Jahre überwinterten die Engländer sämtlich im Mittelmeer, die
Holländer gingen heim. Auch für diese war der Befehl unterwegs, dort zu
bleiben, da man nach den letzten Erfolgen Karls III. (Sieg bei Saragossa)
hoffte, bei kräftiger Unterstützung durch die Flotte den Krieg in Spanien
zu beenden; die Order erreichte das Geschwader nicht. Zwar wurde in
Holland sogleich die Entsendung von 24 Linienschiffen beschlossen, aber
man konnte nur 13 ausrüsten und auch diese trafen nur nach und nach --
meist mit englischen Schiffsverstärkungen oder Ablösungen und stets mit
englischen Truppentransporten -- an der spanischen Küste ein, die ersten
Ende März, die letzten erst im Hochsommer 1711; sie blieben dann bis Ende
1712 im Mittelmeer. Die Engländer werden in den letzten Jahren des
Krieges, im Sommer wie im Winter, einige 20 Schiffe dort gehabt haben;
die Gesamtflotte zählte etwa 35.
$Im Jahre 1711$ kreuzten einzelne Schiffe sowie kleine Divisionen im
Westbecken des Mittelmeeres und zeigten sich an der Küste Italiens, weil
in den habsburgischen Provinzen Unruhen ausbrachen; ein größeres
Geschwader versuchte vergeblich, an der französischen Küste einen Convoi
(Cassard) abzufangen. Die Hauptflotte lag in Port Mahon oder Barcelona
zur Verfügung König Karls bereit, dessen Erwählung zum Kaiser nach
Josephs Tode (17. April) bevorstand: sie sollte ihn nach Italien bringen,
sobald er es wünsche. Als im Hochsommer eine größere Verstärkung zur
Flotte stieß, ging Norris mit einigen seiner Schiffe, wohl den
schwereren, nach England und gab den Oberbefehl an =Admiral Jennings= ab.
Dieser brachte mit 24 Schiffen, (6 ließ er zum Schutz der Königin in
Barcelona zurück), im Herbst (27. September) den König nach Genua (am
Tage seiner Erwählung 12. Oktober dort), führte dann Truppen nach
Katalonien zurück und nahm endlich Winterlager in Port Mahon.
Um diese Zeit waren schon Friedensunterhandlungen zwischen England und
Frankreich im Gange. Wie die Engländer jetzt im niederländischen Feldzuge
$des Jahres 1712$ ihre Verbündeten nicht mehr unterstützten, so hielten
sie sich auch im Mittelmeer zurück; nur noch einmal traten sie gemeinsam
mit den Holländern auf. Im April hörte Jennings, daß ein französisches
Geschwader aus Toulon auslaufen solle, Ziel unbekannt. Er ging von Port
Mahon in See, um zwischen den Balearen und Katalonien zu kreuzen, kam
jedoch infolge stürmischer Winde zu spät. =Cassard= kam mit 6
Linienschiffen und 2 Fregatten wohlbehalten durch, gelangte ungehindert
nach Westindien und brandschatzte hier holländische und englische
Kolonien. Die Flotte segelte dann noch vereint nach Vado, hier aber
trennten sich die Kontingente; Jennings kehrte nach Port Mahon zurück,
die Holländer führten allein Truppen nach Spanien und bald darauf noch
einmal. Dann erhielten sie Befehl, in die Heimat zu kommen und gingen am
7. September 1712 dahin ab. Der Kriegsrat wagte nicht, ohne Befehl der
Bitte der Königin Elisabeth Christine, zu bleiben, Folge zu geben.
=Der Seekrieg im Mittelmeere war zu Ende= -- England und Portugal
schlossen im November Waffenstillstand mit Philipp V. -- und die
habsburgische Sache in Spanien war verloren. Die Kaiserin sah sich
genötigt, mit ihren deutschen Truppen Katalonien zu räumen und die treue
Provinz ihrem Schicksal zu überlassen. Philipp eroberte sie mit
französischer Hilfe; 1714 wurde Barcelona erstürmt. Auch die Balearen
unterwarfen sich 1715.
Von den Ereignissen des kleinen Krieges in den letzten Jahren ist eine
$französische Expedition gegen Rio 1712$ hervorzuheben, weil sie mit
größeren Mitteln unternommen wurde und auf den Friedensschluß zwischen
Portugal und Frankreich von einem ähnlichen Einfluß war, wie die
Expedition de Pointis' auf Spanien gegen Ende des Pfälzischen
Erbschaftskrieges.
Schon im Jahre 1710 hatte eine französische Freibeuterflottille den
Versuch gemacht, Portugal in Brasilien, seiner Hauptgeldquelle, zu
schädigen. Kapitän =Duclerc= hatte versucht, mit 5 Schiffen in den Hafen
von Rio einzulaufen. Als dies durch die Forts verhindert war, landete er
1000 Mann und drang in die Stadt ein, dann erst gelang es dem
unentschlossenen Gouverneur, und auch nur durch Beistand der Einwohner,
ihn zu überwältigen. Die Franzosen wurden fast sämtlich hingemetzelt,
Duclerc und viele andere nach der Übergabe ermordet. Im Jahre 1711 gab
der schon berühmte Kapitän =Duguay-Trouin= die Anregung zu einem zweiten
Unternehmen. Da der Marineminister mit seinen Mitteln nicht genügend
Schiffe ausrüsten konnte, bildete sich eine Gesellschaft, die die Kosten
teilweise übernahm. Der König stellte Schiffe und Besatzungen, hatte
Anspruch auf ein Fünftel des Reingewinns, mußte aber den etwaigen Verlust
an Schiffen tragen; die Gesellschaft verpflichtete sich, für jeden
gestorbenen, gefallenen oder fahnenflüchtigen Soldaten eine Entschädigung
von 30 Franken zu zahlen. So erhielt Trouin 7 Linienschiffe, davon 2 zu
74 Kanonen, 8 Fahrzeuge von 20-26 Kanonen, 2 Mörserboote und 2000 Mann.
Obgleich der Plan in England wie in Portugal bekannt wurde, hatte die
Expedition vollen Erfolg: Rio wurde auf längere Zeit besetzt, eine
Kontribution von etwa 1300000 Mark erhoben und reiche Beute gemacht. Die
Gesellschaft gewann 92%; der Verdienst des Königs wird nur gering gewesen
sein, weil 2 Linienschiffe auf der Rückreise verschollen.
Trouin[273] verließ am 9. Juni 1712 La Rochelle und traf am 11.
September vor Rio ein. England hatte durch ein Postschiff Portugal von
der bevorstehenden Abfahrt der Franzosen in Kenntnis gesetzt und diese
Nachricht wurde, mit demselben Fahrzeug weitergesandt, Ende August in
Rio bekannt. Trotzdem waren nur ungenügende Gegenmaßregeln getroffen
worden; es gelang Trouin, während der Nacht in den Hafen einzulaufen,
die Insel das Cobras unmittelbar vor der Stadt zu besetzen und hier
Batterien zu bauen. Die Behörden verloren den Kopf; 4 Kriegsschiffe,
die im Hafen lagen, setzten sich auf Strand und in Brand; die Truppen,
12000-13000 Mann, hielten sich in den Befestigungen und ließen die
Franzosen am 13. unbehindert landen. Diese, etwa 3000 Mann mit 24
Kanonen, begannen nun die Belagerung der Forts und die Beschießung der
Stadt so wirksam, daß die Bürger in Masse flohen und der Gouverneur
nach Anzündung der Magazine abzog. Er verschanzte sich vor der Stadt,
und benützte nicht einmal die Gelegenheit zum Angriff, als sich die
Franzosen am 21. zu einer gründlichen Plünderung in der Stadt
zerstreut hatten. Trouin verlangte dann unter Androhung völliger
Zerstörung die Kontribution, und der Gouverneur bewilligte sie am 10.
Oktober, obgleich er wußte, daß Hilfstruppen aus den Nachbarprovinzen
heranzogen; diese trafen schon am 11. ein. Am 13. November zogen die
Franzosen nach erfolgter Zahlung der Kontribution und Einschiffung der
Beute ab. Etwa 350 Gefangene der ersten Expedition wurden befreit;
einige Offiziere dieser waren nach Bahia gebracht. Den Versuch, auch
sie zu befreien, mußte Trouin widriger Winde an der Küste halber
aufgeben; das Aufkreuzen hielt ihn 40 Tage auf, erst am 6. Februar
1713 traf er in Brest ein.
[273] Bonfils, V. II, Seite 117. Genauer Bericht Trouins.
Es berührt eigentümlich, daß England weder das Auslaufen noch die
Durchführung der Expedition gehindert hat; es war doch die Gelegenheit,
sowohl einen gewissermaßen in Schutz genommenen schwachen Verbündeten
vor großem Schaden zu bewahren als auch dem gemeinsamen Feinde einen
empfindlichen Schlag zu versetzen.
$Der Verlust an Schiffen Im Kriege 1702-1713$ war sehr bedeutend. Es
verlor
=England= Schiffe: 80 K. 70 K. 60 K. 50 K. über 30 K. kleinere
In Gefechten 2 4 1 10 9 22
Sonst verunglückt 2 8 4 7 2 10
----------------------------------------------------
Summe: 38 Linienschiffe; 43 kleinere
=Frankreich=
In Gefechten 6 7 15 12 10 85
Sonst gegen 50 Segel.
Für Holland sind genaue Angaben nicht vorhanden.
Die Angaben schwanken in den Quellen sehr. Clowes, dem die vorstehenden
entnommen sind, glaubt, daß diese auf Grund der neuesten Untersuchungen
ziemlich genau sind. Er gibt (am Schluß des Kapitels XXIV) von den
englischen Schiffen eine namentliche Liste mit Tag und Ort des
Verlustes.
Troude führt für beide Gegner weit geringere Zahlen an. Bei den
Linienschiffen (über 50 Kanonen) spricht er nur von 11 englischen und
20 französischen; es ist möglich, daß er auf englischer Seite die
großen Verluste durch Schiffbruch (1703 in den Downs 9, 1707 bei den
Scillys 4) und auf französischer Seite die durch Versenken in Toulon
unbrauchbar gewordenen (nach Andeutungen auf etwa 15 zu schätzen) nicht
eingerechnet hat. An Fregatten nennt er gar nur 2 englische und 11
französische; es ist dies nur so zu erklären, daß er den kleinen Krieg
nicht berücksichtigt hat, namentlich nicht die königlichen Schiffe, die
als Freibeuter im Privatdienst standen. Für Holland zählt er 3
Linienschiffe und 7 kleinere, auch wohl eine viel zu geringe Angabe
besonders bei den kleineren.
Chabaud-Arnault gibt den Gesamtverlust der Franzosen mit 35
Linienschiffen, einigen 50 kleineren Kriegsschiffen und mehreren
Hunderten von Freibeutern; diese Angabe stimmt mithin annähernd mit
Clowes überein, unter den Freibeutern befanden sich ja viele
Kriegsschiffe.
Da bekanntlich in den größeren Aktionen nur Frankreich bei Vigo,
Gibraltar und Toulon bedeutendere Verluste erlitten hat, sind die meisten
verlorenen Schiffe Opfer des kleinen Krieges geworden; wir kommen hierauf
noch zurück.
Der kleine Krieg und die Kolonien.
$Der Krieg gegen den Seehandel$ spielte im Spanischen Erbfolgekriege eine
ebenso bedeutende Rolle wie im vorigen Kriege und wurde auch ebenso
eigenartig von seiten der Franzosen betrieben (vergl. Seite 467 ff.). Wir
können an die früheren Betrachtungen anknüpfen und uns auf Angaben
beschränken, die den Umfang und damit den Einfluß des kleinen Krieges
1702-1713 beurteilen lassen.
Vom Beginn der Feindseligkeiten förderte, dem Beispiel seines Vaters
folgend, der französische Marineminister =Jerôme de Pontchartrin= den
Krieg gegen den Handel mit allen Kräften. Auch er stellte der
=Freibeuterei= Schiffe und Personal der Kriegsmarine zur Verfügung;
wiederum durchkreuzten zahlreiche Kaper, besonders von Dünkirchen und St.
Malo aus, einzeln oder in kleinen Verbänden den Kanal, den Eingang zu
diesem und die Nordsee. Jerôme stellte wie sein Vater kleine Divisionen
in den nördlichen Häfen für den =Kreuzerkrieg= auf; die »Escadre du Nord«
wurde wiederum ständig in Dünkirchen gebildet, andere Divisionen traten
meist in Brest oder La Rochelle hinzu. Diese kleinen Verbände der
königlichen Marine, in ihrer Stärke zwischen 3-14 Kriegsschiffen
schwankend, aus kleineren Linienschiffen (50-60 Kanonen) oder schweren
Fregatten (40-50 Kanonen) bestehend und bisweilen durch Freibeuter
verstärkt, griffen vornehmlich größere Convois von Handelsschiffen oder
von Transportern mit Kriegsmaterial für Spanien an. Solange Ostende in
französischem Besitz war (bis 1705), wurde hier eine Division von Galeren
(6) gehalten, geeignet, die holländische Küste zu beunruhigen oder in der
Schelde in den Landkrieg einzugreifen.
$Frankreich$ bedrohte so den englischen und holländischen Handel sehr,
aber es ist wohl zu bemerken, daß sich dieser Angriff der Hauptsache nach
auf die erwähnten Gewässer, also nahe bei den eigenen Küsten,
beschränkte; im Mittelmeer konnte sich die französische Freibeuterei
überhaupt nur wenig regen, weil hier während des größten Teiles des
Jahres die Flotten der Verbündeten die See beherrschten. Gegen Ende des
Krieges ließ die Kraft dieser Kriegführung nach, es fehlten die Mittel.
Nach 1709 wurde wegen Geldmangels das Nordgeschwader nicht mehr
ausgerüstet; eine große Zahl der Freibeuter, Kriegs- wie Kaperschiffe,
war weggefangen worden. Die kleinen Divisionen haben bei ihren Angriffen,
weil sie nicht durch Convois behindert waren, fast immer Erfolg gehabt
oder sich doch dank der Geschicklichkeit ihrer Führer und der
Segeleigenschaften ihrer Schiffe größeren Verlusten entziehen können. Die
Galerenflottille hatte nur einen Erfolg zu verzeichnen: sie fing in
Windstille ein von seinem Geschwader versprengtes holländisches
Linienschiff.
Auf seiten der Verbündeten ging naturgemäß das Hauptbestreben dahin,
ihren weit größeren Handel zu decken. $Holland$ stellte zu diesem Zweck
in jedem Jahre 2-3 Geschwader auf: zum Beobachten der Galeren; zum Schutz
der Nordsee gegen Dünkirchen, wie in allen früheren Kriegen; zum Geleiten
der großen Ostindienconvois auf ihren Aus- und Heimreisen durch die
Nordsee. Zahlreiche Convoijers (30-40 zu 20-50 Kanonen) traten als
ständige Begleitung der Convois hinzu.
Die Stärke dieser Geschwader war beträchtlich; sie zählten zusammen:
1702 = 15 Linienschiffe, 4 Fregatten
1703 = 22 " 3 "
1704 = 17 " 8 "
1705 = 15 " 6 "
1706 = 12 " 6 " und 4 Schiffe der ostindischen
1707 = 17 " 6 " Kompagnie
1708 = 17 " 6 "
1709 = 16 " 7 " und 2 Schiffe der ostindischen
1710 = 7 " 5 " Kompagnie
Von 1706 an war das Geschwader gegen die Galeren nicht mehr nötig; 1710
war nur das Geschwader für die Ostindienconvois in Dienst gestellt und
1711-1712 wurden alle ausgerüsteten Schiffe zum unmittelbaren
Convoidienst herangezogen.
Holland übernahm also in erster Linie den Handelsschutz östlich von
Dünkirchen; hier kamen nicht nur sein Ostseehandel und seine
Nordseefischerei in Betracht, sondern auch die transatlantische
Schiffahrt wählte während des Krieges den Weg um Schottland. Die Tabelle
zeigt, daß, als der französische Kreuzerkrieg um 1709 aufhörte, Holland,
selbst erschöpft, ebenfalls nachließ. Aber auch die Freibeuterei war von
Holland lebhaft betrieben und bald besonders gegen die feindlichen Kaper
gerichtet. Wie in den letzten Jahren des vorigen Krieges setzte die
Regierung 1702 hohe Preise für das Aufbringen solcher aus; die eigenen
Kaper hielten sich sonst wegen des höheren Gewinns lieber an das
Wegfangen von Kauffahrern, und es war doch wichtiger, den eigenen Handel
zu schützen. Wie stets waren die Seeländer die Tätigsten als Freibeuter.
Die Prämien wurden berechnet nach der Besatzungsstärke und Armierung
(Kopfzahl und Geschoßgewicht einer Chargierung) des genommenen Schiffes
und waren höher für die in der Nordsee gemachten Prisen. Ein Schiff von
220 Mann und 40 Kanonen brachte in der Nordsee 42900 Gulden, in andern
Gewässern zwei Drittel dieser Summe.
In Seeland bildeten sich wieder Gesellschaften, die Freibeuter
ausrüsteten. Schon 1703 liefen von Middelburg und Vlissingen 47
Fahrzeuge (10-40 Kanonen) aus; 25 Kauffahrer, doppelt bemannt, durften
neben dem Handel auch Kaperei treiben; viele Schiffe wurden eigens zu
diesem Zwecke neu erbaut. Die Seeländer waren nach ihrer Gewohnheit
nicht sehr wählerisch und nahmen auch Schiffe neutraler oder
verbündeter Völker; die Generalstaaten verweigerten deshalb die Ausgabe
weiterer Kaperbriefe, aber die Provinz setzte es doch durch, indem sie
behauptete, die fraglichen Schiffe hätten unter dem Schutz ihrer Flagge
mit Frankreich Handel getrieben. 1706 stellten Middelburg und
Vlissingen 74 Segel (die größere Zahl mit über 26 Kanonen und hinauf
bis zu 52) mit insgesamt 1760 Kanonen und 11750 Mann, diese Schiffe
schwärmten bis in die fernsten Meere, besonders aber in der Nordsee.
Auch in den anderen Provinzen rüsteten die Städte, sogar einzelne
Dorfgemeinden, Fahrzeuge aus; bei dem stockenden Handel wurde die
Freibeuterei eine Erwerbsquelle für die seemännische Bevölkerung.
Nach 1708 nahm die Jagd auf feindliche Kaper ab, weil diese seltener
wurden und weil die für die Prämien ausgesetzten Mittel erschöpft waren;
auch stieg jetzt der eigene Handel wieder; seine Stockung in den ersten
Jahren hatte viele Schiffe und Seeleute in den Dienst der Freibeuterei
getrieben.
$England$ beteiligte sich an der Bewachung Dünkirchens und an der
Sicherung der Nordsee, hat aber wohl in erster Linie den Schutz des
Kanals und die Blockierung der französischen Küste durch eine größere
Flotte, teils vereinigt, teils in Geschwader geteilt, übernommen; auch
hier wurden natürlich die Convois durch Kriegsschiffe, hinauf bis zu
selbst schwereren Linienschiffen, begleitet sowie einzelne Kreuzer
entsandt. Englischen Geschwadern glückte es, größere französische Convois
abzufangen, da diese ja in ihren Bereich kommen mußten.
Über die Stärke der englischen Seestreitkräfte in den nördlichen
Gewässern liegen genaue Angaben nicht vor. Nach den Abmachungen über
das Verhältnis der Rüstungen zur See müssen sie weit bedeutender als
die holländischen gewesen sein. England beklagte sich später, und
selbst nach holländischen Quellen nicht ganz ohne Berechtigung, daß
Holland seiner Pflicht nicht nachgekommen sei; da dieses aber bei der
Hauptflotte im Mittelmeer annähernd geschehen ist, muß der Unterschied
in den heimischen Gewässern gelegen haben.
Nach allen Angaben muß man annehmen, daß England im Gegensatz zu Holland
den kleinen Krieg gerade in den letzten Jahren, als die Flotte im
Mittelmeer vermindert werden konnte, mit immer wachsender Tatkraft
durchgeführt hat.
Einen Begriff von dem Umfang des kleinen Krieges geben =die ungeheuren
Verluste auf beiden Seiten=: England hat gegen 50, Frankreich gegen 100
Kriegsschiffe sowie zahlreiche Kaper in Gefechten[274] verloren. Über
Holland fehlen nähere Angaben.
[274] In Hinsicht auf Beispiele für die zahlreichen Gefechte zwischen
Einzelschiffen und Verbänden im kleinen Kriege verweise ich auf
die Spezialgeschichten der einzelnen Marinen, z. B. Clowes, Teil
II, Kapitel »minor operations«; Troude, Teil I; Bonfils, Teil II;
de Jonge, Teil III und IV. Hier sollen nur (Seite 561) die Taten
der berühmtesten französischen Freibeuterführer erwähnt werden.
Nach den früher gemachten Angaben (Seite 557) kann man mit einiger
Sicherheit annehmen, daß England 17 Linienschiffe im kleinen Kriege
verloren hat. Der Verlust der dort angeführten 7 schwereren (über 60
Kanonen) ist durch die Schilderungen größerer Gefechte im Kreuzerkriege
festgestellt worden; die 10 50-Kanonenschiffe und die 31 Fregatten usw.
werden auch zum größten Teile als Convoischiffe und als Kreuzer
gefallen sein -- wir hörten ja von keinen bemerkenswerten Verlusten bei
der Hauptflotte. Einige der als verunglückt angeführten Schiffe sind
gleichfalls wohl Opfer des seemännisch gefährlichen Blockadedienstes
geworden.
Die Franzosen haben einen Gesamtverlust von 40 Linienschiffen gehabt.
Rechnen wir die Verluste von Vigo, Gibraltar und Toulon mit 35 ab, so
bleiben 5 für den Kreuzerkrieg; diese werden im Privatdienst gestanden
haben, denn in den Gefechten ihrer Kreuzerdivisionen sind keine
Verluste erwähnt, oder es sind die 5, von deren Verlust bei Malaga
einige englische Quellen sprechen. Dazu kommen aber die angeführten 95
kleineren Kriegsschiffe und »mehrere hundert« Kaper.
Vorstehende Berechnung eines Verlustes von 50 englischen und 100
französischen Kriegsschiffen während des ganzen kleinen Krieges stimmt
gut überein mit den Angaben eines Kommissionsberichtes im Hause der
Lords vom Jahre 1707. Nach diesem hatte England 1702-1707 80
französische Kriegsschiffe sowie 175 Kaper genommen und selber 30
Kriegsschiffe verloren.
Wenden wir uns schließlich zu den =Erfolgen des kleinen Krieges=. Angaben
über die Gesamtzahl der aufgebrachten Kauffahrer sind nicht vorhanden,
einen Anhalt gibt der ebenerwähnte Kommissionsbericht im Hause der
Lords. Nach diesem hatten die Engländer in den ersten fünf Kriegsjahren
1300-1400 französische Kauffahrer genommen und 1100-1200 verloren, von
denen aber 300 wiedergenommen sind. Dies war in den Jahren, in denen der
französische Kreuzerkrieg blühte, und trotzdem war der Verlust der
Franzosen größer; zieht man aber in Berechnung, daß der englische Handel
ungemein überlegen war, so stellt sich der relative Verlust auf
französischer Seite noch ganz anders dar. Ähnlich wird das Verhältnis
Holland gegenüber gewesen sein. Der mit aller Anstrengung geführte
Kreuzerkrieg der Franzosen -- unter besonders fähigen und tätigen
Geschwaderführern sowie Kaperkapitänen mit tüchtigstem Personal -- konnte
nicht hindern, daß der eigene Seehandel, nach französischen Angaben,
schlechter geschützt war als im vorigen Kriege und lahmgelegt wurde und
daß der der Gegner, wenigstens der englische, sogar zunahm. Ferner ward
Frankreichs Geldnot während des Krieges immer größer und sein Kredit
fiel. Es muß dies großenteils dem Abgeschnittensein von der See
zugeschrieben werden, denn das reiche Land selber ward nicht vom Feinde
betreten und seine Industrie hatte nicht unter unmittelbaren
Feindseligkeiten zu leiden; England und Holland waren dagegen imstande,
die eigenen Kriegskosten und die ihrer Verbündeten zu tragen. Das
Abgeschlossensein von der See brachte Frankreich auch schwere
unmittelbare Nachteile, so z. B. Mangel an Korn in den Jahren der
Mißernte 1709-1712.
Als 1709 der Kreuzerkrieg der Franzosen in der Nordsee nicht mehr
kräftig geführt wurde, erhielten die englischen und holländischen
Geschwader hier den Befehl, jegliche Kornzufuhr aus der Ostsee nach
Frankreich und Spanien zu hindern. Sie durften zu diesem Zweck jedes
Kornschiff anhalten; aufgebrachten Fahrzeugen mit andern
Bestimmungshäfen wurde eine Entschädigung für den Zeitverlust
zugestanden.
Ganz ist Frankreich nie von der See abgeschnitten gewesen. Dies beweist
das Auslaufen Trouins nach Brasilien, sowie der Umstand, daß noch 1710
gegen 40 Freibeuter Dünkirchen verließen und eine Beute von 700 000
Francs machten.
So liefert auch dieser Krieg einen Beweis für die Behauptungen (vgl.
Seite 305 und 471), daß ein Kreuzerkrieg, der sich nicht auf eine Flotte
stützt, nicht dauernd durchgeführt werden kann und daß eine solche
Kriegführung allein nicht imstande ist, einen seemächtigen Gegner
niederzuwerfen.
$Haupttaten berühmter französischer Freibeuter-Führer.$[275] Kapitän
=Saint Pol=, Chef des Dünkirchen-Geschwaders nach seines Lehrmeisters
Jean Barts Tode, nahm April 1703 im Kanal mit nur 3 schweren Fregatten
mehrere Schiffe eines englischen Convois und von den 3 Schiffen der
Bedeckung 2, darunter das führende Linienschiff. Im August vernichtete
er mit einem Linienschiff, dem kürzlich eroberten, und 3 Fregatten in
der Nordsee von 4 holländischen Kriegsschiffen 3, verlor selber nur 1
und zerstörte mit Booten 200 Fischerfahrzeuge, die sich in eine Bucht
der Orkaden geflüchtet hatten; dann nahm er 3 holländische Fregatten,
die zum Schutz einer anderen Fischerflotte unterwegs waren. 1704
brachte er einige holländische Kauffahrer in der Nordsee auf und später
mit 4 Kriegsschiffen und 5 Freibeutern einen englischen Convoi von 11
Segeln nebst den begleitenden 3 Kriegsschiffen. Bei dieser Unternehmung
fiel er.
[275] Quelle: Chabaud-Arnault, die nach Vergleich mit anderen Quellen
nur wenig gefärbt erscheint. Gefechte teilweise genauer
beschrieben in Bonfils, Teil II, sehr schwülstig.
Kapitän =de Forbin=, gleichfalls ein Schüler Jean Barts, folgte im
Kommando. Nachdem er dem Handel der Gegner schon großen Schaden in der
Nordsee zugefügt hatte, schlug er im Oktober 1706 mit 8 Schiffen, von
20-54 Kanonen, 6 Holländer von 46 bis 50 Kanonen und nahm 2 davon. Im
Mai 1707 eroberte er ein englisches Schiff von 72 Kanonen und gegen 20
Kauffahrer; im Juni brachte er noch 30 Kauffahrer auf. Als seine letzte
Tat ist uns die Überführung Jakobs III. schon bekannt (Seite 552).
Fregattenkapitän =Duguay-Trouin= nahm von Brest aus in den Jahren
1702-1706 mit nur 3 kleineren Fregatten in verschiedenen Gefechten 2
Schiffe zu 74 Kanonen, 1 zu 52 Kanonen, 4 Fregatten und eine große Zahl
von Kauffahrern; einmal schlug er den Angriff eines portugiesischen
Geschwaders von 6 Schiffen ab. 1707 kommandierte er als
Linienschiffskapitän die Brest-Division von 4 Linienschiffen (50 bis 74
Kanonen) und 2 Fregatten (40-44 Kanonen). Im Oktober trat er unter
Forbins Befehl; die beiden Divisionen waren zusammengezogen worden
(zusammen etwa 700 Kanonen), um einen großen englischen Transport mit
Truppen und Material für Spanien anzugreifen. Am 21. trafen sie bei
Lizard auf den Feind, 80 Transporter gedeckt von 5 Linienschiffen (340
Kanonen). Forbin zögerte mit dem Angriff, weil er erst die Linie bilden
wollte, und die Engländer mehrten Segel. Da griff Trouin, ohne die
erbetene Erlaubnis abzuwarten, an und hielt den Feind durch Entern
fest, bis auch Forbin herankam. Vier der englischen Schiffe wurden
aufgesprengt oder genommen, 60 Transporter fielen den Siegern in die
Hände. Noch im selben Jahre nahm Trouin ein Schiff von 80 Kanonen und
im nächsten einen Convoi von 22 Segeln. Sein Freibeuterzug nach Rio ist
uns bekannt (Seite 556).
Chef d'Escadre =du Casse= führte 1701, 1702, 1708, 1711 mit großem
Geschick die spanische Silberflotte nach Europa und leistete damit
Spanien und Frankreich ungemein wichtige Dienste. Ihm war fast
fortlaufend der Schutz der Kolonien und des Handels in Westindien
anvertraut.
Kapitän =Cassard= führte, wie schon erwähnt, in den Jahren 1709-1711
drei große Getreidezufuhren nach Toulon; zweimal schlug er dabei
überlegene Kräfte ab. 1712 lief er, wie auch schon angedeutet, mit 6
Linienschiffen und 2 Fregatten von Toulon aus; er brandschatzte eine
der Kapverden (St. Jago) sowie verschiedene westindische Besitzungen
Englands und Hollands.
$Die Zusammenstöße in den Kolonien$[276] beschränkten sich auch im
Spanischen Erbfolgekriege auf Handelsstörung und Brandschatzung der
Ansiedlungen. Die Verbündeten würden wohl mehr unternommen haben, wenn
sie nicht von 1703 ab mit ihrer Hauptkraft an den spanischen Landkrieg
gebunden gewesen wären (vergl. Seite 490). Wie im vorigen Kriege trat
vorzugsweise England jenseits des Ozeans offensiv auf, Holland entsandte
keine nennenswerten Streitkräfte; Frankreich übernahm auch für das
schwache Spanien den Schutz des Handels und der Kolonien. Die
Hauptereignisse, für die nur Westindien und Nordamerika in Betracht
kommen, seien kurz angeführt.
[276] Die Hauptereignisse genauer in Colomb, Kapitel XIII und XIV;
Clowes, Teil II, »minor operations«; Bonfils, Teil II.
Bei Beginn des Krieges hatte es den Anschein, als ob =Westindien= ein
Schauplatz von größerer Bedeutung werden solle. Wir hörten (Seite 508),
daß Frankreich schon 1701 eine schwache Division (Coëtlogon) entsandte,
um Truppen hinüberzubringen und die Galeonen abzuholen, England ein
stärkeres Geschwader (Benbow; 10 Linienschiffe), um mit Ausbruch des
Krieges sofort die Silberflotte und Cartagena anzugreifen, und daß nun
wieder Frankreich 10 Schiffe (Château-Renault) hinterher schickte; Benbow
erhielt im Mai 1702 noch eine Verstärkung unter Admiral Whetstone. Bei
Ausbruch des Krieges waren mithin ziemlich starke Streitkräfte beider
Parteien in Westindien.
=Benbow= hielt sich vor Beginn des Krieges schlagfertig bei Jamaica,
möglichst unterrichtet über die Stärke der Franzosen sowie ihrer und der
Silberflotte Bewegungen; er mußte aber auch den Schutz der Kolonien im
Auge behalten, weil der Gegner überlegen war. Coëtlogon verließ
bekanntlich schon im Winter und Château-Renault im Frühjahr 1702 mit den
Galeonen (in Vigo dann vernichtet) unbehindert Westindien. Benbows
Vorsicht war berechtigt gewesen. Renault hat die Absicht gehabt, die
Antillen anzugreifen, erhielt aber den Befehl, die Silberflotte zu
begleiten. Whetstone hat wahrscheinlich an Benbow den Auftrag überbracht,
die Feindseligkeiten zu eröffnen, jedenfalls die Nachricht, daß ein neues
französisches Geschwader nahe; es war =du Casse= mit 4 Linienschiffen und
8 Transportern, eine Truppensendung für spanische Kolonien. Benbow sandte
nun einige leichtere Schiffe in die kubanischen Gewässer zum Kreuzen
gegen Kauffahrer, stationierte Whetstone mit 6 Linienschiffen an die
Südküste Haitis, um du Casse abzufangen, und ging selber mit 7
Linienschiffen zu gleichem Zweck einige Tage später (21. Juli von
Jamaica) an die Westküste dieser Insel. Hier hörte er, daß du Casse nach
Cartagena bestimmt sei, folgte und traf ihn am 29. August bei St. Marta
(östlich von der Mündung des Magdalenenstromes). Du Casse bildete die
Gefechtslinie zwischen seinem Transport und dem überlegenen Gegner und
schlug den Angriff in einem mehrtägigen Gefechte glänzend ab. Das Gefecht
ist bemerkenswert: Die Franzosen sehen in ihm einen weiteren Beweis
(neben den vielen Erfolgen im Kreuzerkriege) dafür, daß sie in allen
Aktionen zwischen Einzelschiffen oder Divisionen den Sieg davon getragen
hätten; die Engländer bezeichnen dieses Ereignis als eins der
peinlichsten ihrer Marinegeschichte.
$Das Gefecht zwischen Benbow und du Casse vor Cartagena.$ Schiffe mit
Angabe der Kanonenanzahl und Gefechtsordnung:
Defiance 64 Heureux 68 (du Casse)
Pendennis 48 Agréable 50
Windsor 60 Phénix 60
Breda 70 (Benbow) Apollon 50
Greenwich 54 Prince de Frise 30
Ruby 48 1 Brander
Falmouth 48 3 kleine Fahrzeuge.